27

1 Grundlagen der Psychotherapie (Subject) / 1.1 allgemein, psychologisch (Lesson)

1.1.1 Allgemeine Aspekte und Grundbegriffe

This lesson was created by kristina83.

Learn lesson

This lesson is not released for learning.

Advertisement
  • Modellvorstellung zur Krankheit - Funktionsstörung bzw. Strukturschädigung (Abweichung führt zu subj./ obj. festellbaren körperlichen, seelischen, geistigen Veränderungen) - Botschaft (entschlüsselbarer Sinn) - Lösungsversuch (Spannungsabwehr) - Systemstörung (Krankheit führt gleichzeitig zu Regulationsprozessen auf körperl., psychischer und sozialer Ebene)
  • Modellvorstellung zu Gesundheit - geordnete Zusammenspiel normaler Funktionsbläufe im Organismus - Zustand optimaler Leistungsfähigkeit -  individuelle Anpassungsfähigkeit - Zustand vollkommenen körperlichen, seelischen oder sozialen Wohlbefindens Bei der ersten internationalen Konferenz zur Gesundheitsförderung der WHO wurden dazu 1986 in der sogenannten Ottawa-Charta Handlungsstrategien und -felder zur weltweiten Basis-Grundversorgung festgelegt.
  • Modellvorstellung zur Krankenrolle Konzept beschreibt Veränderungen der Kontrollfunktion durch das Erleben einer Krankheit - von Routineverpflichtungen befreit - nicht für Erkrankung verantwortlich gemacht - zur Genesung beitragen - fachkundige Hilfe aufsuchen
  • Störung- vs. Krankheitsbegriff - in Medizin synonym verwendet Genau genommen sollte aber von Krankheit nur dann gesprochen werden: Symptome haben organische oder psychische Ursache, es kann i.d.R. eine ICD-10- Diagnose zugeordnet werden. - Störung: auch Veränderungen, bei denen das nicht der Fall ist Begriff Störung wird meist als weniger stigmatisierend empfunden als der Krankheitsbegriff.
  • Störungskonzepte ! - physiologische Ansatz (Symptome haben organische Ursache) - psychoanalytische (Ursache in Verdrängung von Ich-bedrohlichen Inhalten, die ihren Ursprung in frühen Kindheitskonflikten haben) - lerntheoretische (Ursache in Lernprozessen) - kognitive (dysfunktionale Wahrnehmungen und Interpretationen) - humanistische (Wertgefühl blockiert oder verleugnet) - bio-psycho-soziogenetische (Berücksichtigung körperl, psych und sozialer Lernprozesse)
  • Diagnostik ist eine systematische Erfassung von körperlichen, seelischen, sozialen, physiologischen, laborchemischen, bildgebenden und anderen Anhaltspunkten, welche dazu dient, die Urache einer Gesundheitsstörung erklären zu können. Fähigkeit/ Lehre zur Abklärung von Gesundheitsstörungen/ Beratungsursachen - umfasst viele verbale, nicht-invasive und invasive Untersuchungsmethoden, z.B. Anamnese, körperl. Untersuchung, Tests, Laboruntersuchungen, bildgebende Verfahren, Funktionsuntersuchungen) - Prozess verläuft auf Symptom-, Syndrom und Diagnoseebene
  • Nenne Kennzeichen von Psychotherapie. Vielzahl psychol Methoden zur Behebung seelischer, emotionaler und Verhaltensstörungen - Grundannahme: psychische Prozesse veränderbar - interaktioneller Prozess zw Therapeut und Pat. - zielgerichteter, bewusster und geplanter Ablauf -durch  wissenschaft. begründetes Vorgehen, lehrbare Techniken, werden mit psychologischen Mitteln Störungen und Leidenszustände beeinflusst und seelische Krankheiten geheilt.
  • psychologische Intervention - Sammelbezeichung für psychol Beratung und Psychotherapie - unmitterbare Arbeit mit Begroffenen - alle Formen professioneller psych Unterstützung bei Bewältigung psychischer, körperlicher Störungen
  • Beratung Grenze zwischen Beratung und Psychotherapie ist in der Praxis teilweise fließend. - leichtere aktuellere Probleme von eher stützenden, eher lenkende Gesprächen begleitet - momentane Situation erleichtern; dient nicht der Heilbehandlung; nicht Umtstrukturierung der Persönlichkeit - Verzicht auf Bearbeitung unbewusster Inhalte - keine therap. Weiterbildung - erforder meist weniger Zeit als PT - Spezielle Formen: Paarberatung, Konfliktberatung, Familienberatung etc.
  • Entstehung und Verlauf psychischer Störungen (Wann können sie auftreten und welche Phasen gibt es?) - Prä- und perinatale Phase - Sozialisations- und Entwicklungsphase ______________________________________________________ - Prodromalphase - Erkrankungs- bzw. Störungsphase - Remission - Rezidiv - Chronifizierung
  • Advertisement
  • mögl. Gefahren/ Schäden während Prä- und perinataler Phase pränatale Noxen : z.B. Infektion, Intoxination, gentischer Schaden, Hypoxie   perinatale Noxen: z.B. Frühgeburt, verzögerte Geburt, Hirnblutung, Nabelschnurumschlingung     (Postnatale Noxen)
