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Klin (Subject) / Klinische Begriffe (Lesson)

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  • Unterscheidung (bei Dissoziativen Störungen): - Depersonalisation - Derealisation - Detachment Depersonalisation: subjektives Gefühl von Fremdheit, Irrealität, Abtrennung und Ungewohntheit dem eigenen Selbst, seinen Handlungen und seiner Umgebung gegenüber. Derealisation: subjektive Erfahrung von Veränderungen in den räumlichen und zeitlichen Beziehungen seiner Umgebung gegenüber, sodass z.B. eine bis dahin neutrale Umgebung plötzlich sehr bekannt („dèjá-vu“), befremdlich unbekannt oder in anderer Weise verändert erscheinen kann. Detachment (Selbstentfremdung): Gefühl der Losgelöstheit von eigenen Erfahrungen (zumeist zeitgleich während traumatischer Belastungen), z.B. eine die eigenen Traumaerfahrungen beobachtende Identität, die neben sich tretend dem Traumageschehen zuschaut.
  • Allgemeine Kriterien für Störungen im Kindes- und Jugendalter (Wann wird Verhalten oder Erleben als abnorm bezeichnet?) Wenn es:-  altersunangemessen ist, wie z. B. Trennungsängste im Schulalter,-  zeitstabil  ist, d. h. persistierend über einen längeren Zeitraum wie z.B. eine Schulunlust, die nicht nur vorübergehend ist, sondern sich in dauerhafter Schulverweigerung manifestiert,-  syndromal ist, d. h. nicht nur als isoliertes Symptom auftritt, sondern in Kombination mit mehreren Symptomen (Syndrom),-  entwicklungspertubierend  ist, d. h. wenn es sich um ein Symptom handelt, das tief in die Entwicklung und das Leben eines Kindes eingreift, wie z. B. gestörte soziale Beziehungen zu Gleichaltrigen,-  eine ausgeprägte Schwere und Häufigkeit aufweist,-  situationsübergreifend ist, d. h. wenn sich dasselbe Verhalten in unterschiedlichen Situationen zeigt.
  • Gemeinsamkeiten aller Entwicklungsstörungen (Beginn, Verlauf, betroffene Bereiche) - Beginn ausnahmslos im Kleinkindalter oder in der Kindheit;- eine Entwicklungseinschränkung oder -verzögerung von Funktionen, die eng mit der biologischen Reifung des Zentralnervensystems verknüpft sind;- stetiger Verlauf ohne Remissionen und Rezidive.- In den meisten Fällen sind unter anderem die Sprache, die visuell-räumlichen Fertigkeiten und die Bewegungskoordination betroffen. In der Regel bestand die Verzögerung oder Schwäche vom frühestmöglichen Erkennungszeitpunkt an. Mit dem Älterwerden der Kinder vermindern sich die Störungen zunehmend, wenn auch geringere Defizite oft im Erwachsenenalter zurückbleiben.
  • F80 Umschriebene Entwicklungsstörungen des Sprechens und der Sprache (Beschreibung, Unterkategorien) -  Störungen, bei denen die normalen Muster des Spracherwerbs von frühen Entwicklungsstadien an beeinträchtigt sind. -  können nicht direkt neurologischen Störungen oder Veränderungen des Sprachablaufs, sensorischen Beeinträchtigungen, Intelligenzminderung oder Umweltfaktoren zugeordnet werden. -  ziehen oft sekundäre Folgen nach sich, wie Schwierigkeiten beim Lesen und Rechtschreiben, Störungen im Bereich der zwischenmenschlichen Beziehungen, im emotionalen und Verhaltensbereich. F80.0 Artikulationsstörung F80.1 Expressive Sprachstörung F80.2 Rezeptive Sprachstörung F80.3 Erworbene Aphasie mit Epilepsie  F80.8 Sonstige Entwicklungsstörungen des Sprechens oder der SpracheF80.9 Entwicklungsstörung des Sprechens oder der Sprache, n. n. b.
