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Testen und Entscheiden (Subject) / Recht und Ethik, Durchführung einer diagnostischen Untersuchung (Lesson)
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- Was sollte man vor einer diagnostischen Untersuchung abklären u.A.? ..Eignung des Verfahrens für die jeweilige Fragestellung (Validitätsfragen in Bezug zur Fragestellung -> Kriteriumsvalidität; Manual anschauen; aktuelle und repräsentative Normtabellen -> Alter/Bildung/Geschlecht) ...Eignung des Verfahrens für jeweilige Person? Passung bzgl Alter/Bildung/Geschlecht Behinderungen oder andere Einschränkungen vorhanden (z-B. Sehschwäche?) Testerfahrung, Übung ->Gefahr der Verfälschbarkeit! (z.B. Persönlichkeitstests für Personalauswahl, Leistungstests (Übungseffekte), Gefahr der Simulation von Störungen z.B. bei Versicherungsleistungen)
- Welche Internetbasierten Verfahren gibt es und welche Merkmale haben sie? ...Selfassessment (z.B. als Einschätzung von Eignung für ein Studiums) Anonymität Ergebnisrückmeldung Verbesserung der Basisrate durch Vorselektion ....Vorauswahlverfahren Pb ist identifiziert Vorselektion ->Einladung zu weiterer Untersuchung/Bewerbungsgespräch ja oder nein?
- Welche Vor- und Nachteile bieten klinische Interview im Netz? Klinische Interviews über das Internet PRO: Geringere Kosten Schnellere Verfügbarkeit von Experten Automatische Aufzeichnung Geringere Hemmschwelle bei Kontaktaufnahme (z.B. für Angstpatienten) Contra: Ungewohnte Gesprächssituation Übertragungsqualität, technische Probleme Ablenkung durch Störungen im privaten Umfeld
- Welche Nachteile können durch Tests im Netz entstehen? möglicher Zugriff Unbefugter auf persönliche Daten Risiko, dass rechtliche Hinweise nicht gelesen werden Risiko, dass der Rat, professionelle Hilfe zu suchen ignoriert wird bei negativem Feedback kaum Interventionsmöglichkeit schwer erkennbar, wie seriös ein Test ist
- Was haben Ackermann und Kanfer hinsichtlich des Zusammenhangs von Testdauer und Leistung herausgefunden? Leistungstest über 3 ½ , 4, oder 5 Stunden– Pbn umso erschöpfter, je länger die Untersuchungszeit– Aber: Leistung in den letzten 50 Minuten immer gleich
- Was sollte bei der Durchführung einer diagnostischen Untersuchung beachtet werden? ausführliche Aufklärung zur Untersuchung (Untersuchung wird als fairer wahrgenommen , höhere Motivation ein gutes ergebnis zu erzielen, bessere Leistungen in kogn. Tests) gute Arbeitsbedingungen (Störungen vermeiden, Test-/Prüfungsangst reduzieren Standardisierung der Untersuchungsbedingung Darstellung der Ergebnisse (normalerweise +/- eine Standardabweichung um den Mittelwert als durchschnittlich -> aber problem z.B: bei Intelligenztestung: viele Personen 68% werden als durchschnittlich eingestuft)
- Was ist das Marburger Modell? für alle Normwerte, denen Normalverteilung zugrunde liegt Klassifikation in fünf Bereiche: sehr niedrig, niedrig, durchschnittlich, hoch, sehr hoch Mittlerer Bereich: M ± ½SD (38% Personen als durchschnittlich klassifiziert) Visualisierung auf fünfstufiger Skala Konfidenzintervall (Bereich, in dem der wahre Wert des Probanden unter Berücksichtigung des KI auch liegen könnte) Bei Verbalisierung wird Bezug auf Referenzgruppe genommen Bewertung: Vergleiche von Ergebnissen mit unterschiedlichen Normen möglich für Laien und Experten verständlich "Überstzung" der Werte in sprachliche Formulierungen (Benennung des Merkmals, Ausprägung des Merkmals auf einheitliche Sprache eingeordnet, Referenzgruppe, Konfidenzintervall ->"unter Berücksichtigung der Messgenauigkeit des Fragebogens")
