19
Pflichtliteratur M1 (Subject) / 1 Möglichkeiten und Methoden der Psychologiegeschichtsschreibung (Lesson)
Advertisement
- 1.1. Warum Geschichte der Psychologie? Distanz zur Geschichte der Psychologie lässt sich historisch erklären: PSy hat geistes- und naturwissenschaftliche Wurzeln.→Wissenschaftler entwickelten ein Verständnis Ihrer Disziplin, das an Naturwissenschaften angelehnt war. →frühere Forschung erschien ihnen als überholt, Beschäftigung mit ihr als überflüssig. Neubesinnung auf die Psychologiegeschichte hat drei Gründe: Unzulänglichkeit des emp. Denkens hat sich gezeigt: Kritische Psychologen wie Klaus Holzkamp haben früh auf Defizite d. experimentellen Psychologie aufmerksam gemacht. Wissenschaftstheoretiker wie Thomas Kuhn haben versucht Gesetzmäßigkeiten in der Entwicklung von Wissenschaften aufzuzeigen: Normalforschung wird durch sogennante Krisen erschüttert. → Forschungsparadigma wird in Frage gestellt. → abgelöst → Hinweis auf die irrationalität wissenschaftlichen handelns: Forscher verteidigen eisern ihr liebgewonnenes Erklärungsprinzip, wenn sich die Schwächen des Paradigmas bereits ganz deutlich gezeigt haben. Tendenzen in den Geschichtswissenschaften selbst: →Geschichtswissenschaft war früher auf <<Geschichte der Großen>> aufgebaut. →Neuere frz. Gesellschaftsgeschichte ist dem entgegengesetzt ≡ <<Geschichte der Vielen, Geschichte von Unten>>. Form = mündl. Befragungen von Zeitzeugen (Oral history) Ursprüngliche Frage müsste lauten: wie kann man Psychologiegeschichte betreiben, dass man aus ihr lernen kann?
- 1.2. Drei Beispiele für verbreitete Fehleinschätzungen Psychologen sind lange Zeit nachlässig mit Geschichte umgegangen → Verbreitungvon Irrtümern.
- 1.2.1 Beispiel eins: Psychologie im Nationalsozialismus Die Psychologie habe im Nationalsozialismus ihren Niedergang erlebt. (Verbot der Psychoanalyse, Emigration) kritische Auseinandersetzungen zeigen (Geuter, Graumann): Aufschwung der Psychologie: Psychologische Institute wurden ausgebaut neue Proffesuren wurden eingerichtet nicht besetzte Lehrstühle in psychologische Proffesuren verwandelt. Ausbau der Wehrmacht und Wehrmachtpsychologie Bedarf an Wehrmachtspsychologen →EInrichtung einer Ausbildung Diplomprüfungsordnung = Schritt in Richtung Professionalisierung der Psychologie bisher bekannt: Psychologie hätte nicht in der nationalsozialistischen Propaganda Arbeut , Deportationen oder im Konzentrationslager aktiv mitgewirkt. inzwischen zeigen Quellen: Psychologen waren diagnostisch-gutacherterlich bei der Entscheidung zur Adoption von Waisenkindern im besetzten Polen tätig.. Diagnostische Untersuchungen von Psychologen liegen bei der >>Kindereuthanasie<< vor. (sollten geisteskranke oder retardierte Kinder getötet werden?) Einrichtung am Spiegelgrund (Rudolph und Benetka haben haben Krankenakten von Kindern verfolgt) Hauptgrund der Auflösung des Heeres- und Luftwaffenpsychologie = differenzierte Diagnose für Kriegstauglichkeit nicht mehr nötig, da Verluste im Krieg zu hoch→ Auslese nicht sinnvoll Schriften von Sigmund Freud wurden verbrannt (und SChriften anderer diskriminierter Autoren wurden verbrannt) Das Wiener Psychoanayseinstitut wurden liquidiert und die Psychoanalyse wurde verboten. Nach Auflösung, Gründung des >> Deutschen Instituts für psychologische Forschung und Psychotherapie<<, Aufgabe= Entwicklung einer deutschen Seelenheilkunde, verschiedene tiefenpsychologische Richtungen wurden Zusammengefasst und unter medizinischer Leitung praktiziert Qualitätsverlust der Psychologie, verlust des Anschlusses an internationalem Niveau. Dem Qualitätsverlust steht ein beachtlicher materieller Aufschwung und Ausbau der Psychologie als Beruf gegenüber. falsch ist die Aussage Naionalsozialismus und Psychologie als Wissenschaft seien unvereinbar gewesen.
