30
Landespflege (Subject) / Geschichte (Lesson)
Advertisement
- Primäre Kulturpflanzen -> von Beginn an genutzt / angebaut Weizen, Gerste, Lein (aus fruchtbarem Halbmond importiert)ab 1500: Kartoffel, Mais, Tabak, Sonnenblume aus Amerika
- Sekundäre Kulturpflanzen -> unbewusst mitgezüchtet und aus Begleitflora entstanden Roggen, Hafer, Hirse, Mohn, Wicke („Ackerunkräuter“)
- Fakultative Kulturpflanzen -> genutzt bei schlechten Ernten Wildobst, Roggentrespe, Rainkohl (Nahrung und Futter in Notzeiten)
- Verwilderte Kulturpflanzen Färberwaid, Saat-Leindotter, Milchstern, Aronstab, Märzenbecher
- Halbkulturpflanzen absichtliche Aussaat und Nutzung, aber keine Züchtung (z.B. Rohrkolben)
- Züchtung von Kulturpflanzen Selektion, Düngung, Unkrautentfernung; durch Wanderung Verbreitung der vorgezüchteten Pflanzen und Erweiterung des Genvorrats durch Rückkreuzung mit Wildpflanzen
- Entstehung von Kulturpflanzen - Nutzbare Wildpflanzen ~> bessere Bedingungen in Menschennähe / andere Vorteile ~> Selektion durch Frucht- / Saatwahl (Verschleppung durch Wanderungen) - Erreichen einer Gigasform (Riesenwuchs)- Verminderung der Fruchtbarkeit- Verlust von Schutz- und Verbreitungsorganen → in freier Natur nicht überlebensfähig- Veränderung der Lebensdauer: einjährig, zweijährig → Nährstoffe gänzlich in Samen bzw. Wurzelorganen gespeichert
- Co-Evolution von Kulturpflanzen Mitzüchten der Begleitkräuter (Segetalflora), die woanders vorteilhaft waren (unfreiwillige Erhaltung von Begleitflora) → genetischer und morphologischer Ausgleichsprozess → sekundäre Kulturpflanzen
- Mannigfaltigkeitszentren von Kulturpflanzen „Fruchtbarer Halbmond“ (Nachweis von Ackerbau schon 9000 v. Chr.) und Ägypten-AbessinienHerkunft der Kulturpflanzen und Heimat vieler wilden Vorgänger (zufälliger Transport auf Fernhandelswegen); hohe Standortvielfalt, uralte Ackerkultur, riesiger Genfundus ~> Wanderung entlang der Donau
- Domestizierung von Tieren vor allem zur Deckung des Fleischbedarfs als bei steigenden Bevölkerungszahlen das Jagdwild abnahm ~> Später Rinder auch als Arbeitstier und Dungnutzung
- Advertisement
- Züchtungsprozess von domestizierten Tieren mit Beginn der Sesshaftigkeit: Entnahme kleiner Gruppen aus riesigen heterogenen Tierpopulationensoziale Tiere wie Wolf und Schwein geeignet, bewehrte wie Hirsch und Reh nichtchronologisch: Hund (Jungpaläolithikum, ältester Begleiter des Menschen, auch als Nahrungsquelle); Rind, Schaf, Ziege; Pferd (Neolit.); Huhn
- Merkmale von domestizierten Tieren ~> Selektion durch Auswahl aus heterozygoten Gruppen - rezessive Gene, die in der Natur von Nachteil wären, treten bei Züchtung in den Vordergrund: kleine (leichter beherrschbar) / große - Größe, Sanftheit → Gene werden homozygot- frühere Geschlechtsreife, häufigere Brunft- Reduzierung des optischen und olfaktorischen Systems- geringere innerartliche Kommunikation
