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Psychologische Genderforschung (Subject) / Fragenkatalog (Lesson)

Elisabeth Ponocny-Seliger, Psychologie Bachelor, Uni Wien Fragenkatalog zur Vorlesungsprüfung im Sommersemester 2015

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  • Definiere in eigenen Worten, was unter a) ‚sex‘, b) ‚sex category‘ und c)‚gender‘ zu verstehen ist und illustriere diese drei Begriffe je anhand eines aussagekräftigen Beispiels a) sex: Geburtsklassifikation des körperlichen Geschlechts aufgrund sozial vereinbarter biologischer Kriterien; biologische/körperliche Merkmale wie Chromosomensatz, Gonaden, Hormonhaushalt, äußere und innere Geschlechtsorgane Bsp: Person kommt mit Penis auf die Welt --> männlich b) sex category: soziale Zuordnung/Zuschreibung des Geschlecht im Alltag aufgrund der sozial geforderten Darstellung einer erkennbaren Zugehörigkeit zur einen oder anderen Kategorie, diese muss nicht der Geburtsklassifikation entsprechen Bsp: Person trägt Kleider und hat lange Haare --> weiblich c) gender: intersubjektive Validierung in Interaktionsprozessen durch ein situationsadäquates Verhalten und Handeln im Lichte normativer Vorgaben und unter Berücksichtigung der Tätigkeiten, welche der in Anspruch genommenen Geschlechtskategorie angemessen sind; geschlechtsspezifische Anforderungen, Erwartungen, Normen, Werte und Rollen, die die Gesellschaft stellt: Gender gibt vor wie sich ein Mensch zu verhalten hat, wie man sich als Frau/Mann inszenieren und in seiner Kultur normentsprechend darstellen muss Bsp: Person übt technischen Beruf aus, hält Frauen die Tür offen, interessiert sich für Autos --> männlich
  • Skizziere grob die Theorien Sigmund Freuds rund um die Geschlechtsunterschiede und beziehe kritisch Stellung dazu, insbesondere welche dieser Diskurse noch gesellschaftlich relevant sind. Gib auch einige Beispiele. Entdeckung der Geschlechtsunterschiede in der phallischen Phase Identifizierung mit gleichgeschlechtlichem Elternteil als Folge der Verarbeitung des Ödipuskomplexes Buben: Mutter wird als erstes Liebesobjekt oder Objekt der Begierde wahrgenommen, der Vater wird als Rivale gesehen und es kommt zur Kastrationsangst --> Überwindung durch Identifikation mit dem Vater --> führt zu stabiler heterosexueller Orientierung und Aufbau eines stabilen Über-Ichs Mädchen: Mutter als erstes Liebesobjekt, dann Wechsel zum Vater während Mutter als Rivalin gesehen wird; Erkenntnis des Geschlechtsunterschieds und Penisneid führt zu Minderwertigkeitsgefühlt, woran die Mutter schuld ist --> führt zu stärkeren masochistischen Tendenzen, stärkerer Eifersucht und höherer Schamhaftigkeit (Neid wird nie überwunden) Kritik: sehr fixiert auf den Sexualtrieb meinte, dass psychische Probleme (Komplexe) durch die Unterdrückung von Trieben entstünden hat sich außerdem vorwiegend mit Erwachsenen beschäftigt und diese Theorien einfach auf die Kindheit umgelegt Sexualität wird mit Bindung gleichgesetzt Ödipuskomplex wurde nicht bestätigt und Beziehung zum gleichgeschlechtlichen Elternteil ist nicht markant besser oder schlechter als zum gegengeschlechtlichen Elternteil setzte den Ödipuskomplex um das 3. Lebensjahr an, aktuelle Befunde zeigen aber, dass sich Kinder schon mit 2 Jahren bewusst sind ob sie Buben, oder Mädchen sind. Studien zeigen, dass bei Kindern die Wahrnehmung von „Penis“ und „Nicht-Penis“ kaum eine Rolle bei der Zuordnung von Geschlecht spielt nicht bewiesen, dass Frauen so etwas wie ein schwächeres „Über-Ich“ haben, Studien bestätigen sogar eher das Gegenteil Heutige Aktualität: Wie entsteht die sexuelle Orientierung wirklich? Sind Frauen wirklich nur „Wesen ohne Penis“ und daher Defizitwesen (vgl. Einkörpertheorie)? Ist jegliche Motivation wirklich aufgrund von Trieben/durch Sexualität erklärbar?
  • In welche historischen Veränderungen sind Sigmund Freuds Theorien eingebettet? Ziehe (vorsichtige) Vergleiche zwischen den Anliegen der 1. Frauenbewegung und den analytischen Diskursen rund um Geschlecht. In der Zeit in der Freud seine Theorie schrieb war gerade der Anbruch der erstenFrauenbewegung. - Frauen kämpften um Wahlrecht und Recht auf Bildung und Erwerbstätigkeit. Siehatten damals wenige bis keine Rechte und als Grund für diese Minderbeurteilungwird ein anatomischer Unterschied genannt.- minderwertige untergeordnete Rolle der Frauen- Freud schrieb Frauen (wenn auch nur anatomisch) auch Minderwertigkeit zu(entsprach seiner Zeit)- Frauen sind nicht von Grund auf schlechter, aber ihnen fehlt der Penis, was einenNachteil darstellt. Der Penisneid ist Grund für weibliche „Eigenheiten“ wie stärkeremasochistische Tendenzen, Emotionalität, stärkere Eifersucht und höhereSchamhaftigkeit.- Freud prägte und beherrschte Paradigma und das Bild Frau/Mann --> die gesamte Theorienbildung basiert auf einem biologischen Unterschied, was ja eigentlich auch der Grund für die Minderbeurteilung der Frau zu Zeiten der 1. Frauenbewegung war
  • Vergleiche den analytischen Diskurs rund um den Ödipuskomplex für Buben mit dem für Mädchen - was resultiert laut Sigmund Freud aus dem Ödipuskomplex für beide Geschlechter? Jungs: Mutter als Liebesobjekt, Vater als Rivale --> Kastrationsangst --> Identifizierung mit Vater --> Überwindung/Lösung von Mutter als Liebesobjekt --> stabile Heterosexualität --> stabiles Über-ich Unter dem Ödipuskomplex versteht man die bei Buben hauptsächlich in der ödipalen Phase (-->phallische Phase) entstehenden Liebesgefühle und sexuellen Wünsche gegenüber dem gegengeschlechtlichen Elternteil. Beim Buben erfolgt aus Angst die Verdrängung der verbotenen sexuellen Neigungen, die er seiner Mutter gegenüber hat und in Folge identifiziert er sich mit dem Vater und übernimmt dessen Moral- und Wertvorstellungen, die wiederum sein Gewissen formen. Durch die Verdrängung wird die ödipale Phase beendet und die Latenzperiode eingeleitet. Bewältigung durch Identifikation mit Vater und Ablassen von Mutter führt zu stabiler heterosexuellen Identität (Anna Freud: Stockholmsyndrom). In der Pubertät wird der Ödipuskomplex wiederbelebt und in der Regel durch Partner- oder Freundeswahl überwunden. Mädchen: zuerst Mutter als primäres Liebesobjekt (prä-phallische Phase), dann: phallischer Triebimpuls richtet sich auf Vater und Mutter wird zum Rivale --> Penisneid (Mutter ist Schuldige und Grund für Minderwertigkeitsgefühle, stärkere Eifersucht, höherer Scham) --> Wunsch nach väterlichem Penis --> Kinderwunsch Elektrakomplex: zeichnet sich durch den Wunsch des Mädchens aus, ein Kind vom Vater haben zu wollen. Gleichzeitig entwickelt das Mädchen eine Abneigung seiner Mutter gegenüber. Häufig bleibt dieser Wunsch bis in die Pubertät bestehen und verliert sich erst durch die Ablösung des sexuellen Interesses am Vater bei gleichzeitiger Identifizierung mit der Mutter und Eingehen neuer Partnerschaften. Nach S. Freud ist eine unzureichende Bewältigung des Ödipuskomplexes die wichtigste Ursache für dieEntstehung späterer Persönlichkeitsstörungen und Neurosen.
