Fachdidaktik Sprache (Subject) / Vorlesung Eva Greminger, 4.3.2014 (Lesson)
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Didaktische Prinzipien für einen integrativen, sprachfördernden Unterricht
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- Konstruktivistischer Zugang Sprachliches Lernen ist: ein eigenaktiver Prozess von Kontexten abhängig (situationsgebunden) Bsp: "Sie Frau Fotsch ..." ein sozialer Prozess: Austausch ermöglicht es, eigene Interpretationen/Sinngebungen zu überdenken Unterricht aktiviert eigenen sprachliche Möglichkeiten regt Weiterentwicklung an
- Vier Kompetenzbereiche (Bartnitzky, 2011) Sprechen und Zuhören (mündliches Sprachhandeln) Schreiben (Texte schreiben, richtig schreiben) Lesen - mit Texten und Medien umgehen (auch Tabellen lesen) Sprache und Sprachgebrauch untersuchen (inkl. Grammatik) (bewusst machen: "Sprache kann man auch anschauen." "Weshalb ist eine Geschichte langweilig/kurzweilig; sprachliche Mittel?") Sprachunterricht ist integrativ, denn er verbindet die 4 Bereiche miteinander.
- Sprechen und Zuhören Mündlichkeit als zentrales Medium: der überwiegende Teil des Unterrichts verläuft mündlich Ziel: Aktivierung und Erweiterung der Sprech- und Sprachfähigkeit
- Kompentenzmodell von Ossner (2006) Sprachunterricht ist sehr komplex! Kompetenzbereiche = Arbeitsbereiche mdl: Sprechen und Zuhören schriftl: Texte schreiben schriftl: Richtig schreiben schriftl: motorisch schreiben (Schrift) schirftl: Lesen, Literatur, Medien Sprachthematisierung: auch Grammatik, über Sprache nachdenken (Metaebene) Kompentenzdimensionen = Wissen, Können, Bewusstheit Fachliches Wissen (z.B. Textsortenkenntnis, Astrid Lindgren, etc.) Problemlösungswissen = Können (Arbeitstechniken wie z.B. ein Mindmap erstellen) Prozedurales Wissen = Können (automatisches Wissen/praktisch nutzbares Wissen, z.B. gibt ohne ie) Metakognition Lehrplan 21 orientiert sich an diesem Modell, verwendet aber andere Begriffe.
- Besondere Herausforderungen: Sprechen und Zuhören (mündliches Sprachhandeln) mdle Erzählungen schwer nachvollziehbar Schwierigkeiten, Gehörtes zu erinnern Schweigen, einfache rigide Satzmuster, Vermeidungsstrategien keine bzw. eingeschränkte Fragehaltung wenig Adressaten- bzw. Partnerbezug beim Sprechen (Mami!) Schwierigkeiten, sich sachbezogen zu äussern, unzusammenhängende Erzählstrukturen Wortfindungsschwierigkeiten
- Kompetenzbereich Schreiben (Texte schreiben, Rechtschreiblernen) Ist anstrengend! schreiben können (Schrift) > übermitteln, dass es sich lohnt, schreiben zu können richtig schreiben (Normen) Texte planen - schreiben - überarbeiten - publizieren Ziel: Aktivierung und Erweiterung der Schreibfähigkeit und (Recht-) schreibförderung
- Besondere Herausforderungen: Schreiben NichtbeachtungderWortgrenzen verlangsamte oder abweichende Entwicklung der RS auffallend kurze oder schlecht verständliche Texte fehlende sprachliche Mittel zur Textgestaltung; mangelnde Kohärenz (z.B. keine Satzverknüpfungen mit z.B. denn, obwohl, usw.) schriftliche Erzählungen schwer nachvollziehbar wenig Adressatenbezug beim Schreiben
- Kompetenzbereich Lesen, mit Texten und Medien umgehen Lesefertigkeit und Lesekompetenz; auch in Verbindung mit Schreiben Wort-, Satz- und Textverständnis, d.h. Dekodieren von Wörtern und Sätzen und Rekodieren Informationen entnehmen Einzelinformationen miteinander in Verbindung bringen zentrale Handlungsabläufe erfassen Ziel: Aktivierung und Erweiterung von Lesefertigkeit, Leseverständnis: Medienkompetenz
- Kompetenzbereich Lesen, mit Texten und Medien umgehen Lesefertigkeit und Lesekompetenz; auch in Verbindung mit Schreiben Wort-, Satz- und Textverständnis, d.h. Dekodieren von Wörtern und Sätzen und Rekodieren Informationen entnehmen Einzelinformationen miteinander in Verbindung bringen zentrale Handlungsabläufe erfassen Ziel: Aktivierung und Erweiterung von Lesefertigkeit, Leseverständnis: Medienkompetenz
- Besondere Herausforderungen: Lesen, mit Texten und Medien umgehen geringe Erfahrungen mit Lesen und Büchern (z.B. auch kulturell bedingt > v.a. mündliche Berichte, Erzählungen) kaum intrinsische Motivation zum Lesen und Schreiben langsames Lesetempo verzögerte Entwicklung der Lesefertigkeit mangelndes Verständnis auf Wort, Satz und Textebene eingeschränkter Wortschatz Immer am Wortschatz arbeiten = Norm!
