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Sozialgeographie II (Subject) / 1. Was heißt Stadt? Zur (Un)Möglichkeit einer Definition von Stadt (Lesson)

Ambivalenzen, Stadtbegriff nach Heineberg, Nassehi, Saunders

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  • Dimensionen des geographischen Stadtbegriffes (I) Größe der Siedlung, Einwohnerzahl, Fläche, Bevölkerungsdichte Größe der Siedlung, Einwohnerzahl, Fläche, Bevölkerungsdichte Dekonstruktion des geographischen Stadtbegriffes --> Größe der Siedlung nach Einwohnern vollkommen variabel --> politisch sozialökonomische Konventionen entscheiden über Grenzen zwischen Dorf und Stadt Vorwurf: wenn Kritierien genutzt werden, machen diese immer noch keine Aussage über städtisches Leben
  • Dimensionen des geographischen Stadtbegriffes (II) Morphologie Geschlossenheit der Siedlung, Bebauungsdichte, Mehrstöckigkeit der Gebäude Problem: Gewerbegebiet im ländlichen Raum mehrstöckig und geschlossen gebaut--> keine Sadt Kritierien verschwimmen
  • Dimensionen des geographischen Stadtbegriffes (III) Funktion Dominanz der sekundär- und tertiärwirtschaftlichen Tätigkeiten große Arbeitsteilung und -platzdichte Mindestmaß an Zentralität funktionale innere Gliederung
  • Dimensionen des geographischen Stadtbegriffes (IV) Lebensformen vorherrschen städtischer Lebens-, Kultur-, Wirtschaftsformen besondere Bevölkerungs- und Sozialstruktur differenzierte innere sozialräumliche Gliederung (bei Einteilung kommt es immer mehr zu Komplexität ohne Berücksichtigung der beobachtbaren, erfahrenen Kenntnisse)
  • Dimensionen des geographischen Stadtbegriffes nach Heineberg Größe der Siedlung, Einwohnerzahl, Fläche, Bevölkerungsdichte Morphologie Funktion Lebensformen
  • Funktion einer Siedlung (Stadtbegriff) Stadt ist Marktort (ökonomische Funktion) - zentral und dezentral genutzt --> auch Bevölkerung des Umlandes einer Stadt deckt hier ihren Bedarf an Gütern (Weber 1980) Stadt ist funktionale Einheit und soziale DifferenzierungPROBLEM: auf Land nicht mehr nur Berufe im primären Wirtschaftssektor zudem ist die Arbeitsteilung und -platzdichte hoch (Outletcenter/SB-Warenhäuser)==> funktionale innere Gliederung der Stadt eher ein Funktionskriterium (CBD, Wohnviertel, Industrie ...) Stadt nimmt die Funktion einer Lebens-, Kultur-, Wirtschaftform ein --> Wer macht Stadt aus? Identifizierung sozialer Gruppen„Jede Stadt im hier gebrauchten Sinn des Wortes ist ‚Marktort’, d. h. hat einen Lokalmarkt als ökonomischen Mittelpunkt der Ansiedlung, auf welchem, infolge einer bestehenden Produktionsspezialisierung, auch die nicht städtische Bevölkerung ihren Bedarf an gewerblichen Erzeugnissen oder Handelsartikeln oder an beiden deckt, und auf welchem natürlich auch die Städter selbst die Spezialprodukte und den Konsumbedarf ihrer Wirtschaften gegenseitig aus und eintauschen“ (Weber 1980, S. 727f.).  
