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Sozialpsychologie (Subject) / 5. Stereotype Vorurteile (Lesson)
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- Stereotyp Kognitive Überzeugungen über die Merkmale einer sozialen Gruppe und ihrer Mitglieder (Schema, assoziative Struktur)
- Vorurteil ("prejudice") positive oder negative Einstellung zu einer sozialen Gruppe und ihren Mitgliedern (=> Stereotyp mit Bewertungskomponente)
- Diskriminierung positives oder negatives Verhalten gegenüber einer Gruppe und ihren Mitgliedern(=> Handeln gemäß von Vorurteilen)
- Soziale Gruppe zwei oder mehr Personen, die mindestens ein Merkmal teilen, das für sie selbst oderandere sozial bedeutsam ist
- soziale Kategorisierung (= Identifikation einer Person als Mitglied einer bestimmten Gruppe) - hängt ab von Kultur und Situation- einige relativ universell: Geschlecht, Ethnizität, Alter ...
- Vor- und Nachteile sozialer Kategorisierung Pro: – macht die soziale Welt besser verstehbar und leichter vorhersagbar; erlaubt uns, irrelevante Information zu ignorieren– erleichtert soziale Interaktion; verbindet uns mit anderen Contra: – Homogenisierung von Unterschieden zwischen Mitgliedern derselben Gruppe; Übergeneralisierung ("alle Professoren sind zerstreut")– Betonung von Unterschieden zwischen Mitgliedern verschiedener Gruppen
- Inhalte von Stereotypen − vielfältig (Aussehen, Interessen, Ziele, Persönlickeitseigenschaften...)− zwei grundlegende Dimensionen: Kompetenz und emotionale Wärme, abhängig vonwahrgenommenem Status und Wettbewerb (Fiske, Cuddy, Glick & Xu, 2002)− können positiv oder negativ sein Wo liegt das Problem bei positiven Stereotypen?=> Übergeneralisierung, De-Individuierung, unrealistisch hohe Erwartungen=> gehen oft Hand in Hand mit negativen Stereotypen und sind weniger gut zu erkennen (Beispiel benevolenter Sexismus)
- Sind Stereotypen zutreffend oder unzutreffend? − in der Tendenz dennoch oft in Übereinstimmung mit Forschungsbefunden zu tatsächlichen Eigenschaften (z.T. weil soziale Normen, die auf stereotypen Erwartungen beruhen, sich auf das Verhalten von Menschen auswirken)− Fremd- und Selbstwahrnehmung von Gruppen oft ähnlichAber: Stereotypen sind oft unzutreffend und sogar entgegen-gesetzt zur Realität (z.B. fahren Männer, entgegen einem verbreiteten Stereotyp, laut Unfallstatistik schlechter Auto als Frauen)Und: Übergeneralisierung ist immer unzutreffend (nicht alle Mädchen sind verbal ausdrucksfähiger als Jungen; nicht alle Jungen sind aggressiver als Mädchen)
- Kontrollmotiv (mastery) Aus dem Versuch, die soziale Welt korrekt einzuschätzen, entstehen (nichtintendierte) Urteilsverzerrungen • Erfahrungen mit einzelnen Mitgliedern einer Gruppe beeinflussen dieBewertung der ganzen Gruppe (Henderson-King & Nisbett, 1996)• Kognitive Zugänglichkeit positiver Gruppenmitglieder macht Urteile über dieGruppe positiver (Bodenhausen et al., 1995)
- Warum führt Beobachtung von Einzelpersonen zu Stereotypen? (8) Selektive Aufmerksamkeit auf extremes Verhalten "Illusorische Korrelation" (Wahrnehmung eines Zusammenhangs, wo keiner besteht; seltenes Verhalten ist distinkt und erhält Aufmerksamkeit) Soziale Rollen und die Korrespondenzverzerrung (Juden in Bankberufe gedrängt --> Juden sind geizig) Interaktionen mit Fremdgruppenmitgliedern lösen negative Emotionen aus (Angst, Unsicherheit…). Geschlechtsrollen – Geschlechterstereotype (Eigenschaften werden Gruppen zugeschrieben, nicht den Rollen) Massenmedien verbreiten verzerrte Information über gesellschaftliche Gruppen Motiv der Verbindung mit anderen (connectedness) (Erlernte Stereotypen --> meist stärker als eigene Erfahrungen; Witze sozial akzeptabel) Motiv der Rechtfertigung von Ungleichheit (Männer durchsetzungsfähiger, also in Machtpositionen)
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- Automatische Aktivierung von Stereotypen – Augenfälligkeit (z.B. eine Frau in einem Team von Männern)– Häufige Nutzung erhöht kognitive Zugänglichkeit– Kognitive Zugänglichkeit erhöht Häufigkeit der Nutzung– Subliminale (unterschwellige Darbietung) Präsentation von "WHITE" und "BLACK" beeinflusst die Reaktionszeit bei der Erkennung stereotyper Begriffe– Unwillkürliche Reaktionen der Gesichtsmuskeln auf stereotype Reize (Vanman et al., 1997)
