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empirische Sozialforschung (Subject) / empirische Sozialforschung, Nolten (Lesson)
Uni Bonn Agrar/ELW
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- Worin bestehen die Aufgaben der Wissenschaftstheorie? - sie ist ein System von Aussagen über die Wissenschaft, es existieren zwei grundsätzliche Aussageformen 1. despriktive Aussagen (beschreibend) .... 2. normative Aussagen (auf ein Ziel hin wertend) .... ... über die WIssenschaft oder über das Verhalten von Wissenschaftlern Sie beschäftigt sich mit den Voraussetzungen, Methoden und Zielen von Wissenschaft und ihrer Form der Erkenntnisgewinnung
- Kennzeichnen sie im Sinne der Wissenschaftsauffassung des kritische Rationalismus a) Ziel und Verwendungszweck wissenschaftl. Erkenntnis b) grundsätzliche Vorgehensweise bei der Gewinnung wissenschaftl. Erkenntnis a) der kritische Rationalismus beruht darauf, dass Wissen über die Realität niemals sicheres Wissen sein kann. Erkenntnis ist bei prinzipieller Fehlbarkeit der Vernunft nur näherungsweise möglich (approximative Erkenntnis de Realität) Ziel ist die Erarbeitung von gesetzesmäßigen (nomologischen) Aussagen (Theorien) über die Realität, die empirisch und intersubjektiv (egal von wem) überprüfbar sind und zur Erklärung, Prognose und Gestaltung der Realität herangezogen werden können b) Gewinnung wissenschaftl. Erkenntnis: Formulierung informationshaltiger Aussagen (Hypothesen) und deren anschließende logische und empirische Überprüfung durch die Gemeinschaft der Forscher (systematische Kritik) Ausschaltung von Irrtümern durch ständige Widerlegungsversuche (Falsifikation der Aussage); einheitliche Methoden in den empirischen Wissenschaften (meth. Monismus)
- Wodurch unterscheiden sich a) Nominal- und Realdefinition eines Begriffes (+Beispiel) b) Gültigkeitsanspruch und Gültigkeitsbereich einer wissenschaftl. Aussage a) Realdefinition = Bestimmung eines Begriffes durch Aussagen über die Beschaffenheit der für wesentlich gehaltenen EIgenschaften des von ihm bezeichneten Gegenstandes. Als informationshaltige Aussage über die WIrklichkeit können Realdefinitionen falsch sein. z.B. Lokomotive Nominaldefinition = Festlegung der Bedeutung eines Begriffes durch eine oder mehrere bereits bekannte Begriffe über eine Konvention. Eine solche Festlegung der Verwendung eines sprachlichen Ausdrucks kann weder wahr noch falsch sein. Sie kann sich nur als Brauchbar oder unbrauchbar im Hinblick auf ein bestimmes Untersuchungsziel erweisen. z.B. Agrarpolitik b) Gültigkeitsanspruch von Aussagen ist zweigeteilt: 1. die apriorische Gültigkeit = rein begrifflich, aus Vernunftsgründen erschlossene Erkenntnis, Aussagen mit diesem Anspruch sollen durch (Fest-) Setzung gelten (wenn A=B und B=C dann A=C, Studenten sollen fleißig lernen= 2. die aposteriorische Gültigkeit = aus Erfahrungen/Wahrnehmungen gewonnen Erkenntnis, Aussagen mit diesem Anspruch sollen durch Erfahrung gelten (wenn ich lerne weiß ich mehr) Gültigkeitsbereich von Aussagen bezieht sich auf den räumlich-zeitlichen Bezug von Aussagen: a) räumlich-zeitlich beschränkte Aussagen (2012 waren 30000 Studenten an der Uni Bonn) b) räumlich beschränkt/zeitlich unbeschränkt (Stammeseigentum ist typisch für die Landwirtschaft Schwarzafrikas) c) räumlich unbeschränkt/zeitlich beschränkt (am 15.10. ist Weltfrauentag d) räumlich-zeitlich unbeschränkt (je mehr ich lerne, desto mehr weiß ich)
