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Wirtschaftssoziologie (Subject) / Fragenkatalog (Lesson)
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- 1. Erläutern Sie die Grundgedanken des Arena-Konzeptes und des RREEM-Ansatzes von Esser Arena-Konzept: akteurstheoretischer Ansatz als Gegenmodell zu den strukturellen Ansätzen sozialen Wandels (z.B. Schicht-Ansatz), die deterministisch und linear erscheinen. - Arena = formeller, kultureller und sozialer Raum für die Interaktion von Akteuren zu bestimmten Themen (formal: denn es gibt Regeln; kuturell und sozial: denn es kommen viele Individuen zusammen). Dabei wird der Einzelne auf nicht starr festgelegte Regeln des gegenseitigen Umgangs verwiesen. Diese Regeln können in Absprache verändert werden, sind also flexibel.- Akteure sind Staat, (trans-)nationale Wirtschaftsunternehmen, internationale Organisationen und NGO's, sowie vergleichabre Organisationen auf regionaler/lokaler Ebene -> letztlich jeder Einzelne-> Jeder Lebensbereich ist eine Arena. Dort gibt es Akteure und jeder weiß, wie er sich wem gegenüber verhalten soll.- Steuerungsmedien: Recht, Macht, Geld, Information (Wissen, das man innehat) und Kommunikationsfähigkeit (Fähigkeit/Möglichkeit dieses Wissen auch zu kommunizieren).- Akteuer können sich in Gruppen formieren, entweder formell (Vereine, Parteien,...) oder informell (Interessensgruppen, Nachbarschaften,...), jedoch ist das Verhalten von Gruppen immer auf das Verhalten von einzelnen Individuen (in der Gruppe) zurückzuführen.- Ressorcen die in die eigene Verfügungsgewalt gebracht werden sollen: Materielle Güter, Wissen, Prestige, Macht, religiöse Ziele-> Wichtig: Jeder einzelne Akteur in einer Arena bewertet Situationen, Handlungen, etc. unterschiedlich! RREEM-Ansatz nach Esser: Beschreibt die Eigenschaften menschlicher Akteure, ist Erweiterung des "homo oeconomicus" = Resorceful, Restricted, Expecting, Evaluating, Maximizing Man- Er besitzt bestimmte Resourcen (Resourceful)- Er ist in seinen Möglichkeiten eingeschränkt (Restricted)- Er erwartet bestimmte Ereignisse aufgrund bestimmter Handlungen (Expecting)- Er bewertet die verschiedenen Ergebnisse (Evaluating)- Er versucht so zu handeln, dass er bei gegebenen Ressourcen für sich den größtmöglichen Nutzen erzielt (Maximizing)-> Kernaussage: Ein Mensch (Akteur) entscheidet nicht immer ökonomisch rational (also wie der "homo oeconomicus", sondern oft nach Gewohnheit, sozialer Einbettung, etc.
- 2. Beschreiben Sie den historischen Wandel des Begriffsverständnisses von "Arbeit" und der wesentlichen Dimensionen dieses Begriffs. - Griechische Antike: Körperliche Arbeit ist sklavisch, weil durch sie die Lebensnotwendigkeiten herbeigeschafft werden.- Mittelalter: Unterscheidung zwischen der "Arbeit des Körpers" und dem "Werk der Hände". Arbeit ist dabei mehr das Überwinden der äußeren Natur oder inneren Verfassung, das Werk dagegen die willentliche Nutzbarmachung der Natur.- Neuzeit: Der Begriff "Arbeit" wird auch auf die geistige Tätigkeit des Menschen bezogen. Neben produktiver erscheint unproduktive Arbeit.- Heute: Arbeit umfasst v.a. die berufliche Tätigkeit, bei der Mühe, Last, Fremdbestimmtheit und Anstrengung entlohnt werden.-> Früher: Wer geistige Arbeit leistet und nicht "schuften" musste war privilegiert. Auch galt damals schon "der Hände Werk" als Selbstverwirklichung.-> Früher versucht man also "über die Arbeit zu sich selbst zu finden", heute dient die Arbeit eher der Selbstverwirklichung-> Bedeutungsverlust: Früher war die Arbeit der zentrale Teil/Bereich des Lebens, heute tritt sie immer mehr in den Hintergrund und erfüllt diese Rolle nicht mehr (eher Mittel um sich anderen sinnstiftenden Tätigkeiten hingeben zu können). Dimensionen der Arbeit:- Naturale Dimension: Sicherung des Lebensunterhalts.- Personale Dimension: Identität, Fertigkeiten, Bedeutung- Soziale Dimension: Arbeitsteilung, Zusammenarbeit
