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03607 KE1 ss '14 (Subject) / 7 Datenerhebungsverfahren und -instrumente der empirischen Sozialforschung (Lesson)
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- 7 Datenerhebungsverfahren und - Instrumente der empirischen Sozialforschung häufig sind mit "methoden", die systematischen Erhebungsverfahren wie Befragung, Beobachtung, Inhaltsanalyse, Soziometrie gemeint hier: unter Methoden weden vielmehr sämtliche systematischen, d.h. nach festgelegten Regeln ablaufenden vorgehensweisen der Sozialforschung von der dimensinalen bzw. semantischen Analyse bis zur Datengewinnung und -auswertung verstanden. Teil dieser Methoden = Verfahren/Strategien der Informationsgewinnung , die sich wiederum bestimmter Erhebungsinstrumente - wie Fragebogen, Kategorienschema, Beobachtungsbogen - als "Werkzeuge" bedienen. Obwohl sie im Mittelpunkt stehen → keinen größeren Stellenwert als die übrigen eingesetzten Methoden. Im Modellschema des Forschungsprozesses stellen Entwicklung und Test der Erhebungsinstrumente den Abschluss der Froschungsvorbereitung + der gedanklich- theoretischen Strukturierung der Untersuchung dar bevor die Informationssammlung beginnt. Diese Zäsur wird besonders deutlich in solchen forschungsvorhaben, in denen die Vorbereitung (und später die Datenanalyse) bei einem Forscherteam liegt, während die Durchführung der Informationserhebung und - aufbereitung an ein kommerzieller, darauf spezialisiertes Institut vergeben wird. die Wahl einer bestimmten Untersuchungsanordnung und der Einsatz bestimmter Verfahren und Instrumente dürfen niemals "automatisch" erfolgen. Entscheidungen darüber sind in jedem Einzelfall in gründlicher Auseinandersetzung mit dem Untersuchungsgegenstand und der Fragestellung zu treffen und zu begründen
- 7.1. Empirische Inhaltsanalyse knüpft an alltägliche Vorgehensweisen an, ist deren Systematisierung → jeder Autofahrer analysiert den Inhalt von Symbolen, wenn er sich durch den Schilderwald kämpft...Der Wohnungssuchende analysiert den Inhalt des Anzeigeteils von Tageszeitungen, Die empirische Inhaltsanalyse - so wie sie hier verstanden werden soll- ist ach einer weit gefassten, aber durchaus gängigen Definition: Eine Forschungstechnik , mit der man aus jeder Art von Bedeutungsträgern durch systematische und objektive Identifizierung ihrer Elemente Schlüsse ziehen kann, die über das einzelne analysierte Dokument hinaus verallgemeinerbar sein sollen. → das Verfahren Inhaltsanalyse ist nicht auf die Verarbeitung sprachlicher Mitteilungen beschränkt, sondern z.B. auch Gemälde aus einer zurückliegenden Epoche, Keramik oder kultische Gegenstände. Im Allgemeinen, in den Zusammenhängen, in denen Sozialwissenschaftler die empirische Inhaltsanalyse einsetzen - wird es sich um die Analyse sprachlicher Mitteilungen handeln in der Form schriftlicher Texte. Die Definition besagt desweiteren, dass nicht nur von Daten über Textteile auf Tendenzen in den Texten selbst geschlossen wird, sondern dass die herausgelesenen Informationen genutzt werden, um Aussagen über die soziale Realität außerhalb der Texte zu gewinnen. Die Texte (Dokumente) sind in diesem Fall nicht selbst Gegenstand des Auswertungsinteresses ( wie dies etwa bei literaturwissenschaftlichen Untersuchungen der Fall sein kann), sondern sie dienen als Informationsträger, die dokumentierte Aussagen sind " Indikatoren" für (externe) Sachverhalte. Solche "Sachverhalte" können sein: beschriebene/ dargestellte Ereignisse oder Situationen, Aussageabsichten/Einstellungen der Autoren von Dokumenten, Merkmale der beabsichtigten Rezipienten/Zielgruppen von Dokumenten politische/soziale Kontexte von dokumentierten Ereignissen/Situationen. die interessierenden Sachverhalte können entweder Manifest in den Texten dokumentiert sein (als direkte Aussagen über...) oder sie sind indirekt aus den Texten zu erschließen (latente Inhalte, zwischen den Zeilen zu lesende Mitteilungen oder Informationen) Beispiele der Anwendungsbereiche: auswertung von Gruppendiskussionen, von Intensivinterviews; von Leitfadengesprächen die auf Tonträgern aufgezeichnet wurden; Auswertung von Gesprächsprotokollen, von Antworten auf offen gestellte Fragen im Interview; auswertung von Zeitungsartikeln über Energiefragen vor der "Ölkrise" und dachach oder vor "Tschernobyl" und danach; Flugblätter von Antikernkraft- Bürgerinitiativen; Analyse des Inhalts von Heiratsanzeigen in regionalen und überregionalen Zeitungen; Auswertung von historischen Quellen usw. Abzugrenzen ist die systematische empirische Inhaltsanalyse von dem im Deutschunterricht der Schule geläufigen Verfahren der Textinterpretation. → für solche Textinterpretationen gelten die Regeln der (geisteswissenschaftlichen) Hermeneutik. Hermeneutik :hat die Auswertung sinnhaltiger Dokumente - insbesondere Texte- zum Ziel; Erkennnisabsicht = das Verstehen des Sinns, die Auslegung oder deutende Interpretation von Aussagen von Dokumenten, historischen Quellen etc. hinzuziehung von Kenntnissen aus der Epoche aus der die Botschaft stammt + Entstehungbedingungen zur Interpretation. Persönliche Lebenssituationen des Autors finden Eingang in die Überlegungen. resultat ist personenabhängig objektive (oder strukturale) Hermeneutik: sprachlich dokumentierte Protokolle realer Handlungen oder Interaktionen sollen nicht subjektiv gedeutet, sondern systematisch daraufhin analysiert werden, welche "objektiven" durch hermeneutische Explikation rekonstruierbaren Regeln das dokumentierte verhalten geleitet haben könnten. empirische Inhaltsanalyse:Es geht ihr um die systematische Indentifizierung von Aussage-Elementen und deren Zuordnung zu vorher festgelegten Kategorien. Inhaltsanalyse soll objektiv in der Weise sein, dass die Daten eindeutig dem Interpretationsobjekt (z.B. Text) nicht dem interpretierenden Subjekt - zugerechnet werden können. Damit dies gewährleistet ist: die systematische Zurodnung von Aussageinhalten zu vorher festgelegten Kategorien hat unabhängig zu sein von der Person die die Textdurchsicht vornimmt. ("vercoder") Anders formuliert: objektiv hier = die Resultate der Zuordnung beanspruchen "intersubjektive Geltung" → Zu diesem Zweck müssen die Zurodnungsregeln von dem vercoder ( den Vercodern) einheitlich und konsistent angewendet werden. weiterer Unterschied zur Hermeneutik: Bei der hermeneutischen Interpretation herrscht die Absicht: Durch Einbeziehen möglichst aller Umstände und Bedingungen, unter denen der Text entstanden ist , ein ganzheitliches Verständnis zu entwickeln. Die systematische Analyse geht dagegen den umgekehrten Weg: dieTExte werden zunächst in Einzelbestandteile aufgelöst → Aus den Beziehungen + Beschreibung der Einzelbestandteile sowie der zwischen den Einzelbestandteilen festzustellenden Beziehungen gelangt man dann zu Schlussfolgerungen, die über die eigentlichen Texte hinausgehen (können) → Nicht die einzelnen Bestandteile eines Textes liefern die Antworten auf die Untersuchungsfragen, auch nicht ein einzelner zusammenhängender Text; sondern erst die Auswertung der Informationen (Daten) die aus der Gesamtheit der Elemente der analysierten Texte gewonnen werden, erlaubt verallgemeinerbare Schlüsse. Zusammengefasst: Objektiv soll für die systematische empirische Inhaltsanalyse bedeuten: Das Verfahren der Zerlegung eines Textes in seine zu analysierenden Bestandteile sowie der zurodnung zu analytischen Kategorien ist "objektiviert" . Jeder Sachkundige kann die Vorgehensweise klar nachvollziehen, sie ist intersubjektiv überprüfbar "semantisch" in der obigen Definition bedeutet, dass vor der Inhaltsanalyse ein Codierschema erarbeitet wird, an das die Vercoder sich zu halten haben.
- 7.1.1 Das (vereinfachte) Modell sozialer Kommunikation Mit dem Prozess der Übermittlung und der Deutung von Zeichen, die eine bestimmte Information enthalten (hier speziell: von sprachlichen Zeichen) befasst sich die Informationswissenschaft Das sort entwickelte Modell sozialer Kommunikation soll im Folgenden in einer stark vereinfachten Version vorgestellt werden. Kommunikation wird nach diesem Modell verstanden als Zeichenverkehr zwischen "Sender2 und "Empfänger". Sender = Quelle einer Botschaft (B: Person die einen Satz spricht) die gesendeten Zeichen = Nachricht die übermittelt werden soll (B: Worte des gesprochenen Satzes) → ein Übertragungsmedium ist notwendig. (B: Luft, die die vonm sprecher produzierten Schwingungen als Schall überträgt, so dass diese vom Ohr des Empfängers aufgefangen werden können) Zusammengefasst: Objektivität als Defintionsmerkmal der empirischen Inhaltsanalyse kann sich nur beziehen auf eine "objektivierung" des Verfahrens der systematischen Datengewinnung durch vorab formulierte explizite Regeln des Vorgehens. dies gilt im übrigen nicht nur für die Inhaltsanalyse, sondern für sämtliche Methoden der empirischen Forschung
- 7.1.2 Die Entwicklung des inhaltsanalytischen Kategoriensystems Die Analyse von Inhalten geschieht durch ein Kategoriensystem, nach dem die Einheiten des Materials in den problemrelevanten Dimensionen codiert werden. Da die Kategorien die Substatn der Untersuchung enthalten, kann ein Inhaltsanalyse nicht besser sein als ihre Kategorien. Beide Zitate zeigen die zentrale Bedeutung des inhaltsanalytischen "Werkzeugs" Kategoriensystem, das vor Beginn der Texanalyse aus der Fragestellung der Forschung heraus und unter Rückgirff auf empirisch fundiertes Wissen sorgfältig erarbeitet werden muss. Theoretische Aufarbeitung vor der Datenerhebung erforderlich; sie kann nciht erst im Laufe der Analyse nachgeholt werden. um die problemrelevanten Dimensionen der Untersuchung zu ermitteln, wird man - von einer präzisen Formulierung des Forschungsproblems ausgehend - eine dimensionale Analyse durchführen und vorhandenes theoretisches sowie empirisches Wissen zum Gegenstandberei auswerten,damit die geeigneten Begriffe (hier begriffliche Kategorien genannt) festgelegt und definiert werden können. Diese sollen dann die gezielte Wahrnehmung der Vercoder bei der systematischen Durchsicht der Texte lenken. Den Merkmalsdimensionen ind er bisherigen Ausdrucksweise entsprechen bei der Inhaltsanalyse von Texten die Kategorien , → d.h. die Oberbegriffe, denen die in den Texteinheiten zum Ausdruck kommenden Inhalte zugeordnet werden. Indikatoren für die mit den Kategorien bezeichneten Sachverhalte (Inhalte) sind die sprachlichen Realisationen (z.B: Worte, Sätze). "Merkmalausprägungen" oder Variablenausprägungen werden in diesem Zusammenhang im Allgemeinen "Unterkategorien" genannt. Zur Veranschaulichung das bereits eingeführte Beispiel einer Untersuchung zum Zusammenhang von sozialer Herkunft und späterem Berufserfog.: Angenommen es solle einerseits durch Erhebung von Daten bei einer Gruppe von Personen (Befragung) erforscht werden, wie die empirische Situation aussehe (Untersuchung der sozialen Realität) Andererseits sollen Informationen darüber gewonnen werden, welche Auffassungen gesellschaftliche Gruppen zu dem genannten Problem vertreten (politische Parteien, Gewerkschaften und andere Berufsbezogene Organisationen, Interessenverbände; Äußerungen in denren Grundsatz- und evtl. Wahlprogrammen , in deren Veröffentlichungen, Pressediensten usw.) → nach welchen Aussageinhalten müssten wir suchen, und welche Daten müssten wir erheben, um Sichtweise und Zielvorstellungen der genannten Organisationen mit den realen Gegebenheiten vergleichen zu können? Die Fragestellung impliziert für beide Untersuchungsperspektiven zunächst mindestens zwei grobe Dimensionen (oder Denkkategorien): die statische Vorstellung von einer sozialen Hierarchie, in der jedes Mitglied der Gesellschaft entsprechend seinem sozialen Status "verortet" werden kann (und die sich durch die Begriffe wie "soziale Lage", "soziale Schicht" oder "Klassenstruktur" bezeichnen lässt); zum anderen die Vorstellung von einer dynamischen Veränderung dieser Hierarchie, die Idee einer mehr oder weniger starken Durchlässigkeit der Schicht- oder Klassengrenzen (was durch einen Begriff wie "soziale Mobilität" zu erfassen ist). Damit ein solcher Sachverhalt (Hierarchie, Mobilität) überhaupt als "soziales Problem" angesehen wird, das z.B. in den öffentlichen Meinungsäußerungen gesellschaftlicher Gruppen als Thema auftauch und das eine nähere Untersuchung erfordert, müssen mindestens zwei Bedingungen erfüllt sein: Der Zustand wie er wahrgenommen wird, verstößt gegen normative Vorstellungen (z.B bei einem konservativ Denkendem: die Mobilität ist zu groß alte