27
Ökonomische Analyse des Rechts (Subject) / Vorlesung 1 (Lesson)
Advertisement
- Rationalität Annahme über menschliches Verhalten Voraussetzung fast aller ökonimischen Modelle Rationalität gegeben, wenn : Nutzen > Kosten UND Transitive Päferenzordnung UND Vollständige Präferenzordnung Fehlfunktion der Märkte bei Nicht-Rationalität
- Nutzen > Kosten Geldbeträge sind NICHT die Maßeinheit Nutzen- und Kosteneinheiten als abstrakte Maßeinheit Nutzen > Kosten ausschließlich subjektiv zu bewerten Fehlende Informationen über Kosten oder Nutzenseite Eigenes Phänomen, kein Bezug zur Rationalität Ebenfalls für Fehlfunktionen auf Märkten verantwortlich (z.B. Market for Lemons) Erwartungen über die Zukunft werden gebildet (Diskontierung)
- Transitive und vollständige Präferenzordnung Transitiviät gegeben, wenn aus A > B UND B > C folgt: A > C Vollständig, wenn für alle Gegenüberstellungen an Wahlmöglichkeiten eine eindeutige Bewertung möglich ist: Für alle Kombinationen an Bierauswahlmöglichkeiten kann eindeutig "besser", "schlechter" oder "gleich gut" festgestellt werden. Aus Rationalität folgt Nutzenmaximierung
- Probleme bei Transitivität: Framing Framing: Darstellung der Wahlmöglichkeiten beeinflusst das Ergebnis. Bsp.: Möglichkeit A: 200 von 600 Menschen Leben. Möglichkeit B: 1/3 Wahrscheinlichkeit dass 600 Menschen Leben, 2/3 Wahrscheinlichkeit, dass keiner lebt. Bsp.: Möglichkeit A: 400 Menschen sterben. MöglichkeitB: 1/3 Wahrscheinlichkeit dass niemand stirbt und 2/3 Wahrscheinlichkeit dass alle sterben. --> Menschen sind Risikobereiter, wenn es um zu erwartende Verluste als um Gewinne geht.
- Fehlentscheidungen bei Wahrscheinlichkeiten Rational erklärbar: Abweichen von erwarteten Ergebnis aufgrund von Risikoscheu (abnehmender Grenznutzen des Geldes) Prospect Theory: Verluste werden stärker gewichtet als Gewinne Nicht rational erklärbar: Überschätzung kleiner Wahrscheinlichkeiten und Unterschätzung hoher Wahrscheinlichkeiten "Probability Distortions" dominieren als Erklärungsansatz die Risikoaversion Bei Glücksspiel (Jackpots), Versicherungen und auch Start-Up-Finanzierung essentiell
- Weitere Probleme bei Transitivität Anchoring: Ein nicht mit der Entscheidung zusammenhängender "Anker" (z.B. Zufallszahl wie die letzten zwei Nummern der Social Security ID) haben Einfluss auf die Einschätzung von Wahrscheinlichkeiten. Vergleiche verändern die Bewertung der Wahlmöglichkeiten Zeitinkonsistenz
- Präferenzänderungen durch Cues Cues sind Umgebungsreize, die ein Verlangen oder gar ein Verhalten auslösen Beispiele: Geruch von frisch gebackenen Kuchen Zischen beim öffnen einer Bierdose, Anblick einer Packung Zigaretten Cues als impulsartige Schocks auf den marginalen Nutzen eines Gutes
- Implikationen für die Wissenschaft Menschen verhalten sich oftmals nicht streng rational Herausbilden der Disziplin "Behavioral Economics" Nicht-Rationalität als besondere Form des Marktversagens Private Kosten sind bei Nicht-Rationalität wohlfahrtsrelevant Private Kosten dienen auch als Signal und möglicher Korrekturmechanismus Besonders relevant bei Kinder sowie Süchtigen (Sucht oftmals in der Kindheit "erworben") Auf Rationalitätsannahme basierende Wirtschaftspolitik nur bedingt anwendbar
- Zwei Systeme: Bewusst-reflektiv und unbewusst-automatisch Bewusst-reflektive Entscheidungen: Zielgerichtet flexibel rational langsam teuer unbewusst-automatische Entscheidungen: Schnell automatisch mühelos konditionierbar können durch Cues ausgelöst werden..
