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Sonderpädagogik (Subject) / Diagnostik (Lesson)

Diagnostik, Testtheorie, Gütekriterien etc.

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  • Was ist Diagnostik? • Griech. Verb: „diagignóskein“ – bezeichnet unterschiedlicheAspektes eines Vorganges: 1. genau kennenlernen, 2.entscheiden, 3. beschließen oder sich entscheiden– Diagnostik (gr.) meint die Unterscheidung, unterscheidende Beurteilung,Erkenntnis = weiter Begriff von Diagnostik • Diagnostik und Diagnose in Medizin: „bezeichnen die Lehre undFertigkeit, Krankheiten zu erkennen und sie Ursachen oderUrsachensyndromen zuzuordnen“. • Diagnostik in der Psychologie zusätzlich zum medizinischen: „dieLehre von den Methoden und Verfahren der sachgemäßenDurchführung einer Diagnose. Eine ‚Diagnose‘ liefert Aussagendarüber, welche Sachverhalte (in der Vergangenheit) für einVerhalten (in der Gegenwart) verantwortlich sind.“
  • Gegenstand von Diagnostik = Menschen:– sowohl Einzelpersonen– als auch Gruppen (Familie, Teams) • Beachtung von situativen Faktoren des menschlichenVerhaltens und Erlebens • Aufgaben der Diagnostik:– Praktisch: zielgerichtet Informationen über den Menschengewinnen– Wissenschaftlich: stellt psychologisches Wissen undpsychologische Techniken bereit– Insgesamt: Sammeln und Verwerten von Information
  • Vorgehen beim Diagnostizieren: = Beginnt mit der Fragestellung und endet mit derBeantwortung derselben, Beispielsweise:– Beschreibung oder Klassifikation von Merkmalen bzw.Verhalten/ Vorhersage, Vorschlag oder Evaluation einerMaßnahme– Handeln muss theoriegeleitet sein und Verwendungwissenschaftlicher Methoden
  • Definition: sonderpäd. Diagnostik • Gegenstand von sonderpädagogischer Diagnostik:– Kinder und Jugendliche mit Beeinträchtigungen impsychisch‐kognitiven und physischen Bereich • Mittelpunkt der Förderdiagnostik: das Kind unterEinbezug des Umfeldes • Aufgabenbereich der sonderpäd. Diagnostik:– „differenzierten und individuellen Diagnose der kindlichenProblematik und der Bedürfnisse […] im Sinne des Helfens,Förderns, Kompensierens und des Lernens […]“ • Vorgehen beim Diagnostizieren: auch hier ist eineFragestellung explizit notwendig und zu beantworten
  • Ziele von Diagnostik • Beschreiben • Klassifizieren • Erklären • Vorhersagen
  • Ziele von Diagnostik • Diagnostik ist eine Entscheidungshilfe! – Diagnostik ist zu verstehen als „Teil eines Handlungsablaufs, der ‐ oftmehrfach rückgekoppelt ‐ informationssuchende undzustandsverändernde Handlungen umfaßt.“ (Pawlik 1976, S. 33). • Das methodische Vorgehen hat sich jeweils an der Art derFragestellung bzw. an der Form der zu treffendenEntscheidung zu orientieren. – Die Fragestellung kann dabei sehr verschieden sein (institutionelleMaßnahmen – individuelle Hilfen)
  • Entscheidungsstrategien innerhalb der Diagnostik – SelektionAuswahl für besondere Fördermaßnahme, z.B. Soziales Training – Klassifikation (Platzierung)Zuweisung zu vorgegebener Institution, z.B. Förderschule – ModifikationVeränderung von Bedingungen, z.B. des Unterrichts, und von Personen   = für alle Intentionen sind diagnostische Erkenntnisse wichtig!