  • F81 Umschriebene Entwicklungsstörungen schulischer Fertigkeiten (Beschreibung, Unterkategorien) -  Störungen, bei denen die normalen Muster des Fertigkeitserwerbs von frühen Entwicklungsstadien an gestört sind. -  nicht einfach Folge eines Mangels an Gelegenheit zu lernen; -  nicht allein als Folge einer Intelligenzminderung oder irgendeiner erworbenen Hirnschädigung oder -krankheit aufzufassen. F81.0 Lese- und Rechtschreibstörung F81.1 Isolierte Rechtschreibstörung F81.2 Rechenstörung F81.3 Kombinierte Störungen schulischer Fertigkeiten F81.8 Sonstige Entwicklungsstörungen schulischer Fertigkeiten F81.9 Entwicklungsstörung schulischer Fertigkeiten, n. n. b.
  • F81 Lese- und Rechtschreibstörung (wesentliche Merkmale) -  Hauptmerkmal: umschriebene und bedeutsame Beeinträchtigung in der Entwicklung der Lesefertigkeiten, -  Nicht allein durch das Entwicklungsalter, Visusprobleme oder unangemessene Beschulung erklärbar. -  Das Leseverständnis, die Fähigkeit, gelesene Worte wieder zu erkennen, vorzulesen und Leistungen, für welche Lesefähigkeit nötig ist, können sämtlich betroffen sein. -  Bei umschriebenen Lesestörungen sind Rechtschreibstörungen häufig und persistieren oft bis in die Adoleszenz, auch wenn einige Fortschritte im Lesen gemacht werden. -  Umschriebenen Entwicklungsstörungen des Lesens gehen Entwicklungsstörungen des Sprechens oder der Sprache voraus. -  Während der Schulzeit sind begleitende Störungen im emotionalen und Verhaltensbereich häufig.
  • F81.1 Isolierte Rechtschreibstörung (wesentliche Merkmale) -  Störung, deren Hauptmerkmal in einer umschriebenen und bedeutsamen Beeinträchtigung der Entwicklung von Rechtschreibfertigkeiten besteht, ohne Vorgeschichte einer Lesestörung. -  Nicht allein durch ein zu niedriges Intelligenzalter, durch Visusprobleme oder unangemessene Beschulung erklärbar. -  Die Fähigkeiten, mündlich zu buchstabieren und Wörter korrekt zu schreiben, sind beide betroffen.
  • F81.2 Rechenstörung (wesentliche Merkmale) -  Diese Störung besteht in einer umschriebenen Beeinträchtigung von Rechenfertigkeiten, -  die nicht allein durch eine allgemeine Intelligenzminderung oder eine unangemessene Beschulung erklärbar ist. -  Das Defizit betrifft vor allem die Beherrschung grundlegender Rechenfertigkeiten, wie Addition, Subtraktion, Multiplikation und Division, weniger die höheren mathematischen Fertigkeiten, die für Algebra, Trigonometrie, Geometrie oder Differential- und Integralrechnung benötigt werden.
  • F82 Umschriebene Entwicklungsstörung der motorischen Funktionen (Beschreibung) -  Hauptmerkmal: schwerwiegende Entwicklungsbeeinträchtigung der motorischen Koordination,-  nicht allein durch eine Intelligenzminderung oder eine spezifische angeborene oder erworbene neurologische Störung erklärbar. -  In den meisten Fällen zeigt eine sorgfältige klinische Untersuchung dennoch -  deutliche entwicklungsneurologische Unreifezeichen -  ebenso wie Zeichen einer mangelhaften fein- oder grobmotorischen Koordination.
  • F84 Tief greifende Entwicklungsstörungen (Beschreibung, Unterkategorien) -  Gruppe von Störungen, gekennzeichnet durch qualitative Abweichungen in den wechselseitigen sozialen Interaktionen und Kommunikationsmustern -  und durch ein eingeschränktes, stereotypes, sich wiederholendes Repertoire von Interessen und Aktivitäten. -  Diese qualitativen Auffälligkeiten sind in allen Situationen ein grundlegendes Funktionsmerkmal des betroffenen Kindes.-  Sollen alle begleitenden somatischen Zustandsbilder und eine Intelligenzminderung angegeben werden, sind zusätzliche Schlüsselnummern zu benutzen. F84.0 Frühkindlicher Autismus F84.1 Atypischer Autismus F84.2 Rett-Syndrom F84.3 Andere desintegrative Störung des Kindesalters F84.4 Überaktive Störung mit Intelligenzminderung und Bewegungsstereotypien F84.5 Asperger-Syndrom F84.8 Sonstige tief greifende Entwicklungsstörungen F84.9 Tief greifende Entwicklungsstörung n.n.b.
