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4 Psychische Störungen im Kindes- und Jugendalter (Subject) / 4.4 Besonderheiten in der Behandlung von Ki&Ju (Lesson)
4.4.1 Spezielle Aspekte in der Behandlung von Ki&Ju
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- Motivations- und Beziehungsaufbau Voraussetzungen für eine gute therapeutische Beziehung sind Vertrauen, die Definiton erreichbarer Ziele, das Ansprechen persönlich relevanter Themen und das Erleben von Wertschätzung. Die Gestaltung dieser 1. Phase hängt bei jungen Pat. oft stark von der Haltung der Eltern zur Therapie ab. Auch die Erwartung der Ki&Ju (z.B. Ängste, Neugier, Trotz) beeinflussen den Beziehungsaufbau sehr.
- Latente und manifeste Behandlungsmotivation Die Behandlungsmotivation ist ein prozesshaftes Merkmal. Sie ergibt sich aus dem Leidensdruck und dem Krankheitsgewinn. Kinder haben meist keine klare, verinnerlichte und verbindliche Therapiemotivation. Sie fühlen sich oft von den Eltern geschickt. Bei Jugendlichen können latente und manifeste Behandlungsmotivation stark differieren: Hinter einer scheinbar niedrigen Behandlungsmotivation kann z.B. eine unbewusste Sehnsucht nach Hilfe und hinter einer scheinbar hohen Behandlungsmotivation eine unbewusste Sehnsucht nach Omnipotenz stehen.
- Haben Ki&Ju eine Krankheitseinsicht? Die meisten Kinder und Jugendlichen haben keine Krankheitseinsicht und sind zur Therapie fremdmotiviert.
- Inanspruchnahmeverhalten Als Gründe für die Suche nach Behandlung nennen die Eltern meist psychische Belastungen durch Trennung und Scheidung, Schulprobleme und Verhaltensauffälligkeiten. Das Inanspruchnahmeverhalten der Eltern ist stärker bei jüngeren Kindern, bei Jungen, bei externalisierter Störung, in städtischem Umfeld, bei langer Störungsdauer und hohem Schweregrad der Störung, bei Komorbidität und bei hohem Bildungsgrad der Eltern. Einfluss nehmen auch die Zugangsbedingungen der Einrichtung wie z.B. Wartezeit und Erreichberkeit. Die Inanspruchnahme der Therapie für Ki&Ju entspricht bei weitem nicht dem Bedarf.
- Veränderung des Inanspruchnahmeverhaltens ab der Pubertät Im ersten Lebensjahrzehnt sind Mädchen medizinisch unauffälliger als Jungen. Ab der Pubertät klagen aber Mädchen und Frauen stärker als Jungen und Männer über gesundheitliche Probleme, sie gehen häufiger zum Artz und werden öfter medikamentös behandelt.
- Leidensdruck Ki&Ju haben meist wenig Leidendruck. Oft werden die Probleme als external verursacht betrachtet. Die Introspektionsfähigkeit ist eingeschränkt.
- Probleme in der Aufrechterhaltung des Arbeitsbündnisses - muss tragfähig genug sein, um Erschütterungen auszuhalten - Vorraussetzungen des Therapeuten: Zuverlässigkeit, Interesse, Vertrauenswürdigkeit, Empathie, Offenheit - gleichzeitiges Arbeitsbündnis zum Kind/Ju und der Eltern - für jündere Kinder schwer, weil ihr Ich sehr stark durch die Abwehrleistung in Anspruch genommen ist, haben keine eigene Therapiemotivation - erst im Jugendalter Drang, sich mit inneren Problemen zu beschäftigen; durch Einschränkung der Fähigkeit zur Selbsreflektion und starken Widerstand gegen den erlebten Angriff auf die entstehende Autonomie erschwert.
- Behandlungsabbruch, Beendigung der Behandlung - Gründ für Beendigung berückstichtigen - Abbruch kann z.B. durch forcierte Autonomiewünsche, durch narzisstische Kränkung der Eltern oder massive Übertragungswiderstände erfolgen - Beendigung sollte gut vorbereitet sein, weil sie mit Ablösung und Aufbruch verbunden ist, was der Pat. als ängstigend erlebt.
