Systemanalyse (Dobner) MLU (Subject) / Systemanalyse (Lesson)

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Zusammenfassung der Vorlesung Systemanalyse und Vergleichende Politikwissenschaft (Frau Prof. Dobner) an der MLU

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  • K_Vorgehen bei der vergleichenden Analyse M1: Vorarbeiten - LektüreM2: Analytische Fragestellung (unpräzise Fragestellung)M3: Begriffe und Vergleichskategorien (unscharfe Begriffe)M4: Bestimmung der Vergleichsfälle (unreflektierte Fallauswahl)M5: Theorie und HypothesenbildungM6: Datenprüfung (vorhanden, erhebbar) + MethodenauswahlM7: AnalyseM8: Ergebnisse - Muster, Zusammenhänge, ÜberraschungenM9: Antwort auf Fragestellung, Ergebnissicherung
  • K_Gegenstand und Fragestellung der Politikfeldanalyse Die Policyforschung ist historisch erst nach den anderen Fragestellungen entstanden – in Deutschland erst in den achtziger Jahren . Policyanalyse beschäftigt sich mit den konkreten, materiellen Politiken, nicht in erster Linie mit den institutionellen Gegebenheiten oder ideellen Bedingungen von Politik (Polity) und auch nicht mit den Konflikt- und Konsensmöglichkeiten politischer Akteure (Politics). Aber: Natürlich spielen Institutionen und das Handeln der Akteure eine wesentliche Rolle für die Erklärung auch von policies. Klassische Fragestellungen der Politikfeldanalyse sind: Was politische Akteure tun, warum sie es tun und vor allem, was letztlich dabei herauskommt. Das schließt ein: 1. Fragen nach den Outputs von Politik (im Sinne einer Bestandsaufnahme),2. Fragen nach den Ursachen 3. Fragen nach den Wirkungen (outcomes) . Politikfeldanalyse steht daher in einem gewissen Spannungsverhältnis von Politikberatung („bessere Politik“) und wissenschaftlicher Erforschung.
  • K_Entwicklungslinien der Politikfeldanalyse (Abbildungen Input-Output Modell, Policy-Zyklus) • Ausgangspunkt: Eastons systemtheoretisches Politikmodell. • Innovation: Umwelt nimmt auf politische Entscheidungen Einfluss und wird durch Rückkopplungsschleifen mit dem Ergebnis konfrontiert und dem politischen Prozess erneut verbunden. • Blinder Fleck: „A political System“ – die „Black Box“ • Policyforschung setzt an der „Black Box“ an: Was genau passiert da? Und wie passiert es? • Eine Antwort: Policy-Zyklus  Fortführung: Policy-Arenen-Modell, Multiple Streams-Ansatz
  • K_Policy-Arenen Modell Policy-Arenen-Modell: • Policies determine politics • Wichtigste Unterscheidung: distributive und redistributive Policies • Distributive Policies: Verteilender Politik (Allgemein zugängliche Leistungen) • Redistributive Policies: Umverteilende Politik (z.B. Sozialhilfe) • Je nach Verteilungstyp werden Arenen von Konsens oder Konflikt geprägt • Aber: Bei genauerem Hinsehen wird die Unterteilung zwischen Verteilen und Umverteilen immer weniger trennscharf
  • K_Multiple Streams Ansatz Hintergrund: Weiterentwicklung des Policy-Ansatzes (Polity=Strukturen/Institutioneller Rahmen, Policy=Inhalte, Politikfelder, Politics=Prozesse des Regierens) Inhalt: Drei voneinander unabhängige Prozessströme müssen gekoppelt werden, um Policies umzusetzen. Problem-Stream: Besteht aus Ereignissen und Informationen, die die Problemwahrnehmung auslösen und Handlungsbedarf wecken. Policy Stream: Die Gesamtsumme aller wahrgenommenen Lösungsvorschläge; Ursuppe aller möglichen Lösungsvorschläge Politics Stream: Der sich wandelnde politische Kontext; Politische Stimmungen und Machtverhältnisse Policy Entrepeneur: Erfinder/Realierer im Feld der Politik Windows of opportunity: Gelegenheitsfenster – Zeitspanne, in der ein Ereignis/eine Debatte noch unterschiedliche Verläufe nehmen kann und besonders gut beeinflusst werden kann. In kürze (Schaubild)Problem S, Policy S, Politics S+WOO/PE=Vernetzung der Ströme (Politikwandel)
  • Beispiel für David Eastons Systemmodel Überlege ein Beispiel für David Easton Systemmodel
  • C_Politikwissenschaftliche Perspektive auf Systeme Welche Funktionen erfüllt ein System?  Wie entwickelt sich ein System?  Wie lässt es sich steuern?  Wann kollabiert/verändert sich ein System?
