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5 Intra- und interpersonelle ASpekte psychischer und psychisch mitbedingter Stör (Subject) / 5.3.2 Psychoanalytische/ tiefenpsychologische Therapie (Lesson)

Indikationsbereich, bezogene Individuation, Delegation

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  • Indikationsbereich Ansätze der Familien- und Paartherapie indiziert, wenn die Bearbeitung von unbewussten familiären Konflikten und Interaktionsmustern auf dem Hintergrund der Familiengeschichte zur Problemlösung dient. Dies kann z.B. bei der Behandlung von Jugendlichen oder bei der Behandlungsbedürftigkeit mehrerer Familienmitglieder der Fall sein. Familiengespräche können auch notwendig werden, wenn die Einzeltherapie offen oder verdeckt von Angehörigen sabotiert wird. Voraussetzung für den Erfolg der Behandlung ist, dass alle Beteiligten zur Mitarbeit motiviert sind.
  • familiäre Vermächtnisse - Def. Bewusste oder unbewusste Vermächtnisse (z.B. "Führe die Familientradition fort.")können Familien über Generationen hinweg prägen. Sie sind bis zu einem gewissen Grad Ausdruck des Befürfnisses der Familienmitglieder, sich umeinander zu sorgen.
  • Dynamik von Verdienst, Vermächtnis und Loyalität Probleme bei familiären Vermächtnissen entstehen bsw. dann, wenn divergierende Vermächtnisse von uneinigen Familienmitgliedern delegiert werden oder wenn der Druck vom Überich zu groß wird. Die familiären Aufträge können dann zu Loyalitätskonflikten führen. - Verdienst- und Schuldkonten
  • Verdienst- und Schuldkonten ergeben sich daraus, wie gut die Vermächtnisse erfüllt werden. Die Konten sind Teil einer Art familiärer Buchhaltung. Basierend auf dem Bedürfnis nach Gerechtigkeit in Beziehungen wird über die Generationen hinweg immer wieder ein Gleichgewicht zwischen Geben und Nehmen angestrebt.
  • Überindividuation Bei der Überindividuation grenzen sich die Familienmitglieder zu stark voneinander ab. Sie wirken emotional unverbunden.
  • Unterindividuation Bei der Unterindividuation ist die Abgrenzung zu gering. Die Familienmitglieder leben dann zu wenig Eigenständigkeit.
  • bezogene Individuation nach Stierlin (1994) ein Gleichgewicht zwischen Individualisierung und Bezogenheit auf die soziale Umwelt gemeint. Die Individuation steht mit den Konzepten der Bindung und Ausstoßung in Bezug. Bei den Bindungen wird der Es- (Verwöhnen des Kindes),Ich- (Kinder sollen die unerfüllten Wünsche der Eltern leben) oderÜber-Ich-Modus (Verpflichtungsgefühl) unterschieden. Probleme treten auf, wenn Kinder über diese Modi zu stark an die Eltern gebunden sind oder zu früh von der Familie ausgestoßen werden.
  • Delegation Nach Stierlin (1978) wird der Einzelne durch die Delegation meist unbewusster Aufträge von den Eltern (z.B. "Lebe das Leben, das mir verboten wurde.") in eine Generationen übergreifende Entwicklung einbezogen. Die Delegation überfordert das Kind, wenn sie zu Loyalitätskonflikten führt, dem Entwicklungsstand des Kindes nicht angemessen ist oder unvereinbare Tendenzen enthält. Je weniger bewusst die elterlichen Delegationen ablaufen, umso bindender wirken sie.
  • Parentifizierung Die Parentifizierung ist eine besondere Form der Delegation. Dabei kommt es zur Rollenumkehr in der Familie. Die Kinder übernehmen die delegierte Eltern- oder Partnerfunktion. Man kann sich mit der Delegation und der Parentifizierung soweit identifizieren, dass sie Ich-synton werden.
  • Abgewehrte Trauerprozesse Jede lebensgeschichtliche Schwellensituation (z.B. Todesfall, Umzug, Berentung) bedeutet Verlust und setzt Trauerprozesse in Gang. In gestörten Familiensystemen findet man oft unverarbeitete Verlusterlebnisse, weil die Verletzung die psychische Verarbeitungsfähigkeit überfordert. Wenn die Trauerprozesse abgewehrt werden oder die Trauer durch die äußeren Bedingugen (z.B. Flucht oder Vertreibung) nicht verarbeitet werden konnte, besteht die Gefahr der Symbiose und Stagnation in der Beziehungsfähigkeit. Die Folgen zeigen sich häufig erst in nachfolgenden Generationen bsw. durch entwicklungshemmende Parentifizierungen, Beziehungsabbrüche, Wiederholungen destruktiver Familienmuster odfer Ausbruchsschuldgefühlen.
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  • Familienmythen Familienmythen (Harmonie-, Entschuldigungs-, Wiedergutmachungs- und Rettungsmythen) sind Geschichten, die die Familienmitglieder über ihre Familie erzählen und die die Realität meist nur verzerrt wiedergeben. Sie dienen dem Schutz nach außen und der Abwehr nach innen. Im Normalfall erhöhen die Mythen das Wir-Gefühl der Familie. Ist die Abwehrfunktion aber sehr stark ausgeprägt, können die Mythen als Entwicklungsblockade wirken.
