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Datenerhebung (Subject) / VL 11&12 (Lesson)
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- Besonderes Problem: Reaktivität Beispiele - Problemlöseforschung à „Wie gehen Sie gerade an das Problem heran?“ - Zwischenmenschliche Anziehung à „Wie attraktiv finden Sie die andere Person“? - Sexualität à „Worauf hätten Sie gerade Lust?“ Reaktivität bei psychologischen Datenerhebungen bedeutet die Veränderung bzw. Verzerrung der erhobenen Daten schon aufgrund der Kenntnis der untersuchten Personen darüber, dass sie Gegenstand einer Untersuchung sind. Aufgrund von Reaktivität verändert sich die Beschaffenheit des zu erforschenden Gegenstandes.
- Erhellung nicht direkt beobachtbarer Phänomene Was wollen wir wissen? --> nicht direkt beobachtbares psychisches Innenleben Sind die interessierenden psychischen Prozesse den Personen selbst zugänglich / können sie darüber ohne Verzerrung selbst Auskunft geben? • Falls ja: Selbstberichtsverfahren • häufig nicht: Beobachtungs- und Messverfahren ohne Selbstauskünfte
- Maßnahmen zur Reduzierung der Reaktivität Unkenntnis der Untersuchten (darüber, dass sie Gegenstand einer Untersuchung ) Zusicherung von Anonymität (bei Umfragen und Laborstudien) Coverstory (Induktion (falscher) Erwartungen bei Versuchspersonen) Verwendung nichtreaktiver Messverfahren Verwendung indirekter/ impliziter Messverfahren
- Verwendung indirekter/impliziter Messverfahren • Direkte Aufgabeninstruktion suggeriert anderen Zweck der Messung • Implizit gemessener Verhaltensaspekt ist eigentlich von Interesse (z.B. IAT)
- Verwendung nichtreaktiver Messverfahren • Maße, die die Versuchsperson nicht selbst beeinflussen kann (z.B. biopsychologische Maße)
- Coverstory (Induktion (falscher) Erwartungen bei Versuchspersonen) • Falls Kenntnis der Hypothesen die Hypothesenprüfung gefährdet • Forschungsethische Aspekte (da bewusste Täuschung!), u.a. post-hoc Aufklärung
- Unkenntnis der Untersuchten (darüber, dass sie Gegenstand einer Untersuchung ) • Im Labor nicht realisierbar, jedoch in Feldstudien • Forschungsethische Aspekte (z.B. entstehen Untersuchten Nachteile?)
- Systematische Verhaltensbeobachtung Die systematische und regelgeleitete Registrierung des Auftretens bzw. der Ausprägung von ausgewählten, psychologisch relevanten Merkmalen oder Ereignissen. Sie folgt einem zuvor festgelegten Beobachtungsplan.
- Systematische Verhaltensbeobachtung: Beobachtungsplan legt fest: 1) Was beobachtet werden soll (Kategorien); 2) Welche Aspekte weniger oder nicht relevant sind; 3) Interpretationsspielraum des Beobachtenden; 4) Wann, wie lange und wo Beobachtung erfolgt (Zeitpunkt, Zeitraum, Situation); 5) Auf welche Weise das Beobachtete registriert und protokolliert wird
- Systematische Verhaltensbeobachtung Aswahl an Stichproben (Beobachtung kann nie Gesamtheit aller Ereignisse umfassen) • Zeitstichprobe: Feste Intervalle (z.B. alle 5 Minuten bei 2stündiger Beobachtung) Vorteil: breiter und umfassender Überblick • Ereignisstichprobe: Auftreten (Zeitpunkt, Dauer, Häufigkeit) von bestimmten, vorab definierten Ereignissen Vorteil: gezielte Untersuchung ausgewählter Verhaltensweisen
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- Selbstbeobachtung Phänomen wird von VP an sich selbst beobachtet, z.B. - Einschätzung der eigenen Stimmung - Einschätzung der Unsicherheit (bei einem Urteil/ einer Aufgabenlösung) --> Im 19. Jahrhundert war die „Introspektion“ (verbaler Bericht der VP über nicht beobachtbare Vorgänge) die Hauptmethode der Psychologie Probleme: • Nicht objektiv überprüfbar • Verstößt gegen Prinzip neutraler Messung: Messvorgang verändert Verhalten
- Fremdbeobachtung Phänomen wird durch andere Personen beobachtet, z.B. - Psychologie/Psychiater schätzt Stimmung einer Person ein - Lehrer beobachtet aggressives Verhalten von Schülern im Unterricht - Forscher beobachtet Auftreten von bestimmten Verhaltensweisen im Labor
- Arten der Fremdbeobachtung Offen Verdeckt Teilnehmend Nicht-teilnehmend Strukturiert Unstrukturiert Einzelne Handlungen (globale) Ratings Vermittelt Unvermittelt
