11

Landespflege (Subject) / Geschichte, Normen, Wertewandel (Lesson)

Ab etwa 1500 bis heute

This lesson was created by wildpferd.

Learn lesson

Advertisement
  • Vorphase (bis 1880): Aufklärung und Romantik
  • Aufklärung (17. - 18. Jhdt.): Abwendung von religiösen Vorstellungen, Berufung der Vernunft als universelle Urteilsinstanz, Hinwendung zu den Naturwissenschaften; a) Leitwissenschaft: Geschichte von Natur und Bewirtschaftung (Registrieren, Beschreiben, Sortieren, Systematisieren von Naturphänomenen, Verzeitlichung von Natur); Carl von Linné (1707-1778), Krünitz, Beckmann
  • Romantik (Ende 18. bis Mitte 19. Jhdt.): Reaktion auf vernunftbetonte Philosophie der Aufklärung und nüchterne Naturbetrachtung, Zusammenführung der „Welt der Vernunft“ u. der „Welt des Gefühls“ zu einem harmonischem Ganzen, Verbundenheit m. d. Natur (in idealisierter Form), Wunsch nach Naturschönheit (Novalis, Eichendorff); widersprüchlich zu gleichzeitiger Modernisierung von Forst- und Landwirtschaft Ereignisse: 1739: Dünenschutzverordnung auf der Insel Sylt, 1785: Empfehlung zur Ansiedlung von Staren für die biologische Schädlingsbekämpfung in Sachsen, 1836: Ankauf des Drachenfelsens zur Sicherung als Naturdenkmal gegen Eingriffe des Gesteinsabbaus, 1860: Beginn der Forschung an Waldschäden durch Luftverunreinigungen an der forstlichen Hochschule Tharandt, 1875 Gründung des Deutschen Vereins zum Schutz der Vogelwelt
  • Mobilisierung (1880 – 1905) Ereignisse: 1880: programmatische Begründung von umfassenden Natur- und Heimatschutzforderungen durch E. Rudorff1898: Forderung nach Maßnahmen, finanzieller Förderung und Institutionalisierung des Naturschutz im preußischen Parlament durch W. Wetekamp1902: preußisches Gesetz gegen Verunstaltung landschaftlich hervorragender Gegenden1904: Vorlage der Denkschrift über Gefährdung und Erhaltung der Naturdenkmale von H. Conwentz, Gründung vom „Bund Heimatschutz“ durch E. Rudorff
  • 4 Traditionen der normativen Betrachtung des Mensch-Natur-Verhältnisses Nachhaltige Forstwirtschaft (ab 18. Jhdt.), Landesverschönerung (ab Beginn 19. Jhdt.; Idee aus England übernommen) Sozialhygiene-Bewegung: Bekämpfung der Luftverschmutzung (?)Natur- und Heimatschutz
  • 3 geistige Linien im frühen Naturschutz - social-konservativ (W. E. Riehl): ursprüngliche Natur trägt Kultur, durchgesetzt durch vormoderne Ordnung (Ständestaat); „Wildnis“: traditionelle Landnutzung statt Modernisierung (Naturzerstörung zieht Kulturverfall nach sich, Waldzerstörung die geistige Basis der Menschen, Naturfrömmigkeit, Kraftquelle des Volkes, Lokalvernunft) - idealistisch-romantisch (E. Rudorff): Einsetzen für immaterielle Werte, Idealismus gegen Materialismus, schönste Form der Natur ist die ursprüngliche, Einheit mit Natur, Individualitätskonzept auf Landschaften übertragen (Referenz: vormoderne Agrargesellschaft) - naturkundlich (H. Conwentz): Naturerhaltung bei gleichzeitiger Modernisierung; Begriff Naturdenkmal sowie Kriterien für Wertschätzung eingeführt: Seltenheit, Gefährdung, Unberührtheit, Alter; betont sozialhygienische Bedeutung der Natur sowie Naturschutzbildung (Referenz: Anthropozentrismus, Aufklärung)
