4

03607 KE1 ss '14 (Subject) / 1 Empirische Sozialforschung und empirische Theorie (Lesson)

ölaksdf

This lesson was created by dinocroc.

Learn lesson

  • 1.1. Zur Situation empirischer Sozialwissenschaft. 1.1.1 Funktion von Wissenschaft in der Gesellschaft   früher: Erfahrung als Handlungswissen weitergegeben Def von sozialwissenschaft = existierte erst seit kurzem Wissenschaft war quasi Naturwissenschaft. Umgang mit dem Wort = Lehre, derjenige der sich damit beschäftigte = Gelehrter.  Auguste Comte Begriff Soziologie geht auf ihn zurück "physique sociale" sollte nach dem Vorbild der positiven, (d.h. empirische Fakten feststellenden und erklärenden ) Naturwissenschaften die gesellschaftlichen Erscheinungen studieren und ihre Gesetzw aufzeigen.  Schwinden der Bedeutung verbindlicher Zielvorgaben (Religion, Tradition) →verlust zentraler Orientierungs. und Legitimationsgrundlagen für menschliches Handeln. Diese Lücke sollte nun die Wissenschaft ausfüllen.  postulierte für die Entwicklung jeder historischer Gesellschaft + gesamte Menschheitsgeschichte ein sog. Dreistadiengesetz. Dreistadiengesetz danach duchlaufen sowohl die individuellen Erkenntnisfähigkeiten als auch die Wissenschaft und die Zivilisation "notwendigerweise und unumkehrbar drei Entwicklungsstadien zunehmender Aussonderung und Konkretisierung. theologisch-fiktiver Stadium: Annahme willensbegabter Wesen (Geister, Götter). An der Macht : Theologen, Priester. → Naturerklärung mittels personenähnlicher Wesen metaphysisch- abstrakter Stadium: abstrakte "Wesensbegriffe" wie Substanz, Äther. An der Macht: Vertreter einer metahphysisch abstrakten Philosophie. wirtschaftliche + poilitische Beziehungen unterliegen zunehmend abstrakten Regeln.  positiv-realer Stadium: Natur wird durch die Aufdeckung gesetzmäßiger Zusammenhänge auf der Grundlage empirischer Forschungen wissenschaftlich erklärt. → Lenkung der politischen , ökonomischen und gesellschaftlichen Zusammenhänge  beruht auf Fachwissen + Berufserfahrung. . Basis aller Entscheidungen = wissenschaftliche Erkenntnisse. Aufgabe der "positiven" Wissenschaft = Maßstab für die Erkenntnisse liefern, was gut und was richtig ist.  wissenschafte sollte auf der Grundlage emp. Daten unbestreitbare, handlungsleitende Erkenntnisse bereitstellen.  Wissenschaft wird weitgehend nicht mehr als die institutuion gesehen, die letzte, endgültige Wahrheiten bereitstellt → Kritischer Rationalimus. wesentliches merkmal wissenschaftlichen Wissens = immer wieder zu prüfen, zu zweifeln.  → Empirische Wissenschaft ≠ glaubenssicherherheit, sondern: soll Welt - so wie sie ist- beschreiben und erklären, soll die Augen für den kritischen Blick auf die Realität öffnen.