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  • Generelle Merkmale von autistischen Störungen (soz. Interaktion, Kommunikation und Sprache, Verhaltensmuster und Interessen) Qualitative Auffälligkeiten der gegenseitigen sozialen Interaktion-  Vermeidung von Blickkontakten-  Monotone Gestik, Mimik, Tonfall (kaum soziales Lächeln)-  Kaum Interesse an Gleichaltrigen-  Geringe Fähigkeit, Aufmerksamkeit und Freude mit anderen zu teilen Qualitative Auffälligkeiten der Kommunikation und Sprache-  Reduzierte oder verzögerte Sprachentwicklung-  Kaum Nachahmung von Mimik, Handlungen-  Repetitive und stereotype Sprache-  Reduzierte Fähigkeit zur Emotionserkennung bei anderen Begrenzte, repetitive und stereotyper Verhaltensmuster, Interessen und   Fähigkeiten-  Nicht-funktionale Routinen und Rituale-  Repetitive, stereotype motorische Manierismen-  eng begrenzte Spezialinteressen
  • Bedeutung von geteilter / gemeinsamer Aufmerksamkeit für Autismus -  Triadische Koordination der Aufmerksamkeit zwischen dem Kind, einer anderen Person und einem Objekt (Gegenstand oder Ereignis)-  Wichtige Entwicklungsvoraussetzung für soziales Lernen-  Unfähigkeit, eine gemeinsame Aufmerksamkeit herzustellen, gilt als Frühsymptom und Schweregradzeichen für Autismus-  Einfachste Prüfung: Kind auf einen interessanten Gegenstand hinweisen und prüfen, ob seine Augen der angezeigten Richtung folgen-  Unfähigkeit ist bei frühkindlichem Autismus stärker als beim Asperger-Syndrom
  • F84.0 Frühkindlicher Autismus (wesentliche Merkmale) - Hauptmerkmal: abnorme oder beeinträchtigte Entwicklung, die sich vor dem dritten Lebensjahr manifestiert. außerdem gekennzeichnet durch ein charakteristisches Muster abnormer Funktionen in den folgenden psychopathologischen Bereichen: - in der sozialen Interaktion, - in der Kommunikation - und im eingeschränkten stereotyp repetitiven Verhalten. Neben diesen spezifischen diagnostischen Merkmalen zeigt sich häufig eine Vielzahl unspezifischer Probleme, wie Phobien, Schlaf-und Essstörungen, Wutausbrüche und (autodestruktive) Aggression.
  • F84.1 Atypischer Autismus (wann wird diese Diagnose vergeben?) unterscheidet sich vom frühkindlichen Autismus entweder:-  durch das Alter bei Krankheitsbeginn -  oder dadurch, dass die diagnostischen Kriterien nicht in allen genannten Bereichen erfüllt werden. -  Sollte immer dann verwendet werden, wenn die abnorme oder beeinträchtigte Entwicklung erst nach dem dritten Lebensjahr manifest wird und wenn nicht in allen für die Diagnose Autismus geforderten psychopathologischen Bereichen (nämlich wechselseitige soziale Interaktionen, Kommunikation und eingeschränktes, stereotyp repetitives Verhalten) Auffälligkeiten nachweisbar sind, auch wenn charakteristische Abweichungen auf anderen Gebieten vorliegen.    
  • F84.2 Rett-Syndrom (wesentliche Merkmale) -  Dieses Zustandsbild wurde bisher nur bei Mädchen beschrieben; nach einer scheinbar normalen frühen Entwicklung erfolgt ein teilweiser oder vollständiger Verlust *  der Sprache, *  der lokomotorischen Fähigkeiten *  und der Gebrauchsfähigkeiten der Hände - gemeinsam mit einer Verlangsamung des Kopfwachstums. - Beginn zwischen 7. und 24. Lebensmonat. - Verlust zielgerichteter Handbewegungen, Stereotypien in Form von Drehbewegungen der Hände und Hyperventilation sind charakteristisch. -  Sozial- und Spielentwicklung sind gehemmt, das soziale Interesse bleibt jedoch erhalten. -  Im 4. Lebensjahr beginnt sich eine Rumpfataxie und Apraxie zu entwickeln, choreo-athetoide Bewegungen folgen häufig. -  Es resultiert fast immer eine schwere Intelligenzminderung.