  • Warum kann die psychoanalytische Theorie rund um die Geschlechtsunterschiede in die Gruppe der biologischen Theorien rund um Geschlecht und Geschlechtsunterschiede eingeordnet werden? Gehen Sie dabei insbesondere darauf ein, welche Konsequenzen – laut dieser Theorie – die Entdeckung des anatomischen Geschlechtsunterschieds für Buben und Mädchen hat. da von einer biologischen Unterschiedlichkeit ausgegangen wird: Penis vs. Kein-Penis Entdeckung des Penis/Kein-Penis ist laut psychoanalytischer Theorie Hauptbestandteil der Persönlichkeitsbildung psychoanalytische Theorie basiert auf Trieben, besonders auf Sexualtrieb (-->Funktion der Genitalien) Entdeckung des Geschlechtsunterschieds führt zu Schock: Buben: Kastrationsangst, da Mädchen offensichtlich kastriert wurden, was ihnen auch passieren könnte; Vater wird zur Bedrohung, da er Kastrations durchführt; Buben lassen von Mutter ab und identifizieren sich mit Vater --> heterosexuelle Orientierung und Entdeckung des Über-Ichs Mädchen: Penisneid, da Körperteil fehlt (-->kastriert); führt zu Minderwertigkeitsgefühlen, masochistischen Tendenzen, Eifersucht und Schamgefühlen
  • Warum kann die psychoanalytische Theorie rund um die Geschlechtsunterschiede in die Gruppe der biologischen Theorien rund um Geschlecht und Geschlechtsunterschiede eingeordnet werden? Gehen Sie dabei insbesondere darauf ein, welche prinzipiellen Vorannahmen Sigmund Freud rund um seine Theorie des Ödipuskomplex einführt. - es wird von einer biologischen Unterschiedlichkeit ausgegangen - sie basiert auf Trieben, besonders dem Sexualtrieb (Funktion der Genitalien!) - psychoanalytische Theorie basiert auf Unterschieden in Anatomie: Penis vs. Kein-Penis (= Ursprung aller Differenzen zwischen Mann und Frau) Vorannahmen: Phasenmodell: oral, anal, phallisch Strukturmodell: Ich, Es, Über-Ich Penis als überlegenes Gegenstück zur Klitoris Mutter als erstes Liebesobjekt sowohl für Buben als auch für Mädchen (Änderung durch Ödipuskomplex) Sexualität und Bindung wird gleichgesetzt
  • Welche wissenschaftlichen Einwände lassen sich gegen die Theorien Sigmund Freuds rund um die Geschlechtsunterschiede vorbringen? Nennen Sie mindestens 4 Einwände. - je höher der Grad der Vertrautheit zu einer Person, desto eher reduziert sich das sexuelle Verlangen (in Freuds Theorie fühlen sich Kinder zu ihren Eltern sexuell hingezogen) - Kinder erkennen Geschlechtsunterschied schon mit 2 Jahren (laut Freud beginnt Ödipuskomplex im 3. Lebensjahr, in dem Kinder genitale Verschiedenheit erkennen) - Geschlechtsunterscheidung erfolgt nicht durch die Wahrnehmung "Penis" oder "Nicht-Penis", Kinder können Geschlechter auch anders zuordnen - Geschlecht ist in der Beziehung Kind-Elternteil sekundär und hat wenig mit dem Ödipuskomplex zu tun: Buben verstehen sich nicht besser mit der Mutter und Mädchen nicht besser mit dem Vater - keine Häufung von Befürchtungen einer "Kastration" - Frauen haben höhere Moral-Empathie-Werte (kein schwaches Über-Ich wie nach Freuds Theorie) - methodologische Probleme (Retrospektion) - Sexualität und Bindung wird gleichgesetzt
  • Frauen haben ein schlechter entwickeltes Über-Ich. Wie wird das aus psychoanalytischer Sicht argumentiert und welche Gegenargumente lassen sich vorbringen? da Mädchen keine Kastrationsangst haben und keinen dramatischen Ödipuskomplex überwinden müssen, entwickeln sie im Vergleich zu Buben kein starkes Über-Ich Gegenargumente: empirische Studien belegen, dass Frauen gar kein schwächeres Über-Ich haben, sondern moralisch-empathischer sind weiteres stellt sich die Frage, ob Mädchen überhaupt Penisneid entwicklen und warum die Mutter Schuld sein soll (--> Freuds Theorie ist unschlüssig)
  • Welche rein methodischen Einwände lassen sich gegen die Theorien Sigmund Freuds rund um die Geschlechtsunterschiede vorbringen? - reine Retrospektion (--> Erinnerungsverzerrung) - Begriffe zu allgemein verwendet (--> Gleichsetzung von Sexualität und Bindung) - soziale Aspekte nicht miteinbezogen - keine Stellungnahme zur Kultur(un)abhängigkeit - einseitige Beschäftigung (nur Buben) - keine empirische Überprüfung seiner Hypothesen - Voreinstellung, dass Männer besser sind - vollständiger Fokus auf Konfliktmodell/Lustprinzip (Defizitmodell und Problem der sozialen Identitätsfindung werden nicht beachtet)
  • Warum ist es auch jetzt noch wichtig mit der analytischen Theorie rund um die Geschlechtsunterschiede vertraut zu sein bzw. was spricht – Ihrer Meinung nach – gegen so eine Auseinandersetzung? Pro: Freuds Theorien beinhalten interessante Ideen, die zum Nachdenken anregen Berücksichtigung von tieferen, unbewussten Sinneszusammenhängen Betonung von längerfristigen, menschlichen Entwicklungsprozessen genaue (teilnehmende) Beobachtung kleinster Details in zwischenmenschlichen Begegnungen Anerkennung individueller, subjektiver Bedingungen und deren soziale Einbindung Contra: Freud'sche Sichtweise veraltet und nicht mehr tragbar in der heutigen Zeit Annahmen durch empirische Studien widerlegt Probleme in der Methodik (Retrospektion, Gleichsetzung von Sexualität und Bindung, keine Stellungnahme zu Kultur(un)abhängigkeit,...)