  • 1.1.2. Zum Verhältnis von Wissenschaft und Praxis Beschränkung der Wissenschaft auf beschreibende ud erklärende Aussagen + Verzicht auf den Versuch wertende Jandlungsanweisungen wissenschaftlich zu begründen ≠ Nachteil . wenn Erfahrungswissenschaft nicht begründen kann was sein soll → Bedarf an wissenschaftlich abgesicherten, beschreibenden und erklärenden Aussagen darüber, was ist, wie Dinge Zusammenhängen + welche Folgen bestimmte Handlungen und politische Programme haben können.  zunehmend wird gefordert, das Machbare zunächst an psychischen, sozialen und gesellschaftlichen Erfordernissen und Konsequenzen zu messen. Hierbei aber wieder die sozialwissenschaft gefragt.  dabei Schwiergkeit = zusammenkommen mit der sozialen Praxis. vorwurf der Praktiker an die Sozialwissenschaft = sie produziere entweder Banalitäten, die jeder Praktiker ohnehin schon lange wisse, oder die Ergebnisse seien völlig praxisfern Eine wissenschaft die sich mit dem Erleben und dem Verhalten von Menschen beschäftigt, betritt ja kein Neuland; sie tritt in Konkruenz zu vorhandenem Alltagswissen + bereits vorhandener Alltagserfahrung.  1. Fall: Alltagswissen und wissenschaftliche Erkenntnisse stimmen überein: weden die Forschungsbefunde allenfalls dann begrüßt , wenn bereits getroffene Entscheidungen auf diese Weise zusätzlich legitimiert und "wissenschaftlich abgesichert" werden können.  2. Fall: Alltagswissen und wissenschaftliche Erkenntnisse stimmen nicht überein -haben die Forschungsbefunde vor allem dann eine Chance, akzeptiert zu werden (ja, sie werden sogar dringend gefordert), wenn bisher bewährtes Alltagswissen unter geänderten Rahmenbedingungen nicht mehr "funtioniert",wenn die bisherige gesellschaftliche Praxis in eine Krise geraten ist.  3. Fall: Wissenschaftliche Befunde werden zu einem Bereich vorgelegt, üner den bisher noch kein oder nur wenig Alltagswissen existiert. Falls sich solche Forschungergebnisse dennoch auf einen - im Sinne der Alltagserfahrung- wichtigen Gegenstandsbereich beziehen, trifft das gleiche zu wie im zweiten Fall: die Befunde werden gern aufgegriffen, soweit sie nicht mit wesentlichen Wertvorstellungen des Adressaten in Widerspruch stehen. Betreffen sie dagegen einen . im sinne der Alltagserfahrung- unwichtigen Gegenstandsbereich, werden sie als unnütze Forschung (als "Wissenschaft im Elfenbeinturm") abgetan Unterschied zw sozialwissenschaften und Naturwissenschaften: Sozialwissenschaften: Vorliegen von Alltagswissen →  ist häufig sogar die Vorraussetzung dafür, dass ein Problem als sozialwissenschaftlich relevant beurteilt wird. Kritik setzt bereits gegen die Aussagen selbst ein. (früher waren mit diesem Problem auch die Naturwissenschaften konfrontiert " die Erde ist eine Kugel" = entsprach damals auch nicht der Alltagswahrnehmung und stieß auf Widerstand) Naturwissenschaften: entfernen sich von der Möglichkeit einer alltäglichen Anschauung.→ Themen entziehen sich der alltäglichen Lebenserfahrung → Können beim Laien nicht in Konkurrenz zum bisher Erlebten treten.  Kritik wendet sich NICHT gegen die trivialität oder richtigkeit der wissenschaftlichen Aussagen, sondern gegen die beobachteten oder befürchteten Konsequenzen der preaktischen Anwendung wissenschaftlicher Erkenntnisse. 
