Sozialpsychologie (Subject) / Stereotype und Vorurteile (Lesson)

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Definition: Stereotyp und Vorurteil, Beispiele/Auswirkungen von Stereotypen und Vorurteilen, Ursachen von Stereotypen und Vorurteilen, Abbau von Stereotypen und Vorurteilen

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  • Wie lautet die Definition von Stereotypen? Vorurteile sind Einstellungen und bestehen daher aus einer affektiven/emotionalen Komponente (Vorurteil), einer kognitiven Komponente (Stereotyp) und einer Verhaltenskomponente (Diskriminierung). Prinzipiell gibt es positive und negative Vorurteile, normalerweise ist der Begriff aber vorbehalten für eine negative Bewertung. Vorurteile sind also eine feindselige oder negative Einstellung gegenüber Menschen einer bestimmten Gruppe, die nur auf ihrer bloßen Mitgliedschaft in dieser Gruppe basiert. Ein Stereotyp ist eine Generalisierung über eine Gruppe von Menschen, bei der man allen Mitgliedern der Gruppe identische Eigenschaften zuschreibt, ohne Beachtung gegebener Variationen unter den Mitgliedern. Altbekanntes ist resistent gegenüber Veränderung aufgrund neuer Information und praktisch, da man Zeit und Energie spart. In dem Maße, wie Stereotype blind machen für individuelle Unterschiede innerhalb einer Gruppe, sind sie jedoch unangepasst und ungerecht. Diskriminierung ist eine ungerechtfertigte negative oder schädliche Handlung gegen ein Mitglied ener Gruppe, lediglich wegen seiner/ihrer Zugehörigkeit zu dieser Gruppe. Durch konfirmatorische Fragetechniken und selbsterfüllende Prophezeiungen werden Stereotype oft bestätigt (unwillkürlich/automatisch).  
  • Was hat stereotype threat für eine Auswirkung auf Leistungen bei Tests? Stereotype threat ist die Besorgnis von Mitgliedern einer Minderheitsgruppe, dass ihr Verhalten ein Stereotyp bestätigen könnte. Afroamerikaner schneiden besonders schlecht ab, wenn sie davon ausgehen, dass sie einen intellektuellen Leistungstest bearbeiten vs. an Standardisierung mitwirken (noch stärker, wenn die Rasse salient gemacht wird).
  • Welche Ursachen für Stereotype gibt es? Stereotype könnten angeboren sein, da Tiere instinktiv ihnen genetisch ähnliche Lebewesen besser behandeln als unähnliche.  Zudem tragen Schemata und Heuristiken und damit verbundene falsche Erinnerungen zur Bildung von Stereotypen bei. Inhalte von Vorurteilen werden außerdem gelernt. Aufgrund von normativen Regeln und unserer Neigung zur Konformität übernehmen wir Stereotype. Stereotype sind zum Teil institutionalisiert. Stereotype Informationen sind im Übermaß vorhanden und diskriminierendes Verhalten ist die Regel (z.B. insitutionalisierter Rassismus oder Sexismus).
  • Erkläre soziale Kategorisierung als weitere Ursache für Stereotype und nenne auch eine passende Studie. Soziale Kategorisierung bedeutet, dass Reize gemäß ihrer Ähnlichkeit gruppiert werden. Man muss also nicht auf jeden Reiz so reagieren als wäre er neu. Dabei entsteht eine in-group und eine out-group, was mit Eigengruppen-Bevorzugung und Fremdgruppen-Homogenität einhergeht.  Eigengruppen-Bevorzugung entsteht bereits unter minimalen Bedingungen. Individuen versuchen, ihren Selbstwert zu stärken, indem sie sich mit Gruppen identifizieren. Dies funktioniert nur, wenn die Gruppe als anderen überlegen wahrgenommen wird. Bei einer Studie mit 2 konkurrierenden Universitäten bei der Eigen- und Fremdgruppe vorhergesagt werden, wie viele Mitglieder der Gruppe die gleiche Wahl treffen würde wie ein Beispielvertreter. Wenn man etwas über ein Fremdgruppen-Mitglied weiß, hat man eher das Gefühl, etwas über alle von ihnen zu wissen.
  • Erkläre automatische Aktivierung als weitere Ursache für Stereotype und nenne auch 3 passende Studien. Auch nicht vorurteilsbeladenen Personen sind Stereotype bekannt, da sie automatisch aktiviert werden. Ob sie geäußert werden, kann aber kontrolliert werden. Bei einer Studie sollte ein weißer und ein schwarzer Debattierer hinsichtlich seines Argumentationsgeschicks beurteilt werden. Die beiden wurden immer gleich beurteilt, außer es fiel ein rassistischer Kommentar. Dann wurde das Argumentationsgeschick des Schwarzen als armseliger beurteilt. Die automatische Aktivierung läuft nach einem Zweistufenmodell ab. Die erste Stufe stellt ein automatischer Prozess dar, in dem Stereotype aktiviert werden, ohne dass wir das verhindern können. Die zweite Stufe ist ein kontrollierter Prozess. Menschen ohne Vorurteile können Stereotype mit kontrollierter Verarbeitung unterdrücken oder übergehen, außer sie sind beschäft, müde oder abgelenkt. Wenig vorurteilsbelastete Studierende unterschieden sich auf der Ebene der automatischen Prozesse nicht von den stark vorurteilsbelasteten. Bei einer Studie wirkte eine subliminale Präsentation rassistischer Begriffe bei beiden Gruppen negativ auf eine nachfolgende Personenbewertung. Es bestand jedoch ein großer Unterschied beim Auflisten von Wörtern, die schwarze Amerikaner beschreiben. Bei einer späteren Studie zeigte sich dennoch eine hohe interindivuduelle Variabilität bei der automatischen Verarbeitung negativer Stereotype. Bei einer Studie sollten Probanden durch Tastendruck angeben, ob das präsentierte Wort positiv oder negativ ist. Zum Teil wurden unmittelbar vor dem Wort weiße oder schwarze Gesichter gezeigt. Nur bei einem Teil der Probanden führte das schwarze Gesicht zu schnellerem Erkennen von negativen Wörtern und langsameren von postiven. Diese Probanden reagierten auch tendenziell unfreundlicher auf eine afroamerikanische Versuchsleiterin.