- Neolithikum (5500 – 2200 v. Chr.) „neolithische Revolution“: erstmaliges Auftreten von produzierender Wirtschaft (Ackerbau und Viehzucht) und Vorratshaltung → SesshaftigkeitSiedlungen v. a. auf Lössböden; kleine Rodungsinseln im WaldWildpflanzen mit nutzbaren Organen wurden in Siedlungen gesammelt - Waldfeldbau
- Waldfeldbau temporärer Ackerbau auf Kahlschlagflächen bis zur eintretenden Verbuschung; Nutzung des Aufwuchses (Holz, Früchte, Harz) Fütterung des Viehs mit Laub(heu) → Laubwiesen mit Esche, Eberesche, Hasel, Ulme (geschneitelte Kopfbäume) Einflüsse auf Geomorphologie: Erosion, Moorbildung, Auenlehmablagerung Erzeugung von Überschüssen, Vorratshaltung → arbeitsteilige Gesellschaft → Entwicklung von Handwerkskunst, Technik und Geisteswissenschaft
- vorrömische Metallzeit Viehaufstallung, Almwirtschaft (Nutzung der montanen Höhenstufe) Düngung mit Plaggen: abgetragener Wald- oder Heideoberboden wird in Ställe eingestreut, vermischt sich dort mit Exkrementen und wird anschließend auf armen Böden als Dünger eingesetzt → Bodentyp „Plaggenesch“ Raubbau an Wäldern führt zur Entstehung von Heiden
- ältere Bronzezeit starke Waldrodung zur Metallgewinnung -> Stockausschlag zur Holzgewinnung, Hitzeerzeugung für Eisenerz
- ältere Eisenzeit Weidewirtschaft in Auen, ausgedehnter Ackerbau ~> etwa 95% des Fleischbedarfs schon aus Haustieren gedeckt, nur noch etwa 4,8% durch Wildtiere
- Keltenzeit Kelten als bedeutende Präger der Kulturlandschaft (deutliche Spuren)Hallstattzeit: 800 – 500 v. Chr.; La-Téne-Zeit: 500 v. Chr. – 0Kupfer- und Eisengewinnung, Glas- und Mühlsteinherstellung (nicht viele Steine geeignet -> Körnung & Antrieb -> Brot zu Mineralhaltig?), Spinnerei, Weberei; Verkehrsinfrastruktur für Handel, Salzbau, Ziegel (Wissenstransfer aus Europa in den Norden)
- römische Kaiserzeit (0 – 260)höhere Bevölkerungsdichte (Völkergemisch) → Ackerbau wichtiger als ViehzuchtImport von mediterranen KulturpflanzenVillae rusticae zur Versorgung von Siedlungen, Landgüter; Römerstraßen -> InfrastrukturKiefer dominiert auf ausgebeuteten Waldböden
- ausgehende Kaiserzeit Aufgabe der Nutzung → Wiederbewaldung Fränkische Besiedlung (bis heute sprachliche Grenze) -> 1. Ausbauperiode: intensive Rodung (flächige Waldentnahme -> Erosion, Wasserhaushalt, ...) Herrschaftsstuktur -> MerowingerVölkerwanderung → Siedlungsgründungen von Schwaben / Alemannen (viele von den Römern genutzte Kulturpflanzen, weniger Spektrum)
- Mittelalter (500 – 1500) Merkmale der mittelalterlichen Kulturlandschaft1. Ackerbau die dominierende Nutzungsform (weiteste Ausdehnung überhaupt) ~> Erosion auf Flächen mit Neigung, besonders Wassererosion auf dem bevorzugten Löß2. Monokulturen ("Ewiger Roggenbau" ohne Brache) auf Plaggeneschen (tlw. 80-100 cm dick, für 1 ha wurden 20-40 ha Wald/Wiese benötigt ~> große Stoffverlagerung) → Entstehung der großen Heiden3. Weinbau auf terrassierten Hangschuttflächen4. Nutzung der Auenwälder je nach Abflussregime5. fließende Übergänge zwischen Wald, Weide und Feld → hohe Artenvielfalt6. fast alle Flächen wurden zu irgendeiner Jahreszeit beweidet → Tritt, Verbiss7. Streifen- oder Blockflur; Wirtschaftsflächen von Zäunen umgeben (Siedlungen an Wasserquellen / Flüssen) Salierzeitliche Siedlung (11. Jhd.) ~> lockere Siedlungsstruktur, Palisade, einfaches Wegenetz, Heckenlandschaft Entdeckung der Neuen Welt durch Kolumbus: 1492
