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Mediensystem (Subject) / Einführung (Lesson)

Ökonomie & System

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  • Reputationslösung des Informationsparadoxon bei periodisch gekauften Erfahrungsgütern - Schaffung von Marken-Qualitätsreputation durch Produktion von kontinuierlich guter  Qualität: profitabler Ruf als Qualitätsanbieter - impliziter, selbstdurchsetzender Vertrag zwischen Medienunternehmen und Rezipient:  Qualität oder Abwanderung - Sanktionierung durch Abwanderungs-Drohung - Träger der Reputation ist die Marke 
  • Zentrale Voraussetzung wirksamer Qualitätsreputation Verluste aufgrund zu erwartender Abwanderung > einsparbaren Kosten bei Billigqualität
  • Journalismus als Vertrauensgut: Vertrauensparadoxon Um journalistische Informationen (Recherche, Auswahl, Bewertung) und Beurteilungen qualitativ bewerten zu können, müssten die Rezipieten die hierzu notwendigen Informationen aus vertrauenswürdigen, anderen Quellen kennen. In diesem Fall bräuchten sie die journalistische Information aber in der Regel nicht mehr.
  • Marktversagen in Bezug auf die journalistische Qualität - bei Vertrauensgütern sind Exit-Drohungen leer --> Qualitätsproblem im Markt nicht über Reputationsmechanismen zu lösen --> partielles Marktversagen in Bezug auf die journalistische Qualität Argument für öffentlich rechtliche Medien
  • meritorische und de-meritorische Güter Die durch Konsumentennachfrage herbeigeführten Marktergebnisse sind inakzeptabel:  - meritorische Güter = Güter die im Markt zu wenig nachgefragt werden  BEISPIEL: Bildung, Kulturangebote  --> Förderung durch politische Subventionen - de-meritorische Güter = Güter, die im Markt zu viel nachgefragt werden   BEISPIEL: Drogen, (Internet-)Pornographie  --> Eindämmung durch Verbote oder erhöhte Steuern 
  • Gesellschaftlich relevante Informationen als meritorisches Gut - Problem der "rationalen politischen Ignoranz" des normalen Bürgers  --> Insignifikanz der individuellen politischen Entscheidung: eine einzige Wahlstimme         macht keinen Unterschied  --> keine Anreize, um sich politisch zu informieren GEFAHR: politisch relevante journalistische Angebote werden in einem reinen Medien-                 markt von anderen, stärker nachgefragten Informationen verdrängt                 Folge: mangelhafte Informationsversorgung der Gesellschaft LÖSUNG: öffentlich-rechtliche Angebote                 - Anbieter können politische Informationen ansprechend und interessant aufbe-                   reiten (aber auch entsprechend großer Ressourcenaufwand)                 - private Anbieter "müssen" hohe Quoten mit niedrigen Redaktionskosten                    erreichen: daher wählen sie die günstig produzierbaren Unterhaltungsthemen
  • Motive der Auseinandersetzung mit gesellschaftlich relevanten Fragen - Pflichtgefühl - Mitreden können - minimale Informationskosten (Nebenbei-Rezeption) - Unterhaltungsnutzen ??
  • Typologien von Mediensystemen: 4 Theories of the Press Annahme: Ausgestaltung des Mediensystems hängt vom jeweiligen politischen System ab 1. liberales Modell (USA)   - oberstes Gebot: Pressefreiheit   - aber unregulierter Markt: Medien sind zum wirtschaftl. Erfolg gezwungen 2. demokratisch kontrolliertes Modell (DEUTSCHLAND)   - Sozialverantwortung von Medien: sie sollen funktional für die Gesellschaft und Demo-                                                            kratie sein   --> dienende Freiheit: Medien müssen ihre öffentliche Aufgabe erfüllen und Politik muss                                       so gestaltet werden, dass sie das können   - freier Markt führt nicht zu einem funktionalen Markt: Notwendigkeit von öffentlich-rechtl.                                                                                        Rundfunk 3. autoritäres Modell (SPANIEN/ ITALIEN)    - Massenmedien = Instrument für herrschende Elite    - bestimmte Kontrollweise der Medien durch bestimmte Gruppe 4. totalitäres Modell (DDR)   - Gleichschaltung von Parteien und Medien: Journalisten werden der Ideologie ent-                                                                          sprechend ausgebildet   - herrschende politische Partei kontrolliert die Massenmedien
  • Drei Modelle von Medien und Politik 1. nordatlantisches (liberales) Modell    Usa, Kanada, GB, Irland    - Dominanz kommerzieller Medien    - begrenzter Einfluss von Staat auf Medien    - Vertrauen in den Markt 2. nord- und mitteleuropäisches (demokratisch korporatistisches) Modell    Deutschland, Schweiz, Skandinavien    - Koexistenz kommerzieller und politischer Mediengruppen    - aktive Rolle des Staates in der Medienpolitik 3. mediterranes (polarisiert pluralistisches) Modell    Italien, Spanien, Griechenland    - starke Einbindung der Medien in die Parteipolitik: Instrumentalisierung der Medien    - starke Einflussnahme des Staates    
