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Sozialpsychologie (Subject) / 6. Soziale Identität (Lesson)

Soziale Identität

This lesson was created by MarienkEva.

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  • Vorteile von Gruppenmitgliedschaft 4 Gibt uns ein Gefühl von Zugehörigkeit und Wert Verbindung zu anderen und Teilhabe am sozialen Leben Schutz für unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit Hilft uns die Welt zu verstehen
  • Nachteile von Gruppenzugehörigkeit 4 Geht häufig mit Abwertung anderer Gruppen einher Kann zu Diskriminierung und Hass führen Kann negativen Einfluss auf Wohlbefinden haben, wenn Gruppe negativ ist Führt auch zu verzerrten Wahrnehmungen
  • Lernen über die eigene Gruppe 3 • Ähnliche Informationsquellen wie beim Lernen von Stereotypen über Fremdgruppen: Eltern, Lehrer, Medien...• Wichtigste Informationsquelle: Andere Gruppenmitglieder und deren Verhalten• Gruppenmitgliedschaften definieren Rollen; diese beeinflussen über Lernerfahrungen das Selbstbild einer Person.
  • Zugänglichkeit von Gruppenmitgliedschaften 6 Gruppenmitgliedschaft wirkt sich nur aus, wenn sie kognitiv zugänglich ist. Direkte Hinweise (Berufsbezeichnungen; Namen; Akzent; Uniformen...) Anwesenheit von Fremdgruppenmitgliedern Konflikt / Rivalität Kultur Persönlichkeit (= chronische Zugänglichkeit; vgl.Selbstschemata) Minoritätsstatus (z.B. Geschlechterverteilung in der Familie)
  • • "Ich", "wir" und "die anderen" ─ Selbstkategorisierung wirkt sich dreifach aus: Definition des Selbst Verbundenheit mit anderen (= Eigengruppenmitgliedern) Abgrenzung von anderen (= Fremdgruppenmitgliedern)
  • Vom "ich" zum "wir": Soziale Kategorisierung und das Selbst 3 Charakteristika der Gruppe werden zu Standards für eigenes Verhalten Soziale Identität -->Selbstwertgefühl / stellvertretende Emotionen (Freudenfeste, wenn "wir" ein Länderspiel gewinnen) Individualität vs. Verbundenheit mit anderen (Unterschiede zu Fremdgruppenmitgliedern betonen die eigene Individualität; Ähnlichkeiten mit Eigengruppenmitgliedern betonen Verbundenheit) –> Relativ kleine Gruppen bieten die beste Balance zwischen den Motiven (Brewer, 1991: "optimal distinctiveness").
  • Wahrnehmung von EG-Mitgliedern 3 – Betonung von Ähnlichkeiten– Aber auch Gelegenheit zum Kennenlernen individueller Merkmale, besonders dann wenn persönliche Identität salient ist– Wissen über das Selbst beeinflusst Wahrnehmung der EG und umgekehrt
  • Sympathie für EG-Mitglieder – Das Wort "wir" weckt positive Assoziationen– Vor allem typische Mitglieder der EG werden gemocht– Positivere Bewertung von Leistungen– Aber auch: "black sheep effect" bei Normverstößen (Marques, Yzerbyt & Leyens, 1988)
  • Linguistische Eigengruppen-Favorisierung ("linguistic ingroup bias"; Maass et al., 1989) – Negative Handlungen der FG: abstrakte, interpretierende Sprache (Zustandsverben,Adjektive), z.B. "Sie ist unehrlich."– Negative Handlungen der EG: konkrete, wenig interpretierende Sprache (Handlungsverben), z.B. "Sie gibt dem Pferd eine Spritze."– Umgekehrt bei positiven Handlungen.
  • Fairness und Altruismus gegenüber EG-Mitgliedern – Mitglieder bringen individuelle Opfer für die Gruppe– Hilfe für Verwandte und andere Mitglieder der EG ist biologischadaptiv (s. Archer, 2002).
