Klinische Psychologie Abschlussprüfung (Subject) / 29 - 37) Typen diagnostischer Verfahren (Lesson)
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Interview, Fragaebogen, Tests, Beobachtungen, psyhophysiologische Erhebungen
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- Beispielhafte Assessmentziele, Fragestellungen und diagnostische Vorgehen in der klinisch-psychologischen Diagnostik Screeining und Selektion → Hat eine bestimmte Person ein Problem? Ist eine differenziertere Diagnostik notwendig? → Screening-Fragebogen Indikationsstellung → Ist ein bestimmtes Problem behandlungsbedürftig? → Bestimmung des Schweregrades des depressiven Syndroms mittels einer Rating-Skala Klassifikation → lässt sich ein patienten einer spezifischen Störungsgruppe zuordnen? → Diagnostisches Interview nach ICD 10 oder DSM IV Problemdefinition, -deskription, -analys → Wie lässt sich das Problemverhalten spezifizieren? → Erfassung depressiver Kognitionen mittels eines Fragebogens Auswahl Zielverhalten / Therapieziele → Welche individuellen Therapieziele sollen erreicht werden → Goal Attainment Scaling Beurteilung des Therapieverlaufs → Ergeben sich Veränderungen der Symptomatik im Therapieverlauf? → wiederholte ERfassung der depressiven Symptomatik Beurteilung des Therapieerfolgs → Welche allgemienen und spezifischen Veränderungen werden erreicht? → störungsbezogene wie allgemeine Selbst- und Fremdbeurteilungsinstrumente
- Welche zwei große Dimensionen werden in Bezug auf die Erhebungsverfahren der klinischen Psychologie unterschieden? Störungsbezogen: ist ein Verfahren nur bei bestimmten Störungsgruppen einsetzbar oder bei allen? Therapiebezogen: handelt es sich um ein Verfahren, das einen direkten Bezug zu der angewandten Therapiemethode hat?
- Interviewverfahren Interview = eine geplatne Interaktion zwischen Midenstens zwei Personen mit dem Ziel, Informationen zu einem bestimmten Thema zu erhalten. Das wichtigste Anwendungsfeld für die Interviews ist die klassifikatorische Diagnostik = diagnosti, bei der es um die Diagnoselstellung im Rahmen eines Klassifikationssystems wie ICD-10 oder DSM IV geht. Interviews werden unterteilt nach dem Formalisierungsgrad (je höher desto größer ist die Übereinstimmungsreliabilität): freies klinisches Interview: Freies Gespräch mit bestimmter Zielsetzung; Ablauf und Ausgestaltung des Gesprächs vom Inteviewer individuelle festgelegt; Auswertung nicht festgelegt teil- oder halbstrukturiertes Interview: Fragen vorgegeben, Reihenfolge variabel; Zusatzfragen und Ergänzungen sowie Erläuterungen sind möglich; Auswertung ist nicht festgelegt strukturiertes Interview: Fragen und Ablauf vorgegeben, ebenso Auswertung; meist Hinweise für Kodierungen standardisiertes Interview: Gesamter Prozess festgelegt, einschließlich der Kodierung der Antworten der Befragten Die Anwendung der strukturierten und standardisierten Interviews hat eine hohe Releanz für Forschung und Praxis. Vorteile: Zuverlässigkeit, Erfassung kmorbider Störungen (Komorbidität = Koexistenz verschiedner Störungen im Querschnitt oder im Verlauf), was bei freiem Gespräch aufgrund der Dominanz einer Störung oft übersehen wird. Fehlerquellen: die gleichen Gefahren wie bei einer Fremdbeurteilung (die Inteveiws sind eine Form der Fremdbeurteilung) mangelhafte Ausbildung kann zu Fehlern führen Vorteile strukturierter und standardisierter Interviews: Verbesserung der Interreater-Reliabilität durch Eliminierung der Informatinsvarianz (Fehler durch unterschiedliche Fragetechniken) und Beobachtungsvarianz (Fehler durch unterschiedliche Bewertung der gleichen Phänomene) Nachteile der Interviewverfahren hoher Aufwand für die Durchfürhung, aufwändiges Training notwendig Teilweise eingschränkte Gültigkeit der Information (Störung beeinträchtigt die Wahrnehmungs- und Darstellungsfähigkeit des Patienten) Beeinträchtigung durch das Verhalten / Persönlichkeit des Interviewers (kühlen, distanzierten Interviewern wird weniger erzählt)
- Beispiele für die gängigen strukturierten und standardisierten Interviews zur klassifikatorischen Diagnostik Diagnostisches Interview bei Psychischen Störungen (DIPS) Schneider et al., strukturiert DSM IV Strukturiertes Klinisches Interview für DSM IV (SKID I) Wittchen et al., Strukturiert DSM IV Schedules for Clinical Assessment in Neuropsychiatry (SCAN) von Gülick et al., strukturiert ICD 10 Composite Internationale Diagnostic Interview (CIDI) Wittchen & Semler standardisiert DSM III-R / ICD-10 Diagnsotisches Expertensystem (DIA-X) Wittchen & Pfister standardisiert DSM IV / ICD-10 Strukturiertes Klinisches Interview für DSM IV Persönlichkeitsstörungen (SKID II) Fydrich et al., Wittchen et al. strukturiert DSM IV International Personality Disorder Examination (IPDE) Momour et al., Strukturiert DSM IV / ICD-10
- Selbstbeurteilungsverfahren vs. Fremdbeurteilungsverfahren Selbsbeurteilungsverfahren = der Beobachtungs- und Beurteilungsprozess liegt allein in der Hand der Person, um deren Beurteilung es geht. Die Selbstberuteilungsverfahren unterscheiden sich bezüglich vier wichtiger Dimensionen: allgemein vs. störungsspezifisch nicht therapiebezogen vs. therapiebezogen ein- vs. mehrdimensional Trait vs. State Fehlerquellen: Unwissentliche Fehler durch Erinnerungsverfälschungen Absichtliche Verfälschungen Soziale Erwünschtheit, Tendenz zur Mitte Fehlerquellen auf der Seite des Diagnostikers: wenn das Fremdbeurteilungsinstrument zur Diagnosestellung eingesetzt wird; wenn ein falsches Instrument zur Therapieevaluation eingesetzt wird (z.B. Persönlichkeitsfragebogen oder Befindlichkeitsskala) oder ein Instrument zu einem falschen Zeitpunkt eingesetzt wird (z.B. HAMD im Abstand von zwei Tagen) Vorteile: ökonomische Anwendung für die meisten klinisch relevanten Bereiche existieren meist mehrere Verfahren meist existieren