Traditionen gehen verloren, es drohen Instabilität und ein "zerfallen der gesellschaftlichen Ordnung"; oder aber: Die Mobilitätschancen sind zu gering, die Norm der Chancengleichheit für alle Bürger wird verletzt, die bestehende Hierarchie konserviert überholte Macht und Herrschaftsverhältnisse). Die verfügbaren Kenntnisse über die Zusammenhänge im bestehenden System (hier: über die Ursachen und die Wechselwirkungen von individueller Mobilität und gesellschaftlicher Stabilität) werden als nicht ausreichend erachtet. zu einer Fragestellung wie der genannten existieren nun vielfältige und widersprüchliche Thesen, Vermutungen und Befürchtungen (→Informationssammnlung für die dimensionale Analyse) Etwa: Die soziale Hierarchie wird dadurch konserviert, dass der Status des Elternhauses auf die Nachfolgegeneration "vererbt" wird. Oder entgegengesetzt: Die gegenwärtige Gesellschaft ist hochmobil, sie ist gekennzeichnet durch "Entschichtungsvorgänge", durch "Deklassierungen und Wiederaufstiege", wobei der Schule (über die Vermittlung aufstiegsbestimmender Berufsqulifikationen) die Funktion eines "bürokratischen Zuteilungsapparates" von Lebenschancen zukommt. zum Problem gibt es eine Reihe von Theorien (B: sozialisations und Schichtungstheorien) sowie empirische Einzelbefunde, auf die man aufbauen und aufgrund derer man untersuchungsleitende Hypothesen entwickeln kann. Die Ausformulierung entsprechender Hypothesen führt und zu problemrelevanten Begriffen wie soziale Stellung des Elternhauses (Berufsprestige, Bildungsstandard, Einkommen usw.) sowie bei dem Vergleich des Elternhauses mit dem der erwachsenen Kinder -Mobilität, Mobilitätshemmnisse usw. Diese Begriffe sind für das weitere Vorgehen präzise zu definieren. Bis zu diesem Punkt sind die forschungsvorbereitenden Arbeitschritte für beide Teiluntersuchungen (empirische Beschreibung der sozialen Situation sowie Erhebung der dazu vertretenen Auffassungen) identisch. Unterschiede ergeben sich erst durch die unterschiedliche Art und Weise der Operationalisierung der Begriffe im Hinblick auf die Verfahren Befragung bzw. empirische Inhaltsanalyse. a) bei der Befragung: Operationalisierung dadurch dass als Informationen über das Vorliegen der mit den Begriffen bezeichneten Sachverhalte (soziale Herkunft, Bildung, Berufserfolt etc) die Antworten der Befragten herangezogen werden, die Auskunft über die reale Situation geben sollen. → es ist also für jede Teildimension des begrifflich bezeichneten Sachverhalts mindestens eine Frage zu stellen (Zur sozialen Herkunft etwa je eine Frage nach der genauen Berufsposition des Vaters und der Mutter, dem ungefähren Haushaltseinkommen, nach dem Bildungsabschluss des Vaters und der Mutter, nach den Leistungsorientierungen im Elternhaus usw.) Es ist noch zu entscheiden ob und in welcher Differenzierung das mögliche Antwortspektrum vorstrukturiert werden soll ("Variablenkonstruktion") B: Bei der Berufsposition: genaue Angaben der Berufstätigkeit nach Berufsbezeichnung, Art der Tätigkeit und Branche; oder bei Haushaltseinkommen: Unter 500€, bis zu 1000€, bis zu 1500€ usw. Bei der Befragung liest der Interviewer den Fragewortlaut vor und notiert zu jeder Frage, ob die/der Befragt (=Ergebniseinheit) geantwortet hat und dalls ja welche der Antwortvorgaben gewählt wurde: Das Ergebnis ist für jede(n) Befragte(n) ein vollständig ausgefüllter Fragebogen als Rohdatenbeleg. b) Bei der empirischen Inhaltsanalyse von Texten: nach der Defintion der Begriffe für die problemrelevanten Dimensionen sind Text- Indikatoren zu bestimmen. → die interessierenden Sachverhalte sind in diesem Fall Gegebenheitnicht empirische Gegebenheiten wie soziale Herkunft, Bildung und Berufserfolg von Personen, sondern Aussagen über den Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Schulerfolg, über Mobilität , über soziale Hierarchie, Chancengleichheit usw. Variablenkonstruktion durch Formulierung von Oberbegriffen (Kategorien) , die mit den definierten Begriffen für die problemrelevanten Dimensionen identisch sein müssen üder diese weiter in Teildimensionen untergleidern können. Zusätzlich ist anzugeben, welche Unterscheidungen je Kategorie vorgenommen werden sollen (Unterkategorien). Die Kategorien sind das Äquivalent zu den Fragen im Instrument Fragebogen, die Unterkategorien sind das Äquivalent zu den Antwortvorgaben. An die Stelle des Fragebogensm der das Verhalten des Interviewers lenkt und der vorschreibt, welche Fragen zu stellen und wie die Antworten zu protokollieren sind, tritt bei der Inhaltsanalyse eine Art "Textbeobachtungsschema", d.h. ein Kategoriensystem:, das die Aufmerksamkeit des Vercoders bei der Textdurchsicht lentk und das vorschreibt, welche Aussageinhalte in welcher Weise systematisch zu protokollieren sind. die Vercoderin/( derVercoder hat ein begriffliches Kategoriensystem als Abfrageschema an den Text vorliegen. Der Vercoder leist nun einen Textabschnitt (=erhebungseinheit oder Zähleinheit) und stellt zu jeder Kategorie fest, ob im Textabschnitt hierzu etwas ausgesagt wird und wenn ja welche der vorgesehenen Unterkategorien zutrifft. Das Ergebnis für jeden textausschnitt ist ein vollständig ausgefülltes Codierblatt als Rohdatenbeleg (mit den VercoderAntworten auf sämtliche inhaltsanalytischen Kategorien) Inhaltsanalytische Vorgehensweisen sind nicht nur notwendich bei dem eigentlichen Verfahren der empirischen Inhaltsanalyse als Strategie der Datengewinnung. Sie werden auch erforderlich bei der Anwendung der Verfahren Beobachtung und Befragung. → Die Entwicklung von Antwortvorgaben zu einer Frage im standardisierten Fragebogen setzt eine vorgezogene gedankliche Inhaltsanalyse des potentiellen Antwortspektrums voraus. Das typische Vorgehen kann am Beispiel einer "MiniInhaltsanalyse" von Antworten auf eine offene Frage in einem Interview veranschaulicht werden: "bitte sagen Sie mir jetzt noch, was Ihnen an Ihrem Wohngebiet besonders gut gefällt und was sie Für besonders schlecht halten." Vorgehen bei der Auswertung offener Fragen = einfach + zeitaufwendig zunächst stützt man sich zunächst auf die Hypothese, die der gesamten Untersuchung zugrunde liegen. Auf diese Weise besitmmt man, welche Bewertungsdimensionen für die Auswertung wichtig sind (etwa Wohnanlage, Infrastruktur, soziale Umwelt). Danach kann man bei nicht zu großen Datenmengen zunächst sämtliche Antworten die einen bestimmten Aspekt entsprechen, in Stichworten (geordnet) auflisten. Dabei wird sich herausstellen a) ob die theoretisch ermittelten Bewertungsdimensionen ausreichen, und b) ob sie hinreichend oft in den Antworten vorkommen, um beibehalten zu werden. Aufgrund der so gewonnenen ausführlichen Liste der in den anworten der Befragten vokommenden Stichworte und der Häufigkeit ihres vorkommes (Strichliste) besteht die Möglichkeit geeignet Oberbegriffe (theoretische Dimensionen) dowie die zu unterscheidenden Ausprägungen festzulegen. Danach kann die endgültige Vercodung der Antworten stattfinden. Im Falle sehr großer Datenmengen → das anfertigen einer Stichwort- und Strichliste wird beschränkt auf eine Stichprobe aus der Gesamtzahl der Interviews und Aufstellen des Kategoriensystems zu Vercodung der Antworten auf dieser Basis. Dieser letzte fall entspricht dem Vorgehen bei einer "echten" inhaltsanalyse. : Zunächst wird aufgrund der theoretischen Vorüberlegungen ein Entwurf eines Kategorienschemas erstellt → danach wird das Scheme anhand einer kleinen Stichprobe von texten angewendet (Pretest), aufgrund der gemachten Erfahrungen verbessert und endgültig formuliert.
- 7.1.3 Anforderungen an das Kategoriensystem Feststellungen zur Kategorienbildung: 1. Das inhaltsanalytische Kategoriensystem ist immer selektiv im Hinblick auf bestimmte Fragestellungen; d.h. es werden nicht alle Einzelheiten, die im Text enthalten sind, auch in der Differenzierung des Kategorienschemas wieder finden; das Kategorienschema muss nicht eine vollständige Erfassung hinsichtlich aller im text auftretenden Inhalte erlauben,→ sondern es muss so differenziert sein, dass es a) zum einen vollständig alle interessierenden Bedeutungsdimensionen erfasst und b) zum anderen Vergleiche zwischen den Texteinheiten des Untersuchungsmaterials erlaubt. im Zusammenhang mit dieser Selektivität stellt sich die Anforderung, dass die relevanten Untersuchungsdimensionen klar bestimmt sein müssen + dass die relevanten Untersuchungsdimensionen klar bestimmt sein müssen + die Kategorien müssen auf relevante Dimensionen bezogen sein. Kategorien müssen so präzise definiert sein, dass eindeutig feststellbar ist, ob ein Textelement in die betreffende Kategorie fällt. 2. Das Kategorienschema muss bestimmten formalen Anforderungen gerecht werden: Jede im Kategorienschema enthaltene Kategorienreihe (d.h. Oberkategorien mit Unterkategorie als Merkmalsausprägung) muss aus einem einheitlichen Klassifikationsprinzip abgeleitet sein, sie darf sich nur auf eine Bedeutungsdimension beziehen. (Prinzip der Vergleichbarkeit) die einzelnen Kategorien müssen einander ausschließen. Das gilt sowohl für die eigentlichen Kategorien (Oberbegriffe) , da sonst Unklarheiten entstehen könnten, welcher Merkmalsdimension eine Äußerung zuzuordnen istdas gilt auch für Unterkategorien (die Ausprägungen). → zusammengefasst; JEde auf eine intressierende Bedeutungsdimension bezogene sprachliche Einheit muss sich einer und nur einer Kategorie und Unterkategorie zuordnen lassen (Prinzip der Klassifizierbarkeit, Abschnitt 5.3.3) Das Kategorineschema muss erschöpfend sein, d.h. jede für die Untersuchungsfragestellung interessierenden sprachliche Einheit (aber nicht: jede sprachliche Einheit des Textes) muss sich einer der definierten Kategorien zuordnen lassen → wesentlich, weil sich alles Material, das an sich in die Kategorie gehört, dieser auch zugeordnet wird (Prinzip der Vollständigkeit) die Unabhängigkeit der Kategorien muss gesichert sein → d.h. die Einordnung einer Testeinheit in eine Kategorie darf nicht die Einordnung anderer Daten festlegen. Diese Forderung kann nicht eingehalten werden, falls Texte im Hinblick auf ein bestimmtes Merkmal nach ihrem Rang in eine Skala eingeordnet werden sollen. Die angeführten Regeln gelten im Übrigen nicht nur für die Inhaltsanalyse, sie gelten allgemein für jede Klassifikation von Beobachtungs- und Befragungsmaterial sowie für das Aufstellen von Codierplänen. Im fertigen Kategorienschema: Jede Kategorie bezeichnet eine bestimmte Klasse von BEdeutungen (Inhalten) auf einer bestimmten Bedeutungsdimension. In den Kategorien: Zusammenfassung der im Textmaterial auftretenden relevanten sprachliche Einheiten unter dem Gesichtspunkt ihrer Bedeutungsgleichheit (richtiger: ihrer semantischen Ähnlichkeit) → Die Vielfalt sprachlicher Ausdrucksmöglichkeiten eines bestimmten Inhalts wird somit auf Klassen semantischer Ähnlichkeiten reduziert. Für eine zuverlässige Einordnung der sprachlichen Einheiten in diese Klassen semantischer Ähnlichkeiten → Kategorien sind operational zu interpretieren→ d.h. es ist für jede Kategorie - etwa anhand typischer Beispiele genau anzugeben, welche Arten von Aussagen unter die Kategorie zu subsumieren sind. Dazu Notwendig: die Zähleinheiten müssen präzise definiert und somit für den Codierer eindeutig abgrenzbar sein. Die Kategorien müssen sich nämlich auf die kleinsten im Text zu unterscheidenden Einheiten - die Zähleinheiten- beziehen lassen. Möglichkeiten der Operationalisierung ( der "operationalen Interpretation") sind: Die Kategorien werden lediglich mit einem Oberbegriff bezeichnet (Lage; Ruhe und Luft; Infrasturktur für Kinder usw.). Dem Vercoder bleibt es überlassen, nach seinem eigenen Sprachverständnis die Texteinheiten einzuordnen. Dieses Verfahren dürfte eine sehr geringe Inter-Coder- Zuverlässigkeit aufweisen. Die Kategorien werden mit einem Oberbegriff bezeichnet, zusätzlich werden typische Beispiele aufgeführt und Grenzfälle aufgezeigt. Alle zu einer Kategorie gehöroigen sprachlichen Elemente werden aufgelistet. dies kann durch eine Stichwortliste zu jeder Kategorie geschehen, die im Verlaufe der Vercodung fortlaufend ergänzt wird, falls neue Stichworte auftauchen. Der Rahmen einer Kategorie gehörigen sprachlichen Elemente werden aufgelistet. Dies kann durch eine Stichwortliste zu jeder Kategorie geschehen, die im Verlaufe der Vercodung fortlaufend ergänzt wird, falls neue Stichworte auftauchen. Der Rahmen einer Kategorie wird allgemein beschrieben, auch in Bezug zu anderen Kategorien, ohne dass einzelne Elemente aufgezählt würden.