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  • Fremdgruppen-Homogenitätseffekt Wahrnehmung der Fremdgruppe als homogen: "Die sind alle gleich".− Weniger Wissen über Fremdgruppenmitglieder.− Interaktionen mit FG-Mitgliedern sind weniger variabel.− Fokus auf Unterschieden zwischen Selbst und anderen innerhalb der EG.− Anwendungsbeispiel: "cross-race identification bias" (Platz & Hosch, 1988)Gesichter von Mitgliedern der eigenen ethnischen Gruppe können besser erinnert werden als von anderen ethnischen Gruppen, außerdem passieren bei anderen Gruppen mehr Fehler bei der Identifikation (wenn ein angeblicher Dieb in einem Geschäft identifiziert werden soll)− out-group-homogenity effect: die Tendenz, Fremdgruppen als wesentlich mehr homogen anzusehen als die Eigengruppe
  • "minimale Intergruppensituation" (Tajfel et al., 1971) – Bildung von 2 "Gruppen" nach willkürlichen Kriterien (z.B. "Vorlieben für abstrakte Maler"); tatsächlich nach Zufall– keine Interaktion zwischen Vpn; völlige Anonymität– AV: anonym Geld verteilen an anonyme andere, von denen nur die Gruppenzugehörigkeit bekannt ist– Aufgabe ist so angelegt, dass relative Favorisierung der EG im Widerspruch steht zu anderen Zielen (z.B. Ertragsmaximierung) – Methode: Auszahlungsmatrizen – Favorisierung der EG ist dominantes Motiv– Kategorisierung ist hinreichend, um Diskriminierung der FG zubewirken.– vielfach repliziert– Erklärung nach Tajfel: Personen streben nach positiver sozialer Identität durch positive Distinktheit der EG --> Grundlage für die Theorie der sozialen Identität
  • Distinkt klar und deutlich [abgegrenzt]
  • Theorie der sozialen Identität (Social Identity Theory = SIT; Tajfel & Turner, 1979) (Inhalt/Motiv/Vorraussetzungen/Evidenz) 1. Personen streben nach einer positiven Selbsteinschätzung.2. Einen Teil der Selbsteinschätzung leiten Personen aus ihrer sozialen Identität ab, d.h. aus ihren Gruppenzugehörigkeiten und den Bewertungen der Gruppe.3. Die Bewertung einer Gruppe erhält man durch Vergleiche mit relevanten Fremdgruppen. Motiv: positive Distinktheit der EG herstellen.--> Personen sind motiviert, aus ihren Gruppenmitgliedschaften positiven Selbstwert zu ziehen.  Voraussetzungen für diese Prozesse sind:• dass die Gruppenmitglieder sich mit der Gruppe identifizieren.• dass die Kategorie und die entsprechende soziale Identität in der Situation salient sind. • Evidenz für das Motiv zur Herstellung positiver Distinktheit der EG– Auf EG-Favorisierung folgt häufig erhöhtes Selbstwertgefühl(Hewstone, Rubin & Willis, 2002)– Effekt stärker nach Selbstwertbedrohung– EG-Favorisierung v.a. bei Zuteilung von Belohnungen; nicht bei negativen Sanktionen (Mummendey & Otten, 1998).• Wahrgenommene Benachteiligung führt zu stärkeren Formen der Diskriminierung.– Wird verstärkt durch Statusungleichheit.
  • Extreme Feindseligkeit gegen Fremdgruppen – Intensive Aggression, Gewaltverbrechen aus Hass, Völkermord gehen oft einher mit der Wahrnehmung einer Bedrohung der Eigengruppe.– Reaktion: Überhöhung der EG-Geschichte, von EG-Symbolen (Flagge; "our way of life")– Übertragung von EG-Normen und -Werten auf die FG• "Nichteinhaltung" dieser Werte gilt dann als "Beweis" für Minderwertigkeit und als Rechtfertigung für Gewalt.– Jüngere historische Beispiele: Jugoslawien, Ruanda, Sudan, Syrien…
  • Moralischer Ausschluss – FG-Mitglieder werden als außerhalb der menschlichen Gesellschaft angesehen, so dass Normen der Fairness und Moral für sie nicht gelten (Dehumanisierung).– Subjektive Rechtfertigung für extreme Diskriminierung, Ausbeutung, Gewalt, Genozid ("Endlösung"; "ethnische Säuberung").