- 3. Bennen Sie wesentliche Aussagen der sozilogischen Klassiker Marx, Proudhon, Durkheim und Weber zu Arbeit und Arbeitsteilung und machen Sie unterschiedliche Sichtweisen deutlich. Marx: - Arbeit, nicht Gott, hat den Menschen geschaffen. Arbeit, nicht Vernunft, ist es, was ihn vom Tier unterscheidet.- Historischer Materialismus: Produktion und der Austausch von Gütern sind die Grundlage der über Macht, herrschaft und Kontrolle bestehenden Gesellschaftsordnung.- Arbeit kommt eine eigene Produktivität zu, die über die Reproduktion lebensnotwendiger Ressourcen (Selbsterhalt) hinausgeht = "Arbeitskraft"- Der Mensch verwirklicht sich in seiner Arbeit, die sinnvolle Arbeitsteilung zur Produktivitätssteigerung führt zur Entwertung und über die Mechanisierung zur Freisetzung der Arbeitskräfte. Proudhon:- Betont die Selbstverwirklichung des Einzelnen durch das Werk, die Umgestaltung der Natur: "Arebti ist das erste Attribut und der wesentliche Charakter des Menschen".- Fehlendes Eigentum führt zu einer egalitären Tauschgesellschaft, die ein freies und individuelles Arbeitsleben auf der Grundlage des individuellen Besitzes (z.B. Fähigkeiten, Ausbildung,...), nicht Eigentums ermöglicht.- Lohn = Wert der Arbeit, nicht der Arbeitskraft wie bei Marx!- Ablehnung staatlicher Gewalt, Anarchie als Gesellschaftsform Durkheim:- Arbeitsteilung = Abgrenzungskriterium zur traditionellen Gesellschaft. Um Konkurrenzdruck zu entgehen bildet der Einzelne spezifische Fertigkeiten aus. Das befördert die Arbeitsteilung und funktionale Differenzierung der Berufe.- Dadurch sind Einzelne aufeinander angewiesen und ergänzen sich (organische Solidarität), im Gegensatz zu mechanischer, auf Traditionen und Normen beruhender Solidarität.- Abhängigkeit des Einzelnen, weil er die komplexe Arbeitsteilung nicht mehr überblicken kann, das gesellschaftliche Gefüge lenkt den Einzelnen. Weber:- Auch hier Arbeitsteilung = soziale Differenzierung der Berufe. Durch technischen Fortschritt kommt es zu fortlaufenden Rationalisierungen, die haben Arbeitsteilung und Neuorganisation zur Folge.- Beziehungen zwischen Arbeitenden und Produktionsmittel gehen teilweise verloren- Arbeitsteilung erfolgt durch soziale Gefüge und die Gesellschaft => Rollenkonstrukte bilden sich.- Arbeit = wirtschaftsorientiertes, aber soziales Handeln
- 4. Diskutieren Sie die Aussage "Arbeit hat einen Sinn". Hat Arbeit einen Sinn, oder bezieht sie ihren Sinn daraus, Mittel zu anderem Sinnvollen zu sein? Beides ist möglich! Wenn Arbeit einen Sinn hat, was bedeutet das dann für Nicht-Arbeitende und ihr Verhältnis zu den Arbeitenden?- Arbeit kann eine Funktion haben, der nicht zwingend eine bestimmbare Funktion zukommt ("Man macht es halt.")- Arbeit steht heute im reflektierten, ökonomischen, sozialen und kulturellen Kontext, d.h. der Einzelne deutet Arbeit vor dem Hintergrund der individuellen Lebensführung und Zielstrukturen.- Arbeit = gesellschaftlich vermittelter und organisierter Vorgang => sozialer Prozess in doppelter Hinsicht: Einmal werden durch Arbeit und den Stand der Arbeitsbedingungen soziales Handeln und soziale Institution entscheidend mitgeformt. Die Gesellschaft wird zu wesentlichen Anteilen durch Arbeit konstituiert und charakterisiert. Zum Anderen wirken gesellschaftliche Rahmenbedingungen (z.B. Herrschaftsstrukturen, sozialer Wertewandel) auf den Arbeitsprozess ein, verändern den sozialen Charakter der Arbeit und wandeln die individuellen Einstellungen und Erlebnisformen im Hinblick auf Arbeit.- Für Nicht-Arbeitende wäre gesellschaftliche Ausgrenzung und Nicht-Teilhabe am gesellschaftlichen/sozialen Leben die Folge. Daraus resultierend eine Nicht-Wahrnehmung/Missachtung seitens der Arbeitenden als "nicht-produktiver Teil der Gesellschaft", also Randgruppe. Sinnmythos moderner Arbeitsgesellschaften nach Jäger:- Sinn durch neue Arbeitsorganisation, Reprofessionalisierung, Ganzheitlichkeit und Gruppenarbeit- "Normative Subjektivierung von Arbeit": Arbeitende thematisieren ihre Ansprüche an die Arbeit. Neuen Produktionskonzepten liegt die Forderung nach Spaß, eigenverantwortlichem Handeln, Entfaltung eigener Qualifikationn und Potentiale, Kompetenzerweiterung, Erlangen des Expertenstatus zugrunde.- Arbeit und Leben verschmelzen: "Selbstökonomisierung" = Selbstvermarktung der eigenen Fähigkeiten. "Selbstrationalisierung" = Organisation des eigenen Lebens mit Abläufen und Ansprüchen wie einen Betrieb- Innerbetriebliche Herrschaftsstrukturen werden reduziert, das Herrschaftsverhältnis jedoch bleibt bestehen.=> Arbeitssinnn ist risikoreicher, unbestimmter und vielfältiger geworden.
