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Phonologie (Subject) / 7. Phonologische Silbe (Lesson)

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This lesson was created by Timo87.

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  • Begriff der phonologischen Silbe Die phonologische Silbe ist die kleinste Lautfolge, die selbständig geäußert werden kann.  [baɪn]  [baɪ]     [aɪn]        [aɪ] Marginal (Interjektionen) auch:   [iː]  [oː]  Nur in Flüstersprache:  [pst]  [ʃ]̣̩
  • Inwiefern ist die phonologische Silbe eine prosodische Einheit? Insofern, als sie Eigenschaften aufweist, die nicht allein auf Eigenschaften der Laute, die sie umfasst, zurückführbar sind, z.B. die der Betontheit.   -> Phonologische Silben sind Lautgruppen mit lautübergreifenden Merkmalen.
  • Relevanz der Silbe als prosodischer Einheit Die phonologische Silbe bildet den Bezugsbereich für verschiedene Regularitäten: Phonologische Prozesse (wirken teils nur innerhalb der Silbe) Phonotaktische Regularitäten (es gibt Kookurrenz- und Abfolgebeschränkungen innerhalb der Silbe) Die Silbe ist außerdem Trägerin von Prominenzmerkmalen (s. Fußkapitel) und potentielle Trägerin von Akzenten.
  • Die Silbe als Domäne für phonologische Regeln Beispiel:  Regel der Auslautverhärtung: Obstruenten werden nach verbreiteter Auffassung generell im Silbenauslaut stimmlos realisiert.     Beispiel:   Tage  Tag  täglich -->  [tɑ.gə]  [tɑk]  [tɛk.lɪç]
  • Die Silbe als Domäne für phonotaktische Regeln Beispiele: •   Es gibt im Deutschen Konsonanten, deren Auftreten auf den Anfangsrand oder     den Endrand von Silben beschränkt ist (z. B. h, ƞ). •   Für die Abfolge der meisten Konsonanten des Deutschen gelten im Anfangsrand     andere Restriktionen als im Endrand.     z. B.       möglich   pl_    _lp  Platz  Skalp          nicht möglich    lp_   _pl    
  • Die Silbe als Bezugsgröße für Akzente •  Im Deutschen können nur betonbare Silben einen Akzentton tragen.•  Im Deutschen kann eine betonbare Silbe maximal einen Akzentton tragen.
  • Silbentypen Vollsilbe = Silbe, deren Silbenkern ein Vollvokal umfasst --> betonbar (aber nicht immer betont) Reduktionssilbe =   Silbe, deren Silbenkern einen Reduktionsvokal oder einen Sonoranten umfasst (m, n, ŋ, l, ʀ)  --> nicht betonbar
  • Haupt- vs. Nebensilben Hauptsilbe = Silbe, die einen Wortakzent trägt Nebensilbe = Silbe, die keinen Wortakzent trägt.
  • Nebensilben im Lehn- und Fremdwortschatz Nebensilben können Vollvokale enthalten Bsp.  ˌMa.ni.ˈkü.re  3 Vollsilben, 1 Reduktionssilbe /  2 Hauptsilben, 2 Nebensilben          ˌMa.ni.ˌpu.la.ˈtion  5 Vollsilben, keine Reduktionssilben/ 3 Hauptsilben, 2  Nebens. [ˈ]  Primärer Wortakzent [ˌ]  Sekundärer Wortakzent 
  • 3. Silbenstruktur 3.1 Bestandteile der Silbe A. Konstituentenmodell (Siehe Folie 9) Teilung in: Onset (Ansatz) und Reim: Nukleus und Koda Anfangsrand und Endrand k: Onset + Anfangsrand v: Onset + Anfangsrand a: Reim (+ Nukleus/ Kern)   l: Reim (+Koda) + Endrand m: Reim (+Koda) + Endrand 
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  • Beispiele für Anfangsrand (Onset), Nukleus (Kern), Endrand (Koda) und Silbenreim                             Anfangsrand       Kern           Endrand Schuh  [ʃuː]                ʃ                     uː ich  [ʔɪç]                    ʔ                     ɪ                 ç gut  [guːt]                  g                     uː                t Strumpf  [ʃtʀʊmpf]      ʃtʀ                    ʊ               mpf   Silbenkern (= Nukleus): Vokal (Monophthong oder Diphthong)   (gilt für betonte Silben) Anfangsrand (= Onset): Umfasst die Laute, die dem Kern in der Silbe vorangehen. Endrand (= Koda): Umfasst die Laute, die dem Kern in der Silbe nachfolgen. Silbenreim = Silbenkern + Endrand
  • B. CV-Modell (Siehe Folie 11) Silbenschicht CV-Schicht (Seklettschicht) Segmentschicht V-Elemente = ‚silbische‘ Elemente, können einen Silbengipfel bilden (und allein den Silbenkern) C-Elemente = ‚unsilbische‘ Elemente‚ können keinen Silbengipfel bilden
  • Anwendungen der CV-Phonologie (Nicht-lineare Repräsentation von Vokalquantität) CV-Ebene:      CVC         CVCC Lautebene:       kam          ka:m                          Kamm       kam 
  • Anwendungen der CV-Phonologie (Forts.) (Repräsentation von Diphthongen) 8Siehe Folie 13) CVCC = heiß CVCC = Haus CVCC = Heuss
  • Anwendungen der CV-Phonologie (Forts.) Repräsentation von Diphthongen --> monophonematisch vs. diphonematische Wertung (Siehe Folie 14) Vorteil: Phonematische Wertung kann sich allein auf lautliche Regularitäten stützen. Regularitäten, die die Quantität oder das Silbengewicht betreffen, werden auf der CV-Ebene repräsentiert.
