57
Kuwi Hagen Literatur (Subject) / Drama (Lesson)
Advertisement
- Chor Eine Gruppe von Sprechern im Drama, die nur als Kollektiv spricht.
- Bürgerliches Trauerspiel Nach der Emanzipation des Bürgertums im 18. Jahrhundert stehen nun auch Themen und Probleme aus der bürgerlich-privaten Wertewelt und damit auch bürgerliche Personen im Vordergrund (vgl. Fallhöhe, Ständeklausel). Die sonst für eine Tragödie üblichen Merkmale wie Versmaß und Regelpoetik (drei Einheiten) werden aufgebrochen.
- Akt Dominierende Gliederungseinheit im Drama, welche räumliche und inhaltliche Strukturierung gewährleistet. Der Akt lässt sich weiter untergliedern in Szenen oder Auftritte.
- Analytisches Drama Das entscheidende Ereignis, die Katastrophe ist bereits eingetreten. Im Verlauf der Bühnenhandlung werden die in der Vergangenheit liegenden Hintergrunde enthüllt.
- Antagonist Gegenspieler des Protagonisten, als Kontrast gegen diesen konzipiert und ihm in der Figurenkonstellation gegenübergestellt. Bsp.: Mephistoles in Goethes Faust.
- Anagnorisis Wiedererkennen: bezeichnet den Umschlag von Unwissenheit in Erkenntnis. Neben Peripetie und Pathos das dritte entscheidende dramatische Bauelement eines Dramas mit geschlossener Form.
- Aristotelisches Drama Bezeichnung für eine streng gebaute Dramenform, die auf die von Aristoteles (Poetik, 8. Kapitel) entworfene Dramentheorie zurückgeht. Das aristotelische Drama fordert zum einen die Einhaltung der drei Einheiten (von Handlung, Ort und Zeit) und ist zum anderen der Katharsis verpflichtet.
- Auftritt/Szene Kleinstes Gliederungssegment des Dramas; bezeichnet das Geschehen zwischen zwei Personenwechseln.
- Aufzug Seit dem 18.Jahrhundert gebräuchliche Bezeichnung für den Akt im Drama.
- Beiseitesprechen Monolog einer Figur, der von anderen anwesenden Figuren aber nicht gehört wird bzw. nicht gehört werden soll.
- Advertisement
- Boten Funktionsfiguren, die Nachrichten von weiter entfernt gedachten Orten zum Bühnengeschehen bringen.
- Botenbericht Dramaturgisches Hilfsmittel, um in der Vergangenheit liegende Geschehnisse in die Handlung einzubauen, die so auf der Bühne nicht darstellbar sind (z. Bsp. Schlachten, Hinrichtungen). vgl. auch Teichoskopie.
- Deus ex Machina Begriff für eine ganz und gar unerwartete Lösung des Konfliktes in einem Theaterstück. In der Regel geschieht diese Lösung in Form eines unvorbereiteten Auftritts eines Gottes, der oft mit Hilfe von speziellen Maschinen der Bühnentechnik inszeniert wurde der eine Aporie der dramatischen Handlung lösen kann.
- Dialog Wechselrede der Figuren bzw. das Gespräch im Drama. Das grundlegende sprachliche Wesenselement, da dieser sowohl den Ablauf der Handlung bestimmt als auch der Charakterisierung der Figuren sowie der Darstellung ihrer Konflikte dient.
- Diener/Vertrauter Eine der Hauptfigur ständisch und dramaturgische untergeordnete Figur, die für jene nicht nur Aufgaben erfüllt, sondern auch als Gesprächspartner fungiert, dem Gedanken, Gefühle und Motivationen anvertraut werden können.
- Drei Einheiten Unter Rückgriff auf die Poetik des Aristoteles fordert diese dramentheoretische Norm als zentrales Merkmal des geschlossenen Dramas die Einheit von Ort, Zeit und Handlung.
- Einheit der Handlung Das Drama muss einen Handlungsstrang aufweisen, dem alle Einzelhandlungen zugeordnet sind. Es darf nur bedingt Nebenhandlungen und keine Parallelhandlungen geben. Idealtypischer Aufbau des Dramas: Exposition, Peripetie und Katastrophe/Lösung.
