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03607 KE1 ss '14 (Subject) / 1.3. Empirische Sozialforschung als "kritisch-rationale Wissenschaft" (Lesson)
zentrale wissenschaftstheoretische Postulate einer analytisch-nomologische orientierten Erfahrungswissenschaft werden näher erläutert. Text lehnt an die Position an der als "Kritischer Rationalismus" formuliert wurde mit dem Hauptvertreter Karl R. Popper+ Hans Albert.
gängigen Methoden emp. Sozialforschung sowie deren theoretische Begründung + Methodologie wurde von Vertretern des kritischen Rationalismus entwickelt.
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- 1.3.1 Begriffserklärung empirische Wissenschaft = Teil der Wissenschaft, der auf der Erfahrung durch die menschlichen Sinne beruht. (Beobachtung in aller weitestester Bedeutung) empirisches Wissen = Ausgehen von Erfahrungstatsachen" Basis standardisierter empirischer Forschung von Albert vertretene Position. andere Positionen (B: interpretative Soziologie,...) können nicht auf empirisches Vorgehen bei der Informationsgewinnung über die Realität verzichten.
- 1.3.2. Einige Prinzipien der empirischen Forschungsmethode in der Version des "Kritischen Rationalismus" Hauptprinzip: Alle Aussagen müssen an der Erfahrung überprüfbar sein, müssen sich in der Konfrontation mit der Realität bewähren. → Alle Aussagen einer empirischen Wissenschaft müssen - sofern sie unzutreffend sind - prinzipiell an der Erfahrung scheitern können. drei einschränkende Konsequenzen für den Geltungsbereich so abgegrenzter erfahrungswissenschaftlicher Aussagen: Nur Begriffe, die sich auf die erfahrbare Realität beziehen: empirischer Bezug der benutzten Begriffe ( positive Beispiele: Tisch, Kernkraftwerk, politische Partei; negative B: gute Fee, Zentaur, Himmelstor) Sätze müssen eine Beschreibung von Zusammenhängen oder Sachverhalten bieten, die erfahrbar sind.: emp Bezug der Gesamtaussage ( pos. B: CSU siegt bei der bay. Landtagswahl; neg B: Das Leben nach dem Tode währt ewig). Sätze müssen widerlegbar formuliert sein. → Nicht zu gelassen: analytisch wahre Aussagen & "Es gibt" - Sätze (= Existenzbehauptungen) Ob Satz "wahr" oder "falsch" ist kann durch ihre logische Struktur entschieden werden. anlaytisch wahre Aussagen: Tautologien: " wenn der Hahn kräht auf seinem Mist, ändert sich das Wetter, oder es bleibt wie es ist" → schließt alle Möglichkeiten die eintreten könnten ein → kann niemals an der Erfahrung scheitern wahr per definitionem: "Wenn irgendein Gegenstand ein soziales System ist, dann besteht es aus Personen, die miteinander interagieren" → "soziales System" ist definiert als eine Menge von Personen, die miteinander interagieren. Existenzaussagen: "Es gibt weiße Raben" → nicht widerlegbar, da nicht alle Raben in Gegenwart + Vergangenheit auf die Farbe ihrer Federn überprüft werden können. Anhand der beide Aussageformen (All-Sätze bzw. nomologische Aussagen und "Es-gibt-Sätze" bzw. Existenz-Aussagen) lässt sich die Asymmetrie zw. Falsifikation und Verifikation feststellen. : All Aussagen sind nicht verifizierbar, aber falsifizierbar Es-gibt-Sätze / Existenzaussagen (räumlich und zeitlich