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Das Bildungswesen in Deutschland (Subject) / Das Bildungswesen in Deutschland (Lesson)
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- Inwieweit sind das Schulsystem sowie die Einzelschule vom Globalisierungsprozess betroffen? Wissensaustausch sowie Austausch von Gütern, Dienstleistungen usw. gewinnen an Tempo Zunahme der Migration (Arbeitsmigration in entwickelten Industrieländern) Gewinner: hoch qualifizierte Arbeiter Verlierer: unqualifizierte Arbeiter in reichen Ländern -> deshalb Qualitätssicherung & - steigerung der schulischen Bildung der schwächeren Schüler von besonderer Bedeutung
- 1717,General Edict Eltern sollen ihre Kinder gegen Schulgeld im Winter täglich und im Sommer (dann wenn sie nicht in der Wirtschaft gebraucht werden) 1-2x in der Woche zur Schule schicken
- 1809/1810, Humboldt, allgemeine Schulbildung Nur allgemeine Menschen Bildung soll in Schulen gelehrt werden Bereich des Lebens muss abgesondert unterrichtet werden.
- 1812, 2. Abiturreglement für den Abschluss des Abiturs ist die Abiturprüfung verbindliche Voraussetzung (gilt auch für Staatsexamenim Justizdienst)
- 1854, Stiehlsche Regulative weitere Verschärfung des Begrenzungsprinzips Anpassung der Volksschullehrerbildung Festhaltung christlicher Werte & Normen in Leben & Disziplin in der Ausbildung
- 1880, Unterrichtspflicht: die Unterrichtspflicht(!!) wird flächendeckend umgesetzt
- 1900, Allerhöchster Erlass: Gymnasium, das Realgymnasium und die Oberrealschule als gleichwertig in der Erziehung zur allgemeinen Geistesbildung anerkannt bot den einzelnen Schulformen die Möglichkeit, ihre Eigenarten stärker herauszustellen Realgymnasien und Oberrealschulen waren berechtigt zum Hochschulzugang
- 1919/1920 Weimarer Schulkompromiss Bekenntnisschulen und bekenntnisfreie Schulen (kein Unterricht in Religion).SuS werden während erster vier Jahre gemeinsam unterrichtet in der Unterstufe der Volksschule nachfolgende Trennung in niedere, mittlere und höhere Bildung auf Basis vorheriger Leistung (angestrebter Übergang vom Stände- zum Leistungsprinzip).
- 1933-1945, NS-Zeit: 1933 Gesetz gegen Überfüllung deutscher Schulen nach rassischen Kriterien Ausgrenzungen von Juden,Roma und Sintis Benachteiligung von Mädchen. 1937 Gymnasien auf acht Jahre verkürzt, weil Kriegsvorbereitungen gemacht wurden und junge Männer dazu ausgebildet werden mussten 1939 Lehrpläne und Lehrbücher im Sinne des Nationalsozialismus geändert(mehr Ideologiebezogene Themen bearbeitet i Unterricht)
- 1945, Potsdamer Abkommen Erziehungswesen in Deutschland soll überwacht werden narzistische und militaristische Lehren sollen völlig entfernt werden eine erfolgreiche Entwicklung demokratischer Ideen soll möglich gemacht werden
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- 1947, Erlass des alliierten Kontrollrats für die Demokratisierung des Bildungswesens Fokus ab jetzt auf staatsbürgerlicher Verantwortung und demokratischem Lebensstil flächendeckende Schulgeld- und Lernmittelfreiheit Bildung wird kostenfrei und somit jedem zugänglich Fremdsprachen gewinnen an Bedeutung Schulwesen wird ökonomisch, strukturell und inhaltlich vereinheitlicht