  • Anwendungen der CV-Phonologie (Forts.) Repräsentation von Vokalen ohne Bezug auf die Gespanntheitsrelation Bezug auf Silbenschnittkorrelation Sanfter Schmitt (smooth syllable cut ), loser Anschluss:  CVCC  kam Scharfer Schnitt (abrupt syllable cut ), fester Anschluss:  CVC  Kamm Beim scharfen Schnitt wird der (Lang-)vokal durch den nachfolgenden Konsonanten 'abgeschnitten'.    Korrelationen in betonten Silben des Deutschen:   Vokallänge   Vokalkürze   Gespanntheit  Ungespanntheit Sanfter Schnitt  Scharfer Schnitt
  • ANWENDUNG CV-Phonologie (Siehe Folien 16 + 17) ...
  • Phonotaktik Einfache Silbenränder: Der Anfangsrand bzw. Endrand enthält nur einen Laut.  Komplexe Silbenränder: Der Anfangsrand bzw. Endrand enthält mehr als einen Laut.   Beispiele:                                                                     Anfangsrand  Endrand gut               [guːt]                CVːC                            einfach         einfach Stahl            [ʃtaːl]                CCVːC                         komplex        einfach Sand            [zant]              CVCC                           einfach          komplex Strumpf        [ʃtʀʊmpf]         CCCVCCC                   komplex        komplex Schuh           [ʃuː]                 CVː                              einfach          leer Schuhen       [ʃuː.ən]          ... VC                             leer                einfach Schuhe         [ʃuː.ə]              ... V                              leer                leer
  • Zusammenfassung von Silbentypen zu größeren Gruppen: Geschlossene Silben   VC, CVC, CVCC ...  Endrand ist nicht-leer Bedeckte Silben   CV, CVC, CCVC, ...  Anfangsrand ist nicht-leer Offene Silben   V_, CV_, CCV_, ...  Endrand ist leer Nackte Silben   _V, _VC, _VCC, ...  Anfangsrand ist leer Beispiele: gut      [guːt]  bedeckt und geschlossen Schuh      [ʃuː]  bedeckt und offen Schuhen      [ʃuː.ən]  2. Silbe ist nackt und geschlossen Schule      [ʃuː.lə]    2. Silbe ist bedeckt und offen
  • Phonotaktische Regularitäten bei Einsilblern 1. Wie viele Elemente treten im Anfangsrand, Kern, Endrand und  Reim einer Silbe auf? Minimalitätsanforderungen Maximalitätsbeschränkungen 2. Welche Elemente treten allein oder zusammen im Anfangsrand, Kern, Endrand und Reim einer Silbe auf? 3. In welcher Reihenfolge treten diese Elemente im Anfangsrand, Kern, Endrand und Reim einer Silbe auf?
  • (1) Wie viele Elemente treten im Anfangrand, Kern, Endrand und Reim einer Silbe auf? Minimalitätsanforderungen Minimalitätsanforderungen - Gibt es Einsilbler mit leerem Anfangsrand?- Gibt es Einsilbler mit leerem Kern?- Gibt es Einsilbler mit leerem Endrand?   nie, Vieh -  Wie viele Elemente enthält der Reim von Einsilblern mindestens?   _V    _VV  _VC  ?   Wie sind 'schwache Formen' zu beurteilen?   Bsp. das ham [və] getan
  • (1) Wie viele Elemente treten im Anfangrand, Kern, Endrand und Reim einer Silbe auf? Maximalitätsbeschränkungen -Wie viele Elemente kann der Anfangsrand enthalten?  CCC_: Strich, Sprung, Pfropf  - Wie viele Elemente kann der Kern enthalten? - Wie viele Elemente kann der Endrand/Reim enthalten?   Wie viele Elemente enthält der Reim von schrumpfst ?    VCCCCC  Welche Konsonanten können ab der 3. C-Stelle auftreten?   -> stl. koronale Obstruenten   Wiese: maximal _CC; weitere Konsonanten sind 'extrasilbisch'.
