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Sozialpsychologie (Subject) / VL 9 (Lesson)
Gruppenprozesse
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- Gruppe zwei oder mehr Personen, die miteinander interagieren und insofern interdependent sind, als ihre Bedürfnisse und Ziele eine gegenseitige Beeinflussung bewirken.
- Welche Vorteile hat die Gruppenzugehörigkeit? Andere Menschen … … können eine wichtige Informationsquelle darstellen, mit deren Hilfe man die Mehrdeutigkeit der sozialen Welt auflösen kann (Konformität / informationaler sozialer Einfluss) … haben eine bedeutenden Anteil an der Identität; helfen einem bei der Definition, wer man ist … Quelle sozialer Normen, d.h. expliziten und impliziten Regeln, durch die akzeptables Verhalten definiert wird
- Homogenität der Gruppen - Gruppen sind für Menschen attraktiv, die bereits vor ihrem Eintritt in die Gruppe ähnlich sind - Gruppen fördern Homogenität (Konformität / sozialer Einfluss; z.B. Ausschluss von 'Abweichlern') - Bsp. aus Organisationspsychologie: z.B. Attraction-selection-attrition (ASA) model (Schneider, 1987)
- Soziale Rollen sind gruppeninterne gemeinsame Erwartungen an das Verhalten des Einzelnen
- Soziale Normen explizite und implizite Regeln, durch die akzeptables Verhalten definiert wird und deren Einhaltung erwartet wird Bsp.: Ruhegebot in Bibliotheken, 'Verbot' von bestimmten Gesprächsthemen in der Öffentlichkeit, 'Erlaubnis' bestimmter Verhaltensweisen je nach Situation (z.B. Fußballstadion) etc. aber auch: Reziprozitätsnorm (norm of reciprocity), Gleichheitsnorm (norm of equity) verstößt man häufig gegen diese Normen, wird man von Gruppenmitgliedern gemieden oder sogar angehalten, die Gruppe zu verlassen (z.B. Schachter, 1951, student. Diskussionsgruppe)
- geschlechtsspezifische Rollen Gesellschaft hat bestimmte Erwartungen, wie man sich als Frau oder Mann (Rolle) verhalten sollte es kann zu Konflikten kommen, wenn sich für einige Rollen, die eine Person inne hat, die Erwartungen ändern, nicht aber für andere Rollen (z.B. Haushalt/Kinderbetreuung und berufliche Karriere) Rolle kann in Zusammenhang zum Selbstwertgefühl stehen: Twenge (2001) zum Zusammenhang zwischen sozialem Stellenwert der Frau und Selbstwertgefühl in den USA seit den 1930er Jahren
- Gruppenkohäsion Aspekte einer Gruppe, welche die Mitglieder aneinander binden und die Zuneigung innerhalb der Gruppe fördern Kohäsion: längerer Verbleib der Gruppenmitglieder, Beteiligung an Gruppenaktivitäten etc. kausale Beziehung zwischen Kohäsion und (Arbeits-)Leistung: stärkerer Effekt von Leistung auf Kohäsion als umgekehrt (Mullen & Cooper, 1994) stärkerer Zusammenhang bei Aufgaben, die hohe Kooperation erfordern (z.B. Militär) (Gully et al., 1995) Kohäsion kann Leistung auch vermindern, z.B. Kreativität/Innovation, Gruppennorm der Leistung
- 3 Phänomene zur Auswirkung der Gegenwart Anderer auf Verhalten 1. soziale Erleichterung (social facilitation) 2. soziales Faulenzen (social loafing) 3. Deindividuation (deindividuation)
- Soziale Erleichterung meint die Tendenz, dass Menschen bei einfachen Aufgaben besser, bei schwierigen Aufgaben schlechter abschneiden, wenn sie in Gegenwart anderer sind und ihre individuelle Leistung messbar ist
- Warum verursacht die Anwesenheit anderer Erregung? 1. Andere Menschen bewirken, dass man besonders aufmerksam und wachsam ist. 2. Andere Menschen induzieren Bewertungsangst. 3. Andere Menschen lenken von der vorliegenden Aufgabe ab. (Erklärung 1 und 3 recht ähnlich; Erklärung 3 bezieht sich nicht nur auf andere Menschen, sondern verschiedene Ablenkungsquellen)
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- Andere menschen bewirken, dass man besonders aufmerksam ist Weil andere Menschen wenig berechenbar sind, befindet man sich in ihrer Gegenwart in einem Zustand höherer Aufmerksamkeit. Erregung lässt sich auf Tiere und Menschen beziehen (d.h. erklärt damit Effekte bei Experimenten an Tieren und Menschen)
- Andere Menschen induzieren Bewertungsangst Bewertungsangst (evaluation apprehension) Erregung nicht die bloße Anwesenheit, sondern die Anwesenheit von Personen, die die eigene Leistung potentiell bewerten könnten kein Effekt, wenn Augen der Anderen verbunden (Cottrell et al., 1968) bei Tieren schwer vorstellbar
- Andere Menschen lenken von der vorliegenden Aufgabe ab In Gegenwart anderer sind wir aufmerksam und müssen uns auf zwei Dinge konzentrieren. Erregung (geteilte Aufmerksamkeit; distraction-conflict theory) Nicht-soziale Ablenkungsquellen, z.B. ein blinkendes Licht, bewirken gleichartige Effekte. (Baron, 1986)
- Soziales Faulenzen meint die Tendenz, dass Menschen bei einfachen Aufgaben schlechter, bei schwierigen Aufgaben aber besser abschneiden, wenn sie in Gegenwart anderer sind und ihre individuelle Leistung nicht messbar ist
- Neigung zum sozialen Faulenzen ist universell, aber - bei Männern stärker ausgeprägt als bei Frauen - in asiatischen Kulturen weniger ausgeprägt als in westlichen
- Faktoren die soziales Faulenzen vermindern - eigene Leistung könnte (durch sich oder Andere) identifiziert werden - Aufgabe ist wichtig und bedeutsam - Glaube, die eigene Anstrengung sei wichtig für den Erfolg - Bestrafung der Gruppe für schlechte Leistung - kleine Gruppengröße - Gruppenkohäsion
- Deindividuation meint die Lockerung der normalen Verhaltenszwänge beim Einzelnen, die zu einem Anstieg vom impulsiven und von der gesellschaftlichen Norm abweichenden Handlungen führt