Sozialpsychologie I (Subject) / 4 Eindrucksbildung und Personenwahrnehmung (Lesson)

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  • 4.1. Wie der erste Eindruck zustande kommt Das Kontinuum-Modell von Fiske und Neuberg, beschreibt, dass die Eindrucksbildung je nach Motivationslage und verfügbaren Kapazitäten kategorien- oder eigenschaftsbasiert erfolgen kann.  In diesem Kapitel werden wir uns zunächst mit frühen Forschungsareiten zur eigenschaftsbasierten Eindrucksbildung befassen und anschließend neuere Modelle darstellen. 
  • 4.1.1. Eigenschaftsbasierte Eindrucksbildung Ein Grundstein für das Verständnis der Eindrucksbildung wurde durch Salomon Asch gelegt.  In einer paradigmatischen Experimentalserie legte er Versuchspersonen Listen von Persönlichkeitsmerkmalen hypothetischer Stimuluspersonen vor.  Die Listen waren bis auf die Variation eines Wortes in den jeweiligen Experimentalgruppen identisch - eine enthielt bspw. das Wort "warm", eine andere stattdessen das Wort "kalt", in anderen Experimenten wurden diese Merkmale durch "höflich" oder "grob" ersetzt.  Nachdem die Versuchspersonen diese Informationen erhalten hatten wurde ihnen eine Liste mit Eigenschaftspaaren vorgelegt (z.B: großzügig/nicht großzügig; zuverlässig/nicht zuverlässig). Von jedem der Paare sollten sie denjenigen Begriff auswählen, der mit ihrem Eindruck von der Person am ehesten übereinstimmt.  die Qualität der Eigenschaften, die der Zielperson zugeschrieben wurden, signifikant dadurch beeinflusst, ob diese Person zuvor als "warm" oder als "kalt" charakterisiert worden war.  Ob sie zuvor als "höflich" oder "grob" gekennzeichnet worden war, spielte hingegen keine Rolle.  Kelley: Aschs laborexperimentelle Ergebnisse wurden durch andere Untersuchungen bestätigt: Feldexperiment von Kelley Gastdozent wurde den Studierenden durch eine kurze schriftliche Notiz entweder als eher "warm" oder eher "kalt" vorgestellt.  Die Studierenden, denen er als "kalt"beschrieben worden war, beruteilten den Dozenten in einer Befragung im Anschluss an seine Vorlesung nicht nur als weniger sympathisch, sondern sie waren während der Vorlesung selbst auch zurückhaltender damit, Fragen zu stellen und mit dem Dozenten zu interagieren.  Asch schloss aus seinen Befunden, dass der Eindruck, den eine Person von einer anderen Person entwickelt, nicht einfach aus der Addition der wahrgenommenen Merkmale der Zielperson resultiert. Er vertrat die Auffassung, dass die einzelnen Merkmale im Kontext ihrer Beziehung zu anderen Merkmalen  → gewichtet und interpretiert und → anscließend zu einem subjektiv sinnvollen Gesamteindruck integriert werden.  Wie die Ergebnisse der oben beschriebenen Studie zeigen, haben bestimmte vom Beobachter wahrgenommene Persönlichkeitsmerkmale einer Zielperson ("warm" vs. "kalt") dabei einen überpropotional großen Einfluss auf den resultierenden Gesamteindruck, während andere Merkmale relativ unbedeutend sind.  Zentrale und periphere Persönlichkeitsmerkmale: Als zentrale Persönlichkeitsmerkmale werden Charakteristika einer Zielperson bezeichnet, die einen überproportional großen Einfluss auf den resultierenden Gesamteindruck eines Beobachters ausüben. Periphere Persönlichkeitsmerkmale haben hingegen nur einen geringen Einfluss auf die Eindrucksbildung.  Norman H. Anderson beschäftigte sich intensiv mit Personenwahrnehmung und Eindrucksbildung. Anderson kritisierte die Einteilung von Aschs in zentrale und periphere Persönlichkeitsmerkmale. Er unterstützte zwar die Sichtweise, dass unterschiedliche Eigenschaften unterschiedlich große Auswirkungsbereiche besitzen und dadurch bei der Bildung eines Gesamteindrucks unterschiedlich gewichtet werden.  Die Schlussfolgerung, dass einige zentrale Merkmale die Wahrnehmung und Bedeutung anderer Eigenschaften beeinflussten, sah er aber durch aschs Esxperimente nicht bestätigt.  Anderson ging im Gegensatz zu Asch von der Unabhängigkeit einzelner Eigenschaftsmerkmale aus.  In seiner Informationsintegrationstheorie (IIT) formulierte er, dass alle Informationen bestimmten mathematischen Regeln folgend zu einem Gesamteindruck integriert werden.  Jede Information hat demnach einen Wert im Sinne von positivem, neutralem oder negativem Einfluss auf den Eindruck und ein bestimmtes Gewicht, also eine Stärke, mit dem sich diese Bewertung auf die Eindrucksbildung auswirkt. Diese mathematischen Gesetzmäßigkeiten werden auch als "kognitive Algebra" bezeichnet.  anderson und seine Forschergruppe belegten in einer Vielzahl von experimentellen Untersuchungen die Annahme der Unabhängigkeit der einzelnen Informationen, insofern als dass sich keine Interaktionseffekte verschiedener Eigenschaften auf den Gesamteindruck nachweisen ließen. Andersn interessierte sich im nächsten Schritt dafür, ob sich die einzelnen Informationen additiv zu einem Gesamteindruck verbinden, oder ob eher ein Mittelwert aus allen verfügbaren Informationen gebildet wird.  Experimentelle Beispiele: In einem Experiment von Lampel und Anderson (1968) erhielten weibliche Probanden Fotos von potentiellen Partnern + zwei Eigenschaften; KG → keine Eigenschaftsinformation über die Person DIe gewählten Eigenschaften stammen aus einer Liste von 555 Adjektiven, die Anderson von 100 Personen beurteilen ließ Die beiden Adjektive wurden nach ihrer Vaken ausgesucht : niedrig/negativ, mittel/ neutral, hoch/positiv) → variiert  und unterschiedlich kombiniert.  Fotos unterscheiden sich hinsichtlich der vorher bewerteten optischen Attraktivität, die in einem Vortest ebenfalls als niedrig/mittel/hoch eingestuft wurde.  DIe Vp gaben an wie gern sie sich mit der jeweiligen Person treffen würden.  LH-Linie (neg+positive Eigenschaft): Angabe von Eigenschaften L+H  wirkt sich im Vergleich zur KG bei eher unattraktiven Fotos → eher positiv aus Angabe von Eigenschaften L+H wirkt sich im Vergleich zur KG bei attraktiven Fotos eher negativ aus Dieser Effekt spricht gegen die Additiion der Einzelinformationen zu einer Gesamtbewertung und unterstützt die Annahme, dass  vorhandene Informationen zu einem Gesamtbild gemittelt werden.  