- Emotionen und Entscheidungen Emotionen Dienen dem Erinnerungsvermögen Emotionen führen zu Fehlern (Impulsivität, zwanghaft-obsessiv..) Rein "kontrollierte" Denken kann Entscheidungen verschlechtern Entscheidungen hängen entscheidend von der Stärke der Gefühle ab Bei geringerer Intensität dient Gefühl als Berater bei mittlerer Stärke wird ein Konflikt zwischen Verstand und Gefühl bemerkt bei großer Intensität Übernahme der Entscheidungen und Kontrollverlust Reaktion auf Änderung des Niveaus: Glücksgefühl hängt von Änderungen des Einkommens und Vermögens ab, weniger von der absoluten Höhe
- Advertisement
- Neuroeconomics und Entscheidungen Neuroeconomics erweitert Wirtschaftswissenschaft durch Erkenntnis der Gehinforschung Neuroeconomics erweitert die Entscheidungstheorie Einbezug emotionaler Entscheidungen Krankheiten, Stress, Anspannungen führen zu Ungleichgewichten Gefühle verändern Wahrnehmung von Risiko (Wut weniger Gefahr) Kognitive Kontrolle über Gefühle ist schwach, Gefühle könne Verstand fluten Tendenz zur Automatisierung von kognitiven Prozessen Viele Gehirnprozesse sind kategorisch
- Unterschiede Ökonomie - Neuroökonomie Rationale Erwägung vs. "Schwanken" zwischen kontrollierten und automatischen Prozessen Mehrzahl an des menschlichen Verhaltens unbewusst Ökonomische Prozesse unterstellen geistige Fähigkeiten, die gleich gut bei gleichen Strukturproblemen sind
- Die fundamentalen Optimalitätstheoreme des Wettbewerbsgleichgewichts Erstes Optimalitätstheorem (Arrow-Debreu-Ökonomie): Eine Ressourcenallokation ist pareto-optimal, wenn sie unter vollkommenem Wettbewerb, der Abwesenheit von technologischen Externalitäten und ohne Marktversagen aufgrund von Informationsproblemen zustande gekommen ist. Zweites Optimalitätsthoerem: Jede technisch mögliche pareto-optimale Ressourcenallokation kann durch Wettbewerbsmärkte erreicht werden, wenn diese nicht infolge technologischer Externalitäten, zunehmender Skalenerträge oder aufgrund von Informationsproblemen versagen.
- Das Coase-Theorem (1960) Ronald H. Coase, geb. 1910, Nobelpreis 1991 Wenn Verhandlungen und Vertragsabschlüsse unter den Betroffenen ohne jegliche Transaktionskosten möglich sind, sowie alle Eigentumsrechte wohldefiniert sind und eine Umverteilung nicht die relative Bewertung der Güter verändert, dann gilt: Die Allokation der Ressourcen ist identisch, unabhängig davon, wie die Rechte durch die Rechtsordnung zugeteilt werden. Die Allokation der Ressourcen ist effizient, so dass kein Externalitätenproblem auftritt. Die Einführung einer Steuer führt zum Verlust der Effizienz.
- Anwendungsbeispiel Coase Theorem Garantieverlängerung auf 2 Jahre Garantieverlängerung ist durch Vertrag abdingbar. Coase: keine Auswirkung, gewählte Garantie entspricht dem Kundenwunsch, kein Problem asymmetrischer Information Voraussetzung: Vertragsverhandlungen über Garantie sind leicht möglich, Kunden verstehen Garantierecht, Rechtsänderun ist klar definiert und auch keine extreme Umverteilung Unternehmen errechnen Mehrkosten und erhöhen die Preise Kunden verzichten auf Garantie und Preiserhöhung Garantie wird wieder vertraglich verkürzt
- Anwendungsbeispiele Coase-Theorem 2. Fall: Garantieverlängerund ist zwingend Zwangskonsum der Garantie: Kunden können jetzt nicht mehr auf die neuen Rechte verzichten, Unternehmen erhöhen ihre Wettbewerbspreise um die zusätzlichen Kosten Problem: Moral-Hazard aus der Garantie: Kunden behandeln Gut - unbeobachtbar durch verkaufendes Unternehmen - schlechter und lösen zusätzliche Garantiefälle und damit nochmals höhere Preise aus: Zwangskonsum mit schädlichen wirtschaftlichen Zerstörungsanreiz Gesetzlicher Garantiezwang ist ineffizient
- Anwendungsbeispiele Coase Theorem Beispiel zwingender Kündigungsschutz für Arbeitnehmer Gesetzgeber führt zwingenden Kündigungsschutz für AN ein: Kündigungsschutz erhöht Risiken und Kosten der Arbeitnehmeerleistungen für Arbeitgeber, AG senkt Lohn kompensierend. Ergebnis: Kündigungsschutz ist Zwangskonsum, dessen Kosten der Arbeitnehmer durch geringeren auszahlbaren Lohn aufbringen muss. Marktungleichgewichte haben keinen Einfluss auf die Geltung des Coase-Thoerems: Bei Vollbeschäftigung: Aufhebung des Kündigungsschutzes erhöht die Lohnsteigerungsrate Bei bestehender Arbeitslosigkeit: Aufhebung Kündigungsschutz erhöht die Löhne oder senkt die Arbeitslosigkeit
- Ergebnis Coase-Theorem Liegt kein Marktversagen etwa aufgrund von Informationsasymmetrien, Marktzutritts- oder Marktaustrittsbarrieren oder von Marktmacht vor und können die Beteiligten ohne Probleme ihre gegenseitigen Leistungen ohne hohe Vertragskosten einvernehmlich regeln, ist eine Umverteilung durch die Gewährung zivilrechtlicher Ansprüche nicht möglich. Staatliche Eingriffe durch zwingendes Recht schaden den Beteiligten!