  • Ambivalenzen der Stadt sozial-ökonomische: Armut und Reichtumsozial-politische: Konflikt (Gewalt) und Freiheit (Fortschritt)sozial-kulturell: Vielfalt und Integration
  • sozial-politische Ambivalenz Stadt ist Ort um politische Differenz zu generieren und artikulieren; fungiert als politische Bühne; Keimzelle neuer politischer Orientierungen ==> Anziehungskraft der Städte bringt politische Auseinandersetzungen (Gewaltfrei und -bereit) --> Macht- und Gesellschaftskampf --> Unterschiede prallen aufeinander Differenz als Bereicherung (Lebensziele vs. kollektive Konflikte seit Jahrhunderten) Umkämpfte Stadt (Differenz und Konflikt) --> auch noch im 20. Jhd. (68er Bewegung)
  • sozial-ökonomische Ambivalenz resultiert aus schneller Entwicklung während der Industrialisierung (später auch der Moderne)vor Industrialisierung geordente Stadtstruktur, danach ungeordnete Struktur der Moderne heute immer noch ähnliche Ambivalenz (noch stärker) --> gelangt in Wohlstandsgesellschaft der westlichen Welt zurück (schlecht bezahlte vs. hochbezahlte Dienstleistung)
  • soziale-kulturelle Ambivalenz es bedarf sozial-kultureller Unterschiede, um Stadt hervorzubringenHerausforderung, Entwicklung, Integration von Kultur --> gemeinsames Kollektiv = IDENTITÄT Tolerieren und Ausgleichen lernt man in Stadt = Aushandeln unterschiedlicher Lebensentwürfe - ausrichten (sozial, wie räumlich)Stadt = Schmelztiegel verschiedener Nationen und Kulturen --> jeder behält Charakter und räumliche Nähe zueinander
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  • Definition des Stadtbegriffes (Saunders 1987) Definition der Stadt, welche auf Größenordnungen gestützt ist ist willkürlich und weist geringe soziologische Relevanz auf spezifische soziologische Begriffe, die auf besondere Merkmale städtischer Kultur abzielen, sind ohne Schwierigkeiten durch den Beweis städtischer Phänomene in ländlichen Gebieten und umgedreht ad absurdum zu führen
  • Grundlage und Perspektive geographischer Stadtforschung Was heißt Stadt? Zur (Un) Möglichikeit einer Definition von Stadt Engels Stadt eher alltäglich als wissenschaftlich im Sinne einer Definition Engels--> bedrückende Wahrnehmung Manchasters --> 19. Jhd. geht mit enormer Wertschöpfung einher --> Ambivalenz
  • Armin Nassehi (*1960) Prof. für Soziologie an der F.-M. Universität in Münschen Werke: "Städte als Synchronisations- und Inklusionsmaschine" funktionale Differenzierung der Gesellschaft (Systemtheorie) Wie verhalten sich Funktionen und Raum zu einander? Inklusion (Multiinklusion)
  • Stadt als Inklusionsmaschine nach Nassehi (Stadtbegriff) spätmoderne Gesellschaft maßgeblich mit Stadt verbundenWie formt sich Stadt zur Gesellschaft?  Wie ist soziale Ordnung in Stadt möglich? ==> Synchronisations- und Inklusionsmaschine (räumliche Verdichtung) Nassehi --> Differenzierung verschiedener Funktionssysteme (funktionale Differenzierung als Systemtheorie) ==> Wie Verhalten sich Funktion und Raum zueinander --> Interaktionserdichtung = Folge der räumlichen Möglichkeit funktionaler Verknüpfungen Städte immer wieder synchronisiert und auf selbe Zeit geeicht Divergenz zwischen Inklusion grundlegend für städtische Gesellschaft Rolle der städtischen Funktionen bildet kein harmonisches Ganzes, aber unterschiedliche Funktionen agieren miteinander (sachliche und soziale Dimensionen müssen gemeinsam miteinander existieren) Er sieht Städte gekennzeichnet durch eine Gleichzeitigkeit des Unterschiedlichen auf sozialer, sachlicher und zeitlicher Dimension. Städte erscheinen als Orte, an denen unterschiedliche soziale Ereignisse gleichzeitig sichtbar werden und damit einen synchronen Raum aufspannen, der als der städtische Raum erscheint. Funktionssysteme und sozialer Raum stehen zueinander in einem widersprüchlichen Verhältnis. Städte stellen besondere Formen räumlicher Verdichtung dar. Die Funktion der Städtebildung für den Modernisierungsprozess lag im Übergang von der Inklusion in multifunktionale Einheiten zur synchronen Multiinklusion. Der Erfolg der Stadt ist davon abhängig, ob es ihr gelingt, das Operieren der Funktionssysteme mit sozialen Unterschieden zu versöhnen. Entscheidend für die Stadt ist nicht die Ungleichheit als solche, sondern die Tatsache, dass die als ungleich wahrgenommenen Elemente sich in ein und demselben Raum befinden, also potenziell sichtbar werden.