Weight-Average-Modell- Lampel & Anderson: Besagt, dass einzelne Attribute je nach ihrer Gewichtung unterschiedlich stark in die Bildung des Gesamteindrucks eingehen, der sich dann aus den gemittelten Werten der Attribute zusammensetzt. Die Ergebnisse des experimentellen Beispiels deuten darauf hin, dass Frauen eher ungern mit einem unattraktiven Mann ausgehen, weitgehend unabhängig von der Qualität seiner Persönlichkeitseigenschaften.  Wenn der potentielle Partner allerdings attraktiv ist, kommt den Persönlichkeitseigenschaften eine größere Bedeutung zu. In einem Experiment von Samuel Himmelfarb zum Weight Average Modell wurden den Probanden Eigenschaftssets vorgelegt, anhand derer sie beurteilen sollten, wie sehr sie eine Person mit diesen Eigenschaften mögen würden.  Dabei wurden Anzahl und Valenz der Adjektive variiert.  Zugabe neutraler Eigenschaften konnte je nach Kombination, den Gesamteindruck sowhol verbessern, als auch verschlechtern → dies spricht ebenfalls dafür, dass der Gesamteindruck aus den erhaltenen Informationen gemittelt wird.  Dabei aber eine unterschiedliche Gewichtung. → Linien mit gleicher Valenz verlaufen nicht horizontal.  Ein mehr an positiven Eigenschaften → bessere Gesamtbewertung.  Im Weight Average Modell sind additive und mittelnde Zusammenhänge ohne widerspruch vereinbar.  Anderson beschäftigte sich auch mit Reihenfolgeeffekten, dem Einfluss der Anzahl an Informationen und dem Halo-Effekt.  Das IIT hatte später auch Einfluss auf Forschung zu Einstellung und Überzeugung.  in welcher Beziehung stehen die Modellvorstellungen von Asch und Anderson?: folgende Einordnung: Als einer der Vorreiter in diesem Forschungsfeld betrachtete Solomon Asch verschiedenste mögliche Erklärungsmodelle zur Entstehung des ersten Eindrucks.  Er kam zu dem Schluss, dass Eindrucksbildung am besten durch ein Modell erklärt wird,  in dem einzelne Merkmale in Abhängigkeit zu anderen vorhandenen Merkmalen von vornherein unterschiedlich gewichtet, dann interpretiert und anschließend zu einem subjektiv sinnvollen Gesamteindruck integriert werden.  Anderson und seine Forschergruppe hingegen hielten eine systematische Analyse und verknüpfung einzelner Merkmale für ein besseres Modell zur Entstehung von Eindrücken.  Asch sah laienpsychologische Theorien als maßgeblich an Anderson unterstützte den Ansatz einer unabhängigen und objektiven Anlyse der Merkmale, losgelöst von laientheoretischen Vorerwartungen.  Keiner der Ansätze lässt sich als dem anderen überlegen bezeichnen. Sie stellen zwei völlig unterschiedliche HErangehensweisen und Erklärungsversuche für den komplizierten Prozess der Eindrucksbildung dar, die sich kaum falsifizieren lassen.  Beiden Modellen fehlt allerdings die Einbeziehung von Motiven, Bedürfnissen und Zielen des Wahrnehmenden.  Was sind zentrale Dimensionen impliziter Persönlichkeitstheorien und welche Beziehungen bestehen zwischen ihnen? wie die vorangehenden ausführungen dokumentieren, besteht in der Forschung Konsens darüber, dass der Gesamteindruck einer Person durch eine Integration und Gewichtung einzelner Informationen gebildet wird.  Forschungsarbeiten zu impliziten Persönlichkeitstheorien beschäftigen sich damit, wie die Bildung dieses Gesamteindrucks durch implizite Persönlichkeitstheorien des Wahrnehmenden gesteuert wird. Implizite Persönlichkeitstheorien: beinhalten Vorstellungen darüber, welche Persönlichkeitsmerkmale i.d.R. gemeinsam auftreten, zusammenpassen oder zusammengehören Wenn Person A die Eigenschaft X hat, dann hat sie vermutlich auch die Eigenschaft Y sie werden als "implizit" bezeichent, weil sie dem Wahrnehmenden typischerweise nicht bewusst sind. Ferner handelt es sich nicht um formale Theorien im wissenschaftlichen Sinne, sondern um laienpsychologische Theorien.  Implizite Persönlichkeitsmerkmale reflektieren zum einen die innerhalb einer Gruppe oder Kltur vorherrschenden Vorstellung darüber, welche Persönlichkeitsmerkmale gemeinsam auftreten und welche Merkmale einander ausschließen. Diese Vorstellungen werden über Sozialisationsprozesse erworben. Andererseits können implizite Theorien auch hochgradig idiosynkratische Elemente aufweisen, die aus spezifischen biographischen Erfahrungen resultieren.  Rosenberg et. al. nehmen an, dass implizite Theorien Annahmen über Merkmalszusammenhänge auf zwei inhaltlichen Dimensionen beinhalten: Soziabilität: Merkmale wie : warmherzig, kontaktfreudig, hilfsbereit → sind subjektiv indikativ für hohe Sozialbilität; Merkmale wie: kalt, ungesellig, humorlos → sind subjektiv indikativ für niedrige Soziabilität. Intelligenz (bzw. Kompetenz): Merkmale wie "intelligent", "fleißig", "zielstrebig" →  sind subjektiv indikativ für hohe Intelligenz (bzw. Kompetenz); Merkmale wie: dumm, leichtsinnig, naiv → indikative für niedrige Intelligenz (bzw. Kompetenz). Auf der Grundlage ihrer impliziten Theorien über die Zusammenhänge von Merkmalen schließen Personen von einem beobachteten Merkmal auf andere nich beobachtete Merkmale. Wenn eine Person den Eindruck hat, eine andere Person sei warmherzig, wird sie dazu neifen anzunehmen, die person sei auch hilfsbereit udn nicht humorlos.  Wie die Befunde der Autoren zeigen, sind die beiden Bewertungsdimensionen nicht vollständig unabhängig voneinander. Es besteht eine leichte Tendenz dazu, Personen, die man in sozialer Hinsicht positiv einschätzt, auch intellektuelle Fähigkeiten zuzuschreiben.  Warum aber spielen Hinweise auf Soziabilität und Intelligenz bei der Eindrucksbildung eine wichtige Rolle? Wenn Menschen andere Menschen kennen lernen, sind sie zunächst primär an zwei Informationen interessiert:  Wollen sie wissen, welche Absichten der Interaktionspartner gegenüber der eigenen Perspn hegt (sind die absichten pos/neg? Freund/Feind? wollen sie wissen, wie hoch die Kompetenz des Interaktionspartners ist, seine Absichten umzusetzen. Informationen über Soziabilität und Intelligenz werden also deshalb besondere Beachtung geschenkt, weil sie für die Beantwortung dieser Frage hoch diagnostisch sind.  Es ist anzumerken, dass Soziabilität und Intelligenz (Kompetenz) nicht die einzigen inhaltlichen Dimensionen sind, die Personen bei der Eindrucksbildung berücksichtigen.  andere Dimensionen:  moralische Integrität, Kraft, Selbstvertrauen. - verschiedene Autoren argumentieren allerdings, dass diese Dimensionen eher spezifische Aspekte der beiden oben genannten Dimensionenn repräsentieren.
