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03607 KE1 ss '14 (Subject) / 1.5. Annotation aus der Perspektive qualitativ-interpretativer Methoden (Lesson)

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  • 1.5. Annotation aus der Perspektive qualitativ interpretativer Methoden erkenntnis- und wissenschaftstheoretische Grundannahmen (Axiome) Kritischer Rationalismus "realistische" Position: Handelnden finden eine identische universelle Realität vor → objektiv die handelnden Subjekte können Realität mehr oder weniger zutreffend beobachten → fallweise unterschiedliche Wahrnehmungen ändern nichts am "So-Sein" dem Beobachter steht kein unmittelbarer, reiner Zugang zur Realität zur Verfügung, weil jede Beobachtung immer nur in schon theoriegeladenen Protokollsätzen formuliert werden kann . Alternative Positionen: Pragmatismus, Kontruktivismus Vorstellung, dass Realität= auusschließlich im Handeln und in den Konsequenzen dieses Handelns existiert Handeln ist nicht ein rein mentaler Prozess, sondern praktisches Umgehen mit der materialen und sozialen Umwelt → Auseinandersetzung mit Widerständigkeit, der die Handelnden in der Welt begegnen.  → Konstruktion der Wirklichkeit dadurch, dass wir in der Welt "da draußen" auf Probleme stoßen → Handlungshemmung + Zustand der Ungewissheit → Problemlösungsprozess setzt ein = Versuch einen Zustand der Gewissheit zu erlangen. → Handlungsfähigkeit erlangen.  Prozess des Problemlösens = kein deduktiver Prozess des Erschließens bestimmter Konsequenzen aus gegebenen Bedingungen und Regeln.  → sondern ein : tentatives(versuchs- probeweises) und kreatives Vorgehen.  Benötigt wird eine neue Idee, ein neues Verständnis der Situation um eine Lösung entwerfen zu können.  dieser Versuch ist es der im Handeln experimentell überprüft wird.  axiomatische Setzung erkenntnistheoretischer Aussagen im methodologischen Diskurs haben vor allem legimatorische Funktion: Diskurs: Methodisch aufgebaute Abhandlung eines bestimmten (wissenschaftlichen )                                                                                           Themas. legitim: gesetzl. anerkannt. Setzung: aufstellen v. Normen o. Ä. Bezug der Geltungsbegründung für die Methodenkonzeption aus genau diesen Annahmen (diese Annahmen lassen sich weder emp. noch logisch -theoretisch beweisen.  Aussagen einer emp Wissenschaft können (müssen) prinzipiell an der Erfahrung scheitern können. Die hinter diesem Satz liegenden grundsätzlichen Bestimmungen dessen, was wir unter Welt, Realität, Erfahrung etc, verstehen wollen, können nicht in gleicher Weise dem Kriterium des emp. Scheiterns unterliegen. → Auch deshalb formuliert Popper mit Bezug auf das Basissatzproblem: "So ist die empirische Basis der objektiven Wissenschaft nichts "Absolutes".; die Wissenschaft baut nicht auf Felsengrund. Es ist eher ein Sumpfland. -------------------- Unsere empirischen Methoden resultieren aus praktischen Versuchen zur Bewältigung von Forschungsproblemen = aus unterschiedl. Anwendungsbezügen. →  nicht aus erkenntnis- wissenschaftstheoretischen Setzungen  die Perspektive qualitativ-interpretativer wissenschaftlicher Sozialforschung zeichnet sich gegenüber Alltagspraktiken aus durch: die Positionierung in einer sekundären Beobachterposition, also außerhalb der konkreten Handlungsbezüge im untersuchten Feld; mit der Konsequenz, dass die so gewonnen Erkenntnisse- als Konstruktion zweiter Ordnung anzusehen sind eine explizitere Orientierung auf Theorie als dominantem Wissenstypus im Unterschied zu Handlungswissen, das zwar mit generiert wird , aber oft unter Ableitung aus zunächst erarbeiteten Theorien; eine entsprechend systematischer angelegte Gewinnung und explizitere Repräsentation wissenschaftlichen Wissens.  Einigkeit unter den Vertreterinnen und vertretern qualitativ-interpretative Methoden = Distanz gegenüber der im Kritischen Rationalismus anzutreffenden Vorstellung, das Ziel empirischen Forschens liege in der Erarbeitung und Prüfung nomologischer Aussagen über die soziale Realität dennoch zielt quantitativ-empirische Forschung sehr nachhaltig auf Theorien. →  jedoch ein anderes Theorieverständnis.  legt Akzent stärker auf einer empirisch basierten Theoriegenese.  Kritik an einer einheitswissenschaftlichen Position: Vorstellung alle wissenschaftlichen Aussagen hätten sich an dem von Hempel/Oppenheim/Popper formulierten Modell wissenschaftlicher Erklärungen zu orientieren wird von qualitativ -interpretativer Sozialforschung abgelehnt. → Reklamiert wird ein gegenüber den Naturwissenschaften ein anderer Status der Sozial- und Geisteswissenschaften Geltend gemacht wird dabei:  soziales Handeln = sinnhaftes Handeln (im Gegensatz zu naturwissenschaftl. Prozessen) → beobachtetes, manifestes Handeln = immer auch mit subjektivem Sinn der Handlungsträger unterlegt. → Es gilt diesen subjektiven Sinn zu erschließen. → so kann soziales Handeln ursächlich erklärt werden (Weber) → gfrat ist: methodisch-kontrolliertes Fremdverstehen Akt wissenschaftlichen Beobachtens = immer ein  Handeln in der Welt, → unterliegt damit auch allen damit verbundenen Restriktionen = also perspektivgebunden + in der Vermittlung des im Handeln Erfahrenen auf immer schon theoriehaltige Sprache verwiesen.                                                                                                                             