  • Effekte der Mitgliedschaft in negativ bewerteten Gruppen • Mitgliedschaft in stigmatisierter (negativ bewerteter) Gruppe hat negative Effekte.– Leistungsverschlechterung– Bedrohung des Selbstwertgefühls• "Stereotype threat"– Leistungsverschlechterung aufgrund des Wissens, dass andere die EG negativ stereotypisieren (Steele & Aronson, 1995)– “sich selbsterfüllende Prophezeiung”– Bleibt aus, wenn Gruppenmitgliedschaft nicht salient, oder bei möglicher externer Erklärung für Misserfolg.
  • Selbstwertgefühl wird von negativer Bewertung der EG beeinflusst – Für Mitglieder stigmatisierter Gruppen ist es oft schwierig, ein positives Selbstbild aufzubauen und zu erhalten.– Risikofaktor für Depression bei schwarzen Studierenden:"kollektiver" (= gruppenbezogener) Selbstwert; bei weißen Studierenden: individueller Selbstwert (Luhtanen & Crocker,1992).
  • Verteidigung des individuellen Selbstwerts • Misserfolg oder soziale Zurückweisung auf die Vorurteile anderer attribuieren.– Nachteil: Verhindert realistische Selbsteinschätzung und -verbesserung nach negativer Rückmeldung.– Impliziert Mangel an eigener Kontrolle.– Kann dazu führen, dass P auch positiver Rückmeldung nicht mehr glaubt.• Intra-Gruppen-Vergleiche– P vergleicht sich mit anderen Mitgliedern der stigmatisierten Gruppe anstatt mit Mitgliedern der Mehrheit.
  • Individuelle Mobilität: Der negativen Gruppenmitgliedschaft entfliehen (2 Strategien) 1. Dissoziation (= tatsächlicher Austritt aus der Gruppe)– Gruppenzugehörigkeit verbergen; sich der Mehrheit anpassen• z.B. Wechsel des Namens oder der Religion; Vorspielen einer heterosexuellen Orientierung– Nachteile:• Furcht vor Entdeckung• Aufgabe der Möglichkeit, andere zu beeinflussen2. De-Identifizierung (= Erhöhung der psychologischen Distanz zur Gruppe)– Symbole der Gruppenmitgliedschaft vermeiden– schlechte Leistung anderer Gruppenmitglieder kritisieren (s."black sheep effect")– sich als untypisches Gruppenmitglied sehen• "Obwohl meine Gruppe diskriminiert wird, betrifft mich das nicht persönlich."– Alle obigen Strategien präferiert von Personen mit geringer Gruppen-Identifikation.
  • Soziale Kreativität: Die Gruppenmitgliedschaft als positiv umdefinieren 3 • Betonung alternativer Vergleichsdimensionen ("Black is beautiful")• Gruppen mit niedrigerem Status werden oft als faul, ungebildet, inkompetent angesehen;sehen sich selbst aber als gastfreundlich, herzlich, gesellig, musikalisch… .• kann den Selbstwert erhöhen, stellt aber bestehende soziale Hierarchien nicht in Frage oder unterstützt sie sogar.
  • Sozialer Wandel: Den Intergruppen-Kontext verändern • Versuch, die soziale Situation der EG zu verbessern• Bevorzugt von Personen, die…– sich stark mit ihrer Gruppe identifizieren– individuelle Mobilität als schwierig betrachten– Veränderung für möglich halten• Sozialer Wettbewerb: Einsatz direkter Aktionen, um die Situation der EG zu verbessern– z.B. Arbeiterbewegung; Frauenbewegung– Bedroht Vorrechte privilegierter Gruppen; stößt auf Widerstand
  • Ideologie der "Farbenblindheit" • Ignorieren von Gruppenunterschieden, um ihre Bedeutung zu mindern.– Stattdessen "reines Leistungsprinzip"• Nicht immer effektiv zur Reduktion von Vorurteilen• Nachteile:– Behindert den Erwerb von Wissen über bedeutsame kulturelle Unterschiede– Leugnet den Wert unterschiedlicher Traditionen, v.a. von Minderheiten und stigmatisierten Gruppen.– Kann als Zwang zur Anpassung an die Normen der Mehrheit verstanden werden.