- 7.1.4 Phasen der Inhaltsanalyse a) Festlegung der Art oder der Klasse von Texten, die man für eine Fragestellung . analysieren will, etwa: Bundestagsprotokolle 1950-1960 Deutschlesebücher für das 5.-7. Schuljahr wesentlich bei der Entscheidung über die Festlegung ist: die Texte müssen relevant für den Zweck der Untersuchung sein sie müssen existieren müssen zugägnlich sein das ist nur zu entscheiden, wenn man die Merkmale der texte eindeutig definerit (Was z.B soll als "Nachricht", was als "Kommentar" gelten, was als "politischer Kabarett-Text"?), den Zeitraum ihrer Entstehung oder Verwendung (im 2.Weltkrieg entstandene oder gesungene Soldatenlieder?) oder Publizierung genau festgelegt. b) bei Definition einer Stichprobe oder Teilgesamtheit aus der Klasse der festgelegten Texte. diese entfällt, wenn man nur einen fall hat, der analysiert werden soll, oder wenn die gesamtheit aller Fälle berücksichtigt werden soll (etwa das Gesamtwerk eines Schriftstellers. soweit erforderlich + kostenmäßig vertretbar → Ziehung einer Stichprobe. → dann gelten alle Regeln und Formen der Stichprobentheorie, insbesondere soweit sie die Schichtung und Mehrstufigkeit betreffen. Allgemein ist die Auswahl nach vier Typen von Gesichtspunkten zu treffen: Regionalität: Länder, Städte, Messeplätze usw.; Zeit, Periodizität: Kalenderdaten, Erscheinungsfolgen, Jahre, Kriege usw Quellen: Verfasser, Titel, Publikation, Eigentümer, Empfänger (von z.B. Briefen); inhaltliche Gesichtspunkte: etwa Auswahlen der Themen von Zeitungsberichten (aber auch formale Gesichtspunkte wie die weitere Unterteilung der Publikation in Seiten, Absätze usw.).
- 7.2 Beobachtung systematische Beobachtung = Systematisierung eines alltäglichen Vorgehens. Aufmerksamkeit der Beobachtung richtet sich auf das Erfassen von Ablauf und Bedeutung einzelner Handlungen und Handlungszusammenhänge. Der wesentliche Unterschied liegt also im Beobachtungsgegenstand. bei der inhaltsanalyse ist der Gegenstand der Beobachtung im weitesten sonne das Produkt von Handlungen → der Beobachtungsgegenstand steht ein für allemal fest. → Datenerhebung und -analyse können beliebig oft am gleichen Material wiederholt werden. Das Verfahren der empirischen Beobachtung dagegen richtet sich auf soziale Prozesse und Verhaltensabläufe, also auf Gegebenheiten, die sich während des Beobachtens, des "Identifizierens der Elemente der Beobachtungssituation" ständig verändern. Es ist zu Unterscheiden zwischen der subjektiven Bedeutung eines Tuns für den Handelnden und der Bedeutung die der Beobachter dieser Handlung bemisst. Und ähnlich wie bestimmte Worte eine "durchschnittliche" oder übliche Bedeutung haben, so haben bestimmte andlungen, Gesten oder Verhaltenssequenzen eine "durchschnittliche", eine übliche Bedeutung, an der sich der Beobachter orientiert. In beiden Fällen kann es jedoch sein, dass die Bedeutungsinterpretationen nicht übereinstimmen → der Handelnde bezweckt etwas anderes als Handelnde mit bestimmten Gesten oder Aktivitäten als ihm vom Analysierenden unterstellt wird. →der Handelnde und der Beobachter leben möglicherweise in unterschielichen kulturellen (subkultuerellen) Handlungskontexten, und der Beobachtende interpretiert "falsch". Zusätzliche Schwierigkeit: die zu beobachtende Situation verändert sich ständig.+ vielfältige Aktivitäten einer Vielzahl von Handelnden laufen ab. → einmal verpasste Beobachtungen können nicht nachgeholt werden. Die Interpretation des beobachteten Handlungsablaufs muss vom Beobachter an Ort und Stelle und im gleichen Tempo vorgenommen werden, in dem die Handlungen ablaufen. das stellt ein hohes Maß an das Kategorienschema für die Beobachtung. Die Beobachtungskategorien müssen eindeutig+ präzise+ müssen die Situation so strukturieren, dass alle Beobachtungselemente leicht identifizierbar sind, ohne dass damit der Sinnzusammenhang einer Handlung zerrissen wird. Es dürfen nicht zu viele Beobachtungskategorien gleichzeitig beachtet werden → Überfürderung des Beobachters Das Beobachtungsinstrument muss aus einer soliden, theoretischen Strukturierung des Forschungsgegenstandes heraus entwickelt werden: Die bei der Datenerhebung vorzunehmende Selektion ist notwendigerweise größer als bei der Inhaltsanlyse; bei nicht sorgfältig entwichletem Kategorienschema → Beobachter kann zur Fehlerquelle werden: durch nicht gesteuerte Prozesse selektiver Zuwendung, selektiver Wahrnehmung und selektiver Erinnerung, durch die Tendenz, auch unzusammenhängende Einzelereignisse entsprechen den eigenen Erwartungen (des Beobachters) zu sinnvollen Einheiten zusammenzufassen, Fehlendes zu ergänzen, die Situation entsprechend der eigenen Deutung zu strukturieren. Die Beobachtung schein entschieden weniger objektiv - im sinne von intersubjektiver nachprüfbarkeit - zu sein als das Verfahren der Inhaltsanalyse. es gibt technische Hilfmittel um diese Nachteile zu vermindern: Zusätzlich zur Beobachtung an Ort und Stelle kann das Geschehen durch einen zweiten Teilnehmer mit Viedeorecorder aufgezeichne werden, um hinterher die angefertigten Beobachtungsprotokolle mit dieser Aufzeichnung vergleichen und die endgültige Zuordnung der Beobachtungselemente zum Kategorienschema vornehmen zu können.
- 7.2.1. Arten der Beobachtung Je nachdem ob die beobachteten "Objekte" vom Beobachtungsvorgang Kenntnis haben oder nicht, können verschiedene Arten von Beoachtungen unterschieden werden. die zu beobachtendenden Personen sollen nicht bemerken, dass sie beobachtet werden → verdeckte Beobachtung. → Aufzeichnung der Handlungsabläufe mit Hilfe einer Kamera ist problematisch, weil zu auffällig. Möglich ist eine Aufzeichnung, ohne bemerkt zu werden, in technisch dafür ausgerüsteten Räumen oder in öffntlichen Situationen, wo sovieles gleichzeitig abläuft, dass eine versteckt angebrachte Kamera überhaupt nicht wahrgenommen wird. Eine Aufzeichnung ist weiter dort möglich, wo ohnehin häufig Kameras angebracht sind, so dass ihre Benutzung nicht auffällt, z.B. in Selbstbedienungsläden, auf Sportplätzen oder an Verkehrskreuzungen. Die Handelnden sind über den Beobachtungsvorgang informiert → offener Beobachtung. das Bewusstsein, nicht nur beobachtet, sondern auch noch gefilmt zu werden verändert die Beobachtungssituation drastisch. Zur Unterscheidung möglicher Varianten der Beobachtung (Art der Beobachtungssituation und des Beobachtungsvorgangs) zieht Friedrichs fünf Dimensionen heran: verdeckt/ offen: Ist der Beobachter als solcher erkennbar oder nicht; ist er z.B. durch eine nur von einer Seite durchsichtige Glasscheibe verdeckt? teilnehmend/ nicht teinehmend: Nimmt der Beobachter an den Interaktionen teil, oder befindet er sich außerhalb des Feldes? systematisch/unsystematisch: Erfolgt die Beobachtung systematisch mit einem standardisierten Schema oder eher unsystematisch und dem spontanen Interesse des Beobachters folgend? natürliche/ künstliche Beobachtungssituation: Es können z.B. spielende Kinder im Kindergarten beobachtet werde (natürliche Situation), oder die Spielsituation kann im Raum eines psychologischen Instituts unter kontrollierten Bedingungen nachgestellt werden. ("Labor"-Situation) Selbstbeobachtung/ Fremdbeobachtung: Beobachtung als Instrumend der Datenerhebung beschränkt sich auf Fremdbeobachtung. Selbstbeobachtungen kommen häufig in der Psychoanalyse und Psychiatrie vor. Beschränkt man sich auf die ersten vier Dimensionen und unterscheidet man jeweils nur zwei gegensätzliche Ausprägungen - bleiben also mögliche Zwischenformen unberücksichtigt, etwa auf dem Kontinuum von "überhaupt keine Beteiligung des Beobachters im Feld" bis "vollständiges Eingebundensein des Beobachters in die zu beobachtenden Interaktionen" - dann gelangt man bereits zu einer Differenzierung in 16 Beobachtungsarten.
