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Wirtschaftspolitik I (Subject) / Block I: Was ist Wirtschaftspolitik? (Lesson)

Ziele der Wirtschaftspolitik

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  • Normative Dimension Es existiert kein Wert an sich, jeder Gegenstand oder Zustand wird erst dann wertvoll, wenn er einem Individuum Nutzen stiftet.  Das ökonomische Weltbild ist also vollkommen anthropozentrisch.  (anthropozentrisch = der Mensch steht im Mittelpunkt)
  • Methodische Dimension Nur Individuen, nicht Staaten, Unternehmen, Gewerkschaften oder andere Kollektive, handeln Handlungen von vermeintlichen Kollektiven (Staat, Unternehmen etc.) sind über die Einstellungen, Verhaltensweisen und Entscheidungskalküle ihrer individuellen Mitglieder zu erklären.  → Aggregierung von Gruppen Beispiel: Haftbarkeit von Managern für ihr Handeln
  • Unterschiedliche Ansätze zur Analyse von Zielen der Wirtschaftspolitik Analyse beobachtbarer oder erstrebenswerter Ziele  Analyse der von der Politik tatsächlich verfolgten Ziele (positive Theorie)  Analyse der Ziele, die aus übergeordneten (politischen oder ethischen) Gründen verfolgt werden sollten (normative Theorie)  Herleitung von Zielen auf Basis der Wohlfahrtsökonomie  Herleitung von Zielen der Wirtschaftspolitik aus übergeordneten Prinzipien wie der Maximierung der „Wohlfahrt“  Herleitung von Allokationszielen (und Stabilisierungszielen) aus potenziellen Marktfehlern  Beurteilung und Lösung möglicher Zielkonflikte zwischen Allokations- und Verteilungszielen 
  • Pareto-Optimum Für normative Aussagen dient das Konzept des Pareto-Optimums  Ein Zustand ist dann optimal, wenn kein Individuum besser gestellt werden kann, ohne ein anderes Individuum schlechter zu stellen  Das Pareto-Kriterium ist strikt individualistisch und mit dem methodologischen Individualismus vereinbar  Der Verwendung des Pareto-Optimums als umfassendes Wohlfahrtskriterium sind Grenzen gesetzt, da es auf der Basis gegebener Einkommens- und Vermögensverteilungen abgeleitet wird  → Pareto - Effizienz bedeutet Einstimmigkeit!!
  • Marginalbedingungen für größtmögliche allokative Effizienz Tauschoptimum  Die Aufteilung zweier Güter auf zwei Individuen ist dann Pareto-optimal, wenn die Grenzraten der Gütersubstitution (GRS) für sämtliche Individuen identisch sind Produktionsoptimum  Optimaler Faktoreinsatz (Grenzproduktivität), optimale Faktorallokation (Grenzrate der technischen Substitution GRTS) und optimale Arbeitsteilung über alle Produktionsbereiche hinweg (Grenzrate der Transformation GRT)  Optimale Produktionsstruktur  Zielt auf eine Produktion entsprechend der Präferenzen der Individuen ab, d.h. das optimale Mengenverhältniss der einzelnen Güter in der volkswirtschaftlichen Gesamtproduktion. Die optimale Produktionsstruktur ist erreicht, wenn GRS = GRT gilt. 
  • 1. Hauptsatz der Wohlfahrtsökonomie Jedes Wettbewerbsgleichgewicht ist ein Pareto-Optimum  Wettbewerb führt zu einem individuell und gesellschaftlich verschwendungsfreien (kein Individuum kann besser gestellt werden, ohne ein anderes Individuum schlechter zu stellen) Zustand  Abweichungen von der vollständigen Konkurrenz führen im Referenzmodell zu suboptimalen (nicht verschwendungsfreien) Zuständen 
  • 2. Hauptsatz der Wohlfahrtsökonomie Jedes Pareto-Optimum ist bei entsprechender Ausgangsverteilung als Wettbewerbsgleichgewicht realisierbar Das 2. Wohlfahrtstheorem nimmt an, dass das Allokationsproblem bei vollständiger Konkurrenz im Referenzmodell vom Verteilungsproblem getrennt werden kann. Damit wird implizit angenommen, dass Verteilungsfragen bzw. Wirkungen bei allokativen Analysen (zunächst) nicht beachtet werden müssen → Lösung des Verteilungs- und Allokationsproblems → Erzeugt Verzerrungen (Bsp. Einkommensumverteilung) 
  • Nutzenniveaus Bentham: WB = U1 + U2  Bernoulli-Nash: WN = U1* U2  Rawls: WR = min [U1,U2]  → Maximierung des gesellschaftlichen Nutzen, wenn der Nutzen des schwächsten Mitglieds maximiert wird Soziale Wohlfahrtsfunktionen können eine kollektive Präferenz nicht herleiten und liefern damit keine befriedigende Zielvorgabe für die Wirtschaftspolitik!  Die vorgestellten Wohlfahrtsfunktionen (Rawls, Bentham, Nash) sind mit der normative Wertbasis der Ökonomik (methodologischer Individualismus) schwer vereinbar → Nutzenfunktion = Ableitung einer Präferenz
  • Anforderungen an ein geeignetes Aggregationsverfahren zur Herleitung einer sozialen Wohlfahrtsfunktion (Arrows) Kollektive Rationalität als Grundbedingung (Transitivität (widerspruchsfreie Rangfolge) und Konsistenz ) Axiom 1: Universelle Gültigkeit individueller Präferenzen bzw. VollständigkeitAxiom 2: Pareto-PrinzipAxiom 3: Nicht-Diktatur-Bedingung ( Gleichberechtigung der Akteure)Axiom 4: Unabhängigkeit von irrelevanten Alternativen  Arrow fordert die Unabhängigkeit von irrelevanten Alternativen, um beeinflussbare Aggregationsverfahren auszuschließen  Die Frage, ob ein Zustand A dem Zustand B sozial vorgezogen wird, darf nicht davon abhängen, wie eine „irrelevante“ Alternative C gegenüber A oder B eingeschätzt wird (konsistenter paarweiser Vergleich)  Bei mindestens drei Alternativen ist es unmöglich, eine kollektive Präferenzordnung (bzw. eine soziale Wohlfahrtsfunktion) aus individuellen Präferenzordnungen zu gewinnen  → Trade Off zwischen Transitivität und Nicht-Diktator Bedingung; Ziele können aus einer sozialen Wohlfahrtsfunktion nicht abgeleitet werden!
