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Einführung (Subject) / VL 1 Soziale Wahrnehmung (Lesson)

VL 1

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  • Soziale Wahrnehmung: Was ist das? Verschiedene Aspekte? ► Soziale Wahrnehmung bezeichnet den Einschätzungsprozess anderer Personen(Greenberg & Baron, 2000)Um ein Verständnis anderer zu entwickeln, …► kombinieren, ► integrieren und ► interpretierenwir Information über diese. ► Soziale Wahrnehmung beginnt schon beim spontanen Ersteindruck über jemanden► „Der erste Eindruck zählt“!Durch den ersten Eindruck wird eine bestimmte Erwartung geweckt. Diese Erwartung verzerrt bzw. „färbt“ unsere weitere Personenwahrnehmung und Urteile.
  • Beeinflussung des Ersteindrucks durch Namen: Ergebnis einer Studie mit 5000 Grundschullehrern:► Bestimmte Vornamen führen zu Vorannahmen, was die Fähigkeiten und das Verhalten der Kinder betrifft(Assoziation von Persönlichkeitsmerkmalen meist ohne Reflektion)→ Beispiele für eine positive Wahrnehmung: Als eher freundlich, leistungsstärker und verhaltensunauffälligwurden Kinder mit Vornamen wie Charlotte, Sophie, Marie, Hannah, Alexander, Maximilian, Simon, Lukas oder Jakob eingeschätzt→ Beispiele für eine negative Wahrnehmung:Namen wie Chantal, Mandy, Angelina, Kevin, Justin oder Mauricewurden eher mit Leistungsschwäche und Verhaltensauffälligkeitassoziiert
  • Soziale Urteile: ► Urteilsbildung erfolgt bereits anhand weniger Informationen (z. B. kurze Betrachtung einer fremden Person)► Erster Eindruck in Bezug auf Eigenschaften wie:→ Kompetenz→ Vertrauenswürdigkeit→ Aggressivität► Besonders schnell erfolgt diese Einschätzung hinsichtlichFeindseligkeit und Bedrohlichkeit der anderen Person (eine Darbietungszeit von 39 Millisekunden ist bereits ausreichend; Bar et al., 2006)
  • Voreingenommenheiten aufgrund von Angst vor dem Unbekannten am Beispiel von Ethnizität und kultureller Herkunft ► Benachteiligungen (Diskriminierung; z. B. Nachteile im Arbeitskontext bei Einstellungen)► Negative Reaktionen:Auch unbewusst werden schneller aggressive Handlungen gegenüber Personen anderer ethnischer Herkunft gezeigt (Plant, Goplen & Kunstman, 2011; Trawalter, Todd, Baird & Richeson, 2008; Unkelbach, Forgas & Denson, 2008)► Furcht und Unsicherheit scheint mit entscheidend zu sein (auch wenn unbewusst und unbegründet) (Maner et al., 2005)
  • Unbewusste soziale Eindrucksbildung ► Prozess häufig unbewusst: Bildung des ersten Eindrucks erfolgt weitgehend automatisch (Smith & Mackie, 2000)► Bereits aus sehr kurzen Videoausschnitten einer anderen Person (ohne Ton) ist vorhersagbar, wie diese von anderen beurteilt wird – beispielsweise wie die Gesamtbeurteilung eines Dozenten durch seine Studenten ausfällt (Ambady & Rosenthal, 1993)
  • Die Problematik des ersten Eindrucks ► Einschätzungen werden zwar schnell durchgeführt, sind aber nicht immer richtig.► Insbesondere für die Einschätzung von Sympathie und Kompetenz haben bestimmte Merkmale einen sehr starken Einfluss auf unser Urteil(z. B. Attraktivität oder Ähnlichkeit).► Diese Merkmale können aber völlig unabhängig von den tatsächlichen Eigenschaften der Person sein Der erste Eindruck ist oft nicht genau bzw. akkurat (z. B. Funder & Colvin, 1988)
  • Genauigkeit sozialer Urteile Wann werden Einschätzungen systematischer und akkurater? ► Einschätzungen werden systematischer und akkurater, wenn … … man jemanden länger kennt (z. B. Freunde oder Bekannte) … das Urteil wichtig ist … wir konkrete Handlungen oder Verhaltensweisen von Personen vorhersagen sollen(anstatt sie global zu beurteilen)