- Was bedeuten die Aussagen a) Erkenntnis ist ein Auswahl- und Konstruktionsvorgang b) Erkenntnis ist ein Urteilsvorgang a) soziale Wirklichkeit lässt sich nicht als Ganzes erfassen, daher unter bestimmter Perspektive/ Fragestellung Vorgang der Abstraktion: - Auswahl eines Wirklichkeitsausschnittes - Untersuchung eines Wirklichkeitsausschnittes Abstratkion bedeutet Konstruktion, Formung der sozialen Wirklichkeit aufgrund bestimmter Vorstellungen und Erfahrungen b) Wahl der Fragestellung (Erkenntnisabsichten) und der einzusetzenden Erkenntnismittel beruhen auf den ENtscheidungen der Forscher: bedeutsam für die Entscheidung sind: - Entwicklungsstand/Problemlagen einer Gesellschaft - Einschätzen der Möglichkeiten/Grenzen wissenschaftlichen Erkennens: Waheheitsbegriff, Verhältnis Objekt-Methode - Verfügbarkeit von Erkenntnismitteln: Geld, Zeit - individuelle Lebenssituation des Forschers mit seinen sozialen Bezüge, seinen Wahrnehmungen und Bewertungen der gesellschaftlichen Problemlagen => der Forsche gestaltet die Perspektive mit
- Skizzieren sie den forschungslogischen Ablauf empirische Untersuchungen und erläutern sie dabei die Begriffe Entdeckungs-/Begründungs- und Verwertungs-/Wirkungszusammenhang die Struktur empirischer Untersuchungen gliedert sich in 3 Phasen 1. Entdeckungszusammenhang: Anlass der Untersuchung aus sozialem Motiv, Theorie und Auftrag formt sich das Problem a) Formulierung und Begründung der Forschungsfragen b) Formulierung und Begründung des Untersuchungszieles c) Diskussion der Forschungsfragen bezüglich relevanter Theorieansätze d) Diskussion der Fragen bezüglic Ergebnis empirischer Untersuchungen e) Bestätigung, Erweiterung, Einengung, Präzisierung der Fragen 2. Begründungszusammenhang: methodologisches Vorgehen a) Formulierung der Hypothesen b) Definition von Begriffen und Isolation von Variablen der Hypothesen, Methodenwahl, Operationalisierung der Variablen c) Stichprobe, Pretest, Datenerhebung 3. Verwertungs-/Wirkungszusammenhang: Effekte einer Untersuchung und ihr Beitrag zur Lösung des gestellten Problems a) Auswertung und statistische Prüfung der Daten b) Interpretation und Darstellung => Publikation => Diskurs, eventuell neu enstandenes Problem hat 2 Funktionen: 1. Erkenntnistheoretische Funktion: Erweiterung des Wissens über soziale Zusammenhänge 2. politische Funktion: Lösung des sozialen Problems
- Welche inhaltliche Bezüge hat der Begriff "Wert" in der sozialwissenschaftl. Forschung? Wodurch unterscheiden sich "Werte" von "Einstellungen" und "Meinungen"? Wertbezüge finden sich in der sozialwissenschaftlichen Forschung: - im Bereich grundsätzlicher methodologischer Voraussetzungen und Bedingungen (Entscheidung über methodologische Grundposition) - im Bereich der Auswahl von Forschungsproblemen ( wertbedingte Entscheidung für ein bestimmtes Forschungsproblem) - als Gegenstand der Forschung (Beschreibung, Analyse von Werten/Wertungen/Normen) - im Bereich der methodologischen und forschungstechnischen Realisierung von Forschungsvorhaben (Def. von Begriffen, Operationalisierung von Begriffen/Indikatorbildung, Art und Umfang der Datenerhebung, Form der Aufbereitung, verarbeitung, Darstellung erhobener Daten) - bei der Verwendung von Forschungsergebnissen "Werte" = grundlegende bewusste/unbewusste Vorstellungen vom Wünschenswerten, die die Wahl von Handlungensarten &-zielen beeinglussen, ohne direkte Verhaltensanweisungen für bestimmte Situationen oder unmittelbare Ziele zu geben "Einstellungen" = relativ überdauernde spezifische Wahrnehmungs-, Bewertungs- und Handlungstendenzen gegenüber sozialen Gegenständen "Meinungen" = schnell veränderbar, spezifische, situationsgebundene Handlungsorientierungen