  • 4.1.2 Kategorienbasierte Eindrucksbildung Duales Prozess-modell der Eindrucksbildung- Marilyn Brewer  Eindrucksbildung beginnt nach diesem Modell mit der initialen Identifizierung der Person. Dabei werden bestimmte Merkmale automatisch wahrgenommen. zB: Geschlecht, äußere Erscheinung, Hautfarbe etc. Nur wenn die beobachtete Person eine Relevanz für den Betrachter hat, geht der Prozess in einen kontrollierten zweiten Teil über. Ist der Wahrnehmende selbst involviert, d.h. fühlt er eine persönliche Bedeutung der Person für sich selbst oder gibt es ein Ziel, dessen Erreichen von der Person abhängt, wird die Person personalisiert wahrgenommen.   ist dies der Fall → beginnt der Prozess der kategorisierten Personenwahrnehmung. Die Kategorisierung entspricht nach Brewer einer Zuordnung zu visuell repräsentierten Prototypen, die bei fehlender Passung durch Subtypisierung korrigiert und angeglichen wwerden.  Den Prozess der Anpassung von anfänglicher Typisierung hin zur feineren Kategorisierung druch die Bildung von Untergruppen oder ergänzenden Zusätzen (z.B. der Arzt mit der leisen Stimme,  oder die Lehrerin mit der auffälligen Frisur) nennt Brewer Individualisierung.  Die Kategorie bleibt in diesem Fall die Hauptreferenz, die Wahrnehmung ist nach wie vor kategorienbasiert.  Demgegenüber steht die Personalisierung, die bei hoher Selbstrelevanz des sozialen Stimulus eintritt.  hier wird die Person als Individuum wahrgenommen und sowohl einzelne Persönlichkeitseigenschaften, als auch Gruppenzugehörogkeiten (also Kategorien) werden der Person zugeordnet. Der Unterschied zwischen Individualisierung und Personalisierung lässt sich an einem Beispiel verdeutlichen Satz: " Lisa ist Krankenschwester" a)Wahrnehmung im Sinne der Individualisierung: Kategorie Krankenschwester dient als Referenzpunkt.  Informationen über die Person wie Informationen über die Kategorie "Krankenschwester" werden verarbeitet.  Dadurch wird die Informationsverarbeitung und -suche auf kategoriekonforme Merkmale der Person gelenkt.  Dies kann beispielsweise beinhalten, dass Eigenschaften wie Hilfsbereitschaft oder Fürsorglichkeit, die im Berufsrollenstereotyp organisiert sind, auch in anderen sozialen Kontexten besonderes Gewicht in der Verarbeitung individueller Informationen haben  B: indem bestimmte Präferenzen und Interessen von Lisa als Indikatoren für diese Charakteristika gewertet werden. b)Wahrnehmung im Sinne  der Personalisierung: Nimmt man Lisa jedoch personalisiert wahr, so ist das Krankenschwaster sein ein Attribut von vielen. Dabei müssen weitere Attribute nicht unbedingt in die Kategorie Krankenschwaster passen und Lisa muss auch nicht alle Attribute der Kategorie "Krankenschwester" besitzen Die Verarbeitung und Suche von Informationen erfolgt in diesem Fall kategorielos und in alle Richtungen.  Brewers Modell ähnelt un einigen Punkten dem Kontinuum-Modell von Fise und Neuberg Auch anhand dieses Modells lässt sich der Prozess der Eindrucksbildung theoretisch beschreiben.  Personenwahrnehmung beginnt in beiden Modellen mit der Kategorisierung. Wenn nötig, d.h. wenn eine genauere Wahrnehmung der Person aufgrund von übergeordneten Zielen, selbstrelevanz, Bedürfnis nach Akkuratheit oder anderen sozialen Motiven notwendig erscheint, findet eine weitere, dann kontrollierte Verarbetiung von Informationen statt.  Zusätzliche Informationen werden bevorzugt gemäß der bestehenden Kategorisierung verarbeitet.  Je größer die persönliche Relevanz oder die Wichtigkeit bestimmter Ziele ist, desto höher ist die Motivation zu genaueren Informationsverarbeitung.  In diesem Fall werden auch kategorieinkonsistente Infromationen miteinbezogen, die eine Verfeinerung bzw. Änderung der Kategorisierung bewirken können oder sogar eine idividualisierte Wahrnehmung der Person ermöglichen.  In dieser letzten Stufe der Personenwahrnehmung, werden Informationen Stück für Stück zu einem Gesamtbild integriert und Informationen über die Kategorienzugehörigkeit bilden dann nur einen dieser individuellen Bausteine Diese letzte Stufe der Personenwahrnehmung findet vergleichsweise selten statt, da sie den meisten kognitiven Aufwand erfordert.  Daher haben kategoriebasierte Wahrnehmungen meist den Vorzug. Fiske und Neuberg gehen anders als Brewer von einem Kontinuum der Verarbeitung aus, das von kategorienbasierter Wahrnehmung nur dann zu individualisierung übergeht, wenn Ziele und Selbstbezug es notwendig machen.  Ansonsten stoppt der Prozess in einem früheren Stadium und gewährleistet so ökonomisches Haushalten mit den kognitiven Kapazitäten. Brewers Modell weist hingegen eine distinkte Verzweigung der kontrolierten Verarbeitungswege auf, je nach Stärke der eigenen Involviertheit. Sie ordnet außerdem jeder Verarbeitungsstufe unterschiedliche kognitive Repräsentationen zu.  Typisierungen sind visuell gespeichert, personalisierte Infromationen hingegen verbal.  Beide Modelle verbinden aber kategorienbasierte und attributorientierte Personenwahrnehmung und bieten eine fundierte theoretische Ausgangslage für die Forschung zur Eindrucksbildung und Personenwahrnehmung, wobei das Modell von Fiske und Neuberg bislang die stärkeren emp. Belege aufweisen kann. 