- 5. Benennen Sie Motive für das Arbeiten der Menschen und diskutieren Sie den Aspekt der "Arbeitszufriedenheit" Motive:- Existenzsicherung- Realisierung eines hohen individuellen Lebensstandards- Prestige- Persönliche Entfaltung und Weiterentwicklung- intrinsische Motive: Aus Interesse an der Handlung mit entsprechenden personeninternen Belohnungen, z.B. Bedürfnis nach Tätigkeit, Kontaktbedürfnis, Machtstreben, Wunsch nach Sinngebung und Selbstverwirklichung.- Extrinsische Motive: Aus Interesse an der durch Arbeit erreichten Belohnung von Außen: Geld, inhaltlich spezifizierte Konsumbedürfnisse, Sicherheitsstreben, Geltungsstreben, Kontaktbedürfnis, Sexualität. Arbeitszufriedenheit: Ist allein für die zeitliche Dimension nicht von der Lebenszufriedenheit zu trennen. Grundsätzlich kommt es hier zur:- Generalisierung: Übertragung der (Un-) Zufriedenheit bei der Arbeit auf die Freizeit.- Kompensation: Freizeit entschädigt für Arbeitsleid, beruflicher Erfolg entschädigt für familiäre Probleme.- Neutralität: Keine Einflüsse - Arbeitszufriedenheit kann erst bei der Entstehung einer eigenständigen Zeitkategorie zum (problembeladenen) Betrachtungsgegenstand werden, hängt damit stark von der zeitlichen Gliederung, der Strukturierung und spezifischen Zuweisungen im Tagesverlauf ab.
- 6. Zeigen Sie Veränderungen im Verhältnis von Arbeit und Zeit im gesellschaftlichen Wandel am Beispiel. Zeit = Medium gesellschaftlicher Integration, der Rhytmus des sozialen Lebens: 7-12-18-Uhr-Läuten, Tagesschau, Sportschau, Kernarbeitszeiten, Mittwochnachmittagsfrei, Ferien, Feiertage...- Wird Zeit individualisiert ist gesellschaftliche Desintegration die Folge.- Ursprung der sozialen Zeit liegt, lebensnotwendiger Weise, in der Zusammenarbeit von Menschen begründert -> über Sozialisation angeeignet- Zeit ist aber nicht gleich Zeit. Freizeit wird anders bewertet als Arbeitszeit, Arbeitszeit in der Nacht anders als solche am Tag.- Mit zunehmender Komplexität der Arbeitswelt und der Arbeitsteilung verändert sich das Verhältnis von Arbeit und Zeit: "Zeit ist Geld" Primat führt zu einer Orientierung der Arbeit an der Zeit und nicht an der Aufgabenerfüllung.- Aufgabenbezogene Zeiteinteilungen (der Agrargesellschaft) sind plausibler, den psychosozialen und physischen Bedürfnissen eher entsprechend. - Moderne Kommunikationsmedien mit der Tendenz zum "Rund-um-die-Uhr-Standby" bringen aufgabenorientierte Zeiteinteilung nicht zurück, sondern führen zu einer "Zeit-ist-knapp-Mentalität"=> Notwendigkeit eines Plädoyers für die Entschleunigung, die Langsamkeit.- Strategien gegen Zeitknappheit (Planung, Multitasking, Delegation, Routinen, Subsitution) können zu Anspruchsreduktion, Qualitätsminderung, Unterlassung und Verzicht führen.
- 7. Zeigen Sie den Bedetungswandel der Berufen und zeigen Sie auf, wie Berufe die Gesellschaft strukturieren. Als "Beruf" bezeichnet man ein Bündel von Fertigkeiten, das die Menschen in Ausbildungsprozessen erlernen. Als "Beruf" wird auch eine spezifische, zertifizierte Angebotsform auf dem Arbeitsmarkt bezeichnet.- Mittelalter: Im engen Luther'schen Sinne einer "Berufung" stellt Arbeit ein Charakterideal dar, das eine moralische Brücke zwischen Arbeit und Leben schlägt (Zünfte in MA).- Freiheit der Berufswahl und -ausübung seit der französischen Revoultion gesichert.- Heute: Diversifizierung der realen Ausprägung, aber auch bleiben Beziehungen zwischen Ausbildung und den, mit der Berufsausübung verbundenen, Einkommenschancen und -erwartungen erhalten. Berufe strukturieren die Gesellschaft:1. Vertikale Ungleichheit entlang der Berufshierarchie2. Horizontale Ungleichheit in Verbindung mit anderen Determinanten sozialer Ungleichhezti (Alter, Ethnie, Geschlecht, Religion)- Viele Dimensionen sozialer Ungleichheit haben Berufsbezug: Einkommen, Entwicklungschancen, Status, Prestige, Gesundheit, Freizeit, Wohnform, Lebensstil.- Statusbestimmung = Verortung des Einzelnen im Gefüge einzelner oder mehrerer Dimensionen sozialer Ungleichheit (Statusgruppe - Statuskonsistenz - vertikale Mobilität) erfolgt oft anhand berufsbezogener Determinanten! -> Berufe haben starke gesellschaftsstrukturierende Wirkung (-> Müllmann vs. Arzt)- Im Zuge der Ausdifferenzierung und Individualisierung von Arbeitswelten hat der Beruf seine Schutzfunktion vor sozialem Abstieg verloren. Heutige Gesellschaften sind nicht mehr durch Klassen- und Schichtzugehörigkeiten, sondern mehr durch soziale Milieus und Lebensstile gekennzeichnet. Aber: Ohne Beruf steigt das Exklusionsrisiko! Tendenzen hinsichtlich Ausprägung und Bedeutung der Berufe:1. Lebensberuf: Im Sinne der dauerhaften Ausübung eines bestimmten, durch Ausbildung vermittelten Tätigkeitsprofils schwindet.2. Lebenslanges Lernen lässt berufliche Erstausbildung in ihrer Bedeutung zurücktreten.3. Dynamik des Wirtschaftsprozesses wird zunehmend nicht mehr über Ausbildungsberufe abgebildet. 4. Soziale Kompetenzen ("Schlüsselqualifikationen") werden zunehmend nachgefragt. 5. Berufliche Karrieren über Qualifikationsaufstieg in einem Betrieb werden durch individuelle Erwerbsbiographien abgelöst.6. Beschäftigungsfähigkeit statt Beruflichkeit: Fort-/Weiterbildung