  • F84.5 Asperger-Syndrom (wesentliche Kriterien) -  Störung von unsicherer nosologischer Validität -  durch dieselbe Form qualitativer Abweichungen wechselseitiger sozialer Interaktionen, wie für den Autismus typisch, charakterisiert, zusammen mit eingeschränktem, stereotypen, sich wiederholenden Repertoire von Interessen und Aktivitäten. -  Unterscheidet sich vom Autismus in erster Linie durch fehlende allgemeine Entwicklungsverzögerung bzw. den fehlenden Entwicklungsrückstand der Sprache und der kognitiven Entwicklung. -  Die Störung geht häufig mit einer auffallenden Ungeschicklichkeit einher. -  Die Abweichungen tendieren stark dazu, bis in die Adoleszenz und das Erwachsenenalter zu persistieren. -  Gelegentlich treten psychotische Episoden im frühen Erwachsenenleben auf.
  • Inselbegabung / Idiot Savant (Prävalenz, Anteil Autisten, Geschlechterverhältnis, Ätiologie) - Extrem selten (50-100 Personen weltweit) - 50 Prozent der bekannten Inselbegabten sind Autisten. - 85 % der Inselbegabten sind männlich. Ätiologische Annahme: Schädigung der linken Hemisphäre verhindert höhere konzeptuelle Verarbeitung, erleichtert aber durch fehlende Hemmung Detailverarbeitung.
  • Prävalenz und Komorbidität von frühkindlichem Autismus (Wann manifestiert, Geschlechterverhältnis, Vorkommen, Komorbidität, Differenzialdiagnose) - Manifestation vor dem 3. Lebensjahr- Verhältnis Jungs zu Mädchen ca. 4:1- Vorkommen ca. 0,5-1% für autistische SpektrumsstörungenKomorbidität:-  Epilepsie, Tic- Störungen, Hyperaktivität, affektive Störungen, Autoaggression, Zwangsstörungen - Differentialdiagnosen: schwere Intelligenzminderung, umschriebene Entwicklungsstörungen der Sprache, Deprivationsfolgen, desintegrative Störungen.
  • Prävalenz und Komorbidität vom Asperger Syndrom (Geschlechterverhältnis, Erstauftreten, Vorkommen, Komorbidität) - Verhältnis Jungs zu Mädchen 8:1- unauffällige Entwicklung vor dem 3.Lj.- Vorkommen ca. 28,5/10 000 Komorbidität: - Psychosen, Tourette- Syndrom, Depression, Zwangsstörungen, ADHD
  • Genetische Befunde bei autistischen Störungen Heritabilität (Erblichkeit): > 90 %; Einfluss von Umgebungsfaktoren bei der Entstehung von autistischen Störungen ist zu vernachlässigen; nur Einfluss auf Verlauf, Entwicklungsstand -  Hohe Konkordanzraten für Autismus-Spektrumsstörungen bei eineiigen Zwillingen (EZ: 40-100%, ZZ: 0-30 %)-  Sporadische Fälle (10-20%) durch Spontanmutationen erklärbar
  • Makro-Strukturelle Auffälligkeiten des Gehirns bei Autisten Abweichungen in verschiedenen Hirnregionen:- im Cerebellum- im limbischen System- im Hirnstamm- in den Basalganglien- im Corpus Callosumerhöhtes Hirngewicht im Vergleich zur Normalpopulation - vergrößertes Volumen des Gehirns - bei der Geburt normal- bei 2-4- Jährigen Autisten -> 90% größeres Volumen als KG- 37% der autistischen Kinder erfüllen Kriterien für abnorm großes Gehirn- bei 8 bis 12- jährigen noch vergrößert- ab 12 Jahren nicht mehr vergrößert - Überproduktion weißer Substanz; unnötige Nervenzellverbindungen werden nicht abgebaut --> Hypothese: zielgerichtete, hierarchische Kommunikation zwischen den Nervenzellen dadurch verändert.