  • 4.1.3 Konnektionistische Modelle der Eindrucksbildung Parallel Constraint Satisfaction Theory - Kunda und Thagard. Ein weiteres Modell zur Eindrucksbildung  bedient sich eines anderen psychologischen Paradigmas: Grundlage hier ist ein konnetionistisches Verständnis der menschlichen Wahrnehmung und Repräsentation sozialer Informationen.  Ihrer Theorie zufolge sind Stereotype, Eigenschaften und Verhaltensweisen als Knotenpunkt in assoziativen Netzwerden miteinander verbunden. Die Wahrnehmung von Merkmalen einer Person aktiviert die entsprechenden Knotenpunkte. diese Aktivierung breitet sich zu den nächsten assoziativ verbundenen Knotenpunkten aus und führt dazu, dass auch deren Inhalte entweder leichter repräsentiert oder aber gehemmt werden. Konnektionismus: ist ein aus der Kognitionsforschung stammender Ansatz, das menschliche Denken durch Netzwerke nachzubilden. Diese Netzwerke bestehen aus zahlreichen simplen, aber eng miteinander verbundenen Einheiten. Durch Aktivierung und Hemmung einzelner schaltpunkte und die Weiterleitung dieser Aktivierung zu verbundenen Einheiten →  entstehen Aktivierungsmuster, die dann z.B. Gedanken entsprechen. eine weitere wichtige Aussage des Modells ist, dass die Aktivierung nicht sequenziell sonder parallel verläuft. Alle Infromationen werden im Netzwerk quasi gleichzeitig aufgerufen und bilden gemeinsam den Eindruck. Dieser beruht der Theorie zufolge auf existierenden Verknüpfungen, die aus Vorerfahrungen entstanden sind.  Je nachdem, welche Kontextinformationen als gleichzeitig aktiviert sind, kann es zu völlig unterschiedlichen Zuschreibungen kommen. In Kunda und Thagards Modell kommen Stereotypen und Kategorien keine andere Rolle zu als Eigenschaften oder Verhalten. Auch hierin unterschiedet sich das Modell von Modellen von Brewer und Fiske und Neuberg. Stimulationsstudien; Einige Phänomene der Eindrucksbildung und Personenwahrnehmung wurden mit auf konnektionistischen Modellen beruhenden Berechnungen simuliert Dazu wurden bestehende Versuchsdesigns aus bekannten Experimenten mittels der theoretischen Überlegungen in die Form von konnektionistischen Netzwerken übertragen. Über Computersimulationen wurden Daten erzeugt und mit den ursprünglichen empirischen Befunden der einzelnen Studien verglichen. → eine deutliche Passung von Simulationsdaten und tatsächlichen Befunden ließ sich finden die Autoren interpretieren dies als Beleg für die Richtigkeit und Nützlichkeit des Modells. Kritiker des konnektionistischen Ansatzes bemängeln: der Darstellung von kognitiven Prozessen als neuronale Netzwerke fehlen die Systematik und Produktivität, die in höheren Denkprozessen auftreten. Konnektionistischen Modellen fehlt beispielsweise häufig eine präzise Erklärung dafür, wie beurteilt wird, ob und wann eine Aktivierung zu einem adäquaten Ergebnis geführt hat bzw. wie und wann eine Aktivierung zu einem adäquaten Ergebnis geführt hat bzw. wie und wann eine Aktivierung bewusst widerholt, verändert oder beendet wird. Mechanismen und Prozesse, die in der Lage sind die Hemmung in den konnektionistischen Netzwerken zu steuern und zu überwachen (sog. Monitoring Prozesse) bleiben unklar. 
