19

Paradigmen der Pädagogischen Psychologie (Subject) / Testing Effekt (Lesson)

Abrufübung

This lesson was created by FelixOskarGRI.

Learn lesson

This lesson is not released for learning.

Advertisement
  • Kritische Rolle von Abrufübung („Testing“) auf das LZG Untersuchung des Lernprozesses durch abwechselnde Betrachtung vonLern- und Testphasen Frühere Annahmen:- „Lernen“ vollzieht sich nur in der Lernphase: kritische Events- Lernvorgang: gradueller Prozess oder Alles-oder-Nichts-Prinzip?- Tests sind nur Prüfungen des vorher erworbenen Wissens: neutraleEvents > Studien zeigen, dass aktiver Abruf (testing) vorher erworbenen Wissens zu besserem Gedächtnisabruf führt
  • „testing effect“ Aktiver Abruf von Informationen aus dem Gedächtnis führt zu besseremErinnern dieser Informationen als das reine Wiederholen („Restudy“) derselben Informationen
  • Testing Effekt: Zwei Fragen 1. Was sind die besten Bedingungen für Abruf?> je eher nach einer Lernphase Abruf praktiziert wird, destoerfolgreicher sollte das Erinnern funktionieren – oder?! 2. Wie viele Durchgänge sind notwendig, um Langzeitgedächtnisbildung zumaximieren? Antworten auf diese Fragen abhängig von - Art des Materials - Charakteristika des Lernenden - anderen Faktoren
  • Der „testing effect“ - weitere Annahmen Wenn aktiver Abruf unter einfachen Bedingungen passiert, in denen Fehler eher unwahrscheinlich sind, könnte der Effekt des Abrufs auf dieGedächtnisbildung verringert werden Frage nach einer Strategie für aktiven Abruf, welche …  das Machen von Fehlern verhindert sowie  eine Art von (komplexerem) Abruf ermöglicht, der zu besserer Langzeitgedächtnisbildung führt  Lösung: Erweiterung des Abrufschemas  Erster Abruf direkt nach der Lernphase  Nachfolgende Abrufübungen so angeordnet, dass kontinuierlicher Abruf nach einem zunehmend längeren Intervall passiert  
  • Der „testing effect“ - Abrufschema Landauer & Bjork (1978): wiederholtes Abrufschema mit zunehmend größer werdenden Intervallen führt zu besseren Ergebnissen als ein  Abrufschema mit gleich bleibenden Intervallen zwischen den Abrufversuchen  Abrufschema mit unmittelbarem Abruf nach der Lernphase Effekt des Abrufschemas (zunehmende vs. gleichbleibende Intervalle) abhängig vom retention interval- Finaler Test kurz nach der Lernphase: wiederholtes Abrufschemabesser- Finaler Test erst nach Verzögerung: gleichbleibendes Abrufschemabesser > Das beste Abrufschema ist das, welches weite Abstände zwischen den Abrufversuchen beinhaltet
  • Der „testing effect“ – Rolle von Feedback - Feedback, d. h. Nennen der richtigen Antwort nach einem Abrufversuch,erhöht die Effekte des Testens auf die Gedächtnisbildung - Feedback erhöht Lernen, da die Lernenden dadurch Fehler korrigieren können bzw. korrekte Antworten beibehalten können - Wenn Lernende jedoch die falsche Antwort abrufen und dann keineMöglichkeit zum Update haben, verringern sich die Effekte des Testens - Bereitstellen von Feedback unabhängig davon, ob Abruf korrekt oderinkorrekt, sollte den zukünftigen erfolgreichen Abruf von Informationensicherstellen>  vgl. Multiple-Choice-Test
  • Der „testing effect“ – Rolle von Feedback (2) Frage nach dem richtigen Zeitpunkt für Feedback?- Herkömmliche Sichtweise: unmittelbares Feedback am besten- Neue Sichtweise: verzögertes Feedback noch wirkungsvoller vgl. Studie von Wheeler et al., 2003 > Abrufübung führt zu besserer Performanz im finalen Test als reinesWiederholen („Restudy“) des Materials> verzögertes Feedback führt im Vergleich zu unmittelbarem Feedback zu einer besseren Gedächtnisbildung
  • Der „testing effect“ - Transfer von Wissen Kann testing auch den Transfer von erworbenem Wissen fördern? Flexibler Einsatz des durch Abruf erworbenen Wissens Konstruieren neuer Antworten Beantworten verschiedener Fragen vgl. Studie von Butler (2010) > begrenzte Förderung der Gedächtnisbildung durch wiederholtes Lernen > Gedächtnisfördernde Effekte von Abruf gehen über die Erinnerung an eine spezifische Antwort hinaus> Transfer von erworbenem Wissen möglich!  