nicht eingeschränkt) sind nicht falsifizierbar, aber verifizierbar . Feststellung haben einen Haken: a)Fall muss der Beobachtung zugänglich sein b)Beobachtung muss korrekt sein. genauer: die Aussage über die Feststellung eines Sachverhalts, der mit der All-Aussage im Widerspruch steht + mit der Existenzaussage im Einklang) steht, muss "wahr" , muss unwiderlegbar richtig sein, mit den Fakten übereinstimmen. Aussagen der Erfahrungswissenschaften (Hypothesen, Tehorien) sollen über die Realität eines Gegenstandbereichs informieren, für den sie aufgestellt wurde Abgrenzungskriterium: Müssen an der Realität für die sie gelten soll scheitern können. →Erfahrungwissenschat erhebt somit keinen allumfassenden Geltungsanspruch. Abgrenzungskriterium definiert ein Segment. (= jeweiliger Bereich der von der Wissenschaft untersucht wird) zu dessen Erkenntnis ein Satz bestimmter methodischer Regeln sich als brauchbar erwiesen haben soll. nur widerlegbare Hypothesen sind zugelassen → Problem: wie kommt man an wahre Aussagen? für All-Sätze gilt:.Theorien können übereinstimmen, nie endgültig bewiesen werden. Aussagen die Geltung unabhängig von Raum und Zeit beanspruchen (nomologische Hypothesen) soll die emp Wissenschaft (nach der Forderung des Kritischen Rationalismus) anstreben.→ die mögliche Wahrheit der Aussage kann nicht endgültig bewiesen (= verifiziert) werden. Vorgehen bei der Überprüfung empirischers Aussagen nach Popper: Hypothese hat sich als emp. falsch erwiesen ( + Beobachtung zur Falsifikation war korrekt ) → Hypothese/Theorie wird verworfen. → d.h. sie darf in der gegenwärtigen Formulierung keine Geltung mehr beanspruchen. → zwei Alternativen: Theorie/Hypothese ist entweder nicht mehr zu retten, daher zu verwerfen Falschheitsgehalt durch Neuformulierung eliminieren. Neue Theorie ist emp. Tests zu unterwerfen. Wird sie falsifiziert → erneut modifizieren und emp testen usw. Bestätigen die emp Befunde die Hypothese/Theorie → als vorläufig bestätigt im Bestand empirischer Theorien/Hypothesen beibehalten und bei nächster Gelegenheit einer schärferen Überprüfung ausgesetzt. Hypothesen/Theorien, die wiederholten und verschärften emp. Tests standgehalten haben → bewährte Aussagen Bewährte Aussagen ≠ echte All-Aussagen, sondern =Aussagen mit eingeschränkter Reichweite Versuch aus solchen Hypothesen/Theorien allgemeinere, umfassendere Hypo/Theo zu formulieren. (enthält bewährten Aussagen als Teilmenge + zusätzlich Phänomene erklärt) allgemeinere Hypo/Theo haben höheren Info.gehalt → deduktive Ableitung spezifischere Hypot unter Angabe bestimmter Randbed. Überprüfung dieser allgemeineren Aussage: emp Test → Bei Falsifikation umformulieren→ erneute Testen → bei Bestätigung Verschärfung der Überprüfungsbedingungen → usw. D.h an "wahre Aussagen" tastet sich die emp Wissenschaft: durch Versuch und Irrtum durch Ausschneifen falscher Hypothesen durch verschärften Test bestätigter, durch Erweiterung bewährter Hypothesen. Das "Wahrheits(entscheidungs)kriterium = Konfrontation mit erfahrbarer Realität. Kriterium der Wahrheit = Weg von Versuch und Irrtum beim Vergleich von theoretischer Aussagen und beobachtbarer Realität.