  • Modellannahmen Eigenschaften als Erklärung für Verhalten • Grundannahme: das Erleben und Verhalten von Menschen lässt sich mit Eigenschaften („traits“) beschreiben • Eigenschaften sind Konstrukte, die aus direkt beobachteten Verhaltensweisen geschlossen werden • D.h.: ähnliche Verhaltensweisen werden zu Kategorien zusammengefasst • Grund: Ökonomie, denn zur Charakterisierung reicht ein Wort • Verhaltensweisen = Indikatoren
  • Modellannahmen Eigenschaften als Erklärung für Verhalten 2 • Ziel: Vorhersage künftigen Verhaltens durch genaues Erfassen vonEigenschaften mit Hilfe passender diagnostischer Methoden • Voraussetzungen:– Verhaltensgewohnheiten müssen repräsentativ sein für die Eigenschaft– Ausprägung der Eigenschaft wird im Vergleich zu anderen Menschen erfasst • Im Gegensatz dazu: Zustände ändern sich oft (zeitlich instabil), Beispiel: Emotionen.
  • Modellannahmen Eigenschaften als Erklärung für Verhalten 3 • Kritik:– Eigenschaften sind zu breit formuliert => nicht auf konkrete Situationen übertragbar • Was spricht für das Modell?– Korrelationen von Persönlichkeitseigenschaften mit Verhaltensberichten in vielen verschiedenen Situation (vs. nur eine Situation) – Persönlichkeitsmerkmale scheinen stabil zu sein (hohe Korrelationen bei Messungen mit Zeitabstand von über 5 Jahren) – Intelligenz scheint mit Leistungen im Leben zu korrelieren (z.B. IQ und Schulabschluss) – IQ ändert sich wenig im Abstand von 3 Jahren
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  • Modellannahmen Verhalten ohne Eigenschaften • „Persönlichkeitseigenschaften braucht man nicht – diagnostisch relevant ist alleine das Verhalten, das jemand zeigt“ (Schmidt‐Atzert&Amelang, 2012, S.14). Es wird nicht nach dem „Dahinter“ gefragt, sondern sieht eine „sample“, also eine Stichprobe ähnlicher Verhaltensweisen Verhalten als Funktion der Situation   Es genügt also, das Verhalten genau zu messen, eine Erklärung ist nicht zwingend erforderlich • Behaviorismus: nur direkt Beobachtbares zählt!=> Grundlage für Intervention: Verhaltensmodifikation
  • Modellannahmen Verhalten ohne Eigenschaften 2 • Was spricht für das Modell?– Situationsadäquater– Methode: direkte Verhaltensbeobachtung– Weitere heutige Methoden: Selbstbeobachtung, Selbstbeurteilung, Tagebücher, verhaltensbezogene Interviews, • Kritik:– Gefahr des technologischen Missbrauchs (Außensteuerung, keine Beachtung der Bedürfnisse des Kindes)– Entwicklungsadäquate Intervention
  • Interaktionistisches Modell • Grundlage: System-­/Kommunikationstheorie • Lern-­ und Verhaltensstörungen sind primär Ergebnis eines Interaktionsprozesses • 3 Grundannahmen:– es gibt eine Kontinuität zwischen unauffälligem und problematischem Verhalten,– der soziale Kontext/Bezug ist entscheidend, um Probleme zu verstehen– wenn überhaupt von Ursachen gesprochen werden kann, dann bestehtMultikausalität = „Verhaltensstörung“/„Lernstörung“ ist ein Urteilsspruch.