- 8. Charakterisieren Sie verschiedene Arbeitssysteme. - Differenziertes Arbeitssystem: Hierarchisch und funktional gegliederte Unternehmung im Sinne von Taylor's Rationalisierungsansatz. Heute: Industrieunternehmen mit Massenfertigung, bzw. Anbieter standardisierter Dienstleistungen (z.B. Call-Center). -> Betriebsorientiert mit hoher Arbeitsteilung - Flexibel differenziertes System: Anpassungsfähige Arbeitnehmer werden durch interne Anlern- und Qualifizierungsmaßnahmen mittels aufstiegsorientierter Anreizsysteme auf wechselnde Aufgaben und Platzierungen vorbereitet (z.B. Chemieindustrie)-> Betriebsorientiert mit geringer Arbeitsteilung - Polarisiertes Arbeitssystem: Im Nebeneinander verschiedener beruflicher Qualifikationen findet in "job territories" Aufgabenerfüllung unter Gewährung von Teilautonomie statt, wobei Qualifizierungs- wie Aufstiegsmöglichkeiten innerhalb des Systems existieren müssen.-> Berufsorientiert mit hoher Arbeitsteilung - Integratives System: Große Funktionsbereiche mit relativ hoher Autonomie steuern die Teilprozesse, erhalten Vorgaben zu Terminen, Budgets und Umfängen.-> Berufsorientiert mit geringer Arbeitsteilung
- 9. Zeigen Sie die historische Entwicklung der Unternehmensorganisation auf und charakterisieren Sie die verschiedenen Unternehmenstypen nach Mintzberg. Unternehmenstypen nach Mintzberg:1. Bürokratisches Großunternehmen: Funktionale und hierarchische Arbeitsteilung, ausdifferenziertes Management, zentralisierte Unternehmensleitung, unterstützende Stabsstruktur (Ein-Linien, Mehr-Linien, Stab-System)-> Nachteil: Mangelnde Flexibilität, hohe organisatorische Komplexität, mangelnde Arbeitsmotivation im operativen Kern. 2. Eigentümerzentriertes Unternehmen: Wenig ausdifferenzierte Struktur, auf Schlüsselperson zugeschnitten.-> Vorteil: "Pragmatische Produktionsgemeinschaft"-> Nachteil: "Seelenloses Arbeitshaus" 3. Divisionales Unternehmen: Kopplung weitgehend autonomer Einheiten, gegliedert nach Region, Produkt- oder Kundengruppe, starke Dezentralisierung, strategische Entscheidungen durch Unternehmensspitze 4. Professionelles Unternehmen: Geregelte Grundstruktur in Kombination mit wenig strukturierten operativen Bereichen, schlankes Management, individuelle Arbeitsorientierung bedarf der aufwändigen Koordinierung, garantiert aber Leistungsbereitschaft und hohe fachliche Identifikation. 5. Innovatives Unternehmen: Kaum strukturiert, weitgehend ohne Management, informeller Koummunikationsstil und flexible Arbeitsverteilung bei hoher Leistungsmotivation: "Adhocracy" -> sehr innovativ, dynamisch, vernetzungsorientiert. => "structure follows strategy"! Historische Entwicklung:1. Phase: Ende 19. Jahrhundert: Aufbau von Großunternehmen2. Phase: Ab Beginn des 20. Jahrhunderts: Bürokratische, Taylor'sche Unternehmen3. Phase: Vor dem ersten Weltkrieg: Diversifizierte Unternehmen4. Phase: Ab dem ersten Weltkrieg: Divisionale Unternehmensorganisation (GM)5. Phase: v.a. ab 1980: Dezentralisierung = Reduktion auf Kernaktivitäten, Hierarchieabbau, Etablierung teilautonomer Einheiten, Aufgabendelegation, Profit-Center-Bildung, Internationalisierung der Fertigung(sstätten)
- 10. Benennen Sie verschiedene Tendenzen zur Veränderung der Arbeitsform in der Gesellschaft und beschreiben Sie ein alternatives Modell zur heutigen Erwerbsarbeit. Tendenzen:- Flexibilisierung der Formen von Beschäftigungsverhältnissen und Änderung der Arbeitsmarktstrukturen durch Kostendruck der Unternehmen, Rationalisierungsprozesse, mit der Folge sinkender Einkommen.- Bedeutungsverlust des Normalarbeitsverhältnisses (fester Arbeitsvertrag, unbefristete Vollzeitbeschäftigung) zu Gunsten verschiedener Formen prekärer Beschäftigung (=unkalkulierbare Beschäftigungsperspektiven, unsichere und niedrigere Einkommen, unzureichende Ansprüche an die Sozialversicherung. Bsp: Teilzeitarbeit, Leih-, Zeitarbeit, Scheinselbstständigkeit, Minijobs,...)- Zunehmende flexible Arbeitsanpassung an schwankende Auftragslage: über sogenannte "Vertrauensarbeitszeit" bis hin zur "Scheinsouveränität" mit Sonntags- und Nachtarbeit.- Flexibilisierung der Arbeitszeitgestaltung, z.B. via Arbeitszeitkonten, Abrufarbeit, Arbeitsplatzteilung- Zunahme von Programmen zur gezielten Regeneration von Arbeitskraft (Physisch und psychisch) z.B. Work-Family-Balance-Initiative, Elterngeld, Elternzeit,... Alternative Modelle zur Erwerbsarbeit:- Hartz IV: Das Melden als "arbeitslos" beim Arbeitsamt und unter Einhaltung bestimmter Rahmenbedingungen/Auflagen (z.B. Bewerbungszwang) eine gesetzlich festgelegte Menge Geld pro Monat als Sozialleistung vom Staat beziehen.- Bedingungsloses Bürgergeld (nach Götz Werner): Jeder Bürger bekommt, unabhängig von seiner wirtschaftlichen Lage, eine gesetzlich festgelegte und für alle gleiche, vom Staat ausgezahlte finanzielle Zuwendung, ohne dafür eine Gegenleistung bringen zu müssen. Auf der anderen Seite entfallen dafür alle allgemeinen Steuer- und abgabefinanzierten Sozialleistungen (z.B. Arbeitslosengeld, Kindergeld, Sozialhilfe,...)