- 1.3.3 Probleme und Dilemmata bei der Suche nach empirischen "Gesetzen" Das Erste Problem: Bezieht sich auf das absolute Postulat der endgültigen Zurückweisung einer Aussage sobald auch nur ein einziger Fall aufaucht, der im Widerspruch zu der Theorie/Hypothese steht. gilt nur für nomologische Aussagen. = zeitlich und räumlich nicht eingeschränt + deterministisch solche Aussage gibt es für die Sozialwissenschaften kaum → keine Gesetzmäßigkeiten vorzuweisen → Ersatz für nomologische Aussagen muss gefunden werden. zu Problem 1: Nomologien, statistische Gesetzte oder Aussagen mittlerer Reichweite? Eine der Rettungmöglichkeiten: Formulierung von Aussagen eingeschränkter Reichweite. man gibt einschränkende Randbedingungen an. im Vergleich zu Nomologien haben Aussagen eingeschränkter Reichweite weniger Info.gehalt. Hypothese wenn x, dann ; y für alle y und x All-satz) → ungültig nur noch anwendbar, wenn zusätzliche Randbedingungen erfüllt sind. Durch Deduktion → Aussagen für eine kleinere Zahl konkreter Situationen (= potentielle oder theorieimplizierte Basissätze) Kritischer Rationalismus würde formulieren: Die Menge der potentiellen Falsifikatoren ist eingeschränkt worden. Im Extremfall: Informationsgehalt durch Formulierung von ceteris-paribus-Klauseln (Einschränkung wie "unter ansonsten gleichen Bedingungen") so weit eingeschränkt werden, dass kein einziger Fall mehr den Bedingungen gerecht werden kann. → Aussage nicht mehr überprüfbar → gegen die Erfahrung immunisiert. Kritischer Rationalismus lässt die Formulierung von Hypothesen und Theorien eingeschränkter Reichweite durchaus zu, hält aber an dem Ziel der Erfahrungswissenschaft fest, möglichst "kühne" Theoriegebäude mit möglichst hoher Erklärungskraft zu entwerfen. bei teilweise bewährten Theorien: →1 Umformulierung, so dass Wahrheitsgehalt nicht verloren geht + Falschheitsgrad eliminiert wird →2 Bewährte Aussagen (Wahrheitsgehalt) sind gehaltserweiternd umzuformulieren + prüfen. = Schritt für Schritt Annährung an Nomologien zweite Rettungsmöglichkeit: nicht deterministische Hypothesen (immer wenn x, dann auch y)sondern statistische Aussagen formulieren. Aussagen dürften im Durchschnitt die formulierte Hypo. bestätigen. → Überprüfung durch Einzelbeobachtungen reicht nicht aus → Überprüfung anhand über eine größere Zahl von Fällen, in der ihre Zusammensetzung "repräsentativ" für die Gesamtheit der durch x und y bezeichneten Fälle sein müssen. Wahrscheinlichkeitsstatistik stellt für die Entscheidung über statistische Hypothesen geeignete Modelle bereit. Das zweite Dilemma: existiert auch im Falle nomologischer Gesetze Entscheidungen über Zurückweisung einer empirischen Hypothese bei konträren Beobachtungen = schwierig, da: Hypothese über reale Phänomene kann nicht unmittelbar mit der Realität konfrontiert werden, sondern lediglich mit einer auf Beobachtung fußenden anderen Aussage über die Realität. Diese Beobachtungsassage kann selbst falsch sein Basissatzproblem:müsste verifiziert werden können um als Grundlage für die Entscheidung über die Hypothese dienen zu können zu Problem 2: objektivität oder Intersubjektivität? das Basissatz-Dilemma. Myrdal: Das Ethos der Wissenschaft ist die Suche nach objektiver Wahrheit. Objektiv meint: für die Erkenntnis der Wahrkeit sind Objekte in der Realität entscheidend, wie sie außerhalb des erkennenden Subjekts existieren. Entscheidungsregel des Kritishen Rationalismus: Über die Wahrheit einer empirischen Aussage entscheidet die Konfrontation mit der Realität. Korrespondenztheorie der Wahrheit: