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Kuwi Hagen Literatur (Subject) / L1 Rhetorik (Lesson)

Glossar der Terminologie

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  • Allegorese Auch hermeneutische Allegorie: Ein in der Antike entwickeltes Verfahren zur Textauslegung, die darauf abzielt, einen über den Wortsinn hinausweisenden, tieferen, im Wort zeichenhaft verborgenen Sinn zu entschlüsseln.
  • Allegorie Rhetorische Figur, bei der ein abstrakter Begriff aufgrund einer konventionalisierten Zuordnung durch ein Konkretum substituiert, in sprachliche oder visuelle Bildzeichen oder Bildfolgen verschlüsselt wird, z.B. Justitia als Frauengestalt mit Waage, Augenbinde und Schwert.
  • Anakoluth Rhetorische Figur der grammatisch nicht folgerichtigen Satzfortführung. Beispiel: "Es geschieht oft, dass, je freundlicher man ist, nur Undank wird einem zuteil."
  • Anapher Rhetorische Figur der Übereinstimmung eines oder mehrerer Wörter an den Anfängen mindestens zweier Teilsätze, Sätze oder Absätze. Beispiel: "Wer nie sein Brot mit Tränen aß,/ wer nie die kummervollen Nächte/ auf seinem Bette weinend saß..."
  • Antithese Rhetorische Figur der Gegenüberstellung gegensätzlicher Begriffe und Gedanken in einem Satz oder einer Satzfolge ohne logischen Widerspruch. Beispiel: "Was dieser heute baut, reißt jener morgen ein."
  • Antonomasie Tropus 1. der Umschreibung eines Eigennamens durch besondere, meist stereotyp zugeordnete Kennzeichen. (Dichterfürst für Goethe) 2. der Ersetzung einer Gattungsbezeichnung durch einen typisierenden Eigennamen (Judas für Verräter)
  • Aposiopese Rhetorische Figur des bewussten Abbrechens der Rede vor der entscheidenden Aussage, die der Hörer oder Leser aber ergänzen kann. Beispiel: "Was! Ich? Ich hätt ihn -? Unter meinen Hunden -?"
  • Apostrophe Rhetorische Figur der Ansprache oder Hinwendung des Rhetors zum Publikum oder zu anderen, meist abwesenden (auch toten) Personen. Beispiel: "Oh, ihr Musen."
  • aptum Rhetorischen Stilprinzip der Angemessenheit der Rede für die Situation neben: brevitas, ornatus, puritas, perspicuitas
  • argumentatio 3. Teil der Gliederung einer Rede (dispositio = Gliederung) Beweisführung nach exordium, narratio und vor peroratio/ conclusio  
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  • Asyndeton Rhetorische Figur der Reihung gleichgeordneter Wörter, Satzteile oder Sätze ohne verbindende Konjunktion. Beispiel "Der Wahn ist kurz, die Reu ist lang."
  • brevitas Rhetorisches Stilprinzip der Kürze des Ausdrucks neben aptum, ornatus, puritas, perspicuitas
  • Chiasmus Rhetorische Figur der überkreuzten syntaktischen Stellung von Wörtern, Satzteilen oder Sätzen. Häufig für Antithesen gebraucht. Gegenbegriff dazu ist der Parallelismus. Beispiel "Eng ist die Welt und das Gehirn ist weit."
  • Chiffre Tropus, bei dem Ausdruck und Kontext so miteinander verbunden sind, dass ohne Hintergrundinformationen zwischen dem uneigentlichen Ausdruck und einem eigentlich gemeinten Bereich allein in einem Einzeltext keine hinreichend klaren Äquivalenzbeziehungen hergestellt werden können. Gelegentlich auch als absolute Metapher bezeichnet. Beispiel "Diese Musik, ein Sternträger schwieliger Schwärze, wird uns noch lange verfolgen."
  • conclusio 4. Teil der Gliederung einer Rede (dispositio = Gliederung) Schluss nach exordium, naratio, argumentatio
  • delectare Redeziel der sanften Gemütsbewegung.
  • Dispositio 2. Teil der Produktionsstadien einer Rede Kunst der wirksamen Anordnung des Stoffes einer Rede. nach inventio und vor elocutio, memoria, actio/ pronuntiatio
  • Ellipse Rhetorische Figur der Auslassung mindestens eines (zum Verständnis nicht unbedingt nötigen, aber in vollständiger schriftsprachlicher Syntax erforderlichen) Satzglieds. Beispiel  "Woher so in Atem?"
