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Sozialpsychologie (Subject) / 14. Hilfe und Kooperation (Lesson)
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- Prosoziales Verhalten = Verhalten, das in der unmittelbaren Absicht ausgeführt wird, jemand anderem zu helfen oder zu nützen – weitere Ziele können eine Rolle spielen• Studien zu– Hilfeleistung in Notfällen– alltäglichen Gefälligkeiten– Blutspende, Organspende– Pflege von Verwandten
- Verschiedene Motive für prosoziales Verhalten Altruismus = Prosoziales Verhalten motiviert allein durch den Wunsch, der anderen Person zu helfen, nicht für eigenen Nutzen Egoismus = Prosoziales Verhalten zumindest teilweise motiviert durch den Wunsch, den eigenen Nutzen zu erhöhen– Nutzen schließt positive Emotionen des_r Helfenden ein
- Wann helfen Menschen (nicht)? Drei Entscheidungen – Wird Hilfe benötigt?– Hat die Zielperson Hilfe verdient?– Sollte ich helfen?
- Wird Hilfe benötigt? • Umweltreize können verhindern, dass wir eine Notlage wahrnehmen– Großstadt versus ländliche Gegend Mehr Hilfe in ländlichen Gegenden– Mann mit blutendem Bein wird eher in Kleinstädten geholfen (50%) als in Großstädten (15%) (Amato, 1983)– Zahlreiche Replikationen (unterschiedliche Probleme, unterschiedliche Länder) – Urban overload Hypothese: Reizüberflutung in Großstädten führt dazu, dass Menschen lieber alleine bleiben und andere ausblenden– Empirie (Steblay, 1987) spricht für overload: Nicht der Geburtsort des Helfenden, sondern der Ort des Unfalls ist entscheidend. • Gute Stimmung erhöht die Aufmerksamkeit für Bedürfnisse anderer– z.B. Experiment von Isen & Levin (1972)• Reaktionen anderer beeinflussen Interpretation der Situation– "pluralistic ignorance”
- Hat die Zielperson Hilfe verdient? • Norm der sozialen Verantwortung: "Hilf denen, die hilflos oder hilfebedürftig sind"– d.h. alten Menschen, Kindern, Kranken etc.• Attributionen hinsichtlich der Beeinflussbarkeit:"selbst schuld?"– z.B. "Ist die bewusstlose Person krank oder betrunken?"– Attributionsmuster beeinflussen Einstellungen zu sozialpolitischen Maßnahmen (Kluegel & Smith, 1986)
- Sollte ich helfen? • "Bin ich derjenige, der helfen sollte?"• Forschungsprogramm zu "bystander nonintervention" angeregt durch spektakulären Mordfall Catherine Genovese, New York 1964– 38 Zeugen, keiner leistet Hilfe oder ruft die Polizei• Je mehr andere anwesend sind, desto weniger fühlt sich jeder Einzelne zur Hilfe verpflichtet:"Verantwortungsdiffusion"
- Schlüsselstudie zur Verantwortungsdiffusion: Darley & Latané (1968) • Vp nimmt an "Diskussion über persönliche Probleme" teil• Mehrere Vpn in Einzelkabinen, Kommunikation "über Intercom" (in Wirklichkeit alles vom Tonband)• UV: Zahl der Anwesenden – 1, 2 oder 5 weitere Personen• Versuchsleiter hört nicht zu, sitzt im Gang• Immer nur ein Mikrofon einer angeblichen Vp jeweils für 2 min eingeschaltet • Eine "Mit-Vp" erwähnt in Runde 1, dass sie zu epileptischen Anfällen neigt; in Runde 2 simuliert sie einen Anfall (spricht immer lauter, unzusammenhängend, stottert, sagt "ich sterbe", atmet schwer; nach 70 Sekunden nur noch Stille…)• AVn:– Benachrichtigt die Vp den Versuchsleiter?– Wie viel Zeit vergeht, bis die Vp ihre Kabine verlässt? (Abbruch nach 6 Minuten)• Ergebnis: Innerhalb von 70 Sekunden helfen…85 %, wenn allein62 %, wenn 1 weitere Person anwesend31 %, wenn 4 weitere Personen anwesend • Geschwindigkeit der Hilfeleistung nimmt bei mehr Anwesenden ebenfalls ab• In diesem Experiment: Anzahl der Anwesenden klar als Einflussfaktor isoliert• Sonst auch weitere Faktoren wichtig: Verhalten der anderen, Beziehung zwischen Zuschauern (Latané & Rodin, 1969)
