2.3 das Vegetative Nervensystem
das viszerale, autonome, oder vegeative Nervensystem ist für die Steuerung der inneren Organe wie Herz, Lunge oder Verdauungsorgane sowie Drüsen und Blutgefäße zuständig. Die Bezeichnung "autonom" weist darauf, dass ein Großteil dieser Aktivität unbewusst und ohne willentliche Steuerung abläuft. Das vegetative Nervensystem ist, wie oben bereits beschrieben, kein vom zentralen Nervensystem unabhängiges System, sondern wird durch Strukturen des Gehirns gesteuert. Durch Hormone und Nerven steuert der Hypothalamus vegetative Prozesse. Er steht in Verbindung mit einer ganzen Reihe weiterer Hirnstrukturen, darunter kortikale Strukturen, Kleinhirn, Formatio retikularis und limbisches System. Der 10. Hirnnerv = Nervus vagus, der der Medulla obloganta entspringt, leitet Informationen aus dem Verdauungstrakt an das Hirn und aktiviert Eingeweide, Herz und Kehlkopf. die Leitungsgeschwindigkeit im VNS ist im Gegensatz zum willkürlichen Nervensystem geringer, da die Nervenfasern nicht myelinisiert sind, häufiger verschaltet werden und längere Übertragungszeiten an den Synapsen aufweisen. Das vegetative Nervensystem besteht aus einem sympathischen und einem parasympatischen Anteil (Sympathikus und Parasympathikus). die sich hinsichtlich des Verlaufs der Nerven und ihrer Funktion unterscheiden. Daneben wird das Darmnervensystem zunehmend als eigenständiger Teil des VNS betrachtet. Aufgabe des Darmnervensystems ist die Steuerung des Verdauungssystems mit der Kontrolle über die Darmbewegungen und die Sekretions- und Absorptionsprozesse in Leber und Bauchspeicheldrüse. Die meisten vom VNS gesteuerten Organe werden sowohl von sympathischen als auch von parasympathischen Nerven versorgt, Ausnahmen bilden die Schweißdrüsen und die meisten Blutgefäße, die ausschließlich sympathisch gesteuert werden. Wesentliche Transmitter in diesen Systemen = Noradrenalin und Acetylcholin mit muskarinergen und nikotinergen Rezeptoren. Das Katecholamin Nordrenalin entsteht nicht nur an den Synapsen, sondern wird auch vom Nebennierenmark ausgeschüttet und unterliegt damit auch nicht- zentralen Steuerungsmechanismen. Sympathikus Aktivierung des Sympathikus führt zum Anstieg der Herzleitung, des Blutdrucks, der Körpertemperatur, des Blutzuckerspiegels und einer Erweiterung der Puppilen. Voraussetzung für körperliche Aktivität wird geschaffen. Man spricht dann von einem ergotropen (leistungsvorbereitenden) Zustand. Parasympathikus Der Parasympathikus führt hingegen zu einem trophotropen (erholungsstützenden) Zustand. Pulsfrequenz sinkt, Magen-Darm-Motilität steigt. Die beiden Systeme ergänzen sich, arbeiten jedoch nicht antagonistisch. Effektor des vegetativen Nervensystems ist unter anderem die glatte Muskulatur der Gefäße sowie des Magen-Dramtrakts. Fast alle Fasern des vegetativen Systems verfügen auch über Afferenzen, die meist zur Ebene der Medulla oblongata führen. Projektionen in höhere Gebiete des Gehirns führen zu Hypothalamus, Thalamus sowie zum somatosensorischen Kortex. Dabei geschieht es, dass bei der bewussten Wahrnehmung von Schmerzen z.B. im Darmsystem diese auf die Körperoberfläche projoiziert und dort zu motorischen Reaktionen führen (z.B. dem Anspannen der Bauchdecke) Diesen Effekt kann man umgekehrt in der Behandlung nutzen, wenn durch eine Wärmflasche Bauchschmerzen gelindert werden. das VNS steuert die inneren Organe zu dem Zweck, Energie bereitzustellen oder verbrauchte Energienen wieder aufzubauen, kurz ein Gleichgewicht (Homöostase) zwischen Verbrauch und Bereitstellung von Energie zu halten. Vegetative Funktionen und psychische Prozesse sind miteinander verknüpft. Dass starke Gefühle (Emotionen) "auf den Magen schlagen" können, ist bereits im Alltagswissen verankert, Die Verbindungen des Vegetativen Nervensystems mit Strukturen des Gehirns und dem Hormonsystem bilden das somatische Korrelat. Auch das Phänomen "Stress" zeigt den Zudammenhang psychischer mit vegetativen Funktionen. Veränderungen im VNS wirken sich schließlich auch auf das Immunsystem aus, da an der Immunabwehr beteiligte Organe wie Milz oder Lymphkonoten beeinflusst werden oder die Transmitter des VNS direkt an Immunreaktionen beteiligt sind. Durch diesen Zusammenhang können die Beziehungen zwischen (somatischen) Erkrankungen und psychischen Ursachen beziehungsweise Auslösern begründet werden.