Normen, was bei Fremdbeurteilungsverfahren deutlich seltener der Fall ist Einschränkungen ein intellektuelles Mindestnvieau (IQ mind. 80) wird vorausgesetzt die Anwendbarkeit ist nur bis zu mittleren Störungsgraden möglich sind nicht bei allen Störungsgruppen gleich relevant (z.B. dementielle Störungen, Schizophrenie) Fremdbeurteilungsverfahren = Verfahrensgruppe, bei der der gesamte diagnostische Prozess auf Seiten eines sog. trainierten Raters (Arzt, Psychologe) liegt. Sei Urteil basiert dabei auf eigenen Beobachtungen sowie gleichermaßen auf den Aussagen des Patienten. Der Rater entscheidet meist über das Vorliegen des Symptoms aufgrund eines mehrstufigen Prozesses auf einzelnen Beurteilungsebenen. Es werden vor allem zwei Dimensionen unterschieden: störungsspezifisch vs. störungsübergreifend eindimensional vs. mehrdimensional Fehlerquellen: falsche Schlüssfolgerungen (Hallo-Effekt, logische Fehler) einige Fehlerquellen wie bei Selbstbeurteilungsverfahren, z.B. Tendenz zur Mitte Vorteile sind änderungssensitiver (lassen sich leichter Veränderungen z.B. im Therapiverlauf erkennen) sind eher in der Lage Phänomene differenzierter zu beschreiben sind auch bei schwer gestörten Patienten einsetzbar → werden oft als Haupt-Outcome-Krtereium in Studien eingesetzt (z.B. Hamilton-Depressionsskala in Depressionsstudien) Nachteile: es wird eine hohe Anforderung an die Qualifikation der Anwender gestellt der Zeitaufwand bei der Durchführung ist groß meist fehlen die Normen, in der Regel existieren nur Cut-Off-Werte oder Referenzwerte
- Fragebögen Klinische Fragebögen werden in der Verhaltenstherapie meist eingesetzt, um die individuelle Ausprägung von Symptomen, Beschwerden und Verhaltensweisen des Patienten möglichst genau zu erfassen. Die Resultate unterstützen den diagnostischen Prozess und werden auch häufig dazu genutzt, ein Therapieprogramm den Bedürfnissen des einzelnen Patienten anzupassen und den Therapieverlauf zu evaluieren. Klinische Fragebögen dienen folgenden Zielen: Auswahl von Patienten, Beschreibung von Patienten, dimensionale Diagnostik, Problemanalyse, Messung des Therapieverlaufs Messung des Therapieerfolgs. Die in der klinischen Psychologie eingesetzten Fragebögen beziehn sich auf folgende Bereiche: 1) Eingangsdiagnostik: Anamnese, Allgemeines Funktionsniveau, Inerpersonelle Diagnostik, z.B: B-IKS (Beck Inventar zu kognitiven Schemata) FLG (Fragebogen zur Lebensgeschichte) FPI-R (Freiburger Persönlichkeitsinventar, revidierte Fassung) 2) Symptomorientiertes Screening = Ratingskalen zur allgemeinen Psychopathologie und spezifischen psychischen Störungen. Dienen einer breiten Erfassung psychischer Probleme und können zur differenzialdiagnostischen Abklärung sowie Unermauerung der Ergebnisse zusätzlich zu den klassifikatorischen diagnostischen Interviews eingesetzt werden SCL-90-R (Symptomcheckliste von Derogatis) BSI (Brief Symptom Inventory, Franke, 2000) 3) Störungsbezogene Verfahren, z.B. Angststörungen: ACQ (Fragebogen zu angstbezogenen Kognitionen, Ehlers, 2001 → z.B. körperliche Krisen, Kontrollverlust, Vermeidung,) MI (Mobilitätsinventar, Ehlers, 2001 → Ausmaß agoraphobischen Vermeidungverhaltens) HZI (Hamburger Zwangsinventar) Depressivität BDI (Beck Depressions Inventar, Hautzinger et al., 1995) HAMD (Hamilton Depressions-Skala; Hautziger, 2002) 4) Andere Störungs- und Problembereiche PFB (Partnerschaftsfragebogen, Hahlweg 1996) SOZU (Fragebogen zur sozialen Unterstützung von Sommer und Fydrich) 5) Beurteilung des Therapieprozesses, der Zielerreichung und des Therapieerfolgs Die Prozessqualität der Therapie sollte mit Stunden-bögen fortlaufend überprüft werden (Z.B. Stundenbögen von Krampen und Wald, 2001). Für die Therapieplanung werden Zielerreichungsskalierungen vorgenommen → es werden Zielsetzung und Aufgabenstellung des therapeutischen Prozesses konkretisiert. Zur Erfassung des Therapieerfolgs werden Patienten gebeten auf einer 7stufigen Skala anzugeben wie ihr Zustand sich nach der Therapie verbessert oder verschlechtert hat. Die Therapeuten dürfen nicht den Fehler machen, Veränderungen in Fragebogenwerten »naiv« zu interpretieren. Ob eine reliable, in diesem Zusammenhang also »interpretierbare« Veränderung vorliegt, hängt natürlich von der Schwankungsbreite der Werte, also dem Messfehler eines Verfahrens ab (ein Kriterium ist "reliable change index", ein Maß, dass den Messfehler der Differenz bzw. den Messfeher des Instruments berücksichtigt). Für die klinische Praxis liegt aber nicht nur die Fragebogeninformation vor, so dass nach unserer Auffassung auch kleinere Schwankungen interpretiert werden können, aber eben nur dann, wenn sie im Einklang mit den sonstigen klinischen Informationen über den Patienten stehen. Vorteile der Fragebögen effizient, ökonomisch genügen den methodischen Anforderungen bei der Auswertung Nachteile Nicht bei allen Patienten einsetzbar soziale Erwünschtheit Gedächtniseffekte schwache Selbstwahrnehmung der Patienten Verfälschung Tendenz zur Mitte oft mangelnde Überprüfung von Validität, Reliabilität (s. auch Selbstbeurteilungsverfahren)
