8
Sozialpsychologie 2 (Subject) / Skript Angewandte Gruppendynamik (Lesson)
Zusammenfassung
This lesson was created by db2602.
This lesson is not released for learning.
- Definition Gruppendynamik Definition Soziale Gruppen Gruppendynamik: 1. Die in einer Gruppen ablaufenden Prozesse 2. Bereich der Sozialpsychologie 3. Verfahren zur Verdeutlichung und Beeinflussung des Geschehens in Therapie- und Trainingsgruppen (Rechtien) Soziale Gruppen: - relativ klein - unmittelbarer Kontakt (face to face) - Gemeinsame Ziele, Normen und Werte - Rollen, Funktionen und Positionen aufeinander bezogen Oder: Eine soziale Gruppe existiert, wenn die Gruppenmitglieder sich als Gruppe sehen.
- Bales Untersuchungen zu Interaktionsprozessen in Kleingruppen: - - Information nimmt deutlich ab - - Positive Reaktionen nehmen deutlich zu - - Meinungen auf hohem Niveau - - Negative Reaktionen nehmen leicht zu - - Vorschläge nehmen zu Bei der Interaktionsanalyse wird das beobachtete Verhalten der Individuen mit Hilfe eines Kategorienschemas in dem Augenblick eingeordnet und notiert, in welchem es stattfindet (auch: entsprechende Klassifikation von Videoaufzeichnungen). Die Kategorien sind nach positiver, neutraler bzw. negativer Intensität des individuellen Beitrags in der inhaltlich-sachlichen oder der affektiv-emotionalen Dimension des Verhaltens definiert. Beispiele sind: „zeigt Solidarität“, „zeigt Entspannung“, „bittet um Auskunft“, „zeigt Antagonismus“. Es wird angenommen, dass diese Verhaltensweisen nicht zufällig aufeinander folgen, sondern die Struktur der Gruppe widerspiegeln, in der der Interaktionsprozess stattfindet.
- Tuckmann Untersuchungen - - Metaanalyse: 55 Untersuchungen (u.a. Bales) Zum Teil aus Therapiegruppen (26 Studien) - - Grundannahme: Gruppen entwickeln sich in zeitlich abfolgenden und beschreibbaren Phasen - - Ergebnisse Sozio-emotionale Aspekte kombiniert mit Aufgabenaspekten Lineares Phasenmodell (in der Praxis häufig als "Teamuhr" verwendet)
- Tuckmann 4 Phasen-Modell + Kritik Phase: Kennzeichen: Forming Gruppenbildung, Ausprobieren von Verhaltensweisen, Orientierung an anderen, (Abhängigkeit vom Leiter) Storming Auseinandersetzung mit anderen Gruppenmitgliedern, Kampf um Macht und Einfluss, Widerstand gegen Gruppenziele, (Rebellion gegen den Leiter) Norming Normbildung, Entstehung von Gruppenzusammenhalt, Akzeptieren der anderen Gruppenmitglieder, Kooperation Performing Flexible Rollenverteilung, in der Problemlösegruppen effektive Arbeit è Tuckmann und Jensen 1977: Review 22 weitere Studien Bestätigung der 4 Phasen und Phase 5: Adjourning (Verlassen) Kritik: - Therapiegruppen generalisierbar? - Linear: Gruppenentwicklung verläuft eher Kreis- bzw. spiralförmig - Modell ist grob vereinfachende Beschreibung - Suggeriert Automatismus - Unterstellt eine den eigenen Prozessen ausgelieferte Gruppe - Positionierungskämpfe zwingend? - Praxis: Weil Theorie es so will, handeln alle danach und dann kommt es auch so
- Rechtien Phasenmodell Phase: Prozesse und Strukturen: 1) Fremdheit Suche nach Sympathie vs. Antipathie, Verbündete vs. Konkurrenten, Grundsteinlegung für spätere Beziehungen 2) Orientierung Entwicklung positiver/negativer Beziehungen , Machtkämpfe, Selbstbehauptung 3) Vertrautheit Paare und Untergruppen, Norm- und Rollenstruktur, Leistungsbereitschaft 4) Konformität Hohes Wir-Gefühl, evtl. hoher Gruppendruck, Entstehung von Außenseitern 5) Auflösung Abschied, Erfolgs- und Misserfolgserlebisse, Trauer
- Gruppenbesonderheiten, Rechtien Ziele: Individuelle Ziele und Gruppenziele bestimmen das Geschehen in Gruppen Formalität: Grad der Formalität bestimmt das Geschehen in Gruppen Aktionsorientierte Gruppen: z.B. Teams – Aufgabe von außen vorgegeben; Prozesse und Strukturen durch Anforderungen der äußeren Umwelt bestimmt Formelle Gruppen: z.B. Vereine, Teams – festgelegte Regeln und Rollenvereinbarungen; Entstehungsanlass häufig von außen definiertes Ziel, z.B. Qualifikation Identitätsorientierte Gruppen: z.B. Therapiegruppe - Probleme, Fragen und Betroffenheit der Gruppenmitglieder Innere Umwelt bestimmt Rollen, Normen und Kommunikations-Struktur Informelle Gruppen: z.B. Peergroup (Leute, die mir ähnlich sind) – miteinander regelt sich durch stillschweigende Übereinkunft Entstehung auf Initiative zukünftiger Mitglieder ohne formelle Organisation
- Arten von Gruppendynamischen Laboratorien Individuelle Strukturen und Prozessen in gruppalen Settings àPersönlichkeitsentwicklung - Sensitivity-Training - Encounter-Groups (Begegnungsgruppen) - Marathon-Training Gruppale Strukturen und Prozesse: Rechtien (2006) - Themenzentrierte Interaktion - Skill Training - Kommunikations- und Interaktionstrainings - Führungstraining - Human Relations Training - Teamentwicklung - Organisationsentwicklung
- (S)GPRI-Modell, Beckhard und Rubin Vier aufeinander aufbauende und sich wechelseitig beeinflussende Gestaltungsebenen (von Gruppen) System: Bezug zum Kontext (Organisation und Umwelt), z.B. strategische Unternehmensziele, Erwartungen von Vorgesetzten, Kunden, usw. Goals: Ziele der Zusammenarbeit, Erfolgskriterien Processes: Arbeits-, Kommunikations- und Entscheidungsprozesse (Aufgaben, Struktur von Arbeitsabläufen, Ablauf von Treffen, Schnittstellen) Roles and Responsibilities: Rollen und Verantwortungsverteilung (wechselseitige Erwartungen, Rollenklarheit) Interpersonal Relationship: Beziehungen und Umgangsstil miteinander (dazugehörige Kommunikations- und Interaktionsmuster, Haltungen, Konfliktumgang) --> ein Leitungsfähiges Team entwickelt sich erst nachdem es seine Ziele geklärt, die Arbeitsprozesse definiert, die Rollen geklärt und die persönlichen Beziehungen vertieft hat (Gerges, Mosner)
Advertisement