  • Interaktionistisches Modell 2 • Diagnostik: primär durch Beobachtung und Beschreibung des Systems (biologisch-­organische, psychologische Bedingungen -­Schwerpunkt Sozialpsychologie: Beziehungen, Systeme, Kognitionen) • Verstehen ist wichtiger als Klassifikation • Es werden mehr qualitative als quantitative Daten erhoben
  • Interaktionistisches Modell 3 - pro und contra - • Was spricht für das Modell? – Qualitative Daten werden erhoben   • Kritik: – Eingeschränkte intersubjektive Gültigkeit der Aussagen,– Relativierung der Gütekriterien– stellt ein nicht standardisiertes & nicht standardisierbares Vorgehen dar
  • Zusammenfassung Modellannahmen • Verhaltensansatz erklärt primär die Situation, Eigenschaften werden aber nicht mehr konsequent ausgeschlossen • Eigenschaftsansatz ignoriert die Situation eher • Interaktionsmodell verbindet beide Ansätze und ist eher qualita5v ausgerichtet => ABER: Die Ansätze ergänzen einander
  • Arten von Diagnostik - dimensionale und kategoriale Diagnostik - • Dimensionale Diagnostik:– Keine Einordnung (Klassifikation), sondern Beschreibung – Es gibt fließende Übergänge, Kontinuitäten   • Kategoriale Diagnostik– Erfolgt nach ICD 10, ICF und DSM IV– Annahme: Störungen sind diskret, unterscheidbar, klar von Normalität abgrenzbar, Diskontinuitätsannahme– Erfüllen von Diagnosekriterien ist Grundlage für die Vergabe von Diagnosen • Integration der Befunde– dimensionale Beschreibung der psychischen Störungen und Kompetenzen + abschließend kategoriale Diagnose (ICD 10 oder DSM IV)
  • kategoriale Diagnostik • Klassifikationssysteme für die Kategoriale Diagnostik– DSM V („Diagnostik and statistic manual of mental disorders“)– ICD 10 („International classification of diseases“)– ICF („Interna5onal Classification of Functioning, Disability and Health“) • Unterschiede liegen in der (fehlenden) Ressourcen-­ und Kompetenzorientierung
  • Dimensionale (Breitband-­) Diagnostik - Störungen und Kompetenzen - Störungen => Kategoriale Diagnostik- Aggression- ADHS- LRS- allgemeine LS   Kompetenzen => Kompetenz-Diagnostik- soziale Kompetenz- kognitive Fähigkeiten-  Ressourcen
  • Arten von Diagnostik - Status-­ vs. Veränderungsdiagnostik - Diagnostik wird häufig durchgeführt, um zu prüfen, ob eine Intervention erforderlich ist und ob die Intervention erfolgreich ist • Diagnose vor der Intervention: Eingangsdiagnose • Diagnose während und nach der Intervention: Erfolgskontrolle – Kann einmalig und auch mehrmalig während der Intervention erfolgen – Prozessdiagnostik macht Veränderungen, Anpassungen möglich
  • Arten von Diagnostik - Selektion vs. Modifikation - Viele diagnostische Fragestellungen suchen die Passung zwischen Person und Bedingungen • Bei der Selektion wird die Passung zu den Anforderungen erhoben– Selektion von Personen– Selektion der Bedingungen • Modifikation: Wenn keine Passung vorliegt– Modifikation der Person– Modifikation der Bedingungen
  • Arten von Diagnostik - Förderdiagnostik - • Ziel: Suche nach Förder-­ oder Handlungsmöglichkeiten • Gegenstand: nicht nur das Kind, sondern auch das Bedingungsgefüge • Definition:„Förderdiagnose zielt hin auf Förderung und Hilfe im pädagogischenBereich, auf Integration im sozialen Bereich unter Einbezug der Familie und der übrigen sozialen Umwelt, auf Entwicklung und Enyaltung im psychischen Bereich, auf Heilung und Therapie im allgemeinen, soweit dies im sonderpädagogischen Feld möglich sein kann“ (Bundschuh, 2010, S. 61)
  • Kritik der Förderdiagnostik 1 (nach Bundschuh) These 1:Die Anwendung spezieller diagnostischer Meßverfahren impliziert die Gefahr, das Verhalten von Kindern mit Behinderungen lediglich auf Teil-­ bzw. Funktionsbereiche zu reduzieren. These 2:Diagnostische Meßverfahren erfassen nicht die Lebenswirklichkeiteines Kindes mit Behinderungen. Sie diagnostizieren nicht, was ein Kind bisher gelernt hat, wo es, wie es und warum es handelt. These 3:Das Verhalten eines Kindes mit Behinderungen auch nur approximativverstehen und interpretieren zu wollen, setzt das Bemühen um eine Beziehung zum Kind voraus (anthropologisch-­pädagogische Dimension).