  • 4.2 Die Macht des ersten Eindrucks 4.2.1 Besonderheiten der Eindrucksbildung Ein erster Eindruck entsteht schnell und beeinflusst unsere folgenden Wahrnehmungen und Interpretationen. Die Forschung zeigt, dass eine gane Reihe von psychologischen Prozessen dazu beitragen, dass Menschen einmal gewonnen Eindruck nicht so leicht aufgeben Diese erste Eindrücke sind unabhängig von ihrer Richtigkeit oft ziemlich beständig, aber nicht unveränderbar. Wir schauen uns nun an, welche Prozesse bei der Aufrechterhaltung, aber auch Veränderung von Eindrücken von Bedeutung sind.  4.2.1 Besonderheiten der Eindrucksbildung Positivität und Negativität: Im Allgemeinen bilden Menschen eher positive als negative Ersteindrücke von anderen Personen (es sei denn, es liegen explizite negative Infos vor) Wird der Wahrnehmende allerdings in der Phase der Eindrucksbildung mit einer negativen Infromation über die Zielperson konfrontiert, dann zieht diese Information überproportional viel Aufmerksamkeit auf sich und fällt deshalb bei der Eindrucksbildung stark ins Gewicht. Hat sich ein negativer Eindruck erst einmal manifestiert, ist es auch schwieriger, ihn durch die Präsentation positiver Informationen zu verändern. Umgekehrt wird ein positiver Eindruck im Lichte nachfolgender negativer Informationen hingegen wesentlich schneller revidiert. Mit anderen Worten: Menschen sind anderen Menschen beim ersten Kennenlernen prinzipiell offenbar eher positiv gegenüber eingestellt. Allerdings sind sie besonders sensibel gegenüber negativen Infromationen. Zwei Gründe lassen sich als Erklärung für diese Sensibilität heranziehen: Negative Informationen sind eher unerwartet und ungewöhnlich und ziehen deshalb besonders viel Aufmerksamkeit auf sich. →  intensivere Verarbeitung. Negative Informationen signalisieten potentielle Gefahr, es ist daher adaptiv auf sie zu reagieren. Reihenfolgeeffekt: "You never get a second chance to make a first impression" . Aber welche Rolle spielen die Infromationen, die man zuerst über eine Person erhält, wirklich in der Eindrucksbildung? In seiner oben bereits erwähnten Experimentalserie ging Asch (1946) auch dieser Frage nach: Vp wurden sechs Eigenschaften vorgelegt, die eine hypothetische Person beschrieben. EG wurden Eigenschaften in folgender Reihenfolge präsentiert: intelligent, fließig, impulsiv, kritisch, störrisch, neidisch (d.h., positive Eigenschaften wurden zuerst und negative danach präsentiert) Einer zweiten Gruppe wurden dieselben Eigenschaften, aber in umgekehrter Reihenfolge präsentiert. Ergebinis: die Eigenschaften, die zuerst präsentiert wurden übten einen überproportional großen Einfluss auf die Eindrucksbildung aus →  im konkreten Fall bedeutet dies, Vp bwerteten Zielperson positiver, wenn die positiven Eigenschaften zuerst präsentiert wurden, als wenn sie zuletzt präsentiert wurden. Dieser Effekt wird als Primacy Effekt bezeichnet. Primacy Effekt: ein Reihenfolgeneffekt, bei dem die zuerst dargebotenen Informationen einen überproportional großen Einfluss auf die Wahrnehmung und die Eindrucksbildung haben.   Beispiele für den Primacy Effekt finden sich in vielen Bereichen der sozialen Wahrnehmung. Eine Untersuchung zur Lehrer-Schüler Wahrnehmung zeigte beispielsweise, dass Lehrer einen (fiktiven) Schüler, der zunächst eine Reihe von Aufgaben korrekt löste, anschließend aber Fehler bei der Aufgabenbearbeitung machte, im Hinblick auf seine Fähigkeiten besser beurteilten, als einen Schüler, der einen umgekehrten Leistungsverlauf zeigte - und dies, obwohl beide de facto die gleiche Menge an Aufgaben gelöst haben.  Wenn eine Person abgelenkt oder nur gering motiviert ist, personenbezogene Infromationen zu verarbeiten, kann es auch zu einem Recency-Effekt kommen: Der Eindruck wird dann auf der Grundlage der Informationen gebildet, die zeitlich am kürzesten zurück liegen und daher im Gedächtnis am schnellsten zugänglich sind.  Recency Effekt: Ein Reihenfolgeeffekt, bei dem die zuletzt dargebotenen Informationen einen überproportional großen Einfluss auf die Wahrnehmung und die Eindrucksbildung haben. Allg. ist der Primacy Effekt allerdings wesentlich wahrscheinlicher, woraus man schließen kann, dass der erste Eindruck, den man anderen von sich vermittelt, in vielen sozialen Situationen tatsächlich von großer Bedeutung ist.  Halo Effekt - Thorndike: bezeichnet das Phänomen, dass das Wissen über eine bestimmte Eigenschaft einer Person den Gesamteindruck dominiert.  Andere Eigenschaften werden vernachlässigt oder ignoriert.  Gleichzeitig führt das Wissen über bestimmte Eigenschaften dazu, Schlussfolgerungen auf weitere Eigenschaften zu begünstigen. Eine Eigenschaft "überstrahlt" so quasi alle anderen. Eigenschaften, die einen Halo Effekt haben können sind z.B. Intelligenz, physische Attraktivität, aber auch Behinderungen oder Stigmata. Experiment von Landy und Sigall: sie zeigten, dass sich je nach Attraktivität der Autorin eines Aufsatzes Unterschiede in der Bewertung der inhaltlichen Qualität ergaben.  