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03607 KE1 ss '14 (Subject) / 1.2. Grundpositionen der Erfarungswissenschaft (Lesson)
- 1.2.1 Annahme der Existenz einer "tatsächlichen Welt" Konzepte empirischer Wissemschaft. Empirische Wissenschaft verfolt das Ziel, gesicherte Erkenntnisse über die "Wirklichkeit" zu gewinnen. setzt die Existenz einer realen, "objektiven" Welt vorraus. (Gegenstände, Ereignisse, Beziehungen zw Gegenständen oder Ereignissen) unabhängig von ihrer Wahrnehmung durch einen Beobachter. Erkenntnistheoretische Realismus: geht von einer tatsächlichen Welt aus → es besteht die Chance mit den Wahrnehmungssinnen und/oder mit Hilfe von Beobachtungs- und Messinstumenten die die außerhalb des beobachtenden Subjekts existierende Realität zu erfahren → sinnvole Aussagen über die Realität formulierbar + überprüfbar. erkenntnistheoretische Konstruktivismus:bestreitet die Möglichkeit mit den Wahrnehmungssinnen die Realität zu erfassen, wie sie wirklich ist. Radikaler Konstruktivismus:"all unsere Erkenntnisse sind Erkenntnisse eines sich selbst organisierenden Systems, des Gehirns + gebunden an dessen Erkenntnismöglichkeiten -grenzen→ erlauben keine Aussagen über die "wahre" Welt, → stattdessen: Ist eine Erkenntnis mit der Beschaffenheit der Welt vereinbar, passt sie?". Umweltreize formen kein Abbild der Umwelt → vielmehr: subjektives Bild wird durch eigene Interpretationsleistungen "konstruiert".
- 1.2.2 Ordnung, Struktur, Gesetzmäßigkeiten analytisch-nomologische bzw. deduktiv-nomologische Wissenschaft Annahme: geordnete, strukturvolle. regelhafte, wirkliche Welt (Welt der Tatsachen) → Beziehungen zw. Gegenständen, Ereignisfolgen laufen nach immer gleich bleibenden Regeln ("Gesetzen") ab. Kausalitätsprinzip: für jedes Ereignis muss es eine Ursache oder auch eine komplexe Menge von Ursachen geben. Aufgabe der Wissenschaft: Strukturen und Gesetzmäßigkeiten "entdecken". → Je mehr Wissen über Strukturen und Gesetzmäßigkeiten verfügbar, desto mehr werden beobachtete Ereignisse erklärbar, prognostizierbar, die Welt beherrschbar. Postulat der Einheitswissenschaft: Zum Auffinden emp. Gesetzmäßigkeiten können alle Erfahrungswissenschaften nach der gleichen Verfahrenslogik, nach den gleichen Methodischen Prinzipien vorgehen. (B: Phy, Chemie, Bio, Psy, Soziologie...unterschied: Gegenstand, nicht: in der Art ihres Vorgehens) Existenz grundlegender Gesetze auch für den Bereich des Sozialen Aussagen über soziale Regelhaftigkeit sollen im Idealfall "nomologischen" Charakter haben: weder räumlichen noch zeitlichen relativiert sein. d.h. sie sollen folgende Form aufweisen: immer wenn der Sachverhalt X vorliegt und wenn zugleich die Zusatzbedingung Y1 Y2, Y3,.. erfüllt sind, dann wird auch das Ergebnis Z eintreten. Durch dedutiv-logische Ableitung kann diese allgemeine Gesetzesaussage auf beliebige räumlich und zeitlich identifizierbare Situationen übertragen werden; etwa: Der Sachverhalt A am Ort O zum Zeitpunkt t gehört zur Klasse des Sachverhaltes X, die Situationsgegebenheiten b1, b2 ,b3 ...entsprechen den im nomologischen Gesetz aufgeführten Zusatzbedingungen Y1Y2, Y3,..; daher wird auch hier ein Ergebnis Z eintreten. Auf rein logischem Wege begründete Aussagen nennt man ach " analytische" Sätze. → Bezeichnung : analogisch-nomologisch teilweise auch "deduktiv-nomologisch". qualitativ" orientierter Seite Postulat der Einheitswissenschaft wird bestritten B : interaktionische/interpretative