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4 Psychische Störungen im Kindes- und Jugendalter (Subject) / 4.2 Definition, Klassifikation und Epidemiologie psychischer Stör im Ki&Ju-alter (Lesson)
4.2.1 Kennzeichen der wichtigsten Störungsbilder
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- Tief greifende Entwicklungsstörungen frühkindlicher Autismus, atypischer Autismus, Asperger-Syndrom, Rett-Syndrom, überaktive Störung mit Intelligenzminderung und Bewegungsstereotypen sowie sonstige desintegrative Störungen des Kindesalters. Gemeinsamkeiten: qualitative Beeinträchtigung der sozialen Interaktion und Kommunikation mit einem eingeschränkten, stereotypen, sich wiederholenden Repertoire von Interessen und Aktivitäten. Die Störungen manifestieren sich i.d.R. bereits in den ersten 5 LJ.. Nicht bei allen tief greifenden Störungen ist die Intelligenz gemindert. In einigen Fällen gehen die Störungen mit bestimmten somatischen Krankheitsbildern einher.
- Hyperkinetische Störungen Kardinalsymptome: beeinträchtigte Aufmerksamkeit und Überaktivität (ADHS)Zur Diagnose sind beide Symptome notwendig.Sie sind situationsunabhängig, zeitstabil und in den ersten 5LJ. nachweisbar. Man unterscheidet die einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung und die hyperkinetische Störung des Sozialverhaltens. Differentialdiagnostisch müssen affektive Stör, Angststör, Schizophrenie und tief greifende Entw.störungen berücksichtigt werden. Häufig zeigt sich eine graduelle Besserung der Symptome im Verlauf der Entwicklung. Treten bei Jungen 2-9mal häufiger auf als bei Mädchen. Oft kommt es zu begleitenden schulischen und sozialen Problemen.
- Störungen des Sozialverhaltens zeichen sich durch ein sich wiederholendes und andauerndes Muster dissozialen, aggressiven oder aufsässigen Verhaltens aus, das stärker ist als Unfug oder Aufmüpfigkeit. Damit die Störung diagnostiziert werden kann, muss sie länger als 6 Mon bestehen. Eine einzelne dissoziale oder kriminelle Handlung reicht zur Diagnose nicht aus. Man unterscheidet die auf den familiären Rahmen beschränkte Störung des Sozialverhaltens, die Störungen des Sozialverhaltens bei fehlenden sozialen Bindungen, die Störungen des Sozialverhaltens mit oppositionellem, aufsässigem Verhalten. Jungen sind deutlich häufiger betroffen als Mädchen.
- Angststörungen Die Mehrheit der Kinder sind als Erwachsene unauffällig. Die Symptome sind eher quantitative Verstärkungen normaler Entwicklungen als qualitativ eigenständige Störungen. Die emotionale Störung mit Trennungsangst beeinträchtigt die sozialen Funktionen durch die anormal Schwere und Dauer der Angst bei Trennung von Bezugspersonen.Unter der phobischen emotionalen Störung des Kindesalters versteht man die abnorm gesteigerte Furcht vor alterstypisch angstbesetzten Situationen/ Objekten.Bei der Störung mit sozialer Ängstlichkeit des Kindesalters zeigen die Betroffenen eine altersunangemessene Furcht vor Fremden. Die Störung beginnt vor dem 6.Lj. und überschreitet deutlich das übliche Maß. Im Ki&Ju-alter sind die Symptome einer generalisierten Angsttörung weniger typisch.Die Betroffenen leiden oft unter starken somatischen Beschwerden. Panikstörungen treten typischerweise nicht vor der Pubertät auf.
- Zwangsstörungen Die meisten Zwangsstörungen beginnen erst um das 20. Lj., sie können jedoch auch schon im Kindesalter auftreten. Vor dem Vorschulalter sollte die Diagnose nicht gestellt werden. Die Störung ist bei beiden Geschlechtern etwas gleich häufig, wobei Mädchen oft etwas später erkranken als Jungen. Der Inhalt und der Verlauf der Zwangskrankheit entsprechen bei Kindern und Jugendlichen weitgehend denen bei Erwachsenen. Ki&Ju sehen aber anders als Erwachsene oft die Sinnlosigkeit ihrer Handlungen nicht ein.
