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Kriminalpsychologie (Subject) / Kapitel 6 (Lesson)

Risikoprognose und Rückfallmanagement

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  • Für welche Fragestellungen Besteht im Strafrecht und der Vollzugspraxis Bedarf an Kriminalprognosen ? 1.Auswahl und Bemessung von Sanktionen 2. Modalitäten des Vollztus 3. Aussetzen des Strafrests 4.Gewährung von Vollzugslockerung und Urlaub 5.Entscheidung über Resozialisierungs- und Behandlungsmaßnahmen
  • Welche 2 Herangehensweisen lassen sich bei Kriminalprognosen unterscheiden ? statistisch-nomothetische/mechanische Methode klinisch-idiografische Methoden (Daneben gibt es Prognosechecklisten und Kriterienkataloge, die sich keiner von beiden Methoden zuordnen lassen)
  • Was kennzeichnet statistisch-nomothetische/mechanische Methoden ? Grundlage sind empirische Erfahrungen (mit ähnlichen Tätergruppen) über Rückfallwahrscheinlichkeiten und Rückfallprädiktoren. Aus solchen, mit Rückfallrisiko in statistischer Weise zusammenden Merkmalen des Täters un der Tat wird deduktiv eine statistische Prognose erstellt. Das Vorgehen folgt einem starren Auswertungsalgorithmus: benötigte Information, Methode zu deren Erhebung, und Verknüpfung der Daten ist vorgegeben. 
  • Was kennzeichnet statistisch-nomothetische/mechanische Methoden ? Grundlage sind empirische Erfahrungen (mit ähnlichen Tätergruppen) über Rückfallwahrscheinlichkeiten und Rückfallprädiktoren*. Aus solchen, mit Rückfallrisiko in statistischer Weise zusammenden Merkmalen des Täters un der Tat wird deduktiv eine statistische Prognose erstellt. Das Vorgehen folgt einem starren Auswertungsalgorithmus: benötigte Information, Methode zu deren Erhebung, und Verknüpfung der Daten ist vorgegeben.  * Durch den Vergleich von Gruppen mit unterschiedlich starker krimineller Auffälligkeit mit kriminell nie auffällig Gewordenen lassen sich Persönlichkeits- und Sozialmerkmale bestimmen, die entweder häufig bei der Gruppe der Auffälligen oder der der Nichtauffälligen auftreten.
  • Kritik an der statistischen Methode ? ● Hoher Anteil an unklaren Prognosen (Mittelfeldproblem) ● Lediglich Aussagen über die Basisrate der Rückfälligkeit einer Gruppe, der man den Probanden zugeordnet hat. Der Gesetzgeber verlangt aber eigentlich eine Individualprognose => Stützen sich zunehmend auf theoretische Modellvorstellungen (über Kriminalität und Rückfall) ● Die schlichte Addition der Faktoren ist vrenachlässigt bedeutsame Konstellationen und Wechselwirkungen einzelner Merkmale. => es gibt bereits Analysen von zT komplexen Merkmalskombinationen um dem EInzelfall eher gerecht zu werden ● Stabilisierende Faktoren, die die Belastungsfaktoren entschärfen werden ignoriert => es sind auch zunehmend protektive Faktoren enthalten ● Stützen sich zumeist  auf statische Merkmale, Veränderungen der PErson und der Umwelt werden nicht berücksichtigt => integrieren auch dynamische (veränderbare) Faktoren ! ● Die anhand empirischen Materials gewonnen Befunde veralten mit der Zeit und sind evt. nicht für alle Deliktgruppen relevant  ●Beschränkung auf 20 Merkmale wird dem EInzelfall kaum gerecht 
  • Wiederholung einiger Empirisch gesicherter Prognosekriterien oPsychosoziale Faktoren: Bildung, Arbeit, Beziehungen  oFrüher Delinquenzbeginn (kontinuierliche Entwicklung)  oRezidivdelinquenz  oPsychische Störungen: Suchtmittelgebrauch, Psychotische Störungen, affektive Psychosen, ADHS  oPersönlichkeitsstörungen: Dissozialität, emot. Labilität, Impulsivität, psychopathische Wesenszüge  o(Behandlungs-) Motivation, Veränderungsbereitschaft  oSozialer Empfangsraum: Berufliche Integration, Wohnsituation, Umfeld (Familie, Partnerschaft), Lebensplanung  oBiologische Faktoren: Geschlecht, Alter, Intelligenz 
  • Was kennzeichnet klinische Methoden der Kriminalprognose ? Experten mit klinisch-kriminologischem Bezugswissen beurteilen Daten aus Exploration, Beobachtungen, Testverfahren, Aktendaten um eine individuelle Entwicklungstheorie zu erarbeiten. Es handelt sich also nicht um standardisierte Verfahren. Allerdings erfolgen auch diese Methoden Kriterienorientiert, Strukturiert und orientieren sich an wissenschaftlichen Standards. Das "Prozessmodell klinischdiagnostischer Beurteilung" zerlegt die Prognose in verschiedene Teilschritte und gibt beispielsweise vor, in welchem Schritt welche Art von Informationen erhoben wird und welche Gütekriterien die darauf basierenden Individualtheorien zu erfüllen haben.
