gerontologie (Subject) / 009 Geriatrische Notfallpatienten (Lesson)

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  • Wie viele Patienten (Prozentangabe) im NA-Dienst sind über 80 Jahre alt? 20%
  • Wie hängt der höhere Anteil Älterer in der Notaufnahme mit deren Anteil in der Bevölkerung zusammen? In der Notfallmedizin ein Anstieg, der stärker ist, als vom Bevölkerungsanteil her vermutet. (Ü 70 jährige, Definitionssache) Jeder 5. Pflegeheimbewohner bekommt einmal im Jahr notfallmedizinische Behandlung. Der Anteil der Älteren in der Notfallmedizin steigt insgesamt proportional.
  • Überleben bei älteren Patienten, wie schaut es aus, wenn man Ältere mit Jüngeren vergleicht? Gehen häufig Ältere Patienten auf die Intensiv oder Überwachungsstation und haben insgesamt eine schlechtere Prognose. Die Mortalität ist deutlich erhöht.
  • Welche Rolle spielen Funktionalität und Komorbiditäten in der Notfallmedizin Älterer? Sind Funktionalität und Komorbiditäten ist die Überlebensrate deutlich eingeschränkt.
  • Warum überschätzen Notärzte den Anteil Älterer in der Notfallmedizin? Längere Aufenthaltsdauer Höherer Ressourcenverbrauch (Untersuchungen etc.) Unsicherheiten, Bedarf nach Weiterbildung in Geriatrie
  • Wo liegt die Problematik bei der medizinischen Einschätzung von Symptomen? Symptomatik ist teilweise komplett anders (Herzinfarkt) Differentialdaignose-Bereich viel größer. Geraiatrische Patienten sehr komplex zu betrachten (sozialer, kognitiver Bereich kommen hinzu)
  • Was bedeutet der Begriff Triage? Wie werden hier in der Praxis alte Menschen eingeschätzt? Festlegen der Behandlungsdringlichkeit (ursprünglich Begriff aus dem Militärbreich) Ältere Menschen werden sehr häufig in der Drringlichkeit unterschätzt.
  • Welche Vitalwerte ändern sich im Alter physiologisch? Herzfrequenz sinkt Viatalkapazität (Lungenvolumen) sinkt Temperatur sinkt
  • Was kann im Alter beim Schock anders sein? Was bei Unterkühlung? Bei inneren Blutungen mit Schock normale Herzfrequenz möglich. Unterkühlung ohne Zittern. (Oft Zuhause gestürzt und Unterkühlt)
  • Was kann im Alter bei der Schmerzsymptomatik anders sein? Verspätete Schmerzwahrnehmung Schmerzen, z.B. bei einer gebrochenen Hüfte werden erst verspätet gespürt und es wird sich zunächst weiter damit bewegt. Der Grund ist die Abnahme peripherer Nervenfasern im Alter.
  • Wie verändert sich die Körpertemperatur mit dem Alter? Ab dem 40. Lebensjahr  ca. 0.1 Grad pro Dekade Senkung! Ein Großteil der Älteren hat eine niedrige Basaltemperatur.
  • Cut Off Werte für Fieber im Alter sind: Über 75 J. und 37,3 Grad im Ohr (rektal 37,8) : Man muss nach einer Infektion suchen.
  • Was ist im Alter beim Auftreten cerebraler Symptomen anders? Sie treten bereits früher ein, da die cerebrale Durchblutung im Alter vermindert ist.
  • Wie weisen die Viatalparameter uns auf schwere Erkrankungen Älterer hin? Nicht sehr gut, denn schwere Erkrankungensind auch bei subtilen Veränderungen der Vitalparameter möglich.