  • Neuropsychologische Defizite / verminderte zentrale Kohärenz bei Autisten - Störung der Verarbeitung komplexer Informationen- Informationen werden nicht kontextgebunden verarbeitet sondern nur als zusammenhangslose Einzelreize (-> geringe Kohärenz)- Autisten gelingt es eher Details aus einem Ganzen isoliert zu sehen als globale, zusammenhängende Strukturen (erinnern z.B. einzelne Wörter besser als Geschichten)- Defizite in den exekutiven Funktionen (Planung, Vorausschau, Flexibilität, Strategie etc.)- Defizite  in  „Theory  of  Mind  -“ Funktionen
  • Theory of Mind im Zusammenhang mit Autisten - „Theory  of  Mind“ – beschreibt die Fähigkeit, psychische Zustände (Gefühle und Gedanken) bei anderen Personen und bei sich selbst zu identifizieren- Schwäche der ToM führt zu bedeutsamen Einschränkungen, die Affekte und deren soziale und situative Bedeutung zu verstehen - Mimik, Gestik, Tonfall und Haltung unzureichend erkannt, weshalb keine angemessene Reaktion erfolgen kann- Autistische Kinder zeigen deutlich reduzierte Fähigkeit zur Imitation von Gesten, Mimik und Handlungen (bereits bei Kindern < 2 Jahren) - Störungen  im  „Spiegelneuronen-System“ angenommen
  • Tiefgreifende Entwicklungsstörung: Prognose für das Erwachsenenalter 60 bis 70% der Betroffenen leben ständig in Institutionen und sind sehr pflegebedürftig15 bis 20% zeigen deutliche Verhaltensauffälligkeiten und müssen daher zum Teil in Heimen mit pflegerischer Betreuung leben 5 bis 20% leben im Beruf und der Freizeit relativ normal, nehmen jedoch keine persönlichen Beziehungen auf1 bis 2% der führen ein relativ normales Leben   --> sehr starke Auswirkungen ins Erwachsenenalter hinein.
  • DSM-IV: Kriterien Somatisierungsstörung A. Eine Vorgeschichte mit vielen körperlichen Beschwerden, die vor dem 30. Lebensjahr begannen, über mehrere Jahre auftraten und zum Aufsuchen einer Behandlung oder zu deutlichen Beeinträchtigungenin sozialen, beruflichen oder anderen wichtigen Funktionsbereichen führten. B.  Jedes der folgenden Kriterien muss erfüllt gewesensein, wobei die einzelnen Symptome irgendwann im Verlauf der Störung aufgetreten sein müssen:1.  Vier Schmerzsymptome: eine Vorgeschichte vonSchmerzsymptomen, die mindestens vier verschiedene Körperbereiche oder Funktionen betreffen (z.B. Kopf, Abdomen, Rücken, Gelenke, Extremitäten, Brust, Rektum, während derMenstruation, während des Geschlechtsverkehrsoder während des Wasserlassens)2.    Zwei gastrointestinale Symptome: eine Vorgeschichte von mindestens zwei gastrointestinalen Symptomen außer Schmerzen (z.B. Übelkeit, Völlegefühl, Erbrechen außer während einerSchwangerschaft, Durchfall, Unverträglichkeit von verschiedenen Speisen)3.  Ein sexuelles Symptom: eine Vorgeschichte vonmindestens einem Symptom im Bereich Sexualitätoder Fortpflanzung außer Schmerzen (z.B. sexuelleGleichgültigkeit, Erektions- oder Ejakulationsstörungen, unregelmäßige Menstruationen, sehr starke Menstruationsblutungen, Erbrechen während der gesamten Schwangerschaft)4.  Ein pseudoneurologisches Symptom: eine Vorgeschichte von mindestens einem Symptom oder Defizit (nicht begrenzt auf Schmerz), das einen neurologischen Krankheitsfaktor nahe legt (Konversionssymptome wie z.B. Koordinations- oder Gleichgewichtsstörungen, Lähmungen oder lokalisierteMuskelschwäche, Schluckschwierigkeiten oder Kloßgefühl im Hals, Aphonie, Harnverhaltung, Halluzinationen, Verlust der Berührungs- oder Schmerzempfindung, Sehen von Doppelbildern, Blindheit, Taubheit, (Krampf-)Anfälle; dissoziative Symptome wie z.B. Amnesie oder Bewusstseinsverluste, jedoch nicht einfache Ohnmacht) C.  Entweder (1) oder (2):1.  Nach adäquater Untersuchung kann keines der Symptome von Kriterium B vollständig durch einen bekannten medizinischen Krankheitsfaktor oder durch die direkte Wirkung einer Substanz (z.B. Droge, Medikament) erklärt werden.2.  Falls das Symptom mit einem medizinischen Krankheitsfaktor in Verbindung steht, so gehen die körperlichen Beschwerden oder daraus resultierende soziale oder berufliche Beeinträchtigungen über das hinaus, was aufgrund von Anamnese, körperlicher Untersuchung oder den Laborbefunden zu erwarten wäre.D. Die Symptome sind nicht absichtlich erzeugt odervorgetäuscht (wie bei der vorgetäuschten Störung oder Simulation).