  • Erkläre illusorische Korrelation als weiter Ursache von Stereotypen? Wenn die Erwartung besteht, dass zwei Dinge miteinander in Beziehung stehen, machen wir uns selbst vor, dass es so ist. Illusorische Korrelationen treten am ehesten auf, wenn die Ereignisse oder Menschen besonders oder auffallend sind. Wenn durch zufällige Ereignisse (Kennenlernen von zwei Juden, die im Bankgeschäft sind) ein Zusammenhang hergestellt wird, wird man zukünftig eher Situationen bemerken, die in diese Richtung gehen und andere ignorieren. Fernsehen, Zeitungen, etc. schaffen illusorische Korrelationen.
  • Erkläre den ultimativen Attributionsfehler als weitere Ursache von Stereotypen. Der fundamentale Attributionsfehler wird auf eine komplette Gruppe übertragen, nämlich die Fremdgruppe. Stereotype sind negative dispositionale Attributionen und situative Aspekte, die zu Verhalten führen, werden unterschätzt. Häufig wird sogar den Individuen die Schuld für ihre Opferrolle gegeben, da wir bestrebt sind, die Welt als gerechten Platz anzusehen. Selbst wenn von zwei Personen, die dasselbe Ergebnis erreicht haben, aufgrund eines Münzwurfs nur eine belohnt wird, geht man davon aus, dass der Verlierer weniger hart gearbeitet hat.
  • Erkläre selbsterfüllende Prophezeiung als weitere Ursache von Stereotypen und nenne auch eine passende Studie. Selbsterfüllende Prophezeiungen haben dieselbe Wirkung wie im Falle der Interaktion mit Individuen. Unsere Erwartung bestimmt unser Verhalten, welches das Verhalten der Person beeinflusst. Bei einer Studie sollten weiße Studenten weiße und schwarze Jobbewerber interviewen. Interviewer saßen weiter entfernt von Afroamerikanern, stotterten eher und beendeten die Interviews früher. Auch weiße Bewerber wurden unter diesen Bedingungen als nervöser und weniger tüchtig wahrgenommen.
  • Erkläre die Theorie des realistischen Gruppenkonflikts als weitere Ursache von Stereotypen. Begrenzte Ressourchen führen zu Konflikten zwischen Gruppen und münden in Vorurteilen und Diskriminierung. Dafür gibt es empirische Belege wie eine Korrelation von Baumwollpreis und Lynchmorden an Afroamerikanern 1982 - 1930. Weitere Beispiele sind Araber und Israelis, türkische und deutsche arbeitslose Jugendliche, etc.
  • Können Stereotype durch die Versorgung mit Informationen abgebaut werden? Unter welchen 6 Bedingungen reduziert Kontakt Vorurteile? Nenne auch ein Beispiel. Durch Versorgung mit Informationen können Vorurteile nicht abgebaut werden aufgrund der emotionalen Natur der Vorurteile und kognitiver Fehler. Unter folgenden 6 Bedingungen kann Kontakt jedoch Vorurteile reduzieren. Wechselseitige Abhängigkeit gemeinsames Ziel gleicher Status Kontakt in freundlicher, informeller Umgebung, also nicht in einem Raum, in dem Gruppen getrennt bleiben können Kontakt mit mehreren Mitgliedern, da man zur Überzeugung kommen muss, dass diejenigen, die man kennen lernt, typische Vertreter sind soziale Normen, die Gleichheit zwischen Gruppen fördern und unterstützen Eine Klasse wird in Lerngruppen mit je 6 Schülern eingeteilt. Jeder Schüler erhält einen Teil des Lernmaterials und die Teile müssen wie Puzzleteile zusammengesetzt werden, bevor man das ganze Bild verstehen kann. Es zeigte sich eine Abnahme von Stereotypen und Vorurteilen und eine Zunahme von Symphatie. Dies ist möglich, da Grenzen zwischen Eigen- und Fremdgruppe niedergerissen werden und es zu einer Dissonanzreduktion kommt. Wenn man zum Wohle Anderer handelt, ändert sich auch die Einstellung und die Empathie-Fähigkeit wird gestärkt.
  • Wie kann impliziter Rassismus durch Heuchelei reduziert werden? Eine Konfrontation mit der eigenen Scheinheiligkeit kann zur Reduktion des Rassismus führen. Positionen ohne Rassismus sollen anderen durch einen überzeugenden Aufsatz nachgebracht werden. Thema des Aufsatzes könnte zum Beispiel sein warum Studierende, die Minoritäten angehören, fair behandelt werden müssen. Nach dem Schreiben haben implizite Rassisten mehr Schuldgefühle, was zu einer sichtbaren Minderung von expliziten und impliziten Vorurteilen führt.