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Psychologische Diagnostik - Testen & Entscheiden (1) (Subject) / Einflüsse & Fehlerquellen (Lesson)

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  • Fehlerquellen Testender (VL) Subjektive Einflüsse auf Seiten des Testenden Wahrnehmungsverzerrungen und Urteilsfehler Stimmungseffekte bei Beurteilung & Erinnerung Fehler in der Gruppe Visuellle & olfaktorische Einflüsse
  • Fehlerquellen Testender (VL) Fundamentaler Attributionsfehler Neigung von Beurteilern, die Situation als Ursache von Verhalten zu unter- und Personeneigenschaften zu überschätzen
  • Fehlerquellen Testender (VL) Actor-Observer-Bias Eigenes Verhalten wird stärker auf äußere Umstände zurückgeführt als das Anderer
  • Fehlerquellen Testender (VL) Halo-Effekt Auffällige Personenmerkmale überstrahlen die Wahrnehmung anderer Merkmale
  • Fehlerquellen Testender (VL) Self-fulfilling prophecy Testende verhalten sich entsprechend ihrer auf Vorwissen basierenden Erwartungen und beeinflussen dadurch das Verhalten der Getesteten (unbewusst)
  • Fehlerquellen Testender (VL) Primacy & Recency Effect Zuerst bzw. zuletzt auftretende Informationen über eine Person werden besser erinnert und können Interpretation somit stärker beeinflussen als andere
  • Fehlerquellen Testender (VL) Milde- bzw. Härtefehler Testender tendiert dazu, extrem positive bzw. negative Urteile abzugeben
  • Fehlerquellen Testender (VL) Tendenz zur Mitte Testender tendiert dazu, Extrempole zu vermeiden und Getestete im mittleren Bereich einzuordnen
  • Fehlerquellen Testender (VL) Stimmungseffekte Stimmung des Beurteilers wirkt sich auf Genauigkeit und Richtigkeit der Beurteilung aus→ Informationen werden aufgrund der aktuellen Stimmung so gefiltert, dass mehr positive bzw. negative Sachverhalte erinnert werden. In negativer Stimmung werden Informationen weniger heuristisch sondern genauer und detaillierter betrachtet
  • Fehlerquellen Testender (VL) Gruppenpolarisierung Gruppenurteile i.d.R. extremer als Einzelurteile
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  • Fehlerquellen Testender (VL) Konformitätsdruck Gruppenmitglieder neigen dazu, sich der Meinung einer statushohen Person oder der Gruppenmehrheit anzuschließen
  • Fehlerquellen Testender (VL) Visuelle & olfaktorische Einflüsse Bsp.: Kleidung & Parfum
  • Fehlerquellen Testender (VL) Gegenmaßnahmen Beobachterschulungen Trennung von Beobachtung und Bewertung Beurteilung spezifischer Verhaltensweisen weisen höhere Reliabilität auf als Beurteilungen globalen Verhaltens Beobachter sollten nicht zu viele Vorinformationen über Probanden erhalten Information über mögliche Verzerrungstendenzen Einsatz mehrerer Beobachtungspersonen > Vorsicht vor „Überkorrektur“
  • Fehlerquellen Getesteter (VP) (Persönlichkeits-) Fragebögen - Vor- & Nachteile Vorteile: - Durchführungsobjektivität - Standardisierte Auswertung - Auch für Menschen nicht beobachtbares Verhalten kann erfasst werden - Normen ermöglichen Vergleich mit anderen Menschen - Ökonomisch Nachteile: - Selbsteinsicht nötig - Anfällig für Selbsttäuschung - Verfälschbarkeit
  • Fehlerquellen Getesteter (VP) Voraussetzungen der Befragungstechnik Es wird vorausgesetzt, dass der Befragte… (1) Die Frage versteht(2) Relevantes Verhalten korrekt identifiziert(3) Relevante Begebenheiten aus dem Gedächtnis abruft(4) Die Referenzperiode korrekt identifiziert(5) Alle relevanten Begebenheiten der Referenzperiode abruft(6) Die Begebenheiten korrekt datiert(7) Alle Begebenheiten korrekt aufsummiert(8) Die Häufigkeit auf die vorgegebenen Antwortalternativen korrekt überträgt(9) Ehrlich antwortet