- Symptome affektiver Störungen Die Symptomatik ist weniger spezifisch als beim Erwachsenen: Die Ki&Ju zeigen z.B. körperliche Symptome wie Bauchschmerzen, haben Versagensängste, wirken reizbar, verweigern den Schulbesuch, zeigen Lernstörungen, haben ein negatives Selbstbild, ziehen sich zurück, spielen nicht mehr und regredieren. Sie klagen dabei kaum über ihren Zustand. Manische Episoden in der Vorpubertät zeichnen sich eher durch Irritierbarkeit und gefährliche Verhaltensweisen als durch gehobene Stimmung aus. In der Adolsezenz entsprechen die Symptome weitgehend denen der Manie im Erwachsenenalter.
- affektive Störungen Depressive Störungen im Ki&Ju-alter sind meistens passager. Von anhaltenden affektiven Störungen sprich man, wenn die Symptomatik länger als 1 Jahr andauert. Bei Deprivation im Säuglingsalter kann es zur anaklitischen Depression kommen. Zunächst reagiert der Säugling mit vermehrtem Weinen, dann kommt es zu Schlafstörungen und apatischem Rückzugsverhalten. Die kindl. Depression tritt häufiger bei Jungen auf, ab dem Jugendalter sind Mädchen öfter betroffen.
- Störungen der sozialen Funktionen Mutismus, Bindungsstörung treten gehäuft bei Beeinträchtigungen des sozialen Milieus oder bei Deprivation auf. Es liegen keine deutlichen Geschlechtsunterschiede vor.
- elektiver Mutismus das Kind spricht nur in definierten Situationen, wie z.B. in der Familie, aber nicht in anderen, wie z.B. im Kindergarten. Das Sprachverständnis ist normal und die Kompetenz im sprachlichen Ausdruck reicht für die soziale Kommunikation aus.
- Bindungsstörungen Die reaktive Bindungsstörung ist meist eine Folge von Vernachlässigung, Missbrauch oder Misshandlung und entwickelt sich vor dem 5. Lj. Bei dieser Störung sind die sozialen Reaktionen widersprüchlich (z.B. abgewandter Kopf bei Begrüßung). Die Kinder reagieren nicht adäquat auf Zuspruch und wirken apathisch, unglücklich oder furchtsam. Bindungsstörungen mit Enthemmung treten bevorzugt bei Kindern auf, die in Institutionen groß geworden sind. Sie zeigen Anklammerungs- und nicht selektives Bindungsverhalten. Auch diese Störung tritt während der ersten 5 Lj. auf. Bei den Bindungsstörungen unterscheidet man primäre Bindungslosigkeit, Trennung von der Bindungsperson ohne Ersatz und Angstbindung oder symbiotische Bindung.
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- Ticstörungen Vorübergehende (nicht länger als 12 Mon) oder chronische Tics sind unwillkürliche, rasche Bewegungen oder Lautproduktionen ohen Hinweis auf eine zugrunde liegende neurologische Erkrankung.Das Verhalten dient keinem offensichtlichen Zweck. Bei bis zu 50% der Kinder treten passagere Tics auf. Jungen sind häufiger betroffen als Mädchen. Oft kommt es begleitend zu emotionalen Problemen sowie zu Zwangs- oder hypochondrischen Symptomen. Die Störung tritt überlicherweise nicht während des Schlafes auf, sie kann willkürlich unterdrückt und produziert werden.
- Tourette-Syndrom gehört zu den Ticstörungen ist eine seltene und schwere Erkrankung, die durch eine Kombination aus vokalen und multiplen motorischen Tics gekennzeichnet ist. Meist entwickeln sich die vokalen nach den motorischen Tics.
- Erscheinungsbild der Ticstörungen Einfache vokale oder motorische Tics bestehen z.B. in Räuspern oder Blinzeln. Bei komplexen vokalen Tics wiederholen sich beispielsweise ständig Worte (Palilalie) oder es werden obszöne Worte (Koprolalie) verwendet. Ein Beispiel für einen komplexen motorischen Tic ist z.B. selbstverletzendes Verhalten.