- 7.2.2 Anwendungsprobleme bei der systematischen Beobachtung a) Analog zur Inhaltsanalyse als Datenerhebungsmethode steht auch bei der Beobachtung am Beginn die Festlegung der Art oder der Klasse von Beobachtungsgegenständen. Zunächst ist die Art der Situation zu definieren ausgehend von der zu untersuchenden Fragestellung. Der Handlungskontext (bzw. die Situation in der die Handlung abläuft) = zentrale theoretische Dimension sozialen Handelns ist methodologisch mit zu berücksichtigen. Richtet sich die Fragestelung auf Verhalten in "natürlichen" Situationen, oder sollen "reine" Bedingune in künstlichen Situationen (in "Labor"-Situationen) hergestellt werden? Bei Beobachtungen in natürlichem Kontext ist, was das Zustandekkommen der Daten angeht, die Ausgangslage ähnlich wie bei der Analyse von Texten: sie sind im normalen HAndlungsvollzug entstanden → also nicht erst für die Zwecke der Untersuchung geschaffen worden. Bei der Beobachtung unter Laborbedingungen: Ausgangslage= Das Verhalten wird für die Untersuchung provoziert. Zusammengefasst: Ob in natürlichen oder künstlichem Kontext beobachtet wird, hängt von der Fragestellung ab. Welcher Art die Beobachtungsgegenstände sind, hängt ebenfalls von der Fragestellung ab. wichtig für diese Entscheidung = die Festlegung, welche Situationen und welche in diesen Situationen vorkommenden Aktivitäten für die Fragestellung relevant sind + ob der Beobachter sich zu diesen Situationen Zugang verschaffen kann. auch hier eindeutiges definieren nötig! (wie eine Situation abgegrenzt wird) Neben der Definition der Art der zu beobachtenden Situationen und der Klasse der relevanten Ereignisse ist auch der Beobachtungszeitraum festzulegen. sowie der räumliche Ausdehnungsbereich in dem Beobachtungen anzustellen sind. (etwa bei Aktivitäten von Organisationsgliederungen politischer Parteien: Aktivitäten in einem Stadtbezirk) Dem Untersuchungszeitraum und dem räumlichen bezug sind bei der anwendung der Methode Beobachtung enge Grenzen gesetzt. Diesbezügliche Überlegungen hat man bereits bei der Abgrenzung der angestrebten Grundgesamtheit zu berücksichtigen. b) Nach der Defintion der relevanten Situationen und Ererignisse sowie der angestrebten Grundgesamtheit ist auch bei der Beobachtung im Allgemeinen der Rückgriff auf die Erhebung von Daten für nur eine Teilgesamtheit, also die Konstruktion einer Stichprobe erforderlich. Man kann nicht alle zur Grundgesamtheit zählenden Situationen oder Ereignisse in einem angegebenen zeitraum un einem abgegrenzten gebiet beobachten. Die Erstellung eines Auswahlplans ist für Beobachtungen wesentlich komplizierter als im Falle inhaltsanalyse. Jede Auswahl muss hier zwei gesichtspunkte berücksichtigen: zum einen handelt es sich um eine Stichprobe von Zeitpunkten (oder Zeitintervallen, Beobachtungsintervallen) aus dem abgegrenzten Zeitraum. zum anderen ist es eine Stichprobe aus dem abgegrenzten räumlichen Beobachtugnsbereich (Regionen, Orte, Plätze). Das Verfahren ist also in jedem Fall zweistufig: Auswahl von Zeitpunkten bzw. -intervallen. + sowie von räumlichen Bezugspunkten ( und innerhalb dieses Rahmens üblicherweise nochmals mehrstufig) Problem bei der Entwicklung eines Auswahlplans: die Auswahl muss auf Ereignisse (Erhebungseinheiten, "Elemente der Grundgesamtheit") abzielen, die zum Zeitpunkt der Stichprobenkonstruktion noch garnicht existieren. → die empirische Grundgesamtheit ist nicht vorher empirisch definierbar, + nocht sidn die Erhebungseinheiten im Voraus eindeutig bestimmbar, + noch sind alle potentiellen Einheiten im Moment der Auswahl greifbar. eine symbolische Repräsentation aller Elemente der Grundgesamtheit ist nicht unmittelbar möglich (etwa in Form einer Kartei). Bei der symbolischen Repräsentation muss deshalb auf Ersatzmerkmale zur Definition der faktischen Auswahleinheiten zurückgegriffen werden, an denen die zu beobachtenden zukünftigen Ereignisse "festgemacht" werden können. → das ist der Grund warum oben von der Notwendigkeit einer mind. zweistufigen Auswhal nach Beobachtungsräumen und Beobachtungszeitpunkten (bzw. - intervallen) die Rede war. Die interessierenden Ereignisse werden - das ist die einzige sichere (und triviale) Prognose - an bestimmten Orten und zu bestimmten Zeiten stattfinden; indem eine repräsentative Auswahl von potentiellen Ereigniszeiten getroffen wird, kann man -so die Hypothese- davon ausgehen, zugleich auch eine repräsentative Auswahl aus der Grundgesamtheit der interessierenden Ereignisse gezogen zu haben. Die Auswahleinheiten sind die Zeitpinkte und Orte; die Erhebungseinheiten sind üblicherweise die erwarteten Ereignisse, es können aber auch die ausgewählten Beobachtungsintervalle sein (s. nächsten Abschnitt); die Untersuchungseinheiten schließlich ergeben sich aus der Fragestellung der Studie. c) Bei der Inhaltsanalyse wurde als dritter Pnkt die Definition der Zähleinheit oder Kategorisierungseinheit genannt. Eine analoge Festlegung ist auch bei der Beobachtung erforderlich: Wonach soll die Häufigkeit des Auftretens bestimmter Kategorien bemessen werden? ist die Auswahleinheit "fünf Minuten Verkehrsfluss an der Kreuzung x" , dann geben die Beobachtungskategorien darüber Auskunft, auf welche Tatbestände der Beobachter in diesem Zeitintervall zu achten hat: Missachtung der Ampelregelung, Stauung, Verkehrsunfall. Außerdem ist anzugeben ob lediglich das Auftreten einer Stauung, das Vorkommen eines Verkehrsunfalls, die Tatsache der Missachtung der Ampelregelung festgestellt oder zusätzlich deren Häufigkeit im Beobachtungsintervall gezählt werden soll, ob also die Ergebnisse jeweils auf das Beobachtungsintervall zu beziehen sind. Es könnte aber auch sein, dass nicht die Häufigkeit des Auftretens eines Ereignisses pro Zeitintervall, sondern speziell das einzelne Ereignis interessiert: z.B. der Verkehrsunfall. → Das Beobachtungsintervall definiert lediglich die zeitlichen Grenzen, innerhalb derer Informationen über Ereignisse erhoben werden. Zähleinheiten = die Einheiten auf die sich die festgestellten Merkmale beziehen) im 1. B → Beobachtungsintervalle, im 2. B → Ereignisse, vorgegeben durch die Kategorie des Beobachtungsbauplans. Auswahleinheiten = in beiden Fällen eine Kombination von Beobachtungsorten und - zeitintervallen. Bei häufig auftretenden Ereignissen → Beobachtungsintervalle als Zähleinheiten (als Merkmalsträger) wählen. Bei manchen Tatbeständen, in denen die Zeit als Dimension enthalten ist, ergibt sich dies zwangsläufig: etwa Verkehrsdichte, definiert als: n Fahrzeuge pro Zeiteinheit. Bei manchen Tatbeständen → Raum, eine Fläche als zusätzlicher Bestandteil der Definition Zähleinheit an, B: Passantendichte auf der Haupteinkaufstraße, "n Personen pro abgegrenzte Fläche zum Zeitpunkt t" → Zähleinheit definiert durch einen Raum und einen Zeitpunkt; Beschreibungsmerkmal: Passanten die sich auf dieser Fläche befinden; Merkmalsausprägung = Anzahl der Passanten pro Flächeneinheit. bei seltenen Ereignissen (oder zumindest Ereignissen, die nicht zu jedem Zeitpunkt oder in jedem Beobachtungsintervall auftreten) wird man dagegen das Ereignis selbst als Zähleinheit oder als Merkmalsträger heranziehen. d) Wie bei der Inhaltsanalyse ist auch bei der Beobachtung die Entwicklung des Kategorienschemas das Kernstück und der problematischste Teil des ganzen Verfahrens. da lediglich die "Beobachtungsgegenstände" bei beiden Verfahren unterschiedlich sind (s.o.), nicht jedoch die Logik der Datenerhebung, sind die bei der Aufstellung des Beobachtungsschemas zu beachtenden Regeln die gleichen wie bei der Inhaltsanalyse. → Abschnitt 7.1.2 Die Abgrenzung beider Verfahren sind anhand ihrer "Beobachtungsgegenstände" fließend → Verdeutlichung durch ein bekanntes Kategorienschema das von R.F. Bales zur Analyse von Interaktinen in problemlösenden Kleingruppen entwickelt worden ist. Von manchen Autoren wird das Bales-Schema als Beispiel für ein Kategorienschema zur Beobachtung, von anderen als Beispiel für ein Kategorienschema zur Inhaltsanalyse verbaler Gruppenprozesse genannt. Bales Schema: Beobachtungseinheit /Zähleinheit = die kleinste erkennbare Einheit des Verhaltens, die ihrem sinn nach so vollständig ist, dass sie vom Beobachter gedeutet werden kann oder im Gesprächspartner eine Reaktion hervorruft. Die Einheit wird durch einen Bedeutungswechsel innerhalb eines Systems von Symbolden, die der Mitteilung dienen, definiert..." Die 12 Beobachtungskategorien entsprechen (d.h. sind die Operationalisierung von) sechs aus einer Theorie der Gruppe abgeleiteten Aspekten der Lösund von Problemen in Gruppenarbei (vgl. Schlüssel a bis f) + zwei Verhaltensbereiche, dem "sozialemotionalen Bereich" (vgl. A und D) und dem "Aufgabenbereich" (B und C) siehe DigiS: 153 bei konkreten eigenen Beobachtungs-Untersuchungen kann man selten auf bereits ausgearbeitete Kategorienschemata zurückgreifen. → vohandene "Muster" wie das obige werden nur als Anhaltspunkt heranzuziehen sein. Auch hierbei ist es möglich auf zweierlei Weise, zu einem Kategorienschema für die Untersuchung zu kommen: durch empirisches Vorgehen: Man beobachtet zunächst in Frage kommende Stituationen relativ unstrukturiert; man notiert alles, was auffällt → ordnet das Beobachtungsmaterial nach Kategorien + Unterkategorien ...oder Bestimmung relevanter Beobachtungsdimensionen vor der Beobachtung aufgrund von Ableitungen aus Hypothesen oder aud einer Theorie → Bildung darauf aufbauender Beobachtungskategorien. üblich = kombination aus 1. und 2. : Ausgehend von Fragestellung und Hypothesen → Entwurf eines groben Beobachtungsrasters für Pretests → Anhand gewonnener Erfahrung → Ausfeilung und Verbesserung des Kategoriensystems Auswertung: Bei den Resultaten systematischer Beobachtung besteht kein Unterschied gegenüber Daten, die mit Hilfe anderer Instrumente gewonnen wurden.
- 7.3. Befragung die am häufigsten verwendete Methode der Datenerhebung. am weitesten entwickelt trotz Kritik angesichts steigender Kosten + sinkender Ausschöpfungsquote hat die Befragung seine dominierende Position in der Forschungspraxis bewahrt. Hinzu komme eine ständig zunehmende Bedeutung telefonisch und schriftlich, insbesondere webbasiert durchgeführter Befragungen. Sprache als Instrument der Informationsübermittlung ist nicht ohne Probleme + wurde bereits bei der Einführung zur empirischen Inhaltsanalyse angedeutet: Es gibt "unterschiedliche Sprachen" in verschiedenen Subkulturen. Bezogen auf das Interview: es existiert häufig für ein und dieselbe Frage ein unterschiedliches Verständnis, eine unterschiedliche Deutung zwischen Interviewer und Befragtem sowie innerhalb verschiedener Gruppen von Befragten. weitere Einschränkung: die beobachtbaren reaktionen auf gegebene verbale Stimuli sind nicht immer schon Ausprägungen der interessierenden Merkmale → es liegen oft nur Indikatoren vor Verlässlichkeit von Information kann fraglich sein. → bewusst falsche Antworten / oder nur Vermutungen der Befragten. Befragter als Fehlerquelle ? → schwierig weil: Befragter wird in eine Rolle gedrängt muss ad hoc verbale Reaktionen zeigen → wenn diese Reaktionen auf die Stimuli nicht mit den Sachverhalten übereinstimmen, die erhoben werden sollen, dann ist darin kein "Fehlverhalten" des BEfragten zu sehen.→ der Befragte wird sich bemühen, jeweils für ihn "angemessen" auf diese künstliche Situation zu reagieren, mit der er sich konfrontiert sieht. → Neigung zu sozial erwünschten Antworten/ trotzige Reaktion / Verweigerung/ Raten. → Intervie ist ein Interaktionsprozess der ausgesproche künstlich und unnatürlich ist. Daten die durch Befragungen gesammelt werden, sind speziell für den Zweck der Forschung produzierte Daten → sind nicht nur Aufzeichnungen über normale soziale Prozesse (wie etwa im Falle der Beobachtung in "natürlichen" Situationen).