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  • Um welche Erklärungsansätze erweitern neoanalytische Theorien die analytischen Ansätze – diskutieren Sie insbesondere den Beitrag Erik Eriksons, Carl Gustav Jungs und Karen Horneys. Führen Sie dabei explizit auf, in welchen Teilen ihrer Theorien sich gegenderte Auffassungen widerspiegeln. neoanalytische Theorien: weg von strenger Triebtheorie hin zu Objekttheorie Erikson:  wie Freuds psychoanalytisches Stufenmodell, jedoch mit Einbezug der sozialen/gesellschaftlichen Einflüsse männliche Wesenszüge: aktiv, forschend, sich bekriegend, pragmatisch weibliche Wesenszüge: hilfs- und opferbereit, sanft, friedfertig, sucht nach Zuflucht und sicheren Räumen androzentrisch: Frauen werden vernachlässigt Jung: Anknüpfung an Yin&Yang die 2 Archetypen Anima und Animus bilden Persönlichkeit und müssen optimal ausgewogen sein Anima: Emotionalität, Empfindsamkeit, Irrationalität, Eitelkeit und Launenhaftigkeit Animus: Vernunft, Logik und geringe soziale Sensibilität Extraversions-/Introversionskonzept ist geschlechtlich eingefärbt: extravertiert-empfindend als eher männlich, extravertiert-fühlend als weiblich Horney: Frauen: Neid auf Macht der Männer, statt Penisneid Männer: Neid auf Fähigkeit, Kinder zu gebähren (womb envy) gesellschaftlich-kulturelle Bedingungen als Grund für die Minderstellung und dem niedrigeren Selbstbewusstsein der Frau
  • Wie argumentiert Nancy Chodrow ihre Theorie rund um Geschlechtsunterschiede, welche Teile ihrer Theorie sind analytisch und welche Teile spiegeln gesellschaftliche Diskurse wieder? Objektbeziehungstheorie --> Selbst wird grundlegend durch Beziehungen zu Anderen beeinflusst Geschlechtsidentität wird über Mutter entwickelt Tochter: Übereinstimmung mit Mutter Sohn: Ablösung von primärer Beziehung --> andere kulturell mitbestimmte Interaktionen analytisch:  Kindheit ausschlaggebend für weitere Entwicklung anatomische Unterschiede Mutter als wichtige Bezugsperson Ödipus Töchter identifizieren sich mit Mütter und Söhne mit Vätern (nicht empirisch belegbar) gesellschaftlich:  korrespondiert mit neuen Beziehungsformen (Abwesenheit der Väter) auseinanderbrechende Beziehungen hohe Scheidungsraten
  • Welche Gegendiskurse setzen die beiden Neoanalytikerinnen Karen Horney und Nancy Chodorow und welche Probleme entstehen bei diesem Vorgehen? Horney:  Penisneid vs. womb envy Minderstellung der Frau durch gesellschaftliche Bedingungen Problem: widersprüchlich, keine empirische Bestätigung Chodorow: Buben als "anders" (da sie nicht mit Mutter übereinstimmen) vs. Mädchen als "anders" (da sie kastriert sind) wichtig ist Eltern-Kind-Beziehung, nicht das Geschlecht Problem: keine kulturellen Einflüsse, Vater spielt in der Erziehung keine Rolle, keine empirische Bestätigung --> Mann vs. Frau: wer ist das "bessere" Geschlecht?