- Störungen der Ausscheidung Die primäre (von Beginn an) oder sekundäre (meist 5.-7. Lj) Enuresis ist der unwillkürliche Urinabgang am Tag (diurna) oder in der Nacht (nocturna), der nicht im Verhältnis zum geistigen Entwicklungsstand steht und nicht auf eine organische Ursache zurückgeführt werden kann. Sie wird nicht vor dem 5. Lj. diagnostiziert. Enkopresis ist das wiederholte willkürliche oder unwillkürliche Absetzen von Faeces bei ansonsten gesunden Kindern an Stellen, die dafür nicht vorgesehen sind. Die Diagnose setzt voraus, dass das Verhalten mind. einmal pro Monat auftritt.
- Stottern Beim Stottern ist das Sprechen durch die häufige Wiederholung oder Dehnung von Lauten, Silben oder Wörtern bzw. durch Zögern und Sekundärsymptomatik (z.B. Fluchtverhalten, Vermeidungsverhalten) gekennzeichnet. Die Diagnose wird gestellt, wenn die Sprechflüssigkeit deutlich beeinträchtigt wird.
- Stereotype Bewegungsstörungen durch wiederholte, nicht funktionale und oft rhythmische Bewegungen (z.B. Körperschaukeln, Haarezupfen, Händedrehen) gekennzeichnet. Der Beginn und Dauer sind variabel. Die Stereotypien können selbstschädigend (z.B. in den Augen bohren, Lippen beißen) sein und sind oft mit Intelligenzminderung verbunden.
- Trichotillomanie ist der sichtbare Haarverlust durch die Unfähigkeit, dem Impuls zum Haareausreißen zu widerstehen (Störung der Impulskontrolle). Im Kindesalter sind mehr Jungen, im Jugendalter mehr Mädchen betroffen. Vor dem Haareausreißen wird Anspannung erlebt, die danach einem Entspannungsgefühl weicht.
- Störungen durch psychotrope Substanzen Die Störungen umfassen Intoxikation, schädlichen Gebrauch und Abhängigkeitssyndrom. Der Übergang vom Rausch zur Intoxiaktion vollzieht sich bei Ki&Ju deutlich schneller als bei Erwachsenen. Die Entzugssymptomatik ist meist milder als bei Erwachsenen. In den vergangenen Jahren haben intensive und riskante Konsummuster zugenommen. Das Einstiegsalter für den Drogenkonsum sinkt. Rund 10% der Ki&Ju haben in Folde des Konsums als Erwachsene Leistungsstörungen, körperliche Erkrankungen, psychische Störungen und Kontaktschwierigkeiten.
- Schizophrenien Von Schizophrenie spricht man, wenn es nach einem scheinbar normalen Aufbau einer gemeinsamen Realität zu einem plötzlichen oder allmählichen Verlust dieser Hauptrealität kommt. Die Prognose der Schizophrenie ist umso schlechter, je früher Symptome bemertk werden. Vor dem 10. Lj. sollte die Diagnose nicht gestellt werden. Die very early onset schizophrenia beginnt vor dem 13. Lj., die early onset schizophrenia tritt vor dem 18. Lj. auf. Jugendliche und junge Erwachsene zeigen oft Symptome der hebephrenen Schizophrenie. Die typischsten Symptome sind dabei affektive Veränderungen und das läppische Verhalten der Pat. Wegen der schnellen Entwicklung einer Minussymptomatik ist die Prognose eher schlecht.
- Essstörungen Anorexie, Bulimie, Fütterstörungen, Pica Anorexie/ Bulimie: man geht von einer multifaktoriellen Genese mit biologischen (z.B. Genetik, Hormone), familiären (z.B. hohe Kontrolle), soziokulturelle (z.B. Schlankheitsideal in den Medien) und personspezifischen (z.B. Perfektionismus, Körperschemastörung) Variablen aus.
- Anorexie Bei der Anorexie liegt das Gewicht mind. 15% unter dem Normalgewicht oder bei einem BMI von unter 17,5.Sie geht mit einer Wahrnehmungsstörung einher. Beim restriktiven Typus wird die Gewichtsabhnahme durch das Vermeiden der Kalorienaufnahme und durch viel Bewegung erreicht. Beim purging Typus kommt es zum induzierten Erbrechen oder dem Gebrauch von Abführmitteln und Diuretika. Die Betroffenen beschäftigen sich gedanklich fast ausschließlich mit dem Thema Essen. Häufig kommt es zu depressivem, zwanghaftem, labilem und selbstverletzendem Verhalten. Mädchen sind rund 10mal häufiger als Jungen betroffen. Die Störung beginnt meist in der Pubertät.