  • 1.1.3. Zum Verhältnis von Grundlagenforschung und anwendungsorientierter Forschung Forschungslogik und -methodik vor dem Hintergrund des Vorgehens in der Grundlagenforschung entwickelt + begründet worden. Großteil tatsächlicher empirischer Forschung durch anwendungsorientierte Fragestellungen initiiert. → Forschungsverhalten muss einen Kompromiss zwischen den Anforderungen der Methodologie und dem Gegenstand der Untersuchung ergeben finden.  anwendungsorientierte und Grundlagenforschungs-Projekte gehen zwar von der gleichen Methodologie aus, doch: unterschiede in der Aufgabenstellung → methodischen Prinzipien können nicht in gleichem Maße realisiert werden.  Differenzierungsmerkmale Grundlagenforschung: Gewicht auf die Produktion und Vermehrung möglichst allgemeingültigem Wissen → Vereingemeinerbare  Beschreibung (Diagnose) + Erklärung von Sachverhalten und Zusammenhängen. generelle tendenz im Vordergrund des interesses begründet die Relevanz der von ihr aufgegriffenen Themen wissenschaftsimmanent aus Lücken im bisherigen Wissensbestand bzw. aus widersprüchen zw bisherigen Wissensbestandteilen.  Fragestellung der untersuchung + Sicherung der Gültigkeit der Resultate = Maßstab aller Entscheidungen der Wissenschaftler. → untersuchung wird so angelegt, dass präzise Aussagen zu dem erforschten Sachverhalt möglich werden.: Erfasst möglichst alle Randbedingungen, die einfluss auf die Ergebnisse haben können. Im Grenzfall → Experimente im Forschungslabor (selbst wenn damit die Reichweite der Aussagen eingeschränkt werden sollte oder die Forschung einen langen Zeitraum einfordert) Ergebnisse der Grundlagenforschung müssen vof Fachkollegen vertreten werden, zu rechtfertigen: Nachweis der Einhaltung der geltenden wissenschaftlichen Standards. Ziel = kritische Diskurs mit Kollegen in welchem die möglicherweise vorhandenen Schwächen des gewählten Ansates oder eventuelle Fehlschlüsse bei der Einordnung der Befunde aufgedeckt werden sollen. → Selbstverständliche Normen:  Forschungsergebnisse möglichst aktuell veröffentlichen, das methodische Vorgehen erläutern, befunde auch in ihren Einzelheiten allen interessierten zugänglich machen.  anwendungsorientierte Forschung: soll ergebnisse liefern, die beim aktuellen Entscheidungsprozess verwertet werden können.  Anwendbarkeit der Befunde auf einen aktuellen Fall  oder auf eine Klasse gleichartiger Fälle.  die behandelte Fragestellung leiten sich aus den Bedürfnissen der Praxis her. B: Beurteilung der Wirksamkeit eines Unterrichtsprogramms. zur Kompensation der Benachteiligung von Kindern aus Unterschichtfamilien im traditionellen Bildungssystem) Anwendungspraxis steh im Vordergrund , B: das zu untersuchende Handlungsprogramm → Präzision und Allgemeingültigkeit der Aussagen müssen notfalls zurückstehen, wenn dadurch die Resultate "zu spät" (B: nicht rechtzeitig vor einer anstehenden politischen Entscheidung) zustande kämen oder wenn durch die Forschung die Durchführung des untersuchenden Programms behinter wernden könnte.  (insbesondere bei Auftragsforschung) haben es die Forscher bei der Rechtfertigung in erster Linie mit den Praktikern zu tun. Beurteilungsmaßstab = Brauchbarkeit (Praxisrelevanz) + es kann nicht immer der Wissenschaftler darüber entscheiden, wann und in welcher Weise die von ihnen erzielten Resultate veröffentlicht werden. 
  • 1.1.4 Zum Verhältnis von "wissenschaftlicher Erfahrung" und Alltagserfahrung   Empirische Erfahrung oft auch Erfahrungswissenschaft genannt.  damit wird zum ausdruck gebracht: die mit empirischen Daten begründeten Aussagen beruhen auf der "Erfahrung".  Empirsch-wissenschaftliche Erfahrung und Alltagserfahrungen sind nicht grundsätzlich verschieden: beide basieren auf Beobachtungen.  in beiden Fällen sind die Beobachtungen theoriegeleitet. Beide zielen auf Klassifizierungen der beobachteten Phänomene (Sachverhalte, Ereigenisse etc.) und auf Schlussfolgerungen ab, d.h. die Beobachtungen sind nicht Selbstzweck. unterschied zw. Wissenschafts- und Alltagserfahrung Alltagserfahrung  alltägliche Beobachtugen und Schlussfolgerungen sind sträker auf konkretes Handeln, auf die jeweilige besondere Situation, auf den Einzelfall gerichtet.  