- Psychometrische Tests Definition: Verfahren, in denen Verhaltensweisen in standardisierten und künstlich erzeugten Situationen erhoben werden; Ergebnis: quantitative Daten Arten: - Persönlichkeitstests - Leistungstests (IQ-Test, Kreativitätstest, Entwicklungstest, Schultest, Tests zur Erfassung spezieller Funktionen z.B. Wahrnehmung, Konzentration, Gedächtnis) I. Leistungstests: 1) allgemeine Leistungsdiagnostik = Quantifizierung psychischer Fuktioen und Lösung bestimmter Probleme (wie z.B. Diagnosestellung), aber auch Erfassung bestimmter folgen psychischer Störungen bei den Betroffenen. Unterschiednen wird zwischen 3 Hauptbereichen: Intelligenz, Aufmerksamkeit Konzentration 2) Neuropsychologische Diagnostik = Differenzierte Erfassung bestimmter Teilphänomene mit dem Ziel, den Zusammenhang zwischen einer Hirnschädigung sowie ihren Konsequenzen und den Funktionsstörungen abzubilden. Es wird unterschieden zwischen Inteklligenz, Aufmerksamkeit sowie Gedächtnisfunktionen und ihrern Teilfunktionen. Aufgaben der Leistungsdiagnostik: Entscheidungshilfe bei diagnostischen Fragen (liefert ergänzende Informationen zur klassifikatorischen Diagnostik z.B. im Kontext dementieller Störunen oder Intelligenzminderung) Entscheidungshilfe bei Rehabilitationsmaßnahmen Leistungsmessungen im Verlauf Leistungsdiagnostik in der Grundlagenforschung (Verständnis für den Störungsprozess) Beispiel: Intelligenztests Intelligenzquotient ursprünglich Verhältnis zw. geistigen und chronologischen Alters einer Person multipliziert mit 100 – heute allgemeiner Wert aus Intelligenztest 1905 erster IQ-Test von Binet und Simon Heute werden am häufigsten verwendet: HAWIE Hamburg-Wechsler-Intelligenztest für Erwachsene: 6 verbale Untertests z.B. Wortschatztest, 5 non-verbale Handlungs-Untertests z.B. Figurenlegen; insgesamt 11 Untertests HAWIK Hamburg-Wechsler-Intelligenztest für Kinder ð Wichtige Rolle in der Diagnostik geistiger Störungen und zur Diagnose neurologischer Probleme! II. Persönlichkeitstests = erfassen ein bei jedem Menschen einzigartiges relativ überdauerndes (trait) und stabiles Verhaltenskorrelat. Werden nicht so oft wie andere Verfahren in der klinischen Psychologie eingesetz, liefern aber sehr wichtige Informationen zur Beschreibung der Persönlichkeit. Werden in folgende Gruppen unterteilt: Verfahren zur Erfassung der Persönlichkeit im eigentlichen Sinne Verfahren zur Erfassung prämorbiden Persönlichkeit (zielen darauf ab, das Erleben und Verhlaten einer Person vor der Zeit de sAusburchs einer psychischen Erkrankung zu erfassen) → retrospektive Datengenerierung in Form von Selbst- und Fremdbeurteilungsverfahren. Z.B. Bographische Persönlichkeits-Inventar (BPI) von Zerressen Beispiele: 1) Multidimensionale Breitbandverfahren: NEO-Fünf-Faktoren-Inventar (NEO-FFI) von Borkenau udn Ostendorf Trierer Persönlichkeitsfragebogen (TPF) von Becker Freiburger Persönlichkeitsinventar (PFI-R) von Fahrenberg et al. 16 Persönlichkeits-Faktoren-Test-Revidiert (16 PF-R) von Scheewind und Graf Persönlichkeits Stil- und Störungsinventar (PSSI) vn Kuhl & Kazen 2) Schmalbandverfahren für spezifische Konstruktbereiche State-Trait-Angstinventar (STAI) von Laux et al. Stat-Trait-Ärgerausdrucks-Inventar (STAXI) Frankfurter Selbstkonzeptskalen (FSKN) Vorteile psychometrischer Verfahren: - sehr sorgfältige Konstruktion (große Eichstichproben) - hohe Reliabilität - hohe Validität Nachteile: - mögliche Verzerrung der Ergebnisse durch Motivation, Angst - mögliche Verzerrung durch kulturell bedingte Formulierungen - Benachteiligung von ethnischen Minderheiten durch fehlende Erfahrung mit IQ-Tests
- Nichtpsychometrische Tests Definition: Beschreibende, nicht-messende Verfahren, die qualitative Daten zum Ergebnis haben. Beispiel: Projektive Tests Annahme: Bei ungenauen Stimuli müssen Probanden Aspekte der eigenen Persönlichkeit auf die Aufgabe projizieren. ð hauptsächliche Anwendung durch Psychodynamiker; Ziel: Beurteilung unbewusster Konflikte Rorschach-Test ð Erst Deutung von Tintenklecksen/freie Assoziation durch die Probanden: „Es ist eine Biene.“ ð Danach Befragungsphase durch Therapeuten: „Erzählen Sie mir mehr über die Biene.“ ð Evtl. Grenzen testen; Therapeut fragt, ob Proband sieht, was andere Personen üblicherweise sehen. ð Auswertung der Deutungen nach bestimmten Kriterien (thematischer Gehalt z.B. viel Wasser = Alkoholprobleme, Erfassungs- und Erlebnisdeutung z.B. Sehen Sie Bewegungen? Sehen Sie Einzelheiten? ) · Thematischer Apperzeptionstest (TAT) projektiver Bildertest ð gebräuchlichste Version: 30 Schwarzweißbilder mit Menschen in nicht eindeutigen Situationen ð Probanden sollen Geschichten zu Bildern erzählen ð Anschließend Befragungsphase: Was fühlen die Personen? Wie geht die Situation aus? ð auch Version für Kinder existent ð Annahme: Personen identifizieren sich mit Figuren auf dem Bild ð Auswertung: inhaltlich und Art und Weise der Reaktion (z.B. langsame Reaktionen gelten als Anzeichen für Depression) Satzergänzungstest Unvollständige Sätze müssen vervollständigt werden; z.B. „Mein Vater ....“ oder „Ich möchte ...“ ð verschiedene Versionen für verschiedene Altersgruppen ð schnelle und einfache Möglichkeit, bestimmte Themen herauszufiltern Zeichnungen Menschen sollen zeichnen und Zeichnungen kommentieren. ð Auswertung: Qualität und Form der Zeichnung, Festigkeit des Bleistiftstrichs, Ort der Zeichnung auf dem Papier, Größe und Eigenschaften der Figuren, Verwendung des Hintergrunds und Bemerkung während des Zeichnens ð Beliebtester Test: „DAP – Draw a person-Test“ ; 2 Personen unterschiedlichen Geschlechts sollen gemalt werden; Annahme: z.B. zu großer oder kleiner Kopf weist auf Störung des Intellekts hin etc. Bewertung projektiver Tests: Früher Hauptindikatoren für Persönlichkeit – heute eher ergänzende Informationen. ð Ursachen: - geringe Interrater-Reliabilität - geringe Übereinstimmungsvalidität - Verzerrung der Validität zuungunsten ethnischer Minderheiten (Figuren gehören keiner ethnischen Minderheit an – Identifkation nicht möglich!) - Subjektive, verzerrte Interpretation