- Latané & Darley (1970): Hilfeverhalten als Entscheidungssequenz in 5 Schritten – alle notwendig– bei 3 der 5 Entscheidungspunkte hemmt die Zahl der Zuschauer die Hilfeleistung, über jeweils unterschiedliche Prozesse NOTFALL Ereignis bemerken vs. abgelenkt / in Eile: Ereignis wird nicht bemerkt als Notfall interpretieren vs. Sozialer Einfluss ("kollektiver Fehlschluss"): Ereignis wird nicht als Notfall interpretiert Verantwortung übernehmen vs. Verantwortungsdiffusion Zum Helfen in der Lage sein vs. mangelnde Kompetenz Entscheidung umsetzen vs. Bewertungserwartung/Kosten zu hoch? ---> Hilfeleistung
- Normen, die Hilfe fördern – Menschen in Führungspositionen oder mit spezieller Verantwortung helfen eher– Sobald eine/r hilft, nehmen andere das Verhalten als normativ wahr und helfen ebenfalls• Lernen am Modell– Persönliche Normen werden über Sozialisation erworben (Vorbild der Eltern, Religiosität)
- Normen, die Hilfe hemmen – Norm der Privatheit: Fremde intervenieren selten in "Familienangelegenheiten"• Studie von Shotland & Straw (1976):"I don't know you!" vs. "I don't know why I ever married you!"
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- Warum helfen Menschen? • Frage nach dem "Warum" des Helfens noch zentraler als die Frage nach dem "Wann" – Biologische Grundlagen– Motiv "mastery"– Motiv "connectedness"• Empathie und Altruismus• soziale Identität und Kooperation
- Biologische Grundlagen: Ist prosoziales Verhalten genetisch determiniert? • Eine Interpretation der Evolutionstheorie: Tendenz anderen zu helfen, die Kosten für den Helfer beinhaltet, kann nicht durch natürliche Auslese entstehen• Aber: Hilfe kann auch dem Helfer nützen– Hilfe für Verwandte (die Kopien der eigenen Gene besitzen) erhöht die "inclusive fitness"– Reziproke Hilfe– Hilfe für Gruppenmitglieder nützt dem Überleben und der Fortpflanzung der Gruppe (die mit dem Helfer verwandte Personen enthält)– Hilfe auch förderlich für die Reputation • Wie bei der Aggression sind auch Tendenzen zu helfen nicht "fest verdrahtet"– Verhalten abhängig von flexibler Interpretation der Situation– Motiv zu helfen wird durch Hinweisreize aktiviert, wie z.B. Verwandtschaft oder emotionale Nähe der hilfebedürftigen Person
- Motiv "mastery": Individueller Nutzen und individuelle Kosten des Helfens • Helfen tatsächlich abhängig von Nutzen und Kosten (Batson, 1998)– Nutzen z.B.: Dankbarkeit des Opfers, Hilfe als Gegenleistung, Bewunderung der Zuschauer …– Kosten z.B.: Zeitaufwand, Gefahr für eigene Gesundheit, Risiko, sich zu blamieren oder etwas falsch zu machen• Fähigkeiten des Helfenden beeinflussen Kosten und Nutzen– z.B. Ausbildung in Erster Hilfe• In vielen Notfällen schreiben sich Männer größere Fähigkeit zu helfen zu (Metaanalyse von Eagly & Crowley, 1986) • Nutzen des Helfens oft emotional: Wir fühlen uns gut, wenn wir helfen• Gute Stimmung => mehr Hilfe – außer wenn wenn durch das Helfen die Stimmungbeeinträchtigt wird (Isen & Simmonds, 1978)• Auch negative Emotionen können zu mehr Hilfe führen – eher dann, wenn P durch die Hilfe der negativen Stimmung entkommen kann– Schuldgefühle => mehr Hilfe (Katholiken spenden häufiger, wenn sie auf dem Weg zur Beichte angesprochen werden, als wenn sie gerade von der Beichte kommen; Harris et al., 1975)