  • DSM-IV: Definition: Undifferenzierte somatoforme Störung Ein oder mehrere somatoforme Symptome Mindestdauer: 6 Monate (wird meistens vergeben, wenn nicht alle Symptome für Somatisierungsstörung erfüllt sind.)  
  • DSM-IV: Definition: Konversionsstörung Veränderung bzw. Verlust von willkürmotorischen Funktionen(z.B.Lähmung) oder sensorischen Funktionen (z.B. Blindheit,Taubheit), welche einen neurologischen Krankheitsfaktor nahelegen (ohne dass dieser besteht).Ein  Zusammenhang mit psychischen Faktoren wird angenommen,da Belastungsfaktoren/Konflikte dem Beginn oder der Exazerbationdes Symptoms vorausgehen.
  • DSM-IV: Definition: Schmerzstörung (+Differenzierung/Zusatzkodierung) Klinisch relevante Schmerzen in einem oder mehrerenanatomischen BereichenPsychische Faktoren sind bedeutsam für Beginn, Schweregrad,Exazerbation oder AufrechterhaltungDauer:- chronisch bei 6 Monaten oder länger;- akut bei weniger als 6 Monaten Kodiere:- in Verbindung mit psychischen Faktoren- in Verbindung mit psychischen und medizinischen Faktoren
  • DSM-IV: Definition: Hypochondrie Übermäßige Angst oder Überzeugung, eine schwere Krankheit zuhaben, die auf Fehlinterpretation körperlicher Beschwerden beruht;Fortbestehen trotz angemessener medizinischer Abklärung undRückversicherungMindestdauer: 6 Monate.
  • Prävalenzen der verschiedenen somatoformen Störungen somatoforme Störungen insgesamt:4-Wochen- Querschnittsprävalenz 7,5 % Größte Gruppe: Schmerzstörung und undifferenzierte somatoforme Störung Kleinste Gruppe: Vollbild der Somatisierungsstörung (0,01-0,84%), Vollbild der Hypochondrie (0,01-0,2%) und Konversionsstörung (0,3–0,7%)
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  • Komorbidität somatoformer Störungen Erfüllung der Kriterien der affektive Störung: 50 %Erfüllung der Kriterien einer spezifischen Angststörung: 30-40 %
  • Soziodemographische Faktoren bei somatoformen Störungen (Geschlecht, Bildung, SöS) Frauen doppelt so hohes Risiko, Niedrigere Bildung, niedrigerer SöS
  • Neurobiologische Faktoren bei somatoformen Störungen - keine heterogenen Ergebnisse - Hinweise auf Beteiligung des serotonergen Transmittersystems, immunologische Besonderheiten, erhöhte kardiovaskuläre Aktivität- erhöhte Muskelspannung wird mit chronischen Schmerzen in Verbindung gebracht
  • Persönlichkeitsmerkmale als Riskofaktoren für somatoforme Störungen (welche beiden?) - Neurotizismus - Alexithymie (reduzierte Fähigkeit, eigene Emotionen wahrzunehmen, auszudrücken und von körperlichen Symptomen zu unterscheiden)
  • Modelllernen und Verstärkungslernen als Risikofaktoren für somatoforme Störungen + Modell von Fordyce (3 Verstärkungsmechanismen) krankes Elternteil als Modell Nach Fordyce drei denkbare Verstärkungsbedingungen:-    Positive Verstärkung bei Krankheitsverhalten (Aufmerksamkeit, Trost)-    Negative Verstärkung bei Einstellung körperlicher Aktivität und Medikamenteinnahme (Schmerzabnahme)-    Mangelnde positive Verstärkung von Gesundheitsverhalten (Wiederaufnahme von Alltagsaktivitäten)
  • Kausalattributionen und katastrophisierende Bewertung bei somatoformen Störungen (kognitive Risikofaktoren) Organisch-somatische Kausalattributionen und katastrophierende Bewertung der eigenen Beschwerden-    Negative Verlaufserwartungen-    Niedrige Kontrollerwartungen-    Restriktive Auffassung von Gesundheit (Zustand der vollständigen Abwesenheit von Krankheit)
  • somatosensorische Verstärkung bei somatoformen Störungen (kognitiver Erklärungsansatz / Was für ein Wahrnehmungsstil?) Wahrnehmungsstil, bei dem körperliche Funktionen genau beobachtet werden. Bereits geringe Veränderungen werden als katastrophal bewertet und führen zu Angst und damit zu weiterer Aufmerksamkeitsfokussierung und Intensivierung der Körperreaktion.