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- 11. Begründen Sie die Zunahme der Unternehmensnetzwerke und charakterisieren Sie verschiedene Formen dieser Netzwerke Unternehmensnetzwerke = unternehmensübergreifende Formen der Kooperation formal selbstständiger, wirtschaftlich verbundener Unternehmen durch komplex-reziproke, eher kooperative als kompetitive und relativ stabile Beziehungen. Ursachen für die Zunahme seit 1980:- Marktdruck erfordert Rationalisierung in der gesamten Wertschöpfungs- und Produktionskette- Die vom Markt geforderte Verkürzung von Innovationszeiten führt zu steigenden, mit Risiken behafteten Investitionskoten.- Bei Ausfall einzelner Segmente ist durch die Flexibilität schneller ein neuer Partner gefunden.- Einbindung der Kunden in das Netzwerk ist möglich -> stärkere Kundenbindung=> Unternehmen können über Netzwerke Ressourcen bündeln, Kapazitäten und Leistungsspektren erweitern, schneller Strukturen wandeln und leichter neue Anforderungen aufnehmen. Sie führen also zu einer gesteigerten Leistungsfähigkeit. Formen von Unternehmensnetzwerken:- Hierarchisch koordinierte, sogenannte "strategische" Netzwerke: Werden im Prinzip von einem dominanten Unternehmen koordiniert, aber kleine Partner haben, in Abhängigket von ihrem Innovationspotential, Einflussmöglichkeiten. Bsp: Zuliefersystem/-pyramide in der Automobilindustrie. - Projektnetzwerke oder sogenannte "virtuelle" Netzwerke: Zeitlich relativ begrenzt, themenspezifisch organisiert, zumeist basierend auf lockeren sozialen, räumlich teilweise begrenzten Face-to-Face-Beziehungen, aber auch größere, Internet- und Kommunikationstechnologie-basierte Netzwerke mit hohen Koordinationsaufwand möglich. - Symmetrische Netzwerke: Dauerhafte, reziproke, regionale Netzwerke von KMUs. Auf Forschung und Entwicklung, Beschaffung, Produktion und Absatz ausgerichtet -> Cluster-Ansatz!
- 12. Worin liegen die Unterschiede im amerikanischen und im deutschen Managementmodell? Amerikanisches Managementmodell:- sachlich: Starke finanzwirtschaftliche Orientierung, Starke Marketing-Orientierung, Dominanz kaufmännisch qualifizierter Führungskräfte- organisatorisch: Zentralisierung der Unternehmens-/Arbeitsorganisation, Wenig Partizipation, Konfliktorientierung- zeitlich: Kurzfrist-Orientierung, geringe Verweildauer, Horizontale Karrieremobilität Deutsches Managementmodell:- sachlich: Starke Produktorientierung, Hohe Bedeutung von F+E, Dominanz technisch qualifizierter Kräfte- organisatorisch: Dezentralisierung, Hohe Bedeutung partizipativer Strukturen, Konsensorientierung- zeitlich: Langfrist-Orientierung, Lange Verweildauer, Vertikale Karriereorientierung
- 13. Was ist ein Tarifvertrag und auf welcher gesetzlichen Grundlage basiert er? Kennzeichnen Sie die wesentlichen Inhalte von Tarifverträgen. - Tarifautonomie: Recht der Arbeitsmarktparteien, unbeeinflusst von dritten (v.a. vom Staat) autonom Arbeitsbedingungen in Tarifverträgen zu verinbaren, die als Mindestarbeitsbedingungen für alle, dem Vertrag unterliegenden Arbeitnehmer und Arbeitgeber zwingend sind. Ein Tarifvertrag ist also eine Form von Arbeitsvertrag. - Rechtsgrundlage:1) Verfassungsmäßige Grundlage = Artikel 9 (3) des Grundgesetzes.2) Ausgestaltung: Tarifvertragsgesetz (TVG) vom 09.04.1949 - Wesentliche Inhalte:1) Normativer Teil:- Löhne, Gratifikationen, Lohnsysteme, Arbeitszeit, Urlaub, Urlaubsgeld- Ge-/Verbote/Formvorschriften zum Abschluss von Arbeitsverträgen- Form und Fristen der Kündigung- Gefahren-/Gesundheitsschutz- Gemeinsame Einrichtungen. betriebliche Wohlfahrtseinrichtungen (z.B. KiTa, Fitnessstudio)2) Schuldenrechtlicher Teil:- Durchführungs-, Friedens und Einwirkungspflicht