- Psychophysiologische Tests Die biologische Datenebene spielt bei psychischen Störungen neben der psychologischen Datenebene eine große Relle. Psychophysiologische Untersuchungen = versuchen mittels noninvasiver Regestriertechniken biophysikalische und biochemische Signale im Menschen zu erfassen und mit psychologischen Konzepten in Beziehung zu setzen. Psychophysiologische Daten = Messwerte, die mit dem ziel einer psychologischen Interpretation aus noninvasi erfassbaren Biosignalen abgeleitet werden. Biosignale werden differenziert nach: physikalisch-chemischer Qualität ds Signals (Temperatur, Druck) Organ- bzw. Funktionssystem (Ghirn, Haut) Teil des Nervensystems (ZNS, autonomes NS) psychologischem Konstrukt, das mit dem Signal kovariiert (z.B. emotionaler Zustand) Es werden häufig erfasst: Gehirnfunktionen: a) spontane Aktivität → Elektroencephalogramm (EEG); b) Evozierte Aktivität → evozierte Potenziale (EP) Augenfuktione: Augenbewegungen → Elektrookulogramm (EMG) Muskelfunktionen: Muskelaktionspotenziale → Elektromyogramm (EMG) Herz-Kreislauf-Funktionen: a) Herzaktionspotenziale → Elektrokardiogramm, b) Herzfrequenz → Kardiotachogramm, c) Blutdruck → Syphygmogramm Hautfunktionen: Elektrodermale Aktivität Magen-Darm-Funktionen: Magenmotilität → Elektrogastrogramm Ein Sonderfall ist ambulantes Monitoring - das Messen physiologischer Funktionen unter Alltagsbredingungen, was diagnostisch und therapeutisch, z.B. bei Angstpatienten genutzt werden kann. Spielen vor allem bei Angststörungen eine Rolle (z.B. bei Panikstörungen findet man erhöhte Empfindlichkeit gegenüber körperlichern Veränderungen). Auch verschiedene in der Therapie relevante Aspekte wie Provokationsmethode oder Habituation lassen sich psychophysiologisch erklären. Vorteile: es lassen sich Kovariationen mi tandern psychischen Ebenen aufzeigen Nutzen für Ätiologie, Psychotherapieforschung und den praktischen Anwendungsbereich (z.B. Biofeedback) Nachteile: Störanfälligkeit hoher apparativer Aufwand
- Fehlerquellen bei den psychologischen Testsituationen Aggravitation = bewusst verstärkte Darstellung von vorhandenen Beschwerden Simulation = das bewusste oder absichtlihe Vortäuschen nicht vorhandener Beschwerden Bagatelisierung = real vorhandene Symptome oder Beeinträchtigungen werden als nicht besonders relevant präsentiert Dissimulation = das Verbergen von Krankheitssymptomen zur Vortäuschung von Gesundheit
- Ziele, Annahmen und Instrumente des verhaltensorientierten Diagnostikzugangs Ziele Identifikaton des Problemverhaltens und der aufrechterhaltenden Bedingungen Hilfe bei der Behandlungsauswahl Hilfe bei Behandlungsverbesserungen Hilfe bei Evaluation Annahmen bzgt. Ursachen: vehralten ist Funktion von Situation oder Person-Situation-Interaktionen Verhaltensstörungen sind Folge von Lerngeschichten und darauf resultierenden Bedingungen Abweichungen von einer sozialen Norm Verhalten ist eine situationsspezifische Stichprobe aus dem Repertoire einer Person Anwendung: Berücksichtigung kontextueller Merkmale Repräsentativität des Verhaltens für ein Repertoire Reichweite: Briter Fokus = Verhalten, Bedingungen, Behandlungsbedingungen, Therapieprozess Messung: Direkte Methoden (z.B. Verhaltensbeobachtung) Timing der Messung: kontinuierliche oder zeitoich ausgewählte Punkte im Therapieprozess Wissenschaftliche Position: ideographisch
- Wofür steht das SORKC Modell? Das S-O-R-K-C Modell von Kafner und Saslow ist ein Verhaltensanalysemodell zur Strukturierung diagnostischer Informationen und dient als Grundlage für Fallkonzeption. Das Modell stellt eine kleinste Analyseeinheit einer Verhaltensepisode dar und fasst die Hauptkomponenten zusammen, die zum Zeitpunkt eines Verhaltens (dort als R bezeichnet) auftreten und dessen Auftretenswahrscheinlichkeit beeinflussen. S – Situation (objektive Situation in der Vergangenheit), die externe Variablen (α) Umfasst. Das ist ein vorausgehender Stimulus, welches (neben der Konsequenz) das Problemverhalten (R) Steuert. Das sind interne und externe Reize, die auf das Organismus einwirken (z.b. Sintern = Erwartung des Misserfolgs; Sextern= strenger Blicke des Prüfers) K – Kontingenz (Verstärkungsplan). Diese beschreibt die Beziehung zwischen Problemverhalten und seiner Konsequenz hinsichtlich Häufigkeit (manchmal, immer, regelmäßig, intermettierend) und der zeitlicher Abfolge. (Aus der lerntheoretischer Sicht wird davon ausgegangen, dass die Kontingenz , mit der die Konsequenzen dem Problemverhalten folgen, für die Ausbildung und die Stabilität von funktionalen wie auch dysfunktionalen Verhaltensmustern eine relevante Rolle spielt. Bei der Anwendung der S-O-R-K-C Rechnung in der klinischen Praxis spielt die Kontingenz allerdings eher eine untergeordnete Rolle). C – Konsequenz. Diese kann extern (a), psychologisch (b) oder biologisch-physiologisch sein (g) sowie verstärkend oder bestrafend: negative Verstärkung (z.B. die Angst lässt nach), positive Verstärkung (z.B. Zuwendung bekommen), Wegnahme eines positiven Verstärkers (z.B. Computerverbot), Hinzunahme eine negativen Verstärkers (z.B. Strafarbeit in der Schule) Ein bestimmtes problematisches Verhalten (Reaktion, behavioral response ( R )) einer bestimmten mit physiologisch-biologischen und psychologischen Eigenschaften ausgestatteter Person (Organismus) wird unter bestimmten situativen Bedingungen oder vorausgehenden Stimuli (antezedenten Stimuli S) gezeigt, und durch bestimmte Konsequenzen ( C ) aufrechterhalten, sofern es eine regelmäßige Beziehung zwischen diesen Situativen Bedingungen und dem Verhalten sowie zw. Verhalten und Verhaltenskonsequenz gibt (Kontingenz K) .
- Die Vorgehensweise der Verhaltensanalyse anhand des SORCK Modells Definition des Problemverhaltens Beschreibung des Problemverhaltens (R) in Hinblick auf verschiedenen Komponenten: kognitiv-emotional, motorisch, behavioral Identifikation der vorausgehenden internalen und externalen Stimuli, die potenziell an der Verhaltenssteuerung beteiligt sein könnten (S-R) Analyse der auf das Problemverhalten folgenden Konsequenzen (R-C): ist z.B. das Ruhigwerden nach einem Essanfall eine negative Verstärkung Welche situationsübergreifenden Faktoren steuern möglicherweise das Verhalten (Organismusvariable: Motivstrukturen, Selbstschemata, Handlungsziele, etc.)