- Typische körperliche Begleitsymptome bei der Anorexie Haarausfall, Amenorrhö, Obstipation, Bradykardie, Ödeme, Hypokaliämie, Nierenschädigung, Herzrhytmusstörungen, Kälteempfindlichkeit und trockene Haut.
- Bulimie Setzt meist etwas später ein als die Anorexie. Ansonsten entspricht die Alters- und Geschlechtsverteilung in etwa der bei der Anorexie. Bei der Bulimie haben die Betroffenen meist Normalgewicht. Kennzeichnend sind Heißhungeranfälle, eine übertriebene Beschäftigung mit dem eigenen Körpergewicht und der Versuch, dem dickmachenden Effekt der Nahrung entgegenzusteuern. Dazu werden Abführmittel, Schilddrüsenpräparate, Diuretika und andere Medikamente eingesetzt. Oft führt die Pat. auch Erbrechen herbei. Dadurch kann es mittelfristig zu Elektrolytstörungen, Tetanie, epileptischen Anfällen, kardialen Arrhythmien oder Muskelschwäche kommen. http://de.wikipedia.org/wiki/Tetanie
- Fütterstörungen Die Fütterstörung ist eine spezifische Störung des frühen Kindesalters. Sie ist gekennzeichnet durch Nahrungsverweigerung oder extrem wählerisches Essverhalten bei angemessenem Nahrungsangebot und einer ausreichend kompetenten Betreuung. Diese Störung hat keine organische Ursachen.
- Pica Den anhaltenden Verzeht nicht essbarer Substanzen wie z.B. Schmutz nennt man Pica. Diese Störung kann z.B. bei autistischen oder intelligenzgeminderten Kindern auftreten.
- Schlafstörungen Im Kleinkindalter kommt es aufgrund der Angst vor der Dunkelheit sehr oft zu Schlafstörungen. Von Parasomnien spricht man bei außergewöhnlichen Vorkommnissen beim Schlafen: Unter Pavor nocturnus leiden 1-5% aller Kinder, meist im Alter zwischen 4 und 12 Jahren. Die Attacke tritt häufig während des ersten Drittels des Schlafes auf und beginnt oft mit einem Panikschrei. Die Betroffenen sind minutenlang desorientiert und zeigen stereotype Bewegungsmuster für bis zu 10 Min. Am nächsten Morgen können sie sich nicht an den Vorfall erinnern. Bis zum Erreichen des Erwachsenenalters verschweinden diese Attacken in aller Regel. Jungen sind deutlich häufiger betroffen als Mädchen. Etwa ein Viertel aller Kinder leidet zeitweise unter Albträumen. Albträume kommen eher in der 2ten Nachthälfte vor. Die Betroffenen können sich am nächsten Morgen meist detailliert an den Traum erinnern. Die Störunge beginnt oft vor dem 10. Lj. Die Störung tritt bei beiden Geschlechtern gleich häufig auf. Meistens verliert sich die Störung bis zum Erwachsenenalter.
- Persönlichkeitsstörungen Beginnen in der Kindheit und manifestieren sich auf Dauer im frühen Erwachsenenalter. Die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung soll nicht vor dem 17. Lj. gestellt werden. Die Betroffenen zeigen anhaltende Verhaltensmuster, die sich in starren Reaktionen auf unterschiedliche Situationen beziehen. Die Unterteilung erfolgt nach den häufigsten oder auffälligsten Verhaltensmuster.