dieser Effekt war besonders bei schlechten Aufsätzen ausgeprägt. der gleiche Aufsatz wurde signifikant besser beurteilt, wenn die vermeintliche Autorin ein attraktives Äußeres besaß. Auch die Ergebniss von Asch lassen sich im Sinne des Halo Effektes interpretieren. Aktive versus passive Informationssuche: Eindrüke von Personen können sich auch abhänging davon unterscheiden, ob Informationen aktiv gesucht werden, oder ob jemand passiv bestimmte Informationen über eine Person erhält. Im Großteil der wissenschaftlichen Untersuchungen zur Eindrucksbildung fungieren Teilnehmer als passiv Wahrnehmende, indem genau festgelegt ist, wann ihnen welche Informationen präsentiert werden. Das wirft die Frage auf, ob Ergebnisse dieser Studein sich auch auf Situationen übertragen lassen, in denen Personen selbst wählen, aus welchen Informationen sich ihr Eindruckzusammensetzen soll. Unersuchung- Waggoner: Es gibt durchaus Unterschiede zwischen der Beurteilung von Personen, ja nachdem ob die vorherigen Informationen aktiv gesucht oder passiv präsentiert wurden. In der Studei erhiet eine Gruppe der Teilnehmer die Anweisung sich in einem virtuellen Profil mit 15 unterschiedlichen Informationen so viele oder wenig anzuschauen, wie sie wollten, bevor sie zu ihrem Eindruck über die Person befragt wurden Die anderen Teilnehmer bildeten die Gruppe der passiv Wahrnehmenden.  Je einem von ihnen wurden genau die gleichen Informationen gezeigt, die sich je ein Teilnehmer aus der aktiven Gruppe zuvor angeschaut hatte, bevor sie zu ihrem Eindruck über die Person befragt wurden. So stellten die Autoren sicher, dass in beiden Bedingungen sowohl aktive als auch passive Beurteiler letztlich die gleichen Informationen erhielten. Unterschiede konnten also nicht daraus resultieren, dass bei aktiver Informationssuche zusätzliche oder andere Informationen genutzt wurden.  Die Ergebnisse zeigen zwar keine unterschiedliche Qualität der Bewertungen, dennoch unterschieden sich die Vergleichsgruppen: passiv Wahrnehmenden fiel die Beurteilung von Persönlichkeitseigenschaften fremder Personen leichter und sie waren sich insgesamt sicherer mit ihrem Urteil Außerdem gaben sie im Vergleich zu den aktiven Informationssuchern eine positivere Sympathieinschätzung über die zu bewertenden Personen ab. Andersherum gesprochen scheint es bei aktiver Informationssuche mehr Unsicherheit bei der Eindrucksbildung zu geben. Ein mögliches Mehr an Informationen geht nicht zwingend mit höherer Sicherheit einher.  Alter und Länge der Bekanntschaft: In einer Studie fragten sich Hess und Pillen, ob ältere Menschen sich schwerer damit tun, erste Eindrücke zu revidieren. diese Vermutung konnte nicht bestätigt werden, es fanden sich zwar Einflüsse des Alters, insofern dass ältere Versuchspersonen negative Informationen stärker gewichteten, insgesamt war Alter aber kein Prädiktor für die Änderung von Eindrücken. Ein weiterer Faktor mit Einfluss auf die Personenwahrnehmung stellt die Länfe der Bekanntschaft dar. Generell werden Personen je läger und näher man sie kennt, auch differenzierter und individueller wahrgenommen. Es gibt mehr soziale Interaktionen und Situationen die Hinweise auf die Eigenschaften der Person liefern können. Dennoch fanden Biesant et al. in ihrer Studie, dass die Länge der Bekanntschaft einen geringeren Einfluss auf die Einschätzung eines Gegenübers hat, als man vielleicht annehmen würde. Die Übereinstimmung der Einschätzung von Persönlichkeitseigenschaften wird mit steigender Dauer der Bekanntschaft nicht signifikant besser. 
  • 4.2.2 Aufrechterhaltung von Eindrücken Tendenz zur Beeharrung (Perseverance bias):  Der erste Eindruck hat häufig sogar dann noch EInfluss auf die Beurteilung einer Zielperson, wenn er sich nachfolgend als falsch herausgestellt hat Lee Ross und seine Kollegen ließen Vp eine Zielperson beobachten, die eine Serie von Entscheidungsaufgaben bearbeitete. In einer Experimentalgruppe wurde den Beobachtern der Eindruck vermittelt, die Zielperson habe einen Großteil der Aufgaben korrekt gelöst ("Erfolgsgruppe"); Versuchspersonen in einer anderen Gruppe wurde der Eindruck vermittelt, die Zielperson habe in weniger als der Hälfte der Fälle die korrekte Entscheidung getroffen ("Misserfolgsgruppe").  Später informierte der Versuchsleiter die Beobachter, dass die Rückmeldung rein zufällig gewesen waren und nichts mit der tatsächlichen Leistung der Zielperson zu tun hatten - der erste Eindruck, den sich die Versuchspersonen von der Zielperson gemacht hatten, war also falsch. Wie die Auswertungen nachfolgender Einschätzungen der Zielperson ergaben, wurden diese Einschätzungen dennoch von dem ersten fehlerhaften Eindruck beeinlusst. Beispielsweise stuften die Vp der "Erfolgsgruppe" die Fähigkeiten der Zielperson, zukünftig ähnliche Aufgaben zu lösen, höher ein, als die Versuchspersonen in der "Misserfolgsgruppe". Wie dieses und andere Experimente zeigen, ist es aufgrund dieser Tendent zur Beharrung oft schwierig, die Effekte eines ersten Eindrucks vollständig zu eliminieren, selbst wenn er - wie im Fall eines Gerüchts oder eines falschen Verdachts - auf offensichtlichen Fehlinformationen beruht.  Konfirmatorische Informationssuche: Menschen neigen dazu, gezielt nach Informationen zu suchen, die ihre Eindrücke oder sozialen Hypothesen über andere Personen bestätigen, während Informationen, die diese wiederlegen könnten, vernachlässigt werden.  