- Wann sind ethische Fragen relevant und wie rechtfertigt sich die psychologische Diagnostik? ...wenn sie die Freiheit, Personenwürde und Selbst-und Fremdbestimmungen des Probanden betreffen Rechtfertigungszusammenhang: psych. Diagn. soll nicht nur dem Einzelnen, sondern höheren sittlichen Ansprüchen genügen und zum Wohl und der Entwicklung der Gesellschaft beitragen Hilfe bei Gewissensentscheidungen im Einzelfall
- Welche zwei unterschiedlichen ehtischen Orientierungen gibt es? verstehende Diagnostik: will Ursachen und Mechanismen für das Leid einzelner Individuen erkennen Erfassung sich selbstregulierender Systeme Ziel: aktuelle Funktionsweisen und Schwierigkeiten verstehbar und vorhersagbar machen ethische Begründung: verständnis und Selbsterkenntnis für den Einzelnen Gefahr des Missbrauchs dieser Erkenntnisse unerforscht was das Verstanden werden mit dem Menschen macht erfassende Diagnostik: will den Einzelnen in eine def. Personengruppe einordnen möglichst präzise, vergleichende Erfassung von Funktionen und Merkmalen systematische Selektion (Eignungstests) Akzent auf Nützlichkeit Gefahr: auf den Einzelnen kann nicht richtig eingegangen werden
- Welche Risiken bestehen, wenn in persönliche Belange eingegriffen wird? Dinge, die nicht offen und eindeutig sind, werden in Erfahrung gebracht berührt Selbstwertgefühl des Einzelnen Ansehen und Stellung in der Gesellschaft Veränderung des Erlebens und Verhaltens des Einzelnen durch Eingriff in zentrale Erlebnis- und Interessensbereiche
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- Welche Richtlinien-Kataloge gibt es? Europäische Richtlinien des DGP und BDP europäischer Metacode für Ethik und Ethik-Charta der Europäischen Föderation der Psychologenverbände (EFPA) international guidelines for test use der International Test Commission (ITC) Beziehen sich auf: Fachkompetenz, Gestaltung der Untersuchungsbedingungen, Beziehung zwischen Testanwender und Klient, Umgang mit dem Testmaterial, Behandlung der Testergebnisse
- Welche ethischen Aspekte müssen hinsichtlich der Fachkompetenz berücksichtigt werden? passende Auswahl des Verfahrens hinsihctlich der Eigenschaften des Klienten unbeabsichtigte nebenwirkungen berücksichtigen Kennen und Beachten der eigenen Grenzen Verantwortung für andere arbeitende Personen
- Welche ethischen Aspekte müssen hinsichtlich der Gestaltung der Untersuchungsbedingungen berücksichtigt werden? informations- und Machtgefälle zw. testleiter und VP minimieren freundlicher Umgang Info über Zweck und Ablauf der Untersuchung Pausen, funktionierende Organisation motivierende Anordnung der Verfahren
- Welche ethischen Aspekte hinsichtlich der Beziehung zw. Testleiter und VP sollten berücksichtigt werden? Grundhaltung: Wertschätzung, Wahrung der Würde, Rechte, Intimsphäre und Selbstbestimmung des Klienten Klärung der Rolle des Testleiters besonders wichtig, wenn Untersuchung nicht freiwillig (z.B. Forensik: in wessen Auftrag handelt der Untersucher? welchen Stellenwert hat das Gutachten? Was passiert mit den Ergebnissen?)