  • Die vier Stufen des Urteilsprozesses 1. Interpretation der Frage 2. Meinungsbildung bzw. -abruf 3. Antwortformatierung 4. Antworteditierung
  • Die vier Stufen des Urteilsprozesses Interpretation der Frage Verständnis der pragmatischen Bedeutung: „Worauf will der Fragesteller genau hinaus?“ Interpretationshilfen: 1) Antwortvorgaben: Antwortalternativen oder –skalen 2) Merkmale einer Frage: - Häufigkeits-, Zeit- und Größenangaben- bestimmter vs. unbestimmter Artikel- Einbettung und Wiederholung einer Frage 3) Andere Fragen> Konversationsnorm: Befragte versuchen Redundanzen zu vermeiden 4) Pseudomeinung> Antwort trotz unbekanntem Fragegegenstand    
  • Die vier Stufen des Urteilsprozesses Meinungsbildung und -abruf Meinungsabruf Erinnerungsfehler & Erinnerungsverzerrungen z. B. Overreporting & forward telescoping bei medizinischen Angaben   Meinungsneubildung Verfügbarkeit bestimmter Infos beeinflusst die Neubildung eines Urteils, diese wird bestimmt durch - allgemeine Einflüsse Kürzlich und häufig aktivierte Inhalte Affektive Empfindungen: Das Nachdenken über positive vs. negative Ereignisse führt zu Stimmungsveränderungen Nicht-affektive Empfindungen: Schlechte Qualität von Papier/Bildschirm, Schwierigkeit der Fragen > mentale Anstrengung > diese wird als Information in den Schlussfolgerungsprozess mit einbezogen - Spezifische Einflüsse (in der Befragung) Formulierung der Frage Andere Fragen Antwortalternativen Antwortvorgaben  
  • Die vier Stufen des Urteilsprozesses Antwortformatierung Bei geschlossenen Fragen muss die Meinung in Antwortkategorien (Ja/Nein, Multiple-Choice, Häufigkeits-/Intensitätsskalen) eingepasst werden Nummerisch gleiche Skalenwerte werden in Abhängigkeit von der Antwortskala (bipolar vs. unipolar) unterschiedlich interpretiert  
  • Die vier Stufen des Urteilsprozesses Antworteditierung Die Mitteilung oder Editierung eines Urteils unterliegt vielfältigen Einflüssen • Gestaltung des Befragungsinstruments• Befragungssituation• Soziale Erwünschtheit
  • Antworttendenzen Unerwünschte Einflüsse bei der Beantwortung von Persönlichkeitsfragebögen, bedingt durch die Einstellung der Testperson oder durch Eigenheiten des Fragebogens Formale vs. inhaltliche Antworttendenzen
  • Formale Antworttendenzen Response sets •Aquieszenz; Ja-Sage-Tendenz •Tendenz zur Mitte •Tendenz zu extremen Urteilen •Positionseffekte •Raten •„zufällige“ Beantwortung
  • Inhaltliche Antworttendenzen Response style Tendenz zur Sozialen Erwünschtheit • Impression Management • Self Deception (vor sich selbst gut dastehen wollen) • Simulation                            > Hello-Goodbye-Effekt (Faking Good vs. Faking Bad) • Dissimulation
  • Einfluss der Testmaterialien Formulierung der Aussage Eindeutigkeit - Eine Aussage darf sich nicht auf mehrere Sachverhalte beziehen - Aussagen dürfen nicht mehrdeutig formuliert sein   Affektgeladenheit - Affektgeladene Aussagen finden oft weniger Zustimmung als neutrale   Satzstruktur - Zu vermeiden sind: lange komplizierte Schachtelsätze passivische Konstruktionen doppelte Verneinungen Kontrolle z.B. durch positive sowie negative Formulierung ein und desselben Sachverhalts > !!! Gefahr der doppelten Verneinung
  • Einfluss der Testmaterialien Antwortformat Einfluss der Antwortskala auf angegebene Häufigkeit eines interessierenden Merkmals Erfragen von Intensitäten: unipolares vs. bipolares Merkmal