  • C_Modelle der politikwissenschaftlichen Systemanalyse Talcot Parson Handlungen als zentrale Elemente eines Systems Strukturfunktionalismus: Stabile und dynamische Prozesse im System => Analyse von Handlungen im Systemzusammenhang David Easton Polit System übersetzt Forderungen, Wünsche etc. in bindende Entscheidungen Systemstabilität durch Gleichgewicht => Input-Output Modell Niklas Luhmann Systeme entstehen durch Operationen (Kommunikation) Konstruktivistische Denkweise => Soziale Systeme bestehen aus Kommunikation
  • C_David Eastons Politisches System Grundannahmen über das politische System Politik als T eilbereich der Gesellschaft Abgrenzung gegenüber anderen Handlungs- und Verhaltensweisen (Parsons) Funktion: Herstellung kollektiv verbindlicher Entscheidungen, Verteilung Das politische System nach David Easton: Funktion: Überlebenssicherung von Gesellschaften Übertragung von Inputs in bindende Entscheidungen Zentrale Faktoren: Legitimität und Macht Ziel: Gleichgewicht zwischen Inputs & Entscheidungen Stabilisierende Wirkung von Verfahren Universeller Anspruch des Analysemodells Im politischen System (Blackbox) Interessenartikulation Interessenaggregation Politikformulierung Implementierung
  • C_Anwendbarkeit des Modells von David Easton auf aktuelle Ereigniss Flüchtlingpolitik Energiewende Arabischer Frühling
  • B_System Von Systemen zu sprechen richtet den Blick auf: Grenzen, Umwelt, Strukturen und Prozesse, Input und Output, Zusammenhänge zwischen Systemen und Subsystemen, Rückkoppelungen, Funktionen, Fragen nach Autonomie Merkmale von Systemen: Elementen, Strukturen, Interaktionen und Umwelt Systeme spielen in allen Wissenschaftsdisziplinen eine Rolle In sozialen Systemen: keine einfachen linearen Ursache-Wirkung-Beziehungen Systemtheorien verfolgen ganzheitlichen Ansatz, reduzieren aber gleichzeitig Komplexität Systeme helfen uns die Wirklichkeit zu verstehen, sie bleiben jedoch konstruierte Modelle Fazit: Systeme Systeme sind komplex, sie zu erfassen erfordert vereinfachende Modelle. Soziale Systeme sind unberechenbar - einfache Kausalitäten sind die Ausnahme Das politische System dient zur Sicherung der Gesellschaft. Es ist gleichzeitig stabil und dynamisch. Systemische Modelle des politischen Systems verfolgen einen ganzheitlichen Ansatz, reduzieren jedoch Komplexität. Politikwiss Perspektive auf Systeme Welche Funktionen erfüllt ein System? Wie entwickelt sich ein System?  Wie lässt es sich steuern? Wann kollabiert / verändern sich ein System?
  • K_Methoden des Vergleich nach Mill - Konkordanz und Differenzmethode Beide sind Methoden der Eliminierung Konkordanzmethode (Konkordanz=Übereinstimmung) Bei der Konkordanzmethode sollen die betrachteten Variablen möglichst ähnlich sein, die verbleibenden Rahmenbedingungen jedoch völlig unterschiedlich. Gesucht wird also die Ursache für ein bestimmtes, unter völlig verschiedenen Rahmenbedingungen auftretendes Phänomen. Logik: Alles, was mit der Erscheinung der abhängigen Variable nicht auch in Erscheinung tritt, kann als Ursache für diese ausgeschlossen werdenGroßbuchstaben =AntedenzenKleinbuchstaben=Konsequenzen Fall 1: A,B,C => a,b,cFall 2: A,D,E => a,d,e=> Nur A ist für a verantwortlich Differenzmethode Bei der Differenzmethode hingegen sind die betrachteten Variablen verschieden, der Kontext jedoch ähnlich. Es soll geklärt werden, warum ein bestimmtes Phänomen unter ähnlichen Rahmenbedingungen nicht auftritt. Logik: Alles was nicht mit der abhängigen Variable kovariiert (tritt auf - tritt auf; tritt nicht auf - tritt nicht auf) kann eliminiert werden. A,B,C => a,b,cB,C => b,c=> A ist die Ursache oder eine Bedingung für das auftreten von a. B und C können als erklärende Faktoren ausgeschlossen werden
  • K_Warum vergleichen wir? (Zweck) Der Vergleich dient der deskriptiven Beschreibung (Vergleich von Strukturen, Regierungssystemen etc.), der darauf aufbauenden Erklärung (von kausalen Zusammenhängen, Ursache-Wirkungs-Beziehungen), einer auf der Analyse basierenden Prognose (zur Vorhersage möglicher Entwicklungen, etwa durch den historischen Vergleich) der bewertenden Interpretation (speziell für normative Aussagen zum politischen System) Des Weiteren dient die vergleichende Methode der Kategorisierung und der Typologisierung durch die Zusammenfassung von Merkmalen. Im Wesentlichen werden hierbei folgende Typen unterschieden: Klassifikation: Durch die Bildung trennscharfer Klassen werden alle Untersuchungseinheiten nach ihrem Unterscheidungsmerkmal in genau eine Gruppe eingeordnet. => Bsp.: Einordnung unterschiedlicher Länder nach ihrem Parteiensystem. Extremtypus:Gilt als der extremste komparative Differenztypus, welcher die begrifflichen Pole festlegt, zwischen die sich alle möglichen Phänomene in einer Art Reihe einordnen lassen. => Bsp.: Aufstellung Parteienspektrum mit den entsprechenden extremen Rändern. Idealtypus:Vollkommen konstruiert und empirisch nicht überprüfbar, da er in der Wirklichkeit so (noch) nicht vorkommt. => Bsp.: Ideal einer sozialistischen Gesellschaft.