- Eigentumsrechte Eigentum ist ein Bündel von Rechten, die im einzelnen beschreiben, was man mit bestimmten Gütern tun und lassen kann und was nicht möglich ist: Gebrauch Verfügungsgewalt Umgestaltung Übertragung Ausschluss anderer Personen
- Ökonomische Begründung der Eigentumsrechte Bei freiwilligem Transfer von Gütern steigt der Gesamtnutzen der Beteiligten (paretoverbesserung), da eine Verschlechterung unter den Behaltenswert von jeder Vertragsseite blockiert werden kann. Ohne staatlichen Schutz der Eigentumsrechte sind Menschen gezwungen erhebliche Mittel in die individuelle Verteidigung z.B. gegen Diebstahl zu investieren und die Produktion bestimmter Güter zu unterlassen. Ackerbau Software Medikamente
- Wohlstand durch Eigentumsschutz Bei staatlichem Schutz des Eigentums ist eine erhöhte Produktion von Konsumgütern möglich. Probleme bei der Gewaltmonopolisierung Private: Mafia Staat: Unterdrückung Fehlende Eigentumsdefinitionen führen zu Marktversagen Institutionenprobleme: Afrika/Russland Minderheitensrechte in der AG Corporate Governance...
- Transaktionskosten Kosten, die ein Vertragsabschluss mit sich bringt: Die Kosten, den richtigen Vertragspartner zu finden (Suchkosten) (Verhandlungskosten) (Durchsetzungskosten) Vertragsdurchsetzung Kosten der Rückgängigmachung der Vertragsfolgen ("irreversible Kosten")
- Niedrige Transaktionskosten Standardisierte Güter Klare, einfache Rechte wenige Vertragspartner Freundliche Vertragspartner Bekannt Vertragspartner Vernünftiges Verhalten Sofortiger Leistungsaustausch Keine Bedingungen Niedrige Überwachungskosten Niedrige Bestrafungskosten
- Hohe Transaktionskosten Einzelstücke, Spezielle Wünsche schwierige Rechtsverhältnisse Viele Vertragspartner Feindselige Vertragspartner Unbekannte Vertragspartner Unvernünftiges Verhalten Nicht gleichzeitige Leistungen Zahlreiche Bedingungen und Absprachen Hohe Überwachungskosten Kostspielige Bestrafungsmöglichkeiten
- Marktversagen Marktmacht (zu hohe Preise, zu niedrige Produktion) Externalitäten: Private Vor- und Nachteile fallen mit sozialen Vor- und Nachteilen auseinander (Abgase, Unfälle, Stau) Öffentliche Güter (Private Unternehmen können diese Güter nicht herstellen) (Information und Landesverteidigung) Informationsasymmetrien (AGB, Lemons, Insiderhandel...) Typische Fehlwahrnehmungen und Informationsverzerrungen (überbewertung, "Anker", Selbstbetrug, Risikopräferenz, Emotionen, Framing...) Konsequenz: Systematische Abweichungen von rationalen Entscheidungen! Bei rechtspopulistischen Entscheidungen muss daher genau geprüft werden, wieweit wie viele Menschen Rationalitätsaxiom erfüllen.
- Einkommen, Glück, Nutzen - das Easterlin Paradox Easterlin Paradox: Trotz realer Einkommenszuwächse wird von den Befragten kein vergleichbar hoher Anstieg des Glücksniveaus angegeben Paradox zeigt die Bedeutung der relativen Betrachtung des Einkommens: Einkommen ermöglicht höheren Konsum und höheren Status; Höherer Konsum wird durch Adaption zu 85% irrelevant Status ist Nullsummenspiel: Einkommen einer Person korreliert negativ mit dem Einkommen anderer Personen und dem eigenen vergangenen Konsum Glück oder Lebenszufriedenheit korreliert stark mit: Gesundheit, Ehe, Beruf, Einkommen...
- Schlussfolgerung Das Recht kann helfen, Entscheidungen und Verhaltensweisen durch Anreize so zu verändern, dass sie denen entsprechen, die die Menschen treffen würden, wenn sie die Folgen ihrer Entscheidungen richtig bedacht hätten. Beispiel: Altersvorsorge, Kindermarketing, Zigaretten Die Verwendung des Axioms rationaler Entscheidungen als stete Annahme der menschlichen Reaktion auf Rechtsanreize kann aufgrund seiner Wirklichkeitsfremdheit zu unerwünschten Folgen führen.