  • Der „testing effect“ - Erklärungsansätze Effekte von aktivem Abruf erlauben die wiederholte Auseinandersetzung mit dem Material und verursachten so ein Überlernen des Materials, das abgerufen werden kann> eher falsch, da eine Angleichung von Lern- und Testphasen den Effekt nicht eliminiert Abruf von Informationen aus dem Gedächtnis bewirkt eine Elaboration derGedächtnisspur und/oder die Bildung zusätzlicher Abrufrouten> höhere Wahrscheinlichkeit des erfolgreichen Abrufsder Informationen in der Zukunft Abrufbemühungen könnten als Hinweis auf das Ausmaß an Reprocessing der Gedächtnisspur angesehen werden, die während des Abrufs passiert
  • Der „testing effect“ - Erklärungsansätze Transfer-appropriate Processing Mit Abruf „übt“ man bereits die Anforderungen während des finalenGedächtnistests Der Transfer aus der Lernphase gelingt dann leichter als ohne solche Übungz.B. nach wiederholtem Lernen bzw. Restudy
  • Advertisement
  • Der „testing effect“ - Erklärungsansätze Theory of disuse Unterscheidung zwischen Gedächtnisstärke: relative Konstanz der Gedächtnisspur Abrufstärke: momentaner Zugriff auf die Gedächtnisspur Positive Effekte von Abruf auf die Stärke der Gedächtnisbildung ist umgekehrt assoziiert zu Abrufstärke je höher die Abrufstärke, desto geringer der Effekt von Abruf auf die Stärkeder Gedächtnisbildung
  • Gedächtnisstärke relative Konstanz der Gedächtnisspur
  • Abrufstärke momentaner Zugriff auf die Gedächtnisspur
  • „Oddball“-Paradigma" Ein emotionales Item in einer Reihe neutraler Items > meist schlechtere Erinnerungsleistung für die dem „Oddball“vorausgehenden Items
  • Bridgid Finn and Henry L. Roediger, III ENHANCING RETENTION THROUGH RECONSOLIDATION: NEGATIVE EMOTIONAL AROUSAL FOLLOWING RETRIEVAL ENHANCES LATER RECALL Zusammenfassung der Ergebnisse 1. Erfolgreicher Abruf gefolgt von einem Emotionen erregendenStimulus fördert spätere Behaltensleistung (verglichen mit neutralem bzw. keinem Stimulus) 2. Auch bei verlängerter Zeitspanne zwischen Abruf und Stimulus zeigt sich dieses Ergebnis 3. Effekt zeigt sich nur bei Abruf, nicht aber z.B. bei reiner Wiederholung der Items (Restudy)  
  • Bridgid Finn and Henry L. Roediger, III ENHANCING RETENTION THROUGH RECONSOLIDATION: NEGATIVE EMOTIONAL AROUSAL FOLLOWING RETRIEVAL ENHANCES LATER RECALL Diskussion Erstmalig Befunde, die einen positiven Einfluss auf die Gedächtnisinhalte durch die Verarbeitungsprozesse NACH dem Abruf zeigen konsistent mit der Annahme, dass Rekonsolidierung in Form von Reaktivierung eine Aktualisierung von Gedächtnisinhalten ermöglicht > neue Erkenntnis bzgl. Testeffekt: zugrundeliegende Prozesse sind nicht auf die Zeitspanne während des Abrufs beschränkt, sondern erstrecken sich auch über die Rekonsolidierungsphase nach dem erfolgreichen Abruf
  • Take Home Message a. Aktiver Abruf erzeugt häufig höhere Langzeitgedächtnisbildung imVergleich zu erneutem Lernen b. Wiederholter Abruf ist besser als einmaliger Abruf c. Aktiver Abruf mit Feedback führt zu größerer Förderung als Abrufohne Feedback (verzögertes Feedback überlegen) d. (Gewisser) zeitlicher Abstand zwischen Lern- und Abrufphase isterforderlich, um gedächtnisförderliche Effekte durch Abruf zu erhalten e. Fördereffekte von aktivem Abruf nicht auf das Lernen spezifischerAntworten begrenzt, sondern erzeugen eher Wissen, das auf andereKontexte übertragen werden kann
  • Test-Potentiated Learning: Distinguishing Between Direct and Indirect Effects of Tests Wirkungen von Abrufübung direkt: testing effect> verlangsamt Vergessen> erhöht Wahrscheinlichkeit für späteren Abruf indirekt: test-potentiated learning:> Testversuch verbessert späteres Enkodieren der Items
  • Test-Potentiated Learning: Distinguishing Between Direct and Indirect Effects of Tests Diskussion Izawa (1966, 1971) erfolgreich mit Fremdwörtern repliziert:mehr Tests → schnelleres Lernen erfolgreiches Abgrenzen von „test-potentiated learning“ und „testing effect“ Mehrere Tests verbessern Lernen noch nicht beherrschter Wörter ?? Ähnlichkeit zu Kornell et al. (2009): Noch nicht gelernte Wörter „testen“ bzw. raten > dadurch erfolgreicheres Lernen > Arnold McDermotts Vorschlag: „generation-potentiated learning“ Problem der Studie: Ungleiche Intervalle