  • K_Forschungsstrategien Eperiment (Ex)Versuchsaufbau analog zu Experiment in Naturwissenschaft (Kontrolle aller Variablen und Rahmenbedingungen) Statistische Methode (SM)Systematische Analyse einer größeren Anzahl von Fällen (LargeN-Analyse) Komparative Methode/Vergleichende Methode (VM)Systematische Analyse einer kleinen Anzahl von Fällen (Small-N Analyse) anhand des MSSD oder des MDSDMSSD = Most Similar Systems DesignMDSD = Most Dissimilar Systems DesignDanger: Small-N ... Big Conclusions! Fallstudien (FS)Typen von Einzelfallstudien:...a-theoretische...Theorie generierende...Theorie testende Typologie der Forschungsstrategien Logik:Ex: nomoethisch; Eliminierung rival. Erklärungen durch experimentelle KontrolleSM: nomoethisch; Bewertung rival Erkl. durch stat Kontrolle der KovarianzVM: nomoethisch; Bew. rival Erkl durch Erf der Kovar. durch FallauswahlFS: vorwiegend idiographisch; Interpret durch hermeutische Verfahren ReichweiteEx: allgemein gültige AussagenSM: Bezug auf eine definierte GrundgesamtheitVM: Bezug auf ausgewählte FälleFS: Bezug auf einen Fall VorteilEx: Hoher Grad an Generalisierbarkeit durch starke Kontrolle der VersuchssituationSM: Hoher Grad an Generalisierbarkeit durch rep Stichproben und hohe FallzahlVM: Hoher Grad an Generalisierbarkeit der Ergeb für die ausgewählten FälleFS: wenig Ressourcen; intensives Verstehen des Falles Nachteil: Ex: Exp Versuchsaufbau ist für meiste PW Fragestellungen ungeignetSM: Fallzahl ist für meiste PW Untersuchungen zu niedrig. Untersuchungsfälle oft zu heterogen um Zufallsauswahlen durchzuführenVM: unterdeterminiert; zu viele Variablen und zu wenig FälleFS: kaum generalisierbare Aussagen möglich; begrenzte Möglichkeit Th. zu testen Strategien: Ex: Loborexperiment, GruppenexperimentSM: inferenzstatistische Verfahren (schließen von der Stichprobe auf eine Grundges)VM: Konkordanzmethode, Differenzmethode, MSDS; MDSD; SSDO; DSSOFS: Konfigurativ-ideographisch; theorieorientiert; heuristisch; sondierend; etc.
  • K_Probleme der vergleichenden Methode Einerseits lässt sich die Vergleichende Methode in der Politikwissenschaft und anderen sozialwissenschaftlichen Disziplinen nur recht schwer verorten, da der Vergleich in gewisser Art und Weise in jeder politikwissenschaftlichen Methode stattfindet (so zum Beispiel auch bei der Einzelfallstudie bis hin zur umfassenden statistischen Erhebung) Andererseits erscheint auch das methodische Vorgehen an sich zumindest problematisch, da oft nur wenige Fälle, jedoch unendlich viele Variablen existieren (etwa die Rahmenbedingungen eines Ländervergleichs) Quasi-experimentelle Annahmen in der Soziologie praktisch nicht umzusetzen sind (etwa konstante laborähnliche Zustände) Multikausale Zusammenhänge oft auf einfache Ursache-Wirkungs-Prinzipien reduziert werden. Schlussendlich lassen sich teilweise gar widersprechende Hypothesen belegen, da es sich bei der Auswahl der zu vergleichenden Fälle stets um eine subjektive Entscheidung handelt.