  • Was kennzeichnet klinische Methoden der Kriminalprognose ? Experten mit klinisch-kriminologischem Bezugswissen beurteilen Daten aus Exploration, Beobachtungen, Testverfahren, Aktendaten um eine individuelle Entwicklungstheorie zu erarbeiten. Es handelt sich also nicht um standardisierte Verfahren. Allerdings erfolgen auch diese Methoden Kriterienorientiert, Strukturiert und orientieren sich an wissenschaftlichen Standards. => Das "Prozessmodell klinischdiagnostischer Beurteilung" zerlegt die Prognose in verschiedene Teilschritte und gibt beispielsweise vor, in welchem Schritt welche Art von Informationen erhoben wird und welche Gütekriterien die darauf basierenden Individualtheorien zu erfüllen haben.
  • Welche Arten von Information werden bei der klinischen Analyse berücksichtigt ? -Biografische Entwicklung und strafrechtliche Vorgeschichte - strafrechtliche Vorgeschichte und tathergangsanalyse  -postdek´liktische Perskeitsentwicklung -aktueller Perskeitsquerschnitt, derzeitiger Ausprägungsgrad der Risikomerkmale -Perspektive, sozialer Empfangsraum
  • Kritik an der klinischen Prognose ? -Gefahr das irrelevante/nicht-trennscharfe daten verwendet werden und relevante Informationen unberücksichtigt bleiben -Bei Gewichting und Bewertung Gefahr von Verzerrungen durch subjektive Statistik des Prognostikers und  Intransparenz bei Zusammenführung von Informationen - Empirische Befunde zeigen recht konsistent: Statistische Prognosen sind den klinischen eindeutig überlegen
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  • Welche Arten von Prognoseinstrumente gibt es ? Verfahren für spezielle Prognosefragen -> Rückfall,Gefährlichkeitsprognosen zB im Rahmen von Lockerungs/Entlassungsentscheidungen -> Behandlungsorientierte Diagnose für Behandlungsentscheidungen, Spezifizierung kriminalrelevanter Faktoren und Defizite Verfahren für bestimmte Zielgruppen -> Sexualdelikte -> Jugendliche,...
  • Welche Prognoseverfahren wurden besprochen? 1. Allgemeine Risikoprognose: PCL-R und HCR-20 2.Risikoprognose bei Sexualstraftätern: SVR20, RRS 3.Behandlungsorientierte Diagnose: LSI-R, MASPAQ
  • Was ist die Mittelfeldproblematik ? • Trotz bester Prognosemethoden bleibt ein großer Teil der Probanden unter Berücksichtigung von Risikofaktoren ebenso wie protektiven Faktoren im sog. Mittelfeld , d. h. es kann weder eine eindeutig negative wie eindeutig positive Prognose gestellt werden. • Mit anderen Worten, bei einer Rückfallprognose von ca. 50% könnte man ebenso gut auch würfeln! • Dieses Problem wurde schon in der frühen Prognoseforschung erkannt: In den nachfolgenden Untersuchungsgruppen von Meyer (1957) wiesen jeweils die Hälfte der Probanden eine Anzahl von Belastungsfaktoren auf, die eine eindeutige Prognose nicht ermöglicht!