- Einheit des Ortes Das gesamte Drama soll sich an einem einzigen Ort ohne Szenenwechsel abspielen. Weitere Möglichkeiten der Informationsvermittlung: Teichoskopie, Botenbericht, Chor.
- Einheit der Zeit Aus der tektonischen Form ergibt sich zwangsläufig die Einheit der Zeit, die besagt, dass sich die Handlung in einem zeitlichen Kontinuum über maximal einen Tag (in strenger Form: zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang) erstrecken darf.
- Epilog Der eigentlichen Dramenhandlung folgendes, deutlich abgegrenztes Nachwort, das eine zwischen Dramentext, Autor und Publikum vermittelnde Position einnehmen kann.
- Episches Theater Bezeichnung für eine von Bertolt Brecht entwickelte offene Form des Theaters, die im Gegensatz zum klassischen aristotelischen Drama steht. Hierzu verfremdet Brecht die dramatische Handlung (Verfremdungseffekt): Die übliche Dramenform wird aufgelöst, stattdessen werden Einzelszenen aneinandergereiht. Das unmittelbare Geschehen wird u.a. duch die Einführung eines Erzählers oder durch den Einschub von Liedern verfremdet dargestellt werden. Der Zuschauer soll dadurch zur Veränderung der Gesellschaft angeregt werden.
- Exposition Die Exposition ist ein dramatisches Bauelement, das zu Beginn eines Dramas die Vorgeschichte, Ausgangssituation und Personenkonstellation erläutert. Dadurch wird dem Publikum das Hintergrundwissen vermittelt, auf dem die folgende konflikthafte Handlung beruht.
- Fallhöhe Diese eng mit der Ständeklausel verknüpfte Kategorie der Dramentheorie besagt, dass der Fall eines Helden umso eindringlicher empfunden wirdd, je höher sein sozial und moralischer Rang vorher war.
- Figurenkonstellation Das Verhältnis und die Stellung aller Figuren in einem Drama zueinander.
- Figurenrede Die von einer bestimmten Bühnenfigur gesprochenen Worte.
- Fiktionsbrechung Die geschaffene Fiktionsebene bzw. der Illusionsraum der Dramenhandlung wird von den Figuren verlassen um die Illusion als solche kenntlich zu machen. Damit wird die theatrale Kommunikationssituation selbst thematisiert und das Publikum wird auf die Präsentationsform des Dramas zurückverwiesen.
- Fünfaktschema Idealisiertes Aufbaumodell von Gustav Freytag (1816-1895): 1.Akt: Exposition, Einleitung 2.Akt: Steigerung 3.Akt: Höhepunkt, Peripetie 4.Akt: Retardation, retadierendes Moment 5.Akt: Lösung oder Katastrophe
- Gemischte Charaktere Figuren, die weder eindeutig gut noch böse sind. Sie befinden sich auf gleicher Höhe mit dem Publikum und sollen das Drama glaubwürdiger und wahrscheinlicher machen.
- Geschlossene/tektonische Form Im idealtypischen Drama der geschlossenen Form sollten die Einheit des Ortes, der Zeit und der Handlung eingehalten werden. Der funktionale Aufbau sollte dem Schema Exposition, Steigerung, Höhe-/Wendepunkt, Verzögerung, Katastrophe entsprechen und den strengen Regeln der Personenverteilung sowie der Ständeklausel gehorchen.
- Zieldrama Der Verlauf ist auf einen zukünftigen Höhepunkt hin konzipiert, das Drama ist also zielgerichtet (teleologisch) ausgerichtet.
- Advertisement
- Vertrautenrede Gespräch zwischen Protagonist und einer ihm fest zugeordneten, sein volles Vertrauen genießenden Bühnenperson. Sie dient der Informationsvergabe über Gedanken, Gefühle und Absichten des Protagonisten.
- V-Effekt Der Verfremdungseffekt ist ein spezifisches Mittel des epischen Theaters B. Brechts, das gezielt gegen eine identifikatorische Rezeption mittels in sich geschlossener Illusion antritt.
- Tragödie Trauerspiel. Neben der Komödie die wichtigste Gattung des Dramas, in der das wesentliche Element das Tragische ist. Die Tragödie gestaltet einen schicksalhaften, unvermeidbaren und unlösbaren Konflikt, der zum Untergang des tragischen Helden führt.