- 14. Was ist ein "Arbeitskampf" und welche Aufgabe hat er? Was versteht man unter "Streik" und "Aussperrung"? Wann ist der Einsatz von Streik gerechtfertig? Nennen Sie bitte Kriterien. - Arbeitskampf: Druckausübungen von Arbeitgeber/Arbeitnehmer mittels kollektiver Störung der Arbeitsbeziehungen. Aufgabe: Austragung von Lösung von Tarifkonflikten. Ist also Institution zur Gewährleistung der Tarifautonomie (Gesetzlich gewolltes Mittel!)- Streik: Arbeitskampfmittel der Arbeitnehmer = Vorenthaltung der Arbeitsleistung, gemeinsame Vorenthaltung (entweder gewerkschaftliche oder wilde Streiks).- Aussperrung: Arbeitskampfmittel der Arbeitgeber = Aussperrung der Arbeitnehmer aus dem Unternehmen/Betrieb/Zugangsverweigerung zum Arbeitsplatz (Einzelaussperrung oder Verbandsaussperrung). Rechtmäßigkeit tarifbezogener Arbeitskämpfe (z.B. Streiks):- Führung des Kampfes durch tarifvertragsfähige Parteien- Tarifvertrag als Kampfziel- Beachtung der Friedenspflicht- Beachtung der Treuen und Glauben- Beachtung des Übermaßverbotes: Grundsatz der Erforderlichkeit ("Ultima-Ratio-Prinzip"), Grundsatz der Verhältnismäßigkeit (z.B. nicht wegen 5€ mehr im Jahr Tarifstreiks beginnen, nicht tagelang die Gebäude besetzen)- Grundsatz der freien Kampfmittelwahl unter Beachtung von Drittwohl-/Gemeinwohlbetroffenheit (z.B. Streik bei Polizei oder Feuerwehr)
- 15. Auf welchem Gesetz beruhen die Kompetenzen des Betriebsrates? Welches sind die wesentlichen Aufgaben und Grundsätze seiner Arbeit? Nennen Sie bitte die Mindestgröße des Betriebs für die Errichtung eines Betriebsrates und die Dauer seiner Wahlperiode. Gesetzliche Grundlage: Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) §20: Niemand darf die Wahl des Betriebsrates behindern. Aufgaben: Mitbestimmung in sozialen, personellen, wirtschaftlichen Angelegenheiten.Grundsätze:- Verhandlung mit Arbeitgeber, mit dem ernsten Willen zur Einigung in strittigen Fragen.- Maßnahmen des Arbeitskampfes zwischen Betriebsrat und Arbeitgeber sind unzulässig.- Arbeitgeber und Betriebsrat wachen darüber, dass alle Arbeitnehmer nach den Grundsätzen von Recht und Billigkeit behandelt werden.- Zur Beilegung von Meinungsverschiedenheiten ist bei Bedarf eine Einigungsstelle einzurichten. - Betriebsvereinbarungen sind von Betriebsrat und Arbeitgeber zu beschließen und schriftlich niederzulegen. Sie gelten unmittelbar und zwingend.- Mitglieder im Betriebsrat dürfen in ihrer Tätigkeit nicht benachteiligt oder begünstigt werden.- Mitgliedschaft im Betriebsrat ist ein unentgeltliches Ehrenamt mit Anspruch auf Aufwandsentschädigung. Ab 200 Arbeitnehmern wird ein Betriebsratsmitglied vollständig freigestellt.- Die Sitzungen sind nicht öffentlich, Geheimhaltungspflicht. Mindestgröße des Betriebs: Mindestens 5 ständig wahlberechtigte Arbeitnehmer, davon 3 wählbar.
- 16. Nennen Sie bitte Funktionen und Bereiche der Mitbestimmung. Geben Sie bitte Beispiele für die Mitbestimmung in verschiedenen Bereichen. Kennzeichnen Sie den grundlegenden Unterschied zwischen der Mitbestimmung im Betrieb und im Unternehmen. Bereiche:In sozialen Angelegenheiten:- Betriebsordnung, Festlegung und Verteilung von Arbeitszeiten, Urlaubsregelungen- Aufstellung von Entlohnungsgrundsätzen, Einführung neuer Entlohnungsmethoden, Festsetzung von Akkord- und Prämiensätzen- Einführung / Anwendung von technischen Einrichtungen zur Überwachung des Verhaltens, der Leistung der Arbeitnehmer (z.B. Überwachungskamers,...)- Regelungen über die Verhütung von Arbeitsunfällen, Berufskrankheiten, Gesundheitsschutz.- Ausgestaltung, Verwaltung von sozialen Einrichtungen, Betriebswohnungen- Grundsätze zum betrieblichen Vorschlagswesen (z.B. Einrichtung eines "Kummerkastens") In personellen Angelegenheiten:- In allgemeinen personellen Angelegenheiten (=Personalplanung)- Ab 20 Arbeitnehmern: Bei personellen Einzelmaßnahmen (Einstellung, Ein-/Ausgruppierung, Versetzung, Kündigung) In wirtschaftlichen Angelegenheiten:- In Betrieben mit mehr als 100 Arbeitnehmern: Wirtschaftsausschuss- Unterrichtung über wirtschaftliche, finanzielle Lage des Unternehmens, Investitions- und Produktionsprogramm, Absatzlage, Rationalisierungsvorhaben,...