  • Was haben analytische und neoanalytische Theorien rund um Geschlechtsunterschiede gemeinsam und was unterscheidet sie? Gemeinsamkeiten: Ödipuskomplex als Basis Unterscheidung des Geschlechts aufgrund anatomischer Merkmale, die Auswirkungen auf unterschiedliche (fixe) Entwicklungsverläufe von Mann und Frau haben keine empirische Überprüfbarkeit Unterschiede: analytisch vs. neoanalytisch Betonung der inneren Triebe/Sexualität vs. Betonung gesellschaftlicher Einflüsse Phasenmodell/Ödipuskomplex vs. Objekttheorie/sozialer Kontext Eltern-Kind-Beziehung: gegengeschlechtlich vs. gleichgeschlechtlich Mann im Mittelpunkt vs. Frau im Mittelpunkt/Einklang
  • Diskutieren Sie analytische bzw. neoanalytische Theorien im Hinblick auf die Begrifflichkeiten "Diskurs" und "essentialistisch". Diskurs:  analytische Theorie: anatomischer Aspekt als Grundlage im Vordergrund neoanalytische Theorie: gesellschaftlicher Kontext im Vordergrund Sexualität als wichtiger motivationaler Trieb Freud'sche Theorien haben noch heute große Nachwirkungen Annahme, dass Physiologie psychologisches Verhalten begründet essentialistisch:  analytische Theorien: Unterschiedlichkeit der Geschlechter durch biologische Voraussetzungen neoanalytische Theorien: auch kulturelle und gesellschaftliche Einflüsse spielen große Rolle Geschlechterdifferenzen und daraus resultierende Benachteiligungen
  • Skizzieren Sie kurz wie aus evolutionspsychologischer Sicht Geschlechtsunterschiede im Verhalten argumentiert werden – gehen sie dabei insbesondere auf a) höhere Risikobereitschaft bei Männern b) Präferenz von Frauen für ältere Männer c) höhere assertive Aggression bei Männern d) höhere Emotionalität bei Frauen e) geringeres Dominanzverhalten bei Frauen f) unterschiedliches Partnerwahlverhalten der Geschlechter g) höhere Promiskuität der Männer h) höhere Fürsorglichkeit der Frauen i) besseres mentales Rotieren der Männer ein. Evolutionspsychologische Sicht: Geschlechterdifferenzen kommen durch Selektions- und Adaptionsprozesse zustande Verhalten dient dem primären Sinn, sich fortzupflanzen um seine Gene weiterzugeben Männer und Frauen verfolgen dabei unterschiedliche Strategien aufgrund ihrer unterschiedlichen biologischen Ausstattung a) höhere Risikobereitschaft bei Männern um sich zu beweisen (Männer werben, Frauen treffen Auswahl) um physische Gesundheit darzustellen Streben nach Anerkennung (Grundmotiv des Menschen) um Gene durchzusetzen (stärkeres Imponierverhalten --> stärkeres Risikoverhalten) b) Präferenz von Frauen für ältere Männer zukünftige Stellung in Beruf und Gesellschaft kann besser eingesehen werden ökonomische Absicherung, Ressourcen und Status entscheidend für Frauen (um sie und Kinder versorgen zu können) c) höhere assertive Aggression bei Männern um sich zu beweisen und gegen Konkurrenz zu gewinnen um die eigenen Gene durchzusetzen um Frau muss gekämpft werden, da weniger zur Verfügung stehen d) höhere Emotionalität bei Frauen Fürsorglichkeit/Emotionalität wichtig für Nachwuchs (Aufgabe der Frau) stärkere Abhängigkeit vom Mann aufgrund der Leistungseinschränkungen während der Schwangerschaft (muss versorgt werden) existentielle Ängste bei Abwendung des Mannes, da Frau mehr investiert hat Aufgabe des starken Beschützers wird von Mann übernommen e) geringeres Dominanzverhalten bei Frauen Aufgabe des starken Beschützers wird vom Mann übernommen, während Frau zu ihm aufschauen soll Frau muss nicht so konkurrieren wie Mann, daher weniger aggressiv, risikobereit und dominant Männer legen keinen Wert auf Status, sondern auf physische Attraktivität f) unterschiedliches Partnerwahlverhalten der Geschlechter asymmetrische parentale Investition: Männer können mehr Kinder zeugen als Frauen gebären können Männer: junge und attraktive Frauen (--> Zeichen von Fruchtbarkeit), um möglichst viele Nachkommen zeugen zu können Frauen: Männer mit hohem Status und Stabilität, um Nachkommen zuverlässig versorgen zu können g) höhere Promiskuität der Männer größere Wahrscheinlichkeit, Gene weitervererben zu können h) höhere Fürsorglichkeit der Frauen fürsorgliche Erziehung der Kinder um Gene erfolgreich erhalten zu können i) besseres mentales Rotieren der Männer da Männer für die Jagd zuständig waren (waren besser geeignet, weil sie nicht durch Schwangerschaft unfähig gemacht wurden), haben sie besseres Raumvorstellungsvermögen und mentales Rotieren entwickelt
  • Was sind zentrale Begriffe/Diskurse, die für das evolutionspsychologische Paradigma charakteristisch sind und wie lassen sich diese auch historisch verorten? - survival of the fittest: der best angepasste überlebt (geprägt durch Zuverlässligkeit, Effizienz und Wirtschaftlichkeit) - Charles Darwin als Begründer der Evolutionstheorie: Grundannahme einer universellen menschlichen Natur - klassische Fitness vs. Gesamtfitness: nicht das individuelle Überleben, sonder die Fortpflanzung der eigenen Gene ist das Ziel (kann zu widersprüchlichem Verhalten gegen die eigene Reproduktion führen, die im Gesamtkontext jedoch Sinn ergibt) - natürliche Auslese - Geschlechterdifferenzen durch Selektions- und Adaptionsprozesse, Männer und Frauen entwickeln verschiedene Fortpflanzungsstrategien, Qualität für Frauen und Qantität für Männer - 2 Erklärungsebenen: ultimate Ursachenanalyse (--> Frage nach der Funktion) und proximate Ursachenanalyse (--> Frage nach dem Mechanismus)
  • Was spricht aus evolutionstheoretischer Sicht für eine sexuelle Fortpflanzung und welche Begrifflichkeiten werden dabei bemüht? Austausch von Genmaterial nötig, um... Aussterben zu verhindern (ökologische Vielfalt ermöglicht Bekämpfung von Krankheiten/Parasiten/Viren/... durch Zufall/Mutation/Diversität/...) Diversität der Nachkommen zu erhöhen potenzielle Nischen zu besetzen und zu vermehren und Widerstandsfähigkeit durch Variationen im Genmaterial zu verbessern.