Sozialwissenschaft lässt These über gleichbleibende , grundlegende Strukturen, Regelhaftigkeiten nicht gelten postuliert, dass Menschen, Strukturen durch ihr handeln selbst schaffen und verändern. Art der Beziehung zw. zwei Menschen (Gruppen) wird auf der Basis des Alltagswissens in Interaktion immer wieder neu definiert, neu entwickelt oder weiterentwickelt. B: Beide Personen werden auf der Basis der eigenen Situationsdefinition, der eigenen Ziele und Erwartungen, sowie der Vermutung über die entsprechende Sichtweise des Gegenübers handeln und die Reaktion des Gegenübers daraufhin prüfen, ob die mit den eigenen im Einklang stehen. → spezifische , für diese Sizuation ausgehandelte Beziehung der Interaktionspartner. Je alltäglicher, je Gewohnter die Handlungssituation für die Beteiligten ist und je zutreffender die gegenseitigen Vermutungen über die Perspektive des Gegenübers sind, desto unmerklicher läuft das Interpretations- u. Aushandlungsprozess ab. gegenwärtiger Zustand = Resultat komplexer Abfolgen von Interaktionen. Axiomensystem des erkenntnistheoretischen Realismus passt nicht. (Gesetze, Strukturen...)
- 1.2.3. Empirische Erfahrung als Grundlage des Wissens völlige Übereinstimmung unterschiedlicher Positionen: Wissen über die tatsächliche Welt (emp. Wissen) kann nur in der Auseinandersetzung mit der Realität gefunden und durch Beobachtung der Realität abgesichert werden. Beobachten zu verstehen als: kontrollierte direkte/indirekte Wahrnehmung ...mit Hilfe der menschlichen Wahrnehmungssinne unterstützt durch zu diesem Zweck konstruierte Beobachtungs- und Messinstrumente (B: alle Formen der Befragung) Uneinigkeiten besteht dagegen zwischen den verschiedenen Positionen: über Art der Auseinandersetzung mit der Realität Regeln der kontrollierten Beobachtung. Analytisch-nomologisch orientierte Erfahrungswissenschaftler: Bedeutung objektiver Gegebenheiten für die im Feld agierenden von vielen Randbedingungen abhängig + Bedeutung eines Gegenstandes A für die selbe Person in einer Situation S1 muss nicht die gleiche sein für S2 , jedoch geht anal.-nomo. davon aus, dass auch situationsspezifische unterschiedliche Bedeutungszuschreinungen nicht beliebig erfolgen, sondern dass auch die Bedeutungszuschreibung selbst sozialen Regelmäßigkeiten unterliegen → Erforderlich = Kontrolle der relevanten Situationsbedingungen. Kontrolle der relevanten Kontrollbedingungen, durch: a) gezielte Auswahl vergleichbarer Handlungssituationen, bzw. Beeinflussung der Randbedingungen, etwa im Experiment b) systematische Erhebung von Daten über möglichst alle relevanten Situationsbedingungen. Vorgehen bei analytisch-nomologischer Orientierung: Beginn: Aufstellen von Hypothesen über Eigenschaften der tatsächlichenwelt + Gesetzmäßigkeiten. Ausschnitte der realen Welt werden identifiziert in dem sich die Hypothesen zu bewähren haben Für Realitätsabschnitte werden -sehr stark vereinfacht skizziert- Daten erhoben. Resultate der Datensammlung → Beschreibung in "Beobachtungsaussagen" Beobachtungsaussagen = mit Vermutung im Einklang → Hypothese = empirisch bewährt. Beobachtungssaussagen = mit Vermutung im Widerspruch → Hypothese = falsifiziert. → verwerfen/ umformulieren/ erneute emp. Überprüfung. -- Bei der Überprüfung von Hypothesen müsste im Idealfall gewährleistet sein, dass die erhobenen Daten die empirischen Gegebenheiten "objektiv richtig" abbilden, jedoch ist dieses Ideal nicht erreichbar. -- → Zentrale