- eingeschränkte Selbstreflexions- und Selbstregulationsfähigkeit - Fähigkeiten zur Introspektion und Selbstregulation entwickelt sich im Kindesalter allmählich, wenn sich das Ich und das Realtitätsprinzip festigen - für rein verbale Psychotherapie erst im Jugendalter - andrängende Spannungen, der Rückzug von der Umwelt, die narzisstische Haltung und die reduzierten Ich-Fähigkeiten schränken aber auch noch in der Jugend die Fähigkeiten zur Selbsreflexion und Selbstregulation deutlich ein.
- altersspezifische Therapieangebote Die therapeutischen Interventionen müssen an das Alter angepasst werden. Bei Kindern werden z.B. Spiele, Basteleien oder Zeichnungen als Medien genutzt, bei Jugendlichen ist der Einsatz verbaler Verfahren möglich.
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- Besonderheiten der Pat.-Therapeut-Beziehung Es besteht die Gefahr, dass das Kind oder der Jugendliche den Therapeuten als verlängerten Arm einer Autoriät z.B. der Eltern wahrnimmt. Dies erschwert den Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung.
- Therapeut als Modell Eine vollkommen abstinente "Spiegelhaltung" ist bei der Behandlung von Kindern und Jugendlichen nicht möglich. Persönlichkeitsmerkmale des Therapeuten (Selbstakzeptanz, Angsfreiheit, Echtheit usw.) können Modellfunktion für den jungen Pat. haben und die allgemeine Beziehungsgestaltung beeinflussen.
- Berücksichtigung des familiären Kontextes Das soziale System des Pat. wie bsw seine Familie wird bei der Behandlung von Ki&Ju viel stärker berücksichtigt als in der Therapie von Erwachsenen. Gesunde Familien zeichnen sich durch eine ausgewogene Beziehungsstruktur, deutlich Generationengrenzen und eine flexible Organisation aus. Bei gewalttätigen, vernachlässigenden oder missbräuchlichen Familienkontexten fehlen diese Bedingungen.
- Rolle der Eltern Eltenr fühlen sich oft für das Problem ihres Kindes verantwortlich und zögern daher, Hilfe in Anspruch zu nehmen. - häufig als kränkend erlebt - die oft lange bestehende Erkrankung kann dazu führen, dass sich die Eltern nicht mehr in das Kind einfühlen können. - Einbeziehen der Eltern für den Erfolg der Therapie von großer Bedeutung - gute Voraussetzungen dann gegeben, wenn Eltern eine Teil der Kontrolle über das Kind an den Therapeuten abgeben können.
- Umgang mit Eltern - es wird empfohlen, bei Ki&Ju Therapie auch Kontakt zu den Eltern - Therapeut muss gleichzeitig Loyalität gegenüber dem Pat. und seinen Eltern demonstrieren - Psychotherapie der Bezugspersonen keine eigenständige Behandlung, sondern dient gezielt z.B. der Stärkung elterlichen Position oder der Klärung von Konfliktbindungen. - Einbezug der Bezugsperson sollte Verhältnis 1:4 nicht übersteigen
- Förderung von Ressourcen z.B. Umgang mit Gleichaltrigen - internale und externale Ressourcen dienen der Bewältigung von Aufgaben - förderlich für Entwicklung: relativ ausgeglichenes Verhältnis zwischen Ressourcen und Anforderungen - sind Ressourcen innerhalb der Familie beschränkt, kann dies die außerfamiliäre Umwelt unter Umständen ausgleichen
- Herausarbeiten von Schutzfaktoren - Welche sind das? - als wesentliche Schutzfaktoren ist das Erleben einer sicheren Bindung in der frühen Kindheit - weiter Faktoren: internale Kontrollüberzeugung (Selbstwirksamkeit), robustes Temperament, mind. durchschnittliche Intelligenz, ausreichender sozioökonomischer Status, geringe Geschwisterzahl und gute Beziehungen zu Gleichaltrigen - diese Faktoren können in der ressourcenorientierten Arbeit mit Ki&Ju bzw. ihren Eltern herausgearbeitet werden.