stimmt der semantische Gehalt (=Bedeutung) der Aussage mit den Gegebenheiten in der Realität überein, dann gilt sie als richtig; ist dies nicht der Fall, dann gilt sie als falsch. Aussage kann nicht unmittelbar mit der Realität konfontiert werden vielmehr: → Realitätswahrnehmung eines erkennenden Subjekts muss zwischengeschaltet werden. → Sinneswahrnehmung bilden somit die Grundlage für jegliche Form von WIssen. "Konfrontation mit Realität" geschieht im Subjekt. Dies vergleicht den semantischen Gehalt der Aussage (= Behauptung über die Realität) mit seinem Wahrnehmungserlebnis. → soll dieses der Beweis für die Richtigkeit/Falschheit/ einer Behauptung sein, muss Möglichkeit einer unverfälschten, die Gegebenheiten der Realität korrekt abbildenden Wahrnehmung (objektiven) unterstellt werden. diese Mögl. im frühen Positivismus angenommen. im Fall "objektive" Wahrnehmung wäre Möglich → Problem: Wahrnehmungserlebnis der beobachtenden Person kann nicht als solches kommuniziert werden, es ist lediglich subjektive Erfahrung. → in eine sprachliche Form zu übersetzen: in eine Beobachtungsaussage. bzw. einen Protokollsatz.→ Erst diese Beobachtungsaussage lässt sich vom erkennenden Subjekt ablösen und kann damit zur Basis für intersubjektiv geteilte Erfahrung werden. Vergleich der Beobachtungsaussage (Protokollsatz) mit Realitätsbehauptung = nicht möglich. → beide Aussagen gehören zwei unterschiedlichen "Sprachebenen" an. Bei der Beobachtungsaussage = "Protokoll" eines einzelnen , räumlich fixierten Beobachtungsfalls = singuläre Aussage. Um die Hypothese mit der Beobachtungsaussage vergleichen zu können → Deduktion der allgemeinen Hypo zu einer konkreten und beobachtbaren Realitätsbehauptung. erst nachdem die Hypo/Theo auf eine konkrete emp Basis bezogen wurde + Aussagen über das Ergebnis von Beobachtungen an eben dieser emp Basis vorliegen = Vergleich zw Theorie + Empirie kann vorgenommen werden. Verglichen werden: die theoretischen Basissätze mit den (die Beobachtungbeschreibenden) empirischen Basissätze Entstehung des Bassissatzdilemmas: Annahme des frühen Positivismus -eine vorraussetzungslose Wahrnehmung kann es nicht geben: jede Wahrnehmung = "theoriegetränkt" in Wirklichkeit: Übersetzung des Wahrnehmungserlebnises des erkennenden Subjekts in eine sprachliche Form. Wahrnehmung durch das begriffliche Instrumentarium gelenkt. →Beobachter keine neutral wahrnehmbare Realität, sondern: Realität mit Begriffen vorstrukturiert. "Wir ordnen die Erfahrungswelt durch unsere Begriffe, aber diese Ordnung entspricht nicht unbedingt einer objektiven Wirklichkeitsstruktur" Im Wort/Begriff steckt ein Vorstellungsinhalt Wahrnehmung besteht darin, diesen durch den Begriff vorgegebenen Vorstellungsinhalt in der Realität wiederzufinden. → für dinge, für die wir keine Vorstellungsinhalte entwickelt haben und die wir somit nicht " auf den Begriff bringen" können sind wir praktisch blind. Bei der methodisch kontrollierten wissenschaftl. Beobachtung sind darüberhinaus weitere Theorien anzuwenden, um zu den emp. Protokollsätzen (allgemein: Daten) zu gelangen. Aufgabe = die theoretische Sprache (Der Hypothese) in Beobachtungssprache (der deduktiv abgeleiteten Realitätsbehauptungen) anaologe Übersetzungsaufgabe auf der emp Ebene ( Der Ebene der Sachverhalte und Phänomene): Für den mit dem theoretischen Begriff gemeinten (nicht direkt beobachtbaren) Sachverhalt müssen andere (und zwar unmittelbar wahrnehmbare) Sachverhalte bestimmt und über sog. " Korrespondenzregeln" mit dem theoretischen Sachverhalt verknüpft