  • Krankheitsverhalten als Risikofaktor bei somatoformen Störungen Bei chronischen Beschwerden stellt das Vermeidungsverhalten eine maladaptive Bewältigungsstrategiedar, da sie den Abbau körperlicher Kondition, negative affektive Reaktionen und  gedanklicher Beschäftigung mit den Beschwerden fördert.
  • Uebergreifendes Störungsmodell nach Rief und Hiller (1998) für somatoforme Störungen Bei erstmaligem Auftreten: Auslöser / Trigger führt zu:--> Körperlichen Veränderungen (Körperreaktionen, Missempfindungen)--> Wahrnehmung dieser--> Fehlinterpretation dieser als bedrohlich Das führt zu 2 Vorgängen:- Symptomverstärkung (durch erhöhte Aufmerksamkeit, Erregung)- Krankheitsverhalten (z.B. Schonverhalten, Medikamenteneinnahme)<--diese beiden verstärken wiederrum körperliche Veränderungen
  • Verlauf von somatoformen Störungen Zusammenfassend legen die Befunde nahe, dass dieWahrscheinlichkeit einer Verbesserung oder Heilungdes Beschwerdebildes mit zunehmender Krankheitsdauer immer geringer wird: - in den ersten drei Monaten bei Rückenschmerzen ca. 90 %- bei mehrjährigen Symptomen sehr gering
  • DSM-IV: Kriterien für Substanzabhängigkeit Ein unangepasstes Muster von Substanzgebrauch führt in klinisch bedeutsamer Weise zu Beeinträchtigungen oder Leiden, wobei sich mindestens drei der folgenden 7 Kriterien manifestieren, die zu irgendeiner Zeit in demselben 12-Monats-Zeitraum auftreten: 1) Toleranzentwicklung, definiert durch eines der folgenden Kriterien:-  Verlangen nach ausgeprägter Dosissteigerung, um einen Intoxikationszustand oder erwünschten Effekt herbeizuführen.-  deutlich verminderte Wirkung bei fortgesetzter Einnahme derselben Dosis. 2) Entzugssymptome, die sich durch eines der folgenden Kriterien äußern: -  charakteristisches Entzugssyndrom der jeweiligen Substanz (siehe Kriterien A und B der Kriterien für Entzug von den spezifischen Substanzen).-  dieselbe (oder eine sehr ähnliche) Substanz wird eingenommen, um Entzugssymptome zu lindern oder zu vermeiden. 3)  Die Substanz wird häufig in größeren Mengen oder länger als beabsichtigt eingenommen. 4)  Anhaltender Wunsch oder erfolglose Versuche, den Substanzgebrauch zu verringern oder zu kontrollieren. 5)  Viel Zeit für Aktivitäten, um die Substanz zu beschaffen, sie zu sich zu nehmen oder sich von ihren Wirkungen zu erholen. 6)  Wichtige soziale, berufliche oder Freizeitaktivitäten werden aufgrund des Substanzmissbrauchs aufgegeben oder eingeschränkt. 7)  Fortgesetzter Substanzmissbrauch trotz Kenntnis eines anhaltenden oder wiederkehrenden körperlichen oder psychischen Problems, das wahrscheinlich durch den Substanzmissbrauch verursacht oder verstärkt wurde.