- Definieren Sie den Begriff Messen und erläutern sie Reliabilität und Validität an einem Beispiel. Messen = Zuordnen von Zahlen (Messwerten) zu Objekten gemäß festgelegten Regeln Reliabilität und Validität sind Güterkriterien der Messung Reliabilität = Zuverlässigkeit, wiederholte Messungen eines Objektes mit einem Messinstrument liefert die gleichen Werte (Bsp: Ich messe wiederholt die Größe eines Objekts mit einem Zollstock und erhalte immer den gleichen Wert) Validität = Gültigkeit, Ausmaß in dem das Messinstrument tatsächlich das misst, was es messen soll (gibt an ob der Zollstock geeignet ist um die Größe zu messen, bzw. ob Indikator geeignet ist um Fleiß zu messen)
- Skizzieren Sie Ziel und Ablauf einer Gruppendiskussion, Wann würden sie diese Methode einsetzen? Welche Fehler können durch den Beobachter auftreten und wie würden sie ihnen begegnen? GruppenDiskussion= Erfassung der Form, des Inhalts von Meinungen und Einstellungen von Gruppen zu bestimmten Sachverhalten 1. Ziele: - Aufdeckung von informellen Gruppenmeinungen - Prozess der Meinungsbildung durch kollektive Ineraktion aufdecken - Aufdeckung unterschiedlicher Positionen/Einstellungen zum Thema - Einzelmeinung wird ohne psychologische Sperre deutlich (Kriterium der sozialen Erwünschtheit wird abgebaut) - Einstellung, Meinung, Verhaltensweisen werden kontextspezifisch und nicht isoliert erfasst 2. Ablaufphasen: Fremdheit -> Orientierung -> Anpassung -> Vertrautheit -> Konformität -> Ausklingen 3. Einzusetzen um - tiefergehende Einsicht in Struktur und Prozess der Meinungsbildung zu bekommen - Erkundung bislang wenig bearbeiteter Forschungsgebiete - häufig als Ergänzung zu Befragung und Beobachtung 4. Beobachterfehler: Milde, Zentralisierungstendenz, zeitl. Abfolge, Hallo-Effekt, implizite Theorie, Zeichensystembegrenzung, Überbelastung durch Ereignishäufigkeit und Kategoriezahl, Überbewertung des Verbalen, Befindlichkeit 4b) natürliches Warming-Up suchen, kurze Eröffnung, sprachl. Niveau beachten, Gruppenintervier als Fehlschluss begegnen, Selbstdisziplinierung des Leiters
- Was sind Eigenschaften einer Delphi-Befragung? Wann würden sie dieses Instrument der Datenerhebung anwenden? 1. mehrstufige Expertenbefragen mit Feedback, Hintergrund => dass Entscheidungen in Wirtschaft, Wissenschaft und Politik immer komplizierter, komplexer, zeitlich weitgreifender und kostenintensiver werden (Universalexperten immer seltener) Eigenschaften: formalisierte, schriftl. Befragung mit zumeist offenen Fragen Befragung erfolgt in mehreren Runden, Informationsrückkopplung als Ausgangspunkt für die nächste Runde, statistische Auswertung nicht zwingend, Verzicht auf Repräsentativität 2. Anwendungsbereiche: v.a. Prognosen, auch Problembeurteilung, Zielbildung, Ideenbildung, Konsensbildung, Problemlösung
- Welche Formen der Beobachtung lassen sich unterscheiden und für eine ein sinnvolles Anwengungsgebiet geben? 1. offene/verdeckte Beobachtung: Bekanntgabe/Nichtbekanntgabe und damit Wissen/Nichtwissen um Beobachtung bei den Beobachteten 2. teilnehmende/nicht teilnehmende Beobachtung: Beobachter als Interaktionspartner oder nur als Protokollant 3. strukturierte/ nicht strukturierte B: Grad der Orientierung an einem Katergorieschema - Beobachtung in natürlichen/offenen oder in künstlichen/ standardisierten Situationen Beispiel: verdeckte Beobachtung: z.b. bei Sektenaktivitäten, da man das zu beobachtenden Verhalten nicht stören/verändern möchte
