20
Psychologische Diagnostik - Testen & Entscheiden (1) (Subject) / SF-36 (Lesson)
Fragebogen zum Gesundheitszustand
This lesson was created by FelixOskarGRI.
This lesson is not released for learning.
Advertisement
- Definition und theoretische Grundlagen Erfassung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität Gesundheitsbezogene Lebensqualität = subjektive Gesundheitsindikatoren Multidimensionales psychologisches Konstrukt > mindestens 4 Komponenten: psychisches Befinden, körperliche Verfassung, soziale Beziehungen, funktionale Kompetenz (Bullinger, 1994)) Wichtig: Selbstauskunft der Patienten über Befinden und Funktionsfähigkeit
- Hintergrund für Patientenbezogene Beschreibung Veränderung der Definition: zusätzlich psychische und soziale Komponenten (WHO) Veränderung der Bevölkerungsstruktur: größerer Prozentsatz älterer Personen Skepsis gegenüber klassischer Zielkriterien (verlängerte Lebenszeit, reduzierte Symptomatik)
- Messinstrumente zur Erfassung der Lebensqualität Generische bzw. krankheitsübergreifende Verfahren Krankheitsspezifische Verfahren
- SF-36 Short Form (SF)-36 Health Survey Standardinstrumentarium zur Erfassung der subjektiven Gesundheit Ziel: kulturübergreifende Verwendung der Messinstrumente
- Theoretische Grundlagen der Entwicklung des SF-36 SF-36 durch Reduktionsverfahren Im Vordergrund: psychische sowie körperliche Dimension der Gesundheit > Bidimensionalität des Messinsturments
- Aufbau des Fragebogens 35 Items, 8 Dimensionen der subjektiven Gesundheit Körperliche Summenskala Körperliche Funktionsfähigkeit (10) Körperliche Rollenfunktion (4) Körperliche Schmerzen (2) Allgemeine Gesundheitswahrnehmung (5) Psychische Summenskala Vitalität (4) Soziale Funktionsfähigkeit (2) Emotionale Rollenfunktion (3) Psychisches Wohlbefinden (5) Einzelitem: Veränderung der Gesundheit (1)
- SF-36 Aufbau Antwortkategorien: dichotome „ja-nein“-Antworten bis hin zu 6-stufigen Likert-Antwortskalen Kurzform: SF-12 > seltener verwendet als SF-36 Verschiedene Versionen bzgl.- Zeitbezug der Fragen (eine Woche in der „Akutversion“ oder 4 Wochen in der „Standardversion“)- des Beurteilers (Selbst- oder Fremdbeurteilung) und- Art der Befragung (schriftlich oder Interview)
- SF 36 Anwendungsbereich Krankheitsübergreifendes Verfahren: Erfassung der subjektiven Gesundheit unabhängig vom aktuellen Gesundheitszustand aus der Sicht der Betroffenen Breiter Einsatzbereich >Querschnittsstudien bzgl. des Gesundheitszustands sowie Auswirkungen ambulanter oder stationärer Behandlungsmaßnahmen auf die Lebensqualität>Evaluation der Wirksamkeit verschiedener, pharmakologischer Therapieformen (vgl. Krouse, Krouse, Janisse, 2009)
- SF-36 Durchführung Dauer:> SF-36: 7-15 Minuten (Durchschnitt: 10 Minuten)> SF-12: 3 Minuten Interviewform bei älteren bzw. gesundheitlich oder mental schwer beeinträchtigten Personen Höhere Werte in Kliniken und Arztpraxen als in häuslicher Umgebung (Müller et al., 2001a) Verwendung im stationären Kontext nicht optimal (frühestens 1 Woche nach Entlassung!) > modifizierte Version für hospitalisierte Patienten (Müller et al., 2001a, b): Entfernung des Bezugs zu beruflichen und häuslichen Tätigkeiten
- Testtheoretische Befunde Objektivität Wenige Hinweise > aber: wesentliche Anforderungen erfüllt!