Was habe ich in dieser speziellen Situation beobachtet? was ist in dieser speziellen Situation zu tun? (B: wie entwickelt sich die Bügerinitiative gegen den Ausbau der Autobahn in X? Wird sie erfolg haben? was muss sie tun, um ihre Ziele zu errreichen?) Alltagsbeobachtung versucht dabei, komplexe Einzelsituationen in ihrer individuellen Besonderheit unter bestimmten alltagsrelevanten Gesichtspunkten möglichst umfassend wahrzunehmen, um im Einzelfall möglichst präzise Vorraussagen über die Angemessenheit bestimmter Handlungsstrategien machen zu können.  Alltagserfahrung ist damit auf die individuelle Ansammlung von handlungsrelevantem Wissen ausgerichtet.  Wissenschaftserfahrung im Vergleich stärker selektiv (zugleich wird die Selektivität im höherem Maße kontrolliert und stärker verallgemeinert) versuch aus einer vielzahl ähnlicher Situationen das Gemeinsame herauszuarbeiten, um relevante Einflussgrößen isolieren und generalisierende Prognosen formulieren u können.:  Was ist in der Situation vom Typ x gemeinsam? was sind die wichtigen Einflussgrößen in Situationen vom Typ X? (B: Aus welchen gründen bilden sich Bürgerinitiativen? wie sind sie üblicherweise zusammengesetzt? unter welchen Bedingungen können sie erfolgreich auf politische Enscheidungen Einfluss nehmen?) Ziele:  die Phänomeme der realen Welt (möglichst "objektiv") zu beschreiben und zu klassifizieren, die (möglichst allgemeingültigen) Regeln zu finden, durch die die Ereignisse in der realen Welt erklärt und Klassen von Ereignissen vorhergesagt werden können. Alltägliche und wissenschaftliche Erfahrungen unterscheiden sich dagegen nicht darin, dass jede Beobachtung (notwendigerweise) theoriegeleitet ist. (auch im Alltag greifen wir ständig auf Theorien  - auf Alltagstheorien zurück) Falsch Meinung = es gebe den Typ einer "rein deskriptiven" also ausschließlich beschreibenden empirischen Forschung mit der Möglichkeit absolut theoriefreien Vorgehens, im Unterschied etwa zu ausdrücklich Hypothesen - oder theorietestenden Forschung.  richtig an diesem Vorurteil = im ersteren Fall (Alltagsbeobachtung " rein deskriptive" Forschung) werden die verwendeten Theorien für jeden ersichtlich offen gelegt. unterschied zwischen "wissenschaftlicher" und "alltäglichen" Theorien ist nicht von prinzipieller, sondern nur von gradueller Art: Wussenschaftliche Theorien sind in ihren Aussagen klarer fassbar und damit (der Möglichkeit nach) besser durchschaubar: präzise Begriffe, geben Geltungsbereich an. → Reduktion: die Zahl der Apekte unter denen man die Realität betrachtet wun erklärt, wird möglichst klein gehalten ("Reduktion der Komplexität")  Beim Vergleich von alltäglich benutzten gegenüber wissenschaftlichen Theorien stellen sich zwei wichtige Fragen:  Sind wissenschaftliche Theorien durch die in ihnen vorgenommene Reduktion der komplexen Realität auf einige wenige - nach Auffassung der Theoretiker: zentrale -Situationsaspekte unmittelbar in alltägliches Handeln umsetzbar? hier setzt die häufig zu hörende Kritik an: "Ja , in der Theorie ist das zwar so, aber in der Praxis..." sind Alltagstheorien mit ihrer Orientierung an Einzelfällen und an individuellen Erfahrungen geeignet, generelle Tendenzen, abstraktere, allgemeinere Sachverhalte zu erklären?  in den empirischen Wissenschaften keine einheitliche Auffassung darüber, welche Merkmale Alltagstheorien von wissenschaftlichen Theorien unterscheiden und wie stark der abstrahierende, verallgemeinernde Charakter wissenschaftlicher Theorien sein soll. jenach dem wissenschaftstheoretischem Standpunkt der  Froscher werden die theoretischen Entwürfe entweder stärker am Konzept eines idealtypisierenden (nur die wesentlichen Merkmale einer Klasse ähnlicher Sachverhalte herausarbeitenden) Vorgehens orientieren, oder sie werden eher am Konzept einer "ganzheitlichen" (möglichst viele konkrete Situationselemente berücksichtigenden) Anschauung ausgerichtet sein.  
Advertisement