- 1949, Gründung BRD/DDR DDR "eine Schule für alle" anstatt Aufteilung in niedere, mittlere und höhere Bildung Umsetzung der Grundsätze des Allierten Kontrollrats
- 1949, Gründung BRD/DDR BRD altes Bildungssystem bleibt bestehen
- Verlängerung des gemeinsamen Lernens (1948/49) 1950/51 wieder rückgängig gemacht
- 1955, Düsseldorfer Abkommen nach 4-jähriger gemeinsamer Grundschule: neben Volks- und Mittelschulen drei bzw. vier Typen von Gymnasien i. humanistisch-philogogisch (d.h. altsprachlich), ii. naturwissenschaftlich-mathematisch (offenbar vorwiegend für Jungen), iii. neusprachlich (offenbar vorwiegend für Mädchen), iv. sowie nach wie vor bestehende Lyzeen Englisch an allen Schulformen erste Pflichtfremdsprache, beginnt am Gymnasium in Klassenstufe 5 bis zum Abitur sind obligatorisch nur noch zwei Fremdsprachen zu belegen in der Praxis am Gymnasium in Klassenstufe 7 zwischen Latein und Französisch gewählt werden d.h. (a) Festschreibung herausgehobener Rolle des „typisierten“ Gymnasiums sowie (b) de facto Verbot schulorganisatorischer Neuerungen
- 1964, Hamburger Abkommen Abtrennung der „Hauptschule“ von der Volksschulunterstufe Hauptschule somit eigenständige weiterführende Schulform neben Gymnasien und mittleren Schulen Verlängerung des Hauptschulbildungsganges von 8 auf 9 bzw. 10 Jahre Fachunterricht nun von Fachlehrern erteilt, diese Lehrer erhalten eineuniversitäre Ausbildung in zwei Fächern Prinzip Wissenschaftsorientierung Blick auf Fachinhalte + Blick auf die Präsentation des Wissens Ergänzung der zwei Fächer Englisch und Arbeitslehre d.h. erhebliche Aufwertung niederer Bildung, die nun offiziell Hauptschule heißt
- 1969 Empfehlung zur Einrichtung von Schulversuchen mit Gesamtschulen des Deutschen Bildungsrats ergänzende Schulform innerhalb des gegliederten Systems alle Abschlüsse erreichbar (Haupt-, Realschule, Abitur) umfasst alle Klassen von 5 bis theoretisch 13
- 1972, Neugestaltung der gymnasialen Oberstufe: Vereinbarung durch KMK zur Neugestaltung (Studierfähigkeit war nicht ausreichende gegeben) 'typisierte' gymnasiale Oberstufen werden abgeschafft System aus Grund- und Leistungskursen soll SuS individuellere Wahlmöglichkeiten als vorher geben Klassenverbände werden durch Kurse ersetzt Ziffernnoten werden durch Punktsystem ersetzt Hoffnung: 1. SuS können leichter ihren Fachinteressen folgen und 2. besser auf Arbeitsanforderungen der Hochschulen vorbereiten
- (1) Bildungssystem in Preußen zwischen 1780 und 1870 a. institutionelle Herausbildung des humanistischen Gymnasiums b. niederes Schulwesen als bewusst begrenztes Angebot c. mittleres Schulwesen mit eigenem Abschluss an verschiedenen Einzelschulformen
- Entwicklungen zwischen 1870 und 1945: Aufwertung niederes, versuchte Normierung mittleres Schulwesen Realgymnasium und Oberrealschule vergeben Hochschulreife Zugang zu höherer Bildung für Frauen ab 1908 Reformpädagogik als Betonung freiheitlichen Lernens Weimarer Schulkompromiss Schule in der NS-Zeit