  • Bei der gleichzeitigen Verfolgung aller Zielvorgaben können Zielkonflikte auftreten Harmonie zwischen den Zielen: Das Erreichen eines Ziels fördert auch das Erreichen eines anderen Ziels.  Neutralität der Ziele: Das Erreichen eines Ziels hat keinen Einfluss auf andere Ziele.  Konflikt zwischen den Zielen: Das Erreichen eines Ziels hat einen negativen Einfluss auf das Erreichen eines anderen Ziels
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  • Aufgabe der ökomischen Theorie im Rahmen einer positiven Analyse Hinweise auf Konflikt zwischen gesellschaftlichen Zielen liefern.  Hinweise auf die Knappheit der zur Zielverfolgung bereitstehenden Ressource liefern.  Hinweise auf Möglichkeiten der Überwindung von vermeintlichen Zielkonflikten anbieten. 
  • Zielkonflikt zwischen Wachstum und Verteilung? Im Querschnitt von Industrie und Entwicklungsländern zeigt sich, dass die Ungleichheit der Einkommensverteilung mit steigendem BIP zunächst zunimmt, später aber wieder abgebaut wird  Zielkonflikt zwischen Wachstum und Verteilungszielen in einem frühen Entwicklungsstadium. Neue Wachstumstheorie sieht Verteilungsgerechtigkeit als wichtige Determinante des Wachstums. Weniger Ungleichheit kann Aufbau von Humankapital fördern. 
  • Take Home Messages Block 1 Der methodologische Individualismus ist die zentrale Wertsetzung der Ökonomik. Im Einklang mit dieser Wertbasis entfaltet das Pareto-Kriterium seine normative Kraft durch die Beobachtung tatsächlicher, freiwilliger individueller Tauschhandlungen.  Der konsistente Nachweis einer tatsächlichen Pareto-Verbesserung im Fall kollektiver Entscheidungen wäre konzeptionell daher nur bei Einstimmigkeit denkbar.  Arrow hat mit seinem Unmöglichkeitstheorem auch formal bewiesen, dass bei Einhaltung naheliegender Anforderungen an eine soz. Wohlfahrtsfunktion eine konsistente Aggregation individueller Präferenzen unmöglich ist.  Hypothetisch wäre eine Einigung über einer soziale Wohlfahrtsfunktion im Rahmen einer konstitutionellen ex-ante Entscheidung der Gesellschaft unter einem Schleier denkbar (Vgl. Rawls oder Buchanan). In der Realität werden kollektive Zielvorgaben durch gesellschaftliche Konventionen und den politischen Willensbildungsprozess geprägt. Die damit verbundenen Vorteile und Schwierigkeiten werden im kommenden Block II „Politische Entscheidungsprozesse und Strukturen“ diskutiert. Wenn keine kollektive Entscheidung notwendig ist, legt die ökonomische Theorie im Einklang mit dem Pareto-Kriterium eine Koordination über dezentrale Marktprozesse nahe. 
  • Werturteilsstreit (1909) Sind ökonomische Theorien auch für die Vorgabe von Politikzielen (als normative Aussagen) verwendbar?  Dimensionen des Werturteilsstreits: Urteile in der Wertbasis Wertsetzung der wissenschaftlichen Methode, z.B. methodologischer Individualismus Urteile im Objektbereich Beobachtbare Werte als Untersuchungsgegenstand Urteile im Subjektbereich Meinungen / Ziele des Forschers (Kern des Werturteilsstreits) 
  • Methodologischer Individualismus die zentrale Wertsetzung der ökonomischen Theorie  Normative Dimension Methodische Dimension → Betrachtung eines Problems aus der Sicht des Individuums → Wertung duch Untersuchung von Dingen, zielgerichtete Forschung anhand von Modellen
  • Hypothetische Wohlfahrtsseigerung Eine Maßnahme wird als wohlfahrtssteigernd bewertet, wenn der gesamtgesellschaftliche Nutzenzuwachs den gesamtgesellschaftlichen Nutzenverlust zu überwiegen scheint  ABER: Interpersonelle Nutzenvergleiche notwendig!  Keine tatsächliche Gewissheit, ob der Bruttonutzengewinn tatsächlich den Bruttonutzenverlust überwiegt Versuch, sich über Kosten-Nutzen Analysen zu nähern
  • Soziale Wohlfahrtsfunktion Eine soziale Wohlfahrtsfunktion (SWF) bringt alle Punkte im Nutzenraum in eine eindeutige Rangfolge bezüglich der realisierten individuellen Nutzenniveaus → Gewichtung ist sehr schwierig!
  • Unmöglichkeitstheorem nach Arrows Jede soziale Wohlfahrtsfunktion, die den Forderungen nach Transitivität, universeller Gültigkeit, Pareto-Prinzip und Unabhängigkeit von irrelevanten Alternativen genügt, ist diktatorisch