  • K_MSSD MDSD Most similar system design:Man wählt Fälle, welche sich sehr ähnlich sind und möglichst nur inder unabhängigen Variable unterscheiden.Ziel: Etwas über die Effekte dieser unabhängigen Variable sagenkönnen. Most different systems design:Man wählt Fälle die sehr unterschiedlich sind und sucht nachGemeinsamkeiten.Ziel: Man will die Frage beantworten: Wieso haben sounterschiedliche Fälle so Ähnliche Konsequenzen
  • I_Merkel_Systemwechsel: Einleitung 20 Jahrhundert erlebte den Siegeszug der Demokratie Wurzel in der Französischen und amerikanischen Revolution 1. Welle: von F/A Revolution bis zum 1. Weltkrieg2. Welle: Beginn mit dem Ende des 2. Weltkriegs. Europa, Lateinamerika, Indien3. Welle: Mitte der 70er Jahre bis 1991. Südamerika, Lateinamerika Transformation autöritärer und totalitärer Regime mit Epochenumbruch 89/91 beherrschendes Thema in der politikwiss. Forschung Forschungsfokus70er Jahre Gründe für das Scheitern von Demokratien (Autoritarismusforschung)Im Verlauf der dritten Welle Paradigmenwechsel mit intensiver Auseinandersetzung über Ursachen, Verlaufsformen und Ereignissen von Transformationsprozessen(Zunächst Fokus auf Ablösung autoritärer Regime, dann Bedingungen, Voraussetzungen und Möglichkeiten langfristiger Stabilisierung/Entwicklung System-Regimewandel:Grundlegende Funktionsweisen und Strukturen eines Systems beginnen sich zu verändern sich; evolutionärer Prozess System-Regimewechsel:Transformationsprozess, der definitiv zu einem anderen Regimetypus führen; vor allem zeitlich dramatisierte Übergänge von einem System zu einem anderen Transition:Ausschließlich für Übergang eines autokratischen zu einem demokratischen System Transformation:Oberbegriff für alle Formen, Zeitsrukturen und Aspekte eines Systemwandel und Systemwechsels Insgesamt: Keine Debatte über den Begriff der Demokratie selbst und seltene theoretische Reflexion über einen geeigneten Demokratiebegriff> Polyarchiebegriff Robert Dahls> Dimension des Rechts- und Verfassungsstaats
  • I_Polyarchiebegriff Robert Dahls Als Polyarchie wird in der Politikwissenschaft eine Herrschaftsform bezeichnet, in der viele Zentren politischer Macht nebeneinander bestehen. Robert Dahl hat diese traditionelle Begriffsbedeutung insofern abgewandelt, als er damit eine unvollkommene Annäherung an einen demokratischen Idealtyp beschreibt, welche für die Verfassungswirklichkeit in den modernen Repräsentativdemokratien kennzeichnend sei. Laut Dahl zeichnen sich idealtypische Demokratien durch fünf Systemmerkmale aus:  zielgenaue, wirksame Partizipation gleiches Wahlrecht und Stimmengleichheit bei entscheidenden Abstimmungsstufen aufgeklärter Wissensstand finale Kontrolle der politischen Agenda durch das Volk Inklusion aller stimmberechtigten erwachsenen Bürger Demgegenüber entpuppten sich die meisten real existierenden Demokratien lediglich als Polyarchie.
  • I_Demokratiemessung KonsolidierungsforschungFragt nach den Bedingungen der Stabilisierung junger Demokratien Forschungsstrang "defekte Demokratien"Fragt nach den Ursachen der oft geminderten Reichweite der Demokratien Veränderung des DemokratiekonzeptsAnfangs: Im Vordergrund freie und faire Wahlen, Möglichkeiten politischer Partizipation 90er Jahre: freie und faire Wahlen, Möglichkeiten politischer Partizipation + ebenso wichtig: Rechtsstaatliche Einbindung der Demokratien, also Gewaltenteilung, Menschenrechte, unabhängige Justiz. Verfahren zur Demokratiemessung: Kontinuierliche Messungen > Polity-Index, Freedom-House-Index> Bewertung auf Skala - mehr oder weniger demokratisch Kombinierter Index der Demokratie - KID (Hans-Joachim-Lauth)> drei dimensionales Demokratieverständnis aus Dimensionen Freiheit, Gleichheit, Kontrolle>Kombination von Datensätzen von Polity-, Freedom-House-Index und Rule-of-law- und Political-Stability-Indikator der Weltbank> Bewertung auf Skala von stark autokratischem System bis umfassend demokratischen System=> (0-5 Autokratie; 5-7 defizitäre Demokratie; 7-10 Demokratie Demokratiebarometer (Wolfgang Merkel) > mißt die Entwicklung der weltbesten Demokratien zwischen 1975-2005> Es werden Kriterien wie Rechtsstaatlichkeit, Transparenz, Partizipation, politischer Wettbewerb, Gewaltenkontrolle, Fähigkeit zur Umsetzung demokratischer Entscheidungen gemessen Demokratieindex der Zeitschrift The Economist
  • Begriff Theorie Eine Theorie bezeichnet das systematische, nach bestimmten Prinzipien geordnete Beobachten und Erklären der Realität. Theorie schafft Erkenntnisse, die als Instrument zur Ordnung und Bewältigung des Alltags (Praxis) eingesetzt werden können.
