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Biologie (Subject) / ÖEB - Verhalten (Lesson)
ÖEB - Verhalten
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- Für die Verhaltensbiologie ist charakteristisch, dass sie Erklärungen auf vier unterschiedlichen Ebenen angibt. Geben Sie für ein beliebiges Verhalten(sphänomen) eine kausale, eine lebensgeschichtliche, eine funktionale und eine stammesgeschichtliche Auf die Frage: Warum singt ein Buchfink? könnte man antworten:(1) Weil das Überschreiten einer bestimmten Tageslänge im Frühjahr zusammen mit dem Anblick eines weiblichen Artgenossen zur Produktion des Sexualhormons Testosteron in den Gonaden führt, das dann mit dem Blutstrom in das ZNS transportiert wird, wo es bestimmte Kerngebiete aktiviert, von wo aus dann ein spezifisches, zeitlich organisiertes Impulsmuster an die zum Singen notwendigen Muskeln geleitet wird. Dies ist eine kausale Erklärung. Verdeutlicht wird der Mechanismus des Verhaltens. (2) Man könnte auf dieselbe Frage aber auch antworten, ein Buchfink singt, weil er es von seinem Vater während einer sensiblen Phase gelernt hat. Dies ist eine lebensgeschichtliche oder ontogenetische Erklärung. (3) Man könnte drittens antworten, ein männlicher Buchfink singt, um Weibchen anzulocken und Rivalen fernzuhalten. Dies ist eine funktionale Erklärung, die verdeutlicht, welchen Anpassungswert das Ausführen dieses Verhaltens für den Vogel hat. (4) Letztlich kann die Frage auch folgendermaßen beantwortet werden: Ein Buchfink singt so, wie er singt, weil er unter den Vögeln zu den Oscines oder Singvögeln gehört und von Vorfahren abstammt, die auch schon gesungen haben. Dies ist eine stammesgeschichtliche Erklärung, die das Verhalten aus seiner Phylogenese heraus begründet.
- Erläutern Sie den Begriff der Domestikation und beschreiben Sie die Auswirkungen auf Stresshormone und Verhalten. Charakteristisch für die Domestikation oder Haustierwerdung ist das Züchten von Tieren in Menschenobhut. Damit kommt es zum Ersatz der natürlichen Selektion durch eine künstliche Zuchtwahl (artifizielle Selektion), die unter Umständen in eine völlig andere Richtung zielen kann. Tierarten, die diesem veränderten Selektionsdruck ausgesetzt sind, unterscheiden sich in der Regel durch eine Reihe von Merkmalen von ihrer wild-lebenden Stammform (Domestikationsmerkmal) und werden als domestiziert bezeichnet (zum Beispiel alle Haustiere).Typische Domestikationsmerkmale sind eine verstärkte Variabilität bzgl. Körpergröße, Körpergestalt und Färbung. Häufig kommt es zu einer Abnahme des Hirngewichtes, was aber nicht mit Defiziten in den kognitiven Leistungen einhergehen muss. Im Verhalten werden in der Regel eine verminderte Aggressivität, eine Zunahme des Werbe- undSexualverhaltens (Hypersexualisierung), eine verstärkte Vokalisation und eine verminderte Aufmerksamkeit gegenüber Außenreizen gefunden. Mit ihren hormonellen Stressreaktionen- beispielsweise der Ausschüttung von Adrenalin und Noradrenalin - reagieren Wildtiere wesentlich stärker auf Umweltreize als ihre domestizierten Artgenossen.Die domestikationsbedingten Veränderungen in Physiologie und Verhalten können keinesfalls als degenerierte Merkmale angesehen werden; vielmehr erleichtern sie es den Haustieren, sich an die vom Menschen geschaffenen Haltungsbedingungen anzupassen.
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