  • Was ist im Alter bei Fiebersymptomatik anders? Warum? 1/3 der älteren Patienten entwickelt bei einer akuten Infektion kein Fieber • verminderte Thermoregulation im Alter• verminderte Produktion endogener Pyrogene (Stoffe die u.a. die Temperatur hochregeln)• inadäquate Reaktion des Körpers auf die endogenen Pyrogene
  • Was sind " Non Specific Complaints" / NSC ? NSC Verschlechterung des Allgemeinzustands. Erschöpfung, Schwäche, Stürze Signifikannt bei Älteren, weist darauf hin, dass etwas grundsetzlich nicht stimmt. Unspezifische Symptome sind  häufig bei älteren Notfall-Patienten. Sie werden leider auch häufig verkannt. 50% der Älteren mit unspezifischen Beschwerden haben ein akut behandlungsbedürftiges Problem 
  • Wie häufig sieht man Tachypnoe bei älteren Menschen? Trotzdem sie ebenfalls Luftnot haben, fehlt oftmals die Tachypnoe als Ausgleichmechanismus. Bei 25 pro Minute normalerweise kritischer Wert. Schaffen die Älteren nicht, höchstens 20.
  • Wie häufig sind Kopfschmerzen als Warnsignal bei älteren Menschen? Mit dem Alter zunehmend seltener, können ein wichtiges Warnsignal z.B. bei einer Hirnblutung sein, v.a. wenn sonst fast nie vorgekommen.
  • Absinken der Funktionalität ist in der Notfallmedizin... Ein Red Flagg...
  • Die drei Monats-Mortalität und Einjahres-Mortalität bei geriatrischen Notfallpatienten betragen ca. wievel Prozent? 7% nach drei Monaten 30% nach 1 Jahr
  • Nenne die 4 GERIATRIC GIANTS / 4 geriatrische I's Immobilität Inkontinenz Instabilität Intellektueller Abbau
  • In welchen Bereichen können die unspezifischen Symtome Älterer liegen, nenne 4! Abnahme der Funktionalität/Selbsthilfefähigkeit Stürze, Immobilität Inkontinenz Abnahme der kognitiven Fähigkeiten/ Delir (siehe auch: geriatric giants)
  • Wieviel Medikamente nehmen geriatrische Patienten im Durchschnitt? 8 verschriebene dazu kommen noch Abführmittel, Aufbaupräperate etc.
  • Was bedeutet "Noxe"? Jeder Art schädigende potentiell gefährdender Einfluss.
  • Nenne drei Qualitätsindikatoren / drei Maßnahmenbereiche für die Versorgung älterer Patienten in der Notaufnahme!                                                                                                                                              - Kognitives Assessment / Screening- Schmerzmanagement und palliative Therapie - Schnittstellenmanagement zwischen Pflegeheim und Notaufnahme
  • Was ist das führende Symptom beim Herzinfarkt bei geriatrischen Patienten? Das Hauptsymptom kann jeweils sein: Classic Chest pain (nur 20% der über 75jährigen) Atemnot (50%)  wenn auch oft ohne Steigerung der Atemfrequenz Verwirrtheit (30%) Je älter desto asymptotischer
  • Herz-Hirn-Achse: Was bedeutet der Begriff im Zsh. mit Schlaganfall und Herzinfarkt? Viele Patienten mit Schlaganfall haben auch eine Erhöhung der Herzenzyme und umgekehrt, beide Organe können Schäden erlitten haben.
  • Delir: Erkläre den Begriff ! Akut aufgetretene oder Verschlechterung einer vorbestehenden Verwirrtheit aufgrund einer meist organischen Ursache oder Intoxikation Ein Delir ist ein Geriatrischer Notfall.
  • Delir: Wie hängen Delir und Mortalität zusammen? Funktionalität ist häufig stark herabgesetzt. Behandlungskomplikationen sind häufig, ebendo Infektionen. Noch 12 Monate später haben geriatrische Patienten nach einem Delir noch ein erhöhtes Mortalitätsrisiko.