  • Schaubild David Eastons Politisches System Zeichne das Schaubild
  • Begriff Politisches System Der Begriff des politischen Systems beschreibt „die Gesamtheit der Strukturen (Institutionen) und Regeln (Verfahren), die politische und gesellschaftliche Akteure (Parteien, Verbände, Organisationen, Individuen) in regelgeleitete Interaktionen zueinander setzt, um die systemerhaltenden Funktionen zu erfüllen und in einem beständigen Kreislauf zu reproduzieren.“
  • Beispiel für Multiple Streams-Ansatz Überlege ein Beispiel für den Multiple Streams-Ansatz
  • Begriff Neoinstitutionalismus (Neuer Institutionalismus) Der Neoinstitutionalismus erklärt Strukturen und Operationsweisen von Organisationen durch den Bezug auf Normen, Erwartungen und Leitbilder der institutionellen Umwelt
  • D_Neuer Institutionalismus Rational Choice InstitutionalismusDer Rational-Choice-Institutionalismus betont, dass Institutionen aufgrund von aggregierten, individuellen und bewussten Entscheidungen der Akteure entstünden.  Soziologischer InstitutionalismusDer soziologische Institutionalismus sieht, dass individuelle Handlungen durch Institutionen bestimmt werden, was jedoch auf dem Befolgen bewusster oder unbewusster Normen geschieht. Entscheidungen würden demnach nicht aus langfristig angelegten Strategien generiert werden, sondern Ergebnisse endogener (verinnerlichter) Konventionen, Normen und Tradition der institutionalisierten Umgebung darstellen. Historischer InstitutionalismusDer histor. Institutionalismus versucht Ursprung, Wandel und Funktion von Institutionen zu erklären und vertritt dabei die Grundannahme, dass sich diese unter anderem anhand der Pfadabhängigkeit, sprich des historischen Verlaufes, erklären lassen. Policy-Entscheidungen und Präferenzen von Akteuren basierten auf den von Institutionen vorstrukturierten Grundlagen.
  • D_Entwicklung Institutionenforschung Wikipedia.de In Reaktion auf den „alten Institutionalismus“ – unter welchem Institutionen vor allem administrativ, rechtlich und politisch untersucht werden – gewann der Behavioralismus in den 1950er und 1960er Jahren in der US-amerikanischen Politikwissenschaft an Bedeutung, der sich auf das Verhalten der Akteure und weniger auf die Strukturen von Politik konzentriert. Nach Meinung von Kritikern sei der behavioralistische Ansatz jedoch nicht in der Lage, Vergleiche unterschiedlicher politischer Systeme geeignet herauszuarbeiten, da die Analyse des Verhaltens alleine zu kurz greifen würde. Aus diesem Grund, gerade um Unterschiede zwischen verschiedenen Systemen erklären und gemeinsame Herausforderungen erkennen zu können, entwickelte sich Ende der 1970er/Anfang der 1980er ein „Neo-Institutionalismus“ heraus, der vor allem mit einem breiteren Institutionenbegriff aufwarten konnte. Unter dem Motto „Institution do matter“ argumentierten u.a. March und Olsen, dass als „Institution” nicht nur formale Einrichtungen zu zählen seien, sondern auch Normen, Prozesse und Konventionen, die Teil der politischen Struktur und als diese für das elementare Verständnis von Politik unabdingbar seien. Unterhalb des Ansatzes des Neo-Institutionalismus entwickelten sich, unabhängig voneinander und ohne theoretische Verbindung, drei weitere Stränge, die sich jedoch hinsichtlich ihrer Ontologie und Epistemologie teilweise stark unterscheiden: der Rational-Choice-Institutionalismus, der Soziologische Institutionalismus sowie der Historische Institutionalismus. Aus diesem Grund erweist es sich als naheliegend, den Vorschlag von Simon Bulmer aufzugreifen und den Terminus „Neo-Institutionalismus“ als eine Art Schirmbegriff für eine Mehrzahl an Theorieansätzen anzusehen
  • Begriff Pfadabhängigkeit Das Konzept der Pfadabhängigkeit verweist auf den Umstand, dass einmal eingeschlagene Wege oft nur unter hohen Kosten wieder verlassen werden können und dass bei späteren Richtungsentscheidungen keine neuen Anfangspunkte gewählt werden können, sondern diese auf früher getroffenen Entschlüssen aufbauen. Auch in institutioneller Hinsicht sind Pfadabhängigkeiten nicht zu unterschätzen, weil einmal geschaffene Normen und Prinzipien eine starke Resistenz gegen ihre Auflösung entwickeln.