- Advertisement
- Testtheoretische Befunde Reliabiliät Decken- und Bodeneffekte Deckeneffekte v.a. bei gesunden Personen Bodeneffekte v.a. bei erkrankten Personen Interne Konsistenz (Cronbachs Alpha): Interne Konsistenzen der Subskalen mehrheitlich über dem geforderten Reliabilitätskriterium (α = .7) Test-Retest-Reliabilität (Pearson’s r): Schwankung zwischen r = .67 und r = .87 (Durchschnitt: r = .75)
- Testtheoretische Befunde Validität Konvergente Validität: genügend hohe Korrelationen mit verwandten Konstrukten bzw. Fragebögen > Funktionale Orientierung der Konzepte des SF-36> fehlende kognitive Bewertung des Gesundheitszustandes (Zufriedenheit) im SF-36 Diskriminante Validität: nachweisbar durch die Differenzierung zwischen Patientengruppen> besonders gute Differenzierung der Patientengruppen anhand klinischer Merkmale Konstruktvalidität: Skalierungserfolg von 100% > viele Ergebnisse stützen die Validität der 8 Subskalen> weniger gut belegt: Validität der Summenskalen
- Testtheoretische Befunde Sensitivität Berechnung der Effektstärken als Maß für die Stärke einer Veränderung > erzielte Effektstärken der einzelnen Subskalen abhängig von der Erkrankung der Stichprobe, von der stattgefundenen medizinischen Intervention sowie dem Zeitintervall zwischen den Erhebungen > durchschnittlich gute Sensitivität!
- Normierung - Stichprobe 1994 Alter Signifikante Unterschiede in Abhängigkeit des Alters in allen Skalen > höhere Lebensqualität der jüngeren Befragten Altersunterschiede besonders ausgeprägt bei Skalen mit körperlichem Aspekt des Befindens
- Normierung - Stichprobe 1994 Geschlecht stärkere Beeinträchtigung der subjektiven Gesundheit der Frauen Signifikante Geschlechtseffekte in den Subskalen körperliche Funktionsfähigkeit, psychisches Wohlbefinden, Schmerz, soziale Funktionsfähigkeit
- Normierung - Stichprobe 1994 Gesundheitszustand Signifikante Unterschiede in allen SF-36-Skalen zwischen gesunden und kranken Personen Signifikanter Interaktionseffekt zwischen der Zugehörigkeit zu östlichen und westlichen Bundesländern und dem Vorliegen von Erkrankungen
- Normierung Vergleich Stichprobe 1994 und Stichprobe 1998 Nur geringe Differenzen (Kurth & Ellert, 2002) Signifikante Verbesserungen in allen Subskalen für ältere Personen Einflüsse von Alter und Geschlecht auf die Scores vergleichbar
- SF 36 V2.0 Veränderungen der Itemformulierung und häufig wechselnder und uneinheitlicher Antwortformate
- SF-8 Abbildung jeder der 8 Subskalen des SF-36 mit einem einzigen Item > single-item measurement 3 Versionen: Standard (4 Wochen) akut (1 Woche) 24 Stunden Items ähnlich wie SF-36 V2.0 Viele Veränderungen: z.B. Umformulierung des Items der Skala Allgemeine Gesundheitswahrnehmung und Hinzufügung einer sechsten Antwortkategorie („sehr schlecht“) Reduktion der Itemanzahl auf Kosten der Messgenauigkeit > SF-8 in erster Linie geeignet für große Stichproben Ausfüllzeit: 1-2 Minuten Nur wenige Studien über den Einsatz in Deutschland
- SF-6D 6 Dimensionen des Gesundheitszustandes Körperliche Funktionsfähigkeit Rollenfunktion Soziale Funktionsfähigkeit Schmerz Psychisches Wohlbefinden Vitalität 20 Items Einsatz derzeit noch begrenzt zunehmende Relevanz gesundheitsökonomischer Fragestellungen > vermutliche Zunahme des Gebrauchs Erfahrungen aus dem Ausland: gute Eignung zur Abbildung von Gesundheitszuständen (Brazier et al., 1998)