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Phonologie (Subject) / 7. Phonologische Silbe (Lesson)
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- Begriff der phonologischen Silbe Die phonologische Silbe ist die kleinste Lautfolge, die selbständig geäußert werden kann. [baɪn] [baɪ] [aɪn] [aɪ] Marginal (Interjektionen) auch: [iː] [oː] Nur in Flüstersprache: [pst] [ʃ]̣̩
- Inwiefern ist die phonologische Silbe eine prosodische Einheit? Insofern, als sie Eigenschaften aufweist, die nicht allein auf Eigenschaften der Laute, die sie umfasst, zurückführbar sind, z.B. die der Betontheit. -> Phonologische Silben sind Lautgruppen mit lautübergreifenden Merkmalen.
- Relevanz der Silbe als prosodischer Einheit Die phonologische Silbe bildet den Bezugsbereich für verschiedene Regularitäten: Phonologische Prozesse (wirken teils nur innerhalb der Silbe) Phonotaktische Regularitäten (es gibt Kookurrenz- und Abfolgebeschränkungen innerhalb der Silbe) Die Silbe ist außerdem Trägerin von Prominenzmerkmalen (s. Fußkapitel) und potentielle Trägerin von Akzenten.
- Die Silbe als Domäne für phonologische Regeln Beispiel: Regel der Auslautverhärtung: Obstruenten werden nach verbreiteter Auffassung generell im Silbenauslaut stimmlos realisiert. Beispiel: Tage Tag täglich --> [tɑ.gə] [tɑk] [tɛk.lɪç]
- Die Silbe als Domäne für phonotaktische Regeln Beispiele: • Es gibt im Deutschen Konsonanten, deren Auftreten auf den Anfangsrand oder den Endrand von Silben beschränkt ist (z. B. h, ƞ). • Für die Abfolge der meisten Konsonanten des Deutschen gelten im Anfangsrand andere Restriktionen als im Endrand. z. B. möglich pl_ _lp Platz Skalp nicht möglich lp_ _pl
- Die Silbe als Bezugsgröße für Akzente • Im Deutschen können nur betonbare Silben einen Akzentton tragen.• Im Deutschen kann eine betonbare Silbe maximal einen Akzentton tragen.
- Silbentypen Vollsilbe = Silbe, deren Silbenkern ein Vollvokal umfasst --> betonbar (aber nicht immer betont) Reduktionssilbe = Silbe, deren Silbenkern einen Reduktionsvokal oder einen Sonoranten umfasst (m, n, ŋ, l, ʀ) --> nicht betonbar
- Haupt- vs. Nebensilben Hauptsilbe = Silbe, die einen Wortakzent trägt Nebensilbe = Silbe, die keinen Wortakzent trägt.
- Nebensilben im Lehn- und Fremdwortschatz Nebensilben können Vollvokale enthalten Bsp. ˌMa.ni.ˈkü.re 3 Vollsilben, 1 Reduktionssilbe / 2 Hauptsilben, 2 Nebensilben ˌMa.ni.ˌpu.la.ˈtion 5 Vollsilben, keine Reduktionssilben/ 3 Hauptsilben, 2 Nebens. [ˈ] Primärer Wortakzent [ˌ] Sekundärer Wortakzent
- 3. Silbenstruktur 3.1 Bestandteile der Silbe A. Konstituentenmodell (Siehe Folie 9) Teilung in: Onset (Ansatz) und Reim: Nukleus und Koda Anfangsrand und Endrand k: Onset + Anfangsrand v: Onset + Anfangsrand a: Reim (+ Nukleus/ Kern) l: Reim (+Koda) + Endrand m: Reim (+Koda) + Endrand
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- Beispiele für Anfangsrand (Onset), Nukleus (Kern), Endrand (Koda) und Silbenreim Anfangsrand Kern Endrand Schuh [ʃuː] ʃ uː ich [ʔɪç] ʔ ɪ ç gut [guːt] g uː t Strumpf [ʃtʀʊmpf] ʃtʀ ʊ mpf Silbenkern (= Nukleus): Vokal (Monophthong oder Diphthong) (gilt für betonte Silben) Anfangsrand (= Onset): Umfasst die Laute, die dem Kern in der Silbe vorangehen. Endrand (= Koda): Umfasst die Laute, die dem Kern in der Silbe nachfolgen. Silbenreim = Silbenkern + Endrand
- B. CV-Modell (Siehe Folie 11) Silbenschicht CV-Schicht (Seklettschicht) Segmentschicht V-Elemente = ‚silbische‘ Elemente, können einen Silbengipfel bilden (und allein den Silbenkern) C-Elemente = ‚unsilbische‘ Elemente‚ können keinen Silbengipfel bilden
- Anwendungen der CV-Phonologie (Nicht-lineare Repräsentation von Vokalquantität) CV-Ebene: CVC CVCC Lautebene: kam ka:m Kamm kam
- Anwendungen der CV-Phonologie (Forts.) (Repräsentation von Diphthongen) 8Siehe Folie 13) CVCC = heiß CVCC = Haus CVCC = Heuss
- Anwendungen der CV-Phonologie (Forts.) Repräsentation von Diphthongen --> monophonematisch vs. diphonematische Wertung (Siehe Folie 14) Vorteil: Phonematische Wertung kann sich allein auf lautliche Regularitäten stützen. Regularitäten, die die Quantität oder das Silbengewicht betreffen, werden auf der CV-Ebene repräsentiert.