  • E_Rational Choice-Theorie (Theorie der rationalen Wahl) Besagt vor allem zweierlei: 1. Individuelle Handlunge basieren auf rationalen/vernünftigen Handlungsentscheidungen 2. Gesellschaftliche Phänomene können durch individuelle Handlungen erklärt werden  Die RCT geht davon aus, dass gesellschaftliche Phänomene als unbeabsichtigte Resultate absichtsvollen Handelns entstehen. Im Gegensatz dazu gehen andere soziologische Theorien davon aus, dass gesellschaftliche Phänomene nach Gesetzmäßigkeiten entstehen und funktionieren, die nicht durch individuelle Handlungen entstehen.
  • Begriff Strukturfunktionalismus und Systemstrukturalismus Der Strukturfunktionalismus, eine theoretische Richtung der Soziologie, betrachtet soziale Systeme als ihre eigene Existenz erhaltende Gebilde. Es wird untersucht, welche Bestandsvoraussetzungen gegeben sein müssen, um den Bestand strukturell zu sichern und welche Funktion diese Struktur hat.  Der englische Sozialanthropologe Alfred Radcliffe-Brown (Institutionen erhalten eine Gesellschaft) sah Institutionen als Schlüssel zum Erhalt der globalen sozialen Ordnung der Gesellschaft, analog zu den Organen des Körpers, und seine Studien der sozialen Funktion untersuchen, wie Bräuche dazu beitragen, die allgemeine Stabilität der Gesellschaft zu erhalten. Dabei ignorierte er die Effekte historischer Veränderungen völlig.  Der einflussreiche US-amerikanische Soziologe Talcott Parsons entwickelte den anfangs von ihm mitbegründeten Strukturfunktionalismus im Laufe seines Lebens weiter zum Systemfunktionalismus. Dies wird insbesondere im von ihm in den 1950er Jahren entwickelten AGIL-Schema deutlich, das bei der Allgemeinen Systemtheorie Anleihen nimmt und den Grundstein für die Soziologische Systemtheorie legt. Nach dem AGIL-Schema muss ein System vier Funktionen erfüllen: Adaption, Goal-Attainment, Integration und Latency. Hierfür bildet das System Subsysteme aus, die sich wiederum zerlegen lassen. Der Strukturfunktionalismus stößt bei der Frage, wie sich denn eigentlich die Grenze der Identität eines Systems bestimmen lässt, an seine Grenzen. Die Frage, wo ein System anfängt und wo es endet, ist bei einem biologischen System einfach zu beantworten: Das System endet mit seinem Tod. Bei sozialen Systemen dagegen stößt man auf Probleme der Selbstreferenz: Nur das System selbst kann definieren, wann es sich zu einem völlig anderen System (worin es sich unterscheidet – zu einem früheren Stadium seiner Systemidentität sich innerlich abgrenzend) entwickelt hat. In den 1940er und 1950er Jahren wurde jedoch die Selbstreferenz noch nicht erkannt. Außerdem hielt die Theorie ideologischen Anforderungen nicht stand, denn es konnten keine radikalen Aussagen darüber getroffen werden, wann eine Systemänderung bevorsteht, welche Planungen etwa nötig seien, um traditionelle in moderne Gesellschaften zu überführen.[2]
  • Begriff AGIL-Schema Nach Talcott Parsons muss jedes System vier Funktionen erfüllen, um seine Existenz erhalten zu können: Adaptation (Anpassung):die Fähigkeit eines Systems, auf die sich verändernden äußeren Bedingungen zu reagieren, sich anzupassen. Goal Attainment (Zielverfolgung)die Fähigkeit eines Systems, Ziele zu definieren und zu verfolgen. Integration (Eingliederung)die Fähigkeit einesSystems, Kohäsion (Zusammenhalt) und Inklusion (Einschluss) herzustellen und abzusichern. Latency bzw. Latent Pattern Maintenance (Aufrechterhaltung)die Fähigkeit eines Systems, grundlegende Strukturen und Wertmuster aufrechtzuerhalten. Um die vier Funktionen wahrnehmen zu können, bildet ein System spezifische Subsysteme aus, die die jeweilige Aufgabe erfüllen. Im umfassendsten und gleichzeitig abstraktesten System, dem Handlungssystem, sind dies: Das Verhaltenssystem (Adaptation), es basiert auf Bedürfnissen.Das