- Interessensausgleich bei Betriebsveränderungen (v.a. Stilllegung) und Aufstellung eines Sozialplans. Funktion der Mitbestimmung: Aufhebung einseitig ausgeübter Herrschafts- oder Leistungsbefugnisse durch die Arbeitgeber, durch die Beteiligung der Arbeitnehmer am Entscheidungsprozess.Betriebliche Mitbestimmung: Recht der Arbeitnehmer eines Betriebes zur Beteiligung an Entscheidungen über betriebliche Angelegenheiten. Mitbestimmung gemäß Betriebsverfassungsgesetz.Mitbestimmung im Unternehmen: Recht der Arbeitnehmer zur Mitwirkung an Entscheidungen der leitenden Unternehmensorgane. Beteiligung Mitbestimmungsgesetz. Grundlegender Unterschied: Im Betrieb gibt es lediglich eine Mitsprache, jedoch keine Mitentscheidung, da im betrieblichen Teilsystem das Verhältnis Arbeitnehmer/Kapitalvertreter (Arbeitgeber) in der Regel 1:2 beträgt, so sind die Arbeitnehmer leicht zu überstimmen durch zahlenmäßige Unterlegenheit -> Im Betrieb also nur "Pseudo-Mitentscheidung". Im Unternehmen welches mehrere Betriebe umfasst, beträgt das Verhältnis Arbeitnehmer / Kapitalvertreter (Arbeitgeber) im betrieblichen Teilsystem dagegen 1:1. So können Entscheidungen auch pari-pari ausgehen, was bedeutet, dass die Arbeitnehmer hier deutlich mehr Mitentscheidungsgewicht haben und man auch von Mitentscheidung sprechen kann.
- 17. Grenzen Sie begrifflich "Organisation", "Verband", "Interessenverband" und "soziale Bewegung" voneinander ab. - Organisation: Die Ordnung von arbeitsteilig und zielgerichtet miteinander arbeitenden Personen und Gruppen. Umfasst alle Institutionen, Gruppen und soziale Gebildet, die bewusst auf ein Ziel hinarbeiten, dabei geplant arbeitsteilig gegliedert sind und ihre Aktivitäten auf Dauer ausgerichtet haben. Weiterhin gibt es eine Führung, strikte Mitgliederabgrenzung und rationale Koordination.- Verband: Eine nach außen regulierend beschränkte oder geschlossene soziale Beziehung, deren Innehaltung ihrer Ordnung garantiert wird, durch das eigens auf deren Durchführung eingestellte Verhalten bestimmter Menschen.- Interessenverband: Freiwillig gebildete soziale Einheit mit bestimmten Zielen und arbeitsteiliger Gliederung (Organisation), die individuelle materieller oder ideelle Interessen ihrer Mitglieder im Sinne von Bedürfnissen, Nutzen und Rechtfertigungen zu verwirklichen sucht. Sie tut dies innerhalb der sozialen Einheit und/oder gegenüber Gruppen, Organisationen und Institutionen.- Soziale Bewegung: Soziales Subjekt aus einer großen Anzahl von Individuen ohne sehr feste Organisation, aber mit gemeinsamen Anliegen.
- 18. Was unterscheidet Parteien und Verbände und welche Motive gibt es für die Mitgliedschaft in Verbänden? Geben Sie bitte Beispiele. Unterschiede:- Verbände beteiligen sich nicht am Mandatswettbewerb bei Wahlen zu Parlamenten- Der Wirkungsbereich von Verbänden ist stärker nach Funktionsbereichen und sozialen Gruppen differenziert (z.B.Fußballverbände, Bauernverband, aber keine "Fußballpartei" oder "Bauernpartei")- Verbände sind auch thematisch enger auf spezifische Bedürfnisse ihrer Mitglieder zugeschnitten und in deren Sozialstruktur besser eingebettet. Motive für die Mitgliedschaft in Verbänden:- Sachanreize: Verbandszwecke, Dienstleistungen (z.B. Rechtsschutz, Vergünstigungen auf Pflanzenschutzmittel bei Bestellung über Bauernverband,...)- Sozio-emotionale Anreize: Kollegialität, Geselligkeit, Anerkennung, Beachtung als Gruppe, ... (z.B. Mitgliedschaft im Bauernverband wegen der Kneipenabende "unter Freunden")- Mitgestaltung: Als politische Wesen (z.B. Anhörung des Bauernverbandes bei Gesetzesdebatten im Bundestag)
- 19. Benennen Sie die Kriterien für die Analyse von sozialen Systemen wie Verbänden. Struktur sozialer Systeme:- Normative Erwartungsstrukturen (soziale Handlungsprogramme: Begründung, Ausprägung, Geltung sozialer Werte, Normen, Rollen, Sitten, Bräuche, Recht)- Mitgliederstrukturen: Demographische und soziale Strukturen, Verhaltensdispositionen und -potentiale- Ressourcenverfügbarkeit- Handlungsprozesse Funktion sozialer Systeme: Leistungen und Wirkungen im Bezug auf:- Die Bedürfnissbefriedigung der Systemmitglieder- Systemkontinuität und -funktionalität- Andere Sozialsysteme in der Gesellschaft Wandel sozialer Systeme: Art, Ausmaß und Determinanten struktureller und funktionaler Differenzierungen im Entwicklungsprozess. -> Struktur, Funktion und Wnadel von Verbänden ist abhängig vom politischen System und seiner Entwicklung!
