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Medizin (Subject) / Beckenboden (Lesson)

Gynäkologie / Geburtshilfe - Urologie - Proktologie

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  • Miktionsreflex Dehnungsrezeptoren in der Blasenwand erregen sensible Fasern des Nervus pelvicus. Im Sakralmark werden die Erregungen auf motorische Fasern des gleichen Nervs umgeschaltet und gelangen zum Plexus vesicalis. Von dort ziehen einige Fasern zum inneren Sphinkter (Ringmuskel) und heben dessen Tonus auf; andere gelangen zur Blasenwand und steigern deren Spannung. Dadurch wird die Blase entleert. Nervenfasern aus dem Lumbalmark ziehen zum Ganglion mesentericum inferior und von dort über den Nervus hypogastricus zur Blasenwand sowie zum inneren Sphinkter. Der Nervus hypogastricus senkt den Tonus der Blasenwand und erhöht die Spannung des inneren Sphinkters. Auf diese Weise wird er als Retentions- oder Verhaltensnerv zum Gegenspieler des Nervus pelvicus, des eigentlichen Miktionsnervs. Der äußere, quergestreifte Blasensphinkter wird vom Nervus pudendus innerviert. Von zentralnervösen Bahnen gesteuert, ermöglicht er die willkürliche Miktion.
  • Miktionsreflex Die Entleerung der Blase (Miktion, Detrusion) erfordert eine Umstellung von sympathischer auf parasympathische Aktivität mit Entspannung des äußeren Schließmuskels. Der Reflex verfügt über - einen von Dehnungsrezeptoren in der Blasenwand ausgehenden afferenten Teil - die Rezeptoren steigern ihre Entladungsfrequenz mit zunehmender Blasenfüllung, - Reflexzentren im Rückenmark (parasympathisch-sakral: spinale Ebene) und übergeordnete zerebrale Zentren (supraspinale Ebene) - vor allem das Miktionszentrum in der Brücke (ventrolateral auf Höhe des locus coeruleus) und kortikale Gebiete, hier werden perzeptive, emotionale, vegetative und motorische Aspekte integriert; und - einen somatisch-vegetativen efferenten Teil. Impulse vom sympathischen Lendengebiet werden über den N. hypogastricus, solche vom parasympathischen Sakralzentrum über Äste des N. splanchnicus sowie motorische aus dem Onuf'schen Kern über den N. pudendus gesendet.
  • Miktionsdauer Normalerweise dauert die Entleerung der Harnblase nicht länger als 30 Sekunden (Durchschnitt ≈20 s). Überschreitet die Miktionsdauer diesen Wert, ist entweder die Blasenmotorik gestört, oder der Ausflusswiderstand ist erhöht (das kann strukturelle, vorübergehend auch funktionelle Ursachen haben, insbesondere bei Stresseinfluss). Der Ausflusswiderstand kann beim Mann z.B. infolge Prostatahypertrophie erhöht sein. Der Widerstandswert wird aus Druckgefälle und Strömung ermittelt (analog dem Ohm'schen Gesetz). Die Registrierung von Blasendruck und Harnströmung bei der Miktion mittels Blasenkatheter, Volumen- und Druckmesssystem heißt Uroflowmetrie. Die Untersuchung des Dehnungsverhaltens der Blase bei künstlicher Füllung heißt Zystometr(ograph)ie.