- Anwendungen der CV-Phonologie (Forts.) Repräsentation von Vokalen ohne Bezug auf die Gespanntheitsrelation Bezug auf Silbenschnittkorrelation Sanfter Schmitt (smooth syllable cut ), loser Anschluss: CVCC kam Scharfer Schnitt (abrupt syllable cut ), fester Anschluss: CVC Kamm Beim scharfen Schnitt wird der (Lang-)vokal durch den nachfolgenden Konsonanten 'abgeschnitten'. Korrelationen in betonten Silben des Deutschen: Vokallänge Vokalkürze Gespanntheit Ungespanntheit Sanfter Schnitt Scharfer Schnitt
- ANWENDUNG CV-Phonologie (Siehe Folien 16 + 17) ...
- Phonotaktik Einfache Silbenränder: Der Anfangsrand bzw. Endrand enthält nur einen Laut. Komplexe Silbenränder: Der Anfangsrand bzw. Endrand enthält mehr als einen Laut. Beispiele: Anfangsrand Endrand gut [guːt] CVːC einfach einfach Stahl [ʃtaːl] CCVːC komplex einfach Sand [zant] CVCC einfach komplex Strumpf [ʃtʀʊmpf] CCCVCCC komplex komplex Schuh [ʃuː] CVː einfach leer Schuhen [ʃuː.ən] ... VC leer einfach Schuhe [ʃuː.ə] ... V leer leer
- Zusammenfassung von Silbentypen zu größeren Gruppen: Geschlossene Silben VC, CVC, CVCC ... Endrand ist nicht-leer Bedeckte Silben CV, CVC, CCVC, ... Anfangsrand ist nicht-leer Offene Silben V_, CV_, CCV_, ... Endrand ist leer Nackte Silben _V, _VC, _VCC, ... Anfangsrand ist leer Beispiele: gut [guːt] bedeckt und geschlossen Schuh [ʃuː] bedeckt und offen Schuhen [ʃuː.ən] 2. Silbe ist nackt und geschlossen Schule [ʃuː.lə] 2. Silbe ist bedeckt und offen
- Phonotaktische Regularitäten bei Einsilblern 1. Wie viele Elemente treten im Anfangsrand, Kern, Endrand und Reim einer Silbe auf? Minimalitätsanforderungen Maximalitätsbeschränkungen 2. Welche Elemente treten allein oder zusammen im Anfangsrand, Kern, Endrand und Reim einer Silbe auf? 3. In welcher Reihenfolge treten diese Elemente im Anfangsrand, Kern, Endrand und Reim einer Silbe auf?
- (1) Wie viele Elemente treten im Anfangrand, Kern, Endrand und Reim einer Silbe auf? Minimalitätsanforderungen Minimalitätsanforderungen - Gibt es Einsilbler mit leerem Anfangsrand?- Gibt es Einsilbler mit leerem Kern?- Gibt es Einsilbler mit leerem Endrand? nie, Vieh - Wie viele Elemente enthält der Reim von Einsilblern mindestens? _V _VV _VC ? Wie sind 'schwache Formen' zu beurteilen? Bsp. das ham [və] getan
- (1) Wie viele Elemente treten im Anfangrand, Kern, Endrand und Reim einer Silbe auf? Maximalitätsbeschränkungen -Wie viele Elemente kann der Anfangsrand enthalten? CCC_: Strich, Sprung, Pfropf - Wie viele Elemente kann der Kern enthalten? - Wie viele Elemente kann der Endrand/Reim enthalten? Wie viele Elemente enthält der Reim von schrumpfst ? VCCCCC Welche Konsonanten können ab der 3. C-Stelle auftreten? -> stl. koronale Obstruenten Wiese: maximal _CC; weitere Konsonanten sind 'extrasilbisch'.
