Unternehmensführung (Subject) / Außenhandelstheorien (Lesson)

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klassische AHT, Theorie d. Direktinvestition

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  • Klassische Außenhandelstheorien – Theorie der absoluten Kostenvorteile (Smith) Entstehung von economies of scale bei Produktion (durch Spezialisierung) oder unterschiedliche Kostenstrukturen von Ländern Außenhandel ist ökonomisch sinnvoll, wenn die absoluten Produktionskosten eines Gutes in einem Land höher und die eines anderen Gutes niedriger als in einem anderen Land sind
  • Klassische Außenhandelstheorien – Theorem der komparativen Kostenvorteile (Ricardo) Kernaussage: Außenhandel kommt bereits zustande, wenn ein Land beide Güter kostengünstiger als das andere Land produzieren kann, die Kostendifferenzen aber unterschiedlich sind Gesamtwohlfahrtsgewinn wird erzielt, wenn sich das Land, das beide Güter kostengünstiger als das andere produzieren kann, auf die Produktion des Gutes spezialisiert, bei dem die komparativen Kostenvorteile größer sind
  • Klassische Außenhandelstheorien – Faktorpro- portionen-Theorem (Heckscher, Ohlin) Kernaussage: Arbeit ist durch natürliche und technologische Bedingungen in einigen Ländern wie in Deutschland relativ knapper und damit teurer, Kapital dagegen relativ reichlicher und damit preiswerter (und vice versa, siehe Polen) Spezialisierung und Außenhandel ist ökonomisch sinnvoll, da hierdurch in jedem Land der relativ teurer Produktionsfaktor eingespart werden kann (Import des entsprechenden Gutes) -> Deutschland würde kapitalintensive Güter exportieren und arbeitsintensive Güter importieren
  • Klassische Außenhandelstheorien – Theorie der technologischen Lücke (Posner) [Kernaussage, Zeitlicher Ablauf] Kernaussage: Grund für Außenhandel sind unterschiedlich technologischer Entwicklungsstand und timelag zwischen technologischer Innovation in Land A und deren Imitation in Land B. es geht nicht vordergründig um Kostenvorteile, sondern um Technologievorteile (Verfahrens- und Produktinnovationen) und damit um Erlöse -> Differenzierungsvorteile t=0 Beginn der Produktion eines innovativen Produktes durch deutsches Unternehmen, Nachfrage vorerst nur in Deutschland t=1 Konsumenten in den USA erhalten Kenntnis von Produkt -> Beginn Export zwischen t=0 und t=1 ist eine Nachfragelücke t=2 Exporttätigkeit des deutschen Unternehmens schwächt ab, Produktion in den USA beginnt zwichen t=0 und t=2 ist eine Imitationslücke -> Erfoderliche Zeit zur Nachahmung t=3 Export D versiegt ganz, Produktion sinkt in D und steigt in den USA (ggf. Export nach D aufgrund von Technologie- und/ oder Kostenvorteilen) technologischer Lückenhandel: Handel ist entstanden, weil es eine gewisse Zeit braucht, bis die Technologie eines Landes von einem anderen Land imitiert wird.
  • Kritische Beurteilung der klassischen Außenhandelstheorien mangelnde Eignung der Außenhandelstheorien für abschließende Erklärung der Internationalisierung von Unternehmen Fokus auf volkswirtschaftliche Perspektive Vernachlässigung unternehmensspezifischer Motive der Internationalisierung mangelnde Realität der Annahmen (völlig immobile Produktionsfaktoren) Export und Import sind erklärbar; aber nicht erklärbar z.B. ist, warum ein Unternehmen ausländische Direktinvestitionen vornimmt
  • Theorie der Direktinvestition [Definition Direktinvestition] Direktinvestitionen sind Kapitaltransfers ins Ausland, die "vom Investor in der Absicht vorgenommen werden, einen unmittelbaren Einfluss auf die Geschäftstätigkeit des kapitalnehmenden Unternehmens zu gewinnen oder einem Unternehmen, an dem der Investor maßgeblich beteiligt ist, neue Mittel zuzuführen" (Deutsche Bundesbank, 1965).