  • Soziale Wahrnehmung und Urteile werden beeinflusst von: → äußeren Merkmalen → Verhalten der zu beobachtenden Person→ Voreinstellungen des Beurteilers ► Nur bestimmte Informationen werden aufgenommen und verarbeitet, andere vernachlässigt → Folge: Veränderungen und Verzerrungen im Urteil; verändertes Verhalten gegenüber der betroffenen Person
  • Der first impression error ► First impression error (Dougherty et al., 1994)Tendenz, unsere Beurteilungen anderer Personen auf unseren ersten Eindruck von ihnen zu basieren Der erste Eindruck kann u. U. einflussreicher für unsere Beurteilung sein als das aktuell tatsächlich gezeigte Verhalten► Beispiel: Lehrer nimmt wegen negativem ersten Eindruck nicht wahr, dass die Leistung eines Schülers sich verbessert Umgekehrt: Plötzliche Leistungsverschlechterungen werden nicht bemerkt, da ein positiver erster Eindruck des Schülers vorlag. ► Nach einem ersten guten Eindruck führt bspw. eine spätere Leistungsverschlechterung nicht zu einem schlechten Urteil.► Diese Verzerrung wird auch auf andere Eigenschaften der Personübertragen (z.B. von der Schulleistung auf die soziale Kompetenz).
  • Halo- Effekt: ► Der Eindruck einer zentralen Eigenschaft (z. B. Attraktivität) führt dazu, dass auch nicht beobachtbare Eigenschaften konsistent eingeschätzt werden (z. B. Übertragung auf Eigenschaften wie Intelligenz, Beliebtheit, Sympathie)  Je positiver (negativer) wir jemanden hinsichtlich einer Eigenschaft wahrnehmen, desto wahrscheinlicher ist es, dass wir ihn auch in Bezug auf andere Eigenschaften positiver (negativer) wahrnehmen Der Gesamteindruck, den eine Person auf andere macht, wirddurch ein einzelnes positives (negatives) Merkmal dominiert (wie z. B. durch ihre Attraktivität oder ihren Geiz) Wir bewerten Einzelaspekte (z. B. Intelligenz) nicht unabhängig vom Gesamteindruck Eigentlich ggf. nützliche Herangehensweise, denn bei unbekannten Personen liegen keine weiteren Informationen vor ABER: Es können hieraus Fehlbeurteilungen resultieren! (z. B. generelle Einschätzung attraktiver Menschen als intelligenter)
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  • Was lässt eine Person sympathisch und positiv erscheinen? Die Sympathiewirkung wird beeinflusst von:→ Assoziation mit Positivem→ Physischer Attraktivität→ Ähnlichkeit→ Vertrautheit
  • Attraktivitätsstereotyp ► Klassischer Befund: „Wer schön ist, ist auch gut“(„what is beautiful is good effect“): Attraktive Personen werden positiver bewertet und behandelt (Dion, Berscheid & Walster, 1972)► Das Attraktivitätsstereotyp konnte bestätigt werden für verschiedene → Lebensbereiche, → Altersstufen und → Kulturen
  • Ähnlichkeit und Sympathie ► Nicht nur attraktive, sondern auch uns ähnliche Menschen sind uns sympathischer „Similar to me“ – Effekt: Tendenz, andere Personen, die man als in irgendeiner Weise ähnlich zu sich selbst empfindet, in einem positiven Licht wahrzunehmen► Grund: Es ist wahrscheinlich, dass ähnliche Personen uns, so wie wir sind, akzeptieren und annehmen oder uns in unseren Einstellungen bestätigen► Annahme, dass dieser Effekt auf Gegenseitigkeit beruht und man daher der ähnlichen Person auch sympathisch ist ► Die Interaktion mit einer ähnlichen Person ist einfacher, da man sich leichter in sie hineinversetzen kann► Die Ähnlichkeit kann sich auf verschiedene Aspekte beziehen, wie z. B. auf:→ Wertvorstellungen, → Gewohnheiten, → Einstellungen, → Weltanschauungen oder auch auf→ soziodemografische Variablen (z. B. Alter, Geschlecht, Herkunft, Beruf) ► Für eine positivere Beurteilung reichen auch schon vollkommen irrelevante Merkmale Beispiele: → gleiches Geburtsdatum → ähnlicher Name (z. B. Robert Greer und Bob Gregar)► Beispielstudie: Personen schickten einen Fragebogen eher zurück, wenn der Umfragende den gleichen Namen hatte wie sie