  • Delir: Nenne prädisponierende Faktoren und Auslöser: Prädisponierende Faktoren: Lebensalter Demenz Auslöser : Chirurgischer Eingriff Blutverlust (aber auch Bluttransfusionen) Herzinfarkt Entzündungen, Infektionen Viele Medikamente können ein Delir auslösen Fremde Umgebung (KH-Aufenthalt, Umzug ins Pflegeheim)
  • Delir: Welche zwei Formen unterscheiden wir? Hyperaktives Delir  (Nesteln, körperliche Unruhe...) Hypoaktives Delir Die Formen können wechseln, häufig im Tagesverlauf.
  • Delir: Wie häufig wird es in der Notaufnahme erkannt / nicht erkannt 30 % erkannt. Schwierigkeit: Man muss schauen: ist es akut, fluktoiert es im Verlauf, ist die Vigilanz abweichend von normal, Desorganisiertes Denken ja, nein? Die Diagnostik ist problematisch, man die Patienten vorher nicht kennt.
  • Delir: Nenne mögliche Folgen! Kranhausaufenthalt ist verlängert Behandlungskomplikationen: Stürze, Infektionen Es kommt häufig zu einer Verschlechterung von Demenz oder dauerhaften Demenz, auch wenn vorher keine vorhanden Mortalität ist erhöht, auch bis zu 12 Monate nach dem Delir (nicht mehr delirant bei Entlassung)
  • Delir: Wie entsteht es? (Pathophysiologie) Der Prozess ist noch nicht genau verstanden. Vermutet wird: Inflammation führ zu Verschiebung von Neurotransmittern im Gehirn.
  • Delir: Was kann zur Prävention und Verbesserung gemacht werden? Körper/Raum Wahrnehmung (Mobilisierung,) Tageszeitrythmik stärken (Schlaf Wach Rythmus stärken, Licht von außen, künstlicher Himmel) Schmerzen behandeln Hilfsmittelversorgung bereitstellen, beibehalten (Hörgerät Brille) Kommunikation dem Patienten anpassen Stress reduzieren (Geräuschpegel, Bilder) Fixierung möglichst vermeiden (auch Katheter kann eine Fixierung sein) Persönliche Betreuung
  • Wie viele geriatrische Patienten nehmen frei verkäufliche Medikamente? Über 80% nehmen frei verkäufliche Medikamente (Paracetamol etc.) ein. Gefahr der Wechselwirkung!
  • Subduralhämatom/ Hirnblutung wie ist das Risiko im Alter verändert? Gefäße werden im Alter starrer, durch Veränderung der Halswirbelsäule sind die Brückenvenen vorgedehnt. Auch einfache Stürze ohne Kopfbeteiligung (mit Abknicken des Kopfes) können allein bei Erschütterung des Körpers schon Hirnblutungen auftreten. (Wie Schütteltraume beim Kleinkind) Beim Subduralhämatom bleiben oft Kopfschmerzen aus
  • Sarkopenie: welche Folge kann sie in der Notfallmedizin haben? Bei Problemen und Entzündungen im Bauchraum (Blinddarm, Darmverschluss) normalerweise harter angespannter Bauch. Bei geriatrischen Patienten fehlt dieses Symptom sehr oft.
  • Reanimation: Wie schätzen Ärzte u. Angehörige den Wunsch danach ein? - Ärzte unterschätzen - Angehörige überschätzen den Wunsch des Patienten nach Reanimation. In der Situation entscheiden auch die Patienten selbst oft auch anders als zuvor gedacht.
  • Reanimation: Wie sehen die Überlebenschancen Ältere/Jüngere im Vergleich aus. Verglichen wurden in einer Studie: Unter 30 jährige 30 bis 60 jährige Über 60 jährige Primäre erfolgreiche Reabilitation: Erfolgreicher bei Älteren als bei unter 30jährigen (Grund: Ursachen z. B. eher Rythmusstörungen etc. bei Älteren / eher Unfälle bei Jüngeren) Sekundär (endgültig) erfolgreiche Reabilitation: Ältere immer noch besser als 30-60jährige (Folgeschäden außer Acht gelassen) Alter an sich ist kein Parameter für Erfolg, es kommt auf Funktionseinschränkungen u.v.m. an.