  • Elocutio 3. Teil der Produktionsstadien einer Rede Kunst der Einkleidung des Redestoffes in rhetorische Figuren und Tropen nach inventio und dispositio und vor memoria und actio/ pronuntiatio
  • Emblem Bezeichnung für eine in der frühen Neuzeit beliebte, aus Bild und Text zusammengesetzte Kunstform, bestehend aus einem meist allegorischen Bild (pictura), einer Überschrift (inscriptio) und einer meist epigrammatischen Unterschrift (subscriptio).
  • Emphase 1. Tropus der Ersetzung eines Begriffs oder Gedankeninhalts durch ein Wort, das diesen Begriff oder Gedankeninhalt unausdrücklich auch enthält. Beispiel  "Er ist ein Mensch." anstelle von "Er hat sich geirrt." 2. Allgemein Bezeichnung für nachdrückliche Rede
  • Epipher Rhetorische Figur der Übereinstimmung eines oder mehrerer Wörter an den Schlüssen mindestens zweier Teilsätze, Sätze oder Absätze. Beispiel "Auch Penthesilea lebt doppelt, begreift sich doppelt." Gegensatz: Anapher
  • Exempel 1. Beispielerzählung zur Veranschaulichung einer aufgestellten Behauptung in einer Rede 2. Beispielerzählung in Rückgriff auf mythische oder hiostorische Figuren im Mittelalter und Früher Neuzeit
  • exordium 1. Teil der Gliederung einer Rede (dispositio = Gliederung) Einleitung vor narratio, argumentatio, conclusio/ peroratio
  • genera dicendi Stilebenen der Rhetorik Traditionell werden unterschieden: genus humile - niedere Stilebene (dient dem docere), genus mediocre/ medium - mittlere Stilebene (dient dem delectare), genus grande/ sublime - hohe/ erhabene Stilebene (dienst dem movere). Sie werden auch typologisch den drei Ständen Bauer/ Hirten, Bürger und Adel zugeordnet oder auch den drei genera iudicale, deliberativum und demonstrativum.
  • genus iudicale/ deliberativum/ demonstrativum (epideiktikon) Rhetorische Begriffe für die drei Redesituationen der Gerichtsrede, der Staatsrede und der Prunk- oder Lobrede.
  • Hendiadyoin Rhetorische Figur der Wiedergabe eines Begriffs durch zwei gleichwertige mit "und" verbundene Wörter. Schafft aus zwei Wörtern einen komplexen, anderen Begriff, der eine neue Bedeutung hat. Beispiel: Ab und zu für das Wort manchmal. "Feuer und Flamme" für begeistert, klipp und klar für eindeutig. Weiterhin kann es aber auch das Attribut eines Wortes ersetzen oder ein zusammengesetztes Substantiv aufbrechen.  Beispiel: In Eisen und Rüstung statt eiserner Rüstung oder Glück und Stern für Glücksstern. dagegen: Tautologie: “nie und nimmer“, “Reih und Glied“, “immer und ewig“
  • Hyperbel Tropus der extremen und offensichtlich unglaubwürdigen Übertreibung Beispiel "Ein Schneidergeselle, so dünn, dass die Sterne durchschimmern konnten."
  • Hypotaxe Rhetorische Figur der syntaktischen Unterordnung von Satzgliedern. Unterordnung von Nebensätzen unter Hauptsätze. Einschübe. Beispiel Es traf sich, daß der Kurfürst von Sachsen auf die Einladung des Landdrosts, Grafen Aloysius von Kallheim, der damals an der Grenze von Sachsen beträchtliche Besitzungen hatte, in Gesellschaft des Kämmerers, Herrn Kunz, und seiner Gemahlin, der Dame Heloise, Tochter des Landdrosts und Schwester des Präsidenten, andrer glänzenden Herren und Damen, Jagdjunker und Hofherren, die dabei waren, nicht zu erwähnen, zu einem großen Hirschjagen, das man, um ihn zu erheitern, angestellt hatte, nach Dahme gereist war [...]
  • Inventio 1. Teil der Produktionsstadien einer Rede. Das Auffinden von zum Thema passenden Gedanken. Vor Dispositio, Elocutio, Memoria, Actio/ Pronuntiatio
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  • Inversion Rhetorische Figur der abweichenden Wortstellung. Beispiel "Dich sah ich und die milde Freude." übliche Stellung der Satzglieder im Deutschen:Subjekt – Prädikat – Objekthier aber:Objekt – Prädikat - Subjekt
  • Parataxe Rhetorische Figur der syntaktischen Beiordnung von Satzgliedern. Hauptsätze, Wörter oder auch Wortgruppen sind aneinanderreiht, wodurch ein Text durch den Aufzählungscharakter recht knapp, stark und absolut wirken kann. Aneinanderreihung von Hauptsätzen. Jegliche erklärende Nebensätze, die durch Konjunktionen eingeleitet würden, schließen sich selbst aus. Texte wirken oftmals verständlicher und sind für den Leser einfacher zu erschließen, da sich die Sätze nicht in ellenlangen Strukturen verbinden, die das Lesen erschweren können. Beispiel Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser. Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht.