- vorschulische Bildung erfolgt in Deutschland in Krippen (Kinder unter drei Jahren) und Kindertagesstätten (drei bis sechs Jahre) i.d.R. noch halbtägige, kostenpflichtige Angebote vorschulische Bildungsbeteiligung im Jahr 2013 Kinder bis 3 Jahre: 29 Prozent Kinder 3 bis 6 Jahre: über 95 Prozent, 43% von diesen ganztägig Kosten für Kindergartenbesuch gestaffelt nach gemeinsamen Brutto-Einkommen („Betreuungsgeld“ entspricht aktuell 1.800 € pro Jahr und Kind)
- KiTas „Bildungsauftrag" pädagogische Personal aufgefordert, Bildungsmöglichkeiten des Kindes zu beachten & zu fördern Bildungsbereiche Sprache, Schrift, Kommunikation Personale und soziale Entwicklung, Wertererziehung / religiöse Bildung Mathematik, Naturwissenschaft, (Informations-)Technik Musische Bildung und Umgang mit Medien Körper, Bewegung, Gesundheit Natur und kulturelle Umwelten Bundesländer curriculare Rahmenlehrpläne für KiTas erarbeitet ersetzen tradierte Kindergartenpädagogik
- Grundschulen Schulbesuchsdauer: vier, nur in Berlin und Brandenburg sechs Jahre 6 Prozent der Alterskohorte werden zurückgestellt 5 Prozent vorzeitig eingeschult (Stand 2008/09) Deutschland schult relativ spät ein
- Grundschulen Neuerungen im Einschulungsverfahren und Flexibilisierung der Schuleingangsphase Einschulungsalter sollte abgesenkt werden beträgt aktuell zwischen 5.7 und 6.2 Jahre Zurückstellungen wurden erschwert (2013: 7.0%) vorzeitige Einschulungen wurden angestrebt (2013: 3.1%) Flexibilisierung der Verweildauer in den Jahrgangsstufen 1 und 2 häufig zu einer pädagogischen Einheit zusammengefasst (!) „Schuleingangsdiagnostik“ soll dazu beitragen i. in Zweifelsfällen „Schulreife“ festzustellen („Schulspiel“ ii. allen Kindern eine stärker differenzierende und individualisierte (!) Förderung unter Einbezug von sozial- und sonderpädagogischen Maßnahmen zu geben zunehmende Inklusion von Kindern mit sonderpädag. Förderbedarf (!)
- Förderschulen ca. 2 Prozent der Einschulungen erfolgen direkt an Förderschulen spätere Überweisungen führen zu Erhöhung auf 5 Prozent Förderschüler/innen in Jahrgängen 1 bis 10 sonderpädag. Förderschwerpunkte (s. Klemm, 2014; S. 633) Lernen: 39.9% Geistige Entwicklung: 16.1% Emotionale und soziale Entwicklung: 14.3% Sprache: 11.0% Körperliche und Motorische Entwicklung: 6.8% Hören: 3.5% Sehen: 1.5% Unterricht kranker Schülerinnen und Schüler: 2.3% „schwerpunkteübergreifend“: 5.4%
- Förderschulen vier „Größen“ Förderquote: „Welcher prozentuale Anteil der SuS in Vollzeitschulpflicht d. allgemeinbildenden System hat sonderpädagogischen Förderbedarf?“ Exklusionsquote: „Wie hoch ist der Anteil an Förderschulen beschulter SuS mit sonderpädagogischem Förderbedarf an allen SuS des allgemeinbildenden Systems?“ Inklusionsanteil: „Wie hoch ist der Anteil inklusiv beschulter SuS mit sonderpädagogischem Förderbedarf an allen SuS des allgemeinbildenden Systems?“ Inklusionsquote: „Nur von den SuS mit sonderpädagogischem Förderbedarf: Wie viele von diesen werden inklusiv beschult?