hierzu Gegensatz = in der standardisierten Forschung:  es wird ein Bezug auf ein ursprünglich den Naturwissenschaften entlehntes Objektivitätsideal versucht. → Einflussfaktor:  kreativ-interpretative Leistungen des Forschenden = Störgröße → werden ausgeschalten. → in qualitativer Forschung werden diese Leistungen des Forschenden als Ressource  versucht für den Forschungsprozess nutzbar zu machen. Einigkeit der Vertreter der qualitativ-interpretativen Sozialforschung besteht über den nichtdeterministischen Charakter menschlichen Handelns.: Was auch immer dem Handelnden an Bedingungen entgegentritt: diese wirken nicht wie Faktoren auf die Handelnden ein und bestimmten deren Handeln, sondern die Handelnden mussen sich im Handeln mit diesen Bedingungen auseinendersetzen. + Thomas/Thomas Def. der Situation : Die Art und Weise, in der die Menschen eine Situation und die darin enthaltenen Handlungsbed. wahrnehmen wirken realitätsverändernd.Wir handeln auf der Basis unserer subjektiven Situationsdefinition; und gleichviel, ob diese Definition in einem objektiven Verständnis richtig oder falsch ist, die Definition hat mit dem auf ihr gründenden Handeln reale Konsequenzen.  → Distanzierung vom kritisch-rationalistischen Vorschlag einer Hypothesen-testenden, falsifikatorischen Forschungslogik. (Popper = nomologisch-deduktive Sozialforschung → universell verstandenes Modell wissenschaftlichen Erklärens unter Zuhilfenahme allgemeiner Gesetze  + Kontingenzproblem menschl. Handelns (wir wissen erst, wie gehandelt wird, wenn gehandelt wurde) + provisorische Ablösung allgemeiner Gesetze durch induktiv statistische Wahrscheinlichkeitsannahmen.) qualitativ interpretative Sozialforschung: Kausalerklärungen zur Erforschung der Sozialwelt bedürfen eines deutend-verstehenden Zugangs zur Sinnproblematik menschlichen Handelns. Insgesamt verzichen qualitative Verfahren NICHT auf den Anspruch, sozialen Handeln "ursprünglich zu erklären" sie halten nur andere Wege dorthin für erforderlich. Insbesondere ist damit gemeint, = dass soziales Handeln als Forschungsgegenstand einen deutenden Nachvollzug d.h. eine Rekonstruktion der Perspektiven der Handelnden erfordert. → Forderung nach Empathie, häufiger wird eine mehr oder weniger ausdifferenzierte Form verstehenden Erklärens in Anspruch genommen.  frühe Anknüpfungspunkte in der Hermeneutik (von Dilthey geprägt) dokumentarische Methode (vonMannheim) beide Methoden haben auf unterschiedliche Art und weise unternommen, den alltäglichen Prozess des Interpretierens zu analysieren und in einer ssystematisierten Form als wissenschaftliches Verfahren verfügbar zu machen. Das Problem = für wissenschaftl. Verfahren andere Geltungsbedingungen zugrunde gelegt als für Alltagspraktiken. Insbesondere gelungenen Interpretationen haftet schnell der Ruf des Künstlerischen an.  → Kann aber das, was nur besondere Ausnahmekönner -Künster eben- können, Wissenschaft sein, d.h. auch intersubjektiv zuverlässig überprüf- und nachvollziehbar sowie in systematischer Weise erlern- u. vermittelbar? Dilthey wie auch Mannheim haben dafür unterschiedl. Gründe ins Felde geführt: der Interpret wird durch eine gemeinsame Kulturzugehörigkeit mit dem Produzenten der zu interpretierenden Artefakte in die Lage versetzt, den latenten Gehalt in der manifesten Ausdrucksgehalt des Artefaktes zuverlässig zu erschließen. (Dilthey) oder Es bedarf einer konsequenten " Einklammerung" des Ausdruckssinns eines Artefaktes, um zuverlässig seinen "Dokumentsinn" bestimmen zu können, also das, wofür ein Artefakt steht oder worauf es verweist (Mannheim) Offensichtlich ist jedoch: Verstehen und Interpretation = KEINE Systeme logisch-zwingenden Schließens: Wenn Wissenschaft in diesem Sinn verstanden werden würde → qualitativ-interpretative Verfahren hätten Schwierigkeiten, ihren Platz darin zu behaupten - und genau um diese Frage drehten sich die wissenschaftstheoretischen Kontroversen de vergangenen Jhdrts.  Wenn es die Wissenschaft allerding mit empirischen Phänomenen zu tun bekommt →  kann sie sich nicht mehr als geschlossenes System logisch konsistenter Aussagesätze begreifen, eben so zentlra ist die kreative Leistung der interpretativen Bestimmung der Bedeutung relevanter emp. Phänomene.