werden, so dass sie in eindeutiger Weise als (beobachtbare) "Indikatoren" für das eigentlich Gemeinte dienen können. Beispiel: In Hypothese ist die Rede von: Intensität der Nachbarschaftskontakte Protokollsätze = Auskunft über die Häufigkeit der Kontakte Korrespondanzregel = Je intensiver die Nachbarschaftsbeziehung ausgeprägt → desto häufiger Kontakte zw. den Nachbarn. Entwicklung von Erhebungs- bzw. Messinstrumenten. Zur Auswertung → geeinete Methoden der Informationsdverdichtung (statistische Modelle) anzuwenden. der schließlich zu formulierende emp Basissatz kommt zustande in Abhängigkeit von all diesen Zwischenschritten und den dabei verwendeten theoretischen Vorannahmen. = Resultat von Wahrnehmungs- und Insrumententheorie sowie ihrer praktischen Anwendung. Fazit: Eine "objektive" Abbildung der Realität können empirische Basissätze nur in dem Maße sein, in dem diese (Hilfs-)Theorien nicht fehlerbehaftet sind und in dem bei ihrer Anwendung keine Fehler begangen wurden. → der Kritische Rationalismus befindet sich mit seiner Wahrheits-Entscheidungsregel an dieser Stelle in einem logisch nicht auflösbaren Dilemma: Kann/soll eine Protokollaussage über eine Beobachtung, die zu einer nomologischen Hypothese im Gegensatz steht, ausreichen, um diese Hypothese in der vorliegenden Form endgültig zu wiederlegen? Hintergrundhypothesen, B: die angewandte Methode wäre richtig = genauso wenig verifizierbar → logische Konsequenz = Durch einen nicht beweisbaren Protokollsatz können wir eigentlich die zu überprüfende Hypothese nicht falsifizieren, selbst wenn er der aus der Hypothese abgeleiteten Realitätsbehauptung (dem Theorie-implizierten Basissatz) widerspricht . Lösung des Dillemas = konventionalistisch = durch Vereinbarung der Wissenschaftlergemeinde ( des sozialen Systems "Erfahrungswissenschaft") möglich: Die Forscherin bzw. der Forscher hat den gegenwärtig höchstmöglichen methodischen Standard einzuhalten Die Forschungsprozesse, die zu den Protokollsätzen (allgemeiner: zur Datenmatrix) geführt haben, müssen intersubjektiv überprüfbar und nachvollziehbar sein, d.h.: das ganze Vorgehen muss gut dokumentiert, jede Entscheidung muss explizit gemacht und begründet werden. → andere Forschenr könnne somit genau den Vorgang replizieren, zumindest: gedanklich replizierbar sein, damit Schwachstellen im Forschungskomzept aufgedeckt werden können. → das emp Forschungsprojekt muss sich offen der Kritik anderer Wissenschaftler und der Öffentlichkeit stellen. → das ist die Bedeutung des Wortes Kritik in der Bezeichnung "Kritischer Rationalismus" wenn diese Bedingungen erfüllt sind, dann wird der Protokollsatz (der empirische Basissatz) so lange als richtig anerkannt, wie er nicht durch andere Forschungsergebnisse widerlegt wird. Zusammengefasst: Unmöglichket der Verifikation emp. Hypothesen → deren entgültige Falsifikation = unmöglich das ansonsten nicht lösbare Basissatzproblem wird per Vereinbarung umschifft: Solange das Vorgehen dem jeweisl besten methodischen Standard entspricht, sollen die emp Befunde als brauchbare Annährungen an di realen Phänomene akzeptiert werden. Basissätze werden durch Beschluss , durch Konvention anerkannt, sie sind Festsetzungen das Ziel "Objektivität" muss mangels Einlösbarkeit (wegen der zwischengeschalteten, immer subjektiv bleibenden Wahrnehmungsergebnisse der Beobachter) zurückgenommen und reduziert auf das Konzept "kontrollierte Intersubjektivität"