- Arten der Fremdbeobachtung Offen Verdeckt Teilnehmend Nicht-teilnehmend Strukturiert Unstrukturiert Einzelne Handlungen (globale) Ratings Vermittelt Unvermittelt
- Systematische Verhaltensbeobachtung Anwendungsbereiche – vielfältig in Diagnostik, Intervention und Forschung • Zentrales Element in der Diagnostik und Beratung - Bsp. Paar- und Familienberatung: Erfassung von Interaktionsabläufen • Säuglings- und Kleinkindforschung • Pädagogische Psychologie: Lehrer-Schüler-Interaktion • Organisationspsychologie: Arbeitsbeobachtung, Organisationsklima • Assessment-Center • Beobachtung/Messung der Bearbeitungszeit/Reaktionszeit
- Systematische Verhaltensbeobachtung Zentrales Problem: Beobachtungsfehler • Fehler durch den Beobachter - Wahrnehmungsfehler - Urteilsfehler (verfälschtes Urteil über das Wahrgenommene) - Erinnerungsfehler: Kapazitätsgrenzen, Selektionseffekte • Fehler durch die Beobachtung - Reaktivität - Beobachtungs- und Untersuchungsbedingung falls Beobachtungsbedingung keine typische Bedingung für das Verhalten ist --> verringert Validität z.B. Erforschung aggressiver Verhaltes eines Kindes durch Beobachtung in der Therapiesituation - Beobachtungssystem: zu wenig oder zu viel Kategorien
- „Halo“- bzw. Mondhof-Effekt Bewertung eines Merkmals einer Person strahlt auf anderes Merkmal aus (i.d.R. leicht wahrnehmbare Eigenschaften färben auf weniger leicht beobachtbares ab) --> Faktisch unabhängige Eigenschaften als zusammenhängend wahrgenommen z.B. • Äußeren Gepflegtheit einer Person à Einschätzung, ob Person fleißig oder faul • Gute Beantwortung von Aufgabe 1 à Bewertung von Aufgabe 2
- „Pygmalion-Effekt“ / Rosenthal-Effekt Klassische Studie von Rosenthal und Jacobson (1965) • Forscher gaben gegenüber Lehrern an, dass 20% der Schüler in der Elementarstufe besonders begabt seien und in ein Leistungszuwachs zu erwarten sei („bloomers“) - In Wahrheit waren Schüler zufällig ausgewählt • Etwa 1 Jahr danach: „Bloomers“ zeigten einen sehr hohen Zuwachs in ihrem IQ --> Lehrererwartung beeinflusste Lehrerverhalten gegenüber den Schülern - Brachte Effekt letztendlich erst hervor
- Urteilsfehler und Maßnahmen: • Zentrale Tendenz: Vermeidung von Extremwerten, Häufung von Urteilen im Mittelbereich • Tendenz zur Milde • Tendenz zum Kontrastbildung • Tendenz zur sozialen Erwünschtheit Maßnahmen • mehrere Beobachter • Beobachtertraining
- Befragungsmethoden: Interview und Fragebogen Vorteile von mündlicher/schriftlicher Befragung gegenüber Beobachtung: • Bei sehr starker und nicht zu vermeidender Reaktivität • Falls Verhalten nicht spontan auftritt und auch nicht ausgelöst werden kann • Falls sich Verhalten der Beobachtung entzieht (Bsp. Sexualverhalten, Drogenkonsum) • Ökonomie
- Arten der Befragung • mündlich Einzelbefragung • schriftlich i.d.R. mehrere Personen gleichzeitig • strukturiert/standardisiert Wortlaut & Reihenfolge d. Fragen fest • unstrukturiert/unstandardisiert Nur allgemeiner Leitfaden hinsichtlich der anzusprechenden Themen • offenes Antwortformat Freie Antwort in eigenen Worten • geschlossenes Antwortformat Fixe Antwortoptionen • direkte Befragung Person wird selbst befragt • Befragung von Dritten Auskunft über andere Personen
- Interview (direkter Kontakt mit Interviewer) Vorteile und Nachteile? + e r m ö g l i c h t N a c h f r a g e n b e i Unklarheiten in der Fragestellung + ausführlichere Antworten, Rückfragen durch Interviewer -/+ weniger Zeit beim Beantworten der Frage(n) - Keine Anonymität ggü. Interviewer - aufwändiger, kostenintensiver + ökonomischer - u.U. Beeinflussung durch Interviewer + kein Interviewereinfluss
- Fragebogen Nachteile und Vorteile: - keine Nachfragen durch Befragten - kein Rückfragen durch Interviewer + mehrmaliges Durchlesen, Ruhe beim Beantworten + vollständige Anonymität, gerine Reaktivität +/- häufiger standardisiert: setzten erhebliche Vorwissen über Gegsenstand voraus + ökonomischer + kein Interviewereinfluss