- 1.2.2 Experimentelle Psychologie in der Bundesrepublik Weitverbreitete Fehlschätzung = ist der Eindruck einer kontinuierlichen logischen Entwicklung der Wissenschaftsdisziplin Psychologie. Psychologie wäre schon immer eine experimentelle Wissenschaft gewesen. (Theodor Fechner, Wilhelm Wundt, John B. Watson) immer gab es nichtexperimentelle und spekulative Anteile in der Psychologie: Fechner hat Reihe von Satire verfassr mit mystisc spekulativen Charakter. Wilhelm Wundt: hat auf die Entwicklung einer nichtexperimentellen Vökerpsychologie hingearbeitet John B. Watson hat populärwissenschaftliche Abhandlungen und sogar Utopia verfasst und nur ganz gering versucht sein Programm in die Tat umzusetzen. →Experimentelle Psychologie nach dem zweiten Weltkrieg galt als überholt, keine selbstverständlichkeit.
- 1.2.3 Beispiel drei: Psycoanalyse in der UdssR Psychoanalyse sei eine deutsch-österreichische Angelegenheit. falsch, da Blütezeit in der UdSSR Psychoanalyse wurde nicht nur toleriert sondern auch gefördert: Arbeiten Freuds wurden übersetzt. Ende Der Blütezeit durch Stalinismus. Wladimir Lenin war Freud Fan.
- 1.3 Geschichtswissenschaftliche Aspekte häufige Art von Irrtümern: es wrd von der gegenwärtigen Situation in die Vergangenheit zurückextrapoliert. aber Entwicklungen verlaufen nicht gradlinig. weil in Russland keine Psychoanalyse betrieben wurde, denkt man dies sei schon immer so gewesen. dies = Irrtum. Es empfiehlt sich eine Reihe von Fragen zusammenzustellen und für jede Frage kurz zu Begründen, warum sie sinnvoll erscheint.→ Quellen zusammenstellen. Es gibt keine historische Wahrheit, Geschichte ist immer eine Rekonstruktion des Vergangenem, kann auch als Konstruktion bezeichnet werden.
- 1.4 Modelle der Geschichtsschreibung 1.4.1 Psychologiegeschichte als Geschichte Großer Männer verbreitete Meinung Geschichte sei von Großen Männern gemacht, dabei werden Frauen außer acht gelassen Argumente gegen "great men" Ansatz: Pawlow hatte Mitarbeiten, Freud bezog sich auf SchülerInnen... gemeint sind umfassende Abhandlungen zur Geschichte der Psychologie oder ihrer Teilgebiete auf der Grundlage des Lebenswerks einzelner Personen. differenzierteste Psychologiegeschichte = Edwin G. Borings History of experimental Psychology.
- 1.4.2. Ideengeschichte Boring hat versucht in seiner zweiten Auflage stärker auf kulturgeschichtliche Strömungen Bezug zu nehmen und den psychologischen Forscher etwas weniger als >>great men<< und etwas mehr als Teil seiner Kultur darzustellen Begriff Zeitgeist ist Borings Lieblingsausdruck → Gefahr ist zu groß, dass der Autor den Zeitgeist immer dann wehen lässt, wenn er keine genaueren Ursachen für veränderte Bedürfnisse, Einstellungen usw. benennen kann oder will. Das Problem einer Ideengeschichtlichen Darstellung liegt aber darin, die geistigen Strömungen einer Zeit zu erkennen und zu erahnen und die Entwicklung der Disziplin aus diesen Strömungen heraus aufzuzeigen. eine deutschsprachige Ideengeschichte der Psychologie hat Hehlmann verfasst. chronologisch angelegt. Entfaltungskonzept = Es wird aufgezeigt, wie sich z. B. eine Theorie aus den Überlegungen und Befunden von Vorgängen entfaltet hat.
- 1.4.3 Problemgeschichte rückt vom chronologischem Ansatz ab. Man geht von Einzelfragen Problemen aus zur Folge, dass man bei Jeder Frage wieder zu den Anfängen zurückkehren muss. Pongratz hat eine umfangreiche Problemgeschichte der Psychologie verfasst.