- Vier Faktoren: Veränderungen in der Struktur weiterführender Schulen in Deutschland beeinflusst „Bildungsexpansion“ demografische Entwicklung „defizitäre Lernverläufe“ an Hauptschulen Dominanz von Abstiegs- gegenüber Aufstiegsmobilität (d.h. Ausschluss HS- und RS-SuS von der Möglichkeit, ein Abitur zu erreichen
- Bildungsexpansion verbindliches neuntes (bzw. zehntes) Schuljahr an Hauptschulen erhebliche Verringerung von Haupt- bei Erhöhung der Realschul- und Gymnasial-Übertrittsquoteerhebliche Aufwertung des Bildungszertifikats Abitur„West-Phänomen“ (DDR: durchgängig 12-14% Abiturienten-quote)Expansion „verpufft“ z.T. innerhalb der Hochschulen
- „defizitäre Lernverläufe“ an Hauptschulen An GY und RS gelingt anspruchsvolle Förderung, an HS sind unvorteilhafte Entwicklungen auszumachengilt nicht nur für schulische Leistungen, sondern auch für motivationale Entwicklung
- Zwei-Säulen-Modell Bundesländer Berlin Brandenburg Bremen Hamburg Mecklenburg-Vorpommern Rheinland-Pfalz Schleswig-Holstein Saarland Sachsen: Thüringen
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- Dreigliedrigkeit Bundesländer BW BY HE NRW NI
- „Schule gemeinsamen Lernens“ – Eigenschaften SuS sollen individuell optimal gefördert werdenSuS mehr Unterricht als an HS/RSalle Abschlüsse des allgemeinbildenden Systems sind erreichbarDifferenzierung: („eigenverantwortliche“) Einzelschulei.d.R. Ganztagsschulen gymnasiale Leistungsstandards würden gewährleistet, da Lehrkräfte z.T. Gymnasialausbildung sich Abschlussprüfungen an den „Bildungsstandards“ orientieren gelten auch für Gymnasium gelten nur in manchen Ländern:Abschaffen von Sitzenbleiben (BE) Zeugnisnoten erst ab Jahrgang 8 (SH)Stärkung dualen Lernens inklusive „praxisnaher Lernorte“ (BE)
- „Schule gemeinsamen Lernens“ – erwünschte Wirkungen v.a. positive Effekte für bisherige Hauptschüler/innen (!!)durch Abschaffen von Sitzenbleiben Förderungszwang durch Differenzierung: Konzentration des curricularen Pflichtprogramms für die Leistungsschwächsten durch Verbreiterung des Ganztagsbetriebs und duales Lernen Motivationssteigerung und Interessenklärung erweiterte Verantwortungsübernahme in Quasi-Ernstsituationen im Ganztagsbetrieb und dualen Lernencurriculare Verankerung der Berufsvorbereitungin der Folge: seltenere Ausbildungsabbrüche höhere Zufriedenheit z.B. der Ausbildungsbetriebe
- „Schule gemeinsamen Lernens“ – bisherige Erkenntnisse HS und GS in NRW ähnliche Entwicklungsmilieusin gymnasialer Oberstufe Leistungsunterschiede zwischen GS und GY bestehen (!) identischen Noten stehen an GS und GY deutlich unterschiedliche TestleistungenLeistungsunterschiede zwischen GS + GY lassen sich nicht durch Migrantenanteile erklärenGS gelingt der Abbau sozialer Disparitäten nicht, Disparitäten im Geschlecht mit anderen Schulformen vergleichbar Effekte auf Persönlichkeitsentwicklung eher schwach
- Neuere Befunde aus Berlin Zwei-Säulen-Modell (ohne GS, FS) am Anfang der Jahrgangsstufe 7 ähnliche Unterschiede zwischen GY und NGY ob differenzielle Kennzeichnung durch Noten besser gelingt, ist offen.