- Messung von Stereotypen Direkte, explizite Messung durch Selbstberichtskalen Problem: Selbstdarstellung oder unterbewusst --> Vorhersagen von verbalem Verhalten Indirekte Messung durch "implizite Maße Nicht immer frei von situativer Verzerrung --> Vorhersagen von nonverbalem Verhalten
- Einfluss von Stereotypen auf Urteile und Verhalten – Inferenzen aus automatisch aktivierten Stereotypen (Geschlechterstereotypen: Professorin wird für Sekretärin gehalten)– Kausalattributionen (gute Leistung wird je nach Stereotyp auf Fähigkeitoder Glück attribuiert)– Stärkste Einflüsse von Stereotypen• bei starken Emotionen (v.a. Ärger)• in Machtposition (Fiske, 1993), aber nur wenn Stereotype der Zielerreichung dienen• bei geringer Verarbeitungskapazität– Stereotypnutzung kann tödliche Folgen haben (22% aller von der Polizei erschossenenSchwarzen in den USA waren unbewaffnet, im Vergleich zu 13% bei den weißen Opfern)
- Schlüsselstudie (Correll, Park, Judd, & Wittenbrink, 2002) – „Police Officer‘s Dilemma“: – „Police Officer‘s Dilemma“: Polizist muss schnell entscheiden, ob Verdächtiger bewaffnet ist oder nicht– Vereinfachtes Videospiel: "shoot" oder "don't shoot" per Tastendruck, je nach dem ob "Verdächtiger" eine Waffe hat. • Experiment 1:– 2 x 2 Design mit den Faktoren:• Ethnizität der Zielperson• Waffe vs. keine Waffe– 80 Durchggänge– Punktgewinn bei richtiger Entscheidung, Punktabzug bei falscher oder zu langsamerEntscheidung– AV: Reaktionszeiten und Fehler Ergebnis: Unbewaffnete Schwarze wurden häufiger "erschossen" als unbewaffnete Weiße. – Wissen über das Stereotyp ist ausreichend!• Experiment 3: Wissen über das kulturelle Stereotyp sagte „Shooter Bias“ vorher, aber nicht persönlicher Glauben an das Stereotyp oder rassistische Einstellung.• Experiment 4: Auch afroamerikanische Vpn zeigten den Bias– Geringe Verarbeitungskapazität durch Zeitdruck– Selbst Instruktionen, sich nicht von der Ethnizität beeinflussen zu lassen, führten nicht zu besserem Ergebnis (Payne et al., 2002).– Was hilft?• Schußwaffentraining• Implementationsintentionen (Gollwitzer, 1999)– „When I see a black face, I will think safe.“
- Wie kann man den Einfluss von Stereotypen überwinden? (3) 1. Unterdrückung stereotyper Gedanken• Kann funktionieren, erfordert aber Anstrengung• Kann "Rebound"-Effekt bewirken ("Skinhead-Studie"; Macrae et al., 1994)2. Korrektur stereotyper Urteile• Automatische Aktivierung und bewusste Korrektur als Regelfall (Devine, 1989)• Erfordert (a) Wissen über Richtung und Ausmaß stereotyper Einflüsse und (b) Motivation, um diese zu korrigieren (z.B. Wegener & Petty, 1997)• Kann zu Überkorrektur führen3. Dem Stereotyp widersprechende Information aktivieren• z.B. an "starke Frauen" denken => IAT-Werte zu Vorurteilen gegenüber Frauen werden positiver (Blair et al., 2001)• "Just say no" (Studie von Kawakami et al., 2000)
- Stereotyp-Einflüsse auch bei wohlüberlegten Urteilen (4) – Selektive Informationssuche und -verarbeitung• Stereotyp wirkt als Schema; Information wird "gefiltert"• Erinnerungsverzerrung in Richtung des Stereotyps– Interpretation von Verhalten im Sinne des Stereotyps• Mehrdeutige Information wird im Sinne des Stereotyps interpretiert• Identisches Verhalten wird unterschiedlich gedeutet, je nachdem wer es zeigt– Das Stereotyp als Vergleichsstandard• "Für einen Mann ganz gut" (Studie zur Beurteilung von Aufsätzen zu Männerund Frauenthemen)– Stereotyp-konsistente Reaktionen hervorrufen: sich selbst erfüllende Prophezeiungen• Interaktion mit Fremdgruppenmitglied auf der Grundlage von Stereotypen ruft bei diesem stereotypes Verhalten hervor
- Bedingungen für positive Effekte von Kontakt nach Allport: (7) Kooperation Gleiche Ziele Statusgleichheit Institutionelle Unterstützung / Norm der Toleranz Wiederholte Kontakte Kontakte mit unterschiedlichen Gruppenmitgliedern Kontakte mit „typischen“ Gruppenmitgliedern aber: Effekte oft gering und von kurzer Dauer– Herstellung der "geeigneten Bedingungen" im Alltag oft unmöglich, politisch-historische Situation entscheidend– Generalisierung der geänderten Einstellungen zu individuellen Fremdgruppenmitgliedern auf die Fremdgruppe als Ganze ist fraglich (Problem des "subtyping")
- Anwendungsbeispiel: "Jigsaw Classroom" = Gruppenarbeit in interdependenten multi-ethnischen Gruppen (Aronson & Patnoe, 1997) Effekte:- Reduktion von Vorurteilen- bessere Leistungen- höherer Selbstwert- mehr positive Interaktionen außerhalb der Klasse