- Spätmittelalter Wüstung durch Verstädterung (Rückzug in die Städte, Verlassen von schweren Flächen) und Pest → verlassenen Siedlungen Hoher Holzbedarf, Mühlrad auf Boot, Imkerei, Zeidlerei (Wildbienen) -> Calluna-Heiden als "Bienenweide" um 1400 ~> höchster Anteil an Acker den es in DE je gegeben hat
- Feldbausysteme zeitlich vielfältige Nutzungsdynamik schafft agrarisch geprägte Lebensräume
- Zweifelderwirtschaft Getreide → Brache
- Feldgraswirtschaft Egart(en)wirtschaft: Nutzung von mit Hecken eingefriedeten Parzellen wechselweise für Ackerbau und Weidehaltung (Blattfrucht → Getreide → Beweidung; 20 Jahre Umtriebszeit)
- Dreifelderwirtschaft (von Frühmittelalter bis 19. Jhdt. dominierend in Europa): Aussaat von Wintergetreide im Herbst → nach Ernte Pflügen gegen Unkraut bis Frühjahr → Aussaat von Sommergetreide → 1 Jahr Brache oder Weidenutzung (später statt Brache Kartoffel, Rübe, Klee = „verbesserte“ Dreifelderwirtschaft)1. Energiezuschusssystem (Plaggendüngung alle 3 - 4 Jahre; Ertragssteigerung zwar +20 % → hohes Bevölkerungswachstum; aber Verhältnis Aussaat 1 : 3 Ertrag→ geringe Produktivität bedingt Risiko von Hungersnöten bei Ernteausfällen→ Ackerbau auch in ungünstigen Lagen (Hänge) nötig
- Dreizelgenwirtschaft Ackerfläche der Dorfgemeinschaft in 3 Großfelder eingeteilt (Flurzwang); Ösche / Esche / Zelge mit mobilen Zaunstücken → hoher Holzbedarf
- Wald-Feldbau-Systeme Reutfeld-, Hackwald-, Schiffel-, Hauberg-, Rottwirtschaft1. Abholzen oder Abbrennen → Getreide 2 Jahre → Weideland (ab 3 Jahren), Niederwaldnutzung (ab 15-20 Jahre) → massive Ausbeutung der Böden → skelettreiche, humusarme Böden2. Rüttibrennen: Verbrennen von Reisig im August zur Düngung und Unkrautvernichtung mit anschließender Getreideeinsaat Allmende / Gemeinheit: erst im 12., 13. Jhdt. gemeinschaftliche Nutzung17. Jhdt.; gezielter Brachfeldanbau z.B. mit Leguminosen (Hülsenfrüchte) als Futterpflanze19. Jhdt.: Erkenntnisse aus Agrarwissenschaft → regional angepasste Fruchtfolge mit langen Zyklen, Wirkungen der Pflanzen untereinander optimal ausgenutzt: Höhepunkt der Landwirtschaft
- Merkmale historischer Kulturlandschaften vielfach grenzenlose Unschärfe, großräumige Gestaltung, geringer EnergieeintragMehrfachnutzung (Polykultur), Nutzung hier und dort, hin und wieder
- Aufklärung und Kulturlandschaft - geordnete Forstwirtschaft, Aufforstungen, Verbot von „Nebennutzungen“ (v. a. Waldweide und Laubstreunutzung)- Bebauung der Brache (mehr Tiere, mehr Dünger); Einführung der Stallfütterung- Düngung mit Mergel, Jauche, Gips und Phosphat- großflächige „Melioration“ (Werterhöhung des Bodens) : Entwässerung, Moorkultivierung- Veränderung der Agrarstruktur: Separation, Vereinödung und Verkopplung (Flurbereinigung)