Norm (analytisch-nomothetische Wissenschaftler) um sicherzustellen, dass nicht systematische Verzerrungen das emp. Abbild der Realität beeinflussen gilt: nur von der Forschungsfragestellung her notwendige und sachlich-methodisch begründete Entscheidungen sind zu treffen. alle Entscheidungen und ihre Begündungen sind zu dokumetieren. Prinzip der Wertneutralität :Subjektive Werte, Urteile und Vorlieben der Forscher oder der mit der Datenerhebung betrauten Person dürfen dabei ausdrücklich keine Rolle spielen Prinzip der Standardisierung der Messituation: Vorsorge, zu treffen, dass die Bedingungen der Datenerhebung sich NICHT von einem Fall zum anderen Unterscheiden. Prinzip der intersubjektiven Nachprüfbarkeit: Vorgehen soll so dokumentiert werden , dass es von anderen Personen (anderen Forschern oder am Thema interessierten Laien) nachvollzogen, beurteilt, kritisiert, wiederholt werden kann. Herangehensweise einer interpretativen Sozialwissenschaft: Für die Auswirkung der sozialen Umwelt auf das Handeln von Personen/Gruppen/Organisationen sind nicht allgemeingültige soziale Gesetzmäßigkeiten verantwortlich sondern Umweltgegebenheiten erst wirksam durch die interpretierenden Bedeutungszuschreibung der Beteiligten. Untersuchungsgegenstand ist nicht die "objektive Realität" , sondern "die subjektive Wirklichkeit" der Handelnden. qualitative Sozialforschung Gewinnen möglichst authentischer Erfahrungen im Untersuchungs- "Feld" (d.h. in dem Ausschnitt der tatsächlichen Welt, über den man Erkenntnisse gewinnen möchte) Prinzip der Offenheit: Forscher_in darf nicht mit vorgefassten Meinungen in die Datenerhebung eintreten, vorab festgeschriebene Behauptungen und Definitionen dürfen nicht zum Maßstab der Datensammlung gemacht werden → Aufmerksamkeit offen für die Wahrnehmung der Stituationsdefinitionen, wie sie für die im Untersuchungsfeld alltäglich Handelnden gelten.→ Vorkenntnisse und Vorannahmen sollen einen bewusst vorläufigen Charakter haben, sollen Aufmerksamkeit neugiereig machen"sensibilisieren", aber nicht zu Voreingenommenheiten bei der Auswahl von Daten bei der Charakterisierung als relevant oder irrelevant für die Forschungsfrage verführen. möglichst präzise formulierte Hypothesen nicht am Anfang der Wissenschaft, sondern allenfalls das Ergebnis der Untersuchung Forschungsergebnisse haben auch nur einen vorläufigen Charakter→ soziale Welt wird als im stetigen Wandel begriffen, nmlich im Zuge der ständig fortlaufenden Interpretationsleistungen der Interagierenden. Ob Aussagen als "wahr" akzeptierbar sind entscheiden letzlich die in der Alltagsrealität interagierenden. Beobachter müssen neben der Erfassung von Daten über objektive Sachverhalte auch subjektive Deutungen der Sachverhalte über die Aktuere erfassen. → Verständnis der Daten ihrem eigenen Sinn entsprechend. Vergleichbarkeit der Einzeldaten nicht durch Standardisierung der Erhebungssituation → sondern durch den Versuch möglichst alle bedeutsamen Randbedingugen und Interpretationen mit zu erheben. → dies erfordert Flexibilität: zu jedem Zeitpunkt müssen auch unvorhergesehene Aspekte berücksichtigt werden. qualitative Sozialforschung= Prinzip der Offenheite, kommunikative Erhebung von Situationsdeutungen im sozialen Feld im Sinne "kontrollierter Subjektivität"