  • Pränatale Noxen z.B. Infektionen Intoxination Hypoxie (Sauerstoffmangel im Gewebe) Strahlenschaden genetischer Schaden
  • perinatale Noxen z.B. Frühgeburt verzögerte Geburt Hirnblutung Nabelschnurumschlingung
  • postnatale Noxen z.B. Ernährungsstörung Meningitis (Hirnhautentzündung) Hirntrauma sozioökonomische oder psychosoziale Faktoren
  • Welche Sozialisations- und Entwicklungsphasen gibt es? Was kennzeichnet sie? Vermittlung normativer Rollenerwartungen, kultur- und zeitspezifisch - primäre Sozialisationsphase (bis zum 6. Jahr, Familie) - sekundäre Sozialisationsphase (bis ca. 20. Jahr, Einfluss Schule, Verein etc.) - tertiäre Phase (Einflüsse der Sozialisationfelder Arbeit, Medien etc. werden stärker)
  • Was zeichnet ontogenetische Entwicklungsphasen aus? - genetisch bedingt - an Lebensalter gebunden - trotz Schwankungen im Tempo universell - Entwicklungsstand durch genetische Disposition, Lebensalter und Sozialisationseinflüsse bestimmt
  • Podromalphase Vorlauferstadium einer Erkrankung   z.B. kann man vor dem Ausbruch der Schizophrenie schon Monate zuvor unspezifische Symptome nachweisen
  • -Verlauf und Arten von Erkrankungs- bzw. Störungsphasen - Schübe: akute Prozesse, die zur dauerhaften Veränderung führen - Episoden: Prozesse bei einer völlig rückbildungsfähigen Erkrankung - Unterscheidung in akute remittierte oder chronische Phase
  • Remission vorübergehendes Nachlassen von körperlichen/ psychischen Symptomen ohne vollkommene Genesung z.B. bei Schizophrenie besteht die Neg.symptomatik, während die Pos.symptomatik nicht nachweisbar ist   bei einigen Erkrankungen gibt es Behandlungssansätze zur Remissionsstabilisierung (Rezidivprophylaxe)
  • Rezidiv Rückfälle von Erkranungen, die bereits überwunden schienen
  • Chronifizierung lang anhalten Symptome oder häufig wiederkehrend, oft mit Verschlimmerung Bei der Chronifizierung von Symptomen schaukeln sich Faktoren wie selektive Wahrnehmung, verstärkte Aufmerksamkeitslenkung auf körperliche Beschwerden, katastrophisierende Bewertungen, vermehrtes Schon- und Vermeidungsverhalten, Checking-Behavior, sozialer Rückzug, Abbau der körperlichen Belastbarkeit und erhöhtes psychophysiologisches Erregungsniveau gegenseitig hoch. Auch durch die verstärkte Inanspruchnahme des Gesundheitssystems mit hohem Medikamentenverbrauch und gegebenenfalls Durchführung immer invasiverer Untersuchungen und Eingriffe kann es zur Chronifizierung der Beschwerden kommen: Die kurzfristige Beruhigung hält langfristig die Störung aufrecht.
  • Was ist Vulnerabilität? Verletzlichkeit/ Krankheitsanfälligkeit  Unter dem Druck von Anforderungen kann z.B. die psychische Struktur an die Grenzen ihrer Belastbarkeit gelangen. je höher die Vulnerabilität, umso geringere Belastungen reichen aus, um Störungen hervorzurufen
  • Def. Risikofaktoren; Nenne die häufigsten Risikofaktoren Verhaltensweisen oder Befunde, die die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten einer Erkrankung/ Störung statistisch nachweisbar erhöhen   häufige R.fakoren: Alkohol, Rauchen, fehlende Bewegung, falsche Ernährung, Übergewicht, Stress
  • Marker Marker sind Risikofaktoren, die fest (z.B. Geschlecht, genetische Anfälligkeit) oder variabel (z.B. Alter) sein können. Man kann z.B. in Familien mit gehäuften Auftreten einer psychischen Störung nach genetischen Markern suchen und die Betroffenen entsprechend beraten. biolog Substanzen, deren Nachweis das Risiko für eine Erkrankung oder Reaktion auf eine Therapie vorhersagbarer machen
  • Arten protektiver Faktoren - externe Ressourcen z.B. materielle Bedingungen, soziale Unterstützung - interne R z.B. kognitive Personenvariablen, soziale Kompetenz
  • Resilienz ! Größe, die den Ausbruch/ Verlauf der Störung mildernd beinflusst Stärke eines Menschen, Lebenskrisen ohne anhaltende Beeinträchtigung zu überstehen. Widerstandskraft durch soziale, wirtschaftliche Umfeld, biol Vitalität und Einstellung zu Problemen bestimmt   HOCH beim Erleben von Engagement, Kontrolle und Herausforderung (statt Bedrohung)
  • Def. Psychopathologie ! Die Psychopathologie als Lehre von den psychischen Erkrankungen umfasst die einheitliche Erfassung, Beschreibung und Benennung psychischer Störungen durch Zuordnung von Diagnosen und durch die Beschreibung von Syndromen. (zu Störungskonzepten)