  • Familiengeheimnisse Die Familiengeheimnisse (z.B. über Abtreibungen, Suizide, Haftstrafen) werden verschwiegen. Sie betreffen meist die Macht- und Loyalitätsstrukturen der Familie und sind mit Schuld, Scham, Angst oder Entwürdigung verbunden. Auch sie dienen der Abwehr.Die Geheimnisse sind der gesamten Familie oder aber auch nur einem Teil der Familie bekannt.
  • Folgen von Familiengeheimnissen Folgen können Loyalitätskonflikte, Vertrauensbrüche, Ausgrenzungen, Erpressungen oder die Aufhebung von Generationsgrenzen sein.
  • Woraus entwickelte sich das Konzept der Kollusion? aus dem Modell der malignen Verklammerung von Stierlin, 1994
  • Kollusion Die Partner ähneln sich in 4 Grundthemen, die den Phasen der Libidoentwicklung zugeordnet werden können. Ein Partner übernimmt den regressiven, der andere den progressiven Part im Konflikt. Der jeweilige Partner lebt die Tendenzen aus, die vom anderen verdrängt werden. Aus dem scheinbaren Zusammenspiel entwickelt sich eine destruktive Kollusion.
  • Die 4 Grundthemen der Kollusion narzisstische Thema: Entwicklung von Abhängigkeit und Selbständigkeit orales Thema: Entwicklung von Fürsorge und Verantwortung anales Thema: Entwicklung von Kontrolle und Hingabe phallisches Thema: Entwicklung von Unterordnung und Macht
  • Ansätze in der analytischen/ tiefenpsychologischen Paar- und Familientherapie - Beziehungsanalyse - Mehrgenerationen- Familientherapie - Psychoanalytisch orientierte Familien- und Sozialtherapie - systemische Ansatz
  • Beziehungsanalyse Bauriedl, 1980 als eine Weiterentwicklung der Objektbeziehungstheorie im multipersonalen Beziehungsraum der Familie.
  • Mehrgenerationen-Familientherapie Stierlin, Sperling, Massing; 1992 unter besonderer Berücksichtigung der vertikalen Richtung von Beziehungsstrukturen
  • psychoanalytisch orientierte Familien- und Sozialtherapie Richter, 1970Unterscheidung in die charakterneurotische und symptomneurotische Familie: Die charakterneurotische Familie (paranoide Festungsfamilie, hysterische Theaterfamilie) hat als Ganzes eine eingeschränkte Weltsicht. Bei der symptomneurotischen Familie, wird ein Familienmitglied zum Symptomträger und aus dem Familienverband ausgestoßen. Nach Richter übernehmen Kinder bestimmte von den Eltern vorgegebene Rollen, z.B. als Ersatz für andere Personen, als Stellvertreter des eigenen Selbst, als Bundesgenossen oder als Sündenbock.
  • Setting in der Paar- und Familientherapie; Kurz- und Langzeittherapie Oft wird mit Therapeutenteams gearbeitet, um Allparteilichkeit zu bewahren. Unter Umständen werden in den Sitzungen mehrere Generationen einbezogen. Da die primären Objekte in der Therapie anwesend sind, ist die Übertragungssituation gegenüber den Einzelsitzung verändert. Kurzzeittherapie: festgesetzte Behandlunsdauer; Fokus Langzeittherapie: nach einer zeitlich begrenzten Phase zur Vertrauensbildung die weitere Behandlungsdauer meist offen gelassen, um die Regression zu erleichtern.
  • Techniken/ Interventionen in der Paar- und Familientherapie Die Grundregel lautet, dass alle soweit als möglich über alles sprechen sollen, was bisher nur schwer oder gar nicht bereden konnten. Der Therapeut interveniert direktiver als in der Einzeltherapie und arbeitet ressourcenorientiert.Wie in der Einzeltherapie basiert die Behandlung auf Klärung, Konfrontation, Deutung. Mit der Umformulierung wird die Herstellung von Zusammenhängen zwischen Symptom und Familiensystem angestrebt. Wie gut dies bereits zu Beginn der Therapie gelingt, hat prognostische Bedeutung für den Therapieerfolg.
  • Ansätze in der systemischen Therapie - erlebnisorientierte Therapie (z.B. Palo Alto-Ansatz von Satir et al. 2000) - strukturelle Therapie (z.B. Minuchin, 1983) - strategische Therapie (z.B. Haley und Hoffmann 1967) - Mailänder Modell (z.B. Selvini-Palazzoli et al. 1992) - Heidelberger Modell (z.B. Stierlin 1994), Bozormenyi-Nagy und Spark 2001)
  • systemische Ansatz in der Paar- und Familientherapie aber auch in der Organisationsberatung und in der Supervision - bezieht sich vor allem auf die Gegenwart Es wird nicht zwischen Explorations- und Interventionsstadium unterschieden. Die Abstände zwischen den Stizungen sind oft relativ lang. Bei einigen Ansätzen ist der Therapeut aktiv-direktiv, bei anderen agiert er als gleichrangiger Partner des Systems (joining). Teilweise wird mit dem Gesamtsystem gearbeitet, teilweise mit Teilsystemen und Einzelpersonen.