  • Vergleichen sie das (neo-)analytische mit dem evolutionspsychologischen Paradigma, wo gibt es (wenigstens diskursive) Gemeinsamkeiten, wo sind zentrale Unterschiede? Gemeinsamkeiten: Betonung des Körperlichen (analytisch: Penis/Vagina, evolutionär: Gebären/Samengeben) Wichtigkeit von Sexualität (analytisch: Ausdruck von Bindung, evolutionär: Weitergabe von Genen) Unterschiede: Begründung der Geschlechtsunterschiede (analytisch: internale Libido, evolutionär: Anpassungsreiz von außen) wesentliche Aspekte des Geschlechtsunterschieds (analytisch: Kindheit und Beziehung zu Eltern, evolutionär: nutzenorientierte Fortpflanzung)
  • Was versteht man im Rahmen des evolutionspsychologischen Paradigmas unter qualitativer vs. quantitativer Fortpflanzungsstrategie, warum stellt das eine wichtige Begrifflichkeit dar, woraus werden diese Fortpflanzungsstrategien abgeleitet? qualitative Fortpflanzungsstrategie:  nur qualitativ hochwertige Partner/Spermien die Unterstützung, Verlässlichkeit und Ressourcen versichern können fürsorgliches und wählerisches Verhalten der Frau, da Schwangerschaft/Erziehung sehr energiefordernd sind und sie viel investieren müssen quantitative Fortpflanzungsstrategie: möglichst häufige, heterogene sexuelle Kontakte um erfolgreiche Genweitergabe zu erhöhen optimale Verbreitung von Genmaterial, da sie weniger Energie in Schwangerschaft/Erziehung investieren Ableitung aus der asymmetrischen parentalen Investition beider Geschlechter: Männer investieren weniger Energie in Fortpflanzung, sodass Frauen wählerischer sein müssen; Frauen gewichten eher emotionale Zugehörigkeit, Männer das Körperliche
  • Was versteht man im Rahmen der evolutionspsychologischen Theorie unter ‚parentaler Investition‘ und welche Bedeutung kommt ihr zu im Hinblick auf die Erklärung von Geschlechtsunterschieden? Parentale Investition = Aufwand, den ein Elternteil für die Produktion eines einzelnen Nachkommen auf Kosten potenzieller weiterer Nachkommen erbringen muss Asymmetrie führt zu unterschiedlichen Fortpflanzungsstrategien beider Geschlechter (qualitativ vs. quantitativ)
  • Definieren Sie kurz was man im Rahmen evolutionspsychologischer Theorien unter den folgenden Begriffen versteht: a) Fisher’s Rule b) parentale Investition c) Sexualdimorphismus d) interne Befruchtung e) Parasitenhypothese f) disruptive Evolution g) ultimate Ursachenanalyse h) proximate Ursachenanalyse und welche Bedeutung diese Begrifflichkeiten rund um die Erklärung von Geschlechtsunterschieden haben. a) Fisher's Rule: gleichmäßige Aufteilung von Geschlechtern am günstigsten, da es zu minimaler Konkurrenz/Rivalität innerhalb einer Art kommt und Fortpflanzung optimal gesichert ist b) parentale Investition: Aufwand, den ein Elternteil für die Produktion eines einzelnen Nachkommens auf Kosten potentieller weiterer Nachkommen erbringen muss (--> unterschiedliche Fortpflanzungsstrategien: Frauen qualitativ wählerisch bei Partnerwahl, Männer pflanzen sich quanitativ optimal fort) c) Sexualdimorphismus (auch sekundäres Geschlechtsmerkmal): deutliche Unterschiede im Erscheinungsbild, Verhaltenoder in der Physiologie zwischen männlichen und weiblichen Individuen der gleichen Art, die sich nicht auf die Geschlechtsorgane selbst beziehen (--> bei Partnerwahl von entscheidender Bedeutung) d) interne Befruchtung: Befruchtung erfolgt über die Verschmelzung von Eizelle und Spermium in der Gebärmutter (erzwingt asymmetrische Verteilung der parentalen Investition) e) Parasiten-Hypothese: Hypothese, nach der Lebewesen mit sexueller Fortpflanzung ihren Partner anhand variabler Merkmale wählen, deren unterschiedlich starke Ausprägung eine auf den Nachwuchs vererbbare Resistenz gegen Parasiten widerspiegelt (--> Variationen im Genmaterial - man ist mit seinen Kindern nur noch zu 50% ident - steigern die Fähigkeit, sich an verschiedene Umgebungen anzupassen, bessere Strategien gegen Krankheitserreger herauszubilden usw.) f) disruptive Evolution: die am häufigsten vorkommende Art wird aufgrund äußerer Ursachen (Parasiten...) minimiert und Randarten werden stärker vertreten (Verschiebung der Häufigkeit zum Rand der Kurven) g) ultimate Ursachenanalyse: Zweckursache, Frage nach dem Warum/Sinn h) proximate Ursachenanalyse: Wirkursachen, Frage nach dem Wie/Mechanismen
  • Definieren Sie kurz, was man im Rahmen evolutionspsychologischer Theorien unter den folgenden Begriffen versteht: a) Fisher’s Rule b) parentale Investition c) Sexualdimorphismus d) interne Befruchtung e) Parasitenhypothese f) disruptive Evolution und welche Bedeutung diese Begrifflichkeiten rund um die Erklärung von Geschlechtsunterschieden haben. a) Fisher's Rule: gleichmäßige Aufteilung von Geschlechtern am günstigsten, da es zu minimaler Konkurrenz/Rivalität innerhalb einer Art kommt und Fortpflanzung optimal gesichert ist b) parentale Investition: Aufwand, den ein Elternteil für die Produktion eines einzelnen Nachkommens auf Kosten potentieller weiterer Nachkommen erbringen muss (--> unterschiedliche Fortpflanzungsstrategien: Frauen qualitativ wählerisch bei Partnerwahl, Männer pflanzen sich quanitativ optimal fort) c) Sexualdimorphismus (auch sekundäres Geschlechtsmerkmal): deutliche Unterschiede im Erscheinungsbild, Verhaltenoder in der Physiologie zwischen männlichen und weiblichen Individuen der gleichen Art, die sich nicht auf die Geschlechtsorgane selbst beziehen (--> bei Partnerwahl von entscheidender Bedeutung) d) interne Befruchtung: Befruchtung erfolgt über die Verschmelzung von Eizelle und Spermium in der Gebärmutter (erzwingt asymmetrische Verteilung der parentalen Investition) e) Parasiten-Hypothese: Hypothese, nach der Lebewesen mit sexueller Fortpflanzung ihren Partner anhand variabler Merkmale wählen, deren unterschiedlich starke Ausprägung eine auf den Nachwuchs vererbbare Resistenz gegen Parasiten widerspiegelt (--> Variationen im Genmaterial - man ist mit seinen Kindern nur noch zu 50% ident - steigern die Fähigkeit, sich an verschiedene Umgebungen anzupassen, bessere Strategien gegen Krankheitserreger herauszubilden usw.) f) disruptive Evolution: die am häufigsten vorkommende Art wird aufgrund äußerer Ursachen (Parasiten...) minimiert und Randarten werden stärker vertreten (--> Verschiebung der Häufigkeit zum Rand der Kurven)
  • Welche Erklärungen gibt die Evolutionspsychologie für empirisch beobachtete unterschiedliche Partnerselektion im Hinblick auf a. Langfristige Partner-Präferenzen der Frau b. Langfristige Partnerinnen-Präferenzen des Mannes c. Kurzfristige Sexuelle Strategien des Mannes d. Kurzfristig Sexuelle Strategien der Frau a. Langfristige Partner-Präferenzen der Frau: aufgrund hoher Investitionen in den Nachwuchs erfordert Frau einen Mann mit Ressourcen (Versorgung und Beschützen), Fürsorglichkeit und Verlässlichkeit, und Kompatibilität und Gesundheit b. Langfristige Partnerinnen-Präferenzen des Mannes: Frauen mit jungem Alter, 0.7-WHR und Attraktivität, da diese Zeichen höherer Fruchtbarkeit und gesunder Reproduktion sind c. Kurzfristige sexuelle Strategien des Mannes: Steigerung der Anzahl der Nachkommen d. Kurzfristige sexuelle Strategien der Frau: kostenintensiv aber Gewinn an wirtschaftlichen Ressourcen