- Ist Hilfe rein egoistisch motiviert? • Wenn Nutzen auch nicht-beobachtbare emotionale Zustände einschließt, kann man als Motiv für Hilfe immer persönlichen Nutzen unterstellen• "Negative-state relief model" (Schaller & Cialdini, 1988): Andere leiden zu sehen verursacht negative Emotionen beim Beobachter, die dieser durch Hilfe abbauen kann– Aber auch Flucht oder Ablenkung als alternative Reaktionen möglich • Nicht jede negative Emotion fördert Hilfeverhalten: Traurige Personen helfen oft weniger– Ursache: Ablenkung durch auf das Selbst gerichtete Aufmerksamkeit– Studie von Thompson et al. (1980):• Vpn stellen sich vor, dass Freund / Freundin todkrank ist• UV: Fokus dabei entweder auf eigenen Gefühlen oder Gefühlen des Freundes / der Freundin• AV: Hilfe in neuer Situation• Ergebnis: 25% Hilfe bei Selbst-Fokus, 83% bei Fokus auf Freund / Freundin
- Empathie und Altruismus (connectedness) • Empathie-Altruismus-Hypothese (Batson): Zwei emotionale Reaktionen auf das Leiden anderer– Persönliches Leiden ("personal distress") --> motiviert zu egoistischem Helfen oder zur Flucht– Empathische Sorge ("empathic concern") --> motiviert zu altruistischem Helfen --> Studie von Batson et al. (1981) (Elaine!) • Empathie-Altruismus-Hypothese in vielen Studien gestützt• Auch bekannt aus Forschung zu Freundschaft und engen Beziehungen, dass die Sorge um das Wohlergehen anderer von Empathie (connectedness) und persönlichem Nutzen (mastery) abhängt
- Soziale Identität und Kooperation (Motiv "connectedness") • Wir helfen Mitgliedern der Eigengruppe mehr als anderen (valuing me and mine)• Soziale Identifikation: Nutzen für die Gruppe wird zum Nutzen für das Individuum• Doch was passiert, wenn Nutzen für das Individuum und Nutzen für die Gruppe im Gegensatz zueinander stehen? • Soziales Dilemma = Situation, in der eine Handlungsalternative, die für das Individuum den größten Nutzen bringt, der Gruppe schadet, wenn sie von vielen Individuen gewählt wird=> Konflikt zwischen individuellem und kollektivem Interesse:– Jedes einzelne Gruppenmitglied ist besser dran, wenn es nicht kooperiert – egal, was die anderen tun– Alle Gruppenmitglieder zusammen sind besser dran, wenn alle kooperieren
- Gefangenendilemma Situation mehrerer Gefangener, die nicht miteinander kommunizieren und unabhängig voneinander verhört werden, wobei die Kronzeugenregelung gilt. Gefangene, die gestehen und damit ihre Mitgefangenen überführen, gehen mit geringer Strafe aus, während die durch Geständnisse ihrer Komplizen Belasteten einer verschärften Bestrafung unterliegen. Das Entscheidungsdilemma liegt darin, dass jedem isoliert handelnden Gefangenen ein Geständnis vorteilhaft scheint. Folglich werden alle Gefangenen als dominante Strategie gestehen und sich dadurch einer Bestrafung aussetzen, der sie durch gemeinsames konsequentes Leugnen hätten ausweichen können. 3. Lösung: Ein gesellschaftlich optimales Ergebnis kann erreicht werden, durch: (a) wiederholte strategische Interaktionen, (b) Externe Bestrafung der Geständigen, die höher als die Gefängnisstrafe ist.