  • Institutionalisierung (1906 – 1918) Ereignisse: 1906: Gründung einer staatlichen Stelle für Naturdenkmalpflege in Preußen1907: Berufung v. Komitees f. Naturdenkmäler auf allen Verwaltungsebenen in Preu.1911: Grundlegende Kritik an bisherigen staatlichen Naturschutzentwicklungen, 1913 Gründung Bund Naturschutz in Bayern
  • Konsolidierung (1919 – 1934) Ereignisse:1919: Natur- und Landschaftsschutz in die Weimarer Reichsverfassung1921: Ausweisung Schutzgebiet Lüneburger Heide1925: 1. Deutscher Naturschutztag in München1933 landschaftspflegerische Mitarbeiter an Reichsautobahnenplanung Landschaftspflege: „Grenzgebiet auf dem sich Natur und Kunst, Erhaltung des Naturgegebenen und seine Gestaltung mit natürlichen und künstlichem Mitteln überschneiden.“ ästhetische, raumkünstlerische Komponente wichtig: einbinden, harmonische Bilder schaffen; 1907 Prägung des Begriffs durch Mielke
  • Erweiterung; Missbrauch während NS-Zeit (1935 – 1948) b) Föderalismus hinderlich für Naturschutzarbeit → Hoffnung auf Nationalsozialisten auf Vereinheitlichung der Gesetzgebung wegen hohen Stellenwerts der Heimat → aber rassistische Umdeutung der Naturschutzideen, Vermenschlichung der Landschaft c) Reichsnaturschutzgesetz (1935)Verankerung des Ethos des Naturschutzes in geltendes Recht, übersichtliche Systematisierung der Schutzgebietskategorien, Formulierung des Anspruchs auf einen Schutz der Landschaft, Beteiligung der Naturschutzbehörden an staatlichen Planungen1936: Reichsnaturschutzverordnung, 1943: Forderung nach Aufnahme des Landespflegeplanes in die Raumplanung d) Naturschutz, Heimatschutz und DenkmalpflegeProblem am Denkmal: Eigentlicher Ort in der Vergangenheit, eher zufällig als Relikt in die Gegenwart gekommen (konservativ, museal, statisch), Heimat steht für Sehnsucht nach traditionellen und ländlichen Lebensverhältnissen, in die Neues, Ungewohntes und Fremdes eindringen will → konservativ, defensiv, politisch NS: Natur offenbare den „edlen heldischen Geist“, deutscher Wald, „siegfriedhafte Heldengestalt“, Sinnbilder für das dritte Reich → rassistisch, expansiv und aggressiv, Heimatgefühl und Naturverständnis wurden missbraucht, Nachwirkung: Abkehr von Begriffen wie „Heimat“ und „Landespflege“, Konzentration auf ökologische und ökonomische Elemente im Naturschutz, RNG 1976 durch BNatSchG ersetzt
  • Neuorientierung (1949 – 1968) Ereignisse: 1949: Rahmenkompetenzaufnahme für die Naturschutzgesetzgebung ins Bonner GG 1950: Gründung vom Deutschen Naturschutzring1953: Einbeziehung der Landschaftsplanung in das Flurbereinigungsgesetz1962 Buch „Stummer Frühling“: gilt als Ausgangspunkt der weltweiten Umweltbewegung
  • Advertisement
  • Emanzipation (ab 1969) b) Ereignisse: 1970: öffentliche Aufmerksamkeit auf Umweltgefahren (v. a. durch europäisches Naturschutzjahr) 1972: Berufung des Sachverständigenrats für Umweltfragen → Umweltgutachten1986: Bildung eines Bundesumweltministeriums c) neue Ansätze: Öffnung für verschiedene gesellschaftliche GruppenFörderung der Umweltbildung, v. a. von KindernDurchsetzen von Anliegen auf partizipativem WegeBestandteil integrativer regionaler EntwicklungsprozesseNaturschutz wagt es wieder, sinnlichen emotionalen Charakter zu finden und Heimatpflege als Teil der Arbeit zu erkennen