- 1.3.4 Hypothesen und Theorien empirische Theorie = zentrale Aufgabe er Wissenschaft erfahrungswissenschaftlicher Richtung, Theorien über die Realität eines Gegenstandes aufzustellen und diese zu überprüfen. Ziel emp Forschung = systematische Erfassung von Zusammenhängen solche systematische Beschreibung der Zusammenhänge von Sachverhalten geschieht in der Form von Theorie. → emp bewährte Theorien = Systematisierung des gesammelten Wissens. Def: unter emp Theorie soll im Folgenden verstanden werden : ein System logisch widerspruchsfreier Aussagen (Sätze, Hypothesen) über den jeweiligen Untersuchungsgegenstand mit den zugehörigen Defitnitionen der verwendeten Begriffe. Hypothese unter einer Hypothese versteht man zunächt eine Vermutung über einen Tatbestand im Zusammenhang mit emp Theorien hat jedoch der Begriff eine spezifischere Bedeutung Def: Unter Hypothese wird im Kontext sozialwissenschaftlicher Theorien verstanden: eine Vermutung über einen Zusammenhang zwischen mindestens zwei Sachverhalten. Auffassung des Kritischen Rationalismus Auffassung des Kritischen Rationalismus für das wissenschafliche Vorgehen der Bestätigung oder Widerlegung von Hypothesen ist es gleichgültig wie der Forscher an seine Hypothesen kommt. → interessant ist einzig und allein, ob sich die Vermutung emp. widerlegen oder bestätigen lassen. zu einer Theorie gehören: mehrere Hypothesen Hypothesen = geordner+ nicht isoliert → ein System von Hypothesen über einen Gegenstandsbereich, ein logisch widerspruchsfreies System → die einzelnen Sätze oder Hypothesen müssen sich af den gleichen Gegenstandsbereich beziehen + dürfen sich nicht logisch oder teilweise gegenseitig ausschließen/widersprechen. Anforderungen an emp Hypothesen: Anforderung: Kriterium der Prüfbarkeit = müssen an der Erfahrung prinzipiell scheitern können Anforderung = bezogen auf den Begriff Theorie: die Aussagen müssen in einem erkennbaren Zusammenhang miteinander stehen + auf den gleichen Gegenstandsbereich beziehen + Aussagen = geordnet. Aussagen müssen miteinander logisch verträglich sein. =Kriterium der internen Konsistenz
- 1.3.5. Empirische Theorie und Realität grundlegende Forderung: empirische Methoden müssen einen Bezug zur Realität haben Alle Hypothesen müssen an der Erfahrung scheitern können. → Formulierung von Hypothesen nach Auffassung des Kritischen Rationalismus stehen am Beginn der Forschungstätigkeit. danach kann über den Einsatz von Methoden und Instrumenten zur Gewinnung der benötigten Informationen entschieden werden. weitere Grund, weshalb theoretische Überlegungen angestellt werden solten und danach erst Forschungsaktivität einsetzen können: Keine Beschreibung eines realen Tatbestandes kann fotografisch die Realität in ihrer ganzen Komplexität abbilgen. → jede Beschreibung muss sich auf eine bestimmte Perspektive unf auf einen relativ kleinen Ausschnitt aus der Wirklichkeit beschränken. → immer eine gezielte Selektion der Merkmale des Untersuchungsgegenstandes muss vorgenommen werden, die beobachtet werden sollen. → Frage: welchen Teil der Realität wollen wir abbilden?, Welche Merkmal besonders relevant ? erst wenn gezielte Auswahl getroffen → Beobachtungsperspektive festgelegt → systematisch beobachten, befragen, Daten erheben. Nur eine systematische Beobachtung eines Objektbereichs kann gewährleisten, " dass regelhate Beziehungen seiner Struktur oder der Veränderung der Struktir... erkannt werden. Eine Beobachtung ist prinzipiell theoriegeleitet, d.h. unabhängig von impliziten oder expliziten theorerischen Vorurteilen, ideellen Vorwegnahmen oder Vorentscheidungen.. kann keine Erfahrung gemacht werden. Beim Testen einer Hypothese: Formulierung der Theorie/Hypothese gibt die Beobachtungsperspektive und damit die zu beobachtenden Merkmale vor. Lautet die Aufgabe: Einen global abgegrenzten Gegenstandsbereich beschreiben → Konstruktion eines untersuchungsleitenden Modells des Gegenstandes. → es wird ein deskriptives Schema benötigt. = Begriffsanordnung, die uns zu den Phänomenen und den Aspekten hinführt. Erstellung eines deskriptiven Schemas (= Liste relevanter Eigenschaften) setzt ein "Modell" des Untersuchungsgegenstandes voraus (Überlegungen übr Eigenschaften des Gegenstandes) wechselseitige Abhängigkeit von Theorie und Empirie: Je besser die theoretischen Kenntnisse, → umso brauchbarer wird das deskriptive Schema. SCHEMA LENKT ERHEBUNG. je besser das deskriptive Schema → , desto theoretisch relevanter werden die erhobenen Daten → umso besser die Vorraussetzungen für die Fortentwicklung der Theorie. Hypothesenbildung bzw. Theoriekonstruktion, Datenerhebung und Auswertung (d.h. Anwendung von Erhebungstechnicken und statistischen Modellen) = miteinander verwoben und aufeinander angewiesen. Zusammengefasst: Theorien sind für die Erfahrungswissenschaft die wesentlichen (Denk)-"Werkzeue", die den Zugang zur Realität ermöglichen. Die Theorie liefert die grundlegende Orientierung; sie definiert den Objektbereich , sie legt fest, welche Aspekte der Realität zum Gegenstand der Forschungstätigkeit gemacht werden sollen. Die Theorie stellt das begriffliche Bezugssystem zur Verfügung; sie erlaubt die als relevant definierten Aspekte des Objektbereichs systematisch darzustellen, zu klassifizieren und Beziehungen zu postulieren. In Theorien werden emprisch ermittelte Fakten zu Generalisierungen bzw. zu Systemen solcher Generalisierungen zusammengefasst. Je nach dem Grad ihrer Allgemeinheit kann man zwischen Ad-hoc-Theorien, Theorien mittlerer Reichweite und solchen höherer Komplexität ("allgemeinen" Theorien) unterscheiden. Eine Theorie ermöglicht die Vorhersage zukünftiger Ereignisse. "Wenn eine Zusammenfassung von Beobachtungen in Form von Verallgemeinerungen erstellt worden ist, erwartet man, dass dieselben Strukturen und Beziehungen auch dort gefunden werden, wo noch keine Erfahrung oder Beobachtung gemacht werden konnte, und man erwartet die Gültigkeit ihrer Beziehungen auch in der Zukunft". Schließlich gibt sie Hinweise auf vorhandene Wissenslücken.
- 1.3.6. Hypothesentest und Theorieentwicklung im Wechselspiel von Theorie-Empirie-Theorie. Ein Beispiel. Konzept der analyrisch-nomologisch orientierten Forschungsrichtung liegen zwei parallele Wege zu "wissenschaftlichem Fortschritt" zugrunde: Hypothesen, die falsifiziert wurden → zu korrigieren und erneut zu testen Hypothesen, die bestätigt wurden → verschärft zu testen/ gehaltserweiternd umzuformulieren = stärker verallgemeinern → emp. überprüfen. Wechselbeziehung: Theorie -Empirie-Theorie anhand eines Besipiels: Ausgangspkt. der Überlegung = "Das Denken und Urteilen der Meschen wird von ihrer sozialen Umwelt bestimmt." Aussage in dieser Form → weiter Geltungsbereich → kann so nicht auf ihre empirische Richtigkeit überprüft werden. Jedoch, Mögl: deduktiv-analytische Ableitung → spezifischere Hypothese. → Das Denken und Urteile der Mitglieder einer Gruppe wird vom Denken und Urteilen der übrigen Gruppenmitglieder bestimmt. Sprachlogische Analys → Bestimmung der Bedeutung der Begriffe , B: "soziale Umwelt" → "Gruppe" logisch-deduktive Ableitung von Behauptungen über: bestimmte Personen, bestimmte Gruppe, bestimmte Zeitpkt./-räume. Mit anderen Worten: Aus generellen