- 1.4.4 Sozialgeschichte Begriff wird nicht einheitlich gebraucht: Bezeichnung der Geschichte unterer sozialer Schichten, insbesondere sozialer Bewegungen. allgemeinerer Sinn= die gesamte Kulturgeschichte, geschichte ohne Politik. Wirtschaftsgeschichte Keiner der drei Bedeutungen trifft den heutigen Sinn in dem von Sozialgeschichte gesprochen wird neuere Sozialgeschichte versteht sich als Gesellschaftsgeschichte einer Wissenschaftsdisziplin, die sich in Fragestellungen und Methoden von der Ideengeschichte dadurch abhebt, das sie weit stärker die sozialen , insbesondere die gesellschaftlichen, politischen und institutionellen Bindungen und Bedingungen psychologischer Forschung herausstellt als die traditionelle Ideengeschichte. stellt stärker heraus, dass Psychologiegeschichte nicht nur auf isoliert denkende und handelnde Personen, auf Theorien und Forschungsergebisse reduziert werden darf, dass sie nicht nur der Legitimation (=Rechtfertigung, Berechtigung, Begründung) der Disziplinen dienen darf., sondern durch Aufzeigen von Diskontinuitäten zum Korrektiv, zum "schlechten Gewissen" der Wissenschaft werden sollte. →Psychologiegeschichte verliert damit den "Nutzen" der Rechtfertigung der Disziplin , aber leistet für die Disziplin mehr, da sie infrage stellt, aufmerksam macht, anregt. Traxel hat diese Art von Geschichte als "aktive" Geschichte bezeichnet.
- Advertisement
- 1.5 Psychologiegeschichtliche Forschungsmethoden 1.5.1 Quellenstudium Quellen: im weiteren Sinn = alle Texte, Gegenstände, oder Tatsachen, aus denen Kenntnisse über die Vergangenheit gewonnen werden können. im engeren Sinn = sind literarische Quellen gemeint, also mündliche oder schriftl. Überlieferungen, wie Mythen, Sagen, Lieder, Annalen, Chroniken, Biografien, Memoiren, Tagebuchaufzeichnungen, Briefe, Fotoalben usw. Erkenntniswert von Quellen hat nicht unbedingt mit den Absichten zu tun, die in der Vergangenheit zur Entstehung des Dokumentes führten! (Geburtsregister auch Aussagen über Lebenserwartung, voreheliche Geburten... In der Regel ist der historische Erkenntniswert umso größer, je näher die Quelle dem Ereignis ist. Primär- und Sekundärquellen werden unterschieden. Beispiele: Gegenüber den Lebenserinnerungen von Wilhelm Wundt müssen seine Briefe aus der betreffenden Zeit an seine Familie al Primärquellen gelten.→ realitätsnäher als Erinnerungen, da Erinnerungen stets gefiltert, gereifte, zensierte Darstellungen von persönl. bedeutsamen und als Mittelwert erachteten Erlebnissen. Gegenüber Autobiographien sind Biographien meist als Sekundärquelle anzusehen.→ hier wird noch mehr begradigt, jeder Biograph identifiziert sich bis zu einem Gewissen Grade mit der dargestellten Person: Biographien enthält auch Züge des Biographen. Sekundärquellen wie z. B. Biographien haben oft den Vorzug der Übersicht und des zeitlichen und räumlichen Abstandes zum Thema. nicht alle Dokumente bleiben erhalten (Telefonloch) →das erhaltengebliebene Material ist nie eine Zufallsstichprobe der Gesamtheit. →d.h. Material überlebt selektiv., das nicht erhaltene Material muss bedacht werden. Auswertung der Quellen kann ganz verschieden sein. Hermeneutik als Kuns oder Lehre von der Interpretation von Reden oder Schriften zur zentralen Methode geworden. Begriffe Redewendungen, Sprach und Stilelemente müssen erkannt und interpretiert werden. solide Vorkenntnisse über Stil, Personen, Zeit, Sitten usw. Historische Zeugnisse erhellen sich gegenseitig. Arbeit ähnelt einer kreisförmigen, (oder spiralförmigen ) Bewegung.: hermeneutischer Zirkel zunehmend mathematisch-statische Methoden in den Geschichtswissenschaften Anwendung gefunden: einfache deskriptive Statitik, Korrelationsberechnung,... 1 bibliometrische Analyse, quantitative Ausrechnung von Zitationen in Zeitschriften, 2 Zeitreihenanalyse 3 Inhaltsanalyse Untersuchungen der Art 1,2,3 oft unter der Bezeichnung Historische Sozialwissenschaft oder Historische Soziologie