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- 7.3.1 Eigenschaften der Interview-Situation Befragung, das persönliche mündliche Interview+ schriftliche und telefonische befragung = formalisierts Verfahren alle gestellten Fragen haben rein instrumentellen Charakter: Sie sind Mittel zu dem gewünschten Zweck: den Antworten. Das Instrument "Fragebogen" misst im Allgemeinen nur indirekt, indem es nicht Eigenschaften von Sachverhalten erfasst, sondern Aussagen über Eigenschaften von Sachverhalten. zu der Künstlichkeit der Befragungssituation werden häufig drei Punkte besonders hervorgehoben: Erstens sind im Normalfall die interagierenden Personen Fremde. es gibt bestimmte Rollenvorschriften, nach denen sie/er sich verhalten soll. Diese Verhaltensvorschriften werden in der Interviewerschulung explizit vermittelt. Für Befragte gibt es soche ausformulierten und eingeübten Rollenvorschriften nicht. Fehlen bisher erfahrungen mit Interviewsituationen, werden Befragte vergleichbare oder ähnliche Situationen zur Orientierung heranziehen: etwa Vertreterbesuche an der Wohnungstür → Für Interviewer ergeben sich teilweise erhebliche Probleme, das Einverständnis der zu befragenden Person für das Interview zu gewinnen. Je nach Zugehörigkeit zu sozialen Schichten → unterschiedliche Antwortbereischaft: Mittelschicht → mitteilungsfreundlicher als Unter- oder Oberschichtangehörige. → Man spricht von einer ausgesprochenen Mittelschichtorientierung der Methode Befragung. Vorausgesetzt wird bei der Befragung ein nicht unerheblicher Individualismus des zu Befragenden. es wird unterstellt, dass zum einen der Interviewpartner seine eigenen Ansichten überhaupt für mitteilenswert ansieht und dass er zum anderen nicht so vollständig in Gruppenbezügen denkt , dass bei verschiedenen Personen der gleichen Gruppenzugehörigkeit immer die gleichen Antworten zustande kämen. Mit anderen worten: " Es muss zu den sozial eingeübten Verhaltensweisen (des Befragten) gehören, in einer dyadischen Beziehung mit Fremden mitteilbare und als mitteilenswert angesehene Meinungein und Informationen zu besitzen und sich zu ihrer Äußerung fähig und kompetent zu fühlen. 2. Bei dem Interview handelt es sich um eine asymmetrische soziale Beziehung: die eine Person stellt ständig Fragen + aktiv. die andere Person gibt Auskunft + passiv. → der Befragte ist kein eigentlicher Gesprächspartner, sondern in alelrerster Linie "Datenträger" und Informant. Strategien zur Strukturierung der Interviewsituation (Interviewerschulung, vorgeschriebener Interviewstil, s.o) sowie zur Konstruktion von Fragebögen sind Bestandteil von Bemühungen zur Optimierung der Bedingungen des "Datenabrufs". 3. Die Situation des Interviews unterscheidet sich von natürlichen Interaktionen dadurch, dass sie sozial folgenlos ist. Im Normalfall weist der Interviewer auf diesen Tatbestand hin → zusicherung der Wahrung der Anonymität eine Folge davon = es werden weniger harte Meinungen im Interview darüber geäußert. Nimmt man all dies zusammen → ein Interview kann niemals ein neutrales Erhebungsverfahren sein. Tatsache: von fast allen befolgte soziale Norm auf eine frage zu antworten. → "nicht zu antworten, also keine Reaktion zu zeigen, widerspricht offensichtlich allgemeinen Erwartungen gegenseitigen Verhaltens. → Fragen sind deshalb immer auch als reaktion nicht nur auf das zu Erfragende bezogen, sondern auf den Fragenden, auf die gesamte Situation. Die frage ist zugleich Element eines Prozesses und auch Element ganz spezifischer zeit-örtlich fixierter sozialer Situationen Noelle Neumann/Petersen bezeichnen das Interview als ein "Reaktions-Experiment": Erläuterung am Beispiel einer Umfrage zur Krankenkassenreform, in der den Befragten Reform-Alternativen zur Beurteilung vorgelegt wurden, Ihre Situationsanalyse: Zweifellos hatte die große Mehrheit der Befragten vor Beginn des Interviews noch keine gleichsam bereitliegende Meinung darüber, welche dieser Regelungen die bessere sei. Das Vorlegen von Fragen zu Gegenständen, über die sich die Befragten vor dem Interview noch keine Meinung gebildet haben, ist keine Ausnahme Bei den Meinungsumfragen werden häufig keine fertigen Meinungen eingesammelt, sondern es werden Reaktionen festgestellt. Die Befragten reagieren in der experimentellen Test-Situation indem sie die Testfragen beantworten. sie mögen über die beste Krankenkassenregelung vor dem Interview noch keine klare Meinung gehabt haben, aber dennoch kommen die Ansichten, die sie nun äußern, nicht von ungefähr. Sie sind ein Ausdruck von Kenntnissen, von persönlichen Erfahrungen, anlagen und Einstellungen, von persönlichen Interessen, die den realen und meist schwer veränderlichen Untergrund der Meinung bilden. Die Meinung selbst mag sich eben erst im Interview gebildet haben, die Dispositionenen, deren Indikator sie ist, sind vorgegeben und sind - etwa bei der Einführung einer Krankenkassenreform - eine politische Realität.
- 7.3.2. Nochmals: Das Modell sozialer Kommunikation (erweitert) Man stelle sich eine Forscherin vor, die -etwa zur Überprüfung einer Theorie- Daten über soziale sachverhalte benötigt und sie als geeignetes Erhebungsinstrument das standardisierte Interview wählt, also zur Operationalisierung der zentralen Begriffe ihrer Hypothesen eine Reihe von Fragen formulieren will. d.h. die Forscherin (F) at in ihrem Kopf bestimmte Fragestellungen (gedankliche Frageinhalte G, wobei im Folgenden der Prozess der Datenerhebung im Hinblick auf nur eine solche Fragestellung nachvollzogen werden soll: a) F benötigt Daten zum sozialen Sachverhalt S 1. b) F denkt G1 zu dieser Gedanklichen Fragestellung formuliert sie einen konkreten Fragelaut: 2. F verschlüsselt G1 in W1 (= Frageverständnis der Forscherin) Nun führen jedoch im Normalfall nict die Forscher, die den Fragebogen entwickelt haben selbst die Interviews durch. → Interviewerteam erledigt die Feldarbeit. Im Idealfall werden die Interviewer geschult → danach suchen die Interviewer (I) die ausgewählten Interviewpartner auf. Im folgendem Interview wird dem Befragten (B) der von der Forscherin formulierte Wortlaut übermittelt: 3. I übermittelt W1 an B (= Interviewer als "Übertragungsmedium" zwischen Sender = Forscherin und . Empfänger = Befragter.) der Befragte hört den Wortlaut und übersetzt die Worte entsprechend seinem Sprachverständnis in eine gedankliche Frageassoziation: 4. B hört W1 und entschlüsselt in G2 (= Frageverständnis des Befragten) Aufgrund seines entwickelt der Befragte den gedanklichen Vorstellungsinhalt einer Antwort, die er für angemessen hält: 5. B denkt G3 für die ihm angemessen erscheinende Antwort hat der Befragte nun sprachlich zu formulieren, wobei er je nach Art der Fragestellung dies entweder in eigenen Worten tun kann (bei so genannten "offenen Fragen") oder aus einer Anzahl vorgegebener Antwortmöglichkeiten auszuwählen hat (bei "geschlossenen Fragen") 6. B verschlüsselt G3 in W2 im Falle einer geschlossenen Frage protokolliert der Interviewer, welche der vorgegebenen Antwortkategorien der Befragte genannt hat: 7. a) I hört und protokolliert W2 komplizierter ist der Ablauf im Falle "offener Fragen". Der interviewer hört die Antwort W2, kann jedoch normalerweise nicht vollständig den ganzen Wortlaut protokollieren, sodern muss das nach seinem Verständnis "Wesentliche" in Stichworten festhalten. 7. b) I hört W2 und entschlüsselt in G4 (= Antwortverständnis des Interviewers). 7. c) I wählt aus G4 das nach seiner auffassung "Wesentliche" heraus und verschlüsselt dies zu W3 (= . Antwort von B im Antwort- und Sprachverständnis von I; d.h. Antwort von B, wie sie durch Vermittlung . des Mediums I zu Protokoll genommen wird). Forscherin wertet die Fragebögen aus. → entschlüsselt die antworten unter Rückgriff auf ihr Sprachverständnis und interpretiert die protokollierten (und damit zu Daten gewordenen) antworten als Indikatoren für den Sachverhalt S. Im Falle geschlossener Fragen vgl. 7a 8. a) F entschlüsselt W2 in G4 (= Antwortverständnis der Forscherin) und interpretiert W2 als Indikator für S im Falle offener Fragen vgl 7b, 7c 8. b) F entschlüsselt W3 in G5 und interpretiert W3 als Indikator für S- die Schritte 1b bis 8b skizzieren den formalisierten Prozess der Kommunikation zwischen Forscherin und Befragtem im Falle eines standardisierten Interviews. Skeptischer formuliert: Sie skizzieren Rudimente einer Kommunikation mit eingebauten Hindernissen. Vorraussetzungen für eine gelingenden Kommunikationsprozess: alle am Komunikationsprozess Beteiligten müssen die erforderliche kommunikative Kompetenz besitzen → d.h. jeder Beteiligte muss die Bedeutung der Zeichen kennen, mit deren Hilfe kommuniziert wird (hier: sprachliche Zeichen, deren Grammatik und Semantik), und zwar + alle Beteiligten müssen den Zeichen gleiche Bedeutung beimessen. Im alltäglichen Gespräch wählt man eine redudante Ausdrucksweise; d.h. es wird einiges wiederholt, es wird der gleiche Gedankengang in verschiedenen Worten ausgedrückt. → es wird also insgesamt mehr Information angeboten als zur Verständigung notwendig wäre, wenn alle möglichen Kommunikationshemmnisse technischer, psychischer und sozialstruktureller Art ausgeschlossen werden könnten. Diese Strategie kann beim standardisierten Interview nur in begrenztem Ausmaß verfolgt werden: Der Fragebogen darf nicht allzu lang werden. Der fragewortlaut muss für alle Befragten identisch sein → er muss der gleiche sein für personen mit hoher kommunikativer Kompetenz wie für Personen mit geringer kommunikativer Kompetenz. Die Forscherin muss deshalb versuchen, einen Mittelweg zu finden: Sie muss eine sprache finden, die möglichst Allgemeine Geltung hat → Das Ergebnis wird tendenziell eine mittelschichtorientierte Sprache sein. Am ehesten lasse sich technische Kommunikationshemmnisse überwinden: Der Fragebogen kann so gestaltet werden, dass die Interviewer keine Schwierigkeiten haben, die Fragen an den Befragten zu übermitteln (vgl. Punkt 3): deutliche Schrift, übersichtliche Anordnung der fragen, gut erkennbare Anweisungen für den Interviewer. Die Interviewer werden geschult darauf zu achten, dass der Wortlaut vom Befragten korrekt wahrgenommen (gehört) werden kann: deutliches Sprechen, Ausschalten störender Geräusche in der Interviewsituation, unterstützende Hilfsmittel wie vorzulegende Listen mit Antwortvorgaben bei Auswahlfragen. Der Fragebogen kann so aufgebaut wernde, dass bei geschlossenen Fragen die vom Befragten gewählte Antwortalternative ohne Probleme durch Ankreuzen protokolliert werden kann. Bei offenen Fragen ist protokollieren wesentlich schwieriger. Ein Tonbandgerät zum aufzeichnen der Antworten kann im Allgemeinen bei standardisierten Interviews mit lediglich eingestreuten offenen fragen nicht eingesetzt werden (Einverständnis des Befragten erforderlich, wodurch das Zustandekommen des Interviews erschwert würde; großer Zeitaufwand beim nachträglichen Übertragen der Tonbandaufzeichnung auf den Interviewbogen)- wesentlich geringer sind die Chancen, die nicht-technischen Kommunikationshemmnisse in den Griff zu bekommen. Keine Kommunikation geschieht vorraussetzungslos. Jeder Gesprächspartner macht sich vom anderen bestimmte Vorstellungen. bei den Interviewern entsteht dadurch die Gefahr, dass sie nach einigen durchgeführten Befragungen zu wissen glauben, was ihr Gegenüber wohl antowrten werde; etwa: "Wenn jemand alt ist und arbeiter, dann stellt er an die Qualität seiner Wohnumwelt keine hohen Ansprüche". Entsprechend solcher Vorerfahrungen werden Interviewer bei nicht ganz klaren, bei Sowohl-als-auch-Antworten auf eine entsprechende Frage den Sinn in die Antwort hineininterpretieren, der ihren eigenen (Vor-) Urteilen am nächsten kommt. Bedeutsam für die Qualität der in standardisierten Interviews zu erhebenden Daten ist auch die sorgfältige Ausschöpfung des potentiellen Antwortspektrums. so entsteht bei geschlossenen Fragen ein spezifisches Problem, wenn ein Befragter die ihm angemessen erscheinende Antwort (vgl. Punkt %) nicht in den vorgegebenen antwortalternativen wiederfindet → nimmt eine antwortalternative die seiner am nähesten kommt → antowrtet streng genommen nicht richtig / oder sagt alles treffe für ihn nicht zu. Kommt soetwas häufiger im fragebogen vor, werden Befragte möglicherweise das ganze Interview nicht mehr sehr ernst nehmen und Beliebiges antworten oder das Gespräch abbrechen.