  • Detrusion: detrudere = wegstoßen (trudere = drängen, treiben) Störungen Stressinkontinenz: Bei erschlafftem Beckenboden kann Belastung (Hebearbeit, Husten, Niesen..) zu unwillkürlichem Harnverlust führen. Beckenbodenschwäche und Uterusdescensus sind meist die Ursache (häufige Inkontinenz bei Frauen). Beckenbodengymnastik und Östrogengabe können helfen Obstruktive Abflußhindernisse (z.B. Prostatahypertrophie, Urethrastrikturen) oder eine atone Blase (z.B. diabetische Neuropathie) haben eine ständig überfüllte Blase zur Folge und bedingen Überlaufinkontinenz. Die Blase ist passiv überdehnt, Restharnbildung und Harnträufeln sind die Folge. Als Dranginkontinenz bezeichnet man Harndrang mit unfreiwilligem Urinabgang. Motorische Dranginkontinenz tritt infolge neurologischer Probleme auf (Schlaganfall, Mb. Parkinson), das Gefühl für die Blase ist erhalten. Sensorische Dranginkontinenz kann z.B. bei Blasenentzündung auftreten - mit der Folge ständigen Harndrangs. Erfolgt eine Blasenleerung wegen ungünstiger äußerer Umstände bei intakter Funktion, spricht man von funktioneller Inkontinenz. Wird der Ureter gedehnt, wie dies eingeklemmte Nierensteine tun, kommt es zu einer starken Anregung der Peristaltik, was mit starken Schmerzen einhergeht (Nierenkolik). Ist der Harnabfluss für längere Zeit blockiert, kann der andauernde Druckanstieg vor der Engstelle zu Schädigung des Nierenparenchyms führen (Hydronephrose).
  • Druck und Strömung Die Nieren bilden ca. 1 ml Harn pro Minute. Der Druck in der Harnblase beträgt ≈1 kPa (10 cm Wassersäule). Nimmt das Harnvolumen zu, gibt die Blase plastisch nach, und der Blaseninnendruck bleibt unverändert. Die leere Blase hat eine Wanddicke von 5-7 mm, bei maximaler Füllung nur ≈2 mm.
  • Harndrang 1 Kontraktion der Schließmuskeln (Sphinkteren) am Blasenausgang und in der Wand der Harnröhre (Urethra) bewirken die Dichtigkeit (Kontinenz) der Blase. Der glattmuskuläre innere Sphinkter wird durch sympathische Nervenfasern angeregt, der quergestreifte äußere Sphinkter durch Fasern des Pudendusnervs (dieser entspringt im Onuf-Kern des Sakralmarks). Der Pudendusnerv leitet auch afferente Impulse von Mechanorezeptoren: Bis zu dem Punkt, an dem die Detrusion getriggert wird, zeigt sich der Blasentonus unabhängig von der Nervenversorgung.Ab ≈0,2 Liter Blaseninhalt werden Dehnungsrezeptoren in der Blasenwand gereizt (früher bei rascher Füllung, wie bei diagnostischer Füllung - Zystometrie - über Blasenkatheter). Ab 0,3-0,4 Liter tritt Harndrang auf.
  • Harndrang 2 Ab ≈0,2 Liter Blaseninhalt werden Dehnungsrezeptoren in der Blasenwand gereizt (früher bei rascher Füllung, wie bei diagnostischer Füllung - Zystometrie - über Blasenkatheter). Ab 0,3-0,4 Liter tritt Harndrang auf. Ab hier (mit ≈1-2 kPa passivem Druck) beginnt der Blaseninnendruck bei weiterer Füllung nichtlinear zu steigen, der Harndrang wird bei über 0.5 l Blaseninhalt schmerzhaft; jedoch gibt es eine beträchtliche Anpassungsfähigkeit durch Zunahme der Volumendehnbarkeit (Plastizität: die Blase kann im Extremfall ein Maximalvolumen von ≈1,5 Liter fassen).
  • Bakterielle Besiedelung Der Harntrakt ist so gut wie immer mit Bakterien besiedelt, die aus der Harnröhre retrograd aufsteigen und sich an das Epithel der Harnwege anlagern (Blasenharn ist hingegen normalerweise so gut wie steril.) Regelmäßige Spülung durch neu gebildeten Harn verhindert normalerweise ein Überhandnehmen des bakteriellen Wachstums und unterstützt immunologische Schutzmechanismen Harnverhaltung begünstigt das Entstehen von Infektionen. Auch die Anatomie spielt eine Rolle: Harnwegsentzündungen kommen bei Frauen (Länge der Urethra ≈5 cm) mehr als zehnmal häufiger vor als bei Männern (≈20 cm).
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