39

Theatergeschichte (Subject) / Die Bühne des 19. Jahrhunderts (Lesson)

Massenmedium, Paris, etc.

This lesson was created by Gluxi.

Learn lesson

Advertisement
  • Wie wirt das Theater im 19. Jahrhundert verstanden? Als Medium, weniger als Ort künstlerischer Spitzenleistungen.
  • Kulturelle und gesellschaftliche Aspekte des 19. Jahrhunderts (allgemein) - Nationalstaatenbildung- Übergang von Stände- zu einer Klassengesellschaft- wachsende politische Partizipation breiter Bevölkerungsschichten- Emanzipation des Proletariats und der Frauen- Industrialisierung- Kapitalismus- Verlagerung der Produktion in städtische Zentren -> Herausbildung einer Metropolkultur-> geschichte der Modernisierung als Verlust- und Gefährungsgeschichte
  • Was war wichtig in England zu der Zeit? (Auf Theater bezogen) 1843: Theatre Relegation Act - Deregulierung könnte zur Verbesserung der Qualität führen.- Zuvor beschränkte ein königliches Patent die Anzahl der Sprechtheaterbühnen -> das wird abgeschafft- Das Betreiben eines Theaters hängt nur nicht mehr von der Gunst des Königs ab, sondern ist marktwirtschaftlichen Gesetzen unterstellt.
  • Wer hat sich zu Paris im 19. Jahrhundert geäußert? (2 Leute) Walter Benjamin Georg Simmel
  • Was ist die "Hauptstadt des 19. Jahrhunderts" ? PARIS <3
  • Wie äußerst sich die "Theatralität" in der Stadt? - Inszenierung der Stadt als Ausstellungsort- Inszenierung der Stadt durch Reiseführer
  • Wer war 1862 für die städtebaulichen Maßnahmen in Paris verantwortlich? Georges-Eugene Haussmann
  • Warum ist die Erfahrung der Großstadt zu dieser zeit sehr ambivalent? Die Zeit ist einerseits geprägt durch Konsum, Modernismus, Architektur und Urbanität, aber gleichzeitig findet dadurch auch eine Entsubjektivierung des Individuums statt.
  • Was ist die Schutzfunktion, mit denen man laut Simmel und Benjamin auf die Großstadt reagiert? Blasiertheit
  • Wer hat die Theatergesetzgebung 1807 in Frankreich veranlasst, und wie hieß sie? Napoelon Napoleonische Theatergesetzgebung
  • Advertisement
  • In welche 2 Kategorien (mit Beispielen) werden Theater bei der napoleonischen Gesetzgebung eingeteilt? 1. staatlich geförderte Theater (premiere categorie)- La Theatre Francais & Theatre de l'imperatrice- Theatre de L'Opera- Theatre de L'Opera comique2. fünf populäre Unterhaltungstheater (deuxieme categorie)- Theatre de la Gaite- Theatre de l'ambigu-comique- Theatre de la Porte Saint Martin- Theatre des Varietes- Theatre du Vaudeville
  • Woher hatte das Boulevardtheater erst seinen Namen? Von seiner Location -> Boulevard du Temple
  • Was führte dazu, dass das Boulevard-Theater ein Genre wurde? Ortswechsel und Öffnungen von ähnlichen Theatern an anderen OrtenNicht mehr Ortsgebunden -> konnte Genre werden
  • Zielsetzung und Voraussetzung zur Existenz von Boulevardtheatern? UnterhaltungÖkonomische Rentabilität (Industrialisierung einer Kunstsparte)
  • Dramaturgische Merkmale der "piece bien faite" - Handlung muss psychologisch wahrscheinlich und logisch sein.- Spannungsmomente entstehen durch überraschende Wendungen (coup de theatre) - Prüfstein der Handlung: denouenment- stereotype Inhalte- technische Erfindungen prägen Bühnenästhetik- rhetorisch aufwendig- Identifikationsfiguren (personnage sympathique)- strenge Anforderungen an Autoren: Humor, Versatzstücke kennen und neu kombinieren, Logik (nicht zwingend Innovation), Publikum muss folgen können, knapper bündiger Stil, ausgetüfelter Plan -> Konfektionsartikel
  • Etymologie "Melodrama" ? melos - Musik"Drama mit Musik" rührselige Tragödie des Boulevardtheaters
  • Merkmale des Melodramas SpektakulärEinfache HandlungDualistische FigurenkonstellationZwingend fröhlicher Ausganghöhere Gerechtigkeit herrscht am Ende (Fischer Lichte)das Gute siegt am Ende (Fischer Lichte)
  • Was denkt Fischer-Lichte noch so über das Melodrama im Boulevardtheater? - Melodrama schafft stabile moralische Ordnung -> höhere Gerechtigkeit -> das Gute siegt- Die Orientierung des Zuschauers wird erleichtert: Figuren sind sofort in Gut und Böse einteilbar, die Zeichen auf der Bühne sind mit einem Blick identifizierbar- Adaptierung erfolgreicher Stoffe- sehr Publikumsträchtig -> hat am meisten Erfolg, wenn die Versatzstücke gut zusammengesetzt sind, nicht wenn der Autor gut istGrausamkeit des Schicksals gefolgt von Erfolg moralischen Benehmens