  • Maximalitätsbeschränkungen (Forts.) Wie viele Konsonanten treten im Endrand von Einsilblern maximal nach gespanntem Vokal auf?   Morphemintern folgt meist nicht mehr als ein Konsonant.   Maximalfälle: Mond, Keks, Papst, Obst   Welche Typen von Konsonanten können bei _V:CC(C)-Wörtern in finaler Position stehen?   -> stl. koronale Obstruenten -  Wie viele  Konsonanten treten im Endrand von Einsilblern maximal nach Diphthongen auf?   Mai  Wein  wein+st   Bau  Maul  maul+st   Diphthonge verhalten sich wie Langvokale: Innerhalb des gleichen Morphems treten sie normalerweise nur mit leerem oder einfachem Endrand auf.   Maximalfälle: Freund, Feind, leicht, feucht
  • Folie 24 ansehen ...
  • (2) Welche Elemente treten allein oder zusammen im Anfangrand, Kern, Endrand und Reim einer Silbe auf?   Welche Typen von Kernen gibt es? In welchen Kernen stehen gespannte Vokale in Opposition zu ungespannten Vokalen?   See  Band  Beet – Bett  beten  bitten   nie  mild  Stil – still  Stile  stille   Minimalitätsanforderung an den Reim betonter Silben: VC  
  • (3) In welcher Reihenfolge treten diese Elemente im Anfangrand, Kern, Endrand und Reim einer Silbe auf? Gibt es Abfolgebeschränkungen? Relevante Lautklassen: Vokale, Nasale, Liquide, Obstruenten (sth und stl)  Welche Reihenfolgen sind im Anfangsrand und Endrand folgender Wortformen belegt und welche nicht? Fast alle Abfolgeregularitäten lassen sich unter Bezug auf die sog. Sonoritätshierachie und das Allgemeine Silbenbaugesetz ableiten. -->  Kap. 3.3
  • In welcher Reihenfolge treten die Laute in der Silbe auf? Gibt es einen Zusammenhang mit den Lautklassen? => Sonoritätshierarchie (Siehe Folie 27 + 28) ...
  • Sonoritätshierarchie + allgem. Sibelnbaugesetz => Folien 27-31 ...
  • 4. Silbifizierung 4.1 Grundlagen Wie sind mehrsilbige Wortformen im Deutschen typischerweise aufgebaut? Zweisilbler, bestehend aus betonter Silbe + unbetonter Silbe Beispiele: a.   Bo.te, le.ge, ro.te b.   E.sel, e.del c.   Mau.er, un.ter d.   Wa.gen, le.gen, e.ben e.   A.tem   In den unbetonten Silben von (b)-(e) tritt in der Umgangslautung ein Sonorant (Nasal oder Liquid) auf und damit ein Konsonant, der selbst den Silbenkern bilden kann.
  • Silben mit konsonantischem Silbenkern (Siehe Folie 33) ,...
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  • Aufbau von Mehrsilblern (a. Nebensilben im nativen Wortschatz) a. Nebensilben im nativen Wortschatz:   Nebensilben sind meist Reduktionssilben -> Trochäische Formen   Bsp.  Bo.te, Ei.mer, sie.ben   Abweichend: Suffixe wie -ung, -heit 
  • Aufbau von Mehrsilblern (Vollsilben + Reduktionssilben) Vollsilben                                              Reduktionssilben   Vollvokal                                              Reduktionsvokal oder silbischer Konsonant   gespannter Vokal möglich                   i.d.R. kein gespannter Vokal   Minimal (C)VC                                    Minimal (C)V   + betonbar                                         - betonbar   + kann Wortakzent tragen                 - kann Wortakzent tragen
  • Aufbau von Mehrsilblern (Nebensilben im Lehnwortschatz) Nebensilben können gespannte Vokale enthalten  Bsp. Maniküre, Manipulation
  • Haupttypen trochäischer Zweisilbler Miete, beten  offene Silbe, gespannter Vokal  Minze, besten  geschlossene Silbe, ungespannter Vokal Mitte, Betten  ?? Es liegt ein ambisilbischer Konsonant vor, ein 'Silbengelenk'. (a)  Die Silbengrenze liegt 'im' Konsonanten. (b)  Der Konsonant gehört zu beiden Silben; zur Lage der Silbengrenze wird keine Angabe gemacht.
  • Ergänzung: Extrasilbische Konsonanten Richard Wiese (1996): Maximale Silbenstruktur:  CCVCC     (gespannte Vokale und Diphthonge: VC) Konsonanten, die nach der 2. C-Stelle folgen, sind extrasilbisch Beispiele:   Werft, Mumps, Herbst, Mond, lehnst Warum extrasilbisch? •Wahl der Konsonanten stark eingeschränkt:   /t/, /s/, /d/, /st/   = koronale Obstruenten •diese Konsonanten unterliegen kaum den im Dt. sonst üblichen phonotaktischen Beschränkungen  Bsp.   Last   Latz  [last]  [lats]