- Phasen der Verhaltensanalyse und des Konstruierens eines Bedingungsmodells Funktionale Verhaltensanalyse = das Kernstück des diagnostisch-therapeutischen Prozesses. Sie gibt dem Therapeuten Anleitungen und Empfehlungen für die Sammlung und Organisation problembezogener Informationen zum Zweck der weiteren Therapieplanung. Ziel: funktionale Analyse der Problembedingungen und Formulieren eines vorläufigen funktionalen Bedingungsmodells. Vorgehensweise: 1.Situative Verhaltensanalyse: von Makro zur Mikroebene: Problemüberblick (Screening). Der Therapeut tastet sich gemeinsam mit dem Klienten mittels der Hypothesenleitung und des ergebnisorientierten Optimierens immer konkreter an relativ umgrenzte Problemaspekte heran (Trichterfunktion des Therapeuten, Herausfiltern der wichtigen Informationen) 2. Kontexutelle Verhaltensanalyse: von der Mikro zur Makroebene: Hier wird abgeklärt, in welche größeren Kontexte oder Netzwerke von Variablen ein Problem eigebettet ist: a) Analyse von Plänen und Regel = welche übergeordneten Ziele und Pläne möglicherweise das fragliche Verhalten beeinflussen. b) Analyse von Systembedingunge = welche individuellen wie soziallen Systeme spielen bei dem betreffenden Problem eine Rolle und mit welchen Systemen gearbeitet werden soll und kann. 3. Zusammenfassen vorläufiger Hypothesen zu einem funktionallen Bedingungsmodell: Unabhängig von der Analyserichtung (ob von Makro nach Mikro oder von Mikro nach Makro) werden relevante Informationen für die funktionale Analyse gesucht, aus der sich ein vorläufiges hypothetisches Bedingungsmodell konstruieren lässt.
- Welche Schritte umfasst die situative Verhaltensanalyse auf der Mikroebene? I. Schritt: Genaue Beschreibung des IST-Zustandes (Deskription) – Oberflächenstruktur des Verhaltens Vh-Episoden, die für den Klienten zentrale (problematische) Bedeutung besitzen oder ständig wiederkehren, werden aus der Vielzahl der Screening-Informationen isoliert und möglichst exakt beschrieben (bei Einzelbeispielen auf die für das problematische Vh typischen Situationen achten!!). Die Deskription des problematischen Vh erfolgt auf den Manifestationsebenen des Vh: subjektiv-kognitiv, behavioral, physiologisch (Oberflächenstrukture des Verhaltens, die jedem sichtbar ist). Darüber hinaus werden betrachtet: · Intensität · Objektiver und subjektiver Belastungsgrad · Frequenz · Verlaufscharakteristika 2. Schritt: Horizontale Analyse der IST-Situation – Tiefenstruktur des Verhaltens Es werden auf der zeitlichen Ebene sowohl spezifischen, unmittelbar vorausgehenden Bedingungen der interessierenden Verhaltensweisen (internal wie external) geklärt, die in der jeweiligen Situation wirksam sind, als auch die (kurzfristigen wie langfristigen) Konsequenzen von Verhaltensweisen genauer erfasst. Die Bedingungsanalyse auf der funktionalen Ebene wird vollzogen indem das vorher/während/nachher auf funktionale Zusammenhänge untersucht wird. III. Schritt: Analyse der Entwicklung des Problemverhaltens (Genese) Es geht um eine retrospektive Betrachtung der Problementwicklung mit folgenden Effekten: · Finden der Hinweise auf Ereignisse und Lebensumstände ddie mit der Problematik kovariieren und evtl. ursächlichen Einfluss ausüben · Gewinnen der Daten über längerfristige Schwankungen der Problematik (evtl. welche Entstehungsbedingungen sind heute noch relevant und welche nicht) · Prüfen ob Problemverhalten möglicherweise als missglückter subjektiver Lösungsversuch für andere Schwierigkeiten ist · Evaluieren, auf welche Weise der Klient im Laufe der Problementwicklung gelernt hat, mit dem Problem umzugehen · Abklären besonderer organistisch-biologischer Bedingungen zum Zeitpunkt der Problementstehung und prüfen, ob solche Einflusse weiterhin vorhanden sind · Informationen über die subjektiven Vorstellungen von Klienten über die Entstehung ihrer Schwierigkeiten IV. Schritt: Analyse des subjektiven Krankheitsmodells (Health-Beliefs-Model) des Klienten · Kausalattributionen · Kontrollattributionen
- Was ist bottom-up und was ist top-down Analyse von Plänen und Regeln? Die Analyse von Plänen und Regeln baut auf der Annahme auf, dass Vh-weisen auf einer vertikalen Ebene hierarchisch organisiert sind und dem Sinn, dass die Struktur einer Handlung jeweils durch übergeordnete kognitive Ziele und Pläne beeinflusst ist. In umgekehrter Weise sind die jeweiligen Ziele und Pläne mit individuumspezifischen Vh-regeln für das Handeln einer Person verknüpft (diese Regeln geben einer Person sozusagen „interne Anweisungen“ für spezifische Vh-weisen in spezifischen Situationen). Ziel der Analyse von Plänen und Regeln ist es, auf vertikaler Ebene nach funktionalen Zusammenhängen zu suchen. Analyse von unten nach oben - bottom-up: Von konkretem »Verhalten-in-Situationen« (V-i-S) ausgehend wird anhand von Daten analysiert, welche subjektiven (übergeordneten) kognitiven Ziele und Pläne dieses V-i-S funktional bedingen V = f (Ziele/Pläne) Analyse von oben nach unten - top-down: Auf der Basis (verbalisierter oder anderweitig bekannter) übergeordneter Ziele und Pläne des Klienten werden spezifi sche Verhaltensweisen auf konkreter Situationsebene vorhergesagt oder post hoc (mit ihrer instrumentellen Funktion für diese Ziele/Pläne) »erklärt« Ziele/Pläne↓Regeln↓Verhalten-in-Situationen
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- Was ist unterschied zwischen vertikaler und horizontaler Verhaltensanalyse? Im Rahmen einer funktionalen Verhaltensanalyse wird der Fokus für die Betrachtung zunächst durch das Verhalten fixiert, an dem gearbeitet werden soll. Hierbei kommt dem vereinbarten „target“ (therapeutischem Ansatzpunkt) die Rolle der abhängigen Variablen. Die Frage lautet demnach: „wovon ist diese Variable, dieser „target“ abhängig. Für die Beantwortung dieser Frage gibt es zwei Ansätze: die horizontale und die vertikale Verhaltensanalyse. Unter horizontaler Verhaltensanalyse versteht man in erster Linie die Abhängigkeit des Verhaltens von vorausgehenden und nachfolgenden Bedingungen. Mittlerweile bezieht man zusätzlich auch die vertikale Verhaltensebene in Betrachtung. In diesem Sinne wird mittels der individuellen Problemanalyse festzustellen versucht, ob und inwieweit ein bestimmtes Verhalten-in-Situationen sich als Funktion von Zielen oder Plänen des Individuums analysieren lässt. Die vertikale Verhaltensanalyse oder auch Plananalyse berücksichtigt ausdrücklich die hierarchische Anordnung von Verhalten. Ziel der Analyse von Plänen und Regeln ist es, auf der vertikalen Ebene nach funktionalen Zusammenhängen zu suchen. Horizontale Verhaltensanalyse: V = f (vorher / nachher)? Vertikale Verhaltensanalyse: V = f (Ziele / Pläne)?