- Verhaltensstörungen Sind gekennzeichnet durch stabile Verhaltensmuster, die die eigene Entwicklung beeinträchtigen oder Rechte anderer beschneiden und bei denen angemessene Handlungsalternativen fehlen. Nach Myschker, 1999, klassifiziert man kindliche Verhaltensstörungen in: - Externalisierende Störungen - internalisierende Störungen - Sozial unreifes Verhalten - Sozialisiert delinquentes Verhalten
- externalisierende Störungen (Beispiele) Hyperaktivität, Aggressivität, Aufmerksamkeitsstörungen
- internalisierende Störungen (Beispiele) Angst, Schlafstörung, Minderwertigkeitsgefühl
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- sozial unreifes Verhalten (Beispiele) Konzentrationsschwäche, Ermüdbarkeit, altersunangemessenes Verhalten
- sozialisiert delinquentes Verhalten (Beispiele) Gewalttätigkeit, Missachtung von Normen
- Frühe Regulationsstörungen Der Säugling hat außergewöhnliche Probleme sein Verhalten in mind. einem, aber meistens mehreren Bereichen angemessen zu steuern. Bsw. kommt es zu anfallsartigen, unstillbaren Schreiepisoden (mehr als 3 Std. pro Tag an durschnittlich mind. 3 Tagen der Woche über mind. 3 Wochen). Die Störung beginnt meist um die 2te Woche und reduziert sich oft bis zum 3. Monat. Schlafstörungen liegen vor, wenn das Kind nach dem 6. Mon nicht ohne elterliche Hilfe wieder einschlafen kann. Von Fütterstörung spricht man, wenn die Probleme bei der Nahrungsaufnahme länger als einen Monat bestehen. Diese Reulationsstörungen belasten die frühe Eltern-Kind-Beziehung.
- frühe Interaktionsstörungen Zu den Interaktionsstörungen zählen elterliche Ablehnung und Vernachlässigung.Elterliche Ablehnung ist eine Form der psychischen Misshandlung. Körperliche Vernachlässigung zeigt sich z.B. in unzureichender Ernährung, mangelnder Körperpflege und unangemessener Kleidung. Unter seelischer Vernachlässigung versteht man z.B. Gefühlskälte, Liebesentzug und fehlende Förderung.
- Sexueller Missbrauch (Def.) Beim sexuellen Missbrauch wird vom Kind ein sexuelles Verhalten erzwungen oder eine sexuelle Handlung zwischen einem Kind und einem beträchtlich älterem Menschen vollzogen. Man unterscheidet 4 Formen: Zurschaustellung von sexuellen Akten (Pornografie, Exhibitionismus),Berühren der Geschlechtsteile oder Aufforderung dazu, sexueller Verkehr ohne Bedrohung (oft über längere Zeit) und Vergewaltigung. In 90% der Fälle passiert der Missbrauch innerhalb der Familie oder im Bekanntenkreis. Wenn Fremde beteiligt sind, sind Jungen eher betroffen. Mädchen haben insgesamt ein deutlich höheres Risiko Opfer zu werden - vor allem in der Pubertät.
- Folgen sexuellen Missbrauchs Als Kind missbrauchte Frauen entwickeln gehäuft Depressionen, Ängste, Selbstmordabsichten und Essstörungen. Oft werden sie auch als Erwachsene Opfer von sexueller Gewalt. Als Kind missbrauchte Männer neigen zu Drogenmissbrauch und Störungen im Sozialverhalten. Nicht selten werden sie Täter. 20% der Erwachsenen haben psychische Störungen. Der Verlauf ist ungünstig, wenn der Missbrauch innerhalb der Familie stattgefunden hat und es zur Vergewaltigung kam.
- Misshandlung Man unterscheidet leichte (z.B. Quetschungen, Verbrennungen, Schürfungen) und schwere (z.B. Hirnblutungen, Brüche, Schwellungen) Misshandlungen. Auf einen aufgeklärten Fall kommen 15-20 unentdeckte. Bei den aufgedeckten Fällen handelt es sich eher um solche in Unterschichtfamilien. Ab der Pubertät sind Misshandlungen bei Mädchen deutlich häufiger als bei Jungen. Die Täter sind oft selbst Opfer gewesen (Generationenkreislauf). Bei etwa 1/3 der Fälle ist mehr als ein Kind aus der Familie betroffen. Behinderte, früh geborene, kranke, nicht eheliche Kinder, Heimkinder und Stiefkinder sind besonders gefährdet. Häufig kommt es bei den Betroffenen zu Wachstumsretadierung, neurologische Schäden, Entwicklungsverzögerungen, mangelnder Impulskontrolle und Verhaltensauffälligkeiten (Misstrauen, Rückzug, Aggression usw.).