  • Diskutieren Sie kritisch was für und was gegen evolutionspsychologische Erklärungen spricht. Pro: gute empirische Überprüfbarkeit orientieren sich am Konzept des Elternaufwands (--> unterschiedliche Partnerwahl nach Quantität und Qualität) Contra:  sind Partnerpräferenzen angeboren und universell? Konzept der Homogamie: Partnerwahl kann auch durch kulturelle, ökonomische und soziale Ähnlichkeit erklärt werden Einfluss situativer Faktoren (unter Stress werden eher unterschiedliche Partner gewählt) widersprüchliche Ergebnisse
  • Wie erklären sich evolutionspsychologische Theorien höhere assertive Aggression? Beziehen Sie kritisch Stellung. - Konkurrenzdruck unter Männer, da Auswahl bei Frau liegt - Männer leiden unter Frauenknappheit, da (auch wenn nach Fisher's Rule gleich viel Frauen existieren) nicht alle zur Paarung zur Verfügung stehen - Anzeichen für Status, Gesundheit und Fähigkeit zu guter Versorgung und Schutz vor Gefahr - Kritik:  physische Stärke heute nicht mehr wichtig (--> mentale Stärke führt eher zu höherem Ansehen, Status und Ressourcen) Widersprüche: Frauen paaren sich auch mit rangniedrigeren Männern (--> mit Potenzial zu höchster Rangstelle) problematischer Vergleich zwischen Tier und Mensch (--> menschliche kulturell bedingte Begriffe werden auf Tierreich übertragen)
  • Wie erklären evolutionsosychologische Theorien ein niedriges Konkurrenzverhalten bei Mädchen/Frauen im Vergleich zu Männern? Beziehen Sie kritisch Stellung. - Frauen werden nicht von Männern gewählt, sondern sie wählen Männer aufgrund der asymmetrischen parentalen Investition - Konkurrenzkampf nicht nötig, da Männer keinen Wert auf Status ect. legen, sondern auf Fruchtbarkeit (weibliche Rangordnung wird anders hergestellt als männliche) - Aggression wird nicht als Schaukampf ausgetragen, da sie sich nicht vor den Rivalinnen beweisen müssen (--> eher reaktive Aggression) - Kritik:  heutiges Verhalten ist Ergebnis eines jahrtausendlangen Anpassungs- und Selektionsprozesses auf bereits längst vergangene Umweltbedingungen weibliches Konkurrenzverhalten möglicherweise nicht niedriger, sonder verdeckter und weniger offensichtlich (--> lästern,...)
  • Wie erklären sich evolutionspsychologische Theorien, dass sich sozialstatistisch Frauen im statistischen Schnitt ältere Partner (~ 4 Jahre) suchen? Beziehen Sie kritisch Stellung. bei älteren Männern kann die zukünftige Stellung in Beruf und Gesellschaft besser eingeschätzt werden (--> inwieweit können sie den Bedürfnissen der Frau und Kinder nachkommen und somit ihr Überleben sichern) Kritik: heutzutage kann Frau auch alleinerziehend zurechtkommen (--> Kindergeld,...) Frauen paaren sich auch mit rangniedrigeren Männern (Aspekt der Liebe/Bindung wird nicht beachtet) heutzutage vertauschte Rollen, da auch viele Mütter hohe Stellungen haben Verallgemeinerung aus dem Tierreich
  • Wie erklären sich evolutionspsychologische Theorien, dass Frauen ihre Partner häufig nach Vermögensgesichtspunkten wählen? Beziehen Sie kritisch Stellung. - Frauen wählen finanziell abgesicherte Männer, da sie das Überleben der Frau und Nachkommen sichern können - hohes Einkommen ist Zeichen für hohes Ansehen und gute Fähigkeiten/Eigenschaft, die an Nachkommen weitergegeben werden sollen - Kritik: heutzutage sind Frauen nicht mehr so abhängig von einem Partner, da sie sich selbst versorgen können Aspekt der Liebe/Bindung wird außer Acht gelassen (Frauen wählen auch rangniedrigere, weniger verlässliche Männer als Partner) Verallgemeinerung aus dem Tierreich
  • Nennen und skizzieren Sie mindestens 2 Studien, die zur Bekräftigung evolutionspsychologischer Theorien herangezogen werden können. 1) David M. Buss Fragebogen an 10000 Personen aus 37 Kulturen aller gesellschaftlicher Schichten im Alter von 14-70 Jahren Männer legen bei Frauen Wert auf junges Alter und attraktives Aussehen (unabhängig von Kultur) quantitative Fortpflanzungsstrategie bei Männern aufgrund asymmetrischer parentaler Investition und verdeckter Ovulation der Frau junges Alter der Frau und WHR von 0,7 als Zeichen erhöhter Wahrscheinlichkeit der Fruchtbarkeit und gesunder Kinder Frauen legen Wert auf materielle Sicherheit und Versorgung untreue Frauen bezeichnen ihre Partnerschaft seltener glücklich als untreue Männer (kann durch erhöhte männliche Promiskuität aufgrund der quantitativen Fortpflanzungsstrategie erklärt werden) 2) Rudolph: männliche Tätigkeiten werden kulturübergreifend mit anstrengenden, körperlich belastenden Aktivitäten, Gruppenarbeiten und Tätigkeiten mit großem Bewegungsradius in Verbindung gebracht weibliche Tätigkeiten werden mit weniger anstrengenden, individuell ausführbaren Aktivitäten, bei denen man sich nicht wegbewegen muss, assoziiert (--> Kinder aufziehen)
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  • Der schottische Philosoph David Hume schrieb: „Das Sein ist kein Sollen“ . Warum kann man diesen Spruch manchen EvolutionspsychologInnen ins Stammbuch schreiben? - Veränderung der Welt hat auch Veränderung im Verhalten und im Fortpflanzungsverhalten mit sich gebracht, sowie in den grundsätzlichen Wünschen der Menschen - es sollte nicht von längst vergangenen Zeiten auf heute geschlossen werden, was damals Sinn ergab muss heute nicht mehr dieselbe Bedeutung haben - nur weil es evolutionär so angelegt ist, dass Frauen Kinder bekommen, sich um sie kümmern und dazu einen Mann benötigen, der sie versorgt, heißt es nicht, dass es so sein muss --> Frau kann sich selbst versorgen, entscheidend keine Kinder bekommen oder sonst eine Lebensform wählen, die nicht konform mit dem evolutionären Mechanismus ist - 
  • David Buss (2004) schreibt auf S. 156: „Kurz gesagt haben sich in der Evolution diejenigen Frauen durchgesetzt, die Männer bevorzugen, deren Eigenschaften ihnen Vorteile bringen, und Männer ablehnen, die ihnen Kosten verursachen. Jede einzelne Eigenschaft stellt ein Kriterium bei der Bestimmung des Wertes des Mannes als Partner der Frau dar. Jede Vorliebe zielt auf eines dieser Kriterien ab.“ Diskutieren Sie den Diskursgehalt dieser Textstelle, welche Begrifflichkeiten sind zentral, welche präskriptiven Aussagen werden getätigt? - asymmetrische parentale Investition: Frau investiert viel Energie und braucht deshalb einen verlässlichen Versorger/Unterstützer - Kosten-/Nutzenabwägung und Effizienz bei Partnerwahl - Partnerwahl wird komplett wissenschaftlich und evolutionär erklärt ohne Raum für Gefühle/Liebe zu lassen - Männer werden operationalisiert betrachtet und bekommen einen Wert zugeschrieben, während Frauen als chauvinistisch dargestellt werden - Partnerwahl/Liebe kann nicht ausschließlich evolutionspsychologisch/-biologisch erklärt werden --> Homosexualität? Wahl kontraproduktiver Partner?
