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4 Psychische Störungen im Kindes- und Jugendalter (Subject) / 4.3 Diagnostik psychischer Störungen im Kindesalter (Lesson)

4.3.1 Erhebung des psychischen Befunds

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  • Entwicklungsbezogene Diagnostik Im Rahmen dieser Diagnostik wird der Entwicklungsstand eines Kindes entweder in einer möglichst großen Bandbreite durch allgemeine Tests (z.B. Denver Entwicklungsskalen, Flehming et al. 1973), Griffiths Entwicklungsskalen (Brand 1983) erfasst oder es werden spezifische Entwicklungsbereiche z.B. mit dem Psycholinguistischen Entwicklungstest (Angermeier 1977) oder dem Motoriktest für 4-6 Jährige (Zimmer und Volkamer 1987) untersucht.
  • Familienbezogene Diagnostik In der Familiendiagnostik werden die aktuellen Familienbeziehungen und die Mehrgenerationenperspektive berücksichtigt (Cierpka 2003). Sie erfasst die Interaktionen und ihre Veränderungen auf verschiedenen Ebenen: - Ebene einzelner Familienmitglieder- Ebene von Subsystemen (z.B. Dyaden)- Ebene der Familie als systemisches Ganzes
  • Exploration und Anamneseerhebung bei Kindern und Jugendlichen Informationsquellen sind z.B. Verhaltensbeobachtungen, Berichte der Eltern oder Lehrer, Schulzeugnisse sowie der Bericht des Kindes. Bei der Schilderung des Kindes können sich Probleme durch eingeschränkte Verbalsisierungsfähigkeit, Ablenkbarkeit und die besonder Bedeutung der therapeutischen Beziehung ergeben. Beim diagnostischen Kontakt mit dem Kind muss man Freiräume lassen, Neugier wecken und eher spielerisch vorgehen. Das Ziel liegt in der Erfassung der Symptome, der Belastung (Impact), der Risikofaktoren, der Stärken und des Erklärungsmodells für die psychische Störung.
  • Strukturierte Interviews sind OPD-KJ und Kinder-DIPS
  • OPD-KJ Seit 1997 arbeiten Therapeuten und Wissenschaftler an einer 4achsigen Anpassung der OPD (operationalisierte psychodynamische Diagnostik) für Ki&Ju, die entwicklungspsychologische und familiendynamische Aspekte integriert. Folgende Aspekte werden unterschieden:- Beziehung- Konflikt- Struktur- Behandlungsvoraussetzungen
  • Kinder-DIPS umfasst neben der Kinderversion eine Elternversion (Unneweh et al. 1998). Es wird zur Diagnostik psychischer Störungen bei Ki&Ju im Alter von 6-18 Jahren eingesetzt. Die beiden Interviews dauern je 60 Min. Das Kinder-DIPS orientiert sich an DSM-IV und ICD-10. Erfasst werden die Achsen:- klinische Syndrome und Störungen- Persönlichkeitsstörungen/ geistige Behinderung- körperliche Störungen- psychosoziale und Umweltprobleme- Qualität der psychischen, sozialen und beruflichen Funktion
  • Psychophatologisches Befundsystem Die Clinical Assessment Scale for Child and Adolescent Psychopathology liegt als CASCAP-D in der deutschen Fassung vor. Sie umfasst 98 psychopathologische Merkmale, die in 13 Bereiche zusammengefasst sind. Durch ein halbstrukturiertes Interview mit dem Kind bzw. Jugendlichen und der Begleitperson wird die Ausprägung der Merkmale auf einer 4stufigen Skala beurteilt. Die Symptomatik während der letzten 6 Mon wird getrennt von der aktuellen Symptomatik erfasst.
  • Erhebung von Symptomen und Ressourcen Man unterscheidet 4 Symptombereiche:- emotionale Symptome- Verhaltensprobleme- Entwicklungsstörungen- Beziehungs- und Bindungsstörungen Wenn bei der Diagnostik nur negative Aspekte berücksichtigt werden, erlebt sich die Familie oft als nicht ausreichend angenommen. Viele Eltern fühlen sich schuldig und haben eine zwiespältige Haltung zur Therapie mit dem Kind oder Jugendlichen. Eine ressourcenorientierte Arbeit signalisiert ihnen, dass man mit ihnen kooperieren möchte. Das Herausstellen der Stärken scheint umso wichtiger, je problematischer die Familie ist.
  • Elterninterview Strukturierte und standardisierte Verfahren wie das Mannheimer Elterninterview (MEI) machen Aussagen über das Vorliegen, die Art und das Ausmaß einer psychischen Störung bei Ki&Ju (Esser et al. 1989). Das MEI gliedert sich in die Teile:- Demografie und Sozialstatistik- Psychiatrische Symptomatik- Soziofamiliäre Bedingungen und Lebensereignisse Elterninterviews können auch unstandardisiert eingesetzt werden, um Informationen über das Kind und die Interaktionen in der Familie zu erhalten
  • Instrumente zur Beobachtung Die Beobachtung von Verhaltensäußerung setzt die inhaltliche und zeitliche Bestimmung der Beobachtungseinheit voraus. - Beobachtungsbogen für Kinder im Vorschulalter (BBK) - Autismus-Diagnostische Beobachtungsskala (ADOS) - Münchener Aufmerksamkeitsinventar
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  • Instrumente zur Selbsteinschätzung Kinder und Jugendliche können über Fragebögen eine Selbsteinschätzung über die Symptomatik abgeben. - Giessener Beschwerdebogen für Ki&Ju, Brähler 1992 - Angst-Fragebogen für Schüler, Wieczerkowski et al. 1981 - YSR-Fragebogen (Youth Self Report; Döpfner et al. 1998)
  • Beobachtungsbogen für Kinder im Vorschulalter, BBK dient z.B. der Verhaltensbeobachtung von Kindern mit Verhaltensproblemen in Gruppen Duhm & Althaus, 1980
  • Autismus-Diagnostische Beobachtungsskala ADOS, Rühl et al. 2004 wird bei Verdacht auf Autismus eingesetzt
  • Münchener Aufmerksamkeitsinventar Instrument zur Beobachtung Helmke und Renkel, 1992 bei Hinweisen auf hyperkinetische Störung
  • Spezifische Urteilsfehler Auch bei Ki&Ju kann der geübte Diagnostiker Urteilsfehlern unterliegen. Spezifische Probleme können durch die möglicherweise noch eingeschränkte Verbalisierungsfähigkeit des Pat., die Besonderheiten der therapeutischen Beziehung und den Einfluss der Eltern auftreten.
  • Problem der Cross-informant-Übereinstimmung Die Aussagen des Kindes unterscheiden sich oft von denen der Eltern oder anderer Bezugspersonen. Es gibt verschiedene wichtige Sichtweisen, die möglichst umfassend erhoben werden sollten. Die Cross-informant-Korrelationen werden auch als konvergente Validität bezeichnet.