- Berufliche Gymnasien adressieren SuS, die Sek I auf nicht-gymnasialen Bildungsgängen absolviert hatten bieten diesen alternativen Zugang zum Abitur z.T. explizit berufsbezogenes Curriculum, z.B. Schleswig-Holstein beispielhafte berufsbildende Schulform, die ebenfalls ein Abitur ermöglicht
- Entkopplung von Abschluss und Schulform Neben Zwei-Säulenmodell und Gesamtschule vier Schulformen vorgestellt, die alle den Hochschulzugang ermöglichen
- Hierarchisierung gleicher Abschlüsse Rangfolge formal gleicher Schulabschlüsse in Abhängigkeit von der vergebenden Schulform zwar derselbe Bildungsabschluss, dennoch z.T. eklatante Unterschiede in den Lernausgangslagen (z.B. Intelligenz) den tatsächlich erworbenen „Qualifikationen" Ähnliche Tendenzen bei unteren Bildungsabschlüssen des allgemeinbildenden Systems
- Einführung des achtjährigen Bildungsgangs (G8) am Gymnasium in Kalenderjahr 1997 KMK-Beschluss: Abitur nach zwölf Schuljahren sei anzuerkennen sofern ab Jg. 5 mindestens 265 Wochenstunden erteilt Abiturprüfung an der Einzelschule Zuerst: 1991: Thüringen 1992: Sachsen Als letztes: 2008: Schleswig-Holstein
- Wiedereinführung des neunjährigen Bildungs-gangs (G9) als „Schulversuche“ Momentan: 2011: Schleswig-Holstein, NRW 2012: BW 2013: HE 2015: NI
- Argumente pro/contra G8 Argumente pro G8 hohes Erwerbseintrittsalter führt zu Benachteiligung globalem Arbeitsmarkt Sicherung sozialer Systeme begünstigt durch frühen Erwerbseintritt Lehrerstelleneinsparung Unzureichende Lernzeitnutzung G9 (z.B. im 11. Jg.) Kürzung erzwingt „Konzentration auf grundlegende Bildungsinhalte“ G8 als Antwort auf den Flynn-Effekt Argumente contra G8 (pro G9) internationaler Vergleich undifferenziert: meist ja fachgebundene Hochschulreife nach Jg. 12 Geld u.a. für Lehrplanüberarbeitung und Ganztagsangebote wieder ausgegeben Vertieftes Verständnis und Wissenschafts-propädeutik kommen zu kurz „Qualitäts- und Wertverlust des Abiturs“ Persönlichkeitsentwicklung + gesteigerte Berufsorientierung benötigen Zeit Außerschul./familiäre Aktivität sinkt, subjektive Belastung/Gesundheitsbeeinträchtigung steigt
- Zuständigkeiten für Bildungsfragen Bund: Begrenzung von Länderkompetenzen durch übergreifende Vorgaben Länder: Innere Schulangelegenheiten Gemeinden: Äußere Schulangelegenheiten
- Bildungsfinanzierung als Spiegel der Kompetenzhierarchie Bund: 14% Länder: 67% Gemeinden: 19%
- „Disparitäten-erzeugende“ Variablen damals und heute damals (‚katholischen Arbeiter-Tochter vom Lande‘) Konfessionszugehörigkeit „Soziale Stellung“ Geschlecht Region heute „Soziale Stellung“ Geschlecht Region Migration (Ethnie)
- Probleme früher Ungleichheitsforschung „Konfundierung“ verschiedener Erklärungsansätze Katholische Konfessionszugehörigkeit vor allem bei Arbeiterfamilien in ländlichen Einzugsgebieten Kontrolliert man für die soziale Lage der Familie + regionale Einzugsgebiet Einfluss der Konfessionszugehörigkeit fragwürdig (wie es bereits Dahrendorf herausstellte). Gefahr des „ökologischen Fehlschlusses“ Nur weil in ländlichen Regionen Mädchen im Mittel seltener höhere Schulabschlüsse erreichen (Aggregatebene) zeigt nicht, ob bzw. wie bei einzelnen Schülerinnen (Individualebene) eine evtl. Benachteiligung zustande kommt. „Brutto-“ versus „Netto-Effekte“disparitäten-erzeugender Merkmale Damalige Arbeiten berücksichtigten nicht Lernausgangslagen (z.B. Intelligenz) sowie nachfolgend erworbene schulische Kompetenzen Kontrolliert man Effekt der sozialen Stellung auf Kompetenzerwerb verbleibt u.U. kein Netto-Zusammenhang mehr zwischen sozialer Stellung und etwa dem Besuch des Gymnasiums.