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- Erläutern sie die Methode der Inhaltsanalyse mit Hinweisen zu Anwendungsfällen. = nicht-reaktive Mehode, formalisierte und quantifizierte Erfassung objektiv feststellbarer Eigenschaften von Kommunikationsinhalten Grundprinzipien: 1. Untersuchungsobjekte werden nach einheitlichem Schema analysiert 2. Analyseschema ist systematisch aufgebaut und unterhält im Hinblick auf das Untersuchungsziel die notwendigen und untereinander abgrenzbaren Kategorien 3. die einzelnen Kategorien sind der genau definiert 4. das Katergoriesystem ist so konzipiert, dass die Auswertungsergebnisse von anderen nachvollzogen werden können Anwendungsbereiche sind Geschichte, Politik-, Kunst-, Literatur-, Kommunikations-, Rechtswissenschaften, Soziologe, Ethnologie, Theologie, Psychologie, Markt- & Meinungsforschung
- Erötern sie Vor-/Nachteile einer schriftl. Befragung und einer Telefonbefragung 1. schriftl: + geringe Kosten (keine Interviewehonorare, Fahrtkosten, Kontrolle) + Wegfall Einflussnahme durch Interviewer + Zusicherung Anonymität glauwürdiger + angenehme Beantwortungssituation (ggf. höhere Motivation) + mehr Zeit zu Überlegung - höhere Ausfallquoten (tw durch Artikulationsfähigkeiten Schichtspezifisch differenziert) - Problem der Erfassung der Befragten/verweigerer - unklarer Erhebungssituation (Ort, Zeit, Ernsthaftigkeit) - hohe Anforderung an Formulierung der Fragen/Konstruktion Fragebögen - keine spontanen Antworten erfasst - offensichtliches Angebot von "weiß nicht" Antworten möglich - Antwortverbesserung durch Gesamtkenntnis des Fragebogens möglich Telefoninterview: + billiger als Face-to-Face Interview und höhere Akzeptanz + besserer Erreichbarkeit als postalisch + schnellere Datengewinnung + Möglichkeit der Überwachung durch Supervisor + schnelle Reaktion auf Problemfragen - nur in Regionen mit hohem Anschlussgrad repräsentativ - unangenehmere Gesprächsatmosphere - Auswahlprobleme - begrenzte Möglichkeit zur Motivation - keine visuellen Hilfsmitteln (Antwortkarten) - Vorkontakt angebracht - höherer Anteil von "weiß nicht" Antworten - statt längerer Fragen/Antwortlisten mehrere Fragen nötig (2-Stufen-Technik)
- Nennen sie Regeln zur Formulierung von Fragen bei Befragunen und verdeutlichen sie diese je an einem Beispiel 1. einfache Worte benutzen 2. konkret sein (Ja/Nein) - Rauchen sie? 3. nicht suggestiv sein - sie Rauchen doch bestimmt? 4. neutral formuliert - sie Rauchen doch nicht etwa? 5. nicht hypothetisch formuliert - würden sie das tun, wenn ... 6. sich nur auf einen Sachverhalt beziehen - rauchen sie Zigaretten oder Zigarren? 7. keine doppelte Verneinung - können sie es sich nicht vorstellen nicht mehr zu rauchen? 8. nicht überfordern 9- keine lange Liste von Antwortvorgaben benötigen
- Kennzeichnen sie die Besonderheiten von Befragungssituationen. Welche Kommunikationsformen kennen sie bei mInterview? Wann würden sie auf sie zurückgreifen? 1. a) Interviewer und Befragter sind Fremde, Zugehörigkeit zu einer sozialen Schicht hat Auswirkungen auf die Interviewbereitschaft (Mittelschichtorientierung) b) das Gespräch in kein Gespräch, beim standadisierten Interview ist der Befragte kein Gesprächspartner sondern v.a. Datenträger c) keine sozialen Konsequenzen des Antwortverhaltens => Fazit: Befragung ist kein neutrales Erhebungsinstrument 2. Kommunikationsformen: a) stark strukturiert: standardisierte Gesprächsführung, Formulierung und Fragefolge anhand eines Fragebogens, Gewinnung möglichst vollständiger Infos im Definitionsbereich -> Absicherung einer Info über die Breite, großen Personenkreis b) teilstrukturiert: Gesprächsführung über vorbereitete vorformulierte Fragen mit Leitfaden: Abfolge nach Gesprächsverlauf, Bereichsvertiefung: Experteninterview (Befragung über politische Meinungen, geringe Anzahl an interviews, Vertrauensverhältnis aufbauen für sensible Bereiche) c) wenig strukuriert: offene G-führung, Formulierung und Abfolge d. Fragen stark epxlorativ und informell (für wenig erforschte Gebiete, ausgesprochene Themen werden stark vom Befragten beeinflusst)