  • Vertrautheit (familiarity) und Sympathie ► Personen, mit denen wir Kontakt haben, sind uns vertrauter und damit auch sympathischer→ „In der Regel mögen wir das, was wir kennen“ (Zajonc et al., 1974)► Vertrautheit kann auch ohne echte Interaktionen entstehen (z. B. durch wiederholtes Sehen oder durch das Nebeneinandersitzen in einer Vorlesung) Einschätzung solcher Personen als sympathischer, warmherziger, attraktiver und intelligenter als Personen, die einem nicht vertraut sind ► Je häufiger wir Personen begegnen und mit ihnen interagieren, umso wahrscheinlicher werden sie unsere Freunde
  • Mere exposure-Phänomen (Zajonc, 1968) ► Die wiederholte Wahrnehmung einer Person steigert das Mögen ihr gegenüber: Je häufiger wir einer Person begegnen, desto mehr mögen wir sie → Gefühl der Vertrautheit(→ ein ursprünglich neutraler oder positiver Reiz wird aufgrund einer wiederholten Darbietung positiv bzw. positiver bewertet) ► Dieser Effekt ist weitgehend unabhängig von einer bewussten Urteilsbildung und setzt keine direkte Interaktion voraus► Beispiel: Fernsehauftritte von Politikern→ Je häufiger ein Politiker im Fernsehen auftritt, desto größer ist die Tendenz, dass das Publikum ihn sympathisch findet. ► Das Mere exposure-Phänomen kann auch für eine erfolgreiche Gruppenbildung von großer Bedeutung sein:→ Wenn die Gruppe anfänglich gebildet wird und sich die Mitglieder noch nicht kennen, wird die Sympathie i. d. R. relativ gering sein→ Nach regelmäßigen Treffen der Gruppe kann man erwarten, dass die Sympathie der Mitglieder steigt(Ein) Grund hierfür: Mere exposure-Effekt► Der Effekt wird verstärkt, wenn es zu harmonischen und kooperativen Gruppenaktivitäten kommt► Der Effekt wird vermindert, wenn bei GruppenaktivitätenFeindseligkeit und Disharmonie auftreten
  • Einschränkung des „Mere exposure – Effekts“  Der Effekt tritt nicht auf, wenn die Person anfangs negativbewertet wird Die wiederholte Darbietung funktioniert nicht beliebig lange→ Zwischen der Beurteilung eines Reizes und der Dauer der Darbietungen besteht eine verkehrt U-förmige Beziehung→ Ab einer bestimmten Anzahl von Wiederholungen fangen wir an, den Reiz eher neutral und dann später sogar als unangenehm zu beurteilen (z. B. Hits im Radio) Anmerkung: Nicht nur tatsächlich erlebte Vertrautheit, sondern bereits die bloße Erwartung, eine Person in Zukunft wieder zu treffen, können diese interessanter und sympathischer erscheinen lassen
  • Weitere häufige Einflüsse beobachtbarer Merkmale auf die soziale Wahrnehmung  Aus bestimmten Signalen werden z. T. Status bzw. Expertise einer Person abgeleitet, z. B. aus: → Luxusartikeln→ Kleidung (Uniformen, Markenkleidung)→ Titeln→ Körperbau Auch aus der Umgebung des zu Beurteilenden wird z. T. auf dessen Eigenschaften geschlossen, (z. B. aus Büro, Zimmer, Wohngegend)
  • Einflüsse auf die soziale Wahrnehmung durch Voreinstellungen des Beurteilers Beispielstudie zum Einfluss von Kontext und Erwartungen (Rosenhan,1973):• Gesunde Mitarbeiter gingen in verschiedene Kliniken • Sie behaupteten, in ihrem Kopf „Stimmen zu hören“• Alle wurden daraufhin in die Psychiatrie eingewiesen• Ab der Einweisung verhielten sie sich völlig gesund, trotzdem wurde bei allen (bis auf einen) eine Schizophrenie diagnostiziert• Der Kontext „Klinik“ sowie der berufliche Hintergrund bewirkten, dass das Klinikpersonal erwartete, dass Menschen, die in eine Klinik kommen, „krank“ sind  Beurteilungen erfolgten selektiv gemäß der eigenen stereotypen Annahmen und wurden nicht mehr infrage gestellt