- Was ist eine störungsspezifische Diagnostik und welche Schritte beinhaltet sie? Unter störungsspezifischer Diagnostik versteht man, dass sich der Therapeut innerhalb des diagnostischen Prozesses weitgehend an jenen theoretischen Annahmen und Befunden orientiert, die dem aktuellen Wissen zufolge die jeweilige psychische Störung am besten erklären. Das beinhaltet die Möglichkeit einer spezifischen Hypothesenbildung, gezielten Informationserhebung und anwendungsorientierten Abklärung der Hypothesen. Schritte: · Screening-Fragebogen · Erstgespräch · Diagnostisches Interview (z.B. DIPS – Diagnostisches Interviews bei psychischen Störungen) · Störungsorientierte Verfahren (z.B. Y-BOCS bei Verdacht auf Zwangsstörung) · Somatische Diagnostik (medizinische Untersuchung beim Hausarzt oder einem entsprechenden Facharzt) · Störungsorientierte Problem- und Verhaltensanalyse (detaillierte Beschreibung der emotional-kognitiven, physiologischen und behavioralen Reaktionen und den vorausgehenden bzw. nachfolgenden Ereignissen einer Situation, in der die Beschwerden des Patienten typischerweise auftreten. Dazu werden Infos aus dem diagnostischen Interview, der störungsorientierten Diagnostik und ggf. medizinische Befunde integriert. Auf der Basis dessen erfolgt ein störungsspezifisches Erklärungsmodell). · Kognitive Vorbereitung (dem Patienten wird das störungsspezifische Modell vermittelt. Der Patient wird aktiv in die Erarbeitung der einzelnen Bestandteile mit einbezogen. Der Therapeut achtet darauf, dass das Modell für den Patienten sowohl anschaulich als auch plausibel und glaubhaft ist).
- Wann ist eine störungsspezifische Diagnostik sinnvoll und wann stößt sie an ihre Grenzen? Eine störungsorientierte Diagnostik und Fallkonzeption ist für jene psychischen Störungen sinnvoll, für die auf der Basis langjähriger Forschungsarbeiten über Entstehung, Verlauf und Behandlung der jeweiligen psychischen Störung evidenzbasierte Ätiologie- und Behandlungskonzepte vorliegen, die zumeist in Form von Manualen für die klinische Praxis bereit gestellt werden. Dies gilt u. a. für Angststörungen wie spezifische Phobien, Panikstörung, Agoraphobie, soziale Phobien, bestimmte Essstörungen (Bulimia nervosa) oder bestimmte Formen von Depressionen. Störungsorientierte Diagnostik kann als Leitfaden für eine gezielte Informationserhebung und anwendungsorientierte Abklärung der Hypothesen dienen. Daher ist sie als sinnvolle Ergänzung zur traditionellen Problem- und Verhaltensanalyse aufzufassen. Sie erleichter darüber hinaus die Therapieplanung, wenn sich der Therapeut im Planungsprozess nicht ausschließlich an den bei dem Betroffenen erhobenen Informationen, sondern zusätzlich an Forschungsbefunden zur Wirksamkeit psychotherapeutischer Methoden bei dieser speziellen psychischen Erkrankung orientiert. Grnzen der störungsorientierten Fallkonzeption sind gegeben bei psychischen Problemen, für die es ggf. noch keine klar umschriebenen Klassifikationskriterien gibt; hier ist die Orientierung an allgemeinen Modellen der Problem- und Verhaltensanalyse sinnvoll. Allgemeinen Modell der Diagnostik sind also wertvoll, wenn es um psychische Probleme (z.B. Beziehungsprobleme, Ablösungsprozess von den Eltern, etc.) geht, die nicht eindeutig in die bekannten Klassifikationssysteme einzuordnen sind.
- Verhaltensbeobachtung Eine systematische Verhaltensbeobachtung ist die Grundlage bzw. Voraussetzung für eine systematische Verhaltensanalyse. Kategorien: - Teilnehmende oder außenstehende Beobachtung - Fremd- oder Selbstbeobachtung - Natürliche bzw. in-vivo Beobachtung (Beobachtung der Klienten in der Alltagsumgebung) oder strukturierte Beobachtung (Beobachtung in einer künstlichen Situation z.B. Videoaufzeichnung in der Praxis oder Beobachtung durch Einwegscheibe im Labor) Beschreibung des Verhaltens erfolgt bei der systematischen Verhaltensbeobachtung durch Kodiersysteme: Zeichensysteme Erfassung vorher festgelegter Verhaltensweisen z.B. Sprechpausen, Versprecher, Füllwörter, Mutter-Kind-Aktionen Kategoriensysteme Erfassung des gesamten Verhaltensablaufs in der Beobachtungsphase und Einordnung in Verhaltenskategorien Rating-Verfahren Retrospektive Erfassung (z.B. durch Video) des Ausprägungsgrads eines bestimmten Ereignisses z.B. Verhalten des Therapeuten während einer Sitzung in Bezug auf die Dimensionen Verständnis, Kompetenz Methoden: - Verhaltenstests (z.B. für Sozialverhalten) - Verhaltenschecklisten - Rollenspiele Nachteile klinischer Beobachtungen: - geringe Interraterreliabilität (Vermeidung durch Beobachterschulungen, Beobachtungschecklisten etc.) - eingeschränkte Validität (durch Fehler der Beobachter) - Beobachterdrift (Verschlechterung der Genauigkeit der Beobachtungen durch Ermüdung) - Beobachterverzerrungseffekt (Beeinflussung der Beobachterurteile durch Informationen und Erwartungen des Beobachters) – v.a. bei teilnehmenden Beobachtern z.B. Mutter, die depressiven Sohn beobachtet - Reaktivität der Probanden - z.T. fehlende externe Validität (Verhalten oft situationsspezifisch; Kind ist z.B. aggressiv in der Schule, aber nicht daheim)
- Schätzverfahren Definition: Selbstbeurteilungs- oder Fremdbeurteilungsverfahren zur qualitativen oder quantitativen Bestimmung eines Merkmals (z.B. Persönlichkeits- und Verhaltensmerkmale) ohne den Gebrauch eines äußeren Maßstabs ð Maßstab bei Selbstbeurteilungen ist eigener Eindruck, inneres Bezugssystem. Schätzskala: psychometrischen Skala mit Intensitätsstufen (meist 7-stufig; wenig bis stark ausgeprägt) zur Beurteilung der Ausprägung eines Merkmals (z.B. Gefühl) Vorteil: So gewonnenen Messungen können auf Ordinal- oder Intervallskalenniveau weiterverarbeitet werden; sind deshalb wichtiger Bestandteil psychologischer Messmethoden!