- Maximalitätsbeschränkungen (Forts.) Wie viele Konsonanten treten im Endrand von Einsilblern maximal nach gespanntem Vokal auf? Morphemintern folgt meist nicht mehr als ein Konsonant. Maximalfälle: Mond, Keks, Papst, Obst Welche Typen von Konsonanten können bei _V:CC(C)-Wörtern in finaler Position stehen? -> stl. koronale Obstruenten - Wie viele Konsonanten treten im Endrand von Einsilblern maximal nach Diphthongen auf? Mai Wein wein+st Bau Maul maul+st Diphthonge verhalten sich wie Langvokale: Innerhalb des gleichen Morphems treten sie normalerweise nur mit leerem oder einfachem Endrand auf. Maximalfälle: Freund, Feind, leicht, feucht
- Folie 24 ansehen ...
- (2) Welche Elemente treten allein oder zusammen im Anfangrand, Kern, Endrand und Reim einer Silbe auf? Welche Typen von Kernen gibt es? In welchen Kernen stehen gespannte Vokale in Opposition zu ungespannten Vokalen? See Band Beet – Bett beten bitten nie mild Stil – still Stile stille Minimalitätsanforderung an den Reim betonter Silben: VC
- (3) In welcher Reihenfolge treten diese Elemente im Anfangrand, Kern, Endrand und Reim einer Silbe auf? Gibt es Abfolgebeschränkungen? Relevante Lautklassen: Vokale, Nasale, Liquide, Obstruenten (sth und stl) Welche Reihenfolgen sind im Anfangsrand und Endrand folgender Wortformen belegt und welche nicht? Fast alle Abfolgeregularitäten lassen sich unter Bezug auf die sog. Sonoritätshierachie und das Allgemeine Silbenbaugesetz ableiten. --> Kap. 3.3
- In welcher Reihenfolge treten die Laute in der Silbe auf? Gibt es einen Zusammenhang mit den Lautklassen? => Sonoritätshierarchie (Siehe Folie 27 + 28) ...
- Sonoritätshierarchie + allgem. Sibelnbaugesetz => Folien 27-31 ...
- 4. Silbifizierung 4.1 Grundlagen Wie sind mehrsilbige Wortformen im Deutschen typischerweise aufgebaut? Zweisilbler, bestehend aus betonter Silbe + unbetonter Silbe Beispiele: a. Bo.te, le.ge, ro.te b. E.sel, e.del c. Mau.er, un.ter d. Wa.gen, le.gen, e.ben e. A.tem In den unbetonten Silben von (b)-(e) tritt in der Umgangslautung ein Sonorant (Nasal oder Liquid) auf und damit ein Konsonant, der selbst den Silbenkern bilden kann.
- Silben mit konsonantischem Silbenkern (Siehe Folie 33) ,...
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- Aufbau von Mehrsilblern (a. Nebensilben im nativen Wortschatz) a. Nebensilben im nativen Wortschatz: Nebensilben sind meist Reduktionssilben -> Trochäische Formen Bsp. Bo.te, Ei.mer, sie.ben Abweichend: Suffixe wie -ung, -heit
- Aufbau von Mehrsilblern (Vollsilben + Reduktionssilben) Vollsilben Reduktionssilben Vollvokal Reduktionsvokal oder silbischer Konsonant gespannter Vokal möglich i.d.R. kein gespannter Vokal Minimal (C)VC Minimal (C)V + betonbar - betonbar + kann Wortakzent tragen - kann Wortakzent tragen
- Aufbau von Mehrsilblern (Nebensilben im Lehnwortschatz) Nebensilben können gespannte Vokale enthalten Bsp. Maniküre, Manipulation
- Haupttypen trochäischer Zweisilbler Miete, beten offene Silbe, gespannter Vokal Minze, besten geschlossene Silbe, ungespannter Vokal Mitte, Betten ?? Es liegt ein ambisilbischer Konsonant vor, ein 'Silbengelenk'. (a) Die Silbengrenze liegt 'im' Konsonanten. (b) Der Konsonant gehört zu beiden Silben; zur Lage der Silbengrenze wird keine Angabe gemacht.
- Ergänzung: Extrasilbische Konsonanten Richard Wiese (1996): Maximale Silbenstruktur: CCVCC (gespannte Vokale und Diphthonge: VC) Konsonanten, die nach der 2. C-Stelle folgen, sind extrasilbisch Beispiele: Werft, Mumps, Herbst, Mond, lehnst Warum extrasilbisch? •Wahl der Konsonanten stark eingeschränkt: /t/, /s/, /d/, /st/ = koronale Obstruenten •diese Konsonanten unterliegen kaum den im Dt. sonst üblichen phonotaktischen Beschränkungen Bsp. Last Latz [last] [lats]