  • Wer war Rene-Charles Guilbert de Pixerecourt? Der Starautor des Melodramasgenannt: Le Shakespeare et le Corneille du BoulevardBekannte Dramen: Robinson Crusoe (1812) und Christophe Colomb (1815)
  • Dramaturgische Mittel im Melodrama? Konflikt und Geheimnis um die Identität einer Figur (zentrales Thema)Dynamik der HandlungSprachrhythmus: kurze Dialoge vs längere Monologe/TiradenUmgangssprache vs empatischer Stil PATHOS!
  • Woraus entwickelt sich das Vaudeville? 16. Jahrhundert: Chansons von Markt und Straßentheaterndanach: Erweiterung durch szenische Elemente und gesprochenen Text18. Jahrhundert: findet den Weg auf die Bühne
  • Etymologie "Vaudeville" vau-de-vire / -vallee de la vire (Normandie-> dort entsteht ein populäres Volkslied im 15. Jahrhundert- satirischer Text auf bekannte Melodie-> danach allgemein Bezecihung für anzügliche satirische Lieder, die auf bekannte Melodien gesungen werden, mit Aktualitätsbezug
  • 2 Stücktypen im Vaudeville: 1. Anekdote der zeitgenössichen Wirklichkeit (fait divers)2. Farce (Satire, Burleske)
  • Wie sind die Stücke im Vaudeville? - Einakter, in Prosa- typenhafte Figuren ohne sozialen Status- simple Intrige - Ziel: UNTERHALTUNG- typisches Gattungsmerkmal: Gesangscouplets ("airs")
  • 3 Wichtige Autoren für das Vaudevillle Eugene ScribeEugene LabicheGeorges Feydeau
  • Wer hat im Vaudeville besonders viele Stücke geschrieben? Eugene Scribe(über 400, davon 250 Vaudevilles in 50 Jahren Arbeit als Dramatiker)
  • Was sagt Ernst Wendt über die Stücke von Feydeau? Sie sind wie "Maschinen" -> abgeschlsosen gegen alles, was nicht zu ihrer Funktion gehört Sie sind konzentriert drauf, Mitglieder der bürgerlichen Gesellschaft durchzuschütteln
  • Was zeichnet die Stücke von Georges Feydeau aus? - Tempo, das sich bis zum Limit steigert- Stücke als spaßhafte Ventile unterdrückter sexuelle Bedürfnisse- Infragestellung bürgerlicher Moralkodices- Komik ensteht durch Dynamik der Handlungsschritte
  • Was, total innovative (?) hat Eugene Labiche der Dramaturgie im Vaudeville gegeben? Bewegung (mouvement), was auch immer.
  • 3 Theaterformen, die sich zwischen Kunst und Kommerz bewegen? CabaretVarieteRevue
  • Advertisement
  • Wann wurde das erste Cabaret eröffnet und wie hieß es? 18. November 1881 - Cabaret Chat Noir
  • Was machte man so im Cabaret und was konnte man dort sehen? - Es funktionierte als Künstler- und Literatrentreff der Pariser Kulturlandschaft (Nachfolge des literarischen Salons)- Wechsel zwischen Café-Concertes (Vorträge) und Cabaret
  • Aus was erwächst die neue Kunstgattung im Cabaret? Improvisation
  • Welche theaterreformerischen Aspekte hat das Cabaret? - veränderte Beziehung zwischen Akteur und Publikum (unkonkret)- eigene Bühnenästhetik (unkonkret)- Ein-Personen-Szenen- Bruch mit dialogischen Struktur einer herkömmlichen Bühnendramaturgie- schauspielerisches Agieren in Reichweite des Körpers aus dem Stand- Kombination aus Singen und Sprechen bekommt neue Qualität- Körperlichkeit- Momente der Hässlichkeit werden zur Faszination
  • Was konnte man im Variete sehen? - Kraftmenschen- Löwenbändiger- Elefantendressur- Ringkämpfe- Abnormitätenschauen- Nackheit-> allgemein Kuriositäten, Attraktionen, Circus-Nähe
  • Was fehlt dem Variete, und warum ist es trotzdem mit dem Theater verwandt? - es hat keine dramatische Handlung- es hat kein mimetisches Spiel -> aber es ist an eine Bühne gebunden!
  • Wen und in welchem gastronomischen Kontext unterhält das Variete? Ein Massenpublikum in Verzehrtheatern oder Rauchtheatern
  • Welchen Inhalt hatte eine Revue? Nummern mit politisch-kabarettistischem Inhalt
  • Wie sah eine Revue strukturell grob aus? - Ein Conferencier führte durch die Veranstaltung und leitete die Übergange zum nächsten Ausstattunsgbild ein.- Nummern -> primär visuelle Szenen, die auf sinnliche Reize und Effekte abzielen- wichtigstes Strukturelement: tänzerishce Einlagen GIRLS