- 7.3.3 Die Lehre von der Frage und vom Fragebogen das Vorgehensschma bei der entwicklung und anwendung der Methode Befragung ist das gleiche wie bei anderen empirischen Erhebungsverfahren: Ausgangspunkt: die zu untersuchende Problemstellung; über dimensionale und/oder semantische Analyse, Begriffspräzisierung und Hypothesenbildung → Klärung welche Arten von Informationen benötigt werden und mit welchen Instrumenten sie beschafft werden könnten. Kommt die Forscherin/der Forscher dabei zu der Meinung, ein Fragebogen sei ein geeignetes Instrument, dann erst wird das theoretische Modell -d.h. die Variablen, die in den Hypothesen vorkommen, sowie die in den Hypothesen postulierten Beziehungen zwischen den Variablen - in Fragen "übersetzt", also mit Hilfe eines Fragebogens operationalisiert. Die Hypothesen - bzw. das untersuchungsleitende Modell - bilden den Bezugsrahmen der Forschung, sie sind der Grund, warum bestimmte Fragen gestellt werden. Ihr Zweck sind Antworten, die als Daten der Überprüfung der Hypothesen dienen sollen. Die Frage ist demnach das Bindeglied zwischen den Variablen der Hypothesen und den Antworten. Vergleichbares gilt im Falle deskriptiver Untersuchungen. Wegen der Unterschiedlichkeit der wissenschaftlichen Sprachen und der Alltagssprache kann man natürlich nicht die theoretischen Begriffe (etwa Anomie, Partizipation, Integration, Schichtung, Berufsprestige) in der Frageformulierung benutzen → Wahl solcher Worte, die nach Möglichkeit von allen zu befragenden Personen verstanden werden - und zwar in möglichst gleicher Weise verstanden werden. Die Forscherin/der Forscher wird außerdem für eine theoretischen Begriff nicht nur eine einzige Frage stellen, sondern mehrere, um der Mehrdeutigkeit der Alltagssprache Rechnung zu tragen. Bei Begriffen, die von unterschiedlichen Personengruppen in unterschiedlicher Weise benutzt werden, kommt vielleicht noch eine Frage zum Begriffsverständnis des Befragten hinzu: "Was verstehen Sie unter...?" "Forschungsfragen" und "Testfragen" die oben angesprochene Übersetzung eines untersuchungsleitenden Modells in Fragen für den Fragebogen ist das Kernstück der Umfragemethode. → durch einfache und klare Formulierung soll sichergestellt werden, dass jede befragte Person die Frage eindeutig und in gleicher Weise versteht (s. o.) = notwendig, aber nicht hinreichend →"Kernstück" der Projektvorbereitung und -durchführung ist dieser Arbeitsschritt vielmehr, weil es in ihm darum geht, die eigentlich interessierenden Forschungsfragestellungen in konkret erfragbare Informationen zu transformieren, d.h. die untersuchungsleitenden Fragen zu "operationalisieren". Noelle-Neumann/Petersen unterscheiden in diesem Zusammenhang zwischen den "Programmfragen" der Forschung und den ihnen zugeordneten "Testfragen" der Umfrage. Nur im Falle direkt umformulierbarer Forschungsfragestellungen ist dieser Übersetzungsvorgang einstufig. B: wenn konkrete, leicht erinnerbare und/oder nachprüfbare Sachverhalte abgefragt werden. B: für eine verkehrswissenschaftliche Arbeit in der Hauptstadt Berlin ist es von Interesse, welche Verkehrsmittel von welchen Personengruppen benutzt werden (= Forschungsfrage). Dieser Informationswunsch könnte direkt u.a. in eine Frage wie die folgende umforuliert werden: Benutzen Sie in Berlin manchmal oder häufiger die S-Bahn, oder den Omnibus? Oder benutzen Sie diese Verkejrsmittel gar nicht? Antwortvorgaben... Desgleichen können Fragen nach der Benutzung des Pkw oder anderer Motorfahrzeuge (Motorad, Moped etc.) sowie des Fahrrads gestellt werden. Um die Forschungsfrage (" Welche Personengruppen benutzen welche Verkehrsmittel?") vollständig zu beantworten, sind außerdem noch Personenmerkmale wie Alter, Geschlecht, Berufstätigkeit zu erheben. Bei abstrakteren Fragestellungen oder bei sozialwissenschaftlich-theoretischen Forschungsfragen ist der Übersetzungsvorgang notwendigerweise mehrstufig: zunächst müssen dür die abstrakten oder theoretischen Sachverhalte, über die man Informationen sammeln möchte, geeignete Indikatoren gefunden und begründet werden. Erst in einem zweiten Schritt sind für jeden Indikator die Erhebungsfragen ("Testfragen") zu formulieren - möglicherweise wieder mehrere Fragen pro indikator. Damit bei der Übersetzung von Froschungs- in Erhebungsfragen nichts Wichtiges übersehen wird, sind also wie hier erkennbar geworden sein sollte - gründliche semantische Analysen eine notwendige Voraussetzung. eine mehrstüfige Übersetzung ist allerdings häufig selbst dann erforderlich, wenn die Froschungsfrage unkompliziert erscheint + in Alltagsbegriffen auszudrücken ist. dies ist immer dann der Fall wenn der interessierende Sachverhalt nciht einfach bei den befragten Personen "abgerufen" werden kann: etwa wenn es sich um Gründe für alltägliches Routineverhalten handelt, das im Einzelfall garnicht mehr reflektiert wird; oder wenn es um eher unbewusst ablaufende Vorgänge oder Ereignisse geht, die von den Befragten nicht auf Anhieb rekonstruiert werden können. Auch dann ist zunächst zu entscheiden: Welche Sachverhalte, aus denen die Antwort auf die Forschungsfrage abgeleitet werden kann, sind zuverlässig erfragbar? Erst anschließend folgt die Formulierung der Erhebungsfragen für den Fragebogen. Frageformulierung Um zu sichern, dass die schließlich im Fragebogen formulierten fragen so weit wie möglich einheitlich verstanden werden, sind insbesondere die folgenden Grundsätze der Frageformulierung und der Fragebogenkonstruktion zu beachten: Fragen sollen so einfach formuliert sein, wie es mit dem sachlichen Zweck der Fragestellung noch vereinbart werden kann. Komplizierte Sätze sind zu vermeiden, ebenso wie zu lange Fragen. Es sind einfache Sachverhalte anzusprechen. Die Fragen müssen unmittelbar verständlich sien (keine unklaren Begriffe, keine doppelten Verneinungen). 2. Die Fragen und die verwendeten Begriffe sollen so eindeutig sein, dass ein für alle . Befragten einheitlicher Bezugsrahmen geschaffen wird. Auch der gewünschte . Genauigkeitsgrad der Antwort ist zu spezifizieren. wird z.B. nach dem Nettoeinkommen des Haushalts gefragt, dann muss dieser Begriff in der Frage eindeutig geklärt werden (Was gehört dazu, was gehört nicht dazu?). Gleiches gilt für die einfach erscheinende Frage nach der Wohnungsgröße (Angabe in qm oder in Zahl der Zimmern? Wenn qm: zählen Flur Bad, Balkon, Abstellkammer dazu? Wenn Zimmer: ab welcher Größe zählen Räume als ganze Zimmer?) Im Übrigen darf zur Sicherung der Eindeutigkeit nur eine Frage zur gleichen Zeit gestellt werden. Dieser Forderung würde z.B folgende Formulierung nicht gerecht; " Haben Sie in den vergangenen vier Wochen allein oder mit Ihrer Familie oder mit Freunden/Bekannten einen Ausflug unternommen? → zwei ineinander verschränkte Fragen, nämlich: "Haben Sie in den vergangenen vier Wochen einen Ausflug unternommen?" und: "Haben Sie den Ausflug allein unternommen oder zusammen mit anderen?" (Antwortvorgaben: allein; mit der Familie; mit Freunden/Bekannten). Unter dem Gesichtspunkt "Einheitlichkeit des Bezugsrahmens" wäre im Übrigen noch der Begriff "ausflug" zu klären. zur Eindeutigkeit gehört auch, dass der Befragte weiß, "in welcher Funktion" er angesprochen wird: Soll er über sich selbst Auskunft geben/ gilt er als Informant über andere / als Zeitzeuge Soll er etwas neutral beschreiben? / spontan, ohne langes Überlegen seine Meinung äußern, oder werden wohlabgewogene Beurteilungen von ihm erwartet? falls ja: Beurteilungen aus seiner eigenen Perspektive/ "überparteiliche", verallgemeinernde Ergänzungen? Klar erkennbar sein muss auch der zeitliche Bezug der Frage: geht es um das Hier und Jetzt oder um Vergangenes/ Einschätzungen zu künftigen Entwicklungen? 3. Der Befragte darf nicht überfordert werden; d.h. sein Wissensstand darf nicht . überstrapaziert, er darf nicht "überfragt" werden. nicht nach Informationen fragen, über die viele Befragte vermutlich nicht verfügen. zuviele Unterscheidungen sind zu vermeiden. Annahme: Der Befragte ist kein Gedächtniskünstler → Hilfsmittel: Listen/Kartenspiel mit Antwortvorgaben. wenn sehr viele Unterscheidungen unabdingbar sind oder wenn sehr viele Aspekte miteinander verglichen werden sollen. Befragte und Interviewer sollen "von jeder nicht unbedingt notwendigen Anstrengung intellektueller, psychologischer, sprachlicher und technischer Art entlastet werden" 4. Fragen sollen keine spezielle Antwortrichtung nahelegen. Sie dürfen nicht suggestiv . wirken, sondern müssen so neutral wie eben möglich gestellt werden. Der Zweck dieser Forderung ist es zu verhindern, dass sich in den Antworten statt der persönlichen Meinung des Befragten die Auffassung des Forschers oder gesellschaftlliche vorurteile widerspiegeln eine suggestive Wirkung hat eine Frage schon dann, wenn im wortlaut nur eine Antwortalternative genannt oder nahe gelegt wird, etwa: Wären Sie damit einverstanden, wenn sie auch Gastarbeiterfamilien als Nachbarn hätten? Aus diesem Grund werden Formulierungen wie die folgende bevorzugt, auch wenn diese "weniger elegant" klingen: Wären sie damit einverstanden, wenn Sie auch Gastarbeiterfamilien als Nachbarn hätten oder wären sie damit nicht ganz einverstanden? (es folgen mehrere Antwortvorgaben) noch besser, wenn es gelingt, statt der bloßen Verneinung einer Position eine gleichgewichtige Alternativposition in den Fragewortlaut aufzunehmen. zusammengefasst; der Froscher muss mit gößter Sorgfalt die Fragestellung, die sich aus seinem Forschungsbezugsrahmen ergeben, in den Bezugsrahmen des Befragten übertragen. Als Resultat der bisherigen Erfahrungen im Umgang mit dem Instrumen Befragung haben sich hierfür bestimmte Frage- und Befragungsformen herausgebildet. Frageformen Nach der Art der Antwortvorgabe unterscheidet man zwischen → offenen / geschlossenen Fragen Offene Fragen: ünerlassen Antwortformulierung dem Befragten. → Kategorien in denen geantwortet werden kann werden offen gelassen. Vorzug: keine Vorab-Inhaltsanalyse möglicher antworten zur entwicklung von Antwortkategorien erforderlich. → Zur Exploration bei Problemstellungen geeignet, für die nicht schon umfassende Kenntnisse über das Universum möglicher Antworten vorhanden sind Andererseits: Umfang und Schwerpunkt der jeweiligen Interview-antwort ist davon abhängig, was dem Befragten zum Zeitpunkt der Ad-hoc-Situation des Interviews spontan einfällt. Offene Fragen setzten beim Befragten viel voraus: Artikulationsfähigkeit, Information, Motivation. Offene Fragen eignen sich zur Auflockerung der ansonsten "bürokratisch" ablaufenden Kommunikation sowie zur Abrundung eines im Übrigen mit geschlossenen Fragen abgehandelten Themas. wichtiger ist ihre gezielte Verwendung für spezifische Zwecke, bei denen fragen mit einer geschlossenen Liste von Antwortvorgaben versagen, nämlich: um Wisssen zu überprüfen um den Sprachgebrauch der Bevölkerung zu einem bestimmten Themenbereich kennen zu lernen, um die "Aktualität" von Themen oder Argumenten zu messen sowie um Gebiete von besonderer individueller Vielfalt zu erkunden. Geschlossene Fragen: vorformulierte Antwortalternativen. Bei nur zwei Vorgaben - etwa: ja/ nein- spricht man von Alternativfragen Es muss im zuge der Formulierung der vorzugebenden Antwortkategorien eine gedankliche "Inhaltsanalyse" des potentiellen Spektrums von Antworten in unterschiedlichen Befragtengruppen vorweggenommen werden. Die Gefahr dabei : diese fällt unvollständig aus / es werden Kategorien gewählt die aus dem Bezugsraum des Forschers stammen + nicht dem Bezugsraum des Befragten entsprechen. → Für manche Befragten können Antwortvorgaben uneindeutig sein oder eine ganz andere Verständigungsdimension betreffen. die Folge wären Schwierigkeiten, die beabsichtige Antwort in vorgegebenen Kategorien unterzubringen. Eine besondere Vorbereitung ist notwendig, wenn abgestufte Beurteilungen zu sachverhalten oder zu Aussagen ("statements") zu erheben sind. Üblicherweise sollen dabei die Befragten ihr Urteil auf einem vorgegebenen Einschätzungs-Spektrum anordnen. B: triff voll zu - trifft überhaupt nicht zu. Damit die antworten der Befragten untereinander hinreichend vergleichbar sind, müssen die vorgelegten Einschätzungsskalen mehrere Bedingungen gleichzeitig erfüllen: die einzelnen Abstufungen sind in eindeutiger Weise