- 20. Beschreiben Sie die Einflussmöglichkeiten von Verbänden auf die unterschiedlichen gesellschaftlichen Entscheidungsträger. Einfluss entweder unmittelbar(direkt) oder mittelbar(indirekt):Unmittelbar (direkt) auf:- öffentliche Meinung, via Information, Stellungnahmen, Demonstration und eigene Medien (z.B. Magazinen, Filmen,...)- Bundestag, via Sachverstand (z.B. in Anhörungen) und personelle Durchsetzung (Abgeordnete sind auch Verbandsmitglieder)- Politische Parteien, via Stimmpaketen, Spenden (heute eher nicht mehr üblich, prekär) und personelle Durchsetzung (Verband hat Mitglieder in Partei)- Bundesregierung, via Eingaben (z.B. Empfehlungen als Experte, Mitglied eines Expertenstabes, etc.), Unterstützung/Sabotage von Maßnahmen Mittelbar (indirekt) auf:- Bundestag, durch Einfluss auf öffentliche Meinung und Ministerialbürokratie- über politische Parteien auf Bundestag, Bundesregierung, öffentliche Meinung und Ministerialbürokratie- Ministerialbürokratie, via Kontakten, Information, Eingaben und personeller Durchsetzung=> Politische Parteien und öffentliche Meinung beeinflussen sich gegensetig, somit ist auf beiden Seiten auch ein Einfluss der Verbände möglich.
- 21. Welche Funktion haben Verbände nach innen und nach außen zur Gesellschaft hin? Erläutern Sie diese bitte. Aggregation:- Bedeutung für Verband: Bündelung und Zusammenfassung heterogener gesellschaftlicher Interessen zu verbandspolitischen Zielen- Bedeutung für Demokratie: Verbesserte Durchsetzbarkeit von Interessen; Betonung der Legitimität von Forderungen Selektion:- Bedeutung für Verband: Vereinheitlichung der Mitgliederinteressen; Auswahl zentraler wie pragmatischer Forderungen- Bedeutung für Demokratie: Filterfunktion: Schutz vor Überlastung staatlicher Institutionen zwischen Ausblendung von Interessen und politischer Handlungsunfähigkeit Artikulation:- Bedeutung für Verband: Umformung latenter und manifester Interessen in konkrete Forderungen an das politische System- Bedeutung für Demokratie: Ausrichtung der staatlichen Ordnungs- und Verteilungsmaßnahmen an der gesellschaftlichen Realität Integration: - Bedeutung für Verband: Einbindung von Individuen in Verbandstrukturen und Teilhabe an den Durchsetzungsmaßnahmen- Bedeutung für Demokratie: Stabilisierung des gesellschaftlichen Unterbaus, Aufbau von Loyalität und Legitimitätszuschreibung Partizipation:- Bedeutung für Verband: Teilnahme an Verbandsarbeit durch Information, Kommunikation, innerverbandlichen Aufstieg- Bedeutung für Demokratie: Indirekte Teilhabe am politischen Entscheidungsprozess; Anerkennung staatlicher Steuerungskompetenz; Akzeptanz der Funktionslogik Sozioökonomische Selbstregulierung:- Bedeutung für Verband: Selbstständige Regulationsfunktion in bestimmten Politikfeldern- Bedeutung für Demokratie: Finanzielle und strukturelle Entlastung des Staates, Stabilisierung der Gesellschaft Legitimation:- Bedeutung für Verband: Gelegenheit zur Teilnahme am politischen Prozess, Verdeutlichung von individuellen Chancen, Teilhabe an Lösung konkreter Einzelfragen- Bedeutung für Demokratie: "Metafunktion": Rekrutierung von politischem Personal, Akzeptanz demokratischer Verfahren, Schaffung von Vertrauen in die Effizienz des politischen Systems durch Rückbindung an gesellschaftlicher Realität
- 22. Beschreiben Sie den aktuellen Wandel der Verbandslandschaft in der Gesellschaft. - Wachsende Bedeutung "politischer Unternehmer": Einzelunternehmer werben mittels Non-Membership-Vereinigungen/Mobilisierungsagenturen Mittel ein und arbeiten mit kleinen professionellen Stabsstellen- Mehr advokatorische Interessenvertretungen: Behinderten-, Umweltschutz-, Naturschutz-, Tierschutzvereinigungen.- Angesichts des stärkeren Kosten-Nutzen-Denkens der Mitglieder: Verstärkung der selektiven Anreize für Mitglieder (z.B. Rechtsschutz, Vergünstigungen bei Partnerfirmen,...)- Boom von Non-Membership-Vereinigungen mit wenigen formellen, aber vielen fördernden Spendern- Selbstfinanzierung von Verbänden durch Eigenunternehmen- Finanzielle Förderung durch Staat und Gesellschaft: direkt durch Zuschüsse oder über Stiftungen. Entwicklungstendenzen:- Expansion, Pluralisierung und Dispersion unter Einbeziehung kommerzieller Dienstleistungsanbiete.- Wachsendes verbandliches Organisationspotential, Wandel des sozialen Kapitals und zunehmende soziale Selbststeuerung im Sinne der Realisierung von Organisationsinteressen über die Arbeit in der verbandlichen Solidargemeinschaft mittels freiwilliger Selbstverpflichtung, etc. statt über den Staat.- Wachsender Lerndruck auf das politische System und Zunahme der politischen Entscheidungskosten durch Globalisierung, Internationalisierung und Dezentralisierung -> zunehmende Heterogenität und Komplexität machen neue Entscheidungsverfahren erforderlich