- Dilemma der Erschöpfung begrenzter Ressourcen – Beispiel Fischteich: Jeder Fischer ist motiviert, so viel zu fangen wie möglich– Aber: Überfischung erschöpft die Ressource – niemand mehr hat einen Nutzen
- Dilemma öffentlicher Güter – Öffentliches Gut gibt es nur für alle (auch für die, die nichts beitragen) oder für niemanden• z.B. öffentlich-rechtliches Fernsehen, saubere Luft– Individuum ist motiviert, das Gut zu nutzen ohne zu zahlen (“Trittbrettfahren”)– Aber: Wenn niemand zahlt, verschwindet das Gut
- Soziales Dilemma - Verhalten in sozialen Dilemmata – Normalerweise handeln Menschen nach ihrem individuellen Interesse => Ressource geht verloren– Verhalten oft verstärkt durch Normen (man sieht oder erwartet, dass andere das Gleiche tun) • Strukturelle Lösungen:(a) Ergebnisstruktur verändern– bei begrenzten Ressourcen: Quoten setzen (z.B. Höchstmengen beim Fischfang)– bei öffentlichen Gütern: allgemeine Gebühren erheben (z.B. Steuern; Rundfunkgebühren)– Kooperation belohnen (z.B. Extrafahrstreifen für Fahrgemeinschaften)– Wirkung: Konflikt wird abgeschwächt oder aufgelöst(b) Entscheidungsstruktur verändern– z.B. Entscheidungen an Gruppenleiter delegierenNachteil: Strukturelle Lösungen erfordern Kontrolle • Interindividuelle Unterschiede– Geschlecht: Frauen kooperieren mehr als Männer• Aktuelle Meta-Analyse (Balliet et al., 2011): Frauen und Männer kooperieren ungefähr gleich (Männer bei in gleichgeschlechtlichen Interaktionen; Frauen bei gemischtgeschlechtlichen Interaktionen)– Kultur: Menschen aus kollektivistischen Kulturen kooperieren mehr als Menschen aus individualistischen Kulturen– Soziale Wertorientierungen: Manche Menschen tendieren generell mehr zu Kooperation, andere mehr zu Wettbewerb oder individueller Nutzenmaximierung • Soziale Identifikation mit der Gruppe fördert Kooperation– Individuen übernehmen Gruppenziele als ihre eigenen,– ... erwarten, dass andere Gruppenmitglieder ebenfalls kooperieren– Gruppennormen, die Kooperation fördern, sind kognitiv zugängliche Leitbilder für Verhalten• Personen, die sich in einer Gruppendiskussion verpflichten zu kooperieren, tun dies später auch in einer Dilemma-Situation (Hopthrow & Hulbert, 2005)
- Verarbeitungs- und Entscheidungsprozesse • Spontanes Helfen, oberflächliche Verarbeitung– Notfälle: reduzierte Verarbeitungskapazität (Zeitdruck, starke Emotionen)– leicht zugängliche Gefühle (z.B. Empathie) oder Normen bestimmen das Handeln• Auch Priming, z.B. durch Videospiele (Greitemeyer & Osswald, 2010)– Anwesenheit anderer reduziert Hilfe• (bloße Vorstellung vieler Menschen genügt – "implicit bystander effect", Garcia et al., 2002) • Geplantes Helfen, systematische Verarbeitung– langfristige Verpflichtungen: Nachdenken und Planung (z.B. bei ehrenamtlicher Tätigkeit)– Wiederholtes Helfen => stabile Selbstwahrnehmung ("ich bin ein hilfsbereiter Mensch")• siehe "foot-in-the-door"-Effekt• hat auch positive gesundheitliche Auswirkungen (Konrath et al., 2012)– "Organizational citizenship behaviors" = KollegInnen helfen, auch wenn es nicht formal "zum Job gehört"• bei Notfällen einspringen; Neulingen Ratschläge geben• Korreliert mit Identifikation mit der Organisation • Langfristiges Helfen kann mehreren Zielen dienen– Egoistische Motive (mastery: neue Kenntnisse und Fertigkeiten erlernen; soziale Anerkennung)– Altruistische Motive (connectedness: Empathie; humanitäre Werte)– Identifikation mit der Gruppe (valuing me and mine: Mitgliedern der eigenen Gruppe helfen)
- Zusammenfassung: Faktoren, die Hilfeverhalten fördern Wahrnehmung der Person, Situation und des (Hilfe-)Bedarfs Erwartete Belohnungen/ Gefühle der Empathie Aktvierung von Normen oderKosten für Helfen für das Opfer Verantwortungsdiffusion ↓ ↓ ↓ Möchte Helfen oder nicht Fühlt sich verpflichtet zu Helfen ↓ ↓ Klären widersprüchlicher Wünsche und Normen↓Entscheidung zu Helfen oder nicht