  • Ironie Tropus für Wort oder Ausdruck, dessen Kontextsignale seine Semantik auf eines seiner polaren Gegenteile ausrichten. Das Gemeinte wird durch das Gegenteil ausgedrückt. Beispiel "Eine schöne Bescherung."
  • Katachrese Tropus für die Verbindung mehrerer, jedoch mindestens zweier metaphorischer Ausdrücke aus unvereinbaren Bildbereichen. Beispiel Er errichtete eine Mauer aus Schweigen und brach mir das Herz.
  • Klimax Rhetorische Figur der Anordnung einer mindestens dreiteiligen Wort- oder Satzreihe nach stufenweiser Steigerung des Aussageinhalts oder der Aussagekraft. Beispiel "...wie habe ich ihn nicht gebeten, gefleht, beschworen." Die gegnläufige Figur nennt man Anti-Klimax.
  • Litotes Tropus der untertreibenden Ausdruckweise. Beispiel nicht unbekannt für berühmt
  • Memoria 4. Teil der Produktionsstufen einer Rede Kunst des Auswendiglernens einer Rede. nach Inventio, Dispositio, Elocutio und vor Actio/ Pronuntiatio.
  • Metapher Tropus der Ersetzung eines Ausdrucks durch einen aus einem anderen Vorstellungsbereich, der dennoch semantische Ähnlichkeiten aufweist, im Unterschied zur Metonymie, deren Ersetzung in einer realen Beziehung steht, und der Synekdoché, deren Ersetzung innerhalb desselben Bildfeldes bleibt. In der rhetorischen Tradition auch als verkürzter Vergleich bezeichnet. Beispiel Luftschiff für die von Zeppelin konstruierten Flugobjekte.  Man unterscheidet verblasste Metaphern, die als Tropen konventionalisiert sind (faule Ausrede) und kühne Metaphern  und absolute Metaphern (schwarze Milch der Frühe)
  • Metonymie Tropus der Ersetzung eines Ausdrucks durch einen anderen, der in einem realen geistigen oder sachlichen Zusammenhang zu ihm steht. Beispiel ein Glas trinken
  • Synekdoché Tropus der Ersetzung eines Ausdrucks durch einen anderen, der innerhalb desselben Begriffsfeldes steht . Beispiel Dach für Haus
  • movere Redeziel der heftigen Gemütsbewegung.
  • Mythologie Bezeichnung für Ursprungserzählungen, die sich meistens auf eine sagenhafte Götterwelt beziehen.
  • narratio 2.Teil der Gliederung einer Rede (dispositio = Gliederung) Erzählung, Darstellung des Sachverhalts nach exordium und vor argumentation und conclusio/ peroratio
  • ornatus Rhetorisches Stilprinzip des Schmucks einer Rede neben aptum, brevitas, puritas, perspicuitas
  • Oxymoron Rhetorische Figur der Verbindung zweier sich logisch ausschließender Begriffe. Beispiel traurigfroh oder als contradictio in adiecto jauchzender Schmerz
  • Parallelismus (Isokolon) Rhetorische Figur der gleichen Anordnung von syntaktisch korrespondierendem Wortmaterial auf der Ebene der Satzfolge, des Satzes, des Teilsatzes oder Satzteils. Beispiel  "als ich noch ein Kind war, redete ich wie ein Kind, dachte ich wie ein Kind,urteilte ich wie ein Kind."
  • Parenthese Rhetorische Figur des grammatisch selbständigen Einschubs in einen Satz, ohne jedoch dessen grammmatische Ordnung zu verändern. Beispiel "So bitt ich - ein Verseh`n wars, weiter nichts - für diese rasche Tat dich um Verzeichung."
  • Periphrase Tropus der erweiternden Umschreibung einer Person, Sache oder eines Begriffs durch kennzeichnende Tätigkeiten, Eigenschaften oder Wirkungen Beispiele: Halbgötter in Weiß (Ärzte)der Vater des Wirtschaftswunders (Ludwig Erhard)gepresste Milch (Käse)jenes höhere Wesen, das wir verehren (Gott)der Allmächtige (Gott)das Auge des Gesetzes (Polizei)das Land, wo Milch und Honig fließen, das gelobte Land (Kanaan)das Heilige Land (Israel)
  • peroratio 4. Teil der Gliederung einer Rede (dispositio = Gliederung)) Schluss nach exordium, narratio, argumentatio - auch bezeichnet als conclusio
  • perspicuitas Rhetorisches Stilprinzip der Klarheit neben aptum, brevitas, ornatus und puritas