  • demokratische Neuordnung nach Nazi-Diktatur - Lizenzierungspolitik der Besatzungsmächte: lokale Zeitungsmärkte in Privatbesitz                                                                         demokratisch-publizistisch orientierter Ver-                                                                         leger- quasi-genossenschaftliche Konstituierung der dpa nach Vorbild der amerikanischen AP- Konstitutierung des Rundfunks nach dem Vorbild des Public Service Broadcastin der   BBC
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  • Bedeutung des Verfassungsrechts & des Bundesverfassungsgericht - Presse- und Rundfunktfreiheit = dienende Freiheit mit staatlichem Gewährleistungsauf-  trag- außenplurale "freie Presse"- binnenpluraler öffentlich-rechtlicher Rundfunk mit staatlicher Bestands- Entwicklungs-  und Finanzierungsgarantie- Medienpolitik ist Ländersache 
  • Unternehmensstruktur dpa - GmbH mit 185 Gesellschaftern- Vorteil der Gesellschaftsstruktur: journalistische Unabhängigkeit + Größtenvorteile - Gesellschafter können nur bis 1,5% des Stammkapitals pro Gesellschafter erwerben,  Rundfunkgesellschaften insgesamt bis zu 25%- Vorteil solidarisches Preismodell: Preis ist abhängig von Auflagenhöhe, daher kann sich                                                        jeder dpa-Qualität leisten
  • Grundgesetz: Meinungsfreiheit + Spiegel-Urteil Jeder hat das Recht seine eigene Meinung in Wort, Bild und Schrift frei zu äußern. ... Die Presefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk&Film werden gewährleisteit. Spiegelurteil des BVerfG:- bestimmte die fundamentale Bedeutung der Pressefreiheit für den Staat in wegweisender  Deutlichkeit- Beschreibung der öffentlichen Aufgabe der Presse bzw. der Massenmedien in ihrer Rolle  als Medium und Faktor eines funktionsfähigen Prozesses der Meinungs- und Willensbil-  dung
  • zentrale Bedingungen der funktionalen Medienfreiheit - Staatsferne  - Vielfalt   - außenpluralistische Vielfalt   - binnenpluralistisch Vielfalt: wenig Sender, die aber in sich plural (ausgewogenes                                                 Programm) sind - Finanzierung: Vielfalt stellt sich nicht von alleine ein; durch staatliche Mittel (daher Staats-                          ferne besonders wichtig) - journalistische Sonderrechte: z.B. Zeugnisverweigerungsrecht
  • Gewährleistung der (funktionalen) Pressefreiheit - Pressemarkt- und Wettbewerb - außenpluralistische Vielfalt (viele verschiedene Medien) - abwehrrechtlicher Schutz der Pressefreiheit vor Staatsangriffen, die die Gewährleistung  der öffentlichen Aufgabe gefährden
  • Gewährleistung der Rundfunkfreiheit - Notwendigkeit eines staatsfernen und binnpluralistischen öffentlich-rechtl. Rundfunks  --> reiner Marktwettbewerb kann Rundfunkfreiheit nicht gewährleisten (meritorisches        Argument) - Grundversorgungsauftrag des öffentlich-rechtl. Rundfunks - Bestands- Entwicklungs- und Finanzierungsgarantie des öffentlich-rechtl. Rundfunks
  • Was sind 2-seitige Märkte/ Plattformen? = Platfform, auf der 2 Nutzergruppen zusammen kommen(Verkäufer und Käufer), welche    sich gegenseitig in ihrem Nachfrageverhalten beeinflussen - positive Feedbackmechanismen (=Verstärkung der Ausgangsgröße) durch indirekte   Netzwerkeffekte auf beiden Seite sind ein charakteristisches Merkmal zweiseitiger Märkte - Henne-und-Ei-Problematik: welche Marktseite braucht man zuerst, Nutzer oder Anbieter? - selektive Subventionierung bzw. Monetarisierung der Marktseiten - starke Konzentrationstendenzen/ Marktmachttendenzen: kein Grund auf andere Plattfor-                                                                                              men zu wechseln - Monopolplattformen könnten effizient sein: maximale Nutzung der indirekten Netzeffekte
  • Ökonomie 2seitiger Märkte 2SM als Erweiterung des Konzepts der Netzwerkeffekte = absichtliche, gezielte Nutzensteigerung: positive Feedbackmechanismen auf beiden   Seiten   --> Netzwerkeffekte als Marktstrategie von 2SM