- Wie lässt sich prosoziales Verhalten fördern? • Problem beim Annehmen von Hilfe: vermittelt zwei gegensätzliche Botschaften– selbst-unterstützende Aspekte• z.B. Erfüllung von Bedürfnissen, Erfahren von Wertschätzung– selbst-bedrohliche Aspekte• z.B. Gefühl der Inkompetenz oder Machtlosigkeit; Erwartung, Hilfe erwidern zu müssen– Beispiele:• Programme zur Förderung sozialer Minderheiten• Männer, die nicht nach dem Weg fragen • Aus sozialpsychologischen Erkenntnissen lassen sich Maximen ableiten, wie wir(a) generell Hilfsbereitschaft fördern können und(b) in einem Notfall unsere eigenen Chancen erhöhen, Hilfe zu erhalten:• Mehrdeutigkeit reduzieren, Notwendigkeit der Hilfe klarmachen• Selbstkonzept der Hilfsbereitschaft in anderen stärken• Normen etablieren, die Hilfeverhalten unterstützen• Normen in der Situation aktivieren• Verantwortung individuell fokussieren• Identifikation mit denen stärken, die Hilfe benötigen
- Sozialpsychologie und Gesundheit – Stress– Wahrgenommene Kontrolle– Attribution negativer Ereignisse– Stereotype Threat– Gesundheitsverhalten verbessern
- Sozialpsychologie und Recht – Zeugenaussagen und die Beeinflussbarkeit des Gedächtnisses– Wie gut können wir Lügner enttarnen?
- Stress und Gesundheit Wenn Personen einschneidende Lebensereignisse erfahren, vergrößert sich ihr Risiko zu versterben (Morse, Martin, & Moshonov, 1991) Erfasst mit der Social Readjustment Rating Scale (Holmes & Rahe, 1967) Aber: Stress ist subjektiv und nicht objektiv, d.h. es geht um die Interpretation des Ereignisses, nicht um das Ereignis selbst
- Stress = negative Gefühle und Überzeugungen, die auftreten, wenn Personen sich nicht in der Lage fühlen, mit den Anforderungen der Umwelt umzugehen
- Cohen et al. (1991): Wenn Personen mit Erkältungsvirus in Kontakt kommen, werden normalerweise 20‐60% krank. – Vpn schrieben (negative) Ereignisse auf, die sie in der letzten Zeit erlebt hatten und die ihr Leben beeinflussten– UV: Nasentropfen, die entweder Erkältungsvirus enthielt oder Placebo– Anschließend Quarantäne der Vpn– AV: Wer wird krank? --> Je höher Stress, umso größeres Risiko zu erkranken
- Einflussfaktor: Wahrgenommene Kontrolle Wahrgenommene Kontrolle: Überzeugung, dass wir unser Umfeld auf eine Art und Weise beeinflussen können, die entscheidet, ob sich in der Folge Positives oder Negatives ergibt• Korreliert mit mentaler und körperlicher Gesundheit• Die Wahrscheinlichkeit späterer Herzprobleme war bei Patienten, die sich einer koronaren Angioplastie unterzogen hatten, geringer, wenn sie eine hohe Kontrollierbarkeit ihrer Zukunft verspürten (Helgeson & Fritz, 1999)
- Wahrgenommene Kontrolle in Altenheimen • Personen in Alten‐ oder Pflegeheimen haben häufig wenig Kontrolle über ihren Alltag (was mache ich, wen sehe ich, was esse ich,….)• Langer & Rodin (1977):– Bewohnern eines Pflegeheims wurden unterschiedliche Verantwortlichkeiten übertragen, z.B. für eine Pflanze, wann sie einen Film sehen, etc.– Kontrollgruppe bekam diese Verantwortlichkeiten nicht– Experimentalgruppe war glücklicher, aktiver und gesünder als KG– 18 Monate später waren 15% aus der EG verstorben, aber 30% aus der KG • Schulz (1976), Schulz & Hanusa (1978):– Studierende besuchten einmal wöchentlich über 2 Monate hinweg ein Pflegeheim– BewohnerInnen konnten entweder entscheiden, wann die Besuche stattfinden und wie lange sie dauern oder nicht– Zunächst: bei eigener Entscheidung waren Personen nach 2 Monaten glücklicher, aktiver, gesünder und nahmen weniger Medikamente • Aber: Nach Ende der Studie drehte sich dieser Effekt um, d.h. langfristig negative Effekte!