- Kompetenzbereich: Sprache und Sprachgebrauch untersuchen (inkl. Grammatik) Sprachbewusstheit in allen Bereichen fördern Wort- und Satzebene, Textsorten erkennen Strategien explizit instruieren Bsp. lesen: LP zeigt Lesestrategie vor, denkt laut, schrittweises Anleiten zu eigenständigem Anwenden Bsp. Grammatik: Wörter verändern, zerlegen, ableiten; grammatikalische Kenntnisse reflektieren und Regelbildung besprechen eine Metasprache entwickeln "Das sind Nomen ..." Ziel: Aktivierung und Erweiterung der Fähigkeit, Sprache zu untersuchen, über Sprache nachzudenken
- Besondere Herausforderungen: Sprache und Sprachgebrauch untersuchen (inkl. Grammatik) geringe phonol. Bewusstheit bei Schuleintritt Schwierigkeiten beim Merken und Anwenden von Fachbegriffen Mühe beim Merken und Anwenden von grammatikalischen Regeln ausgeprägte Schwierigkeiten beim Reflektieren über Sprache
- 5 Prinzipien für Sprachhandeln nach Bartnitzky, 2011 Integrativer Sprachunterricht = Sprechen und Zuhören, Schreiben, Lesen und Grammatik miteinander verknüpfen plus die 5 Prinzipien für den Sprachunterricht einbeziehen: Kompentenzentwicklung Situationsbezug Bedeutsamkeit der Inhalte Sozialbezug Sprechbewusstheit
- Kompetenzentwicklung Feststellung und Wahrnehmung der vorhandenen Sprachkompetenzen (mündliche Verständigung, Mediennutzung, Schriftsprache) > daran anknüpfen Förderung des eigenaktiven Lernens und gezielte Unterstützung geben, u.a. auch durch Modelling und direkte Instruktion
- Situationsbezug herausfordernde Lernsituationen schaffen "Aufgabe als Ernstfall" = Authentizität Bezug zur Lebenswelt der Lernenden herstellen, evtl. auch zu L1 (z.B. Owen) Situationen des Klassenlebens nutzen für Partizipation und Kommunikation
- Sozialbezug miteinander und voneinander lernen (kooperative Lernformen) anregende und akzeptierende Kommunikation sicher stellen (auch ein Aspekt des classroom-managements) Vorbilder und Muster für elaboriertes Sprechen (hat Concita immer darauf hingewiesen!) lesen (z.B. Vorleserunde, Tandemlesen) schreiben (z.B. Text zu zweit schreiben, einander beim Überarbeiten helfen) nächsten Arbeitsschritt in Gruppe planen
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- Sprachbewusstheit Meta-Ebene: nachdenken und Wissen über sprachliches Handeln nutzen, z.B. Freude an Sprachspielen, Reimen, Rap über Konfliktsituationen nachdenken Texte überarbeiten, Texte vorlesen Verbindung zur Situation Aktivierende Möglichkeiten Schreibkonferenz Lesetagebuch, Reisetagebuch Arbeit mit Wortfeldern Arbeit mit Portfolio: Fotos, Zeichnungen als Illustration oder Alternative zum Schreiben
- Bedeutsamkeit der Inhalte subjektiv wichtige Themen aufgreifen (Streit klären, Medien-Aktualität diskutieren, spezielle individuelle Interessen) objektiv für Gegenwart und Zukunft wichtige Schlüsselthemen einbauen (> idealerweise werden sie für die Lernenden didaktisch subjektiv bedeutsam "gemacht"); die vier Kompetenzbereiche
- Besonders wichtig im Kontext der SH alle Fächer zur Sprachförderung nutzen Unterrichtssituationen zur gezielten Versprachlichung nutzen sprachliche Strukturen (z.B. neue Wörter, Begriffe) auf vielfältige Weise anbieten und üben (z.B. auf Kärtchen schreiben und üben) verschiedene Modalitäten einsetzen: sprechen, hören, schreiben Verbindung zu Themen des Klassenunterrichts herstellen Erfolgserlebnisse ermöglichen kontinuierliche prozessbegleitende Diagnostik die eigene Sprache (LP) beachten: u.a. kräftige Stimme mit Variationen, offene statt geschlossenen Fragen: Wie hast du das gemacht? Wer weiss dazu etwas? Aufmerksamkeit der Lernenden sichern (gezielt ansprechen, Blickkontakt, gleichbleibende Abläufe, Rhythmisierung es Unterrichts Sammeln von Schülerbeiträgen ohne sofortige inhaltliche Wertung