  • Einfluss der Testmaterialien Reihenfolge & Position der Items Reihenfolge der Items: Antworten auf Einzelitems müssen lokal voneinander unabhängig sein> sonst: Gefahr von Aktualisierungs- und Konsistenzeffekten Position eines Items: sinkende Motivation der Probanden gegen Ende > Antworten möglicherweise diagnostisch weniger brauchbar Gruppierung der Item-Dimensionen vs. zufällige Abfolge (Erhebungsziele verschleiern vs. offenlegen)
  • Aktualisierungseffekt ein Iteminhalt hebt Inhalte des folgenden Items stärker hervor
  • Konsistenzeffekt Proband versucht, stimmige Antworten zu geben, wenn er vermutet, dass nach ähnlichen bzw. gleichen Sachverhalten gefragt wird
  • Einfluss der Kontextbedingungen Mögliche Kontexteffekte Angegebener Arbeitsbereich des Untersuchers vermutete generelle Ziele der Untersuchung (Bedeutung der Untersuchung für den Probanden > gegebenenfalls Korrektur bei der Interpretation der Testwerte) „Reihenfolgeeffekte“ in Testbatterien (z.B. anspruchsvoller Leistungstest oder anforderungsfreies Verfahren am Anfang, Kombination vonEigenschafts- und Zustandsmessungen)
  • Einfluss der Personfaktoren Bedürfnis nach Anerkennung = sozial unerwünschte Aspekte ableugnen, sozial erwünschte Aspekte hervorheben, sich verstellen
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  • Einfluss der Personfaktoren Tendenz zur Selbstdarstellung = Eindruck, den man auf andere macht, lenken, sowohl Ausdruck wahrer Eigenschaften als auch Täuschen und Verstellen > problematisch: Probanden mit gemischten Strategien
  • Einfluss der Personfaktoren Selbstaufmerksamkeit Vergangene Situationen mit Gedanken, Verhalten und Gefühlen in Verbindung bringen und auf dieser Basis künftiges Verhalten ausführen Kann experimentell induziert werden!!
  • Private Selbstaufmerksamkeit Achten auf bzw. Nachdenken über eigene Gefühle, Absichten und Eigenschaften
  • Öffentliche Selbstaufmerksamkeit Sensitivität für eigene Wirkung auf andere, Ausdruck und Selbstdarstellung anderer in sozialen Situationen
  • Einfluss der Personfaktoren Selbsteinsicht = Maß, inwieweit dem Probanden eigene Gefühle, Absichten, Merkmale, Einstellungen überhaupt zugänglich sind > abhängig von Persönlichkeitsdispositionen, situativen Bedingungen (z.B. Zeitdruck beim Beantworten einer Frage) und deren Wechselwirkungen > daher Unterscheidung zwischen expliziten (z.B. Fragebögen) und impliziten Messverfahren
  • Unverfälschbarkeit GütekriteriumAusmaß, in dem ein Test die individuelle Kontrolle über Art und Inhalt der verlangten bzw. gelieferten Informationen ermöglicht > Kann der Test beeinflusst werden? Voraussetzung für Kontrolle: hohe Augenscheinvalidität
  • Verfälschungen verhindern Kontrolle der Antworttendenzen Rechnerischer Ansatz Indirekte Verfahren
  • Kontrolle der Antworttendenzen Berücksichtigung der Zumutbarkeit Bei Verletzung der Zumutbarkeit, sinkt die Motivation > Wahrscheinlichkeit für Verfälschungen steigt
  • Kontrolle der Antworttendenzen Adäquate Wahl des Antwortformates Weglassen einer mittleren Antwortkategorie Ratingskalen anstatt dichotomen Antwortformat
  • Kontrolle der Antworttendenzen Adäquate Wahl der Itempolung Ausgewogenes Verhältnis von positiver und negativer Itempolung Achtung: beachte Verständlichkeit bei doppelten Verneinungen
  • Kontrolle der Antworttendenzen Kontrollitems Doppelte Items (einmal positiv und einmal negativ gepolt) Problem: Wenn VP diese erkennt kann das die Motivation beeinflussen