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- Stereotype Threat • Schwarze Amerikaner schneiden häufig schlechter in Intelligenztests ab als weiße Amerikaner• Frauen sind bei schwierigen Matheaufgaben häufig schlechter als Männer• Stereotype Threat: Angst von Mitgliedern einer Gruppe durch ihr Verhalten ein Stereotyp zu bestätigen, dass über diese Gruppe existiert• Blascovich et al. (2001): Schwarze Amerikaner, die hohe Bedrohung durch Stereotype erlebten, zeigten nicht nur schlechtere Leistung, sondern auch höheren Blutdruck.
- Gesundheitsverhalten verbessern: Message Framing • Betonung von Gewinnen oder Verlusten?• Wichtiger Unterschied: Entdeckung einer Krankheit vs. Prävention (Rothman et al., 1993)– Entdeckung: „Loss‐framing“ effektiver --> Verluste (Erkrankung)– Prävention: „Gain‐framing“ effektiver --> Gewinn (keine Erkrankung!)
- Gesundheitsverhalten verbessern: Dissonanztheorie • Wie könnte man mit Hilfe der Dissonanztheorie Studierende davon überzeugen, regelmäßig Kondome zu benutzen?• Studie von Aronson et al. (1991; 1994): Studierende wurden in einer Studie gebeten, eine Rede vorzubereiten über die Gefahren von AIDS und dafür zu werben, Kondome zu benutzen– In einer der Bedingungen wurde die Rede auf Video aufgenommen, um sie Highschool‐SchülerInnen vorzuspielen– Zusätzliche Variation: Studierende sollten sich erinnern (und aufschreiben), wann sie aus verschiedenen Gründen keine Kondome benutzt hatten (vs. nicht)• Ergebnis: größte Verhaltensänderung (Kauf von Kondomen), wenn größte Dissonanz (Rede auf Video + Erinnerung an eigenes Verhalten)
- Zeugenaussagen und die Beeinflussbarkeit des Gedächtnisses Potentielle Fehlerquellen für Augenzeugen Ebene 1: Erkennung, Informationen über Personen wahrnehmen --> schlechte Sichtbedingungen, Fokus auf Waffen, Effekte von Erwartungen Ebene 2: Gedächtnis, Informationen, die im Gedächtnis gespeichert werden --> irreführende Fragen, Beobachtungsfehler Ebene 3: Aufruf der Erinnerungen, Informationen, die die Person nach längerer Zeit wieder hervorholt ---> Ungefähre Einschätzung bei Identifikation • Falsche Identifikation von Tätern ist die wichtigste Quelle von Fehlurteilen– Zuversicht von Augenzeugen korreliert schwach bis gar nicht mit Akkuratheit• Feedback beeinflusst eigene Sicherheit– Wells & Bradfield (1998): 352 Studierende sahen ein verpixeltes Video einer Überwachungskamera und sollten Täter anhand von Fotos identifizieren– UV: Feedback durch Versuchsleiter:• “Good. You identified the actual suspect.”• “Actually, the supect was numer ____.”• No feedback– AV: Wie sicher warst du dir zum Zeitpunkt der Identifikation? (Skala von 1‐7)
- Empfehlungen für die Gestaltung von Gegenüberstellungen • Jede Person in der Gegenüberstellung sollte der Beschreibung des Augenzeugen ähnlich sein• Dem Zeugen mitteilen, dass der Täter dabei sein kann oder auch nicht• Den Verdächtigen nicht immer in der ersten Gegenüberstellung zeigen• Doppel‐Blind: Person, die die Gegenüberstellung ausführt, sollte nicht wissen, wer verdächtig ist und Zeuge sollte das auch wissen• Nach Sicherheit des Zeugen fragen, bevor sie Feedback bekommen• Sequentielle und nicht simultane Präsentation• Nicht nur Bilder zeigen, sondern auch Aufnahmen der Stimme