In einer Reihe pradigmatischer Experimente legten Mark Snyder und William Swamm  Vp Hypothesen über eine zukünftige Interaktionspartnerin nahe (eine den Versuchspersonen nicht bekannte Person) In einer Experimentalbedingung wurden die Vp instruiert, in einem "Kennenlerninterview" herauszufinden, inwieweit Erleben und Verhalten der zielperson mit dem einer typischen extravertierten Person übereinstimmte. In einer anderen Bedingung sollten sie herausfinden, inwieweit es sich um eine typische introvertierte Person handelte. Zu diesem Zweck →  vorformulierte Interviewfragen aus einem Fragenkatalog auswählen. Wie die Ergebnisse zeigten, suchten die Vp überwiegend Fragen aus, die drauf abzielten, Belege für die Bestätigung ihrer Hypothese zu sammeln. Um die vermeintliche Extraversion der Zielperson zu testen, stellten sie beispielsweise Fragen wir "Was würdest du tun, um eine Party so richtig in Gang zu bringen?". Eine typische Frage, um die vermeintliche Introversion der Zielperson zu prüfen, war hingegen "in welchen Situationen wärest Du gerne gesprächiger?" Diese Fragen drängen es dem Interviewpartner geradezu auf, in einer Art und Weise zu antworten, wie es der Fragende erwartet. Die untersuchung wurde zwar aus einer reihe von methodischen Gründen kritisiert. Allerdings erwies sich die Tendenz zur konfirmatorischen suche auch in nachfolgenden Untersuchungen mit einer verbesserten Methodik als ein außerordentlich robustes Phänomen Dies bedeutet: Hat sich ein erster Eindruck erst einmal manifestiert, dann steuert er die nachfolgende Informationssuche (und - verarbeitung)  oft im Sinne seiner Bestätigung.  Sich selbst erfüllende Prophezeiung: Der Prozess der sich selbst erfüllenden Prophezeiung führt über folgende Schritte zur Bestätigung des Eindrucks: Man hat eine bestimmte Erwartung von einer Zielperson und ihrem Verhalten; die Erwartung führt dazu, dass man diese Zielperson in einer Art und Weise behandelt, die diese wiederum dazu bringt, sich tatsächlich erwartungskonform zu verhalten, wodurch der ursprängliche Eindruck bestätigt wird. B: Eindruck des Lehrers = Tom ist unbegabt → → Lehrerverhalten aufgrund des Eindrucks = Tom wird weniger Zeit gegeben, auf Fragen zu antworten als Anderen. → →  dies Produziert das Verhalten von Tom = Wird durch Zeitdruck nervös und kann keine richtige Antwort geben. → →  bestätigt Eindruck des Lehrers = Tom ist unbegabt.  Experimentelle Beispiele: Pygmalioneffekt - Rosenthal + Jacobsen Untersuchungsteilnehmer waren 360 Schüler und deren Lehrer der Klassen 1-6 einer amerikanischen Grundschule. Die Schüler nahmen an einem Intelligenztest teil, der als Test zur Vorhersage der zukünftigen intellektuellen Entwicklung vorgestellt wurde.  20% der Schüler wurden zufällig und unabhängig von ihrem tatsächlichen Testergebnis ausgewählt. Die jeweiligen Lehrer erhielten eine vertrauliche Rückmeldung, in der beschrieben wurde, dass in nächster Zeit mit einem außergewöhnlichen intellektuellen Wachstum bei den ausgewählten Schülern zu rechnen sei. Schülern + Eltern wurde keine derartige Rückmeldung gegeben.  Acht Monate später führten die Schüler den gleichen Intelligenztest erneut durch. Verglichen wure der Leistungszuwachs von EG und KG also den Kindern, bei denen ein vermeintlicher Leistungszuwachs vorhergesagt wurde und jenen, über die die Lehrer keine gesonderten Informationen erhielten.  Insgesamt zeigte sich ein signifikanter Unterschied in den IQ-Werten beider Gruppen. Die Schüler, bei denen ein Entwicklungssprung vorhergesagt wurde, schnitten im Durchschnitt tatsächlich besser ab als ihre Mitschüler. Besonders deutlich war dieser Unterschied in den ersten beiden Klassen. Hier zeigten in der KG 19% (n=18) der Kinder einen Zuwachs von mehr als 20IQ-Punkten, in der EG waren es 47% (n=9).  Dies könnte daran liegen, dass jüngere Schüler noch kein gefestigtes Selbstbild haben, die eigene Leistungsfähigkeit nicht im gleichen Maße einschätzen können wie ältere Kinder und möglicherweise empfänglicher für die Beeinflussung durch Erwartungen von außen sind. experimentelle Untersuchung, die das Phänomen der selbsterfüllenden Prophezeiung belegt - Snyder männlichen Vpn wird ein Foto einer Frau dargeboten, mit der sie angeblich anschließend ein Telefongespräch führen würden.  Je nach experimenteller Bedingung wurde den Versuchspersonen entweder attraktives Foto/unattraktives Foto gezeigt. → Schritt 1: Erwartung der Zielperson. Jeder Teilnehmer führte anschließend ein Telefonat mit einer Studentin, die nicht über die experimentelle Variation informiert war. Analysen der aufgezeichnete gespräche durch unabhängige Beobachter zeigten Folgendes: Männer, die dachten mit einer attraktiven Frau zu telefonieren →  kontaktfreudiger, interessierter und warmherziger als diejenigen, die dachten, die Gesprächspartnering  sei unattraktiv → Schritt 2: Behandlung der Zielperson entsprechend der eigenen Erwartung Es zeigte sich, dass die Frauen auf dieses unterschiedliche Konversationverhalten entsprechend reagierten → Schritt 3: Erwartungskonformes Verhalten der Zielperson Frauen, deren Partner annahmen, sie sprächen mit einer attraktiven Frau, verhielten sich aufgeschlossener, fröhlicher und selbstsicherer und wirkten damit de facto attraktiver als Frauen, deren Partner annahmen, sie telefonierten mit einer unattraktiven Frau → Schritt 4 Bestätigung des ursprünglichen Eindrucks. Wie leich lässt man sich von den Erwartungen anderer dazu verleiten, ihre Eindrücke zu bestätigen? Wie die Forschung zeigt, hängt dies primär von drei Fakten ab: Die Stärke des Selbstbilds: Wenn eine Person ein festes Bild von sich selbst in einem bestimmten Bereich hat, dann wird sie sich weniger durch gegenteilige Erwartungen einer anderen Person in ihrem Verhalten beeinflussen lassen. Dem Bewusstsein, dass der Interaktionspartner bestimmte Vorstellungen über einen hat: Wenn sich Personen negativer Erwartungen ihrer Interaktionspartner bewusst sind, versuchen sie typischerweise diese durch erwartungsinkonsistentes Verhalten zu entkräften Den Motiven der Person in der sozialen Interaktion: Wenn Menschen bestrebt sind, dass die Interaktion mit der anderen Person unkompliziert verläuft, sind sie eher bereit, sich in ihrem Verhalten den Erwartungen des Interaktionspartners anzupassen. 