  • Was ist allgemein das Problem bei der Risikoprognose ? 1. Fehlende oder unzureichende Normierungen für Deutschland 2.Mittelfeld-problematik bei der Aggregation von Scores -> die meisten Menschen liegen im Mittelfeld einer Normalverteilung, bei einem Rückfallrisiko von 50% lassen sich aber keine Empfehlungen aussprechen -(man könnte genausogut würfeln....) 3. Die Prognosegüte der standardisierten Instrumente variiert mit unterschiedlichen Zielgruppen 4. standardisierte Methoden realisieren nicht den gesetzlichen Auftrag
  • Was ist allgemein das Problem bei der Risikoprognose ? 1. Fehlende oder unzureichende Normierungen für Deutschland 2.Mittelfeld-problematik bei der Aggregation von Scores -> die meisten Menschen liegen im Mittelfeld einer Normalverteilung, bei einem Rückfallrisiko von 50% lassen sich aber keine Empfehlungen aussprechen -(man könnte genausogut würfeln....) 3. Die Prognosegüte der standardisierten Instrumente variiert mit unterschiedlichen Zielgruppen 4. standardisierte Methoden realisieren nicht den gesetzlichen Auftrag 5.zT überproportional viele falsch positive Beurteilungen
  • PCL-R ? Wofür? Risikoprognose von Gewalttätern Was ? 20 Items, bilden 2 Faktoren -> interpersonelles verhalten/Affekt -> antisozialer Lebensstil Sonstige: Promiskuität, viele eheähnliche Beziehungen Varianten ? deutsche Version, -SV: Screening Version mit 12 Items, -YV: Version für Jugnedliche
  • HCR-20 Historical Clinical Risk Assessment Wozu? risikodiagnose bei Straftätern mit psychischer Störung Was ? 20 bedeutsame Risikofaktoren -> 10 "historische Items" (frühere Taten, Einstiegsalter), 5 klinische Items (Einsicht, Impulsivität,...), 5 Zukunfts-Items (unrealistische Pläne, fehlende Compliance)
  • SVR20 Sexual Violence Risk 20  Wozu? Risikoprognose bei Sexualstraftätern Was? 20 Items -> 11 zur psychosozialen Anpassung (sexuelle Deviation, Missbrauchsopfer,...), 7 zur Sexualdelinquenz (Frequenz, Waffengebrauch, Verletzung des Opfers), 2 Zukunftsitems (fehlen realistischer Pläne, Ablehnung von Interventionen)
  • RRS Rückfallrisiko bei Sexualstraftätern aktuarisches Prognoseinstrument, das an einer deutschen Stichprobe aus der Haft entlassener Sexualstraftäter entwickelt wurde. Enthält 11 Kriterien, davon 9 Hauptkriterien -Alter beim ersten Delikt, Zahl der veurteilten Sexualdelikte, Tatplanung, Bindungsfähigkeit, soziale Kompetenz, berufliche Leistungsbereitschaft.....
  • LSI-R Level of Service Inventory Inventar zur Einschätzung des Rückfallrisikos und des Betreuungs- und Behandlungsbedarfs von Straftätern erfasst 54 Merkmale aus 10 bereichen u.a. demografische Information, Merkmale der delinquenten Vorgeschichte und tatbegehung, Bildung, soziale faktoren, Einstellungen&Orientierungen,...
  • LSI-R Level of Service Inventory wozu? Behandlungsorientierte Diagnose Was ? erfasst 54 Merkmale aus 10 bereichen u.a. demografische Information, Merkmale der delinquenten Vorgeschichte und tatbegehung, Bildung, soziale faktoren, Einstellungen&Orientierungen,...
  • MASPAQ Measuring Adolescent Social an Personal Adjustment in Quebec wozu ? Behandlungsorientierte Diagnose was ? strukturiertes und teilstrukturiertes Interview. Sehr ausführlich (Viele Fragen und Skalen pro Bereich)
  • Prozess der Urteilsbildung einer idiografischen Urteilsbildung nach Dahle&Volbert ? 1. Biografie, delinqunete Vorgeschichte und Tathergangsanalyse -> individuelle Delinquenztheorie 2. Relevante Entwicklung seid der letzten Tat -> individuelle Entwicklungstheorie 3. Aktuelle Querschnittsdiagnostik RF/SF -> aktueller Entwicklungsstatus 4. Analyse von sozialem Empfangsraum, Perspektiven -> Wkeit zukünftiger riskanter Konstellationen
  • State of the art in der Kriminalprognose ? Integration von statistsicher Prognose und klinischer Diagnose empfohlen u.a. von Dahle,2005: Vergleich von mechanischer und klinischer Prognose, Prüfen auf Diskrepanz und diese gegf. Auklären durch korrigierte klinische Prognose Urbaniok,20011: mechanisches Screening +  Einzelfallanalyse (standardisierte Verfahren, qualitätsgesicherte, hypothesengeleitet )