  • Lügenskala Definition Als Lügenskala bezeichnet man Skalen von Persönlichkeitsfragebögen, die zur Kontrolle der Tendenz von Testpersonen, sozial erwünscht zu antworten, eingesetzt werden Bei hohen Werten auf der Lügenskala wird von einer weiteren Interpretation des Tests abgeraten!! Fragen Verhaltensweisen ab, die…a) selten auftreten, aber sozial erwünscht sindb) häufig auftreten, aber sozial unerwünscht sind
  • Lügenskala Probleme Lügenskala hat meist selbst eine hohe Augenscheinvalidität Validität fraglich, misst evtl. auch stabilen Persönlichkeitsfaktor Verschiedene Skalen zur sozialen Erwünschtheit haben geringe Korrelationen Manche Menschen verhalten sich tatsächlich wie in der Lügenskala angegeben
  • Kontrolle der Antworttendenzen Instruktion Anonymität zusichern Thematisierung von sozialer Erwünschtheit Aufforderung im eigenen Interesse spontan und ehrlich zu antworten Behauptung Unehrlichkeit könnte leicht entdeckt werden > Funktioniert aber kaum
  • Rechnerischer Ansatz Methoden aus der Probabilistischen Testtheorie Retrospektive statistische Analyse Identifizierung von VPn, deren Antwortverhalten nicht eindimensional ist> möglicherweise verfälschend!!
  • Indirekte Verfahren Definition & Vorteile Bei indirekten Verfahren müssen Testpersonen bestimmte Leistungen erbringen, die indirekt auf eine zugrunde liegende Fähigkeit oder Eigenschafft schließen lässt. Vorteile• Können Inhalte erfassen, die der VP selbst nicht zugänglich sind• Testwert kann wenig beeinflusst werden (z.B. Reaktionszeit/ Pulsschlag)• Geringere Transparenz/ Augenscheinvalidität > geringe Verfälschbarkeit• Weniger Sprachgebunden > Kulturfairness
  • Objektive Persönlichkeitstests Definition & Beispiele Objektive Tests … zur Messung von Persönlichkeit… sind Verfahren, die unmittelbar das Verhalten eines Individuums in einer standardisierten Situation erfasst, ohne dass dieses sich in der Regel selbst beurteilen muss. Die Verfahren sollen… keine Augenscheinvalidität haben! z. B. Computergestützte Testbatterie „Arbeitshaltungen“ (AHA) Impliziter Assoziationstest (IAT)
  • Simulation bewusstes und absichtliches Vortäuschen von nicht vorhandenen körperlichen Beschwerden und kognitiven Beeinträchtigungen Ziel: häufig Erreichen von primären (z.B. Rentenzahlungen, Schmerzensgeld) und sekundären (Gewähren einer Frühberentung) finanziellen Vergünstigungen
  • Aggravation absichtliches deutliches Hervorheben von vorhandenen körperlichen Symptomen oder psychischen Beschwerden Ziel: vgl. Simulation + Anerkennung der Krankheit, Erlangen psychosozialer Vergünstigungen, primärer und sekundärer Krankheitsgewinn
  • Simulationsdiagnostik Möglichkeiten der Entscheidungsfindung bei Simulations- oder Aggravationsverdacht Angaben aus Anamnese/ Exploration stimmen nicht mit Testergebnissen überein Angegebene Beschwerden und erhobenes Befundbild lassen sich neurologisch nicht erklären Sozialer, biographischer oder psychodynamischer Kontext deuten auf Täuschungsverhalten hin (z.B. aktenkundige Täuschungsversuche, pathologisches Lügen, verschwiegene Voruntersuchungen) Psychische Reaktion des Patienten gibt Hinweise auf sekundären Krankheitsgewinn Versagen des Patienten selbst bei einfachsten Anforderungen Grobe Abweichung der Befunde von Norm- und Erwartungswerten bei einer vergleichbaren klinischen Stichprobe Unstimmigkeiten zwischen dargestellten und tatsächlich beobachteten Symptomen Unstimmigkeiten zwischen Ergebnissen in Tests, die dieselbe Fähigkeit erfassen Versagen in simulationssensiblen Verfahren