- Ratingverfahren Definition+ Warum ist es beliebt? + welche 2 Formen gibt es? Ratingverfahren Befragte beurteilen einen Gegenstand (sich selbst; andere Person; Sachverhalt; Objekt...) hinsichtlich einen bestimmten Merkmals auf einer numerischen Skala. Mehrere Items zu einer Skala --> Bildung eines Durchschnittswertes Sehr beliebt, da • Liefern direkt quantitative Daten • Legen Intervallskalenniveau nahe (obwohl teilweise umstritten!) Unipolare Ratingskala 1: ruhig 5: unruhigBipolare Ratingskala 1: ruhig 5: angespannt
- Ratingverfahren: Semantisches Differenzial Semantisches Differenzial (nach Osgood et al., 1957) • Antworten auf mehrere bipolare Items • Häufig 7-stufige Skala • ergibt mehr-dimensionales Polaritätenprofil • Vergleich von Merkmalsträgern hinsichtlich zentraler Merkmale
- Fragebogenkonstruktion Konstruktion Fragebogens/Interviews: komplexer & aufwändiger Prozess Konstruktion Fragebogens/Interviews: komplexer & aufwändiger Prozess Reihe von bewährten Techniken, u.a. • Unterschiedliche Fragetypen - „Eisbrecherfragen“ / Motivationsfragen zu Beginn (leicht zu beantworten, nicht kontrovers) - Kontrollfragen (gleiche Frage in leichter Abänderung) à antwortet Person konsistent? - Pufferfragen (nach unangenehmen Fragen; Vermeidung von Halo-Effekten) - Bei peinlichen/unangenehmen Inhalten, heiklen Themen - „Fragen durch die Hintertür“ (z.B. „Wie alt sind Sie?“ à „Welcher Jahrgang sind Sie?“) - Dialogfragen: Befragter gibt seine Meinung in Form eines Schiedsspruchs wieder (z.B., „Ihr Kollege denkt, dass die Regierung zu viel für Flüchtlinge tut. Ihr Nachbar meint, dass die momentane Flüchtlingspolitik gut ist. Wer hat recht?“) - Jedermann-Ansatz: „In einer liberalen Gesellschaft leben Menschen auf unterschiedliche Weise ihre Sexualität aus ... Und wie ist das bei Ihnen?“ • Ordnung der Fragen, z.B. Achtung auf Reihenfolgeeffekte; „Trichter“-Modell
- Beispiel für etablierten Fragebogen: EAS Temperamentinventar (Fremdeinschätzung von Kind durch Eltern oder Erzieher) Kurzform mit 20 Fragen Skalenbildung durch Aufsummierung der einzelnen Items Vier Skalen • Emotionalität • Aktivität • Schüchternheit • Soziabilität Ausprägung einer Skala = Durchschnitt der zugehörigen Itemwerte
- Psychologische Tests Definition Ein Test ist definiert als ein wissenschaftliches Routineverfahren zur Untersuchung eines oder mehrerer empirisch unterscheidbarer Persönlichkeitsmerkmale mit dem Ziel einer möglichst genauen quantitativen Aussage über den relativen Grad der individuellen Merkmalsausprägung. Ziel der Testung ist also eine Individualdiagnose. (nach Hussy et al., 2013, S. 81)
- Psychologische Tests Arten von Test? Unterschiede Testverfahren und Fragebögen? Arten von Tests • Persönlichkeitstests • Leistungstests Unterschiede Testverfahren und Fragebögen • Fragebögen sind zumeist Forschungsinstrumente, Tests Diagnoseinstrumente • Fragebögen gibt es zu beliebigen Inhalten (v.a. Objektbeurteilungen), Tests beziehen sich auf Persönlichkeits- und Leistungsbereich
- Testtheoretische Gütekriterien Bestimmung der Reliabilität • Split-Half-Methode: Korrelation äquivalenter Testhälften • Test-Retest-Reliabilität: Korrelation wiederholter Testdurchführungen • Paralleltest: Korrelation paralleler Testformen • Interne Konsistenz (wenn Test eindimensionales Merkmal misst): Homogenität der Items Validität • Inhaltsvalidität (Augenscheinvalidität): Erfasster Inhalt ist derjenige, der gemessen werden soll • Konstruktvalidität: wenn alle Aspekte des theoretischen Konstrukts erfasst werden • Kriteriumsvalidität: Übereinstimmung mit Außenkriterien (praktische Kritierien)
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- Vorteile von Befragung: • Erfassung des subjektiven Erlebens (Gefühle, Interessen, Einstellungen), die von außen nicht beobachtbar • Verhalten und Erleben über größere Zeitspannen • Einsatzmöglichkeiten als primäre Methode oder versuchsbegleitend
- Begrenzungen von Befragungen? • Limitationen in der Selbstauskunft: Erinnerungsvermögen; Zugang zu subjektiven Prozessen • Sprachliche Fertigkeiten, kommunikative Kompetenzen: Schwierigkeiten bei kleinen Kindern, Personen mit nicht-muttersprachigen Hintergrund, etc. • Verzerrungen und Biases, bewusste Lügen