- Welche ethischen Aspekte müssen hinsichtlich des Umgangs mit dem Testmaterial berücksichtigt werden? Verwendnung des Originaltestmaterials Testmaterial vor unbefugten Personen schützen Verbreitung i.d. Öffentlichkeit kann Test unbrauchbar machen
- Welche ethischen Aspekte müssen hinsichtlich der Behandlung der Testergebnisse berücksichtigt werden? Mitteilung entsprechend des Mitteilungs- und Urteilsvermögens psychologische Folgen berücksichtigen Daten nur für mit dem Klienten vereinbarten Zweck verwenden (keine privaten Zwecke)
- Was besagt das Psychotherapeutengesetz von 1999 ? Der Begriff Psychotherapeut ist gesetzlich geschützt (Dipl. oder Master Psychologe & Ausbildung Psychotherapeut)
- Was besagt das Gesetz zur Ausübung der Heilkunde (HPG)? Psychologe darf nur heilkundlich tätig sein, wenn er eine Zulassung zum Heilpraktiker hat Gilt nicht bei Berufsberatung, Sozialberatung, Konfliktberatung (kein Krankheitswert §1 Abs.2„Ausübung der Heilkunde im Sinne dieses Gesetzes ist jede berufs- oder erwerbsmäßig vorgenommene Tätigkeit zur Feststellung, Heilung oder Linderung von Krankheiten, Leiden oder Körperschäden bei Menschen, auch wenn sie im Dienste von anderen ausgeübt wird.“
- Wie sieht die Normenpyramide aus? Recht der europäischen Gemeinschaft Grundgesetz Einfache Gesetze (z.B. StGB, BGB) Rechtsverordnungen Weitere Rechtsnormen (z.B. Satzungen von Vereinen) von ranghoch (allgemein) zu rangnieder (konkret)
- Was besagt der Artikel 8 Abs. 1 des Rechts der Europäischen Gemeinschaft? Jede Person hat das Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens, ihrer Wohnung und ihrer Korrespondenz
- Wie lauten Artikel 1 und 2 des Grundgesetzes? Art. 1, Abs. 1„Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlicher Gewalt“ Art. 2, Abs. 1„Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt“ Art. 2, Abs. 2„Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich. In diese Rechte darf nur aufgrund eines Gesetzes eingegriffen werden“
- Welche rechtlichen Grundlagen gelten bei Zwangseinweisung? Artikel 2 Grundgesetz: „Die Freiheit der Person ist unverletzlich. In diese Rechte darf nur aufgrund eines Gesetzes eingegriffen werden“ Einschränkung der Freiheit durch Zwangseinweisung nur auf Basis entsprechender Gesetze zulässig z.B. bei Selbst- oder Fremdgefährdung Richterliche Anordnung ist notwendig
- Was steckt hinter dem Recht auf informationelle Selbstbestimmung? 1. abgeleitet aus GG 1 Art. 2 (allgemeines Persönlichkeitsrecht) wenn die Person nicht genau weiß, welche Infos abgespeichert werden, wird sie ihr Verhalten aus Vorsicht anpassen -> freie Persönlichkeitsentfaltung eingeschränkt 2. Psychologische Untersuchungen nur mit Einverständnis des Betroffenen Ausfühliche Infos über Ablauf etc. der Untersuchung Ausnahmen nur mit richterlicher Anordnung (gerechtfertigt mit übergeordneten Zielen) Zustimmung gegeben, wenn Klient von sich aus psychologische Hilfe in Anspruch nimmt
- Was gewährleistet das Bundesdatenschutzgesetz? Schutz vor unbefugtem Zugriff Anonymisierung bei wissenschaftlichem Gebrauch Weitergabe erfordert Einverständnis der getesteten Person bzw. gesetzliche Vertreter Kein Erheben „auf Vorrat“, nur für ursprünglichen Zweck getestete Person hat Recht auf Ergebniseinsicht (nicht Originaltestunterlagen!) Rechtliche Grundlagen Testunterlagen sind Eigentum des durchführenden Psychologen freiwillige Vertriebseinschränkung -> Verkauf von tests nur an qualifizierte Personen (theoretisch nur Verwendung von Originalmaterialien)