  • Kritik der Förderdiagnostik 2 (nach Bundschuh) These 4:Als förderdiagnostisch relevant erweisen sich die Beobachtung und Beschreibung der Lernausgangslage, die systematische Suche nach Anknüpfungsmöglichkeiten,die Entdeckung von Lernwegen sowie die Prüfung der Effizienz versuchsweise initiierter Fördermaßnahmen (didaktische/therapeutische Dimension). These 5:Die kindorientierte, individuelle Beschreibung der Lernausgangslage mit dem Ziel der Enyaltung von Möglichkeiten kann primär mit den Methoden der teilnehmenden Beobachtung in verschiedenen Alltagssituationen(Familie, Heim, Unterricht, Spiel-­ und Freizeitbereich), der Analyse der Biographie unter Einbezug der sozialen Prozesse sowie der Analyse der aktuellen sozialen Situation geschehen (soziale Dimension).
  • Gegenüberstellung/Abgrenzung Grundannahmen 1 - Einweisungs-­/Statusdiagnostik vs. Förderdiagnostik - Einweisungs-­/Statusdiagnostik Orientierung am medizinischen Modell Persönlichkeitsmerkmale und -eigenschaften(Defizite und Störungen in der Person begründet) Solche Eigenschaften des Verhaltens und Erlebens variieren interindividuell, bleiben intraindividuell jedoch relativ konstant (statische Sichtweise) 
  • Gegenüberstellung/Abgrenzung Grundannahmen 2 - Einweisungs-­/Statusdiagnostik vs. Förderdiagnostik - Förderdiagnostik Theorien des Lernens – Lernzielorientierung(Verhaltensmodifikation); Kommunikationsforschung(Sozialpsychologie, Soziologie) Beobachtbares Verhalten in verschiedenen Situationen (Störungen gehen aus sozialen und interaktionalen Prozessen hervor) Verhaltensweisen und Situationen können im Sinne (sonder-)pädagogischer Zielsetzungen modifiziert werden (dynamische Sichtweise) 
  • Gegenüberstellung/Abgrenzung Methoden - Einweisungs-­/Statusdiagnostik vs. Förderdiagnostik - MethodenAnamnese, Exploration, Verhaltensbeobachtung, Tests, schulische Leistungen Einweisungs-­/Statusdiagnostik- Frage – Antwort- Quantitative Auswertung psychometrischer Verfahren (Breitenbach)- Bewertung schulischer Leistungen Förderdiagnostik- partnerschaftliches Gespräch (Verständnis)- Qualitative Auswertung psychometrischer Verfahren (Breitenbach)- Analyse schulischer Leistungen  
  • Gegenüberstellung/Abgrenzung Modelle / Strategien in der Vorgehensweise - Einweisungs-­/Statusdiagnostik vs. Förderdiagnostik - Einweisungs-­/Statusdiagnostik- Selektionsstrategie   Förderdiagnostik-  Modifikationstrategie
  • Gegenüberstellung/Abgrenzung Entscheidung - Einweisungs-­/Statusdiagnostik vs. Förderdiagnostik - Einweisungs-­/Statusdiagnostik- Mit Maßnahmen verbunden Förderdiagnostik-  Einleitung eines Förderprozesses
  • Gegenüberstellung/Abgrenzung Mehrdimensionale Diagnostik - Einweisungs-­/Statusdiagnostik vs. Förderdiagnostik - Einweisungs-­/Statusdiagnostik- Indirekte Modelle Förderdiagnostik- Direkte Modelle- Intervention - Entscheidung- Einheit von diagnostischer Intervention und Pädagogik
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  • Gegenüberstellung/Abgrenzung Realisierung - Einweisungs-­/Statusdiagnostik vs. Förderdiagnostik - Einweisungs-­/Statusdiagnostik- Scheinbar „problemlos“ (rigides Schulsystem: Feste Strukturen, Schachtelsystem) Förderdiagnostik- Permanente Orientierung am Kind, Flexibilität (Problem: Schulsystem, z. B. in L-Schulen Realisierung fast „utopisch“)