Persönliche System (Goal attainment), es basiert auf Motiven. (Organisiertes System von Handlungsorientierungen eines Individuums)Das Soziale System (Integration), es basiert auf sozialen Rollen. (System miteinander verbundener Handlungen verschiedener Akteure)Das Kulturelle System (Latency), es basiert auf Wertvorstellungen. (Organisation der Werte, Normen, Symbole, die die Handlungen der Akteure beeinflussen)Jedes „Handeln“, gleich ob von Individuen oder kollektiven Akteuren unterschiedlichster Art (Gruppen oder Organisationen) ergibt sich demnach stets aus diesen vier Komponenten. Hinweis: Der Begriff Soziales System hat innerhalb der Parsons'schen Theorie eine Doppelbedeutung. Zum einen ist es wie oben beschrieben ein Teil des menschlichen Handlungssystems zum anderen beschreibt der Begriff aber auch gesellschaftliche Systeme im Sinne des Strukturfunktionalismus. Untergliederung in Subsysteme am Beispiel des sozialen SystemsAuch jedes dieser vier Subsysteme unterliegt dem AGIL-Schema, es lässt sich also wiederum in die vier Grundfunktionen zerlegen. Im Falle des Sozialen Systems sind dies folgende vier Komponenten: Das Wirtschaftssystem (Adaptation).Das Politische System (Goal attainment).Das Gemeinwesen(-system) (Integration).Das Kulturelle System (Latency).
  • Begriff Republik „Republik ist der Begriff für ein Gemeinwesen, das auf der Grundlage einer legitimen Verfassung mittels gewaltenteiliger Demokratie gemeinsame Angelegenheiten der Bürgerinnen und Bürger regelt." (Bogdandy 2005: 25)
  • H_Fragile Staaten Eigenschaften von Staatlichkeit Monopol des legitimen physischen Zwangs (Weber)  Staatsgebiet, Staatsvolk, Staatsgewalt (Jellinek) Kernfunktionen von Staatlichkeit Sicherheit  Wohlfahrt Legitimität und Rechtsstaat Typen von Staatlichkeit Konsolidierte bzw. sich konsolidierende Staatlichkeit (Consolidated States) Schwache Staaten (Weak States) Versagende bzw. verfallende Staaten (Failing States) Gescheiterte bzw. zerfallene Staaten (Failed States) Gründe Strukturfaktoren (langfristig) Prozessfaktoren (mittelfristig) Auslösefaktoren (kurzfristig) Ebene Makro: International, regional Meso: National Mikro: Substaatlich Stabilisierung von fragilen Staaten Patronage- und Klientelpolitik Kooperation mit bestimmten Gruppen Konzepte der Machtteilung Mobilisierung von traditionalen Strukturen Anwendung repressiver Mittel Einleitung von Reformen zur Ablenkung Optimierung von externen Zuflüssen Akteure Change Agents (Erneurer, Betreiber des Wandels) Status-quo-Kräfte Störer
  • I_Faktoren der Stabilität politischer Systeme Elemente/Voraussetzungen politischer Stabilität Gewaltmonopol=>Polizei, Militär, GefängnisVerfassung=>Rechte, freie-gleiche-allgemeine-geheime-regelmäßige WahlenVerfassungsorgane=>unabhängige Justiz, durch freie Bürger gewählte Legislative,Exekutive, geregelte Machtverteilung (geregelte Machtverteilung und Kontrolle)Territorium Weitere FaktorenÖffentlichkeit=>Artikulationsmöglichkeit, Öffentliche MedienInternationales Umfeld=> internationale Anerkennung, BündnisseRessourcen=>Klima, Bodenschätze, BildungWirtschaft=>Markt, Währung, InfrastrukturSozialstaat=>Grundeinkommen, SozialleistungenVerwaltung=>Kontrolle, EffektivitätGesellschaft=>kulturelle Grundlagen, Zustimmung, Partizipation, Religion