  • Einfluss des nonverbalen Verhaltens des Gegenübers auf die soziale Wahrnehmung ► Nonverbales Verhalten:→ Blickkontakt→ Gesichtsausdruck→ Mimik (z. B. Lächeln)→ Stimme (neben Inhalt auch wichtig, wie jemand etwas sagt)→ Gestik (z. B. ausgewogen, fahrig, extrovertiert, verklemmt)→ Körperhaltung→ Bewegung→ Berührung und räumlicher Abstand von anderen ► Nicht nur äußerliche Merkmale einer anderen Person beeinflussen, wie wir diese wahrnehmen, sondern auch das Verhalten generell.► Am meisten Information über andere Personen bekommen wir, wenn wir sehen, wie sie sich in bestimmten Situationen verhalten bzw. wie sie handeln. ► Urteile auf Basis des Verhaltens anderer erfolgen sehr häufig attributional („ursachenzuschreibend“).► Attribution = „Ursachenzuschreibung“Welche Gründe / Ursachen werden dem Verhalten anderer zugeschrieben?
  • Theorie der Kausalattribution Einflüsse des Verhaltens auf die soziale Wahrnehmung ► Annahme von Heider (1958): Personen verhalten sich wie „naive Wissenschaftler(innen)“Sie können Informationen zum Verhalten einer anderen Person so zusammenfügen, dass sie auf Ursachen der Verhaltens schließen können► Personen schreiben dem eigenen Verhalten oder dem Verhalten anderer … … internale Gründe zu(Person ist selbst verantwortlich für ihr Verhalten aufgrund ihrer Charaktereigenschaften, Einstellung, Persönlichkeit) … externale / situationale Gründe zu(Person ist nicht selbst verantwortlich für ihr Verhalten, sondern die Situation oder die Umstände spielen eine Rolle)
  • Fundamentaler Attributionsfehler ► Tendenz, Verhalten ausschließlich anhand von Persönlichkeitsmerkmalen zu erklären und dabei die Macht des sozialen Einflusses zu unterschätzen (Aronson, Wilson & Akert, 2004)► Fundamentaler Attributionsfehler = „Korrespondenzbias“→ Aus dem Verhalten anderer Personen wird auf stabile Persönlichkeitseigenschaften (Dispositionen) geschlossen, obwohl das Handeln der Personen (auch) durch situative Einflüsse verursacht wird→ stärker in der individualistischen, westlichen Kultur ausgeprägt als in kollektivistischen (asiatischen) Kulturen
  • Akteur-Beobachter-Effekt ► Der fundamentale Attributionsfehler dreht sich um, wenn wir selbst Akteur sind, d. h. wenn wir Ursachen für unser eigenes Verhalten angeben sollen► Hier haben wir nicht nur die zu beurteilende Person, also uns selbst, sondern auch die Situation im Blickfeld → Folge: Wir sehen auch vermehrt situative Faktoren als ursächlich für unser Verhalten an► Diskrepanz zwischen Attributionen in Abhängigkeit von der Rolle als Akteur oder als Beobachter→ Akteur-Beobachter-Effekt ► Akteur-Beobachter-Effekt: Tendenz, in Bezug auf das Verhalten anderer Personen dispositionale Ursachen zu überschätzen, während für das eigene Verhalten der Anteil situativer Faktoren überschätzt wird.→ „Ich verhalte mich so, weil die Situation so ist, wie sie ist.“→ „Du verhältst Dich so, weil Du so bist, wie Du bist.“► Grund: Beim eigenen Verhalten mehr Informationen hinsichtlich situativer Faktoren → differenziertere Beurteilung möglich
  • Attribution als zweistufiger Prozess → Ein beobachtetes Verhalten wird in einem ersten Schritt automatisch internal attribuiert.→ Stehen Zeit, Energie und Motivation zur Verfügung, kann es zu einer zweiten Verarbeitungsstufe kommen, auf der die Attribution um mögliche Ursachen außerhalb der beobachteten Person korrigiert wird.