- Was gilt nach der Schweigepflicht nach StGB? „Wer unbefugt ein fremdes Geheimnis, namentlich ein zum persönlichen Lebensbereich gehörendes Geheimnis oder ein Betriebs- oder Geschäftsgeheimnis, offenbart, das ihm als (…) Berufspsychologen mit staatlich anerkannter wissenschaftlicher Abschlussprüfung (...) anvertraut worden oder sonst bekannt geworden ist, wird mit Freiheitsstrafe mit bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft“ „Geheimnis“: jede Information, die nur einer beschränkten Anzahl von Personen bekannt ist und an deren Geheimhaltung der Betroffene persönliches oder wirtschaftliches Interesse hat. „Offenbaren“: eine Identifizierung ist möglich (Wer Daten anonymisiert weitergibt, offenbart kein Geheimnis.) Wenn durch die Weitergabe ein Schaden entsteht (z.B. Kündigung) ->zivilrechtliche Folgen gilt auch für „berufsmäßig tätige Gehilfen“ (d.h. Auszubildende, Praktikanten), Mitarbeiter öffentlicher Beratungsstellen Geheimnisse, die im privaten Bereich anvertraut werden, sind nicht geschützt Schweigepflicht auch ggü. anderen Personen die selbst der Schweigepflicht unterliegen Weitergabe von Infos nur zulässig, wenn Betroffene zustimmt; mündl. oder stillschweigende Zustimmung ausreichend
- Welcher Konflikt kann hinsichtlich der Schweigepflicht entstehen? auch Kinder sind durch die Schweigepflicht geschützt Eltern haben Informationsanspruch (Schweigepflicht vs. Informationspflicht) Informationspflicht gg. den Willen des Kindes bis grundsätzlich 14 Jahren aber: Einschätzung der Einsichts- und Urteilsfähigkeit des Kindes durch schweigepflichtige Person (Altergrenze kann evtl. nach oben/unten verschoben werden)
- Was gilt hinsichtlich der Offenbarungspflicht? Zeugnisverweigerungsrecht bei Psychologen? Offenbarungspflicht: gilt für jedermann! nur für zukünftige, abwendbare taten! Zeugnisverweigerungsrecht: In Zivil- oder Verwaltungsgerichtsprozessen haben alle Berufspsychologen das Recht Aussagen über ihnen anvertraute Geheimnisse zu verweigern. In Strafprozessen besteht das Zeugnisverweigerungsrecht nur für psychologische bzw. Kinder- & Jugendpsychotherapeuten (nicht alle Psychologen allgemein) sowie Mitarbeiter von öffentlichen Sucht- oder Schwangerschaftsberatungsstellen
- Was sind Personalfragebögen und wie muss laut Betriebsverfassungsgesetz damit umgegangen werden? Personalfragebogen: Fragen zur Person (Familienstand, Einkommen etc.) bei der bewerbung genaue Festlegung von zulässigen/unzulässigen Fragen per Gesetz: Unzulässig: z.B. Schwangerschaft, Gewerkschaftsmitgliedschaft Zulässig: z.B. Eignungstests, wenn nur das Gesamtergebnis an den Arbeitgeber weitergegeben wird, keine einzelnen Antworten gleiches gilt für Psychologische Tests, da sie Inhalte der geschützten Persönlichkeit enthalten Persönlichkeitsfragebögen nur dann gerechtfertigt, wenn sie entscheidend für die Eignung für den Arbeitsplatz sind und nicht unnötig ausspähen
- Was sind Beurteilungsgrundsätze und Auswahlrichtlinien? Beurteilungsgrundsätze = Allgemeine Kriterien nach denen Bewerber & Angestellte beurteilt werden (z.B. Belastbarkeit, fachliche Kompetenz) Auswahlrichtlinien = Abstrakte Regeln, welche Voraussetzungen bei Bewerbern / oder Mitarbeitern vorliegen müssen (z.B. Mindest-IQ) (bedürfen der Zustimmung des Betriebsrates) DIN 33430 kann zur Auswahlrichtlinie erklärt werden