  • 4.2.3 Änderungen von Eindrücken Btrachtet man, wie stark sich erste Eindrücke auf die spätere Wahrnehmung auswirken können, ist die Frage berechtigt, ob es überhaupt möglich ist erste Eindrücke vollständig zu verändern/ zu korrigieren Hat man sich erst mal ein Bild von seinem Gegenüber gemacht, so ist man meist dazu geneigt, dieses Bild aufrechtzuerhalten. Aber ein erster Eindruck ist nicht unveränderbar. unter wlchen Umständen kommt es dennoch zu einer Änderung des ersten Eindrucks und was geschieht, wenn inkonsistente Informationen den ersten Eindruck infrage stellen? Verarbeitung inkonsistenter Information:  Inkonsistente Informationen gefährden die anfängliche Sicherheit in der Einschätzung des Gegenübers.  Dadurch kann auch die Basis für eine soziale Interaktion oder Beziehung betroffen sein. Demnach werden inkonsistente Informationen in vielen Fällen ignoriert, oberflächlich verarbeitet oder wegerklärt. Es gibt aber auch emp Belege dafür, dass unerwartete oder inkongruente Verhaltensweisen und Eigenschaften besser erinnert werden als neutrale oder erwartbare. Das Erinnerungsvermögen ist insbesondere dann besser, wenn es weniger inkongruente als kongruente Informationen gibt. Mögliche Gründe für die bessere Verarbeitung könnte sein, dass unerwartete Ereignisse durch Erklärungsversuche mehr kognitive Kapazität erfordern, tiefer verarbeitet und somit auch besser gespeichert werden. Die bessere Erinnerung muss aber nicht unbedingt bedeuten, dass sich ein vorheriger Eindruck ändert.  Von der unterschiedlichen Wahrnehmung positiver und negativer Attribute haben wir bereits gehört. es gibt aber auch Untersuchungen, die zeigen, dass bestimmte Persönlichkeitseigenschaften unabhängig von ihrer Ausprägung unterschiedlich dauerhaft oder reversibel in der Wahrnehmung sind. Kammrath - untersuchten die Einschätzungen von Persönlichkeitsvariablen im sinne der Big Five darauf, ob sich durch zusätzliche Informationen anfängliche Einschätzungen auf diesen Dimensionen korrigieren ließen.  Während Bewertungen von Offenheit und Extraversion weitgehend stabil blieben, auch trotz gegensätzlicher Informationen Einschätzungen von Gewissenhaftigkeit, emotionaler Stabilität und Verträglichkeit  → variabler Als Ursache dafür vermuten die Autoren, dass den Eigenschaften unterschiedliche metakognitive Konzepte zugrunde liegen, die z.B. Informationen über Veränderbarkeit und Stabilität der Eigenschaften beinhalten. Motive zur Integration zusätzlicher Informationen: Sie kennen dies sicher aus eigener Erfahrung. Wird es aufgrund veränderter Umstände beispielsweise für die eigene Person relevant, einen akkuraten Eindruck von einer anderen Person zu gewinnen - nehmen Sie z.B. an, eine Bekannte von der Sie einen eher negativen Eindruck hatten, wird plötzliche Ihre Chefin → wahrscheinlich, dass neue Informationen über die Zielperson gesucht und sorgfältig verarbeitet werden.   → Veränderung des Ersteindrucks "Eigentlich ist sie ganz nett, und Ahnung hat sie auch" Steven Neuberg - untersuchte den Einfluss des Bedürfnisses akkurat zu urteilen auf negative Vorerwartungen über eine Person.  Teilnehmer seines Experimentes erhielten einige Informationen über verschiedene Bewerber auf eine offene Stelle. Die Teilnehmer sollten draufhin mit zwei der Personen Bewerbungsgespräche am telefon durchführen und die Person anschließend bewerten, Ein Teil der Probanden erhielt zusätzlich die Anweisung sich einen möglichst akkuraten Eindruck vom Gegenüber zu bilden.  Des Weiteren unterschieden sich die Bedingungen darin, ob die Vorinformationen über den Bewerber neutral oder eher negativ waren. Ergebnisse: negative Erwartungen  → negativere Bewertungen  + tatsächlich negativerem Interaktionsverhalten, wenn die Teilnehmer keine Instrunktion zur Akkuratheit erhielten.  Diese Ergebnisse lassen sich ganz im Sinne einer selbsterfüllenden Prophezeiung interpretieren.  Bei den Teinehmern mit dem manipulierten Bedürfnis nach Akkuratheit gab es dieses Gefälle nicht. → Tendenz zu einem gegenteiligen Effekt: Die Bewerber mit negativer Vorbewertung wurden positiver behandelt und schnitten auch objektiv besser ab, als die Bewerber ohne negative Vorinformation.  Ähnlich verhält es sich, wenn Menschen dazu angeleitet werden, sich auf Hinweise für eine mögliche Veränderung bei anderen Personen zu konzentrieren, um den ersten Eindruck zu überprüfen.  Nach dieser Instruktion werden Änderungen von Einstellungen, Motivation und Fähigkeiten bei den zu beobachteten Personen leicht identifiziert, vor allen Dingen dann, wenn wenig Informationen über situationale Aspekte gegeben sind, die Veränderungen auf äußere Umstände zurückführen lassen. Es gibt also durchaus Möglichkeiten dem Einfluss erster Eindrücke und damit eventuell verbundener Fehlannahmen entgegenzuwirken . Es scheint aber auchso zu sein, dass trotz  neu entstehender Eindrücke, alte nie vollständig erlöschen. Nehmen wir an die neue Chefin, die wir für eher unfähig gehalten haben, entpuppt sich nach näherem Kennenlernen als durchaus intelligent und kompetent. Entsteht eine Situation, in der sie sich plötzlich doch unfähig verhält, dann ist das sicherlich nicht so überraschend, als wenn wir sie von Anfang an für ausnahmslos kompetent gehalten hätten. Kapitelzusammenfassung Der erste Eindruck den einen Person von einer anderen entwickelt, resultiert nicht einfach aus der Addition der wahrgenommenen Merkmale der Zielperson. Vielmehr werden einzelne Merkmale im Kontext ihrer Beziehung zu anderen Merkmalen gewichtet und interpretiert, und anschließend zu einem subjektiv sinnvollen Gesamteindruck integriert. Neben den ursprünglichen eigenschaftsbasierten Theorien versuchen kategoriebasierte und konnektionistische Modelle den Prozess der Eindrucksbildung theoretisch zu erklären.  Die Integration und Gewichtung von einzelnen Informationen zu einem Gesamteindruck wird durch implizite Persönlichkeitstheorien des Wahrnehmenden gesteuert. Implizite Persönlichkeitstheorien beinhalten Vorstellungen darüber, welche Persönlichkeitsmerkmale typischerweise gemeinsam auftreten, zusammenpassen oder zusammengehören. der Ersteindruck kann durch Primacy Effekte beeinflusst werden. Bei geringer Verarbeitungsmitivation oder Kapazität können auch Recency Effekte auftreten.  Die tendenz zur Beharrung, die konfirmatorische Informationssuche und die Prozesse der sich selbst erfüllenden Prophezeiung tragen zur Aufrechterhaltung des Ersteindrucks bei. Inkonsistente Informationen werden unter bestimmten Umständen zu einer Änderung des ersten Eindrucks führen. Die explizite Motivation akkurat zu urteilen, bzw. auf Veränderungen zu achten, fördert eine gründlichere und systematischere Verarbeitung und Integration zusätzlicher Informationen.