  • Merkmale ausländischer Direkt- und Portfolioinvestitionen [Motive, transferierte Ressourcen, Anlageformen, Zeithorizont] Direktinvestition Motive: Ertrags- und Kontrollmotivetransferierte Ressourcen: Kapital, Anlagegüter, Technologie, Mitarbeiter, Know-HowAnlageformen:Anteile am Grund- bzw. Stammkapital bestehender Unternehmen, UnternehmensgründungenZeithorizont: langfristig Portfolioinvestition Motive: Ertrags- und Risikomotive transferierte Ressourcen: Kapital Anlageformen: Aktien, Oligationen, Immobilien- und Investmentfonds Zeithorizont: kurz- bis mittelfrstig
  • Diamant-Ansatz der Internationalisierung (Porter) [Grundlagen, Modell] Grundlagen Beobachtung: „global champions" stammen häufig aus dem gleichen Land (Maschinenbauindustrie in Deutschland, Elektronikindustrie in Japan, Filmindustrie in den USA) These: Bildung regionaler Cluster mit besonders günstigen Bedingungen, die es ermöglichen, international tätig zu werden und in anderen Ländern Wettbewerbsvorteile gegenüber dort ansässigen Unternehmen zu erringen Modell Vier Bestimmungsfaktoren und zwei ergänzende Faktoren nationaler Wettbewerbsvorteile: Unternehmensstrategie, Struktur und Wettbewerb kulturbedingte Unternehmens- und Managementmodelle, Führungsstile und Organisationsstrukturen haben Einluss auf Wettbewerbfähigkeit straker inländischer Wettbewerb als Anreiz zu: Internationalisierung Überwindung Abhängigkeit von Basisfaktoren Nachfragebedingungen (Höhe und Art der Inlandsnachfrage) anspruchvolle Nachfrager erzeugen Innovationsdruck Vewandte und unterstützende Branchen Upstream- und Downstream-Branchen Starke inländische Zulieferer ermöglichen Innovations- Aufwertungs- und Verbesserungsprozesse Faktorbedingungen Produktionsfaktoren eines Landes -> nur temporär von Bedeutung fortschrittliche Faktoren -> Fähigkeit Produktionsfaktoren zu nutzen und daraus Innovation zu generieren Staat (Förderung/Behinderung nationaler Wettbewerbsvorteile) Beeinflussung durch vier Bestimmungfaktoren Gesetzgebung Subventionen Garantien eigene Nachfrage Zufall (Ergebnisse ausserhalb der Herrschaftsgewalt eines Unternehmens)
  • Kritische Beurteilung des Diamant-Ansatzes der Internationalisierung Verdienst: umfassende Gesamtkonzeption, empirische Testung mangelnde theoretische Fundierung geringe Fähigkeit zur Prognose und Ableitung von Handlungsempfehlungen Vernachlässigung der Bedeutung multinationaler Unternehmungen (zu starker Fokus auf Heimatland)
  • Theorie der Direktinvestition – Produktlebenszyklustheorie (Vernon) [Kernaussage, Annahmen] Kernaussage:Zur Auslandstätigkeit kommt es erst in einer fortgeschrittenen Phase des Produktlebenszyklus. Dabei werden zunächst Exporte getätigt und erst später Direktinvestitionen vorgenommen. Die Produktion verlagert sich von einem Industrieland in ein Entwicklungsland. Annahmen: Produkte durchlaufen verschiedene Entwicklungsstadien bzgl. Produktions- und Absatz-bedingungen (Diffusionsforschung: Untersuchung des Prozesses der Durchsetzung von Innovationen in sozialen Systemen) Möglichkeit der Erzielung von Massenproduktionsvorteile (economies of scale) Nachfragepräferenzen in einzelnen Ländern ähnlich, aber zeitlich verlagert – in Abhängigkeit von der Einkommensentwicklung