- Hamartia - Fehler/Verfehlung Der Begriff bezeichnet das Fehlverhalten des Helden, das die tragische Katastrophe herbeiführt. Hierbei handelt es sich nicht um moralische Schuld, sondern um tragisches Versagen des Helden.
- Hanswurst Figur des Barocktheaters, vor allem bei Wanderbühnen beliebt. Der Hanswurst (oder Pickelhering) bringt ein komisches Element in die sonst tragische Handlung.
- Hauptfiguren Die zentralen Figuren des Dramas, um die sich die Haupthandlung dreht, bzw. die aktiv und selbständig agieren und die entsprechend die größten Textanteile haben.
- Haupttext Der von den Schauspielern als Figuren auf der Bühne gespochene Text des Dramas.
- Höhe-/Wendepunkt, Peripetie Dramatisches Handlungselement, das den Höhepunkt der Spannungskurve markiert. Der dramatische Konflikt wird schon hier entschieden, da die Handlung ihre entscheidende Wendung erfährt (vgl. Fünfaktschema nach Gustav Freytag).
- Informationsvergabe Terminus der Dramenanalyse zur Beschreibung der Möglichkeit, dem Zuschauer über Haupt- und Nebentext Wissen über den Fort- und Ausgang der Handlung zukommen zu lassen.
- Intrige Für die dramatische Handlung entscheidendes Komplott.
- Prolog Der eigentlichen Dramenhandlung vorgelagerte, deutlich markierte Vorrede, die der Ankündigung, Erläuterung und Ausdeutung dienen kann.
- Protagonist Zentrale Figur, Hauptfigur des Dramas (vgl. Antagonist).
- Retadierendes Moment Verzögerung der Katastrophe, da kurzzeitig ein untragischer Lösungsansatz aufscheint, der sich jedoch als nur scheinbar entpuppt.
- Ständeklausel Die Forderung der Renaissance- und Barockpoetiken, wonach eine Tragödie nur vom Schicksal einer Person höheren Standes (Götter, Könige, Adelige) handeln darf, während Personen aus niederen Ständen (Handwerker, Bürger) nur in der Komödie als Hauptfiguren auftreten dürfen. (vgl. Fallhöhe). Mit dem bürgerlichen Trauerspiel wurde die Ständeklausel überwunden.
- Stationendrama Eine Dramenform, die einzelne Episoden und Szenen (Stationen einer Handlung) aneinander reiht. Die Abfolge der Szenen zielt nicht mehr auf die Darstellung einer geschlossenen Handlung ab; die Verbindung wird in der Regel durch eine zentrale Figur hergestellt.
- Stichomythie - Zeilenrede Dialogform im Versdrama, bei der besonders kurze, sich jeweils genau über eine Zeile erstreckende, Sätze aufeinanderfolgen. Als Wechselrede zwischen zwei (selten) drei Figuren soll damit die Lebhaftigkeit und Dramatik des Dialogs unterstrichen werden.
- Teichoskopie (Mauerschau) Mündlicher Bericht einer Bühnenfigur von einem räumlich nahen und zeitgleichen, jedoch für Publikum und weiteres Bühnenpersonal nicht offenen sichtbaren, handlungsrelevanten Ereignis. (Im Gegensatz zum Botenbericht, der sich auf bereits abgeschlossenen Vorgänge bezieht.)
- Theater auf dem Theater In der Dramenhandlung verankertes Schauspiel auf der Bühne, das für diese deutende, kommentierende oder selbstreferentielle Funktion übernehmen kann, das heißt, in die umfassende Bühnenhandlung eingebettete theatrale Einlage, die als Theaterspiel nicht nur dem Publikum, sondern auch einigen Bühnenfiguren präsentiert wird, wobei andere Bühnenfiguren als Schauspieler agieren.
- Pathos In der Tragödientheorie die Abschnitte des Dramas, die durch die Darstellung von Tod und schwerem Leid im Zuschauer die Affekte von Jammer und Schauder nach Aristoteles oder Furcht und Mitleid nach Lessing (vgl. Katharsis) auslösen.
- Parabase Direkte Wendung einer Bühnenfigur an das Publikum.