  • Skizzieren Sie kurz in eigenen Worten welche Haltung die humanistische Psychologie und insbesondere die positive Psychologie im Hinblick auf Geschlechtsunterschiede und Geschlechtsstereotype einnimmt. (Was steht an der Spitze der Bedürfnispyramide und inwieweit wirken sich Fragen um Geschlecht und Geschlechtsunterschiede auf unser subjektives Wohlbefinden aus?) - jeder Mensch strebt Selbstverwirklichung (oberstes Ziel von Maslows Bedürfnispyramide)  und persönliches Glück an - dabei müssen bestimmte Weiblichkeits- uns Männlichkeitsvorstellungen und -stereotype überwunden werden, da ein zu starkes Ausleben von maskulinen oder femininen Wesenszügen der Selbstverwirklichung hinderlich ist - positive Psychologie: in Sachen Lebensorientierung und -zufriedenheit gibt es kaum ausgeprägte Unterschiede zwischen den Geschlechtern (Zufriedenheit über Dutzende von Ländern hinweg am stärksten mit den immer gleichen fünf Charakterstärken verbunden: Optimismus, Neugierde, Enthusiasmus, Bindungsfähigkeit und Humor) - humanistische Psychologie: es wird von Gleichstellung der Geschlechter ausgegangen, da Geschlechtsunterschiede eher von Kultur, Normen, Erziehung,... beeinflusst werden (und dadurch zu Minderbewertung der Frau und Höherbewertung des Mannes führen) - individuelle Unterschiede zwischen Menschen (in Empathie, Dominanz, Introversion, Beeinflussbarkeit,...) sind laut Maslow unabhängig von Geschlecht - Geschlecht spielt kaum eine Rolle bei Fragen zum subjektiven Wohlbefinden (---> "Wie geht es mir? Wie kann ich mein Befinden verbessern?")
  • Was ist die prinzipielle Modellvorstellung im Rahmen des kulturpsychologischen Paradigmas – skizzieren Sie in eigenen Worten (machen Sie auch eine Skizze!) genetisches Geschlecht ↓ körperliches Geschlecht ↓ Arbeitsteilung                        ←   ökologischer Kontext ↑ ↓ Geschlechtsstereotyp ↓ psychologisches Geschlecht - der kulturpsychologische Ansatz geht davon aus, dass biologisch determinierte Faktoren die Arbeitsteilung hervorbringen (Frauen gebären, Männer sind körperlich stärker) - ökologische Bedingungen wirken auf die Geschlechtsunterschiede/Arbeitsteilung ein: interkulturell variierende ökologische Bedingungen führen zu interkulturellen Unterschieden (Benachteiligung der Frauen weniger ausgeprägt in Sammlerkulturen als in Jägerkulturen, da die Frau zu Ernährung der Familie beiträgt und höher bewertet wird) - aus Arbeitsteilung entwickeln sich stereotype Vorstellungen von Geschlechterrollen, die in der Kultur weiter geformt, generalisiert und an nächste Generation weitergegeben werden (Kinder werden hineinsozialisiert, wodurch Arbeitsteilung weiter aufrechterhalten wird, auch wenn es in der heutigen Zeit unbegründet ist) - führt zum psychologischen Geschlecht (Gender der entsprechenden Kultur)
  • Worin unterscheidet sich das kulturpsychologische Paradigma von den biologischen Paradigmen und den lernpsychologischen Paradigmen? kulturpsychologisches Paradigma: es geht hauptsächlich um Gesellschaft die Rollen schafft und den Menschen formt biologisches Paradigma: relevant sind vorwiegend biologische Merkmale/Voraussetzungen lernpsychologisches Paradigma: es geht um Rollenübernahme (Rolle, die dem Kind vorgelebt wurde) --> alle Paradigmen greifen ineinander
  • Inwieweit sind die kulturpsychologischen Theorien rund um die Entstehung von Geschlechtsunterschieden durch Studien gestützt – nennen Sie mindestens zwei Studienergebnisse. Schlegel und Barry: Untersuchung des Zusammenhangs zwischen dem Beitrag von Frauen zur Ernährung des Haushalts und geschlechtsrelevanten Merkmalen in 186 nichtindustriellen Kulturen in Sammlerkulturen sind Geschlechtsunterschiede geringer als in Jägerkulturen, da Frauen ebenfalls zur Ernährung der Familie beitragen und keine Notwendigkeit darin besteht, Geschlechtsunterschiede dermaßen zu betonen je mehr Frau zu Ernährung des Haushalts beiträgt, desto höher wird sie bewertet in reinen Jägerkulturen, in denen das Familienüberleben vollständig vom Mann abhängt, sind Frauen stärker benachteiligt Berry und Low: kulturübergreifende Untersuchung zum Erziehungsverhalten Mädchen werden dazu angehalten, früh Verantwortung zu übernehmen, fürsorglich zu sein, auf die Geschwister aufzupassen und im familiären Raum Unterstützung zu leisten Buben dagegen sollen sich behaupten, nach außen gehen und mutig sein je stärker der geschlechtspezifische Erziehungsstil, desto stärker die Ausbildung von Geschlechterrollen (und somit Arbeitsteilung)