- 1.2.4 Ein Missverständnis: standardisiert = quantitativ Charakterisierung der sog. "quantitativen" Forschung: ein streng zielorientiertes Vorgehen, das die "Objektivität" seiner Resultate durch möglichst weitgehende Standardisierung aller Teilschritte anstrebt und das zur Qualitätssicherung die intersubjektive Nachprüfbarkeit des gesamten Prozesses als zentrale Norm postuliert. zielorientiertes und auf Standardisierung angelegtes vorgehen, nur realisiertbar, wenn zuvor mehrere Voraussetzungen erfüllt sind. Themenstellung muss exakt und unter verwendung von Leerformeln beschrieben werden + + Informationsbedarf muss vollständig und präzise angegeben werden.: Welche Informationenen werden in welchem Detaillierungsgrad für welche Zwecke benötigt? in gleicher Genauigkeit ist der "Gegenstand" zu definieren und abzugrenzen, über den die gewünschten Informationen erhoben werden sollen: Welche Objekte gehören (noch) dazu, und welche Strukturelemente sind relevant? Falls die Formulierung des Themas sowie des Gegenstandes des Untersuchung (noch) nicht hinreichend präzise möglich ist, →ist auchdie Entwicklung eines angemessen standardisierten Forschungsdesigns nicht möglich; → strukturdeckende auf Offenheit des Vorgehens angelegte Konzeote der sog. qualitativen Forschung sind in diesem Fall geeigneter. Bei der Ausarbeitung des Forschungsdesigns und der Planung der einzelnen Schritte zur Informationssammlung (= Operationalisierung ) Präzisierung durch Entwicklung eines forschungleitenden Strukturmodells + Fokussierung auf den angestrebten Informationsbedarf ist fortzusetzen. Grundgesamtheit aller Objekte für die die Aussagen gelten sollen ist zu definieren und emp. Abzugrenzen. zu entscheiden, ob eine Vollerhebung angestrebt wird oder eine Stichprobe (falls ja → nach welchem Verfahren?) Welche Informationsquelle bzw. welche Informanten sollen die Daten liefern + welche Instrumente sind geeignet ? (Interview?, Fragebogen?, Inhaltsanalyse von Dokumenten?) Alle Entscheidungen sind zu begründen+ dokumentieren → intersubjektive Kontrollierbarkeit ermöglichen. Designphase = derjenige Abschnitt des Forschungsprojekts, in dem die Basis für die Qualität der Resultate gelegt wird. → was übersehen wird lässt sich später nicht mehr korrigieren. unabdingbare Voraussetzungen = recherche des bereits verfügbaren Erkenntnisstandes, sorgfältige Entwicklung der Instrumente + ihr Pretest Standardisierung in diesem Fall = Erhebung der Information vollzieht sich in jedem einzelnen Fall in gleicher Weise: → ein für alle identisches Erhebungsintrument (z.B: standardisierter Fragebogen; gleiches Verhalten des Informationssammlers...) semantische Gleichheit formal identischer Antworten, gewährleitstet, wenn die gleiche Kategorie im Erhebungsinstrument (B: Fragewortlaut + Antwortvorgaben im Fragebogen) von den Informanten in identischer Weise verstanden und nach den gleichen Kriterien beantwortet wird. zentrale Funktion vom Pretest = Prüfung -Frageverständnis + Beantwortungsweise beim Informaten - Stufe Datenanalyse erst auf dieser Stufe ist die Bezeichnung "quantitative Methode" zutreffend. bei statistischen Methoden → quantitative Methoden, ihr Einsatz setzt "quantifizierbare" (d.h. unmittelbar auszählbare, weil jeweils Identische abbildende), NICHT jedoch "quantitative" (d.h. Quantitäten abbildende) daten vorraus. Auch qualitative Daten wie Geschlecht, Schulabschluss können Gegenstand statistischer Analysen sein, wenn diese Merkmale in standardisierter Weise als (hier: nominalskalierte, bzw. ordinalskalierte) Daten erhoben worden sind.
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