- Zwei übergreifende Disparitäten sowie (aktuelle) Debatten Disparitäten in der Bildungsbeteiligung, z.B.Gibt es Personengruppen, die nicht an vorschulischer Bildung teilnehmen? Welche Merkmale erhöhen die Wahrscheinlichkeit, nach Abschluss der Grundschule ein Gymnasium zu besuchen?Sind an den Universitäten alle sozialen Schichten gleichermaßen vertreten? Disparitäten im Kompetenzerwerb, z.B.Weisen Mädchen gegenüber Jungen in bestimmten Fächern höhere/ niedrigere Leistungen auf? Falls ja, warum ist das so?Warum weisen bestimmte Bundesländer in Schulleistungsvergleichen höhere Leistungen auf als andere?Warum unterscheiden sich OECD-Staaten in dem Ausmaß, in dem Kompetenzerwerb vom Migrationshintergrund beeinflusst wird?
- Relevanz der Beseitigung von Bildungsungleichheit Wandel insbesondere der weiblichen Bildungsbeteiligung Anstieg Erwerbstätigkeitsquote 2008: Frauen ohne Bildungsabschluss: 42% Frauen mit Hochschulabschluss: 81% dadurch „Eröffnung neuer Autonomie-spielräume“ Zusammenhang zur gesundheitlichen Entwicklung Rolf Becker 1998 relative Mortalitätsrisiko sinkt mit jedem besuchten Schuljahr um 8% bei Männern um 16% bei Frauen Zusammenhang zur politischen Partizipation Je höher der Bildungsabschluss, desto höher das politische Interesse Hauptschulabschluss: 12% Mittlerer Schulabschluss: 22% Hochschulabschluss: 58%
- Geschlechterdisparitäten Bildungsbeteiligung Mädchen häufiger vorzeitig eingeschult/seltener zurückgestelltJungen bleiben häufiger sitzenHauptschule: 4.5% Jungen 3.6% Mädchen Gymnasium: 2.9% Jungen 1.7% Mädchen Jungen häufiger Diagnose „sonderpädagogischer Förderbedarf“ Mädchen überspringen – zumindest am Gymnasium – häufiger
- Geschlechterdisparitäten Kompetenzerwerb Zeitliche Entwicklung ab 1950 unscharf amerikanische Meta-Analysen sprechen für Absinken von Disparitäten im Geschlecht bis 1990 deutsche Meta-Analysen sprechen dagegen mutmaßliche Zunahme von Disparitäten über individuelle Lebensspanne z.B. in Mathematik bei schulnahen Maßen geringere Disparitäten (OECD-Mittelwertsdifferenzen J-M PISA-Mathe 2003 = 11 Punkte, TIMSS-Mathe 2003 = -1 Punkt)Verhältnis „Lesen > Mathe >= Science“ spricht für Relevanz „geschlechtsspezifisch unterschiedlicher außerschulischer Lerngelegenheiten“
- Geschlechterdisparitäten Schulnoten bei gleichen, objektiv per Test ermittelten, Kompetenzen erreichen Mädchen in der Regel bessere SchulnotenMädchen haben ggü. Jungen 1.25 fache Chance der Gymnasial-empfehlungJungen müssen für Gymnasialempfehlung „mehr tun“ z.B. Lesen in IGLU 2006 (Mädchen: 557, Jungen: 585) (!) keine Evidenz dafür, dass (Eltern sowie) Lehrkräfte „Mädchen generell höhere Leistung zutrauen“ d.h. unterschiedliche Bildungsaspirationen sowie Erfolgserwartungen sind keine Erklärung des „Empfehlungs-Effekts“