  • Theorie der Direktinvestition – Produktlebenszyklustheorie (Vernon) [Zyklen] 1. Innovationsphase: Entwicklung eines neuen Produkts- Monopolstellung, - Nachfrage relativ preisunelastisch, - Produktion und Konsum nur im Heimatland (hohe Flexibilität und hoch qualifizierte Mitarbeiter notwendig) 2. Exportphase: Produkt erlangt Bekanntheitsgrad im Ausland- Unternehmen im Ausland verfügen noch nicht über neue Technologien (Theorie der technologischen Lücke), - Export 3. Direktinvestitionsphase: steigende Auslandsnachfrage- hoher Standardisierungsgrad des Produktes erlaubt Massenproduktion- keine hoch qualifizierten Mitarbeiter notwendig - Produktionsstätten im Ausland 4. Reimportphase: Nachfrage Inland < Ausland- Konkurrenz,- Preiselastizität steigt;- Kosten und damit Standort als zentraler Wettbewerbsfaktor - komplette Verlagerung der Produktion in Entwicklungsländer (komparativer Vorteil)
  • Kritische Beurteilung der Produktlebenszyklustheorie Quelle unternehmensspezifischer Vorteile, die zu Innovationen führt, nicht hinreichend erklärt Phaseneinteilung relativ willkürlich und wenig operational zunehmende Verwischung der Konturen länderspezifischer Produktlebenszyklen durch bessere länderübergreifende Informationsmöglichkeiten der Konsumenten und erhöhten internationalen Wettbewerbsdruck Erklärungsgehalt im Zuge der Globalisierung nimmt ab Gültigkeit des Phasenverlaufes (Überspringen/Beschleunigung einzelner Phasen, siehe born global firms) Theorie eignet sich insbesondere für mittelständischen Unternehmen mit geringem Internationalisierungsgrad und für technologische Innovationen mit hoher Komplexität Eignung für ex post-Analysen (aufgrund des schlechten Vorhersagbarkeit des konkreten Verlaufs) und weniger zur Ableitung unternehmungspolitischer Handlungsempfehlungen Lebenszyklus keine exogene Größe, sondern durch unternehmenspolitische Maßnahmen und Entscheidungen der Konkurrenz beeinflusst
  • Die Verhaltenstheorie (Aharoni) [Kernaussage, Problemstellung] Kernaussage:Die Auslandstätigkeit ist das Ergebnis eines Verhandlungsprozesses zwischen verschiedenen Koalitionen von Entscheidungsträgern einer Unternehmung mit unterschiedlichen Einstellungen, Erfahrungen und Interessen. Problemstellung Unvollkommene Informationen, begrenzte Informationsverarbeitungs- und Problemlösungskapazitäten der Entscheidungsträger führen zu Risikoaversion -> nur begrenzt rationales Handeln Bewertungsparameter: eher Satisficing als Optimizing
  • Die Verhaltenstheorie (Aharoni) [Vier Phasen der Internationalisierungsentscheidung] Initialphase Interne Anstöße (z.B. individuelles Interesse eines Topmanagers) Externe Anstöße z.B. Vorschläge von Externen (ausländische Händler etc.) Bedrohungen von Auslandsmärkten (z.B. hohe Zollschranken etc.) Mitläufer-Effekte (horizontal, vertikal) Kreuzinvestitionsstrategien Bewertungsphase Evaluierung der Investitionsmöglichkeiten Entscheidungsphase Entscheidung und deren Durchsetzung in der Gesamitorganisation Nachprüfung und Nachverhandlung bei Widerständen Nachverhandlung oder sogar Revision
  • Die Verhaltenstheorie (Aharoni) [Kritsiche Beurteilung] Zentrale Bedeutung der Theorie: Erklärung nicht rationaler und damit aus ökonomischer Sichtweise häufig suboptimaler Investitionsentscheidungen Empirische Studien bestätigen Aharoni‘s Theorie: Zahl des internationalen Engagements einer Unternehmens ist umso größer, je größer die Erfahrungen des Top-Managements japanische Automobilzulieferer investieren v.a. in denjenigen Ländern, in denen ihre abnehmenden Automobilhersteller tätig werden (Kreuzinvestitionsstrategie) innovativer Erklärungsansatz, sinnvolle Ergänzung zu ökonomischen Theorien schwierige Operationalisierbarkeit der Verhaltensannahmen basierend auf Einstellungen und Erfahrungen von Führungskräften Theorie eher für Erstinvestitionen von Unternehmen mit geringer internationaler Erfahrung anwendbar, da Unsicherheit und Risikoaversion der Entscheidungsträger mit zunehmender internationaler Aktivität/Erfahrung abnehmen