  • Welche methodischen Probleme sind rund um die Interpretation kulturpsychologischer Befunde mitzuberücksichtigen – beziehen Sie selber kritisch Stellung dazu. Eurozentrismus-Bias: verzerrte Sichtweise, da wir die eigenen Normen/Werte/Verhaltensmuster und der ethnischen Gruppe, der wir angehören, als richtiger/besser/normaler/wichtiger wahrnehmen als die anderer Kulturen --> keine objektive Beurteilung/Interpretation möglich (Minderwertigkeit oder Höherwertigkeit kann je nach Kultur anders wahrgenommen werden) Kasuistisches Vorgehen: Analyse von Einzelfällen nicht immer sinnvoll (spezielle abweichende Kulturen in abgeschlossenen Landstrichen sind nicht verallgemeinerbar) Konstruktivismus: Realität wird selbst konstruiert, indem man das, was der Hypothese entspricht, hervorhebt und alles Widersprüchliche weglässt Art der Datenerhebung: hoher Subjektivismus aufgrund von vorwiegend qualitativen Methoden (statistische Erhebung begrenzt durch Eurozentrismus und Kasuistik)
  • Skizzieren Sie das Integrative Paradigma, welche Teile davon sind biologisch, welche kulturpsychologisch und welche lerntheoretisch (bitte mit Skizze)? - das biologische Paradigma bestimmt das genetische/hormonelle Geschlecht (evolutionär entstanden durch natürliche Selektion) - darauf baut kulturpsychologisches Paradigma auf: Kind wird in Kultur sozialisiert und von bestimmten Rollenvorstellungen geprägt, wodurch es zu (abhängig vom ökologischen Kontext) gewisser Arbeitsteilung und Geschlechterstereotypen kommt - darauf folgt lernpsychologisches Paradigma, bei dem die geschlechtstypische Umwelt verstärkt wird durch rollenkonformes Verhalten und Imitation/Annahme von geschlechtlichem Verhalten, während unerwünschtes (zB gegengeschlechlichtes) Verhalten bestraft wird
  • Diskutieren Sie folgenden empirischen psychologischen Geschlechtsunterschied entlang des integrativen Paradigmas [zur Prüfung kommt dann ein empirischer Geschlechtsunterschied]: a) Aggression b) Konkurrenzverhalten c) Hilfreiches Verhalten d) Emotionen e) Sexualität f) Mathematische Intelligenz g) mentale Rotation h) Selbstvertrauen i) non-verbales Verhalten a) Aggression:  evolutionspsychologisch: häufiger bei Männern zu finden, da sie anderen Männern gegenüber Stärke beweisen und einen hohen Rang erlangen müssen um Frau zu beweisen, dass sie Schutz und Versorgung bieten können biologischhöhere Testosteronspiegel bei Männern (hat sich evolutionär durchgesetzt, da es zum Überleben beigetragen hat und deswegen im Genpool erhalten blieb) lern-/kulturpsychologisch: aggressives Verhalten wird aufgrund der festverankerten Geschlechtsstereotype, die über die Sozialisation weitergegeben wurden, verstärkt --> Imitation/Modelllernen b) Konkurrenzverhalten: evolutionspsychologisch: Wettkampf von Organismen um begrenzt verfügbare Ressourcen lerntheoretisch: vorgelebtes Konkurrenzverhalten bei Männern (um Frauen, Job,...), positive Verstärkung bei Erfolg in Gesellschaft akzeptiert als Mittel zum Erfolg (stärker bei Männern) c) Hilfreiches Verhalten:  evolutionspsychologisch: Individuen begünstigen sich gegenseitig durch altruistisches Verhalten lerntheoretisch: Belohnung von hilfreichem Verhalten führt zu häufigerer Anwendung, Modelllernen kulturpsychologisch: da Frauen als hilfreicher gelten, werden Mädchen sozialisiert hilfreich zu sein (Männer sind für körperliche Hilfe zuständig) d) Emotionen: evolutionspsychologisch: Emotionen haben Selektionsvorteil kulturpsychologisch: Männer gelten als emotionsarmer (Sozialisation, dass sie ihre Gefühle unterdrücken und keine Schwäche zeigen), Frauen dürfen emotionaler sein --> Emotionsregulation bei Kindererziehung nötig e) Sexualität:  biologisch: hormonell gesteuertes System führt zu Herausbildung sexueller Verhaltensweisen kulturpsychologisch: je höher die Frau in Kultur wert ist (aus eurozentrischer Sicht!), desto ‚freier‘ ist sie in ihrer Sexualität (vorehelicher Sex, Ehebruchstrafe..), hohe Promiskuität der Männer wird akzeptiert, aber nicht immer toleriert, Monogamie in westlichen Kulturen f) Mathematische Intelligenz: kulturpsychologisch: Buben erbringen in Mathe bessere Leistungen aufgrund von stärkerem Selbstbewusstsein und der Überzeugung, dass es später für Beruf wichtig ist, während Mädchen eine selbstabwertende Einstellung zeigen; Unterschiede differieren zwischen Ländern je nach Stellung der Frau und ihr Lebensstandard (Mädchen zeigen bessere mathematische Fähigkeiten in Ländern, in denen Frauen wichtige Positionen in Wissenschaft besetzen) g) mentale Rotation:  biologisch: Testosteron hilft mein mentalen Rotieren, Östrogen blockiert das geistige Drehen evolutionspsychologisch: hilfreich beim Jagen von Tieren  kulturpsychologisch: dass Männer für Bauen und Konstruieren zuständig sind führt zum Schluss, dass sie bessere Fähigkeiten darin haben müssen h) Selbstvertrauen kulturpsychologisch: keine Unterschiede zwischen Männern und Frauen sollten festzustellen sein, da es keine kulturelle Notwendigkeit dafür gibt, allerdings dürfen Männer selbstüberzeugter auftreten als Frauen,  da dies wird negativ beurteilt (egoistisch, dominant)  i) non-verbales Verhalten kulturpsychologisch: Frauen gelten als einfühlsamer in vielen Dingen, und können somit nonverbales Verhalten besser verstehen und zeigen es auch bewusster als Männer