- Methoden der systematischen Verhaltensanalyse - Interview - Systematische Verhaltensbeobachtung - Selbstbeobachtung - Fremdberichte und externe Datenquellen - Situations-Verhaltenstest - Rollenspiel - Psychopyhsiologische Verfahren - Verhaltensinventare und Skalen
- Verhaltensanalytisches Interview Ziel: Entwicklung effizienter Behandlungsverfahren auf Grundlage einer funktionalen Verhaltensanalyse. Inhalt: 1. Bestimmung des problematischen Verhaltens 2. Klärung der auslösenden Bedingungen 3. Klärung der Konsequenzen 4. Therapiebezug (aktueller Anlass für Therapie: Warum kommt Patient jetzt?) Methode: - Sensibles und zielführendes Gesprächsverhalten (z.B. offene Fragen) - eingeholte Infos sollen konkret, zusammenhängend und valide sein. - Gesprächsverhalten zw. Therapeut und Patient ist Prozess der Infoverarbeitung (Aufgabe des Therapeuten: Überführung von automatisierten Denkmustern in kontrollierte Infoverarbeitung) ð Verhaltensanalytisches Interview hat sowohl diagnostische als auch therapeutische Aspekte.
- Selbstbeobachtung Definition: Selbstbeobachtung und Aufzeichnung von bestimmten Verhaltensweisen, Gefühlen oder Kognitionen durch die Probanden. Inhalt der Aufzeichnungen: 1. Häufigkeit: Wie oft spürt Junkie Drang nach der Droge? 2. Umstände: Wann werden Drogen konsumiert? Wer ist dabei anwesend? Woran denkt Proband dabei? Was geschieht danach? Technische Hilfsmittel: - Verhaltenstagebuch (Verhalten, vorausgehende und nachfolgende Bedingungen, evtl. Kommentierungen) - Zählapparate (Auftrittshäufigkeit der Verhaltensweisen) - Stoppuhren (z.B. zur Beobachtung zwanghaften Grübelns) - Grafische Schemata (Eintrag der Verhaltenshäufigkeit) Beispiele: - Essprotokoll (bei Adipositas) - Hautkratzprotokoll (bei Neurodermitis) Vorteile: - Selbstbeobachtung möglicherweise einziger Zugang zu relativ seltenen Verhalten (z.B. Exhibitionismus) - Durch Selbstbeobachtung können Verhaltensweisen erfasst werden, die aufgrund ihrer Häufigkeit durch andere Beobachtungen nicht erfasst werden könnten (z.B. Rauchen, Zorn, Angst). - Möglichkeit, verdeckte Kognitionen zu beobachten und zu zählen Nachteile: - ungesicherte Validität (wegen unzureichender Instruktion und Motivation der Probanden) - reaktive Effekte (z.B. Raucher rauchen weniger, wenn sie sich selbst überwachen) è bevorzugte Anwendung durch Behavioristen und kognitiv orientierte Kliniker.
- BDI Beck Depressions Inventar Ziele Bestimmung des Schweregrads depressiver Symptomatik und Kontrolle des Behandlungserfolgs (aktueller Zustand wird erfasst!) ACHTUNG: dient nicht der Diagnosestellung! Autoren: Beck et al. (1961); dt. Version von Hautzinger et al. (1995); seit 2006 BDI II von Hautzinger (4 alte Items wurden durch 4 neue ersetzt) Auf der Basis einer langjährigen klinischen Beobachtung der steigender Depressivität mit den wachsenend Ausprägung der depressiven Symptome konstruiert. Aufbau: - Selbstbeurteilungsfragebogen - 21 Items zur Beurteilung der Ausprägung versch. Depressionssymptome in den vergangenen (diese stützen sich auf kein ätiologisches Modell, sondern auf die klinischen Beobachtungen der Beschwerden, v.a. auf die subjektiv-kognitiven Aspekte der Depressivität) in den vergangenen 2 Wochen - Beispielitems: A: 0= Ich bin nicht traurig. 1=Ich bin traurig. 2=Ich bin die ganze Zeit traurig und komme nicht davon los. 3=Ich bin so traurig oder unglücklich, dass ich es kaum noch ertrage. A: TraurigkeitL: Soziale IsolationB: PessimismusM: EntschlussunfähigkeitC: VersagenN: Negatives KörperbildD: UnzufriedenheitO: ArbeitsunfähigkeitE: SchuldgefühleP: SchlafstörungenF: Strafwünsche Q: ErmüdbarkeitG: SelbsthassR: AppetitverlustH: SelbstanklagenS: GewichtsverlustI: SuizidimpulseT: HypochondrieJ: WeinenU: LibidoverlustK: Reizbarkeit lter: 18 -80 Jahre Bearbeitungszeit: 10 - 15 Min. Auswertung: Jedem Ausprägungsgrad wird Punktwert zw. 0 und 3 zugeordnet (4-stufige Skala) ð Gesamtscore < 11: normaler Bereich ð Gesamtscore zw. 11 und 17: milde bis mäßige Symptomatik ð Gesamtscore > 18: klinisch relevante Ausprägung Nach BDI II: 0 – 8 Keine Depression 9 – 13 Minimale Depression 14 – 19 Leichte Depression 20 – 28 Mittelschwere Depression 29 – 63 Schwere Depression Gütekriterien: - zufriedenstellende Trennschärfe (.40) - zufriedenstellender Schwierigkeitsgrad (leichte und schwere Items) - hohe interne Konsistenz (.88) - Inhaltsvalidität gegeben - Relativ hohe Übereinstimmungsvalidität mit anderen Selbstbeurteilungsverfahren (.71 - .89) und Fremdbeurteilungsverfahren (.34 und .61) Diskriminanzanalyse: BDI-Werte erlauben eine Unterscheidung nach Altersgruppen. ð Bei jungen Patienten sind affektive und motivationale Symptome ausgeprägter. ð Bei älteren Patienten (> 45 Jahre) die somatischen Symptome.
