psychologische diagnostik (Subject) / 8. VL (Methoden der Datenerhebung) / 3 Datenarten Cattel / Projektive Tests (Lesson)
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Datenarten nach Cattel, projektive Tests
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- Nenne die 3 Datenarten nach Cattel und wie man sie messen kann! 1.) L-Daten (life-record)Definition:Ohne Zutun und ohne Beeinflussung der betroffenen Person registrierbare Daten aus dem täglichen Leben --> Erhebungsmethoden: Verhaltensbeobachtung, Dokumentenanalyse, Erhebung objektivierbarer Lebenslauf-und Umweltdaten (z.B. Geschwisteranzahl, Alter etc.), Fremdbeurteilungen 2.) Q-Daten (questionnaire) Definition: Auskünfte der betroffenen Person über sich selbst in Befragungssituationen Erhebungsmethoden: Interview oder Exploration über die subjektive Sicht der eigenen Person oder Umwelt, Fragebogen zur Erfassung von Persönlichkeit, Einstellungen und Interessen 3.) T-Daten (test) Definition:Ergebnisse von "objektiven" Tests (keine mit der Messintention übereinstimmende Augenscheinvalidität) und Experimenten, keine Selbstauskünfte --> Erhebungsmethoden: physiologische Messungen, Experimentaldaten (z.B. Reaktionszeiten), Fähigkeitstests, "objektive" Tests Erhebung von allen 3 Datenarten mittels eines Erhebungsinstrument möglich; z.B. Persönlichkeitsfragebogen am Computer erhoben: -Q-Daten (Itemantworten),-T-Daten (Reaktionszeiten),-L-Daten (Verhaltensbeobachtung)
- Was für Probleme bei der Verwendung von Selbstauskünften gibt es? 1.) Meßintention für den Probanden leicht durchschaubar -> Dadurch manipulierbar: Erschlossene Zielsetzung der Erhebung mit eigenen Interessen abgleichen und Antwortverhalten entsprechend steuern) 2.) Selbstauskünfte als „explizite“ Messinstrumente: nur der Introspektion zugängliche (elaborierte) Daten können erfasst werden --> Cliffhanger für TAT, etc...
- Welchem Problem sollen die objektiven Persönlichkeitstests vorbeugen? 1.) Undurchschaubarkeit des Messprinzips bzw. der Messintention (soll Sozialer Erwünschtheit und Verfälschung vorbeugen)2.) Erreicht über Verfahren selbst oder durch spezifische Auswertung der Daten
- Aufbau des Rorschach-Tests • Hermann Rorschach entwickelte 1921 dieses Verfahren• 10 tintenklecksartige Tafeln (5 schwarz, 5 farbig)• Proband soll angeben, was der Klecks darstellen könnte• Die Antworten des Probanden können nach mehr als 100 Aspekten ausgewertet werden.
- Auswertung des Rorschach-Tests • Rorschach selbst hat sich gegen eine inhaltliche und für eine formale Auswertung (in der Rorschach-Terminologie "Signierung") ausgesprochen • (1) Lokation (Bezieht sich die Antwort auf das Gebilde als Ganzes oder nur auf einzelne Teile?)• (2) Determinanten (Kommt die Antwort eher durch die Form des Gebildes, durch die Farbe, durch Schatten oder gesehene Bewegung zustande?• Unterschieden wird dabei noch einmal, ob eine Form in der Antwort gut getroffen ist oder die Vorlage nur schlecht wiedergibt.)• (3) Inhalt (Was wird gesehen, Personen, Teile von Personen, sexuelle Inhalte oder Sachen?)
- Was hat Exner gemacht? • Exner (1974, revidiert 1993, 4. Aufl. 2003) --> Comprehensive System (CS) --> detaillierte Anweisungen für Durchführung und Auswertung für den Rorschach-Test • Normen für Erwachsene und Kinder• herkömmliche Kategorien zu Clustern zusammengefasst, die jeweils Index für spezifisches klinisches Syndrom sein sollen• Problematisch: Objektivität, Reliabilität, Validität
- TAT - Aufbau? • Thematischen Apperzeptionstest (TAT; Murray, 1943) • Proband soll zu einer Bildvorlage (nicht ganz eindeutige soziale Situation) Geschichte erzählen• 1.) Was ist passiert?• 2.) Wie ist es dazu gekommen?• 3.) Wie geht es weiter?• 4.) Was denken und fühlen die Figuren in der Darstellung?• Insgesamt 20 Tafeln, Nr. 16 = Extremfall, da völlig leer
- TAT - Auswertung? • Auswertung oft impressionistisch --> Geschichten werden auf interessierende Themen hin durchgesehen• Versuche der Quantifizierung des Testverhaltens, z. B. hinsichtlich der Dimensionen Aggressivität, Neurotizismus oder Leistungsmotiviertheit (Der TAT soll gut Leistungthematiken erfassen können)
- Kritik am TAT • (-) Objektivität• (-) Reliabilität• (-) nur vereinzelt bedeutsame Zusammenhänge mit Kriteriumsvariablen• (-) meist nicht repliziert • (-) Hinweise auf eine inkrementelle Validität einzelner TAT-Scores sind eher spärlich
- Mögliche Gründe für Mängel des TAT? • 1.) Kein umfassendes, verbindliches Auswertungssystem (z.B. wie das von Exner für den Rorschach-Test) --> Keine Auswertungsobjektivität • 2.) Die sowohl nach Anzahl wie Inhalt von Untersuchung zu Untersuchung variierenden Vorlagen. --> Keine Standardisierung • 3.) Das Fehlen klarer, theoretisch begründeter und empirisch überprüfter Vorstellungen über das Zustandekommen und damit die Interpretation der Reaktionen im TAT. • 4.) Besonders die Unschärfe des Projektionsbegriffs hat sich bislang als Hindernis bei der Etablierung des TAT als eines seriösen Instruments wissenschaftlicher Diagnostik erwiesen
- Was für Interpretationen gibt es bezüglich der Beziehung von erhobenem Merkmal und erschlossener Eigenschaft? 1) Nach Freud: verdrängte Eigenschaften, Motive oder Impulse2) (Eher im Sinne eines Traits) Generelle Motive, Einstellungen, oder typische Verhaltensweisen, also bewusst erlebte Sachverhalte3) Im Sinne eines States: Es verweist auf aktuelle Zustände, z. B. Angst.4) Es dient der rationalisierenden Erklärung eigener Verhaltensumstände (d.h.um eigene Verhaltensweisen, z. B. eine aggressive Handlung, durch Rationalisierung (etwa Unterstellung aggressiver Absichten oder Handlungen bei anderen) zu rechtfertigen (Siehe Projektionsbegriff nach Freud)
- Perspektiven für den TAT? 1.) nur Teilbereiche (nicht ganze Persönlichkeit) erfassen, z.B. Leistungsmotivation?2.) Einsatz bei Kindern?3.) Formalisierte (aber überschaubare) Auswertung?4.) Psychometrie verbessern5.) Theorie der Projektion muss weiter elaboriert werden!