  • DSM-IV: Substanzabhängigkeit: zusätzliche Differenzierung -  Mit körperlicher Abhängigkeit: Vorliegen von Toleranzentwicklung oder Entzugserscheinungen (Kriterium 1 oder 2 ist erfüllt). -  Ohne körperliche Abhängigkeit: kein Vorliegen von Toleranzentwicklung oder Entzugserscheinungen (weder Kriterium 1 noch Kriterium 2 ist erfüllt).
  • DSM-IV: Kriterien für Substanzmissbrauch A)   Ein unangepasstes Muster von Substanzgebrauch führt in klinisch bedeutsamer Weise zu Beeinträchtigungen oder Leiden, wobei sich mindestens eines der folgenden Kriterien innerhalb desselben 12-Monats-Zeitraumsmanifestiert:1)   Wiederholter Substanzgebrauch, der zu einem Versagen bei der Erfüllung wichtiger Verpflichtungen bei der Arbeit, in der Schule oder zu Hause führt. 2)   Wiederholter Substanzgebrauch in Situationen, in denen es aufgrund des Konsums zu einer körperlichen Gefährdung kommen kann.3)     Wiederkehrende Probleme mit dem Gesetz in Zusammenhang mit dem Substanzgebrauch (Verhaftungen aufgrund ungebührlichen Betragens in Zusammenhang mit dem Substanzgebrauch).4)     Fortgesetzter Substanzgebrauch trotz ständiger oder wiederholter sozialer oder zwischenmenschlicher Probleme, die durch die Auswirkungen der psychotropen Substanz verursacht oder verstärkt werden. B) Die Symptome haben niemals die Kriterien für Substanzabhängigkeit der jeweiligen Substanzklasse erfüllt.
  • Vergleich von DSM-IV und ICD10 im Bezug auf Substanzstörungen • Hohe Übereinstimmung bei Definition von Substanzabhängigkeit, Intoxikation, Entzug, Delir etc.• Unterschiede bei Substanzmissbrauch: in ICD-10 wird zugunsten der internationalen Vergleichbarkeit auf die Diagnose Substanzmissbrauch verzichtet.– Warum? Diagnose stellt den Konflikt mit gesellschaftlichen Normen in den Mittelpunkt (Konflikte mit Gesetz, Konsum in bestimmten Situationen), ist daher kulturabhängig– Stattdessen Diagnose schädlicher Gebrauch (F1x.1): Konsummuster psychotroper Substanzen, dass zu einer psychischen oder körperlichen Gesundheitsschädigung führt (z.B. Hepatitis)
  • Definition: Polytoxikomanie Konsum mehrerer verschiedener Substanzen.
  • 12-Monats-Prävalenz von Substanzstörungen (Alkohol und Drogen) Drogen: 1% Alkohol: 6,2%
  • 12-Monats-Prävalenz verschiedener Substanzstörungen (Alkohol, Nikotin, Medikamente, Cannabis) Alkohol: Riskante Konsum 17,2%, Rauschtrinken 26,1%, Abhängigkeit 2,4%, Missbrauch 3,8% -> größte Gruppe Tabak/Nikotinabhängigkeit: 6,3% Medikamente (problematischer Konsum): 4%, Cannabis- missbrauch/abhängigkeit: unter 1%
  • Epidemiologie von Alkohol -abhängigkeit und -missbrauch (Prävalenzen, Geschlechterverhältnisse, Altersstruktur) 2,4% abhängig, 3,8% Missbrauch, weitere 10,2% Konsum mit erhöhtem Risiko für Folgeschäden Lebenszeitprävalenz für Alkoholismus bei 13 %, bei Männern 4mal so hoch wie bei FrauenIn Deutschland hoher Alkoholkonsum von 9,9 Litern reinem Alkohol pro Jahr, Männer trinken dreimal so viel wie Frauen, besonders problematischer Konsum bei Jugendlichenab 60 Jahren Rückgang des Konsums
  • Einfluss der sozialen Schicht auf Alkoholabhängigkeit •   Keine Häufung in Abhängigkeit der sozialen Schicht
  • Komorbidität von Alkoholabhängigkeit •   Hohe Komorbidität. Insbesondere zu Affektiven Störungen, Angststörungen, Schizophrenen Störungen, Persönlichkeitsstörungen