  • Gegenüberstellung/Abgrenzung Diagnose - Einweisungs-­/Statusdiagnostik vs. Förderdiagnostik - Einweisungs-­/Statusdiagnostik- Verantwortung  Förderdiagnostik- Vorläufigkeitscharakter
  • Gegenüberstellung/Abgrenzung Förderschulbedürftigkeit - Einweisungs-­/Statusdiagnostik vs. Förderdiagnostik - Einweisungs-­/Statusdiagnostik- Vertretbarkeit der Entscheidung Förderdiagnostik- Diagnose des individuellen Förderbedarfs
  • Förderdiagnostik - sonstiges - • Ist unzulässige Dichotomisierung, lehnt wichtige wissenschaftliche Erkenntnisse (Gütekriterien!) ab, ist Illusion einer normfreien Perspektive • Förderdiagnostik kann im bestehenden Schulsystem nicht funktionieren. Sie braucht für ihre Wirksamkeit veränderte Rahmenbedingungen (Kobi, zit. n. Schlee 2008) • Schlee (1983): „Letztlich handelt es sich auch bei der Förder(ungs)diagnostik nur um magische Rituale, mit deren Hilfe sich Personen, die nicht über ausreichendes Handlungswissen verfügen, über ihre Kränkung helfen, indem sie sich mit der Welt wieder arrangieren und versöhnen“ • Es gibt keine empirischen Befunde zur Wirksamkeit (Schlee 2008), sondern FD beruht auf fehlerhaften Spekulationen und moralischen Forderungen (ebd.)
  • Definition „Test“ „Ein [psychologischer] Test ist ein wissenschaftliches Routineverfahren zur Erfassung eines oder mehrerer empirisch abgrenzbarer psychologischer Merkmale mit dem Ziel einer möglichst genauen quantitativen Aussage über den Grad der individuellen Merkmalsausprägung.“
  • Definionsmerkmale von Testverfahren a) Ist eine Messmethode b) Soll ein oder mehrere psychologische Merkmale erfassen c) Geht standardisiert vor d) Schließt die Erhebung einer Verhaltensstichprobe ein e) Ruft mit spezifisch im Test realisierten Bedingungen das Verhalten hervor f) Soll Variationen im Test auf Variationen im Merkmal zurückführen g) Wird mit Ziel durchgeführt, die quantitative Ausprägung des Merkmals darzustellen h) Oder eine qualitative Aussage (Vorhandensein, Ausprägung) über das Merkmal zu treffen
  • Arten von Tests Kriterium zur Einteilung: Messgegenstand • Leistungstests • Psychometrische Tests • Projektive Verfahren
  • Weitere Kriterien zur Einteilung von Tests • Konstruktionsprinzipien • Theoretische Modellannahmen über Entstehung von Testantworten • Anwendungsbereiche • Zielgruppe • Einzel-­ oder Gruppenverfahren • Mit Papier-­ und Bleistift oder Materialibearbeitungs-­/computergestützte/apparative Tests • Testlänge • Struktur (Gesamttest oder mit Untertests) • Sprache (verbal oder nonverbal) • Zeitfaktor (Speed-­Tests oder Niveau-Tests)
  • Ziele der Klassischen Testtheorie die Entstehung eines Testwertes zu erklären die Frage klären, wie ein Test konstruiert sein muss, um ein hilfreiches Messinstrument zu sein Voraussetzung für diagnostische Verfahren:Aufgabe einer Messung ist es, Informationen über den wahren Wert einer Merkmalsausprägung bei einer Person zu gewinnen
  • Grundannahmen der KTT • Annahmen/ Axiome– Verknüpfungsaxiom– Existenzaxiom– Unabhängigkeitsaxiom • Grundlegende Begriffe (nach Fisseni)– Test-­Item– Item-­Score– Test-Score oder Summen-­Score