  • Netzwerkeffekte = liegen vor, wenn für Nachfrager der mit einer Dienstleistung oder einem Produkte ver-   bundene Nutzen steigt, je mehr andere Nachfrager dieses Produkt oder diese Dienstleis-   tung ebenfalls benutzen direkte Netzwerkeffekte:- Nutzgensteigerung durch Hinzufügen neuer Netzwerkbeziehungen oder Interaktions-  partnerBEISPIEL: Whatsapp-Gruppe: Kommunikation in einer Gruppe steigert Nutzen (Informa-                                                  tion); je mehr Interaktionspartner desto mehr Information                   Facebook                   Snapchat                   Twitter indirekte Netzwerkeffekte- Nutzensteigerung bei Netvergrößerung, die nicht aus direkter Hinzufügung neuer  Interaktionspartnern besteht, sondern aus:  - Angebotssteigerung von Komplementärgüter (wird AppStore von vielen genutzt, gibt es    mehr Apps)  - Angebotsverbesserung aufgrund von Skaleneffekten, Lerneffekten, Feedbacks, Repu-    tationseffekten   - Konzentration von Investitionen auf eine Plattform (Medienunternehmen wollen auf FB    gut dargestellt werden, das stärkt Facebook)  - bei 2SM: Attraktivität für die Teilnehmer der einen Marktseite wird erhöht, wenn Zahl der                   Nutzer auf der anderen Seite steigt (wechselseitige Steigerung von Angebot &                   Nachfrage)
  • Gatekeeper in der digitalen Medienwelt Gatekeeper = Unternehmen, die den Kundenzugang anderer Unternehmen spürbar                       beeinflussen können 1. Einstiegspunkt Endgerät    - Abhängigkeit der Nutzer von technischen Schichten     - Endgerät mit hoher Marktmacht, kann den Nutzer "zwingen" das eigene Betriebs-      system zu benutzen      --> eigene Software bestimmt, was kompatibel ist, Nutzer muss sich daran anpassen    BEISPIEL: Apple 2. Einstiegspunkt Navigation Hubs    - Navigation Hubs sind Websites die dazu dienen, andere Websites oder Inhalte zu      finden      --> können bestimmen, welche Inhalte dem Nutzer übermittelt werden und welche nicht     BEISPIEL: Google 3. Einstiegspunkt Plattformen    - Gatekeeper im Bereich der Intermediation (= mit elektronischer Technik arbeitende      Absatzmittler, die für die Güterabwicklung eingeschaltet werden)    - können den Nutzerzugang für Verleger/Produzenten etc. beeinflussen, da die Nutzer      auf der eigenen Plattform sind: Verkäufer müssen mitmachen zu den Bedingungen der      Plattform, um Zugang zu potentiellen Käufern zu bekommen      BEISPIEL: Spotify
  • Apple-Ökosystem komplettes Angebot aus Endgerät, Hardware (Betriebssystem), Software (Apps, etc.) und Zusatzdiensten (Inhalte-Plattformen) und IT-Fachleuten/App-Produzenten
  • Einflussfaktoren auf die Konzentrationstendenzen bei 2SM                       Ursache                             Effekt auf Konzentration- Stärke der indirekten Netzeffekte                               +- Ausmaß steigender Skaleneffekte                             +- Überlastungsgefahren                                                -- Differenzierung der Plattformen                                  - - Multihoming                                                                -  (= Nutzung untersch. Angebote nebeneinander)
  • Machtmissbrauch: Arten 1. Ausbeutungsmissbrauch = Missbrauch der Kunden, z.B. durch Abgabe ihrer Rechte 2. Behinderung = des Wettbewerbs: Gatekeeper-Stellung so verwenden, dass andere Un-                                                          ternehmen/ Wettbewerber beeinflusst werden                             z.B. Amazon privilegiert sich selber vor anderen Händlern 
  • Marktstellung Facebook in dem für journalistische Medienanbieter besonders relevanten Geschäftsfeld - DAS soziale Netzwerk: mit großem Abstand das meist genutzte Netzwerk - Umsatz hauptsächlich durch Online-Werbung - aktive Nutzer: innerhalb von 4 Jahren Steigerung um das 6-fache - Kauf von Whatsapp und Instagram
  • Mechanismen, die die Markstellung von Facebook bewirkt haben - direkte Netzwerkeffekte: je mehr Nutzer desto mehr Nutzen - "Lock-In" der Nutzer: keine Daten-Portabilität (Hebel für Ausbeutungsmissbrauch) - indirekte Netzwerkeffekte: Werbung/ Marketing, App-Entwickler, Inhalteanbieter   (Hebel für Ausbeutungs- und Behinderungsmissbrauch)
  • Inwiefern ist Markstellung kritisch für klassische journalistische Medienanbieter in der digitalen Welt? - stark wachsende Bedeutung von Facebook für die Nachrichtennutzung (Instant Articles) - bester Weg in Deutschland um Nachrichten zu finden aber immernoch Suchmaschinen   ( gefolgt von Social Media, mit Abstand) MACHTFRAGEN JOURNALISMUS- Gatekeeper- Manipulation des Newsfeed-Algorithmus: potentieller Behinderungs-/ Ausbeutungsmiss-                                                                    brauch- Auflösung klassischer normativer Kriterien (z.B. publizistische Vielfalt)- redaktionelle Prioritätensetzung und Marken verlieren an Bedeutung
  • Bewertung des aktuellen Bezugs - radikalste Attacke auf die Medienwelt, wie wir sie kennen - Instant Articles  - Stärkung der indirekten Netzwerkeffekte (Angebotsverbesserung)  - Stärkung der Gatekeeper-Position: Gefahr des Ausbeutungs- und Behinderungsmiss-                                                             brauchs gegen Journalismus-Anbieter- Zuspitzung der Bedeutung aller kritischen Effekte