- Sind wir gute Lügendetektoren? Jeder Mensch lügt– nach einer These von Aldert Vrij (University of Portsmouth) im Schnitt 2mal täglich und zu 80% in einer unschuldigen Art– eigennützige und prosoziale Gründe– z.B. aus Höflichkeit, um Freundschaften zu erhalten oder aus Angst vor Kritik, Strafe oder GesichtsverlustWir können also gut lügen, sind aber sehr schlecht im Enttarnen von Lügengleichzeitig: Überschätzung der Fähigkeit Lügen zu erkennenProf. Paul Ekman: Testung von 15.000 Personen: alle glauben, dass sie gut im Enttarnen sind, sind aber selten besser als der Zufall • Warum glauben wir dann, dass wir gut im Enttarnen sind?– Prof. Günter Köhnken (forensischer Psychologe, Uni Kiel): Weil wir uns nur an die Lügen erinnern können, die wir enttarnt haben• Und warum sind wir tatsächlich so schlecht als Lügendetektoren?– Im Alltag ständig den Wahrheitsgehalt überprüfen zu wollen, wäre viel zu aufwändig– Bruch mit sozialen Konventionen, jemanden der Lüge zu bezichtigen– Häufig wollen wir die Wahrheit auch gar nicht wirklich wissen, um Depression oder Resignation zu vermeiden
- Gibt es verräterische Lügensignale? • These: Wer lügt, verrät sich durch Pausen, Stottern, Ähs und Mmms• Oder durch nonverbale Lügensignale?• „rot werden, unsicherer Blick, leichter Schweißausbruch“• Aber: es ließ sich in Jahrzehnten an Forschung kein allgemeingültiges Lügensignal finden• Prof. Susanna Niehaus (forensische Psychologin, Hochschule Luzern): „Der Glaube an die Existenz solcher Lügensignale hilft den Tätern.“• Es gibt Studien dazu, dass Jugendliche genau die bekannten Signale vermeiden, wenn sie lügen.• Aber immer noch stehen diese angeblichen Lügensignale in Handbüchern zu Vernehmungstechniken.• „Othello‐Fehler“ Mögliche neuere Methoden• Lügen ist kognitiv anstrengend• Kann man den Lügnern das ohnehin schon anstrengende Lügen zusätzlich erschweren?• Vrij et al. (2008): Tathergang in umgekehrter Reihenfolge schildern:• Zwei Gruppen: Lügner und Wahrheitssager– Wahrheitssager spielen mit Konföderiertem „Vier gewinnt“; verschiedene Störungen; vorherige Vpn behauptet, ihr sei Geld gestohlen worden– Lügner sollten Geld tatsächlich stehlen und nur behaupten, sie hätten „Vier gewinnt“ gespielt– Zusätzlicher Anreiz: 15 Pfund, wenn man Interviewer von Unschuld überzeugen kann– Hälfte aller Vpn musste dann in umgekehrter Reihenfolge berichten– Videos wurden Polizisten vorgespielt• Ergebnis: signifikant höhere Trefferquote, wenn in umgekehrter Reihenfolge erzählt werden musste; Vpn nannten weniger Details und verhaspelten sich öfter Vrij et al. (2009)• Szenario: 45 Minuten zu zweit in einem Restaurant• Pärchen von Wahrheitssagern vs. Lügnern (waren nicht im Restaurant)• getrennte Vernehmungen, unerwartete Fragen• Beispiel:– Wo im Restaurant stand der Tisch, an dem Sie saßen?– In welcher Reihenfolge haben Sie die Themen abgehandelt, über die Sie beim Essen gesprochen haben?– Oder auch: Skizzieren Sie den Grundriß des Restaurants.• Über 80% der Lügenpärchen verrieten sich durch Skizzen und durch Antworten auf Fragen nach räumlichen Details und Abläufen• Zeichnen als ein neues Werkzeug zur Lügendetektion