  • KTT Verknüpfungsaxiom • Es gibt immer unkontrollierte Einflüsse auf das Testverhalten des Probanden • Der Testwert (Test-­‐Score) setzt sich immer aus einem wahren Wert und einem sogenannten Messfehler zusammen:Xi = Ti + Ei
  • KTT Existenzaxiom • Messfehler ist statistisch gesehen eine Zufallsvariable mit einem Erwartungswert von 0 und einer für alle Personen gleich große Fehlervarianz • Schlussfolgerung:ΣEi mit unendlichen Wiederholungen = ΣE∞ • Voraussetzung:Wiederholungen müssen unter konstanten Bedingungen stayinden
  • KTT Unabhängigkeitsaxiom • Messfehler sind unabhängig vom wahren Wert- D.h.: ein Test misst im unteren Bereich ebenso genau wie im oberen Bereich • Messfehler zweier Tests stehen in keinem Zusammenhang (sind „unkorreliert“), sind in zwei Tests unabhängig voneinander– Ist auch auf Testzeile oder Untertests übertragbar • Messfehler in einem Test sind unabhängig vom wahren Wert in einem anderen Test
  • KTT Reliabilität • … ist ein Maß der Zuverlässigkeit bzw. Präzision • … gibt den Anteil der wahren Varianz der Werte an der beobachteten Varianz der Werte an.Formel: Reliabilität = Varianz (T) / Varianz (X) • … nimmt mit zunehmender Fehlervarianz ab.
  • KTT Standardmessfehler Definition:„Der Standardmessfehler gibt an, wie stark die Messfehler um die wahren Werte der Person(en) streuen.“(Schmidt-­‐Atzert & Amelang, 2012, S. 50)
  • KTT Konfidenzintervall • „Das Konfidenzintervall gibt den Bereich an, in dem der wahre Testwert einer Person bei einer zuvor festgelegten Sicherheits-­ bzw. Irrtumswahrscheinlichkeit liegt.– Mögliche Intervalle: 90%, 95%, 99% (je nach Test!) • Beispiel:– Testwert = 110– Reliabilität = 96– Standardmessfehler = 2,0– Wahrer Wert liegt bei 108, 109, 110, 111 oder 112
  • KTT Zusammenfassung Fehlerkomponenten und wahre Werte überlagern sich.Bei wiederholter Testung einer Person und einmaliger Untersuchung vieler Personen mit einem Test mitteln sich die Fehlerwerte zu 0.Der wahre Wert und der Fehlerwert sind unkorreliert. Die Reliabilität eines Tests ist definiert als das Verhältnis der Varianz der wahren Werte zur Varianz der beobachteten Werte. Der Standardmessfehler gibt die Streuung der beobachteten Werte um die wahren Werte an.
  • KTT Vorteile Beschäftigt sich eigentlich nur mit Messfehlern und ist eine Reliabilitätstheorie Hat sich in der Praxis bewährt Erfüllt wesentliche Anforderungen an Theorien:– Ist sparsam– Kommt mit wenigen Grundannahmen aus– Mathematische Ableitungen sind gut nachvollziehbar In jedem Fall besser als nach rein subjektiven Kriterien die Güte eines Tests zu bestimmen
  • KTT Nachteile Axiome sind nicht empirisch geprüft und nicht alle plausibel Messfehler verteilen sich nicht immer zufällig um den wahren Wert Ihre Parameter sind populations- und stichprobenabhängig Missachtung der Skalenniveaus  Meist keine homogene Items
  • Gütekriterien von Tests Die Gütekriterien sind die Kriterien, nach denen die Qualitätvon psychologischen Tests und anderen diagnostischen Verfahren beurteilt wird. Test gibt allgemeine Informationen zum Test selbst, die Verfahrensweise und über die diagn. Zielsetzung  Der theoretische Hintergrund der Testkonstruktion wird dargestellt Es werden Angaben zu den Testgütekriterien gemacht (Objektivität, Normierung, Reliabilität, Validität sowie Nebengütekriterien)