Hypothesen → singuläre, auf Einzelfall bezogene Aussagen ableiten. → Das Denken und Urteilen der Person P1 als Mitgleid der Gruppe G1 wird im Zeotraum t vom Denken und Urteilen dieser Gruppe G bestimmt. Gleiches gilt für Person P2,P3 ... für Gruppen G2,G3, ... und für Zeiträume t2, t3, ... → Möglichkeit gezielter Beobachtungen + Prüfungen. skizzierte Ableitung beschränkt sich allein auf die sprachliche Ebene, = Umformung genereller Hypothesen in singuläre Sätze zur gezielten Beobachtung → Verknüpfung der sprachlichen Ebene mit der empirischen Ebene herzustellen geeignete Indikatoren (d.h. beobachtbare Sachverhalte) zu benennen und zu begründen, → Operationalisierung: geeignetes Datenerhebungsinstrument zu wählen/ neu entwickeln. → Datensammlung → Auswertung dieser mittels Anwendung statistischer Modelle. Resultat : emp Ergebnisse werden in "Beobachtungsaussagen" festgehalten . Auf dem Wege von in der Hypothese verwendeten Begriffe bis zur Gewinnung von Beobachtungsaussagen hat der Forscher: auf Hilftheorien zurückzugreifen: Korrespondanzhypothesen zur Begrüdung von : Indikatoren, Mess-, Instrumenten- u. Beobachtungstheorien bei der Entwicklung u. Anwendung der Erhebungsinstrumente statistische Modelle bei der Datenauswertung Richtigkeit der verwenderen Hlfstheorien muss gesichert sein.= Basis für Bestätigung/Zurückweisung der zu testenden Hypo. Innerhalb der Untersuchung konnen diese Hilftheorien nicht emp geprüft werden → ihre Richtigkeit muss unterstellt werden. M.Sherif, psychologische Gruppenforschung: Verdunkelter Raum Lichtpunkt für kurze Zeit dargeboten Vp zu beantworten: wie viele Zentimeter hat sich der Lichtpkt während der Darbietung bewegt Schätzung nacheinander → Pers können sich gegenseitig hören. Wiederholung → Schätzungen nähren sich zu einem mitlleren Wert an. Die individuelle Annährung der Schätzungen = umso stärker, je weiter die Vp in ihren ersten Schätzungen vom späteren Gruppenwert nach oben oder nach unten abweicht. Sherif leitet folgende Aussage daraus ab: Die Uteile der Mitglieder einer Versuchsgruppe werden durch die Urteile dieser Gruppe bestimmt. "Urteil" → Operationalisiert durch: Indikator : Einschätzung der Scheinbaren Bewegung eines nicht bewegten Lichtpkt. im dunklen Raum. Die Ergebnisse seines Experients (die Beobachtungs- aussagen, also die Beschreibung der empirischen Schätzungen in mehreren Versuchsdurchgängen ) stimmen mit dieser aus der Hypothese abgeleiteten Aussage überein die Untersuchung hat die Hypothese "vorläufig bestätigt" Hofstätter entwirft härteren Test behät Sherifs expermentaldesign bei.führt vier Durchgänge von Schätzungen durch. Vp = allein im Untersuchungsraum danach drei Versuchsdurchgänge von Schätzungen in der Sherifschen Gruppensituation danach nochmal vier Durchgänge von Einzelschätzungen Verschärfung der der Testsituation = Vp haben zunächst die Chance ihre eigenen, individuellen Maßstäbe zu bilden + Mögl der Teilnehmer wieder vom Gruppenmaßstab abzurücken und zu ihrem ursprünglichen Maßstab zurückzukehren. Ergebnissen bestätigen weiterhin die Hypothese. + Orientierung an der "Gruppennorm blieb auch in den abschließenden vier Einzelschätzungen erhalten. In weitern Folgeuntersuchungen → zusätzliche Verschärfungen → Resultat= zunehmendes Wissen → Ausgangshypo kann präziiert werden, Geltungsbereich konnte genauer abgedeckt werden. Wissenschaftlicher Fortschritt vollzieht sich nach den Vorstellungen der analytisch-nomologischen Position auf die hier skizzierte WEise
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