verbal zu bezeichnen; den verbalen Bezeichnungen sind semantisch entsprechende numerische Abstufungen zuzuordnen (z.B. von 5 - 1 → Ausmaß des Zutreffens; +3 bis -3 → Zustimmung vs. Ablehnung); zugleich ist die verbale und numerische Bezeichnung druch eine geeignete graphische Gestaltung zu unterstützen (z.B. wird die Gleichgewichtigkeit der abgestuften Werte durch gleiche Abstände zwischen den Werten veranschaulicht). weiteres Probem ist bei geschlossenen Fragen: die Reihenfolge der Antwortvorgaben, die - insbesondere bei einer größeren Zahl von Vorgaben- nicht ohne Einfluss auf das Antwortverhalten ist. Bei mündlichen Interviews kann dieser Effekt der Reihenfolge durch die Verwendung so genannter "Kartenspiele" ausgeschlatet werden, d.h. durch Karten mit Antwortvorgaben , die man in wechselnder Reihung nebeneinander den Befragten vorlegt. Nicht ohne Problem beantwortbar ist die Frage, ob eine vom Forscher als "geschlossen" angesehene Frage auch jedem Befragten als geschlossen erscheint. Dies ist häufig dann nicht der Fall. wenn der Befragte in der Lage ist, ein Problem sehr differenziert zu beurteilen, etwa weil er viel damit zu tun hat, weil er also auf diesem Gebiet ein Experte ist. Hat man bereits bei der Fragebogenkonstruktion (bzw. nach dem "Pretest") denEindruck, dass das Antwortspektrum nicht durch Vorgaben voll erschöpft werden kann, hilft man sich damit,... "halboffene" oder "halbgeschlossene" fragen zu stellen: die aus der Sicht der forscher wichtigsten Kategorien werden vorgegeben, zusätzlich wird eine Kategorie: "sonstiges, und zwar..." offen gehalten. → Hybridfragen Unterscheidung nach der Art der Frageformulierung: Direkte Fragen: sprechen den Befragten persönlich an; B: Was ist IHRE Meinung zu...? Wie hoch ist IHR Einkommen...? Indirekte Fragen: der Befragt wird nicht persönlich angesprochen → Frage wird "eingekleidet", z.B in eine kleine Geschichte. oder es wird eine Aussage oder Meinung einer größeren Zahl anonym gelassener Personen zugeschrieben und gefragt, wa man von dieser Aussage oder Meinung zu halten habe; etwa: es gibt eine Menge Leute, die die folgenden Ansichten vertreten. Kann man solchen Menschen zustimmen, oder sollte man sie zurückweisen? " Man sollte dafür sorgen, dass die Gastarbeiter aus den heruntergekommenen Behausungen in anständige Wohnungen kommen, auch wenn Wohnungen knapp sind." (antwortvorgaben von Starker zustimmung bis starke Ablehnung) Eine Formulierung, die zu einer direkten, persönlicen Stellungnahme auffordert, könnte dagegen so lauten: "Ich bin der Meinung , dass..." Indirekte Fragen werden in der Hoffnung formuliert, dass der Befragte dann eher antwortet als auf eine direkt gestellte Frage: Wörtlich genommen wird von ihm eine Aussage über andere, weniger über sich selbst erwartet. Allerdings beeinflusst diese indirekte Art der Formulierung nicht nur die Bereitschaft, bestimmte Meinungen /ansichten zu äußern. D.h. es werden im Allgemeinen nicht nur mehr Antworten gegeben, sondern die Antworten fallen auch anders aus als bei direkten Fragen. Ungewiss bleibt: Welche Antwort spiegelt die Haltung des Befragten zum angesprochenen Sachverhalt am ehesten wider, welche ist also zutreffender? schwierige Fragen Gemeint sind Fragen, die unverständlich formuliert wären oder die den Befragten überforderten. Vielmehr sind dies Fragen, die sich auf "schwierige" Themen beziehen, auf Themen, zu denen nicht gern Stellung genommen wird, bei denen die Zahl der Antwortverweigerungen höher liegt (etwa: Schlagen von Kindern als Erziehungsmaßnahme, aber auch Verdienst/Einkommen). Generell darf man vermuten: Je mehr eine Frage nach Auffassung des Befragten in seinem Intimbereich eindringt, desto weniger wird er bereit sein zu antworten. Was allerdings zum Intimbereich zählt ist nicht konstant sondern unterscheidet sich je nach Kultur, auch auch nach sozialer Schicht und individuell. Maßnahmen zur Erhöhung der antwortvorgabe bei "schwierigen" Themenbereichen werden neben der Formulierung indirekter Fragen häufig genannt: Vorgabe vorverschlüsselter Antworten: Beim Einkommen etwa die Vorgabe von Einkommensklassen statt der offenen Frage. die Entschärfung oder verharmlosung dieser Frage durch geeignete Formulierung; statt von Diebstahl spricht man davon, dass jemand "etwas weggenommen" habe; statt von Steuerhinterziehung ist die Rede davon, jemand habe das Finanzamt "übers Ohr gehauen"; der Appell an den Mitläufer-Effekt: "manche Leute haben ja eine feste Meinung darüber, ob die Wiedereinführung der Todesstrafe die Terroristen von ihrem Tun abhalten könnte. Wie ist ihre ansicht dazu? Das "schwierige" Thema wird als etwas Selbstverständliches dargestellt: "Man erfährt ja täglich aus der zeitung und im Bekanntenkreis über Ehescheidungen und über Gründe, die zum Scheitern von Ehe führen..." die Überrumpelung des Befragten mit ganz direkt gestellten Fragen:" Wie oft sind Sie im letzten Karneval fremdgegangen?" Unterscheidung nach der Funktion im Gesamtfragebogen: Einleitungs- und Übergangs- bzw. Überleitungsfragen, Filter-, Folge- sowie Sondierungsfragen, Puffer- und Schlussfragen. Einleitungs- und Übergangsfragen : werden gestellt um den Befragten in das Gespräch einzuführen oder um auf ein neues Thema überzuleiten Pufferfragen; Aufgabe: ziehen Trennlinie zwischen zwei Themenbereichen, von denen man befürchtet, dass sie einen "Ausstrahlungseffekt" (s.u.) aufeinander ausüben. → sollen den Befragten durch Ansprechen eines (nach Möglichkeit) interessanten neuen Themas vom vorherigen Interviewinhalt ablenken, bevor zum nächsten Fragekomplex übergangen wird. Schlussfragen: können eine Art "Bilanzierung" des Gesamtinterviews zum Gegenstand haben, bevor ganz am Schluss noch sozialstatistische Daten zur Person (Alter, Geschlecht, Beruf, Einkommen etc.) erhoben werden. Einleitungsfrage = Gegenstück zur Schlussfrage, die das Gespräch eröffnen und von denen nicht unerheblich der Erfolg des Interviews abhängt. Sie sollen das Interesse der zu beragenden Person wecken und sie dazu motivieren, konzentriert mitzuwirken. Ein guter Intervieweinstieg hat eine "Eisbrecherfunktion" Ungeeignet dazu: Fragen die mit "Nein" beantwortet werden. → Mit Nein zu Antworten ist vielen Menschen unangenehm, gilt gerade zu Beginn eines Gesprächs unhöflich; "ein Nein am Anfang des Interviews ist grundsättlich kein guter Beginn. Fragen die die meisten verneinen, sind keine guten Eisbrecherfragen. Eisbrecherfragen sollten unterhaltsam und nicht zu schwer sein, aber auch nicht banal wirken. Der Befragte soll das Gefühl bekommen, dass seine Meinung ernst genommen wird. Eine gute Eisbrecherfrage wirkt so, als könnte man mit ihr auch ein normales Alltagsgespräch eröffnen. Überleitungsfrage. Insbesondere in der Mitte des interviews, wenn Übermüdungserscheinungen eintreten, hat sie die Aufgabe, das interesse wieder neu zu entfachen und die Konzentration zu erhöhen. Nützlich: Wechsel der Frageform: z.B: ds Einstreuen einer leicht beantwortbaren offenen Frage oder die Kombination mit einer Bilderkarte oder einem "Kartenspiel" (s.o.) Filterfragen: dienen dazu während des Intervies bestimmte Untergruppen von Befragten zu bilden, für die je spezielle Fragen zu stellen sind. Fragebatterie = Im Normalfall wird zu einem Thema nicht nur eine Frage gestellt, sondern mehrere Einzelfragen beziehen sich auf denselben Themenkreis. Folgefragen sind das Gegenstück dazu: Sie dienen dem Zweck einzelne Aspekte aus vorhergehenden Antworten genauer zu erfassen, Schreitet man voll allgemeinen Fragen zu immer spezielleren Fragen, spricht man von "Trichterung"/ Fragentrichter Sondierungsfragen = sonderform der Folgefragen; werden gestellt, um nach unklaren Antworten die genaue Bedeutung der Antworten zu ermitteln. Dies kann insbesondere bei offenen Fragen erforderlich werden. Fragebogenkonstruktion mit der zuletzt vorgenommenen Unterscheidung von Fragen nach ihrer Stellung im Gesamtinterview wurde bereits die Fragebogenkonstruktion berührt: die Fragen werden nicht zufällig zusammengewürfelt, sondern nach bestimmten Gesichtspunkten im Fragebogen angeordnet, Man beginnt üblicherweise mit möglichst neutralen, jedenfalls nicht mit "schwierigen" Fragen. Am Beginn Fragen die beim Befragten Interesse wecken. man wird mehrere fragen zum gleichen Komplex zusammenfassen, nicht ständig von einem Thema zum anderen springen. Jeder neue Themenkomplex wird mit Überleitungsfragen vorbeireitet. eine Ausnahme: Kontrollfragen: Man stellt zu einer Frage für die man die Verlässlichkeit der Antwort ermitteln möchte, an einem anderen Platz im Fragebogen eine ähnliche Frage, und zwar so, dass der Befragte nach Möglichkeit nicht bemerkt, dass diese Frage ähnlich schon einmal gestellt worden ist. Die obige Aussage " man wird mehrere Fragen zum gleichen Komplex zusammenfassen, nicht ständig von einem Thema zum anderen springen" ist unterschiedlich weit auszulegen, je nachdem welcher typ von Befragung geplant ist. Soll die Interviewsituation Merkmale eines "reaktionsexperiments" (s.o.) aufweisen, dann darf für ihre befragte Person kein "roter Faden" zwischen den einzelnen Themen (im Extremfall: zwischen den einzelnen Fragen) erkennbar sein. Die ideale Befragtenrolle ist die von "Versuchspersonen", d.h. sie sollen auf jeden einzelnen "Stimulus" (auf jede einzelne Frage) möglichst unabhängig von den anderen "Stimuli" (den anderen Fragen) reagieren, und zwar spontan, ohne langes Überlegen. Ganz anders stellt sich die Lage dar, wenn die Interviewsituation Merkmale eines (möglichst) rationalen Informationsabrufs aufweisen soll. Die ideale Befragtenrolle ist in diesem fall die des korrekten Informanten. Vergleichbare Alltagssituationen, die ebenfalls durch (relative) Standardisierung und asymmetrische Kommunikation gekennzeichnet sind , sind etwa Anamnesegespräch beim Arzt, die Situation der Befragten als zeuge vor gericht oder die Erteilung von Askünften für ein Formular in einer Behörde. In allen diesen Fällen geht es nciht darum, situationsgebundene Reaktionen zu produzieren, sondern situationsunabhängige, wohlüberlegte Angaben zu machen. Der zentrale Unterschied des Interviews zu diesen Referenzsituationen liegt in der zugesicherten Anonymität und sozialen Folgenlosigkeit des Gesprächs. gerade diese Zusicherung solle es den befragten ermöglichen, die Informantenrolle ohne persönliches Risoko zu übernehmen und von strategischen Überlegungen unbeeinflusste "wahre" Auskünfte zu geben. Aufbau des Interviews hat in diesem Falle den Erfordernissen der Informatenrolle rechnung zu tragen: Die Befragungssituation muss für die interviewte Person hinreichend (im Extremfall: völlig) transparent sein. Der Fragebogen ist so aufzubauen, dass der "rote Faden" erkennbar ist; vor der Einwilligung in das Interview, spätestens an dessen Beginn ist ein grober Überblick über den Zweck der Befragung sowie über die zur Sprache kommenden Themen zu geben; während des Interviews soll nicht "wild" zwischen verschiedenen Themen hin- und hergesprungen werden; falls erforderlich, ist dem Befragten Zeit zum Überlegen oder zum Nachschlagen in persönlichen Unterlagen einzuräumen. auch bei diesem Interviewtyp: alle Regeln zu beachten, die darauf bedacht sind, das Gespräch kurzweilig und möglichst wenig ermüdend zu gestalten. Eine "reale" Befragung dürfte selten vollständig dem einen oder dem anderen Extremtyp entsprechen. In welche Richtung der Schwerpunkt gelegt wird, hängt von den Forschungsfragestellungen sowie von dem zu befragenden Personenkreis ab. Unabhängig davon an welchem Modell der Interviewsituation sich die Erhebung orientieren soll, sind bei der Fragenanordnung zwei mögliche verzerrende Effekte in rechnung zu stellten und zu vermeiden: der Ausstrahlungs- und der Platzierungseffekt. Der Ausstrahlungseffekt (halo effect) ist bei der so genannten "Mikroplanung" des Fragebogens. - der Abfolge der einzelnen Fragen innerhalb der verschiedenen Themenbereiche - zu berücksichtigen. Jede Frage bildet für die nachfolgenden den Bezugsrahmen, sie stellt den Hintergrund für das weitere Gespräch dar. , sie "strahlt aus" auf die weitere Gedankenführung → keine Frage wird vom Befragten isoliert gesehen Der Ausstrahlungseffekt ist auch dem Bemühen von Befragten um Widerspruchslosigleit ihrer Antworten zuzuschreiben → es