  • I_DRIS „Der DRIS stellt sich uns als historisch konkrete Institutionalisierung einer idealtypisch gedachten Form der Staatlichkeit dar, in der die vier zentralen Dimensionen moderner Staatlichkeit zusammengefunden haben: 1. Die Monopolisierung der Gewaltmittel sowie der Steuererhebung auf einem abgeschlossenen Territorium führte zum modernen Territorialstaat. => Ressourcendimension => führt zu Gewalt und Steuermonopol2. Die Anerkennung, daß der Staat nach innen an sein Recht gebunden ist und nach außen nicht in das Recht anderer Staaten eingreifen darf, ermöglichte den souveränen Rechtsstaat. => Rechtsdimension => führt zur Ausbildung von Rechtsstaatlichkeit3. Die Herausbildung einer gemeinsamen nationalen Identität – die Menschen auf dem Territorium des Staates betrachten sich als eine Gemeinschaft, womit der Anspuch auf politische Selbstbestimmung verbunden ist, führte zum demokratischen Nationalstaat. => Legitimationsdimension => führt zu demokratischen Entscheidungsprozessen4. Die Anerkennung des Ziels, den gesellschaftlichen Wohlstand möglichst rasch zu mehren und gerecht zu verteilen, führte schließlich zum Aufbau eines sozialen Interventionsstaates.=> Interventionsdimension => führt zu Wohlfahrtsstaat Das entscheidende Charakteristikum besteht nun darin, daß sich zumindest in der OECD-Welt der 1960er und 1970er Jahre diese vier institutionellen Merkmale moderner Staatlichkeit – die des souveränen Territorial-, des Rechts-, des National und des Interventionsstaates – in einer politischen Organisationsform, eben dem DRIS, vereinigt und dabei wechselseitig gestützt haben.“ Aktuelle Entwicklung:Zum Teil Aüflösung=>Die sozialwissenschaftliche Diskussion sieht und debattiert seit längerem über einen Wandel des Staates und der Staatlichkeit. Fraglich ist, ob es tatsächlich eine „Entstaatlichung“ gibt (nein), ob die Veränderungen struktureller oder konjunktureller Art sind (beides) und wohin die Reise geht. Neben der Veränderung des Staates gibt es auch eine Veränderung von Verfasstheit und Recht.
  • J_Mehrebenensysteme Mehrebenensystem (engl. multi-level governance) bezeichnet in der PW das komplexe Beziehungsgefüge verschiedener horizontaler sowie vertikaler politischer Entscheidungsstrukturen, wie es in einigen modernen politischen Systemen anzutreffen ist. Schwierigkeiten von MES1. Wechselseitige Blockaden 2. Mangelnde Repräsentanz unterer Ebenen 3. Mangelnde Legitimität entscheidender Ebenen 4. Interessenskonflikte bei Abstimmung von Entscheidungen 5. Unzurechenbarkeit von Entscheidungen Mehrebenenystemen Deutschland, EU, Global Unterteilung Mehrebenensystem EU subnationale Ebene: Länder, Regionen, etc.nationale Ebene, Deutschland, Italien, Großbritanniensubranationale Ebene: Europäische Institutionen (Parlament, Europäisches Kommission, Europäischer Gerichtshof, etc.
  • J_Systemopposition Allg.: Im Widerspruch oder im Gegensatz zu etwas stehen (z. B. zur öffentlichen Meinung, zur Regierung).  Pol.: Opposition bezeichnet die im Parlament vertretenen Parteien, die sich (als Minderheit) gegen die Regierung und die Parteien der (Regierungs-)Mehrheit stellen. Die politische O. ist insofern wesentliches Element moderner Demokratien, als sie (mehr noch als die Parteien der Regierungsmehrheit) die parlamentarischen Kontrollaufgaben gegenüber der Exekutive wahrnimmt. Zu unterscheiden sind 1. parl. O., die ihre Ziele innerhalb des parlamentarischen Systems verfolgt, 2. außerparl O., die ihre Ziele durch gesellschaftliche O. durchzusetzen sucht3. fundam O., die ihre Ziele außerhalb der gegebenen Verfassungsordnung verfolgt.
  • Begriff System Ein System ist die Gesamtheit von Elementen, die so aufeinander bezogen sind und interagieren, dass sie als eine Einheit betrachtet werden können und sich von der Umwelt abgrenzen.
  • Begriff Regime Ein Regime ist ein institutionalisiertes Set von Prinzipien, Normen und Regeln, das die Umgangsweisen der Akteure in einem gegebenen Handlungszusammenhang grundlegend regelt.
  • Begriff politische Institution Politische Institutionen Politische Institutionen sind Regelsysteme zur Herstellung und Durchführung allgemeinverbindlicher Entscheidungen. Sie sind in ihrer Funktion zwar überpersöhnlich, realiter aber zumeist Organisationen und vor allem durch das Verhalten angebbarer Personen bestimmt.