- Y-BOCS Y-BOCS ist ein halbstrukturiertes Interview zur qualitativen Erfassung der Symptome einer Zwangsstörung nach DSM IV sowie der Quantiativen Erfassung der Symptome (Schweregrad der Störung). Zeitraum: derzeit (in den letzten 7 Tagen) bzw. lifetime Alter: ab 15 J. anwendbar ACHTUNG: Kein Diagnostikinstrument! Der Schweregrad der Störung wird unabhängig von der Art der Symptome eingeschätzt, da die Zwangsstörung sehr heterogen ist! Besteht aus 2 Skalen für Zwangsgedanken und Zwangshandlungen Insgesamt 2 Teile: Symptomcheckliste und Interview: I. Die qualitative Erfassung erfolgt aufgrund einer Symptom-Checkliste, die folgende Symptomgruppen erfasst: 1) Zwangsgedanken: Aggressive Zwangsgedanken Zwangsgedanken, die sich auf Verschmutzung beziehen Zwangsgedanken mit sexuellem Inhalt Zwangsgedanken, die sich auf das Sammeln und das Aufbewahren von Gegenständen beziehen Zwangsgedanken mit religiösen oder solchen Inhalten, die ein schlechtes Gewissen erzeugen Zwangsgedanken, die sich auf Symmetrie oder Genauigkeit beziehen Verschiedene Zwangsgedanken Zwangsgedanken in Bezug auf den eigenen Körper 2) Zwangshandlungen Reinigungs-, Wash-Zwänge Kontrollzwänge Wiederholungszwänge Zählzwänge Ordnungszwänge Sammel- und Aubewahrungszwänge Verschiedene Zwangshandlungen II. Die quantiative Erfassung erfolgt aufgrund des halbstandardisierten Interviews mit einem Leitfaden. Dieses besteht aus 21 Items, wobei in den Gesamtscore nur 10 Items eingehen, weliche den Schweregrad der Zwangsgedanken und Zwangshandlungen in folgenden 5 Dimensionen auf einer 5stufigen Skala (von 0=nicht vorhanden bis 4=extrem) beurteilen: Zeitaufwand Beeinträchtigung im Alltag Subjektiver Leidensdruck Widerstand gegen den Zwang Reale Kontrolle über die Symptomatik Zusätzliche Items beziehen sich auf die Beschreibung des klinischen Musters und beschreiben: Zeitintervall ohne Denkzwang bzw. ohne Handlungszwang Einsicht in die Symptomatik Vermeidung Entscheidungsschwierigkeiten Übertriebenes Verantwortungsgefühl Langsamkeit pathologisches Zweifeln Schweregrad der Gesamtstörung Ausmass der Gesamtverbesserung Reliabilität des Urteils Auswertung: Score 0 - 40, klinsch relevant ab 16 bei gemischten Zwängen, ab 10 wenn nur Handlungs- oder Denkzwänge vorhanden sind Schwere Störung ab 30 Gesamtscore ist unabhängig von Zahl und Art der Zwänge - Vergleich zwischen den Patieten mit heterogenen Symptomen ist möglich Gütekriterien der deutschen Version: Inter-Rater-Reliabilität von .90 Cronbach Alpha von .80 ein Änderunssensitives Instrument keine Ausreichende diskriminante Validität (z.B. mit HAM-D) - erfasst zum Teil auch depressive Symptomatik Kritik: Faktorenstruktur wechselt von Studie zur Studie großer Zeitaufwand Schulung der Interviewer erforderlich Es besteht auch ein aus 13 Items bestehendes Selbstbeurteilungsverfahren mit guten bis sehr guten Kennwerten. Die Übereitnstimmung zwischen beiden Versionen liegt bei ICC von .83.
- SCL 90-R Symptomcheckliste von Derogatis, dt. Version von Franke - Selbstbeurteilungsinstrument zur Erfassung psychischer und körperlicher Symptombelastung in den letzten 7 Tagen- ausgehend von psychologisch-psychiatrischen Konstrukten, die Derogatis aus klinischer Erfahrung als relevant erachtete.Anwendungsbereiche: - weltweit sehr häufig verwendetes Selbstbeurteilungsinstrument in psychologischem, medizinisch-psychologischem, psychosozialem, psychotherapeutischem und psychiatrischem Kontext- einsetzbar ab 12 bzw. 14 Jahren, Alter der Normierungsstichprobe von Hessel et al.: 16 - 96 Jahre- Prä- und Postmessung möglich.Bearbeitungszeit: ohne Zeitbegrenzung; durchschnittliche Dauer 10-15 MinutenAufbau und Auswertung: - fünfstufige Ratingskala von überhaupt nicht (= 0) bis sehr stark (= 4)- 83 von 90 Items gehen in die Berechnung von 9 Skalen ein: Somatisierung (SOM): leichte Konzentrations- und Arbeitsstörung bis hin zu funktionellen Beschwerden (12 Items) Zwanghaftigkeit (ZWA): leichte Konzentrations- und Arbeitsstörung bis hin zu ausgeprägter Zwanghaftigkeit (10 Items) Unsicherheit im Sozialkontakt (UNS): leichte soziale Unsicherheit bis hin zum Gefühl völliger persönlicher Unzulänglichkeit (9 Items) Depressivität (DEP): Traurigkeit bis hin zur schweren Depression (13 Items) Ängstlichkeit (ÄNG): körperlich spürbare Nervosität bis hin zu tiefer Angst (10 Items) Aggressivität/Feindseligkeit (AGG): Reizbarkeit und Unausgeglichenheit bis hin zu starker Aggressivität mit feindseligen Aspekten (6 Items) Phobische Angst (PHO): leichtes Gefühl von Bedrohung bis hin zur massiven phobischen Angst (7 Items) Paranoides Denken (PAR): Misstrauen und Minderwertigkeitsgefühle bis hin zu starkem paranoidem Denken (6 Items) Psychotizismus (PSY): mildes Gefühl der Isolation und Entfremdung bis hin zur traumatischen Evidenz der Psychose (10 Items) 7 Zusatzitems: Schlechter Appetit; Einschlafschwierigkeiten; Gedanken an den Tod; Drang, sich zu überessen; frühes Erwachen am Morgen; unruhiger Schlaf; Schuldgefühle. - 3 globale Kennwerte geben Auskunft über das Antwortverhalten über alle Items: GSI (global severity index): grundsätzliche psychische Belastung (Summe der Itemrohwerte / 90 – missing data) PST (positiv symptom total): Anzahl der Symptome, bei den eine Belastung vorliegt (Anzahl der Items mit Rohwert > 0) PSDI (positiv symptom distress index): Intensität der Antworten (Summe der Itemrohwerte / PST). Interpretation: 12 Rohwerte + 12 T-transformierte Werte für eine Person Gesamtinterpretation der SCL-90-R in fünf Schritten: 1) „Falldefinition“: Bewertung der Schwere der Beeinträchtigung psychisch auffällig belastet bzw. als „Fall“, wenn: T GSI ≥ 63 und/oder T 2 Skalen ≥ 63 liegt Fall vor, ist spezifische, psychodiagnostische Untersuchung notwendig Diagnose und Intervention abzuleiten 2) Bewertung der Ausprägung der Globalen Kennwerte: T ≥ 60 Faustregel: o T-Werte zwischen 60-64: leicht erhöht o T-Werte zwischen 65-69: deutlich erhöht o T-Werte zwischen 70-74: stark erhöht o T-Werte zwischen 75-80: sehr stark erhöht 3) Bewertung der Ausprägung der neuen Skalen: T ≥ 60 4) Analyse der Antworten auf die Items bei Skalen mit T ≥ 60 5) Analyse der Antworten auf die 7 Zusatzitems (Item dann auffallend, wenn Person ≥ M + 1SD)