wird umso stärker wirksam, je größer ihr emotionales Engagement bei bestimmten Fragen ist. Die Tatsache des Ausstrahlungseffektes nutzt man gezielt bei der Trichtierung: Mit Allgemeinen Fragen wird in ein Thema eingeführt, mit immer spezielleren Fragen geht man schließlich bis in Einzelaspekte des Problems. Manche Fragen über spezielle Einzelaspekte könnten die Befragten vermutlich gar nicht beantworten, wenn nicht das Thema von Frage zu Frage weiter entfaltet würde. Bei der Trichtierung arbeitb man also mit einem gewollten Ausstrahlungseffekt. In anderen Fällen ist dieser Effekt absolut unerwünscht, etwa bei Meinungsfragen. B: Wenn B: zunächst von Überfallen auf Taxifahrer sowie Mord an einem Taxifahrer die Rede war und wenn direkt anschließend die Meinung zur Todesstrafe erfragt sollte, dann darf der Interviewer sich eines halo-Effekts sicher sein. → die Frage nach der Meinung zur Tordesstrafe bezieht sich dann nciht mehr nur auf den manifesten Inhalt der Frageformulierung; vielmehr schwingt latent die Einbettung in das Thema Mord und Überfälle bei Taxifahrern mit. Hätte sich das Interview vorher um Justizirrtümer gedreht, etwa die Hinrichtung eines fälschlicherweise zum tode verurteilten Unschuldigen, dann würde die anschließende Frage nach der Todesstrafe erheblich andere Antworten bringen. Fragen, die in unerwünschter Weise Einfluss aufeinander ausüben können, müssen im Interview möglichst weit auseinander liegen und sollten durch andere Themenbereiche auch inhaltlich getrennt werden. Für die zum halo effect analoge Ausstrahlung, die die Platzierung ganzer Gruppen von Fragen im Interview ("Makroplanung" des Fragebogens) auf die Antworten ausübt, schlägt Scheuch die Bezeichnung Platzierungseffekt vor. Die Beziehung, die oben für aufeinander folgende Einzelfragen skizziert wurde, besteht nämlich durchaus auch zwischen einem ganzen Themenkomplex und dem nächsten. → Eine ganze Gruppe von Fragen gibt also den Bezugsrahmen für eine nachfolgende Gruppe von Fragen ab. wenn besipielsweise zunächst von Eigentumsrechten, von Verfügungsgewalt und Produktionsmittel, von Aussperrung und Streik die Rede war, haben Fragen zur gewerkschaftlichen Forderung nach paritätischer Mit bestimmung einen anderen Stellenwert und einen anderen Bezugsrahmen, als wenn vorher Fragen zur Demokratisierung, zur Lebensqulität, zur Verwirklichung von Persönlichkeitsrechten gestellt worden wären. wo eine Trennung von Fragen bzw. von Fragenkomplexen (zur Ausschaltung des halo- bzw. Platzierungseffekts) nicht möglich ist, kann man sich damit helfen, dass man für zufällig bestimmte Teilgruppen von Befragten Interviewbögen mit unterschiedlicher Reihenfolge der Fragen verwendet. . → Auf diese Weise können Effekte der Reihenfolge zwar nicht ausgeschaltet werden, aber doch immerhin kontrolliert werden. So hat beispielsweise das Marktforschungsinstitut bei einer Befragung über die Nutzung und Einschätzung der Informationsmedien Fernsehen, Hörfunk und Tageszeitung die Interviews je zu einem Drittel mit unterschiedlichen Fragebogenfassungen durchgeführt: Splittversion 1 mit der Reihenfolge: Fernsehen - Tageszeitungen - Hörfunk; Splittversion 2 Hörfunk - Fernsehen - Tageszeitungen 3 Tageszeitungen- Hörfunk - Fernsehen. Im Falle des Modells "interview als Reaktionsexperiment" lassen sich mit Hilfe solcher gesplitteter oder gegabelter Befragungen sogar repräsentative psychologische Kontrollgruppenexperimente mit großen Fallzahlen realisieren. Formen der Befragung Nach der Befragungssituation kann man trennen zwischen mündlicher und schriftlicher Befragung. Bei der mündlichen Befragung (im Allgemeinen Interview genannt) unterscheidet man Das Einzelinterview Das Gruppeninterview. Beim Einzelinterview sucht der Interviewer den Befragten im Allgemeinen in dessen Wohnung auf (kann aber auch seine Arbeitsstellte oder sonst ein Ort sein, der von der Fragestellung der Untersuchung her geeignet ist) Beim Gruppeninterview sind mehrere Personen anwesend und werden gleichzeitig befragt. Dabei notiert der Interviewer die gegebenen Antworten. Sonderform des mündlichen Interviews ist das telefonische Interview wurde früher vor allem für sogenannte Blitzumfragen mit einem kurzen Fragekatalog zu eng begrenzten Themen verwendet. seit einigen Jahren zunehmend häufiger eingesetzt. Bei den schriftlicheninterviews gibt es einerseits die postalische befragung: Zustellung des Fragebogens per Post oder Verteilung der Fragebögen in die Briefkästen durch Boten. Vom Adressaten wird dabei erwartet, dass er den Fragebogen selbst ausfüllt und ihn anschließend an die Forschungsgruppe (das Institut) zurückschickt. um eine ähnliche Befragungsart handelt es sich, wenn zunächst der Fragebogen durch Interviewer überbracht und nach Erläuterung des Zwecks der Befragung zum Selbstausfüllen im Haushalt gelassen wird. Später holt der Interviewer den Fragebogen wieder ab, wobei er ihn auf Vollständigkeit überprüft und eventuell ergänzt (z.B. bei der volkszählung) Diese Vorgehensweise hat gegenüber der rien postalischen Befragung den Vorteil, dass im Allgemeinen die Ausfallquote geringer ist. Zunehmend an Bedeutung gewinnen auch über eMails verteilte oder direkt online ausgeführte Formen schriftlicher Befragungen. Davon zu unterscheiden = schriftliche Befragung in einer Gruppensituation: Eine ganze Gruppe von zu Befragenden ist gleichzeitig anwesend und füllt in Anwesenheit einer Aufsichtsperson den Bogen aus (etwa bei schriftlichen Befragungne von Schulklassen) Unterscheidung Hinsichtliches des Grades an Standardisierung der Befragung: voll-standardisiert teil- standardisiert nicht- standardisierter Befragung. Bei der voll standardisierten Befragung: sind sämtliche Fragen explizit vorformuliert. Reihenfolge der Fragen ist festgelegt., ob Fragen offen/ geschlossen gestellt werden. ob Listen/ Karten vorgelegt werden. Die Interviewer haben keinen Spielraum bei der Gestaltung ihrer Gespräche. Schriftliche Befragungen sind im Allgemeinen voll-standardisiert. Beim Teil-standardisierten Fragebogen → Fragebogengerüst: hauptsächliche wird mit offenen Fragen gearbeitet. Sondierungsfragen sind zugelassen Interviewer haben die Möglichkeit, die Befragungssituation selbst mitzustrukturieren. Einzelinterviews mit Hilfe eines solchen Fragebogengerüsts oder Interview-Leitfadens werden Leitfadengespräch bzw. Intensiv- oder Tiefeninterview genannt. Diese Form der Befragung erlaubt es zu bestimmten Themen genauer nachzufragen, Sachverhalte intensiver oder mehr on die Tiefe gehend zu erfassen. Schriftliche Teilstandardisierte Befragungen sind selten. Sie richten sich allenfalls mit eng abgegrenztem Themenbereich an Experten oder spezielle Zielgruppen. Das nicht-standardisierte Interview verzichtet vollständig auf einen Fragebogen. Vorgegeben sind nur Stichworte oder Themen, die im Interview anzusprechen sind; die Befragten können ohne Vorgabe, ohne präzise Einzelfragen dazu Stellung nehmen. Die Gruppendiskussion nicht zu verwechseln mit dem Gruppeninterview wird meis in dieser Weise geführt. Der Diskussionsleiter gibt lediglich das Rahmenthema vor + achtet darauf, dass nach Möglichkeit jeder zu Wort kommt; er führt zum Thema zurück, wenn die Diskussion abschweift. Unterscheidung nach der Häufigkeit der Befragung einmalige Befragung Panel: Befragung derselben Person zu mehreren Zeitpunkten. ist sehr kostpielig man muss mit einer relativ großen Stichprobe arbeiten, da bei jeder neuen Welle von Befragungen eine gewisse Zahl von Ausfällen einzukalkulieren ist. Nur mit einem direkten Panel, bei dem dieselbe PErson mehrfach interviewt werden, lassen sich Veränderungen von Meinungen und Einstellungen wie auch von Verhaltensweisen messen. Bie Forschungsinstituten wird der Begriff panel auch ineiner etwas abweichenden Weise verwendet. Sie Institute haben im Allgemeinen einen Pool von Personen gesammelt, die sich bereit erklärt haben, an Befragungen teilzunehmen (access panel). Bei Routineerhebungen werden dann diese Personen wiederholt angeschrieben oder angerufen oder von Interviewern aufgesucht oder -zunehmen - über eMail kontaktiert und um Teilnahme an einer online-Umfrage gebeten. Je nach Thema können aus diesem Pool auch spezifische Gruppen von Zielpersonen anhand der im Institut vorhandenen sozio-demographischen Angaben nach dem Prinzip der bewussten Auswahl herausgefiltert werden. Um Kriterien der Repräsentativität zu genügen, dürfen die teilnehmenden Haushalte allerdings nicht über das Internet, sondern müssen "offline" rekrutiert worden sein .(da relevante Teilgruppen der Gesellschaft nicht über einen privaten Internetzugang verfügen und da zudem bei den Internethaushalten das Medium sehr unterschiedlich genutzt wird). Ein Beispiel für ein methodisch anspruchsvolles access panel ist das vom Berliner Markt- und Meinungsforschungsinstitut forsa (Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen) aufgebaute "forsa.omninet". Haushalte ohne Internet erhalten um ebenfalls online erreichbar zu sein, vom Institut eine Übertragungseinheit (set-top-box) gestellt, das ihre Telefonleitung mit dem Fernseher verbindet. Liegt ein neuer Fragebogen vor, so wird eine entsprechende Mitteilung auf dem Fernsehschirm des zu Befragenden angezeigt. Entscheidet sich die Zielperson zur Teilnahme, so wird eine Verbindung zum Sever des Instituts aufgebaut und der Fragebogen Frage für Frage über den Fernsehbildschirm angezeigt.
- 7.3.4 Befragung als Messvorgang wird der Fragebogen eingesetzt in einer Forschungskontaktsituation, die als "Reaktions-Experiment" zu charakterisieren ist, ergeben sich für die Mess-Situation keine Besonderheiten: die befragten gelten als "Versuchspersonen" (Vpn), deren möglichst spontanen Antworten auf die Testfragen = Indikatoren für die an ihnen zu messenden Merkmale festzuhalten sind. Dies ist die Aufgabe der Interviewerin bzw. des Interviewers, die/der anhand des entsprechend konstruierten Befragungsinstruments das "Befragtenverhalten" beobachtet und protokolliert. Die Rollenverteilung ist eindeutig: die befragte Person ist der Merkmalsträger ihre Reaktionen auf die verbalen Stimuli (die Testfragen) sind die zu erhebenden MErkmale Interviewer = messende Person. Durch gründliche Schulung des Interviewerstabes sowie durch geeignete Standardisierung des Befragungsinstruments und der Befragungssituation ist soweit wie möglich sicherzustellen, dass keine vom Frage-Stimulus unabhängigen Einflüsse die Reaktion des Befragten (also seine Antwort) beeinflussen. Die gegebenen Antworten haben zudem nicht den Status, "objektiver" Sachinformationen, sondern gelten als Indikatoren für latente Merkmale der befragten Person. anders stellt sich die Situation dar, wenn Befragte in der Rolle von "Informanten" angesprochen werden. In diesem Falle ist die Befragungssituation als "Informationsabruf" charakterisierbar; die Antworten des Befragten gelten jetzt als Auskünfte über die MErkmale der interessierenden Objekte bzw.. bei Anwendung eines standardisierten Erhebungsinstruments- als Messwerte. Die Rollenverteilung ist jetzt eine andere: Die befragte Person teilt anhand der im Fragebogen vorgegebenen Skalen oder standardisierten Antwortmöglichkeiten als "informierter Experte" für den durch die Frage angesprochenen Sachverhalte mit, "was der Fall ist". Der/die Befragte wird also in der Forschungskontaktsituation nicht in dier Rolle des Untersuchungsobjekts, → sondern als Informant und Mitwirkende/ r im Forschungsprojekt angesprochen; er/sie ist (gemäß der Abbildung ) die messende Person. Der Interviewer hat nur noch die Aufgabe der neutralen Übermittlung von Fragen und der Protokollierung von Antworten. Das jeweils "interessierende Objekt der Untersuchung" kann natürlich auch die befragte Person selbst sowie ihr engerer Lebenskontext sein. In diesem Fall gibt sie Selbstauskünfte (über persönliche Merkmale wie Alter, Bildung, Einkommen, Parteipräferenz etc.) sowie Auskünfte über ihre unmittelbare Umwelt. (Anzahl der Mitglieder des Haushalts, Alter und Beruf des Ehepartners, Größe der Wohnung etc.) Den Cahrakter des "generalisierten Messinstruments" erhält der Fragebogen jedoch gerade daraus, dass der Gegenstandsbereich , zu dem Fragen gestellt, d.h. Auskünfte und Beurteilungen abverlangt werden können, praktisch unbeschränkt ist.