- 1.5.2 Die Nutzung von Archiven kostenfrei nicht immer uneingeschränkt möglich Adolf Würth Zentrum für Geschichte der Psychologie, Aufgaben= Sammlung psychologiegeschichtlicher Literatur, psychologiscer Instrumente, Geräte, apparativer und anderer Tests, usw. FernUni Hagen das Psychologiegeschichtliche Forschungsarchiv (PGFA) University of Akron, Ohio: Archives of American Psychology Familienbesitz An Universitäten an denen der Forscher Lehrte Museen: Siegmund Freud Haus Museum in Wien Ausstellungen
- 1.5.3 Spurensuche und nichtreaktive Messverfahren Historiker wertet die Spuren aus muss versuchen Hypothesen zu entwickeln und einzelne Beweisstücke mit den Hypothesen in Beziehung bringen. Menschen können Spuren legen und bewusst verwischenAbnutzungen, Ablagerungen, Archive, Material und Energieverbrauch usw. aber auch unauffällige Beobachtungen und Feldexperimente → Begriff der nichtreaktiven Messverfahren, da hier die Versuchspersonen den zu messenden Sachverhalt von sich aus nicht oder wenig beeinflussen können, genauer: Da der Vorgang der Messung den zu messenden Sachverhalt nicht oder nur wenig verändert.
- 1.5.4 Oral history - erlebte Geschichte Möglichkeit, Datenquellen selbst zu schaffen, durch gezielt Befragung relativ aufwendig: Tonaufzeichnung muss erstellt und sorgfältig transkribiert werden. Vorteil der Methode = Lebendigkeit, Anschaulichkeit, Möglichkeit Daten zielgerichtet zu gewinnen. Geuters zu seinen Erfahrungen mit Oral History: Informationen subjektiver Art, eine Art stimmungsmäßiger Epos, Tatsachen die nicht in Akten stehen werden gennant und bei deren Kenntnis kann man Akten im nachhinein ganz anders studieren.
- 1.5.5. Zeitreihenanalys als Beispiel mathematisch-statistischer Methoden Daten sind oft chronologisch angeordnet: Anzahl der Selbstmorde/Tag, oder Mitgliederzahlen der Deutschen Gesellschaft für Psychologie in den Jahren 1904-1939. Daten dieser Art können in eine Zeitreihe gebracht werden, z.b. in Form eines Punktdiagramms graphisch dargestellt werden dabei zeigen sich meist Verläufe, die alsTrends beschrieben werden können. Trendberechnungen: methode der kleinsten Quadrate, Minima, Maxima, Wendepunkt. Analyse gestattet Prognosen z.B hinweis auf Forschungstrend= anzahl der Publikationen zu einem Bestimmten Thema.
- 1.6. Psychologische Theorien im Dienste der Psychologiegeschichte 1.6.1 Entwicklungs- und Persönlichkeitspsychologie im Dienste biographischer Forschung. Entwicklungs- und Persönlichkeitstheorien können als brauchbarer Rahmen für (Auto-)Biographien dienen. Beispiel im Bereich der Entwicklungspsychologie: Charotte Bühler: frühestes entwicklungspsychologisches Modell das sich auf den gesamten Lebenslauf bezieht. (nicht nur Kinder), hat über Autobiographien und Biographien versucht eine Phasenlehre der menschlichen Entwicklung, typische Lebensläufe zu erarbeiten.→Streben des Menschen nach Erfüllung herausgestellt Beispiel im Bereich Persönlichkeitspsy.: durch inhaltsanalytische Verfahren ist es möglich Hinweise auf Persönlichkeitsdimensionen, wie z.B. Leistungsmotivation zu erhalten. hierbei Auswertungsverfahren gleicht dem des projektiven Tests. es gibt inzwischen z.B. Indikatoren für dogmatische Denk- und Argumentationsstile, nach denen Texte von lebenden und verstorbenen Wissenschaftlern untersucht werden können.