- Psychische Probleme chronisch kranker Kinder Chronisch kranke Kinder (z.B. mit Diabetes mellitus, zystischer Fibrose oder Rheuma) schätzen ihre Lebenszufriedenheit überraschenderweise als nicht besonders niedrig ein. Es gibt allerdings Hinweise, dass sie ihre Emotionen unterdrücken und Empfindungen, wie z.B. Angst oder Depression, nicht zulassen. Die Entwicklung dieser Kinder kann sich verzögern und untypisch verlaufen. Zur besseren Verarbeitung der Beanspruchung wurden entsprechende Stressbewältigungsprogramme entwickelt. (Petermann 1994)
- Umschriebene Entwicklungsstörungen des Sprechens und der Sprache Das normale Muster des Spracherwerbs ist von Anfang an gestört. Die Ursache liegt nicht in einer Intelligenzminderung, neurologischen Veränderungen, sensorischen Beeinträchtigungen oder Umweltfaktoren. Die Beeinträchtigung kann in jedem Umfeld, wenn auch unterschiedlich stark, auftreten. Man unterscheidet die Artikulationsstörung, die expressive und rezeptive Sprachstörung und die erworbene Aphasie mit Epilepsie.
- Umschriebene Entwicklungsstörungen schulischer Fertigkeiten Das Erlernen des Lesens, Rechtschreibens und Rechnens beeinträchtigt. Der schulische Leistungsstand liegt deutlich unter dem Intelligenzniveau und ist weder durch eine Intelligenzminderung, noch durch organische Schäden oder Mangel an Lerngelegenheiten zu erklären.Jungen sind häufiger betroffen als Mädchen. Meist zeigt sich die Störung von Beginn der Schulzeit an. Die Therapie besteht in speziellen Trainings zur Förderung der Wahrnehmung und der Aufmerksamkeit sowie in der Behandlung der begleitenden Probleme wie Anpassungsschwierigkeiten, Hyperaktivitätssyndrom, niedriges Selbstwertgefühl oder Störungen des Sozialverhaltens.
- Umschriebene Entwicklungsstörungen der motorischen Funktionen Die Entfaltung der motorischen Koordination ist schwerwiegend beeinträchtigt. Die Fein- und Grobmotorik liegt deutlich unterhalb des Niveaus, das aufgrund des Alters und der allgemeinen Intelligenz zu erwarten ist. Mit der Störung können Ängste, Depressionen, Somatisierungen und Hyperaktivität einhergehen.
- Psychische Störungen in Folge von Intelligenzminderung Bei Intelligenzminderungen ist die Entwicklung der geistigen Fähigkeiten entweder stehen geblieben oder unvollständig erfolgt. In der Population der Pat. mit einer Intelligenzminderung ist die Prävalenzrate für andere psychische Störungen bis zu 4mal höher als in der Allgemeinbevölkerung. Häufige Begleitstörungen sind z.B. Autismus, hyperkinetische Störung, stereotype Bewegungsstörung, Essstörungen und Ausscheidungsstörungen.
- [Altersspezifik der Symptomatik von Störungen und alterstypischer Verlauf unter besonderer Berücksichtigung von Störungen (Zusammenfassung), die typischerweise im Kindes- und Jugendalter beginnen] Störungsschwerpunkte in den einzelnen Altersgruppen: Säuglingsalter: Entwicklungs-, Regulations- und Bindungsstörungen Kleinkindalter: Aggressivität, Hyperaktivität, Angststörung, Entwicklungsstörung Mittlere Kindheit: Störungen des Sozialverhaltens, emotionale Störungen, Somatisierungen, Tics Jugendalter: Affektive Störung, Suizidalität, Angststörungen, Schulverweigerung, Zwang, Essstörungen, dissoziative Störungen, Delinquenz, Substanzmissbrauch Externalisierende Störungen: treten üblicherweise in der Kindheit früher auf, sind in der Symptomatik beeinträchtigender und haben relativ hohe Stabilität bis ins Erwachsenenalter Internalisierende Störungen: gewinnen in der Entwicklung meist etwas später an Bedeutung. Sie haben vergleichsweise weniger prognostische Aussagekraft.