- 1.6.2 Sozialpsy. im Dienste der Schulen und Institutionsgeschichte Sprache ist sozial vermittelt worden. Denkweise, Argumente, Kenntnis, Bewertung usw. = Ergebnis eines Sozialisierungsprozesses im Wissenschaftsbetrieb. Arbeitsteilung in Forschergruppen.→ Man findet jene Prozesse die Sozialpsychologen untersuchen: Normenbildung, Smpathie, Attraktion, Kohäsion (Zusammenhalt), Konformität (Gleichheit), Führung, Entwicklung von Wir-Gruppen-Gefühlen, Ablehnung anderer Gruppen usw. Arbeit des Historikers Thomas Kuhn: sozialpsychologische Bedeutung der Wissenschaftlergemeinschaft. Beispiele sozialpsychologischer Forschung in der Psychologiegeschichte: Protokolle von Sigmund Freuds Mittwochsgesellschaft können nach Interaktionsstrukturen ausgewertet werden: Wer sprach zu wem mit welcher Wirkung? Auswertund von Wissenschaftlichen Kontroversen, veröffentlich in Kongressberichten und Zeitschriften: Wer ist warum an diesen Kontroversen beteiligt?, Wie sind Argumente, Kritik und Informationen verteilt? Verhältnis von Führungsstil und Gruppenklima sowie Führungsstil und Qualität und Produktivität einer Forschergruppe. In welchem Zusammenhang stehen Gruppenmerkmale? Erweiterung solcher Fragen um eine historische Dimension ist vorstellbar.
- 1.6.3 Psychoanalyse und Psychohistory Freud und seine Schüler wandten die Psychoanalyse auf literarische Texte, Kindheitserinnerungen und biograpgische Texte an. psychoanalytische Interpretation von Texten ist zu einer der wichtigsten Methoden der Literaturwissenschaften geworden. Begriff der Literaturpsychologie hat sich hierfür durchgesetzt. Beispiele hierfür: Erik Erikson Arbeit über Luther hat veranlasst die Psychoanalyse als Interpretationshilfe zu nutzen. Adolf Hitlers Machtstreben und Sendungsbewusstsein mit Faktoren der frühen Kindheit.(Elternhaus, Erziehungsstil, bedeutsame Kindheitserlebnisse usw.) zu erklären. Psychohistorie bzw. Psychohistory sind Bezeichnungen für diese geschichtswissenschaftliche Interpretationsmethode auf psychoanalytischer Basis Kritikpunkte der Psychohistory: strittige Methode, da mehrere Interretationen eines Sachverhalts möglich Psychoanalyse ist vorwiegend auf das Individuum gerichtet, während neuere Geschichtswissenschaften sich verstärkt um Interpretationene gesellschaftlicher Prozesse bemühen. Wissenschaftler sind sozialwissenschaftlichen Theorien und Methoden aufgeschlossen.Bezüglich der Psychoanalyse besteht eine Zurückhaltung. So hat sich die Psychohistorie zu einem eigenen Gebit mit eigenen Autoren/Lesern entwickelt . Weder in den Geisteswissenschaften noch in der Psychologiegeschichte beheimatet.
- 1.6.4 Marxistische Gesellschatstheorie und Kritische Psychologie Klaus Holzkamp uns seine Schüler betonen die Bedeutung der Geschichte für die Kritische Psychologie ausgehened von der Gesellschaftstheorie von Karl Marx. Holzkamp wirft in seinem Aufsatz: "Kritischer Rationalismus als blinder Kritizismus" der "bürgerlichen Psychologie vor sie betrachte Geschichte als naturhaften Prozess ohne die Unterscheidung zw. Geschichte als Naturprozess und menschlicher Geschichte. Menschliche Geschichte= gegenständliche, gesellschaftliche Praxis des Menschen, wobei Mensch sowohl als Subjekt als auch Resultat geschichtlicher Entwicklung sei. Holzkamp nimmt (mit Marx) Gesetzmäßigkeiten im historischen Prozess an. Jedoch sei es ein Irrtum zu glauben, dass diese Gesetzmäßigkeiten wie Naturgesetze von außen studierbar wären. Mensch stehe nicht außer- sondern innerhalb der Geschichte. Dies gelte auch für die Forschung. In dem Maße wie Forschung emanzipatorisch (losgelöst) sei, habe sie Erkenntniswert. VOn der Kritischen Psychologie sind starke Impulse auf psychologiegeschichtliche Forschung ausgegangen.